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coinad

4/12/26

 (Lappenperfusion) mittels einer (sofern vorhanden)

­Sauerstoffpartialdruckmessung, um eine Veränderung

der Perfusion rechtzeitig zu bemerken. Zu dokumentieren sind hierbei die Lappenfarbe, Lappentemperatur und

Lappenrekapillarisierung. Kommt es zu Zeichen einer


akuten Mangeldurchblutung (meist durch Thrombose an

den Mikrogefäßanastomosen), muss sofort ein Revisionseingriff möglich sein.

Bei einer arteriellen Perfusionsstörung der Lappenplastik

verfärbt sich dessen Haut weiß, bei einer venösen Perfusionsstörung blau.


j

jRekonstruktion der Brustwarze


In einem weiteren Schritt erfolgt nach abgeschlossenem Heilungsprozess die plastische Rekonstruktion von Brustwarze

und Warzenhof. Für die Warzenhofrekonstruktion eignet sich

die Haut aus der Leiste, den Labien oder der Oberlidhaut. Zur

Pigmentierung besteht die Möglichkeit, im Rahmen der

Transplantation dieser Haut Tätowierfarbe unter das Vollhauttransplantat zu bringen oder später das Transplantat zu

tätowieren.

Folgende Komplikationen sind möglich:

44Durchblutungsstörung des Transplantatlappens,

44Verlust des Transplantatlappens,

44Sensibilitätsstörungen,

44Hämatom,

44Wundheilungsstörung,

44Lymphabflussstörung,

44Infektion,

44Thrombose/Embolie.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 17


55 Welche Zugangswege gibt es bei einer Brustaugmentation?

55 Was versteht man unter einer Kapselfibrose?

55 Was bedeutet der Begriff «Ptosis»?

55 Was ist unter einem «Perforator-Gefäß» zu verstehen?

55 Nennen Sie zwei Beispiele einer Lappenplastik.

55 Wann spricht man von einer Rektusdiastase?

55 Nennen Sie zwei technische Arten einer Liposuktions­

operation.


Literatur

Faridi A (2009) Möglichkeiten der Mamma-Reduktionsplastik. J Ästhet

Chir 2: 84–93, DOI 10.1007/s12631-009-0032-0

Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer,

Berlin Heidelberg New York

Siewert JR, Brauer R (2010) Basiswissen Chirurgie,2. Aufl. Springer, Berlin

Heidelberg New York

Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie, mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl.

Springer, Berlin Heidelberg New York


17


411


Kinderchirurgie

Ines Stubbe


18.1


Besonderheiten


18.1.1

18.1.2

18.1.3

18.1.4


Instrumentarium – 413

Nahtmaterial – 413

Operationslagerungen – 413

Medikamente – 415


18.2


Typische OP-Indikationen


18.2.1

18.2.2

18.2.3

18.2.4

18.2.5

18.2.6

18.2.7

18.2.8

18.2.9

18.2.10

18.2.11

18.2.12

18.2.13

18.2.14


Herzfehler – 415

Leistenhernie – 415

Hodenhochstand – 417

Hydrozele – 417

Zwerchfellhernie – 418

Ösophagusatresie – 419

Magenausgangsstörungen – 420

Gallengangatresie – 421

Erkrankungen des Darms – 421

Bauchwanddefekte – 423

Vesikoureteraler Reflux – 424

Hypospadie – 424

Wilms-Tumor – 425

Hydrozephalus – 425


Literatur


– 412


– 415


– 427


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_18


18


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


412


Lernziele

55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen

operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der

Kinderchirurgie und sind in der Lage, bei diesen Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht zu instrumentieren.

55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Kinderchirurgie,

­deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren und deren typische Komplikationen. Daher er­

arbeiten sie sich entsprechende Kenntnisse der anato­

mischen, physiologischen und pathophysiologischen

Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie.

55 Sie kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser Verfahren häufig eingesetzt werden.

55 Die Auszubildenden können die notwendigen speziellen

operations- und eingriffsspezifischen Patientenlagerungen allein oder mit Hilfe von anderen (Operateur) herbeiführen bzw. die Qualität der Patientenlagerung kontrollieren und ggf. modifizieren.

55 Sie können das Grundinstrumentarium und die speziellen Instrumente, Geräte und Materialien, die bei Opera­

tionen in der Kinderchirurgie zur Anwendung kommen,

auswählen, diese Instrumente fach- und sachgerecht

einsetzen und deren Wirkung erklären.


18.1


Besonderheiten


Ein Einsatz in einer kinderchirurgischen Abteilung ist nicht

vergleichbar mit einem in der Erwachsenenchirurgie, auch

wenn manche Operationen ähnlich sind.

>>Die wichtigste Besonderheit ist, dass ein Kind nie als


ein kleiner Erwachsener angesehen werden darf


18


Kinder zeichnen sich durch ihre altersspezifischen anatomischen Besonderheiten, wie z. B. durch eine herabgesetzte Immunabwehr, empfindliche Wärmeregulation sowie Ausscheidungs- und Flüssigkeitsregulation besonders aus.

Bei der Übernahme der kleinen Patienten in der Schleuse

ist die psychische Komponente zu berücksichtigen, Trennungsängste sind ein erheblicher Bestandteil der vorhandenen Ängste, nicht nur bei dem Kind, auch bei den begleitenden Eltern.

Größe, Länge und Gewicht des Kindes spielen eine wichtige Rolle, denn daraus resultiert z. B. die Lagerung, die Größe

der Instrumente und der Durchmesser des atraumatischen

Nahtmaterials.

Besonders bei frühgeborenen und neugeborenen Kindern ist die Kopfgröße im Vergleich zur Körperoberfläche

größer, daher muss der Wärmeverlust über den Kopf auf

­jeden Fall verhindert werden, indem z. B. eine Mütze aufgesetzt oder der Kopf in Watte gehüllt wird. Zu bedenken ist

jedoch, dass die Kinder ihre Körperwärme nicht nur über den

Kopf verlieren, insgesamt ist ihre Körpertemperatur sehr instabil. Ursache dafür ist die noch unreife Entwicklung des

Gehirns.


