fachgebietsübergreifenden Rahmenbedingungen notwendig sind, insbesondere zur Durchführung der opera
tiven Eingriffe.
44Lernbereich II: Spezielle Aufgaben der OTAs (7 Sektion
2 und 3)
55Zu diesem Lernbereich werden die speziellen, fach
gebietsgebundenen Tätigkeiten der OTAs gezählt, wie
z. B. die unterschiedlichen Instrumentiertätigkeiten
im OP (7 Sektion 2), die Assistenztätigkeit in den
Arbeitsfeldern Anästhesie, Endoskopie, ZSVA und
Ambulanz/Notfallaufnahme (7 Sektion 3).
44Lernbereich III: Ausbildung und Berufssituationen von
OTAs (7 Sektion 4)
55Der Lernbereich III bildet die konstitutiven Merkmale
der Gesellschaft ab. Hier werden u. a. auch Anforderungen thematisiert, die die Gesellschaft an den Ausbildungsberuf stellt.
44Lernbereich IV: Rechtliche und institutionelle Rahmen
bedingungen (7 Sektion 5)
55Der Lernbereich IV gibt die Werte der Gesellschaft
vor, die wiederum Auswirkungen auf die Institution
und somit auch auf die Handlungssituationen der
OTAs haben.
Die vier Lernbereiche werden weiterhin in mehrere Lerneinheiten untergliedert, diese wiederum teilen sich in mehrere
Teileinheiten.
27.2.2
Das Kompetenzmodell
Ziel ist der Erwerb der Schlüsselqualifikationen, d. h. man
möchte den Auszubildenden die notwendigen Inhalte der beruflichen Bildung in breiter Form und großer Nutzbarkeit zur
Verfügung stellen sowie eine Verlängerung der Verwertbarkeit des Wissens herstellen.
j
jFachkompetenz
Hier sollen die Auszubildenden ihr kognitives Wissen in ganz
konkreten Situationen umsetzen; z. B. das Erlernen manuellen Geschicks zur Befähigung situationsgerechten Instrumentierens oder das Erlernen eines Hygienebewusstseins,
um in den entsprechenden Situationen adäquat reagieren zu
k önnen.
j
jSozialkompetenz/kommunikative Kompetenz
Hierzu zählen die Fähigkeit Gespräche zu führen und zu leiten, die Empathiefähigkeit, die Konfliktfähigkeit der OTAs
559
27.3 · Erfolgreich lernen
und die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdkritik. Sie sollen ihren eigenen Standpunkt vertreten und in der Lage sein, einen
fachlich korrekten Bericht mündlich und schriftlich zu verfassen.
j
jMethodenkompetenz
Hier sollen Fähigkeiten erworben werden, die OTAs in die
Lage versetzen eigene Arbeitsprozesse strukturiert zu planen,
sie zu strukturieren und entsprechend Entscheidungen zu
treffen.
Das bedeutet im Einzelnen, dass sie:
44sich Fähigkeiten und Motivation zu lebenslangem
Lernen aneignen,
44sich transferfähiges Wissen erarbeiten,
44eine wissenschaftliche Denkweise erlangen,
44Lerngruppen bilden und voneinander profitieren,
44Problemlösefähigkeit erlangen,
44sich Fähigkeiten zur Selbstreflexion aneignen.
j
jPersonalkompetenz
Die Personalkompetenz nennt man auch Selbstkompetenz
und spiegelt die individuelle Haltung zur Welt wider. Hier
sind insbesondere Charaktereigenschaften gemeint, z. B.:
44Ausdauer,
44Flexibilität,
44Kreativität,
44Motivation,
44Initiative und Engagement,
44emotionale Intelligenz,
44eigene Normen und Werte,
44Verantwortung etc.
27.2.3
Soziales Lernen
Die Auszubildenden lernen, dass die gesamte Ausbildung
einen sozialen Erfahrungsraum darstellt und auch so gelebt
wird. Hierzu zählen Konflikte jeglicher Art und deren Reflexion. Sie sollen Gelegenheit erhalten, sich aktiv an der Ausgestaltung ihrer Ausbildung zu beteiligen, sich selbst zu beurteilen und sich selbst und andere einzuschätzen.
27.2.4
Lernkontrollen und Leistungs
beurteilungen
Lernkontrollen und Leistungsbeurteilungen sollen für den
Lernenden eine Hilfe darstellen, um eine Aussage zum Lernstand, zur Lernmotivation und zu den Fortschritten zu treffen. Des Weiteren dienen Lernkontrollen und Leistungsbeurteilungen der Vorbereitung zu den Abschlussprüfungen.
