dann
die Energie der Gruppenmitglieder ganz der Aufgabe gewidmet wird. Nach Beendigung der Aufgabe folgt Phase 5, die
Auflösungsphase (Adjourning).
j
jForming
Die Mitglieder der Gruppe lernen sich kennen, sind aber
noch unsicher im Umgang miteinander. Sie tasten sich langsam heran und probieren aus, welches Verhalten in der
Gruppe akzeptiert wird. Sie tauschen sich über die Aufgaben,
Regeln und geeignete Methoden aus und legen sie fest. Die
Gruppenmitglieder orientieren sich an ihrer Führungskraft.
Sie erwarten Struktur und Sicherheit von ihr.
j
jStorming
Nun kommt es zu ersten Konflikten zwischen einzelnen
Gruppenmitgliedern und zum «Aufstand gegen den Führer»
(Tuckman 1965; nach: Staehle 1999). Die Gruppe ringt um
Einfluss und Macht. Die Mitglieder entwickeln Ablehnung
und Widerstände gegen die Aufgabenanforderungen, bestehende Normen und das Gruppenziel. Die Führungskraft
sollte wissen, dass diese Krisen in der Gruppenentwicklung
normal sind. Konflikte sollten offen in der Gruppe angesprochen werden und in Konfliktgesprächen geklärt werden.
Das kann die Entwicklung der Gruppe positiv beeinflussen.
Externe Coachs oder Mediatoren können eine Möglichkeit
sein, scheinbar nicht auflösbare Konflikte zu bearbeiten.
j
jNorming
Die Widerstände und Konflikte in der Gruppe werden in
dieser Phase seltener. Die Gruppenmitglieder tauschen sich
offen über ihre Meinungen und Gefühle aus. So entstehen
Gruppennormen und Werte. Die Akzeptanz der Gruppenmitglieder untereinander steigt, der Zusammenhalt zwischen
ihnen wächst (Gruppenkohäsion). Die Führungskraft definiert im engen Austausch mit der Gruppe die Spielregeln,
Konflikte dürfen angesprochen und Problemlösungen verabredet werden. Auch in dieser Phase ist eine gelungene Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern und der Führungskraft von entscheidender Bedeutung.
j
jPerforming
Die interpersonellen Probleme sind nun gelöst. In dieser
Phase dominieren Anerkennung und Wertschätzung der
Gruppenmitglieder untereinander. Die Struktur der Gruppe
Prüfer: Prof.Meißner
Unterschrift Anästhesist
Röntgenschutz für den Patienten?
Ja
Nicht erforderlich
Risiko für Blutverlust > 500 ml
(Bei Kindern > 7 ml/kgKG)
Nein
Ja, adäquater venöser Zugang
vorhanden, MAT bei Bedarf aufgerüstet
Beatmungs- oder Aspirationsrisiko?
Nein
Ja, benötigte Geräte/Assistenz
vorhanden
Allergie?
Nein
Ja
Freigabe: Hr. Brochhagen
04/2012
Unterschrift Operateur
Wichtigste Gesichtspunkte für die
Aufwachphase und die postoperative
Versorgung
Relevantes Bildmaterial liegt zur Ansicht bereit?
Ja
Nicht erforderlich
und/oder
Gesamtes Team:
Besonderheiten während des Eingriffs
MAT-Redon beschriftet?
Ja
Entfällt
Anästhesie bestätigt:
Dokumentationen (Schmerzprotokoll,
Kodierung, Therapieplan, MAT-Bogen
komplett
OP-Pflege bestätigt:
Instrumente, Tücher, Tupfer und Nadeln
vollständig
Präparate für die Pathologie korrekt
beschriftet
Ausrüstung in Ordnung
(z. B. Fehlfunktionen von Geräten oder
Instrumenten)
Drainagen geöffnet
Antibiotika-Prophylaxe erfolgt
Ja
Nicht erforderlich
Austausch über kritische Punkte
Operateur:
Kritische/unerwartete Schritte, zu
erwartende OP-Zeit, Blutverlust
Anästhesie:
Patientenspezifische Probleme
Lagerung überprüft
OP-Pflege: Ausrüstung vollständig
Anästhesieausrüstung komplett?
Chirurgie, Anästhesie und OP-Pflege
bestätigen verbal:
- Identität des Patienten
- Eingriff
- Eingriffsort
Alle Teammitglieder sind mit
Namen und Funktion bekannt
Geplante Anästhesie/Abgleich mit
Aufklärung
Pat. bestätigt Eingriff und Eingriffsort
Identität wird vom Pat. bestätigt
549
..Abb. 26.1 Sicherheitscheckliste für operative Eingriffe des KlinikumStadtSoest (Mod. nach der WHO-Checkliste «surgical safety checklist»; mit freundlicher Genehmigung von E.-M. Zimmermann,
Klinikum Stadt Soest)
Ersteller: E.-M. Zimmermann
Version 2.0
Datum
Unterschrift Pfl.-Kr. POBE und Pfl.-Kr. Station
Nüchternheit?
Loser Zahnersatz? Schmuck?
Pat. hat die Harnblase entleert.
Medikamentöse Prophylaxe
Antibiotisch
Antiallergisch
Nicht erforderlich
Unterlagen sind vollständig,
Einverständniserklärungen (operativ und
anästhesiologisch), Bildmaterial,
ggf. Blutgruppen- und/oder EK-Zettel
liegen vor
Eingriffsort ist markiert
Eingriff und Eingriffsort (Körperseite)
wird vom Pat. bestätigt.