Bei schwerstkranken Kindern, bei schweren Verbrennungen und Verbrühungen sowie bei den Frühgeborenen kommt

hinzu, dass sie ihre Körpertemperatur nicht allein konstant

halten können, und Kinder, die unterkühlen, verursachen anästhesiologische Probleme. Eine Körpertemperatursonde für

eine fortlaufende Messung ist deshalb obligat. Die Wärme­

regulation für diese Kinder muss unterstützt werden durch

Maßnahmen wie das Erwärmen des OP-Saals, Auflegen einer

Wärmematte auf den OP-Tisch, Wärmestrahler über dem

OP-Tisch, Einwickeln der Extremitäten mit vorgewärmter

Watte, schnelles Zudecken mit vorgewärmten Stofftüchern

und dem Anwärmen der Neutralelektrode für die HF-Chi­

rurgie. Ebenfalls muss eine rasche Patientenabdeckung nach

der Hautdesinfektion und Anwärmen von Spül- und Infu­

sionsflüssigkeiten Standard sein.

Auch die Immunabwehr ist durch Frühgeburtlichkeit

oder schwere Erkrankungen bei den Kindern herabgesetzt.

Andererseits erfolgt die Wund- und Frakturheilung bei

­Kindern schneller. Ein Neugeborenes hat anfangs noch den

Immunschutz durch die Muttermilch, dieser nimmt allerdings schnell ab.

Für die Ausscheidungs- und Flüssigkeitsbilanz ist es

wichtig zu wissen, dass Kinder, besonders Frühgeborene und

Kleinkinder, prozentual viel mehr Flüssigkeiten benötigen,

als ein Erwachsener. Alle Dosierungen erfolgen streng gewichtsbezogen. Kinder mit Verbrennungen/Verbrühungen

und mit Herz- und Nierenerkrankungen müssen ebenfalls

strengstens bilanziert werden.

Eine sehr große Rolle spielt die psychische Komponente.

Häufig überträgt sich die seelische Belastung der Eltern auf

die Kinder, hier ist Einfühlungsvermögen des gesamten OPTeams gefragt. Eltern können in der Patientenschleuse bleiben, bis ihr Kind eingeschlafen ist, bunte Bilder an der Decke

und den Wänden der Patientenschleuse oder das Singen von

Kinderliedern lenken ab.

>>Die Kinder haben Anspruch auf einen altersent­


sprechenden Umgang und Erklärungen, die sie

auch verstehen. Sie dürfen ihr Lieblingskuscheltier

als Beruhigung mit in die Narkoseeinleitung

nehmen.


Manche Erkrankungen der Kinder ziehen mehrere Operationen nach sich. Um dem Entstehen einer Latexallergie vor­

zubeugen, wird in der Regel auf latexhaltige Materialien verzichtet.

Im OP-Saal werden die Kinder sorgfältig auf dem OPTisch fixiert, die Lagerungen sind standardisiert und beanspruchen das gesamte Team (s. u.).

Blutentnahmen, eine erforderliche Rasur und das Legen

eines Blasenkatheters werden in Narkose durchgeführt. Zur

Schmerzlinderung im OP-Gebiet wird fast immer ein Lokalanästhetikum verabreicht, dadurch werden die postoperativen Schmerzen minimiert.

Kinderchirurgen benutzen für ihre Arbeit oft Lupenbrillen, z. B. mit einer 4,5-fachen Vergrößerung. Um ein intraoperatives Beschlagen zu verhindern, wird Anti-Beschlagmittel

bereitgestellt. Lupenbrillen sollten nicht im Wärmeschrank


413

18.1 · Besonderheiten


gelagert werden, damit ihre empfindliche Oberflächenbeschichtung nicht beschädigt wird.

Um der Größe ihrer Patienten Rechnung zu tragen, können die Chirurgen während einer Operation sitzen, das bedeutet, dass die Stühle vor Beginn des Eingriffes steril bezogen werden.

Während eines Eingriffes gelten die gleichen Regeln, die

aus der Erwachsenenchirurgie bekannt sind, dazu gehört

u. a., dass Instrumente niemals auf dem Patientenkörper abgelegt werden und niemand des operativen Teams sich auf

dem kleinen Körper abstützt.

18.1.1


Instrumentarium


Generell ist das benötigte Instrumentarium feiner und kleiner, um den Proportionen des Kindes und der Gewebestruktur Rechnung zu tragen; bei Jugendlichen oder größeren und/

oder übergewichtigen Kindern werden auch große, kräftige

und überlange Instrumente vorbereitet. Aus diesem Grund ist

es wichtig, dass auf dem OP-Programm das Geburtsdatum,

Größe und Gewicht des Kindes vermerkt sind, damit die in­

strumentelle Vorbereitung dementsprechend erfolgen kann.

Bei Frühgeborenen werden häufig zusätzlich Mikro­

instrumente (Mikroschere, Mikropinzette und Mikronadelhalter) benötigt. Der Operateur kann entweder mit einer

­Lupenbrille arbeiten, bei feinsten Gewebestrukturen muss ein

OP-Mikroskop (7 Abschn. 2.6) vorbereitet werden. Operationen wie Venae sectio, Hypospadien, offener Ductus Botalli,

nekrotisierende Gastroenterokolitis (NEC) und handchirurgische Eingriffe werden ebenfalls mikrochirurgisch mit einer

Lupenbrille operiert.

>>Die Grundinstrumente entsprechen denen aus der


­Erwachsenenchirurgie, liegen allerdings auch in sehr

feinen und kurzen Modellen vor.


Bei größeren Kindern wird die monopolare Blutstillung (die

Größe der Neutralelektrode richtet sich nach dem Gewicht

des Kindes) mit einer feinen Nadel bevorzugt, bei kleineren

Kindern und Frühgeborenen wird die bipolare Diathermie

angewendet, weil der thermische Effekt kalkulierbarer und

die Platzierung einer neutralen Elektrode auf dem kleinen

Körper schwierig ist. Die Einstellung der Frequenz ist dem

Gewicht des Kindes angepasst und standardisiert.

Die benötigten Textilien sind wesentlich kleiner, statt der

bekannten Bauchtuchgröße (45 × 45 cm) werden kleine

Bauchtücher (z. B. 20 × 30 cm) oder Kompressen (mit Röntgenkontraststreifen; z. B. 10 × 10 cm) in kleinsten Größen

benutzt. Die Stieltupfer liegen in verschiedenen Kleinstgrößen vor und werden in kurze anatomische Klemmchen eingespannt (. Abb. 18.1).

