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coinad

4/12/26

 Inframammärfalte mit einer 2-0 monofilen Naht auf der Faszie

fixiert (. Abb. 17.13). Die Zählkontrolle der Textilien und

Instrumente und die dazugehörige Dokumentation werden

vor dem Wundverschluss im Vier-Augen-Prinzip durchgeführt. Der schichtweise Wundverschluss erfolgt mit einer 4-0

monofilen resorbierbaren Naht. Die Nahtreihe wird mit SteriStrips zur Minimierung der Narbenausdehnung geschient.

Im Brustbereich wird ein Pflasterverband angebracht

oder ein Sport-BH angelegt. Der Sport-BH sollte nach dem

Eingriff 6–12 Wochen Tag und Nacht getragen werden. Während der ersten Wochen sind Anstrengungen wie schweres

Tragen zu vermeiden, ebenso das Heben der Arme über

Schulterhöhe.


..Abb. 17.13 Beide Brustimplantate sind eingebracht, die Haut ist

verschlossen mit resorbierbarer Hautnaht. (© Birgit von Essen)


Ein Beispiel für eine gelungene Brustaugmentation ist in


. Abb. 17.14 und . Abb. 17.15) dargestellt.


j

jKomplikationen


44Kapselfibrose: Hier erkennt der Körper das Implantat

als einen Fremdkörper und versucht, es mit einer Hülle

aus Bindegewebe zu umschließen. Je nach Veranlagung

kann sich diese Kapsel verhärten, wodurch sich die

Brust fester als normal anfühlt. Derartige Verhärtungen

können unterschiedlich ausfallen und schlimmsten­

falls zu Schmerzen, Verlagerung des Implantats oder

Verformung der Brust führen. In seltenen Fällen ist eine

operative Entfernung oder ein Implantatwechsel notwendig.

44Rotation oder Dislokation des Brustimplantats.

44Implantatdefekt durch Materialermüdung oder Unfall.

44Taubheitsgefühl an der Mamille.

44Wundheilungsstörungen, Infektion.

44Hämatom, Serombildung.

17.1.6


Bruststraffung (Mastopexie)


Die Mastopexie (mastos= griechisch Brust, pexie= griechisch

Fixierung) verändert die Form, die Festigkeit und bedingt die

Größe einer hängenden oder erschlafften Brust. Durch Anheben und Neuformen kann eine Hängebrust in eine ästhetisch

ansprechendere Form gebracht werden. Zu tief stehende

Brustwarzen werden dabei in eine höhere jugendlichere Position gebracht. Bei einer Bruststraffung wird im Gegensatz zur

Brustverkleinerung möglichst wenig Gewebe entfernt, da sich

das Brustvolumen nicht verringern soll.

In manchen Fällen kann bei einer Bruststraffung der obere Brustbereich nicht ausreichend ausgefüllt werden, sodass

hier eine Augmentopexie (. Abb. 17.16) (Bruststraffung mit

Brustimplantateinlage) notwendig ist. Bei asymmetrischen

Brüsten lassen sich Ungleichheiten ausgleichen.


401

17.1 · Plastische/Ästhetische Chirurgie


a


b


c


d


..Abb. 17.14a–d Vor Brustaugmentation. Aus: Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


a


b


c


d


..Abb. 17.15a–d 6 Monate nach Brustaugmentation (gleiche Patientin wie in . Abb. 17.14). Aus: Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


17


402


Kapitel 17 · Plastische Chirurgie – Ästhetische Chirurgie


a


b


c


d


..Abb. 17.16a–d


Augmentopexie. Aus: Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


2 cm


1 cm

1 cm


2 cm


> 2 cm


17

a


..Abb. 17.17a–f

berg New York


b


c


d


e


f


Ptosis-Stufen nach Kirwan. Adaptiert nach Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidel-


j

jIndikationen


44Ptosis mammae (Ptosis= griechisch Fall, Senkung),

44Asymmetrie der Brüste.

j

jPtosis-Stufen nach Kirwan


Diese sind definiert durch die Beziehung der Position von

Brustwarzenkomplex («BWK»; Warzenhof mit Brustwarze)

in Relation zur Brustumschlagfalte (. Abb. 17.17 und

. Tab. 17.1).


j

jMaße der normalen Brust einer erwachsenen

­Mitteleuropäerin


44Konische Form mit einer angedeuteten Konkavität

­kranial des Mamillen-Areolen-Komplexes (MAK).

44Breite der Brustbasis ca. 12–15 cm.

44Abstand zwischen Mamille und Jugulum ca. 18–21 cm.

44Abstand Mamille bis Mittellinie ca. 9–11 cm.

44Durchmesser MAK ca. 4–5 cm.

44Abstand zwischen Mamille und Brustumschlagfalte

ca. 7–8 cm (. Abb. 17.18).