Nicht zuletzt werden vor der Abschlussprüfung die Vornoten
vergeben, die nicht unerheblichen Einfluss auf die Abschlussnote darstellen.
27.2.5
Verbindung von Theorie und Praxis
Um eine gute Verbindung zu Theorie und Praxis herzu
stellen, ist es wichtig, die Kommunikation zwischen Auszubildenden, Praxisanleitern und Lehrenden sicherzustellen.
Des Weiteren hat sich auch der Einsatz von Lernaufgaben
bestätigt. Diese Lernaufgaben beziehen sich meist auf die jeweiligen Lerneinheiten, können aber ganz individuell gestellt
werden.
27.3
Erfolgreich lernen
Perikles Jennrich
Lernziele
55 Dieser Text bietet die Möglichkeit, sich mit dem eigenen
Lernen, den eigenen Erwartungen und den individuellen
Lernhemmnissen auseinanderzusetzen.
55 Sie erhalten eine erste Orientierung, wie Lernen grundsätzlich funktioniert, vor allem schauen wir auf die
hemmenden Faktoren und mit welchen Strategien und
Techniken ihnen zu begegnen ist. Probieren Sie das
eine oder andere aus und prüfen Sie, ob es Ihnen weiterhilft.
55 Schaffen Sie es, Ihre Ergebnisse auf Ihr Erwartungsniveau
zu bringen, haben Sie alles richtig gemacht. Gelingt es
Ihnen nicht, scheuen Sie sich nicht, Hilfe (z. B. Lernberatung) in Anspruch zu nehmen.
Jeder Auszubildende hat schon Lernerfahrungen, sodass sich
auch reflexive Anteile in diesem Text wiederfinden. Diese
sind kursiv hervorgehoben.
27.3.1
Was ist Lernen?
Lernen wird in der Psychologie sowohl als ein Prozess verstanden, der eine dauerhafte Verhaltensänderung als Folge
von Übung und damit gewonnener Erfahrung nach sich
zieht (Zimbardo u. Gerrig 2004). Zum anderen wird Lernen
aber auch als ein Prozess verstanden, der die kognitiven
Strukturen umbaut oder verändert (Oerter u. Montada
2002).
Als kognitive Strukturen werden – je nach wissenschaftlicher Disziplin – sowohl die Art und Weise, wie Wissensanteile
miteinander in Beziehung gebracht werden, verstanden (Psychologie) als auch die neurobiologische Netzwerkstruktur,
also die synaptischen Verknüpfungen (Neurobiologie).
Der Lernprozess besteht aus den verknüpften Komponenten Verstehen, Abspeichern, Abrufen und Anwenden.
Erfolgreiches Lernen ist von vielen begünstigenden
oder beeinträchtigenden (inneren und äußeren) Faktoren
abhängig.
27
560
27
Kapitel 27 · Lernen planen, durchführen und evaluieren
..Abb. 27.1 Exemplarische
(Sehen) Informationsaufnahme,
Verarbeitung und Abspeicherung (Adaptiert nach José M
(2016) Positive Psychologie und
Achtsamkeit im Schulalltag.
Springer Fachmedien, Wiesbaden
entral verteilt
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c
ä
d
or
e
G
tex
präfrontaler
Kortex
Sehzentrum
Hypothalamus
Amygdala
Hippocampus
27.3.2
Innere Faktoren
Grundsätzlich ist jeder Mensch in der Lage zu lernen. Es
unterscheiden sich lediglich die (inneren) Faktoren:
44persönliche Voraussetzungen (kognitive und emotionale
bzw. motivationale),
44angewandte Lernstrategien und -techniken,
44und der daraus resultierende Arbeits- und Zeitaufwand.
Zum Lernen bedarf es (neuro)biologischer Voraussetzungen.
Die Sinnesorgane müssen in der Lage sein, Informationen aus
der Umwelt aufzunehmen, und das Gehirn, sie zu verarbeiten
sowie die Verarbeitungsergebnisse abzuspeichern, um sie
später wieder abrufen zu können.
Die Verarbeitung der Informationen findet in den jeweiligen Gehirnregionen (z. B. Hörzentrum, Sehzentrum usw.)
statt. Die verarbeiteten Informationen werden dem Hippocampus (lat. Seepferdchen) – eine Struktur im Gehirn, deren
Form einem Seepferdchen ähnelt – zugeführt (. Abb. 27.1).