Die Saugeransätze sind ebenfalls angepasst, Punktsauger,

große oder kleine Siebsauger oder ein Mikrosaugeransatz

(. Abb. 18.2) sind üblich.

Für jede Operation wird das Grundinstrumentarium, der

Größe des Kindes angepasst, vorbereitet. Hinzu kommen die

benötigten Spezialinstrumente.


..Abb. 18.1 Tupfer in der Kinderchirurgie


..Abb. 18.2


18.1.2


Saugeransätze und Haken


Nahtmaterial


Das benötigte Nahtmaterial der Kinderchirurgie ist ebenfalls

feiner und, außer für Ligaturen, meist atraumatisch. Synthetisches geflochtenes resorbierbares Material wird wegen der

guten Knüpfeigenschaften bevorzugt. Die Haut wird mit

­monofilem, resorbierbarem Material genäht, damit der Faden

nicht postoperativ gezogen werden muss. Nahtmaterial steht

in der Stärke 1 bis 11-0 zur Verfügung.

18.1.3


Operationslagerungen


Der OP-Tisch wird entsprechend der Größe und dem Gewicht des Kindes vorbereitet, immer liegt eine vorgewärmte

Wärmematte zur Regulation des Wärmehaushalts auf. Bei

Säuglingen und Kleinkindern kann der OP-Tisch mit allen

Hilfsmitteln vorbereitet im Saal stehen, weil sehr kleine Kinder oft von der Patientenschleuse in den Saal getragen werden. Frühgeborene werden mit dem Inkubator in den Operationssaal gefahren. Zugedeckt werden alle Kinder mit vorgewärmten Stofflaken. Liegen die Kinder auf Stofftüchern, ist

darauf zu achten, dass diese faltenfrei sind, um einen Dekubitus zu vermeiden.


18


414


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


..Abb. 18.3 Rückenlagerung. Aus: Krettek C, Aschemann D (2005)

­Lagerungstechniken im Operationsbereich. Springer, Berlin Heidelberg

New York


..Abb. 18.4


>>Bei allen Lagerungen bleibt eine Hand eines Mitar­


Bei Bedarf ist der Röntgenschutz schon auf dem OP-Tisch

vorbereitet, für die Abdeckung wird er bereitgelegt.

Der junge Patient wird nach der Narkoseeinleitung für

den Eingriff gelagert. Auch hier gelten die gleichen Kriterien

wie bei allen OP-Lagerungen (7 Abschn. 4.5.2). Neben den

Polstermaterialien aus Gel werden bei kleinen Kindern auch

Wattepolster und Wattebinden oder faltenfreie Stofftücher

benutzt. Zur Fixierung des kleinen Körpers kommen Pflasterstreifen zum Einsatz, die jedoch niemals auf die Haut des Kindes geklebt werden dürfen. Hautreizungen oder Hautverletzungen werden so beim Entfernen der Pflaster vermieden. Bei

geplant langen Eingriffen wird zur Ableitung des Urins ein

Blasendauerkatheter gelegt.


Tisch gedreht werden, größere (>80 kg) werden mit Hilfe

eines zweiten OP-Tisches im Saal umgelagert. Dabei ist zu

bedenken, dass immer über die «gesunde» Seite gedreht

wird. Der zweite bereitgestellte Tisch ist dann etwas tiefer

ge­fahren, da es leichter ist, «bergab» zu drehen. Der Kopf des

Kindes wird zur Seite gedreht und mit einem Gelring unterpolstert.

Die Arme werden auf Armschienen nach vorn und zum

Boden neigend mit Gelmatten gepolstert ausgelagert. Dabei

dürfen die Schultergelenke nicht über 90° abduziert werden.

Der Thorax und das Becken werden mit rechteckigen und/

oder halbrunden Lagerungspolstern unterpolstert, um die

Zwerchfellatmung nicht zu beeinträchtigen. Bei den Jungen

müssen der Penis und der Hoden frei liegen. Die Knie werden

frei gelagert, indem ein halbrundes Gelpolster am distalen

Oberschenkel angebracht wird. Zur Entlastung des Vorfußes

wird ein halbrundes Polster in Höhe des Sprunggelenks platziert. Das Gesäß wird mit dem Beingurt oder einem Pflasterstreifen über dem Stofftuch fixiert.


j

jRückenlagerung


j

jSeitenlagerung


Wird eine Rückenlagerung benötigt, werden die Arme des

Kindes mit einem Stück Wattebinde handgelenknah eingeschlagen und diese faltenfrei unter dem Gesäß fixiert, alternativ werden die Arme ausgelagert. Die Beine werden parallel

gelagert, die Kniekehlen durch ein Gelpolster angewinkelt.

Zur Entlastung der Ferse wird ein halbrundes Polster in Höhe

der Achillessehne platziert. Für die Fixierung der Beine wird

bei Säuglingen und Kleinkindern ein Klebepflaster am distalen Oberschenkel über dem Stofftuch locker fixiert, bei größeren Kindern wird der Beingurt über dem Stofftuch angelegt

(. Abb. 18.3).


Für z. B. Eingriffe an der Niere ist eine Seitenlagerung (. Abb.

18.4) wichtig, dazu werden die Patienten auf dem OP-Tisch


beiters immer am Patienten; das beginnt bei der Übernahme des Patienten in der Schleuse und endet erst,

wenn nach der Narkose die Operationslagerung durchgeführt und das Kind fixiert gelagert wurde.


18


j

jBauchlagerung


Für manche Eingriffe ist eine Bauchlagerung nötig. Nach

der Narkoseeinleitung wird der Patient immer mit mehreren Personen gedreht, wobei kleine Kinder auf dem OP-


Seitenlagerung


nach der Narkoseeinleitung in die Seitenlage gebracht. Die

Lagerungspolster sind in entsprechenden Größen vorbereitet

und werden zur Stabilisierung vor das Becken und hinter den

Rücken gelegt. Bei großen Patienten werden gepolsterte Seitenstützen am OP-Tisch angebracht, die am Becken vorn und

am unteren Thorax hinten platziert werden. Der Kopf liegt in

einem Gelring. Bei der Lagerung der Arme muss darauf geachtet werden, dass der Patient nicht direkt auf der Schulter

zu liegen kommt.