(Fragen: »Welcher Eingriff ist geplant?«
»Welche Seite wird operiert?«- Zeigen lassen)
Patientenarmband ist angelegt
Identität wird vom Pat. bestätigt
(Frage: »Wie ist Ihr Name?«)
Vor Verlassen des OPs
Vor Schnitt (»Team Time Out«)
POBE (perioperative Behandlungseinheit)
Vor der Einleitung
Patienten-Aufkleber
Sicherheitscheckliste für
operative Eingriffe
26.2 · Bedeutung der Gruppe für das Individuum
26
Kapitel 26 · In Gruppen und Teams z usammenarbeiten
550
26
ist definiert, die Positionen sind gefestigt und werden akzeptiert. Die Mitglieder richten ihre ganze Energie auf die Aufgabe, deren Bearbeitung nun im Vordergrund steht. Die Erreichung des Gruppenziels ist jetzt möglich. Die Führungskraft
sorgt für ein störungsfreies Arbeiten und moderiert die Ergebnisse des Teams (Staehle 1999, Möller 2013, Schüpfer u.
Bauer 2006).
j
jAdjourning
Die gemeinsame Aufgabe ist erfüllt. Das Team geht auseinander (Möller 2013). Die Führungskraft begleitet den Abschied,
indem sie den Erfolg der Gruppe würdigt und sich für die
gemeinsam geleistete Arbeit bedankt.
Teams im OP
Für eine Operation werden, wie schon beschrieben, OPTeams zusammengestellt. In großen Operationseinheiten,
z. B. in Krankenhäusern der Maximalversorgung, kennen
sich die Team-Mitglieder häufig nur flüchtig bzw. überhaupt nicht. Man denke nur an die Explantation von Organen im Rahmen einer Organspende, zu der Teams aus
unterschiedlichen Transplantationszentren anreisen, um die
Organe des Organspenders für den Organempfänger zu
entnehmen. Das stellt eine Besonderheit in der Teamarbeit
im OP-Saal dar. Die Teams erhalten häufig kaum Gelegenheit, die Phasen der Team- oder Gruppenentwicklung zu
durchlaufen.
>>In einem solchen Kontext ist es von großer Wichtigkeit,
dass sich alle Teammitglieder dem Teamziel unterordnen, klar und deutlich miteinander kommunizieren
und ihre speziellen Funktionen mit einem hohen Maß
an Verantwortung wahrnehmen, um die gemeinsame
Aufgabe zu bewältigen.
Jeder hat in einer solchen Situation seine spezifische Rolle, die
er ausfüllen muss. Im nächsten Kapitel soll daher noch näher
auf die soziale Rolle innerhalb von Gruppen eingegangen
werden.
26.3
Die soziale Rolle
In der Zusammenarbeit in Gruppen, z. B. im OP-Team, werden an jedes Teammitglied vielfältige Erwartungen gerichtet,
die es zu erfüllen gilt.
Die Chirurgin erwartet von der Operationstechnischen
Assistentin, dass sie die einzelnen Handlungsabläufe der Operation kennt, alle dazu benötigten Instrumente und Materialien vorbereitet hat und die eingesetzte Medizintechnik sicher
beherrscht. Die instrumentierende OTA erwartet von der
«Springerin», dass sie die Schritte der Operation aufmerksam
verfolgt und schnell und sicher auf Anforderungen, die sich
daraus ergeben, reagiert.
Diese Erwartungen werden als soziale Rollen bezeichnet.
Rollen sind an die soziale Interaktion mit anderen Menschen
gebunden, in unserem Beispiel an die Zusammenarbeit im
OP-Saal. Sie werden von Normen und Werten bestimmt, die
innerhalb eines Sozialgefüges, in dem Falle dem OP-Team,
verankert sind (Schäfers 2013).
»» Eine soziale Rolle besteht aus einem Bündel von Ver
haltenserwartungen, die ein Mitglied eines sozialen Systems zu erfüllen hat. (Preyer 2012)
Die Kenntnis bestimmter Erwartungen erleichtert uns den
Umgang miteinander. Unter diesem Gesichtspunkt sind definierte Standards, Checklisten, Tätigkeitsbeschreibungen und
Verfahrensanweisungen verschriftlichte Erwartungen, die die
Zusammenarbeit im OP-Saal optimieren können und dem
Rolleninhaber das Ausfüllen seiner Rolle erleichtern.
Erfüllt ein Rolleninhaber diese Erwartungen nicht, wird
er seiner Rolle nicht gerecht und muss mit Sanktionen rechnen. Sanktionen können positiver Art sein, wenn die Erwartungen mehr als erfüllt werden, z. B. durch positives Feedback
und Anerkennung in der Gruppe. Bleibt das Ausfüllen der
Rolle durch den Rolleninhaber hinter den Erwartungen zurück, sind negative Sanktionen (z. B. Kritikgespräch bis hin
zur Bestrafung) möglich. Dabei unterscheiden sich die Erwartungen, die an einen Rollenträger gerichtet werden, nach
ihrem Verpflichtungsgrad. Dahrendorf (1958), ein deutscher
Soziologe, unterscheidet zwischen Muss-, Soll-, und KannErwartungen (Vester 2009).
Gesetzliche Vorgaben, wie z. B. die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV), sind nach seiner Defini
tion eine Muss-Erwartung und somit verpflichtend zu erfüllen. So kann z. B. der nicht sachgemäße Einsatz eines Hochfrequenzchirurgiegeräts u. U. Verbrennungen beim Patienten
hervorrufen und damit rechtliche Sanktionen für den Anwender nach sich ziehen.