403

17.1 · Plastische/Ästhetische Chirurgie


..Tab. 17.1


Ptosis-Stufen nach Kirwan (s. auch . Abb. 17.17)


Ptosis-Stufe


Kennzeichen


a


Der BWK befindet sich ca. 2 cm oberhalb der

Brustumschlagfalte


b


Der BWK befindet sich ca. 1 cm oberhalb der

Brustumschlagfalte


c


Der BWK befindet sich auf Höhe der Brust­

umschlagfalte


d


Der BWK befindet sich ca. 1 cm unterhalb der

Brustumschlagfalte


e


Der BWK befindet sich ca. 2 cm unterhalb der

Brustumschlagfalte


f


Der BWK befindet sich mehr als 2 cm unterhalb

der Brustumschlagfalte


Abkürzung: BWK = Brustwarzenkomplex.


..Abb. 17.18 Maße der normalen Brust einer erwachsenen Mittel­

europäerin (a = Abstand zwischen Mamille und Jugulum 18–21 cm,

b = Abstand Mamille bis Mittellinie ca. 9–11 cm, c = Durchmesser Mamillen-Areolen-Komplex [MAK] ca. 4–5 cm, d = Abstand zwischen Mamille

und Brustumschlagfalte ca. 7–8 cm). Aus: Liehn M, Steinmüller L, Döhler R

(2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


Die Mamille sitzt in Höhe der Brustumschlagfalte in der Medioklavikularlinie (bei einer stehenden Patientin auf Höhe der

Oberarmschaftmitte) und bildet den Punkt der größten Projektion.

Die Mamillen sind leicht nach lateral ausgerichtet.

j

jUrsachen einer Ptosis mammae


44Verlust der Spannkraft und Elastizität nach Schwangerschaft und Stillzeit (das Brustdrüsengewebe bildet sich

übermäßig stark zurück, wodurch ein zu großer Hautmantel übrig bleibt).

44Gewichtsverlust (der Fettgewebeanteil in der Brust

schwindet, die Brust verliert an Volumen).

44Hautalterung.

44Schwerkraft bei großen Brüsten (das Gewicht der Brust

führt zur Überdehnung der Haut, der Hautmantel wird

weiter, und die Brustdrüse sackt ab).

44Angeborene Bindegewebeschwäche.


a


b


j

jOP-Techniken

OP-Techniken

55 Periareoläre Bruststraffung

55 Vertikale Bruststraffung (I-Schnitt)

55 T-förmige Bruststraffung


44Periareoläre Bruststraffung: Dieser Eingriff eignet sich

bei leichter Ptosis und einer normalen Brustgröße. Die

Schnittführung liegt ringförmig an der Außengrenze des

Warzenhofs (Areola). Parallel dazu erfolgt ein zweiter

runder oder längsovaler Schnitt in der notwendigen

Größe. Die Größe ist abhängig von der zu straffenden

Haut. Die Haut wird deepithelisiert, mit einer Tabak­

beutelnaht wird der neue Hautrand an den Warzenhof

gestrafft und vernäht (. Abb. 17.19a).


c


..Abb. 17.19a–c Techniken der Bruststraffung (Mastopexie): a peri­

areoläre Bruststraffung, b vertikale Bruststraffung, c T-förmige Bruststraffung. Aus: Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl.

Springer, Berlin Heidelberg New York


44Vertikale Bruststraffung: Bei einer mittleren Ptosis

muss mehr überschüssige Haut entfernt werden. Hier

wird die Bruststraffung um die Brustwarze mit einem

vertikalen Schnitt zur Brustumschlagfalte weitergeführt

(. Abb. 17.19b).


17


404


Kapitel 17 · Plastische Chirurgie – Ästhetische Chirurgie


44T-förmige Bruststraffung: Bei großen Brüsten mit

­starker Brusterschlaffung erfolgt die Bruststraffung mit

einem T-Schnitt. Die vertikale Schnitttechnik wird in

der Unterbrustfalte horizontal weitergeführt. Bei Bedarf

finden hier Drüsenkörperformungsnähte Anwendung.

Die Narbe sieht aus wie ein auf dem Kopf liegendes «T»

(. Abb. 17.19c).

Die Patientin liegt auf dem Rücken mit leicht erhöhtem Oberkörper auf einer beheizbaren Wärmematte, später in halbsitzender Position. Die Arme werden im Winkel von 70° auf

Armlagerungsschienen gelagert oder an den Körper angelagert, die Platzierung einer Knierolle und polsternde Lagerungshilfsmittel für die Fersen und den Kopf sind obligat.

Wir benötigen neben dem Grundinstrumentarium eine

monopolare Diathermie, Redon Drainagen, ein Hautklammergerät sowie einen Hautstift.

k

kOperation T-förmige Bruststraffung (eine mögliche

Technik)


17


Vor der Bruststraffung ist eine sorgfältige zeichnerische Planung erforderlich, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen

(. Abb. 17.20).