Der oben liegende Arm wird entweder auf einer Stütze in

90° abgewinkelt hoch gelagert, ggf. mit Wattebinden zusätzlich abgepolstert oder bei kleinen Patienten mit Wattebinden

umwickelt und mit Hilfe von Handgelenkschlingen am Anästhesiebügel in 90°-Stellung hoch gehängt (. Abb. 18.4).


415

18.2 · Typische OP-Indikationen


Bei der Lagerung der Beine muss darauf geachtet werden,

dass die Beine keinen direkten Haut-Haut-Kontakt haben.

Deshalb werden sie versetzt gelegt und mit Gelkissen unterpolstert und auf Beckenhöhe mit dem Beingurt oder Pflasterstreifen über dem Stofftuch fixiert.

j

jSteinschnittlagerung


Die Steinschnittlagerung wird bei vielen Eingriffen benötigt,

bei denen wir an den Genitalien oder dem Analbereich operieren müssen. Die Stützen nach Goepel werden an den Seitenschienen in Beckenhöhe angebracht und das Kind so weit

nach unten gezogen, dass das Gesäß etwas über der Gesäßplatte zu liegen kommt. Die Beinhalter sind mit einer Gel­

matte ausgelegt. Es muss unbedingt auf eine Druckvermeidung im Verlauf des N. peronaeus am äußeren Knie geachtet

werden. Um eine Auskühlung zu vermeiden (s. o.), werden

die Beine schnellstmöglich wieder zugedeckt oder mit Watte­

binden umwickelt. Nach der anschließenden Fixierung der

Unterschenkel werden die geraden Beinplatten vom OP-Tisch

abgebaut.

Neugeborene und kleinere Kinder werden am distalen

OP-Tischende mit einem Anästhesiebügel mit ihren am

Sprunggelenk abgepolsterten Füßen und einer 6 cm breiten

Universalbindenschlinge fixiert. Beide Arme können mit

Wattebinden gepolstert an den Körper angelagert oder auf

gepolsterten Armschienen ausgelagert werden.

Nach der Hautdesinfektion wird das Kind steril abgedeckt. Das Abdeckmaterial entspricht dem aus der Erwachsenenchirurgie bekannten (7 Abschn. 4.12.3), die Tücher sind

jedoch kleiner. Die empfindliche Haut und der Intubationstubus der Frühgeborenen oder Säuglinge werden mit einer

Kompresse vor den Klebestreifen der sterilen OP-Abdeckung

geschützt; bzw. man kann damit die Klebefläche mini­

mieren.

18.1.4


Medikamente


Alle benötigten Medikamente sind dem Personal bekannt,

genau wie ggf. das Mischungsverhältnis und die Anwendungstemperatur. Die Codierung der einzelnen Medikamente ist einheitlich im OP (7 Abschn. 10.1.3).

44Für Spülungen wird isotonische Kochsalzlösung benutzt, die mindestens Körpertemperatur hat.

44Werden Fistelgänge dargestellt, kommt Methylenblau

zur Anwendung.

44Kontrastmittel zur röntgenologischen Darstellung

steht bereit.

44Mit sterilem Paraffinöl wird die Haut vor Spalthaut­

entnahmen eingefettet.

44Ein Gleitmittel für Kathetereinlagen, Hegar-Stifte,

­Gastroskope und Koloskope ist vorhanden.

44Tween 80 (Fa. Carl Roth), wird als Oberflächenentspanner bei zähem Mekonium angewendet. Das ist ein Polysorbat, das als fertige Lösung im Kühlschrank gelagert

wird. Da es nur 14 Tage haltbar ist, muss immer auf das

Verfalldatum geachtet werden. Vor der Anwendung


wird es im Wärmeschrank auf Körpertemperatur angewärmt.

44Gentamycin-Ketten zum Einbringen z. B. bei einer

­Osteomyelitis oder einer Phlegmone liegen bereit, die

Anzahl und die Größe der Kugeln werden dokumentiert.

44Werden gefäßchirurgische Eingriffe durchgeführt, steht

Heparin (1 Ampulle/6.000 IE) für Gefäßspülungen

bei Gefäßnähten bereit. Das Mischungsverhältnis ist bekannt.

18.2


Typische OP-Indikationen


In der Kinderchirurgie werden angeborene Fehlbildungen,

Tumoren, urologische und gynäkologische Erkrankungen sowie erworbene Krankheiten und traumatologische Eingriffe

durchgeführt. Auch hier setzt sich eine Spezialisierung der

Kinderchirurgen durch. Im Folgenden werden exemplarisch

einige wenige Erkrankungen mit ihren Operationen dargestellt.

18.2.1


Herzfehler


Angeborene Herzfehler kommen vielfältig vor, werden meist

in einer kinderkardiochirurgischen Abteilung operiert. Alle

kardiochirurgischen Grundsätze aus dem Kapitel der Herzchirurgie gelten auch bei Kindern (7 Abschn. 10.3).

Fehlbildungen des Herzens oder der großen Gefäße können häufig schon während der Schwangerschaft diagnostiziert werden und deshalb nach der Geburt rasch therapiert

werden. Nicht alle Fehler sind operationswürdig, manche

bilden sich zurück. Der häufigste angeborene Defekt ist ein

VSD (Ventrikelseptumdefekt, 7 Abschn. 10.3.4), dabei besteht eine Öffnung in der Herzscheidewand, also zwischen

den Herzkammern. Solche Löcher gibt es auch zwischen den

Vorhöfen und den Kammern (ASD – Atriumseptumdefekt).

Ziel der Operation ist dann, dieses Loch zu verschließen, damit die Blutzirkulation physiologisch funktioniert und die

Sauerstoffversorgung des Kindes gewährleistet ist.

Auch der persistierende Ductus arteriosus Botalli, der

sich üblicherweise in den ersten Tagen nach der Geburt verschließt, ist ein relativ häufig vorkommender angeborener

Herzfehler (7 Abschn. 10.3.4). Bleibt er offen, gelangt das Blut

aus der Aorta in die Arterie der Lunge, das führt zu einem

Hochdruck des Lungenkreislaufes und einer Schwächung des

Herzens, eine Operation ist angezeigt.