Soll-Erwartungen können z. B. interne Verfahrensanweisungen sein, deren Einhaltung geboten ist, allerdings nicht so
verpflichtend, wie ein Gesetz. So sind Zählkontrollen der verwendeten Bauchtücher, Kompressen, Instrumente und Materialien prä-, intra- und postoperativ (noch) nicht gesetzlich
geregelt, allerdings im Rahmen der Patientensicherheit strikt
geboten. Das OP-Team erwartet, dass die verwendeten Materialien auch korrekt von der Instrumentierenden und der
«Springerin» gezählt werden. Im Zweifelsfall hat die instrumentierende Fachkraft das implizite Recht, die Operateure
aufzufordern, mit dem Wundverschluss zu warten, bis die
Zählkontrolle korrekt durchgeführt wurde.
Kann-Erwartungen sind «nicht kodifiziert, sondern relativ locker und unverbindlich» und stellen den größten Handlungsspielraum dar, den ein Rolleninhaber hat. Hier kommt
u. a. der Charakter einer Person ins Spiel. Wir können offen,
neugierig, extrovertiert sein oder auch eher zurückhaltend,
abwartend, introvertiert und trotzdem die Erwartungen, die
an unsere berufliche Rolle gerichtet sind, erfüllen.
26.3.1
Rollenkonflikte
Die unterschiedlichen Rollenerwartungen, die an eine Person
durch ihr soziales Umfeld gestellt werden, müssen klar und
eindeutig definiert sein. Die Person muss diese Erwartungen
551
26.3 · Die soziale Rolle
Konflikt
Erklären Sie mir
bitte genau den
Tischaufbau und
die Operation
Sorgt für einen
kurzen Wechsel,
das OP-Programm
ist groß!
Ich möchte meine
Arbeit so gut wie
nur möglich
machen.
Bereiten Sie bitte
schon mal alles
vor. Ich komme
dann dazu.
Erwartungen
des OPManagers
Erwartungen
des
Chirurgen
Rollenselbstbild
der OTA
Erwartungen der
Auszubildenden
Erwartungen
der Kollegin
im
Nachbarsaal
Konflikt
Hast Du Zeit?
Hilf mir bitte,
ich schaff das
nicht allein.
Ich möchte gut
ausbilden und
hilfsbereit sein.
..Abb. 26.2
Beispiel für einen Intra-Rollenkonflikt
kennen. Sie muss die Möglichkeiten und Mittel haben, auf
diese unterschiedlichen Erwartungen reagieren zu können.
Geschieht dies nicht, kann innerhalb dieser Person ein Konflikt ausgelöst werden, ein Rollenkonflikt.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf die Unabdingbarkeit einer guten Kommunikation und Information im
OP-Saal hingewiesen. So geben z. B. Einarbeitungskonzepte,
Prozessbeschreibungen und Standards neuen Mitarbeitern
Orientierung und helfen ihnen, ihre Rolle im OP-Team zu
finden und auszufüllen.
44Der Chirurg möchte in der Zeit zwischen zwei Operationen einen Verbandwechsel auf der Station durchführen
und bittet die OTA, gemeinsam mit dem Assistenten
die Hautdesinfektion und das Abdecken des OP-Gebiets
für die nächste Operation vorzunehmen, damit er diese
dann ohne Zeitverzug beginnen kann.
44Schließlich hat die Operationstechnische Assistentin
einen hohen Anspruch an sich selbst (Rollen-Selbstbild).
Sie möchte ihre Arbeit korrekt und sorgfältig durch
führen.
j
jIntra-Rollenkonflikt
Die Erwartungen, die an die OTA gerichtet werden, sind teilweise widersprüchlich. Sie soll einerseits zügig die nächste
Operation vorbereiten, andererseits kollegial die Kollegin
unterstützen und gleichzeitig eine gute Ausbilderin sein. Den
Dienst hat sie übernommen, weil eine Kollegin erkrankt ist.
Sie möchte einerseits ihre Arbeit sorgfältig ausführen, wäre
aber andererseits lieber mit ihrem Freund am Strand. Ihre
Rollen als OTA widersprechen sich bis hin zu ihrem eigenen
Rollenselbstbild.
Widersprechen sich Erwartungen an einen Rolleninhaber,
in unserem Beispiel die OTA (. Abb. 26.2), kann er sich häufig
nur für eine der gestellten Anforderungen entscheiden. Damit
nimmt er bewusst soziale Sanktionen in Kauf. In unserem Beispiel widmet sich die OTA nach Abwägung aller A
lternativen
der Anleitungssituation, weil sie weiß, dass die Auszubildende
demnächst eine Prüfung hat. Sie weiß gleichzeitig, dass sich
dadurch auch die Wechselzeit verlängert und sie der Forderung des OP-Managers nicht gerecht werden kann.
Innerhalb einer Rolle kann ein Mensch sich widersprechenden Erwartungen verschiedener Personengruppen ausgesetzt
sehen. Es kommt zu einem Intra-Rollenkonflikt (Vester
2009).
So können z. B. an die OTA unterschiedliche Anforderungen gestellt werden, die nicht gleichzeitig realisierbar sind:
44Der OP-Manager erwartet, dass die Operationen in
einem OP-Saal ohne Zeitverzug hintereinander statt
finden, er fordert, dass die Wechselzeiten so kurz wie
möglich sind.
44Gleichzeitig erwartet die Auszubildende im OP-Saal,
dass sie gut angeleitet wird und alle Fragen, die sie zum
Operationsverlauf, zum Instrumentarium, zum Tischaufbau stellt, ausführlich und geduldig beantwortet
werden.
44Die OP-Pflegekraft im Nachbarsaal braucht Hilfe beim
Aufbau der Geräte für die nachfolgende Operation.