Die Schnittführung (. Abb. 17.20) wird vorher an der wachen Patientin im Stehen angezeichnet. Markiert werden z. B.

die Mittel-, Medioklavikularlinie, Jugulum-Mamillar-Linie

und die Brustumschlagfalte. Die neue Position des BWK auf

der Medioklavikularlinie wird festgelegt. Sie befindet sich in

Höhe der Brustumschlagfalte. Der Abstand zwischen Jugulum und Mamille beträgt hier ca. 18–21cm. Die Resektionsgrenzen werden durch Verschwenken der Brust nach medial

und lateral festgelegt. Die Längen des medialen und lateralen

Pfeilers bilden postoperativ die Distanz zwischen Mamille

und Inframammärfalte.

Mit einem Mamillotom wird der zukünftige Mamillendurchmesser auf der Haut markiert. Anschließend wird die

Anzeichnungsfigur umschnitten und die Straffungsfigur

deepithelisiert. Mit dem monopolaren Diathermiemesser

wird erst medial, dann lateral die Resektion von Fett- und

Drüsengewebe vorgenommen. Danach erfolgt die Bildung

des brustwarzentragenden Stiels. Um Raum für die gestielte

Brustwarze zu schaffen, wird Fett- und Drüsengewebe aus

den beiden oberen Quadranten der Brust entfernt. Entnommenes Gewebe wird zur histologischen Untersuchung ins

Labor gegeben. Der obere Brusthautlappen wird zeltartig präpariert, sodass eine gleichmäßige subkutane Fettschicht vorhanden ist.

Jetzt wird der mediale und laterale Hautrand an der Kreuzungsstelle von Brustmittellinie und Submammärfalte mit

einer Naht fixiert, anschließend werden die Hautränder mit

einem Klammernahtgerät von medial und lateral zur Brustmitte hin adaptiert. Nun erfolgt die Festlegung der Mamillenposition. Der Unterrand der Areola zur Submammärfalte

sollte je nach Brustgröße ca. 4,5–5,5 cm betragen.

Nach Ausschneiden des Hautareals und Positionierung

des Mamillen-Areola-Komplexes erfolgt das Einnähen des

Hautareals mit resorbierbaren, monofilen Nähten. Nach Ein-


..Abb. 17.20 Angezeichnete Brust zur T-förmigen Bruststraffung.

(© Birgit von Essen)


lage einer Wunddrainage erfolgt ein schichtweiser Wundverschluss mit einer 4–0 monofilen resorbierbaren Naht.

k

kVerband


44Steristrips (zur Minimierung der Narbenausdehnung),

44Fettgaze für die Mamille,

44Pflasterverband, Umwickelung des Brustkorbs mit

­breiter elastischen Binde oder Tragen eines Sport-BHs.

Folgende Komplikationen sind möglich:

44Hämatom,

44Infektion,

44Wundheilungsstörung,

44Sensibilitätsstörung des BWK,

44Narbenkeloid,

44Asymmetrie,

44Verlust der Stillfähigkeit,

Eine gelungene Bruststraffung mit T-Schnitt ist in . Abb.


17.21 dargestellt.


17.1.7


Bauchdeckenstraffung


Nach einer starken Gewichtsreduktion oder einer Schwangerschaft kann es zu einer Veränderung des Bauchgewebes kommen und dadurch eine sog. Fettschürze entstehen. Bei der

Bauchdeckenstraffung wird das erschlaffte Gewebe aus der

vorderen Bauchregion entfernt und kann bei Bedarf durch

eine Fettabsaugung im Flankenbereich zur Schaffung eines

harmonischen Übergangs ergänzt werden.

Dieser Eingriff dient nicht der primären Gewichtsreduktion. Das Gewicht sollte vorher durch eine Diät verringert

werden.

Wenn erforderlich, kann bei der Operation die Muskulatur der Bauchwand gestrafft werden (Korrektur einer Rektusdiastase). Unter Rektusdiastase ist das Auseinanderweichen

(mindestens 4 cm) der geraden Bauchmuskulatur (M. rectus

abdominis) in der Mitte des Bauchs zu verstehen.


405

17.1 · Plastische/Ästhetische Chirurgie


a


b


c


d


..Abb. 17.21a–d


Bruststraffung mit T-Schnitt: a, b präoperativ, c, d postoperativ (© Dr. Marian S. Mackowski, mit freundlicher Genehmigung)


j

jAbdominoplastik


Vor dem Eingriff werden die überschüssigen Haut- und Fettareale vermessen und die Schnittführung beim stehenden

Patienten angezeichnet. Die Schnittlinie sollte so liegen, dass

eine unauffällige Narbenbildung gewährleistet ist. Die Standardschnittführung reicht vom Oberrand der Schambehaarung in Wellenform zu beiden Seiten bis an die Außenseiten

des Beckens. In schweren Fällen ist zusätzlich in der Mitte ein

senkrechter Schnitt nach oben einzuplanen. Bei extremem

Hautüberschuss im Bereich der Hüften muss der Schnitt seitlich bis auf den Rücken ausgedehnt werden, um ein harmonisches Ergebnis zu erzielen. Bei Bedarf ist hier auch ein Bodylift angebracht.