18.2.2


Leistenhernie


Eine häufig vorkommende Operation ist die Reparation eines

Leistenbruches (Leistenhernie).

Bei Kindern liegt fast immer die sog. indirekte Leistenhernie vor. Hier hat sich der Processus vaginalis des Peritoneums

nicht verschlossen und kann bei Jungen bis zum Hoden offen

sein (7 Abschn. 7.2.1). Der indirekte Leistenbruch ist immer


18


416


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


..Abb. 18.5 Grundtisch für eine

Leistenhernie


18


eine angeborene Erkrankung. Hier kommt es zu einer Aus­

sackung des Peritoneums in den Leistenkanal hinein. Üblicherweise verschließt sich der Processus vaginalis, wenn der

Hoden in den Hodensack gewandert ist. Geschieht dies nur

teilweise und sammelt sich Flüssigkeit in den Hohlräumen an,

nennt man diese Ansammlung von peritonealer Flüssigkeit

Hydrozele.

Dadurch, dass sich das Bauchfell so weit in den Leisten­

kanal hineinstülpen kann, können Netz, Darmanteile, Appendix (bei Mädchen das Ovar) mit hineingepresst werden.

Hier spielt die Größe der Bruchpforte eine wichtige Rolle. Bei

einer sehr großen Bruchpforte können Gewebeanteile gut

­hinein- und herausgleiten und die Gefahr einer Inkarzeration

(Einklemmung) ist geringer. Bei einer minimalen Bruch­

pforte können die Gewebeanteile gar nicht erst in den Leistenkanal hineinrutschen, sodass hier nur peritoneale Flüssigkeit in den Leistenkanal hinunterfließt.

Sollten bei einer kleinen Bruchpforte allerdings z. B.

Darmanteile einklemmen und von allein nicht mehr herauskommen, sprechen wir von einer Inkarzeration (Einklemmung). Es besteht dann die Gefahr eines akuten Abdomens

(7 Abschn. 7.12). Eine Einklemmung ist immer eine Notfallindikation!

Ein Leistenbruch kann einseitig oder doppelseitig auftreten. Etwa 5% der Kinder haben einen Leistenbruch, davon

sind in 90% der Fälle Jungen betroffen. Der angeborene Leistenbruch macht sich in den ersten Lebenstagen und Wochen

bemerkbar, weil beim Schreien oder Pressen ein erhöhter

Druck im Bauchraum entsteht und die Eingeweide in den

nicht verschlossenen Leistenkanal gepresst werden. Auffällig

werden die Kinder durch Unruhe, Schreien und Erbrechen.

Beim Wickeln ist eine harte druckschmerzhafte Vorwölbung

in der Leistengegend zu erkennen. Jeder Leistenbruch muss

operativ behandelt werden.

j

jLeistenhernien-OP beim Jungen


Für die Operation eines Leistenbruches bei Jungen benötigen

wir kleines, feines Grundinstrumentarium (. Abb. 18.5).


Das Kind liegt auf dem Rücken. Nach der Desinfektion

der betreffenden/markierten Leiste und der sterilen

­Abdeckung erfolgt das standardisierte Team-Time-Out.

Danach wird der Hautschnitt in der betreffenden Leiste

angelegt, das Fettgewebe mit einer Schere gespreizt.

Durch das Einsetzen von Lidhaken ist die Externusfaszie

bis zum äußeren Leistenring darstellbar, dieser wird eröffnet. Der funikuläre Strang (bestehend aus Hodengefäßen, Samenleiter und Fasern des M. cremaster) wird präpariert und vom Bruchsack getrennt. Dafür benötigen

wir eine breite atraumatische Pinzette, Präpariertupfer

und eine feine Schere. Ein anatomisches Klemmchen, das

zwischen den Bruchsack und die Hodengefäße mit

­Samenleiter geschoben wird, isoliert den Bruchsack.

Der Ductus deferens (Samenleiter, transportiert die Sper­

mien) und die Hodengefäße (Nerv, Arterie, Vene) müssen

klar dargestellt werden. Der Bruchsack wird mit zwei feinen

Klemmen fixiert und evtl. eröffnet. Mit einer atraumatischen Pin­zette wird der Bruchsack ausgetastet, um festzustellen, ob Darmanteile vorhanden sind, die dann reponiert

werden müssen. Ist der Bruchsack leer, wird mit einem

­kleinen Präpariertupfer bis zur Basis der Umschlagfalte des

­Peritoneums präpariert, sodass der Bruchsack umstochen

und abgesetzt werden kann. Nach der Kontrolle, ob die

­Hoden sich im Skrotum befinden, kann mit dem schichtweisen Wundverschluss begonnen werden. Es bedarf hier

keiner zusätzlichen Stabilisierung (mittels Doppelung von

Faszie oder Muskulatur), wie sie in der Erwachsenenchirurgie üblich ist. Bei Bedarf kann zur Schmerzminderung ein

Lokalanästhetikum verabreicht werden.


Leistenhernien-OP beim Mädchen


Ein Leistenbruch bei Mädchen kommt seltener vor und eine

Einklemmung von Ovar und Tube ist selten.


417

18.2 · Typische OP-Indikationen


>>Bei dem Verdacht eines Ovarvorfalls darf keinesfalls


ein Repositionsversuch vorgenommen werden, da Tubenfasern durch den Druck verletzt werden können.

Ein Ovar bleibt bis zur Operation im Leistenkanal und

wird niemals reponiert!


Die instrumentelle Vorbereitung wie auch die Lagerung zur

Operation sind bei Jungen und Mädchen identisch. Der Eingriff beginnt, wie beim Jungen beschrieben. Nach der Eröffnung der Externusfaszie wird der Bruchsack dargestellt, die

Gefäße und das Lig. rotundum (auch Lig. teres uteri genannt)

werden freipräpariert. Nach der Eröffnung des Bruchsacks

wird der Bruchinhalt reponiert. Das Ligamentum wird unterbunden und durchtrennt. Der Bruchsack wird bis zur Basis

der peritonealen Umschlagfalte am inneren Leistenring

­präpariert. Wenn der Bruchsack leer ist, wird er umstochen

und abgetragen. Der Bruchsackstumpf wird dabei unter

den M. internus abdominis (innerer, schräger Bauchmuskel)

fixiert, der danach an das Leistenband genäht wird.