26
552
Kapitel 26 · In Gruppen und Teams z usammenarbeiten
26
Wie kann ich
allen Rollen
gerecht werden?
Rolle als
Mutter
Rolle als
Sängerin in
der Band
OTA
Rolle als
Freundin
Rolle als OTA
Rolle als
junge Frau
Rolle als
Tochter
..Abb. 26.3 Beispiel für einen Inter-Rollenkonflikt. Die Erwartungen
(Rollen) haben Einfluss auf die Persönlichkeit des Rolleninhabers. Inner-
halb der Rolle besteht ein individueller Gestaltungsfreiraum. Die gestrichelten Pfeile stellen mögliche Konfliktlinien dar.
j
jInter-Rollenkonflikt
So einfach sind natürlich nicht alle Inter-Rollenkonflikte
auflösbar. Lösungen, die allen Erwartungen gerecht werden,
sind selten. Durch die Entscheidung des Rolleninhabers für
eine bestimmte Rolle, werden häufig andere Rollen vernachlässigt, was zu sozialen Konflikten führen kann.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Rolleninhaber den Konflikten innerhalb einer Rolle bzw. zwischen
den Rollen nur mit unterschiedlichen Strategien begegnen
kann. Er kann sich für eine Rolle entscheiden und damit
andere vernachlässigen. Auch hier sind soziale Konflikte mit
den Rollenpartnern möglich. Eine weitere Strategie ist es,
allen Erwartungen mit Einschränkungen gerecht zu werden.
Dabei müssen die Rollenpartner die Rollenerwartungen so
anpassen, dass nicht neue Rollenkonflikte auftreten. Eine absolute Erfüllung aller Anforderungen an eine Rolle oder an
mehrere Rollen innerhalb einer Person ist nicht möglich.
Ein Mensch nimmt gleichzeitig verschiedene Rollen in unterschiedlichen Zusammenhängen wahr, aus denen sich unterschiedliche, sich widersprechende Anforderungen ergeben
können. Es kommt zu einem Inter-Rollenkonflikt (Vester
2009). Die OTA ist, als junge Frau, gleichzeitig Tochter, Mutter, Freundin und singt vielleicht in ihrer Freizeit in einer
Band. In jedem dieser Kontexte hat sie eine andere Rolle inne,
die durch unterschiedliche Anforderungen zu einem Konflikt
zwischen den Rollen führen können. So z. B.:
44fragt die OP-Leitung nach, ob sie am Wochenende einen
zusätzlichen Bereitschaftsdienst übernehmen könnte,
44die Eltern brauchen aber auch Hilfe im Garten,
44ihren Kindern hat sie schon lange einen Kinobesuch versprochen,
44die Freundin kündigt sich am Wochenende zum Besuch
an
44und die Band plant einen zusätzlichen Auftritt.
Unsere OTA (. Abb. 26.3) entscheidet sich z. B. für ihre Rolle
als Mutter und geht mit den Kindern am Sonntag ins Kino. Sie
bittet die Freundin, ihren Besuch auf das nächste Wochen
ende zu verschieben. Den Rasen bei den Eltern mäht sie am
Samstag. Den Bandauftritt am Abend kann sie wahrnehmen.
Ihr Freund fährt sie zum Konzert. Und sie bittet eine Kollegin,
den Bereitschaftsdienst am Wochenende zu übernehmen.
Dafür springt sie beim nächsten Mal ein.
26.3.2
Rollenstruktur
Wer schon einmal als ein neues Mitglied in einer Gruppe aufgenommen wurde, dem mag aufgefallen sein, dass bestimmte
Rollen in unterschiedlichen Gruppen immer wieder zu finden sind. So gibt es in Schulklassen häufig den Pausenclown
oder den Anführer, den Streber und den Außenseiter.
In Gruppen, wie in anderen sozialen Systemen, nehmen
die Gruppenmitglieder bestimmte Positionen ein, die sich
553
Literatur
aufeinander beziehen bzw. mit anderen Positionen verbunden sind. In einer durch die Organisation formal zusammengestellten Gruppe werden Positionen (z. B. die Position der
OP-Leitung) von der Organisation zur Erreichung der Organisationsziele vorgegeben. Diese Position existiert unabhängig von der Person, die sie ausfüllt. Wie schon beschrieben,
werden an jede Position innerhalb einer Gruppe bestimmte
Erwartungen (Rollenerwartungen) gerichtet, die durch die
Organisation, durch Vorgesetzte, Mitarbeiter etc. vorgegeben
werden.
Wo Menschen gemeinsam arbeiten, kommunizieren,
interagieren, bilden sich neben formalen Gruppenstrukturen
auch sog. informelle Strukturen heraus, in denen sich häufig
bestimmte Rollenkonstellationen wieder finden lassen. Der
Begriff «informell» bedeutet in diesem Zusammenhang, dass
die Strukturen häufig ungeplant und spontan entstehen und
nicht von der Organisation vorgegeben werden (Staehle
1999).
In einer Arbeitsgruppe sind die Beziehungen der Mitglieder untereinander einerseits formell (von der Organisation
vorgegebenen) und andererseits informell (durch längerfristige Kontakte der Gruppenmitglieder).
Welche Rollen in einer Gruppe, einem Team entstehen,
hängt von den Gruppenmitgliedern und ihren Bedürfnissen
und vom Zusammenhalt innerhalb der Gruppe ab. Rollen
beziehen sich aufeinander und bedingen sich wechselseitig
(Leuzinger u. Luterbacher 1994). «Benötigt» eine Gruppe also
einen Clown, der immer für einen Witz gut ist und über den
die Gruppe lacht, wird sich häufig ein Gruppenmitglied finden, das diese Position besetzt. Herrscht dagegen eine hierarchisch gegliederte, streng an der ernsten Aufgabe orientierte
Arbeitsatmosphäre vor, ist die Rolle des Clowns überflüssig.