Das Bodylifting ist eine Formveränderung des Mittel- und

Unterkörpers, dabei werden Bauch, Taille, Hüfte, Oberschenkel und Gesäß gestrafft. Oft ist es notwendig, an den Flanken

Fett abzusaugen, um die Konturen an den Randpartien (Hüfte, Oberbauch) anzugleichen. Hierzu wird Tumeszenzlösung

ins abzusaugende Gewebe infiltriert (7 Abschn. 17.1.4).

Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt.

Der Patient liegt in der Beach-chair-Lage auf einer beheizbaren Wärmematte, die Arme werden im Winkel von 70° auf

Armlagerungsschienen gelagert.

Die Platzierung einer Knierolle und polsternde Lagerungshilfsmittel für die Fersen und den Kopf sind obligat. Wir

benötigen eine Neutralelektrode.

Um die Wunde nach dem Eingriff zu entspannen, bekommt der Patient einen Blasenkatheter, der bis zum nächsten Tag belassen wird.


Als Instrumentarium bereiten wir das Grundinstrumentarium und ggf. Liposuktionskanülen vor. Zu dem nach Standard geforderten Nahtmaterial und den Redon-Drainagen werden noch Steri-Strips und Fettgaze benötigt, die Ab­

deckung erfolgt nach hauseigenem Standard.

Nach dem Team-Time-Out und dem Hautschnitt werden

Haut und Unterhaut in schichtwechselnder Präparation unter

Nutzung der monopolaren Diathermie von den Bauchmuskeln getrennt. Bei der Präparation des kranialen Hautlappens

bis zum Rippenbogen und medial bis zum Brustbeinfortsatz

wird der Nabeltrichter zirkulär ausgelöst und nach Entfernung

des überschüssigen Hautgewebes in seiner neuen Position

eingenäht. Falls erforderlich wird vorher die Rektusdiastase

korrigiert, dazu werden die geraden Bauchmuskeln in unterschiedlichen Techniken in ihre ursprüngliche Position gestrafft. Die Blutstillung erfolgt mittels monopolarer Pinzette.

Die gestraffte Haut wird nach Einlage der Redon-Drainagen in mehreren Schichten mit monofilem, resorbierbarem

Nahtmaterial vernäht. Die Zählkontrolle der Textilien und

Instrumente und die dazugehörige Dokumentation werden

vor dem Wundverschluss im Vier-Augen-Prinzip durchgeführt.

Zur leichten Kompression wird dem Patienten direkt nach

dem Eingriff ein Abdominalgurt angepasst, er wird im Bett in

entlastender Position (Beach-chair; 7 Abschn. 4.5.2) gelagert,

damit der Bauch entspannt ist und die Wundränder spannungsfrei verheilen können.

Für mindestens sechs Wochen sollte Tag und Nacht spezielle Kompressionswäsche getragen werden. Sport und


17


406


Kapitel 17 · Plastische Chirurgie – Ästhetische Chirurgie


schwere körperliche Betätigung sind für mindestens vier

­ ochen untersagt.

W

Folgende Komplikationen sind möglich:

44Sensibilitätsstörungen,

44Lymphabflussstörung,

44Thombose/Embolie,

44Wundheilungsstörungen, Infektion,

44Hämatom, Serombildung.

17.2


17


Weichteildeckung nach Trauma


Weichteilgewebe sind die weichen Gewebe wie Fett-, Muskelund die Bindegewebe einschließlich darin enthaltener Blutgefäße und Nerven.

Das Wort Trauma stammt aus dem Altgriechischen und

bedeutet Wunde. Mit «Wunde» bezeichnet man in der Medizin eine Schädigung oder Verletzung durch Gewalt von

­außen, wie z. B. mechanische Einwirkung (Unfall), thermisch

(Verbrennung), elektrisch, chemisch oder durch Strahleneinwirkung.

Die Beurteilung der Verletzungsschwere erfordert ein

­hohes Maß an Erfahrung. Zu beachten sind die Ausdehnung

des Weichteilschadens nach Fläche, Tiefe, Lokalisation und

Kontamination, der Zustand der Umgebung, Begleitschädigun­

gen, Skelett- und Durchblutungssituation, die Entstehungs­

ursache und der Wunsch des Patienten. Eine Defekt­deckung

bedeutet Wiederherstellung von Form und Funktion. Das

Ziel einer Weichteildeckung wird meist erst nach mehrzeitigen Operationen erreicht werden.

Durch die Entwicklung der verschiedenen Lappenplastiken ist es heute möglich, eine Vielzahl verschiedener Gewebe

wie Haut, Fettgewebe, Muskulatur und Knochen separat oder

kombiniert zu transplantieren und damit Rekonstruktionen

im Bereich des ganzen Körpers vorzunehmen. Dabei konnte

durch eine stetige Verbesserung der Operationstechniken

und der Instrumente ein Anstieg im Erfolg der Lappenplastiken verzeichnet werden.

Schematisch können drei Zeitpunkte der Defektdeckung

unterschieden werden:

44akut: <6 Stunden,

44verzögert akut: <24–72 Stunden und

44sekundär: >3 Wochen.

Die akute Defektdeckung stellt eine Ausnahmesituation dar.