Nach dem schichtweisen Wundverschluss mit Einzelknopfnähten erfolgt die intrakutane Hautnaht. Bei Bedarf

kann zur Schmerzminderung ein Lokalanästhetikum verabreicht werden.

18.2.3


Hodenhochstand


Bei einem Hodenhochstand (Maldescensus) befindet sich der

Hoden noch im Bauchraum oder im Leistenkanal. Diese

Fehllage ist angeboren und kann einen oder beide Hoden betreffen. Es gibt unterschiedliche Ursachen, entweder sind die

Samenstranggebilde zu kurz angelegt, der Leistenkanal bzw.

der Processus vaginalis peritonei unvollständig ausgebildet

oder es liegt eine hormonelle Störung vor.

Die Abwärtswanderung des Hodens beginnt in der 7. Fetalwoche und sollte bei einem reifen Neugeborenen beendet sein.

Wir kennen verschiedene Formen:

44Den Bauchhoden (Retentio testis abdominalis), bei dem

der Hoden nicht getastet werden kann. Nur eine Sonographie oder eine MRT kann die Hodenlokalisation anzeigen. Laparoskopisch wird dann nach dem Hoden im

Bauchraum gesucht.

44Beim Leistenhoden (Retentio testis inguinalis) ist der

Hoden im Leistenkanal tastbar, aber meistens nicht verschieblich.

44Beim sog. Gleithoden ist der Hoden tastbar und von

­außen in das Skrotum zu ziehen, aber er gleitet wieder

zum Skrotaleingang zurück.

44Der Pendelhoden wird z. B. bei Kälte nach oben gezogen,

sinkt jedoch im entspannten Zustand ins Skrotum zurück.

44Eine echte Hodenfehllage liegt vor, wenn der Hoden am

Oberschenkel oder am Damm liegt.

Ein Hoden in einer Fehllage ist durch seine ungeschützte Lage

immer Verletzungen ausgesetzt, außerdem besteht die Gefahr

der Hodendrehung, wegen der Nicht-Fixierung (Hodentor­

sion; 7 Abschn. 12.3.2). Liegt ein Hoden zu lange außerhalb


des Skrotalsacks, kann es durch die höhere Temperatur im

Leistenkanal zur Unfruchtbarkeit kommen, deshalb sollten

Hodenfehllagen innerhalb des ersten Lebensjahres beseitigt

werden. Außerdem ist die Gefahr, als Erwachsener an Hodenkrebs zu erkranken, deutlich höher, wenn der Hoden nicht

operativ ins Skrotum geführt wird.

Eine Hormontherapie kann primär ausreichend sein,

wenn sie versagt ist immer eine Operation indiziert.

Liegt eine Dysplasie (Missbildung, Fehlbildung) vor, müssen die Hodenreste operativ entfernt werden, um einer Entartung vorzubeugen. Als Platzhalter können hier Hodenprothesen eingesetzt werden.

j

jOrchidolyse und Orchidopexie


Zur Operation bereiten wir kleines, feines Grundinstrumentarium vor, dazu gehören eine kleine gebogene Kornzange,

2 scharfe Mosquito-Klemmchen und Kompressen mit warmer

Kochsalzlösung. Die Blutstillung erfolgt in der Regel b

­ ipolar.

Der Patient wird in Rückenlage gelagert, nach der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung erfolgt das standardisierte Team-Time-Out. Danach wird die betreffende Leiste

eröffnet. Nach dem Hautschnitt wird das subkutane Fettgewebe bis auf die Externusaponeurose präpariert.

Der äußere Leistenring wird dargestellt und von dort die

Externusfaszie eröffnet. Nun wird der Leistenkanal vorsichtig

freigelegt, dadurch wird der Blick auf den sich oftmals im

Leistenkanal befindlichen Hoden frei. Dieser wird auf Un­

reife und Fehlbildungen untersucht. Der Samenstrang und

die Hodengefäße werden mobilisiert und die Kremastermuskulatur reseziert, bis die Länge zum Skrotum ausreichend ist.

Die Hodenhüllen werden unter Schonung der Gefäße und

des Ductus deferens eröffnet und der Hoden, wie auch der

Nebenhoden, inspiziert. Häufig gibt es Hodenanhängsel, sog.

Hydatiden, die reseziert werden müssen, um eine Torsion zu

vermeiden.

Der Hoden wird während der Mobilisation in eine feuchte

körperwarme Kompresse gewickelt. Nach der Inspektion des

Hodens wird der Leistenkanal geweitet und ein Kanal für den

Hoden gebildet. Das Skrotum wird noch einmal desinfiziert,

inzidiert und eine Skrotaltasche zur Aufnahme des Hodens

geschaffen. In dieses skrotale Fettgewebe werden zwei Haltefäden vorgelegt und mit scharfen Klemmchen angeklemmt.

Nun kann die kleine Kornzange vom Skrotum aus in die

Leiste vorgeschoben werden. Das Hodengewebe wird gefasst

und ins Skrotum verlagert. Die Hodengefäße werden noch

einmal auf den korrekten und spannungsfreien Verlauf überprüft, um eine Hodentorsion zu vermeiden. Der Hoden wird

im Skrotalfach mit den vorgelegten Haltefäden fixiert. Nach

der Hautnaht am Skrotum wird die Leiste schichtweise verschlossen. Bei Bedarf kann zur Schmerzminderung ein Lokalanästhetikum verabreicht werden.

18.2.4


Hydrozele


Die Hydrozele ist eine Sekretzyste bzw. eine Wasseransammlung im Bereich des Leistenkanals, also am Samenstrang oder


18


418


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


unten am Hoden. Sie kommt bei Neugeborenen und Säuglingen häufiger vor und bildet sich in der Regel spontan wieder

zurück. Während der Embryonalentwicklung wandert der

Hoden durch den Leistenkanal herab, dabei kann Bauchhöhlenflüssigkeit bis zum Skrotum gelangen und mit eingeschlossen werden. Kleinere Wasseransammlungen können vom

Körper resorbiert (abgebaut) werden. Allerdings muss eine

Hydrozele operativ versorgt werden, wenn sich der Leistenkanal oben nicht verschlossen hat, also eine Verbindung zwischen Hoden und Bauchhöhle bestehen bleibt, denn so kann

peritoneale Flüssigkeit nachlaufen.