Der Hippocampus gehört zum sog. limbischen System, einer
Gruppe von Gehirnstrukturen, die den Hirnstamm wie einen
Saum (lat. Limbus) umfassen und die eine wesentliche Rolle
beim Lernen, der Gedächtnisbildung und der Verarbeitung
von Gefühlen spielen.
Im Bereich des Hippocampus werden die neuen Informationen unter Berücksichtigung bereits bestehender Erfahrungen und damit assoziierter Gefühle qualitativ bewertet. Es
wird also die Entscheidung getroffen:
44Ist die Information so wichtig, dass ich sie mir gleich
(ohne Nachdenken) merke?
44Ist die Information es wert, darüber «nachzudenken»
44oder kann das Erfahrene sofort vergessen werden?
Ist die Information es wert, darüber nachzudenken, wird sie
dem Arbeitsgedächtnis zugeführt und mittels «Nachdenken»
verarbeitet. Das Ergebnis des Nachdenkens wird dann wieder
dem Hippocampus zur erneuten Bewertung der Bedeutung
zugeführt, der den Gedanken im Optimalfall als «erinnernswert» betrachtet und damit dem Langzeitgedächtnis zuführt.
Im ungünstigsten Fall wird die Information als irrelevant angesehen und gelöscht.
>>Das Abrufen einer gespeicherten Information, also
das Erinnern, wird dadurch beeinflusst, wie hoch die
Bedeutung der Information eingangs – oder später –
bewertet wurde und wie häufig auf die Erinnerung
zugegriffen wurde.
Kognitive Voraussetzungen
Heute wird sehr viel über Intelligenz und Kognition (Verstand) diskutiert. Unter dem Eindruck, dass die Umgebung
dem Menschen immer mehr geistige Leistungen abfordert,
werden wir kontinuierlich mit der Verpflichtung konfrontiert, uns selbst zu optimieren.
Es ist davon auszugehen, dass die notwendigen kognitiven
Voraussetzungen für die Ausbildung zur/zum OTA mitgebracht werden, da die erforderlichen schulischen Bildungsabschlüsse vorliegen und das Bewerbungsauswahlverfahren
gemeistert wurde.
Wird der Lernprozess in die oben genannten Komponenten differenziert, kann es auf allen Ebenen der Informationsverarbeitung zu Erschwernissen kommen. Stößt der Auszubildende im Laufe der Ausbildung an seine vermeintlichen
«kognitiven» Grenzen, stellt sich zunächst die Frage:
Woran scheitert es?
Hier ist es besonders wichtig, genau in sich hineinzuhören. Es macht für die Lösung des Problems einen beträchtli-
561
27.3 · Erfolgreich lernen
chen Unterschied, ob es heißt: «Das verstehe ich nicht» oder:
«Das kann ich mir nicht merken».
Stellt man sich das Gehirn sehr vereinfacht als einen Computer vor, wird deutlich, worin der Unterschied besteht.
Wenn der Computer ein Speicherproblem hat (Festplatte
ist voll oder hat Schreib-/Lesefehler), dann wird es nichts helfen, einen anderen Prozessor einzubauen. Und wenn der Prozessor langsam oder falsch rechnet, hilft es ebenso wenig, eine
andere Festplatte einzubauen.
Daraus resultiert, dass zuerst erarbeitet wird, welche
Schwierigkeit zugrunde liegt. Dann müssen die entsprechenden Techniken und Strategien zur Anwendung kommen, die
helfen, die bestehende Hürde zu meistern. Dazu gibt es verschiedenste sogenannte Lernstrategien und die damit verbundenen Lerntechniken.
j
jKognitive Lernstrategien
In Bezug auf die kognitiven Voraussetzungen helfen die sogenannten kognitiven Lernstrategien ggf. weiter.
Kognitive Lernstrategien können wie folgt unterschieden
werden:
44Elaborationsstrategien,
44Organisationsstrategien,
44Wiederholungsstrategien.
k
kElaborationsstrategien
Elaborationsstrategien (von elaborieren = ausarbeiten, verfeinern) sind Lernaktivitäten, die das Verständnis neu aufgenommener Informationen dadurch unterstützen, dass die
neuen Informationen mit bereits bestehendem Wissen in Beziehung gebracht werden.