Sie ist nur indiziert, wenn subtotale oder totale Amputationsverletzungen vorliegen, die innerhalb von 12 Stunden versorgt werden müssen, wenn Gefäße und Nerven freiliegen,

bei eröffneten Gelenken und/oder deperiostierten Knochenstücken und wenn eine akute Defektabdeckung mit Hilfe intakter Anteile von nicht mehr zu rekonstruierenden Körperabschnitten möglich ist.

Absolute Indikationen für eine verzögert akute Defektdeckung sind eine initial unklare Ausdehnung der Weichteilschädigung und kontaminierte großflächige Wunden.

Die sekundäre Weichteildeckung wird bei der Infekt­

sanierung, Weichteilsanierung zur Vorbereitung für weitere


Operationen und teilweise in der Tumorchirurgie ange­

wendet.

Unabhängig vom Zeitpunkt werden verschieden Arten

der Defektdeckung unterschieden:

44primärer oder sekundärer Wundverschluss,

44die einfache Hauttransplantation (Spalthaut/Meshgraft,

Vollhaut),

44Lappenplastiken (lokale und freie Lappen),

44gestielte oder freie mikrovaskuläre Lappenplastiken.

j

jPrimärer Wundverschluss


Zeitnaher Wundverschluss einer frischen Wunde, bei Bedarf

mit einer Wundrandanfrischung, spontan oder unterstützt

mit Hautnaht oder Vakuumtherapie.

j

jSekundärer Wundverschluss


Verzögerter, aufgeschobener Wundverschluss bei Biss-,

Schusswunden oder kontaminierten Wunden mit einer Sekundärnaht.

17.2.1


Hauttransplantation


Die Wahl des Hauttransplantats ist abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten (Verbrennung, Infektion), dem Defekt

(Größe, zu erwartende mechanische Beanspruchung, Notwendigkeit einer Resensibilisierung) und dem Spendergebiet

(Farbe, Dicke, Qualität, Ästhetik).

j

jSpalthauttransplantation


Bei einer Spalthauttransplantation werden die obersten Teile

der Dermis (Lederhaut) mit Hilfe eines Dermatoms (Hautschneidewerkzeug) entnommen und transplantiert. Die

Hautlappen sind etwa 0,2–0,6 Millimeter dick. Die Spalthauttransplantate verheilen schnell, sind aber nicht sehr widerstandsfähig. Die mit Spalthaut gedeckte Fläche schrumpft

während der Narbenbildungsphase. Diese Eigenschaft ist gelegentlich von Vorteil, weil die Wundfläche/Narbenfläche

insbesondere durch das Wachstum bei Kindern, relativ kleiner wird.

Durch eine gelbbraune Verfärbung der Spalthaut wird die

behandelte Stelle sichtbar. Dieser Hautersatz findet hauptsächlich in der Verbrennungschirurgie Verwendung.

j

jMeshgraft


Mit einem Meshgraft (Spalthautlappen, Mesh= engl. Netz

und Graft= engl. Transplantat) können größere Hautwunden

verschlossen werden. Es handelt sich um ein Spalthauttransplantat aus körpereigener Haut, das mit einem Mesh-Instrument zu einem gitterartigen Netz geschnitten wird. Dieses

erlaubt eine Dehnung des Hautlappens auf das 3- bis 6-fache

seiner Ausgangsgröße. Das Meshgraft-Verfahren spart

Spendergewebe (Haut) und findet Anwendung, wenn große

Hautdefekte gedeckt werden sollen, z. B. bei einem Geschwür

am Unterschenkel oder bei ausgedehnten Verbrennungen.

Geeignete Entnahmestellen für die Spenderhaut sind die

Oberschenkelstreckseite, der Rücken und die behaarte Kopf-


407

17.2 · Weichteildeckung nach Trauma


haut des Patienten. Der Ort der Hautabtragung verschließt

sich von allein, wobei allerdings Narben zurückbleiben.

j

jVollhauttransplantation


Bei der Vollhauttransplantation werden die ganze Oberhaut (Epidermis) sowie die Lederhaut auf die abzudeckende

Stelle übertragen. Die zu bedeckende Fläche muss ausreichend durchblutet und keimfrei sein. Zum Einsatz kommt

das Verfahren vorwiegend bei schweren Verletzungen. Ein

Vollhauttransplantat ist wesentlich robuster als ein Spalt­

hauttransplantat. Zudem ist die Färbung unauffälliger. Bei

Kindern passt es sich darüber hinaus dem Wachstumsver­

halten der benachbarten Hautregionen an. Das Einwachsen an der behandelten Stelle ist deutlich schwieriger als

bei einer Spalthauttransplantation. Ein komplettes Haut­

areal kann ­allerdings nur an Körperstellen entnommen

­werden, an ­denen sich die Wunde nach der Transplanta­

tion wieder ohne Schwierigkeiten zusammenziehen und

­vernähen lässt. Größere Areale können durch vorherigen

Expandereinsatz gewonnen werden (s. u.). Zum Einsatz

­

­kommen Vollhauttransplantate in erster Linie an sichtbaren

Stellen wie dem Gesicht und den Händen.