Bestimmte Rollen erfüllen bestimmte Funktionen innerhalb der Gruppe. So ist der Gruppenführer verantwortlich
für die Aufgabenverteilung, die Planung und Benennung der
Gruppenziele, die Aktivitäten, für die Vertretung der Gruppe
nach außen. Er vermittelt in Konflikten und schützt bei Bedarf schwächere Gruppenmitglieder. Häufig ist der Gruppenführer auch der formale Führer, also der von der Organisation
eingesetzte.
Für die zwischenmenschlichen Beziehungen ist der Beliebte zuständig. Seine Aufgabe besteht darin, den Zusammenhalt der Gruppe zu fördern und Gegensätze in der
Gruppe auszugleichen. Er ist beliebt bei allen Gruppenmitgliedern und sehr engagiert. Er hört zu, nimmt Anteil, ermutigt die Gruppenmitglieder. Häufig ist er auch der zweite
Gruppenführer (Bär 1999; Leuzinger u. Luterbacher 1994).
Die Sachebene der Aufgabe behält der Tüchtige im Blick,
er ist fleißig und orientiert auf die normativen Ziele der
Gruppe. Häufig wetteifern der Tüchtige und der Beliebte um
die Position des Gruppenführers.
Der Mitläufer orientiert sich am Gruppenleiter. Er lässt
sich vom Gruppenführer lenken und leiten und führt die Aufgaben aus, die ihm gestellt werden. In der Gruppe fühlt er sich
nicht benachteiligt.
Als ein starkes Mitglied der Gruppe gilt der Opponent.
Er hat Führungsqualitäten. Häufig ist er nicht zum Grup
penführer «gemacht» worden und deshalb in Opposition.
(Un)bewusst macht er dem Gruppenführer die Position streitig und hat dadurch eine besondere Stellung zu ihm.
Als ein schwaches Gruppenmitglied wird der Sündenbock für Schwierigkeiten und auftretende Probleme verantwortlich gemacht. Kleinigkeiten können die Ursache sein,
warum ein Gruppenmitglied in die Rolle des Sündenbocks
gerät. Mitunter sind das auch äußere Merkmale der Person,
wie die Herkunft, die Sprache, Aussehen etc. Wird der Sündenbock ausgegrenzt, schweißt das die Gruppe zusammen.
Der Außenseiter hat keinen besonderen Platz in der
Gruppe. Mitunter nimmt er eine Beraterfunktion innerhalb
der Gruppe wahr (Leuzinger u. Luterbacher 1994).
Es ist nicht schwer zu verstehen, dass die Rolle des Sündenbocks für ein Gruppenmitglied nicht leicht zu ertragen ist.
Die Person in dieser Rolle kann tun und lassen, was sie will,
sie ist immer schuld. Sie wird sich zurückziehen oder in Aggressivität flüchten. So geht vielleicht der Gruppe ein Mitglied
verloren, das für die Erreichung des gemeinsamen Ziels sehr
wertvoll sein kann. Häufig begünstigt der Gruppenleiter
durch sein Verhalten bewusst oder unbewusst die Ausprägung einer solchen Rolle. In einer derartigen Situation ist es
seine Aufgabe, zwischen dem Rolleninhaber der unbeliebten
Position und der Gruppe zu vermitteln, für Verständnis zu
plädieren und sich im Bedarfsfall schützend vor ihn zu stellen.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 26
55 Welche Merkmale kennzeichnen eine soziale Gruppe?
55 Was ist ein Team?
55 Welche Kommunikationsinstrumente kennen Sie, die
Sie im OP anwenden?
55 OP-Teams werden häufig ad hoc zusammengestellt.
Was ist in diesen Situationen besonders zu beachten?
55 Welche sozialen Rollen nehmen Sie ein?
Literatur
Bähr WH (1999) Ausbildung in der Gruppe. IFA, Berlin Bonn
Küfner R, Baer D, Czerny U et al. (1985) Großes Fremdwörterbuch, 6. Aufl.
Bibliografisches Institut, Leipzig
Langenscheidt G (1937) Langenscheidts Taschenwörterbücher LateinDeutsch/Deutsch-Latein. Langenscheidt, Berlin
Leuzinger A, Luterbacher T (1994) Mitarbeiterführung im Krankenhaus.
Huber, Bern
Möller S (2013) Erfolgreiche Teamleitung in der Pflege. Springer, Berlin
Heidelberg New York
Preyer G (2012) Rolle, Status, Erwartungen und soziale Gruppe. Springer,
Wiesbaden
Schäfers B (2013) Einführung in die Soziologie. Springer, Wiesbaden
Schüpfer G, Bauer M (2006) Konfliktmanagement. In: Welk I, Bauer M
(Hrsg.) OP-Management: praktisch und effizient. Springer, Heidelberg Berlin
Staehle WH (1999) Management, 8. Aufl. Vahlen, München
Vester HG (2009) Kompendium der Soziologie I: Grundbegriffe. VS,
Springer, Wiesbaden
Watzlawick P, Beavin JH, Jackson DD (1969) Menschliche Kommunikation. Huber, Bern
26
555
Lernen planen, durchführen
und evaluieren
Heike Richter, Ralf Neiheiser, Perikles Jennrich
27.1
Aktuelle DKG-Empfehlung
27.1.1
27.1.2
27.1.3
Anforderungen an die OTA-Schulen – 556
Voraussetzungen für den Zugang zur OTA-Ausbildung – 556
Form, Dauer und Gliederung der OTA-Ausbildung – 556
27.2
Ansatz und Struktur des OTA-Curriculums des Deutschen
OTA-Schulträgerverbands (DOSV) – 558
27.2.1
27.2.2
27.2.3
27.2.4
27.2.5
Struktur des Curriculums – 558
Das Kompetenzmodell – 558
Soziales Lernen – 559
Lernkontrollen und Leistungsbeurteilungen
Verbindung von Theorie und Praxis – 559
27.3
Erfolgreich lernen
27.3.1
27.3.2
27.3.3
Was ist Lernen? – 559
Innere Faktoren – 560
Äußere Faktoren – 563
Literatur
– 556
– 559
– 564
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_27
– 559
27
556
Kapitel 27 · Lernen planen, durchführen und evaluieren
Lernziele
27
55 Die Auszubildenden beachten die Ausbildungs- und Prüfungsempfehlung der DKG als Grundlage ihrer theoretischen und praktischen Ausbildung zur/zum OTA.