Dazu können beispielsweise Analogien (Vergleiche) gebildet werden, also Ähnlichkeiten mit bereits bekannten Zusammenhängen. Ebenso hilfreich ist die Verknüpfung der
neuen Informationen mit persönlichen Erlebnissen oder Alltagsbeispielen. Weiterhin können die Inhalte mit anderen
Inhalten verwandter Lehrveranstaltungen in Bezug gebracht
werden. Hilfreich kann es auch sein, sich konkrete Beispiele
für den Sachverhalt auszudenken oder über praktische Anwendungsmöglichkeiten nachzudenken. Eine viel zu häufig
unterschätze Maßnahme ist auch, neue Informationen mit
eigenen Worten zu umschreiben, statt sie nur Wort für Wort
zu übernehmen.
Elaborationsstrategien
Kurz:
55 Haben Sie Erinnerungen, die mit den neuen Informationen verknüpft werden können?
55 Gibt es persönliche Erlebnisse, die den Informationen
zuträglich sind? Haben Sie in Ihrem Alltag ähnliche
Erfahrungen gemacht?
55 Überlegen Sie sich praktische Beispiele, um den
Informationen «Leben einzuhauchen»?
55 Versuchen Sie, einem anderen Menschen mit Ihren
Worten zu erklären, worum es in diesen Informationen geht.
k
kOrganisationsstrategien
Organisationsstrategien zielen darauf ab, neu zu lernende Informationen in eine sinnvolle Struktur zu bringen. Neben der
Verbesserung des Verständnisses (besonders von Zusammenhängen) gelingen dadurch auch die Abspeicherung und ganz
besonders das Abrufen der Informationen leichter.
Bedeutsam ist hier die Identifikation wichtiger Begriffe
und Fakten und damit verbunden auch das Kenntlichmachen
beispielsweise wichtiger Textstellen in Skripten. Bei textbasierten Informationen ist eine hilfreiche Maßnahme, Gliederungen und Zusammenfassungen selbst anzufertigen. Ebenso
können zur besseren Strukturierung Tabellen oder Diagramme erstellt werden. Weiterhin helfen sog. Mindmaps, verschiedene miteinander in Beziehung stehende Begriffe in eine
anschauliche Struktur zu bringen.
Organisationsstrategien
Kurz:
55 Haben Sie alle Begriffe verstanden?
55 Können Sie in Texten wichtige Passagen markieren?
55 Können Sie die Informationen z. B. in einer Tabelle
auflisten?
55 Können Sie mit den gelieferten Informationen eine
Mindmap erstellen?
k
kWiederholungsstrategien
Wiederholungsstrategien dienen dazu, (eher einfache) Fakten
wie Begriffe, Definitionen und Regeln durch mehrfache Wiederholungen dauerhaft im Langzeitgedächtnis verankern zu
können. Aber auch das wiederholte Durcharbeiten komplexerer (elaborierter) Informationen kann so besser ins Langzeitgedächtnis überführt werden.
Erinnern Sie sich an Ihr erstes Gedicht, welches Sie für die
Schule auswendig lernen sollten, und versuchen Sie, es nochmal
aufzusagen. Vermutlich werden Sie feststellen, dass die erste
Strophe noch gut erinnert wird. Danach tritt rasch eine Textunsicherheit ein bis zur völligen Unkenntnis, wie das Gedicht weitergeht. Mussten Sie beim Üben zu Hause das Gedicht immer
von der ersten Strophe an aufsagen (auch wenn Sie erst in der
dritten oder vierten Strophe Ihren Hänger hatten)? Was glauben Sie, welche Strophe haben Sie vermutlich am häufigsten
wiederholt? Welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus bezüglich
der Anwendung von Wiederholungsstrategien?
Wiederholungsstrategie
Kurz:
55 Wiederholen Sie – gern auch laut – die Informationen
immer wieder.
Emotionen und Motivation
Kommen wir wieder zu unserer zentralen Bewertungsstelle,
dem Hippocampus, zurück. Wie eingangs beschrieben, werden hier alle neuen Informationen zunächst auf ihre Bedeut-
27
562
27
Kapitel 27 · Lernen planen, durchführen und evaluieren
samkeit hin überprüft. Dies geschieht unter Einfluss bestehender Vorerfahrungen und der jeweiligen Gefühlslage.
Sie haben sicherlich schon die Situation erlebt, dass Sie für
eine Klausur oder Prüfung lernen mussten, obwohl Ihnen nicht
danach war. Erinnern Sie sich auch noch daran, wie schwer es
Ihnen in dieser Situation fiel, den Lernstoff zu behalten und sich
auf das Lernen zu konzentrieren?
Eine Redewendung, die auf der Aussage Epiktets (gr. Philosoph 50–138 n. Chr.) basiert, lautet:
»» Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern
unsere Ansichten von ihnen.