17.2.2


Lappenplastiken


Hier wird Haut und/oder Gewebe von einer entbehrlichen

Körperstelle an die gewünschte Stelle verpflanzt. Es kann jedes Gewebe (Muskel, Knochen, Fett) mit oder ohne Haut sowohl gestielt (mit seinen zugehörigen blutversorgenden Gefäßen und Nerven) als auch frei (d. h. mit Anschluss der Blutgefäße an die Blutversorgung der neuen Umgebung) verpflanzt werden. Je nach Defektgröße und -lokalisation werden

lokale Lappen, Fernlappen, gestielte Lappen und freie Lappen

angewendet.

44Zur Gruppe der lokalen Lappen gehören Verschiebe-,

Transpositions- und Rotationslappenplastiken, sie

­decken direkt benachbarte Defekte. Diese fasziokutanen

Lappenplastiken kommen bei kleineren Defekten zum

Einsatz (fasziokutan beinhaltet den faszialen Gefäß­

plexus).

44Beim Verschiebelappen wird der Hautlappen entlang

der Längsachse in den zu deckenden Defekt gebracht,

als Rechteck oder im Sinne einer V-Y-Plastik.

44Der Rotationslappen bedarf einer definierten Dreh­

achse, um die der halbkreisförmig geschnittene Lappen

in den Defekt gedreht wird. Der Rotationslappen stellt

die einfachste Form der Weichteildeckung durch Lappenplastik dar. Er weist eine gute Elastizität und eine

ausreichende Druckresistenz auf.

44Bei Transpositionslappen erfolgt die Verlagerung um

eine Drehachse nach lateral in einen direkt benachbarten

Defekt. Als Beispiel ist hier der Rhomboidlappen für

rautenförmige Defekte zu nennen.

44Insellappen werden unter einer belassenen Hautbrücke

in den Defekt eingebracht.


j

jLokale Lappenplastik


Lokale Lappenplastiken sind besonders im Gesicht und an

den Händen zu bevorzugen, da die Hautstruktur hier von solcher Einzigartigkeit ist, dass Hauttransplantate von anderen

Körperstellen immer kosmetisch auffällig und funktionell

ungünstiger sind. Es gilt der Grundsatz «Gleiches mit Gleichem» zu decken.

Lappenplastiken können analog zu Muskellappen lokal

gestielt oder frei transplantiert werden.

j

jFernlappen


Fernlappen beschreiben das Verbringen von Gewebe auf

­einen nicht direkt benachbarten Defekt, u. U. sogar an eine

andere Körperregion. Veraltet, aber dennoch beindruckend

ist der «italienische Lappen» zur Nasenrekonstruktion (1597

von Tagliacozzi publiziert). Dabei wurde der Defekt der Nase

durch Gewebe vom medialen Oberarm gedeckt, dieser musste jedoch so lange immobilisiert bleiben, bis das Gewebe ausreichend durch die Empfängerstelle durchblutet wurde). Eine

heute noch gebräuchliche Fernlappenplastik stellt der CrossFinger-Lappen dar, bei dem Haut eines Fingers auf den

­Defekt eines benachbarten Fingers verbracht wird. Bis zum

Einheilen des Lappens (ca. 2–3 Wochen) verbleibt die versorgende Hautbrücke zwischen den beiden Fingern.

j

jFreie Lappen


Als freie Lappen können Hautlappen direkt an ihrem Gefäßstiel (gestielter Lappen), also als axialer Lappen gehoben

und an eine andere Körperstelle verbracht werden. Außer der

versorgenden Arterie als Stiel, kann der Lappen auch als sog.

Perforator-Lappen gehoben werden. Dabei erfolgt die Versorgung der Haut durch Gefäße, die zuvor den darunterliegenden Muskel durchquert haben, die Perforatoren.

Der Perforator-Lappen findet Anwendung bei der auto­

logen (zu demselben Individuum gehörig) Brustrekon­

struktion.

>>Ein Perforator-Gefäß ist ein Gefäß, das seinen Ur-


sprung in einem der axial verlaufenden Gefäße des

Körpers nimmt und in Begleitung von interstitiellem

Bindegewebe und Fett durch bestimmte Gewebe

des Körpers verläuft, bevor es das subkutane Fettgewebe erreicht.


Als einer der ersten Perforatorlappen konnte sich der auf der

A. epigastrica inferior profunda basierende DIEP-Lappen

(«deep inferior epigastric artery») durchsetzen (s. u.). Dieser

v. a. zur Brustrekonstruktion verwendete Lappen ersetzt

mehr und mehr den früher gebräuchlichen TRAM-Lappen

(transverser Rectus-abdominis-Muskel, querer Unterbauchmuskel) der per definitionem ein myokutaner (Muskel und

Haut) Lappen ist. Beim TRAM wird der komplette M. rectus

abdominis (gerader Bauchmuskel) einer Seite am Stiel mitgehoben und an die A. mammaria interna (innere Brustkorb­

arterie) anastomosiert, was zu Komplikationen im Bereich

der Bauchdecke, wie Funktionseinbußen, Asymmetrie der

Bauchwand und des Nabels oder Auswölbungen der Bauchdecke bis hin zu Hernien, führen kann. Beim DIEP dagegen


17


408


Kapitel 17 · Plastische Chirurgie – Ästhetische Chirurgie


werden die hautversorgenden Perforator-Gefäße entlang

­ihres Verlaufs durch den Muskel bis zu ihrem Abgang aus der

Arterie präpariert.