55 Sie kennen ihre Rechte und Pflichten als Auszubildende
und verhalten sich dementsprechend.
27.1
Aktuelle DKG-Empfehlung
Heike Richter, Ralf Neiheiser
Empfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen/Assistenten (Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft vom 17.09.2013)
27.1.1
Anforderungen an die OTA-Schulen
OTA-Schulen sind mit dem Krankenhaus verbundene Einrichtungen, die als zur Ausbildung geeignet anerkannt worden sind. Hieraus folgt, dass die OTA-Schulen eine gewisse
Nähe zum Krankenhaus haben müssen, da auf eine enge Verzahnung zwischen theoretischer Ausbildung (OTA-Schule)
und praktischer Ausbildung (Krankenhaus) größter Wert zu
legen ist. Hinzu kommt, dass die OTA-Schulen mehrheitlich
unter der gleichen Trägerschaft wie das Krankenhaus betrieben werden, an dem sie angesiedelt sind. In diesen Fällen werden die Ausbildungsverträge immer zwischen dem Krankenhaus und den OTA-Auszubildenden geschlossen.
Es gibt allerdings auch OTA-Schulen, die als eigenstän
dige Unternehmen (z. B. in Form einer GmbH) betrieben
werden. Im Rahmen solcher Konstellationen ist es üblich,
dass die Ausbildungsverträge direkt zwischen der OTA-Schule
und den OTA-Auszubildenden geschlossen werden.
OTA-Ausbildungsverträge sind insbesondere durch folgende Aspekte gekennzeichnet:
44Art der Ausbildung,
44Beginn und Dauer der Ausbildung,
44Probezeit,
44Durchführung der Ausbildung,
44Dauer der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Ausbildungszeit,
44Ausbildungsvergütung,
44Dauer des Erholungsurlaubs,
44Kündigung (innerhalb der Probezeit und nach der
Probezeit),
44Verhalten während der Ausbildung (Schulordnung
und Hausordnung).
27.1.2
Voraussetzungen für den Zugang
zur OTA-Ausbildung
Bewerberinnen und Bewerber für die OTA-Ausbildung müssen neben der physischen und psychischen Eignung für den
Beruf auch eine bestimmte schulische Vorbildung nachweisen. In der Regel ist dies ein mittlerer Schulabschluss oder
eine andere gleichwertige abgeschlossene Schulbildung (mehr
als 50% der Bewerberinnen und Bewerber verfügen derzeit
über die Fachhochschul- bzw. Hochschulreife). Welche anderen Schulabschlüsse dem Realschulabschluss gleichwertig
sind, entscheidet die DKG.
Darüber hinaus ist es auch möglich, zur OTA-Ausbildung
zugelassen zu werden, wenn der Hauptschulabschluss oder
eine gleichwertige Schulbildung, zusammen mit einer erfolgreich abgeschlossenen mindestens zweijährigen Berufsaus
bildung oder einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung
in der Krankenpflege- oder Altenpflegehilfe nachgewiesen
wird (die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung ist in
diesen Fällen im Bewerbungsverfahren vorzulegen).
Für bestimmte Berufsgruppen kann die OTA-Ausbildung
auch verkürzt werden. In der Regel handelt es sich um Gesundheits- und Krankenpflegerinnen (GKP) sowie um Medizinische Fachangestellte (MFA). In beiden Fällen ist eine einschlägige Tätigkeit im Operationsdienst anhand eines qualifizierten Arbeitszeugnisses von der Bewerberin bzw. dem
Bewerber nachzuweisen. Etwaige Erfahrungswerte im operativen Bereich, die während der Berufsausbildung (GKP bzw.
MFA) «gesammelt» wurden, können im Bewerbungsverfahren nicht berücksichtigt werden. Über Verkürzungsanträge
entscheidet, nach entsprechender Vorprüfung der OTASchule, grundsätzlich die DKG.
27.1.3
Form, Dauer und Gliederung
der OTA-Ausbildung
Die OTA-Ausbildung dauert in Vollzeitform drei Jahre, in
Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie findet an von der DKG
anerkannten OTA-Schulen als Lehrgang mit Unterricht (in
der Regel werden Blockunterrichtsphasen durchgeführt) sowie mit einer in den Lehrgang eingegliederten praktischen
Ausbildung in Pflicht- und Wahlpflichteinsatzgebieten statt.