Damit wird deutlich, welche Bedeutung die innere Haltung
– und damit verbundene Gefühle bezüglich des Lernens – für
uns hat.
Der Hippocampus als «innerer Schweinehund»?
j
jMetakognitive Lernstrategien
Wenn Sie sich also dabei ertappen, dass Sie eher keine Lust
haben, sich mit dem zu lernenden Stoff auseinanderzusetzen,
lieber anderen Dingen nachgehen, Vermeidungshandlungen
(wie beispielsweise Staub wischen) vorziehen oder sich gerne
durch Umwelteinflüsse ablenken lassen, dann machen Sie sich
bewusst, welche Gedanken Ihnen die Motivation rauben.
Jeder Lernende hat manchmal Zweifel, ob er den Lernstoff
verstehen oder sich den umfangreichen Stoff merken kann.
Auch die Bedeutung des Themas für die Berufsausübung
kann unklar sein oder in Frage gestellt werden.
Im letztgenannten Fall sollte der Lernende sich über die
Bedeutung des Themas bei der entsprechenden Lehrkraft informieren. Manche Zusammenhänge erschließen sich nicht
unmittelbar.
Gedanken wie: «Das verstehe ich nicht», «Wofür brauche
ich das» etc. bilden die Grundlage dafür, Lernen mühsamer
zu machen und führen nicht zum Erfolg. Der daraus resultierende Misserfolg bestätigt die Grundannahme: «ich verstehe
das nicht, ich kann mir das nicht merken». Dies wird sich bei
künftigen Lernbemühungen erneut lernbehindernd auswirken. Es bildet sich ein Teufelskreis. Dieser kann durchbrochen
werden, indem den aufkommenden Zweifeln andere, positive
Gedanken entgegensetzt werden.
>>Schreiben Sie sich in einer Tabelle ihre negativen
Gedanken auf, die Ihnen in den Sinn kommen, wenn
Sie lernen wollen, und stellen Sie ihnen einen posi
tiven Gedanken gegenüber.
Tauchen dann weiterhin negative Gedanken auf, dann kann
man sich die positiven Antworten selbst geben. Durch diesen
inneren Dialog werden Sie feststellen, dass im Laufe der Zeit
die zweifelnden Gedanken seltener werden, das Lernen leichter fällt und der gewünschte Erfolg in greifbare Nähe rückt
bzw. sich einstellt.
>>Machen Sie sich Ihre Motive bewusst.
Menschen machen üblicherweise nichts ohne Grund. Es gibt
also gute Gründe, warum Sie sich dazu entschieden haben,
OTA werden zu wollen. Wenn es mal etwas anstrengender
beim Lernen wird, ist es hilfreich, sich diese Gründe erneut
vor Augen zu führen. Schreiben Sie sie auf, sodass sie ständig
präsent sind.
>>Machen Sie sich Ihr Leistungsziel bewusst.
Jeder Auszubildende hat sich mit Beginn der Ausbildung auch
ein Leistungsziel vorgenommen, beispielsweise mit welchem
Ergebnis (Note) er seine Ausbildung abschließen will. Sich
das immer wieder vor Augen zu führen hilft zu erkennen,
wofür das «mühsame» Lernen wichtig ist. Dabei muss das
Wunschziel konkret, präzise und realisierbar sein.
«So ’ne zwei oder drei wär’ schon schön» gibt keine nötige
Entscheidungsbasis für das weitere Vorgehen. Der «innere
Schweinehund» bekommt zu viel Leine und erreicht sein Ziel.
Ein lapidares «Hauptsache bestehen» ist in den meisten Fällen
Tiefstapelei. Am Ende ist der Auszubildende mit sich selbst
unzufrieden, weil eine bessere Leistung möglich gewesen
wäre.
Im Umkehrschluss kann ein zu hoch angesetztes Ziel
(Einser-Abschluss, Klassen- oder Jahrgangsbester etc.) auch
zu Überforderung und Stress führen, was das Lernen unnötig
erschwert.
j
jWie findet man ein angemessenes Ziel?
Schauen Sie sich Ihre ersten Bewertungen in der Ausbildung
an, also die Noten in Lernzielkontrollen oder in der praktischen Ausbildung. Liegen diese in Ihrer persönlichen Ziel
zone? Dann wäre es sinnvoll, sich im besseren Drittel der Note
zu positionieren. Gelingt es Ihnen, mit einem überschaubaren
Arbeitsaufwand dieses Leistungsniveau zu erreichen, können
Sie überlegen, ob die nächstbessere Note für Sie noch zu erreichen ist und ob Sie bereit sind, den entsprechenden Lernaufwand zu betreiben.