Beim MS-2-TRAM wird eine kleine Muskelmanschette

mitgenommen, welche die versorgenden Perforatoren enthält. Mit dieser technischen Variation wird die Rektusmuskulatur deutlich geschont, wodurch sich eine geringere Hebemorbidität ergibt.

j

jMuskellappen


Je nach Tiefe, Gewebetyp und Zustand des Defektes, kann es

wichtig sein, viel gut durchblutetes Gewebe in einen Defekt zu

bringen. Hierzu eignen sich am besten Muskellappen. Muskellappen können lokal gestielt oder frei transplantiert werden. Diese stellen je nach gewähltem Muskel viel Gewebe zur

Verfügung. Sie haben den Vorteil einer definierten Gefäßversorgung durch einen konstanten Gefäßstiel und bieten somit

einen besseren Schutz vor Infektionen.

Beispielhaft erwähnt werden muss der klassische myokutane Latissimus-dorsi-Lappen (ein Lappen, der aus dem großen Rückenmuskel gewonnen wird), der sich gut als lokaler

oder ferner Lappen für eine Defektdeckung nach Brustamputation eignet, wobei häufig aufgrund fehlenden Volumens

zusätzlich ein Brustimplantat zum Einsatz kommt.

Zur Minimierung der Nachteile bei Hebung großer Muskelanteile hat in den letzten 20 Jahren eine kontinuierliche

Entwicklung der Operationstechniken stattgefunden, die die

Hebedefektmorbidität am Unterbauch ständig reduziert hat.

Vom gestielten TRAM-Flap über den freien TRAM ging die

Entwicklung weiter zum DIEP-Lappen. Bei jeder Technikverbesserung wurde immer weniger Muskulatur und Faszie in

das Lappentransplantat eingeschlossen.

j

jOsteokutane Lappenplastik


Bei einer osteokutanen Lappenplastik werden Gewebe mit

Haut, Knorpel und Knochen verpflanzt, wie sie z. B. zur Rekonstruktion von Gesichtsdeformitäten verwendet werden.


17


j

jDehnung von Gewebe zur Lappengewinnung durch

«Gewebeexpander»


Gewebeexpander dienen der langsamen Ausdehnung von

Gewebeabschnitten (z. B. Haut), um einen Flächenzugewinn

dieses Gewebes zu erzielen und nachfolgend einen besseren

Wundverschluss, eine Hautdeckung o. Ä. möglich zu machen.

Die Hülle der Expander besteht aus Silikon. Sie werden vorübergehend unter der Haut eingesetzt. In den folgenden Monaten werden sie stufenweise durch regelmäßige Einspritzungen von Kochsalzlösung über ein im Expander befindliches

Ventil erweitert. Wenn die Haut ausreichend ausgedehnt worden ist, werden die Gewebeexpander entfernt und die neue

Haut zur Defektdeckung verwendet.

Für die Zukunft wird nach Verfahren gesucht, Transplantate nicht aus körpereigenen Geweben, sondern gentechnisch

im Labor herzustellen und dabei genau die Bedürfnisse des

Defekts zu bedienen.


17.2.3


Brustrekonstruktion


DIEP-Lappen («deep inferior epigastric

­perforator»)

j

jTiefer inferior epigastrischer Perforatorlappen


Das Gewebe aus dem Unterbauch (bestehend aus Haut und

Unterhautfettgewebe) dient als Gewebeersatz für die Brustrekonstruktion. Hierbei wird, im Gegensatz zum TRAM, das

Bauchmuskelgewebe im Unterbauch belassen. Somit bleibt

der gerade Bauchmuskel erhalten und eine Bauchdeckenschwäche wird vermieden.

Die Vorteile liegen darin, dass die Blutversorgung sehr gut

ist und dadurch ein geringes Nekroserisiko besteht.

Das Gewebe zur Brustformung kann sehr gut positioniert

werden und es gibt eine geringere Hebedefektmorbidität.

Dieses Verfahren ist geeignet für die Sofort- und Spät­

rekonstruktion.

Für dieses Rekonstruktionsverfahren der weiblichen

Brust nach Mastektomie benötigen wir neben dem Grundinstrumentarium auch Gefäß- und Knocheninstrumentarium,

Rippenraspatorium, Rippenschere. Neben den üblichen Einmalmaterialien benötigten wir Redon-Drainagen und einen

Hautstift. Der Operateur benötigt entweder ein Mikroskop

oder eine Lupenbrille.