Die OTA-Ausbildung wird mit einer Abschlussprüfung abgeschlossen.
j
jTheoretische Ausbildung
Statt der bisherigen Fächeraufstellung (DKG-Empfehlung zur
Ausbildung und Prüfung von OTA vom 19.09.2007) werden
die Lehrinhalte für den Unterricht nunmehr in fächerübergreifenden und handlungsorientierten Lernbereichen und
Lerneinheiten dargestellt. Die Lernbereiche (z. B. «Spezielle
Aufgaben der OTA») und Lerneinheiten (z. B. «Hygienische
Arbeitsweisen kennen und einüben») bilden die Grundlage
für die Erarbeitung von Curricula der OTA-Schulen. Folgerichtig sind diese vollumfänglich zu beachten und einzuhalten. Die organisatorische Eigenständigkeit der OTA-Schule
bleibt hiervon unberührt.
Der Unterricht muss mindestens 1.600 Stunden umfassen. Er besteht aus einem theoretischen Teil und einem fachpraktischen Teil. Der fachpraktische Unterricht soll den theoretischen Unterricht, im Sinne einer gezielten Vorbereitung
557
27.1 · Aktuelle DKG-Empfehlung
für die Anleitungssituation bei der praktischen Ausbildung,
vertiefen. Folgerichtig werden Praxisanleiter in der Regel
aktiv in den fachpraktischen Unterricht eingebunden. Dies
impliziert eine enge (notwendige) Verzahnung zwischen
Theorie und Praxis.
(Gruppenprüfung bis maximal vier Prüflinge). Jeder zu prüfende Lernbereich wird von mindestens einer Fachprüferin
bzw. einem Fachprüfer abgenommen und benotet. Aus dem
Durchschnitt der Noten für die einzelnen Lernbereiche wird
dann die Note für den mündlichen Teil der Prüfung gebildet.
j
jPraktische Ausbildung
>>Die mündliche Prüfung ist bestanden, wenn jeder ein-
Die OTA-Ausbildung umfasst mindestens 3.000 Stunden geleistete praktische Ausbildung. Im Fokus stehen hierbei umfangreiche Einsätze in der Viszeralchirurgie, in der Traumatologie und Orthopädie sowie in der Gynäkologie und Uro
logie (Pflichteinsatzgebiete). Darüber hinaus werden die
OTA-Auszubildenden in zahlreichen weiteren operativen
Fachgebieten, wie etwa in der Gefäßchirurgie, in der Thoraxchirurgie, in der Neurochirurgie oder in der Augenchirurgie
ausgebildet (Wahlpflichteinsatzgebiete). Weitere Einsatzgebiete in den Funktionsbereichen (Notaufnahme, Ambulanz,
Endoskopie, Anästhesie etc.) runden die OTA-Ausbildung als
breites «Qualifizierungspaket» ab.
Im Rahmen der praktischen Ausbildung hat das Krankenhaus eine fachkundige Praxisanleitung, nach den Vorgaben
der DKG, sicherzustellen. Durch die fachkundige Praxisanleitung sollen die OTA-Auszubildenden im Verlaufe der OTAAusbildung an die eigenständige Wahrnehmung der beruflichen Aufgaben herangeführt werden. Die Praxisanleiter, die
neben einer abgeschlossenen fachspezifischen OP-Qualifikation auch über eine berufspädagogische Zusatzqualifikation
verfügen müssen, werden aktiv in praktische Lernzielkontrollen sowie in die praktische Abschlussprüfung einbezogen.
j
jPrüfungsverfahren – Prüfungsteile
Die OTA-Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen,
mündlichen und praktischen Teil und wird an der OTA-Schule abgelegt, an der der Prüfling die Ausbildung abschließt.
Der schriftliche Teil der Prüfung besteht aus unter Aufsicht anzufertigenden Arbeiten. Sie findet an zwei aufeinander folgenden Tagen statt. Die Aufsichtsarbeiten in den Lernbereichen 1 und 2 dauern jeweils 120 Minuten, in den Lernbereichen 3 und 4 jeweils 60 Minuten. Für die Ermittlung der
Note für den schriftlichen Teil der Abschlussprüfung werden
zunächst die Lernbereiche 1 und 2 jeweils mit dem Faktor 2
multipliziert sowie die Lernbereiche 3 und 4 mit dem Faktor 1. Im Anschluss daran wird dann die Summe der gewichteten Noten durch die Summe der Faktoren dividiert.
>>Die schriftliche Prüfung ist bestanden, wenn jeder ein-
zelne Lernbereich mit mindestens «ausreichend» bewertet wird.
k
kMündlicher Teil
Der mündliche Teil der Prüfung erstreckt sich auf die Lernbereiche «Kernaufgaben der OTA», «Spezielle Aufgaben der
OTA» sowie «Ausbildungs- und Berufssituation der OTA»
oder «Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen».
In den einzelnen Lernbereichen wird der Prüfling mindestens
jeweils 10 Minuten und nicht länger als 15 Minuten geprüft.
Die Form der Einzel- und Gruppenprüfung ist möglich
zelne Lernbereich mit mindestens «ausreichend» bewertet wird (für die Prüfung in den Lernbereichen 3
und 4 ist hierbei eine einzige ganze Note zu bilden).
k
kPraktische Prüfung
Die Dauer der praktischen Prüfung umfasst maximal sechs
Stunden und kann auf zwei aufeinander folgende Tage verteilt
werden. Hierbei soll für das Einholen von Informationen
über die geplante Operation sowie für die schriftliche Arbeitsablaufplanung der Zeitraum von zwei Stunden nicht überschritten werden. Die vorgegebene Prüfungsdauer von sechs
Stunden soll nach Möglichkeit vollständig ausgeschöpft werden. Insofern kann der Prüfling im Anschluss an eine Operation bis zur Vollendung der sechsten Stunde im Rahmen einer
Springertätigkeit weiter geprüft werden. Die praktische Prüfung ist von zwei Fachprüfern abzunehmen und zu benoten
(verantwortliche OTA-Ausbildungsleitung und vollumfänglich qualifizierter Praxisanleiter aus einem operativen Fachgebiet vor Ort). Aus den Noten der Fachprüfer bildet die Vorsitzende des Prüfungsausschusses die Note für den praktischen Teil der Abschlussprüfung.