Beide Erkrankungen – Hydrocele testis (Hydrozele am

Hoden) und Hydrocele funiculi spermatica (Hydrozele am

Samenstrang) – entstehen also durch den mangelhaften Verschluss des Leistenkanals. Bei der Hydrocele testis ist im Bereich des Skrotums ein praller elastischer Tumor zu tasten,

der aber nicht druckschmerzhaft ist. Bei der Hydrocele funiculi spermatica befindet sich der Tumor in der Leistengegend.

Bei beiden Lagen fehlen Entzündungszeichen.

Eine kleinere Hydrocele testis (z. B. pflaumengroß) muss

nicht operativ entfernt werden, wenn keine Verbindung zur

Bauchhöhle besteht; Flüssigkeit wird vom Körper resorbiert.

Eine sehr große Hydrocele testis (z. B. tennisballgroß) würde

man operieren auch wenn sie keine Verbindung zur Bauchhöhle hat, da so viel Flüssigkeit vom Körper nicht resorbiert

werden kann. Eine Hydrocele funiculi muss stets operiert

werden, da der offene Processus vaginalis peritonei verschlossen werden muss. Eine Hydrozelenoperation verläuft immer

analog zur Leistenbruchoperation. Die den Hoden umgebende Hydrocele testis wird weit gefenstert. Liegt eine Hydrocele

funiculi spermatica vor, so kann diese meist komplett mit

dem Bruchsack reseziert werden.

j

jFensterung der Hydrozelenwand und Verschluss

des offenen Processus vaginalis


18


Für die Operation benötigen wir kleines, feines Grundinstrumentarium, die Blutstillung erfolgt bipolar.

Das Kind wird auf dem Rücken gelagert, nach der Hautdesinfektion auf der entsprechenden markierten Seite und

der sterilen Abdeckung erfolgt das standardisierte TeamTime-Out. Nach dem Hautschnitt in der Leiste wird das Subkutangewebe präpariert. Nach der Präparation der Externusaponeurose und des äußeren Leistenrings und der Spaltung der Externusaponeurose wird der Bruchsack/der offene

Processus vaginalis mit der Hydrocele funiculi freipräpariert.

Die Hodengefäße und der Ductus deferens werden dar­

gestellt. Die Hydrozele wird am Samenstrang längs mit der

Schere geschlitzt und die Kremasterfasern werden mit Prä­

pariertupfern und/oder atraumatsicher Pinzette stumpf vom

Bruchsack abgeschoben. Dieser wird dann bis zu seiner Basis

präpariert; ist er leer, kann er umstochen und abgesetzt

­ erden.

w

Bei einer Wasseransammlung am Hoden wird die Hydrozele mit Hoden hervorluxiert und deren Wand mit einer

Schere eröffnet und gefenstert, indem die Hodenhüllen längs

geschlitzt werden. Es kommt zu einer Entleerung der klarserösen Flüssigkeit.


Nach der Inspektion von Hoden und Nebenhoden werden vorhandene Hodenanhängsel/Hydatiden entfernt.

>>Der Hoden wird in das Skrotumfach reponiert. Dabei


dürfen die Hodengefäße keinesfalls verdreht werden!


Der schichtweise Wundverschluss beendet diesen Eingriff.

Bei Bedarf kann zur Schmerzminderung ein Lokalanästhetikum verabreicht werden.

18.2.5


Zwerchfellhernie


Die Zwerchfellhernie bezeichnet eine Lücke im Zwerchfell,

bei der die Bauchorgane in den Thorax hineinrutschen können. Die Lokalisation ist meist links, da rechts die große Leber

das Hineinrutschen verhindert. Diese Hernie ist fast immer

angeboren, nur sehr selten erworben. Es liegt ein Bruchsack

vor, der aus Pleura und Peritoneum besteht. Fehlt der

Bruchsack, sprechen wir von einer intrathorakalen Eventra­

tion. Diese Zwerchfelldefekte sind Hemmungsmissbildungen

aus der Fetalzeit, bei der die vordere und hintere Zwerchfellanlage nicht oder nur mangelhaft zusammenwachsen.

Die häufigsten Bruchpforten oder Lücken sind:

44die retrosternale Lücke,

44die sternokostale Lücke (Morgagni-Hernie,

7 Abschn. 7.4.1),

44der Hiatus oesophageus (Hiatus-Hernie,

gleitende ­Hiatushernie, paraösophageale Hernie,

7 Abschn. 7.3.1),

44die pleuroperitoneale Lücke,

44die lumbokostale Lücke (Bochdalek-Hernie,

7 Abschn. 7.4.1).

Die Symptomatik ist abhängig von der Größe und der Lage

des Defekts, den Begleitfehlbildungen von Herz und Lunge,

sowie von dem Vorhandensein eines Bruchsacks und vom

Ausmaß der Lungenhypoplasie. Die klassischen Symptome

sind Zyanose (Blaufärbung der Haut), Dyspnoe (Atemnot),

Ileuszeichen (Zeichen für einen Darmverschluss) und ein

sehr eingefallenes Abdomen.

Neugeborene mit einer großen pleuroperitonealen Lücke

haben schwere kardiorespiratorische (Herz- und Atmung betreffende) Probleme. Sie müssen nach intensivmedizinischer

Stabilisierung sofort operiert werden, da die intrathorakal

gelegenen Darmschlingen sich nach der Geburt mit Luft füllen, das Herz und die Gegenseite der Lunge werden komprimiert und es droht die Ruptur der Lunge mit Erstickungstod.

Ältere Kinder mit kleinen Defekten haben meist gastrointestinale Störungen, auch diese müssen operativ behandelt werden, es besteht jedoch keine Notfallindikation.

j

jHerniotomie


Für die Operation benötigen wir Grundinstrumentarium

mit bezogenen Teflonspateln (. Abb. 18.6), selbsthaltende

Hautspreizer, lange, breite anatomische Pinzetten, kleine und

mittellange Overholt-Klemmen, eine «Holzrinne», Saugerschlauch mit Ansatz, eine Kochsalzschüssel sowie kleine


419

18.2 · Typische OP-Indikationen


..Abb. 18.6


Bezogener Teflonspatel


Kompressen und kleine Bauchtücher. Die Blutstillung erfolgt

bi- oder monopolar. Ein Blasenkatheter dient der Bilanzierung der Flüssigkeitszu- und -ausfuhr sowie der intraabdominalen Blasendruckmessung.