Die Patientin liegt auf dem Rücken mit leicht erhöhtem

Oberkörper auf einer beheizbaren Wärmematte, später in

halbsitzender Position, die Arme werden im Winkel von 90°

auf Armlagerungsschienen gelagert.

Die Platzierung einer Knierolle und polsternde Lagerungshilfsmittel für die Fersen und den Kopf sind obligat.

Wegen der Dauer der Operation wird ein Blasenkatheter

gelegt.

Im Idealfall wird mit 2 Teams operiert. Ein Team bereitet

die Empfängerregion vor und das zweite Team hebt den

­ appen.

L

Vor der Operation werden die perforierenden Gefäße

zum leichteren Auffinden per Dopplersonographie, MR- oder

CT-Angiographie bildlich dargestellt und auf der Bauchdecke

markiert.

Der Hautschnitt zur Hebung des Lappens wird nach vorheriger Anzeichnung in einer querovalen Kurve vom Schambein bis knapp oberhalb des Bauchnabels geführt. Nach Umschneidung der Lappeninsel und des Nabels wird dieser unter

Erhaltung der Gefäßversorgung freipräpariert. Dabei auch

Darstellung und Freipräparation der Perforatoren, die von

den tiefen epigastrischen Gefäßen (Vasa epigastrica inferior

aus der Vasa iliaca externa kommend) ausgehen. Weitere Mobilisation der Bauchdecke bis zum Rippenbogen, um den Verschluss der Heberegion am Unterbauch ohne zu viel Spannung zu ermöglichen. Der an seiner Basis verbliebene Bauchnabel wird in die nach kaudal mobilisierte Bauchdecke neu

eingenäht.

Nach der Präparation der A. und V. epigastrica inferior

werden diese unter sorgfältiger Versorgung der Muskeläste

schonend abgesetzt, sobald die Empfängergefäße (z. B. A. und

V. thoracica interna oder A. und V. circumflexa scapulae)

durch das zweite Team vorbereitet sind. Bei sehr feinen und


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Literatur


kaliberschwachen Gefäßen entnimmt man den Transplantatlappen mit etwas Muskelgewebe, um die darin liegenden

­feinen Gefäße vor Verletzungen durch die Präparation zu

schützen.

Die Gefäße des gehobenen Lappens werden mit einer

Heparin-Kochsalz-Lösung durchgespült. Aus dem zu transplantierenden Gewebe wird eine natürliche Brustform modelliert. Intraoperativ kann es notwendig werden, andere

Perforatoren auszuwählen, weil sich der OP-Situs anders darstellt (z. B. aufgrund vorangegangener Bauchoperationen) als

geplant oder die präparierte Lappenplastik eine Durchblutungsstörung aufweist.

Gleichzeitig wird vom zweiten Operationsteam die Empfängerregion vorbereitet.

Dazu wird im Bereich der neu zu gestaltenden Brust eine

Loge für die Platzierung des Lappentransplantates geschaffen.

Nach einem spindelförmigen Hautschnitt mit Resektion der

alten Operationsnarbe bei einer Sekundäroperation wird die

Loge in die Tiefe präpariert. Durch den M. pectoralis major

wird ein Zugang auf Höhe der III. Rippe zu den inneren

Brustkorbgefäßen (A. und V. thoracica interna) gesucht und

präpariert, um dort die Perforator-Gefäße anzuschließen.

­Dabei wird eine sternumnahe Rippenteilresektion auf einer

Länge von ca. 3 cm vorgenommen. Bei ausreichendem ICR

(= Interkostalraum) kann auf eine Rippenteilresektion verzichtet werden.

Es ist auch möglich, den knorpeligen Ansatz der IV. Rippe

zu entfernen, um die Thoracica-interna-Gefäße zu erreichen.

Auf dieser Höhe haben die Gefäße mit großer Wahrscheinlichkeit ein ausreichend großes Lumen für eine mikrochirurgische Gefäßanastomose.

Darstellen der A. und V. thoracica interna. Vorbereitung

und Naht einer End-zu-End-Anastomose der A. epigastrica

inferior mit der A. thoracica interna mittels einer z. B. 8-0 monofilen Naht und Naht einer End-zu-End-Anastomose der

V. epigastrica inferior mit der V. thoracica interna mittels

­einer z. B. 9-0 monofilen Naht unter dem Mikroskop.

Einpassen der Lappenplastik nach vorheriger Deephithelisierung des kranialen und manchmal auch des kaudalen

Lappenabschnittes in die präparierte Loge je nach Ausgangsbefund. Fixierung des Lappens mit 2-0 resorbierbaren Fixierungsnähten und Einlage zweier Redon-Drainagen. Wundverschluss mit 4-0 resorbierbarer Subkutannaht und 4-0 resorbierbarer Hautnaht.

Als Verband dienen sterile Kompressen mit einem Pflasterverband, es wird ein Bauchdeckengurt angelegt.

Lappenmonitoring

Zur postoperativen Nachsorge gehört eine regelmäßige

Kontrolle der Lappenplastik auf reguläre Durchblutung


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