>>Die praktische Prüfung ist bestanden, wenn mindes-
tens das Ergebnis «ausreichend» erzielt wird.
Nach den Ergebnissen der schriftlichen, mündlichen und
praktischen Prüfung ermittelt der Prüfungsausschuss unter
Berücksichtigung der während der Ausbildung gezeigten
Leistungen (die jeweiligen Vornoten für den schriftlichen,
mündlichen und praktischen Teil der Ausbildung fließen zu
25% in das Gesamtergebnis ein) das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung.
j
jAnerkennung der Absolventen/Zeugnisse
Über die bestandene Prüfung erhält der Prüfling ein Zeugnis,
auf dem die Noten für die einzelnen Prüfungsteile sowie das
Gesamtergebnis explizit ausgewiesen werden. Anhand einer
separaten Urkunde, die von der DKG ausgestellt wird, erhält
der Prüfling die Berechtigung, die Bezeichnung «Operationstechnische Assistentin (DKG)» bzw. «Operationstechnischer
Assistent (DKG)» zu führen. Die Seite 1 des Zeugnisses wird
sowohl von dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses als
auch der DKG unterzeichnet. Dem gegenüber wird die separate Urkunde zur Führung der Berufsbezeichnung «OTA»
lediglich von der DKG unterzeichnet. Dies ist deshalb von
besonderer Relevanz, weil hierdurch der Weg zu einer staatlichen Anerkennung durch die zuständige Behörde zu einem
späteren Zeitpunkt «geebnet» wird. Insofern sind diese Urkunden äußerst sorgfältig aufzubewahren.
Das Zeugnis, das grundsätzlich auch vom Ausbildungsträger zu unterzeichnen ist (z. B. Ausbildungsträger ist ein
27
Kapitel 27 · Lernen planen, durchführen und evaluieren
558
27
Kooperationskrankenhaus), muss ferner Angaben über die
Dauer und das Ziel der Ausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten des
Prüflings enthalten (Seite 2 des Zeugnisses). Auf Verlangen
des Prüflings sind auch Angaben über sein Verhalten und
seine Leistung aufzunehmen.
27.2
Ansatz und Struktur des
OTA-Curriculums des Deutschen
OTA-Schulträgerverbands (DOSV)1
Heike Richter
Lernziele
55 Die Auszubildenden sind mit der curricularen Grund
lage und dem organisatorischen Ablauf ihrer theoretischen und praktischen Ausbildung vertraut. Sie ver
stehen die Bedeutung eines handlungsorientierten,
fächerintegrativen Curriculums für ihr Lernen und ihre
Rolle als Lernende.
55 Sie übernehmen eine aktive Rolle bei der Gestaltung
von Lernprozessen in der Schule.
Zu Beginn der Ausbildung der Operationstechnischen Assistenten in den 1990er Jahren erarbeiteten Lehrkräfte aus den
ersten OTA-Schulen in Deutschland einen Stoffverteilungsplan, der sich damals an Fächern orientierte und der über den
heutigen DOSV überwacht und evaluiert wurde. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) gab diesen als Musterstoffverteilungsplan an OTA-Schulen in Deutschland weiter.
Im Jahre 2003 wurde im Rahmen der Neufassung des
Krankenpflegegesetzes vorgegeben, dass die berufliche Handlungskompetenz mehr in den Vordergrund zu stellen ist. Dies
hatte zur Folge, dass auch der DOSV diesen Paradigmenwechsel aufgriff und und ein Mustercurriculum erworben
hat, das im Rahmen einer Diplomarbeit entstand. Dieses Curriculum beinhaltete Handlungskompetenzen, die in Form
eines Lernbereichskonzepts darstellt wurden.
Als Grundlage des Musterstoffverteilungsplans entstand
ein Curriculum zur Ausbildung von Operationstechnischen
Assistenten nach dem sog. Lernbereichskonzept. Nach der
Fertigstellung der Diplomarbeit erwarb der DOSV im Jahr
2005 die uneingeschränkten Rechte für das Curriculum und
überprüfte gemeinsam mit der DKG und ausgewählten OTASchulen2 im Anschluss in einer Zeitspanne von vier Jahren
das Curriculum auf seine Tauglichkeit in der Praxis. Nach der
Evaluation erfolgten Veränderungen in Form von modifizierten handlungsorientierten Zielen.
Der DOSV hat eine permanente Arbeitsgruppe eingerichtet, bestehend aus Lehrkräften unterschiedlicher OTA-Schu1
2
Vgl. DOSV: OTA-Curriculum
OTA-Schule Kreiskliniken Reutlingen, OTA-Schule Klinikum Mittelbaden, OTA-Schule ZAB Gütersloh, OTA-Schule Universitätsklinikum Frankfurt am Main, OTA-Schule Bildungszentrum St. Hildegard
Osnabrück
len, die das Curriculum verändern, modifizieren und ergänzen, sodass eine hohe Aktualität gewährleistet ist.
27.2.1
Struktur des Curriculums
Das Curriculum gliedert sich in vier Teilbereiche:
44Lernbereich I: Die Kernaufgaben der OTAs (7 Sektion 1)
55Hierzu zählen Tätigkeiten, die zum Erwerb der
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