>>Schlussendlich entscheiden Sie selbst, wie viel Arbeit
und Zeit Sie zur Erreichung Ihrer Ziele investieren.
Weder das Lernen an sich noch die Entscheidung dazu
kann Ihnen ein anderer abnehmen.
Halfen die bisherigen Maßnahmen noch nicht ausreichend
zur Verbesserung der Lernmotivation? Denken Sie sich ein
Belohnungssystem aus. Gönnen Sie sich etwas, wenn Sie
ein zuvor definiertes Ziel oder Etappenziel (beispielsweise
eine bestimmte Klausurnote) erreicht haben. Zu beachten
ist jedoch, dass Belohnungen nur dann einen positiven
Effekt erzielen, wenn es ein herausforderndes Ziel war. Belohnungen für sehr niedrig angesetzte Ziele führen zu einer
Abnahme der Motivation, da man diese Leistung tagtäglich
erbringt.
j
jPlanung von Lernaktivitäten
Zu weiteren metakognitiven Maßnahmen zählt die Planung
von Lernaktivitäten. Wer sich einen Zeitplan anlegt, wann in
welchem Umfang gelernt wird, der steht oft in Konkurrenz zu
eventuellen Gedanken an andere Aktivitäten. Ohne Plan
kommt es leichter zu dem Phänomen der Prokrastination,
dem «ich fange morgen an». Allerdings kann ein gut gemachter Zeitplan auch dazu führen, alles andere (außer Lernen)
563
27.3 · Erfolgreich lernen
um sich herum zu vergessen. In diesem Zusammenhang sei
angemerkt, dass Pausen und Erholungsphasen eine wichtige
Rolle für andauernde Leistungsfähigkeit und -bereitschaft
spielen. Neben der Zeitplanung spielt auch der inhaltliche
Umfang eine wesentliche Rolle.
>>Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor, sondern
verteilen Sie die zu lernenden Themen auf viele kleine
Bereiche.
Anderenfalls droht erneut die Enttäuschung, dass die gesetzten Ziele nicht erreichen wurden und die Abwärtsspirale der
Demotivation an dieser Stelle wieder beginnt.
j
jAblenkung vermeiden
Wenn Sie dazu neigen, sich von externen Ereignissen ablenken zu lassen, sollten Sie diese Ablenkungsquellen konsequent meiden.
44Schalten Sie Ihr Smartphone für Ihre geplante Lernzeit
aus oder zumindest in den Flugmodus.
44Radio und Fernseher sollten ebenfalls ausgeschaltet
bleiben.
44Wenn Sie jedoch beim Lernen gern Musik hören, nutzen
Sie besser einen Player. Ob Musik hören als konzentra
tionsfördernd oder -hemmend zu bewerten ist, ist schluss
endlich nicht eindeutig wissenschaftlich belegt. Finden
Sie es also für sich heraus, indem Sie beides ausprobieren
und sich für das effektivere Vorgehen entscheiden.
27.3.3
Äußere Faktoren
Neben den bisher erörterten inneren Faktoren ist jeder
Mensch aber auch äußeren Faktoren ausgesetzt, die ebenfalls
einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Lernerfolg leisten.
Zu den äußeren Faktoren zählen alle Umwelteinflüsse, die
das Lernen beeinflussen, wie:
44zur Verfügung stehende Materialien,
44die Lernumgebung (insbesondere Ablenkungspotenziale
wie Lärm oder optische Sensationen), aber auch
44das soziale Umfeld.
Hier finden alle Maßnahmen aus der Gruppe der Ressourcenstrategien Anwendung, die das Lernen erleichtern helfen.
Zeitressourcen
Wenn man zugrunde legt, dass die gleichen Themen, die
in einer Klausur abgeprüft werden, auch in der Abschlussprüfung relevant sind und darüber hinaus das Erlernte für die
Ausübung des Berufes nach der Abschlussprüfung erforderlich ist, stellt sich die Frage, ob diese Art des Lernens wirklich
Zeit einsparen hilft, oder ob es nicht zeitaufwendiger ist, die
Dinge zu lernen und wieder (neu) zu lernen und wieder (neu)
zu lernen und …
Leider steht die Ressource Zeit nicht grenzenlos zur Verfügung. Ein Tag hat nur 24 Stunden, in denen neben Schule
oder Arbeit noch vertiefendes Lernen, Freizeitaktivitäten und
Regeneration (Schlaf) stattfinden sollen, auch die Gesamtdauer der Ausbildung ist mit drei Jahren nicht unbegrenzt.