Eine Thoraxdrainage mit Wasserschloss, Annaht, Infu­

sionsleitung und Bakterienfilter steht bereit.

Vor der OP wird das Neugeborene mit erhöhtem Oberkörper auf der erkrankten Seite gelagert. Eine Magensonde

mit Dauersog muss gelegt sein, um intraoperativ den Ösophagus besser tasten zu können. Für den Eingriff wird das Kind

auf dem Rücken gelagert, bei Bedarf eine angewärmte Neu­

tralelektrode am Rücken platziert und mit einem kleinen,

halbrunden Polster der Rippenbogen überstreckt.

Geplant ist ein Verschluss der Zwerchfellhernie und anschließende Einlage einer Thoraxdrainage.

Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung

erfolgt das standardisierte Team-Time-Out. Anschließend

erfolgt der Hautschnitt am entsprechenden Rippenbogenrand und das subkutane Fettgewebe, Faszie und Muskulatur

werden eröffnet. Nach dem Einsetzen eines Wundspreizers

werden die Darmschlingen nach außen auf ein feucht-warmes Bauchtuch verlagert und mit einem weiteren feucht-warmen Bauchtuch abgedeckt. Die Zwerchfelllücke wird inspiziert. Behutsam werden die restlichen prolabierten Darmschlingen aus dem Thoraxraum entfernt, um sie später in den

Abdominalraum zu verlagern. Danach ist der Thorax soweit

leer, sodass die Lücke identifiziert werden kann.

Es kann sich entweder um eine kleine Lücke im Zwerchfell

handeln oder um eine große, meist laterodorsal gelegene

­Lücke, bei der nur noch ein kleiner Saum Zwerchfell zu erkennen ist. Je nach Befund kann die Lücke primär durch Nähte


verschlossen werden, oder sie muss durch einen Platzhalter

versorgt werden. Hierzu stehen unterschiedliche Materialien

zur Verfügung (Goretex, bovines Pericard, etc.).

Liegt z. B. eine posterolaterale Hernie vor, bei der dorsal

und lateral kein Zwerchfellschenkel mehr vorhanden ist,

dann kann diese Lücke nicht primär verschlossen werden.

Hier kann ein nichtresorbierbares Fremdmaterial mit resorbierbaren geflochtenen oder nicht resorbierbaren, monofilen

Fäden eingenäht werden. Reicht der ventrale Schenkel jedoch

aus, kann der Defekt primär verschlossen werden. Auch hier

wird ein resorbierbares, geflochtenes oder ein nicht resorbierbares, monofiles Nahtmaterial genutzt. Bietet auch das

Zwerchfell ein zu dünnes Widerlager, kann ein resorbierbares

Netz implantiert werden.

Sind die Darmschlingen aus dem Thorax entfernt, können

beide Lungenflügel durch den Anästhesisten maschinell gebläht werden, um festzustellen, ob eine Ausdehnung der Lungenflügel nun möglich ist.

Am Zwerchfellsaum und am Rippenperiost werden viele,

kräftige (2-0 bis 3-0 resorbierbar, geflochten) Einzelknopfnähte vorgelegt. Vor dem Verschluss der Lücke wird lateral

eine Thoraxdrainage eingelegt, um einen Spannungspneumothorax zu verhindern. Die vorgelegten Nähte werden

nacheinander verschlossen. Nach dem Verschluss der

Zwerchfelllücke wird der Dünndarm magenwärts zwischen

zwei Fingern ausgestrichen.

Der Bauchraum muss nun digital (mit dem Finger) geweitet werden, da vorher keine Bauchorgane diesen Platz beansprucht hatten. Reicht die Dehnung des Gewebes nicht für

einen Verschluss aus, muss eine Silastikfolie den Defekt überbrücken. Keinesfalls dürfen die Organe komprimiert werden,

da sonst Nekrosen entstehen. Meist ist die Rückverlagerung

der Darmschlingen nach abdominal möglich. Die Zählkon­

trolle mit Dokumentation und ein schichtweiser Wundverschluss beenden den Eingriff.

18.2.6


Ösophagusatresie


Bei der Ösophagusatresie handelt es sich um einen angeborenen (kongenitalen) Verschluss der Speiseröhre oder auch die

Nichtanlage eines Teiles der Speiseröhre mit oder ohne Fistelgang zur Luftröhre. Dieser Defekt ist eine Hemmungsmissbildung aus der Embryonalentwicklung. Es gibt sehr viele unterschiedliche Formen dieser Fehlbildung. Die Einteilung der

Ausprägung ist nach Vogt oder Daum benannt.

Es gibt kurzstreckige und langstreckige Formen.

44Beim sog. Typ 1 sind der distale und der proximale

­Ösophagus nicht angelegt.

44Im Typ 2 sind zwei Blindsäcke vorhanden, die nicht

­miteinander kommunizieren. Es ist keine Fistel vor­

handen.

44Alle Atresien des Typ 3 haben eine Fistel, entweder

55zum oberen Trachealsystem,

55zum unteren Trachealsystem oder die

55Fistel zieht vom Trachealsystem zum oberen und zum

unteren Blindsack.


18


420


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


Schon intrauterin wird zu viel Fruchtwasser festgestellt, da

der Fetus nicht schlucken kann. Nach der Geburt speicheln

die Kinder aus dem Mund extrem weiter. Der Ösophagus ist

nicht sondierbar, die Sonde stoppt schon nach 8–10 cm. Dadurch sammelt sich der Speichel im Blindsack, läuft über und

fließt in die danebenliegende Trachea. Es kommt zur Aspiration und somit zur sofortigen Pneumoniegefahr. Wenn

gleichzeitig eine Fistel von der Luftröhre zum distalen Blindsack zum Magen besteht, so gelangt mit jedem Atemzug auch

Luft in den Magen; sichtbar wird das in einer starken Überblähung des Magens, die zur Ruptur führen kann. Oft liegen

Begleitfehlbildungen des Herzens, des Gastrointestinal- und

des Urogenitaltrakts vor.

Für eine weiterführende Diagnostik wird eine kontrastgebende Sonde in den 

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