Verbindet man diese Gedanken mit den Erkenntnissen
bezüglich der Wiederholungsstrategien und der lernergerechten Portionierung des Lernstoffes, wird deutlich, dass
ein kontinuierlicheres, regelmäßiges Wiederholen nicht nur
effektiver, sondern auch ressourcenschonender ist.
>>Planen Sie nach dem theoretischen Unterricht oder
nach der Arbeit ein Zeitkontingent zum Vertiefen/Wiederholen des Gelernten ein. Achten Sie dabei darauf,
dass Sie sich auch immer Pausen gönnen.
Insbesondere nach einem Schultag sind Konzentrationsmängel möglich. Dann ist es sinnvoll, nicht sofort wieder mit dem
Lernen zu beginnen, sondern erholsame Aktivitäten zu nutzen, um die geistige Aufnahmefähigkeit wieder zu verbessern.
Danach bleibt noch Zeit, die Inhalte des Schultages nachzuarbeiten.
Arbeiten Sie in Ihrem OP im Schichtdienst und Sie haben
Spätschicht, dann nutzen Sie die Zeit vor Dienstantritt für die
Bearbeitung von theoretischen Themen.
>>Planen Sie auf jeden Fall so viel zeitlichen Vorlauf zu
einer avisierten Leistungsüberprüfung ein, dass Sie
sich ohne wesentlichen (Zeit-) Druck mit den Themen
wiederholend und vertiefend auseinandersetzen
können.
Materielle und räumliche Ressourcen
Ideal ist es, einen festen Arbeitsplatz (z. B. Schreibtisch) zu
haben. Dieser sollte so ausgestattet sein, dass er alle für ein
entspanntes, ermüdungsfreies Lernen benötigten Materialen
und Hilfsmittel bereithält. Das hat u. a. den Vorteil, dass das
Lernmaterial nach einer Lernsequenz liegen bleiben kann,
um z. B. später das Lernen nahtlos wieder aufnehmen zu können. Sollten Sie nicht über diese räumlichen Voraussetzungen
verfügen, wäre auch zu überlegen, ob Sie Ihren Lernort woandershin verlegen.
Stehen Ihnen Räumlichkeiten in der Schule zur Verfügung?
Gibt es bei Ihnen im Ort eine Bücherhalle oder eine Bibliothek?
Das können alternative Lernorte sein, an denen ungestört
gelernt werden kann.
Wenn, wie oben beschrieben, Lernen als ein Prozess gesehen
wird, dann ist klar, dass Lernen Zeit benötigt. Der Umbau der
Hirnstrukturen, die für eine dauerhafte Erinnerung zuständig
sind, kann bis zu mehreren Wochen dauern (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNTECHNIK/).
Diese Entwicklung kann durch Wiederholungsstrategien
(s. o.) günstig beeinflusst werden. Versucht man stattdessen,
sich kurzfristig Wissen beispielsweise vor einer Klausur einzutrichtern, dann steht dieses Wissen nur für einen kurzen
Zeitraum zur Verfügung und wird dann weitestgehend Soziales Umfeld
wieder vergessen (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ Das soziale Umfeld kann sowohl Quell der Unterstützung als
GEDAECHTNIS/Vergessen-Ebbinghaus.shtml).
auch Hort von Störungen sein. Es kann das eigene Verstehen
27
564
27
Kapitel 27 · Lernen planen, durchführen und evaluieren
des Lernstoffes verbessern helfen, der Familie, dem Lebensgefährten oder den WG-Mitbewohnern die Dinge zu erklären, die man gerade lernt (wenn diese dazu bereit sind und
Zeit haben). Es kann aber auch sein, dass Mitbewohner und
Familienangehörige wenig Rücksicht auf das eigene Konzentrationsbedürfnis nehmen.
Im ersten Fall: Nutzen Sie die Ressource. Es verhilft Ihnen
nicht nur dazu, Ihr Fachwissen mit einfachen Worten zu formulieren, sondern unterstützt Sie dabei, Ihren Zeitplan einzuhalten.
Im zweiten Fall: Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie
ungestört Ihren Lernaktivitäten nachgehen können.
Literatur
>>Initiieren Sie die Gründung von Lerngemeinschaften
Internet
innerhalb Ihres Ausbildungskurses.
Das gegenseitige Abfragen und Erklären von Sachverhalten
bietet jedem die Möglichkeit, ein besseres Verständnis des
Lerngegenstandes zu erlangen. Ein gemeinsam vereinbarter
Zeitplan kann Motivationsprobleme überwinden helfen,
denn es fällt schwerer, eine Verabredung abzusagen als sich
selbst nachzugeben und nicht zu lernen. Bei Nichteinhaltung
einer Verabredung zum Lernen wird nicht nur der eigene,
sondern auch der Lernerfolg des Lernpartners/der Lern
gruppe beeinträchtigt.
Fazit
Wenn Sie mit Ihrer Lernstrategie bisher Ihre gewünschten
Leistungsziele erreicht haben, dann scheinen Sie alles
richtig gemacht zu haben. Sollten Sie feststellen, dass Sie
mit Ihrer Methode nicht das angestrebte Ziel erreichen
können, dann ändern Sie etwas. Denn es ist eine irrige
Erwartung, dass Ergebnisse sich von selbst ändern, obwohl man immer das Gleiche tut.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 27
55 Erläutern Sie den Prüfungsablauf der praktischen
Prüfung.
55 Kann die Ausbildungszeit verkürzt werden? Wenn ja,
für wen?
55 Wie oft kann die Prüfung bei Nichtbestehen wiederholt werden?
55 Nennen Sie die vier Teilbereiche des OTA-Curriculums.
55 Nennen Sie das Ziel des Handlungskompetenz
modells.
55 Im Text wurden Sie mit einigen Reflexionsfragen
konfrontiert. Welche Selbsterkenntnisse haben Sie
nach der Beantwortung gewonnen?
55 Welches der genannten Lernhemmnisse ist Ihre persönliche größte Hürde? Was gedenken Sie zu ändern,
um die Hürde zu meistern?
Deutscher OTA-Schulträgerband (DOSV) www.dosv.de (Letzter Zugriff:
05.10.2017)
José M (2016) Positive Psychologie und Achtsamkeit im Schulalltag.
Springer Fachmedien, Wiesbaden, S 27
Krapp A, Weidenmann B (Hrsg) (2006) Pädagogische Psychologie. Ein
Lehrbuch, 5. Aufl. Beltz (PVU), Weinheim Basel
Mietzel G (2007) Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens,
8. Aufl. Hogrefe, Göttingen Bern Wien Paris
Oerter R, Montada L (Hrsg) (2002) Entwicklungspsychologie, 5. Aufl.
Beltz (PVU), Weinheim Basel Berlin
Zimbardo PG, Gerrig RJ (2004) Psychologie, 16. Aufl. Pearson, München
Boston San Francisco
www.dosv.de
www.dkgev.de
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/
LERNTECHNIKORD/LERNSTRATEGIEN/kog.html (zum Thema kognitive Lernstrategien)
http://www.fu-berlin.de/sites/studienberatung/prokrastination/
was-heisst-prokrastination/index.html (zum Thema Prokrastination)
https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/226716/Datei/95655/
TK-Broschuere-Mentalstrategien.pdf (empfehlenswerte Zusammenfassung verschiedener Tipps zur Leistungsverbesserung)
http://www.stangl-taller.at/STANGL/WERNER/BERUF/TESTS/FSG/ (Anamnese des eigenen Lernverhaltens )
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNTECHNIK/ (Verschiedene
Aspekte der Lerntechniken)
565
Rechtliche und
institutionelle Rahmenbedingungen
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 28
Berufliches Handeln – 567
Britta Marquardt, Judith Schädler
Kapitel 29
Qualitätskriterien – 579
Ina Welk
Kapitel 30
Wirtschaftliche und ökologische Prinzipien – 591
Ina Welk, Heike Richter
Kapitel 31
Gesellschaftlicher Kontext – 607
Katja Heide
V
567
Berufliches Handeln
Britta Marquardt, Judith Schädler
28.1
Politisches Umfeld
28.1.1
28.1.2
28.1.3
28.1.4
28.1.5
Weltgesundheitsorganisation (WHO) – 568
Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Gesundheitswesens – 568
Aktuelle Gesundheitspolitik – 568
Säulen der Sozialversicherung – 569
Sozialstaatlichkeit und soziale Marktwirtschaft
28.2
Grundlagen des Rechts
28.2.1
28.2.2
28.2.3
Sozialordnung und Recht – 571
Haftung und Haftungsfälle – 572
Einführung in das Arbeitsrecht – 576
Literatur
– 568
– 571
– 578
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_28
– 569
28
568
Kapitel 28 · Berufliches Handeln
Lernziele
28
55 Die Auszubildenden informieren sich über internationale
Entwicklungen im
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