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coinad

4/12/26

 Ösophagus unter Röntgenkontrolle vorgeschoben.

Zur Operationsvorbereitung und Prophylaxe einer Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Einatmen des

Magensaftes) wird eine Magensonde unter ständiger Absaugung gelegt. Damit der Magensaft nicht in die Lunge gelangt,

muss der Oberkörper hoch gelagert werden. Diese Kinder

dürfen weder oral ernährt noch gestillt werden!

j

jSchaffung der Ösophaguskontinuität


18


Im Operationssaal wird das Kind auf die linke Seite gelegt.

Um den Zwischenrippenraum zu dehnen, wird der rechte

Arm auf den Kopf gelegt.

Für eine Operation bereiten wir neben dem Grundinstrumentarium auch Thoraxinstrumente, einen Thoraxsperrer

(. Abb. 18.7), einen Dissektor, bezogene Teflonspatel und

Gefäßschlingen (Vesselloops) vor.

Die operative Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der

Atresie.

Über eine Thorakotomie (dorsolateral, 7 Abschn. 10.2)

wird die Atresie dargestellt. Entweder ist ein Verschluss der

Fistel und eine End-zu-End-Anastomose der Speiseröhrenanteile primär möglich oder die Anteile müssen langzeitig

einander angenähert werden. Dazu wird der obere Blindsack

mobilisiert und mit einem Haltefaden versehen, der untere

Blindsack ebenfalls aufgesucht, dargestellt, mobilisiert und

angeschlungen. Dabei ist der N. vagus als Leitstruktur zu nutzen. Nun werden evtl. vorhandene Fisteln verschlossen.


..Abb. 18.7 Thoraxsperrer


Um langstreckige Unterbrechungen zu überwinden, sind

verschiedene Möglichkeiten bekannt, entweder wird aus dem

Kolon oder dem Magen ein Interponat gebildet, das den

­Defekt überbrückt, oder die beiden blinden Enden werden

in regelmäßigen Abständen über die liegenden Haltefäden

gedehnt, bis eine Anastomose möglich ist. Immer jedoch

muss eine Gastrostomie zur Ernährung (PEG-Sonde) angelegt werden.

Dieser Eingriff wird in einigen Kliniken zum Teil minimal-invasiv über eine Thorakoskopie durchgeführt.

Diese Kinder brauchen immer eine Ernährung über einen

künstlichen Zugang von außen in den Magen (kleine Gastrotomie).

18.2.7


Magenausgangsstörungen


Als kongenitale hypertrophe Pylorusstenose wird eine Verengung des Magenausgangs bezeichnet, Nahrung gelangt

kaum noch in den Dünndarmtrakt. Die betroffenen Kinder

werden schnell nach der Geburt durch schwallartiges Erbrechen nach den Mahlzeiten ohne Gallebeimengungen auffällig. Die Kinder hungern und haben deshalb einen typischen

«Pylorusgesichtsausdruck» (sie sehen verärgert, ernst mit

Stirnfalten aus und haben eine leidende Mimik). Ihr Bauch ist

sehr eingefallen und sie gedeihen schlecht. Die Eltern kommen meist in der 3.–7. Lebenswoche in die Klinik.

Nach der sonographischen Diagnose ist die Indikation zur

Operation gestellt. Meist müssen diese Kinder zunächst

1–3 Tage anästhesiologisch stabilisiert werden, bevor eine

Operation möglich ist. Im Vorfeld wird eine Magensonde gelegt, um den vermehrten Magensaft zu entleeren. Die Ernährung erfolgt parenteral.

j

jPyloromyotomie


Das Kind wird auf dem Rücken mit einem halbrunden Polster

unter dem Rippenbogen/Thorax gelagert. Wir bereiten neben

dem Grundinstrumentarium eine «Holzrinne», kleine Lid­

haken, breite, anatomische Pinzetten (zum Fassen der Magenwand), anatomische gebogene Klemmchen (zum Längsspalten der Pylorusmuskulatur) und 4 scharfe Mosquitoklemmchen (scharf, zum Anklemmen des Peritoneums beim Ver­

nähen, statt Mikulicz-Klemmen) vor. Zum Offenhalten des

Bauches benötigen wir feuchtwarme bezogene Teflonspatel.

Die Blutstillung erfolgt bi- oder monopolar (die Neutralelektrode wird am Rücken platziert).

Nach der Desinfektion des OP-Gebiets und der sterilen

Abdeckung erfolgt das standardisierte Team-Time-Out.

Nach dem queren Hautschnitt am rechten Oberbauch

wird die Subkutanschicht durchtrennt. Der M. rectus abdominis wird mit Hilfe einer Rinne quer durchtrennt. Ein Teil

des Leberrands überlappt den Magenausgang, sodass dieser

mit einem angefeuchteten warmen Teflonspatel weggehalten

werden muss.

Das Antrum des Magens wird mit einer langen breiten

anatomischen Pinzette aus dem Bauchraum vorluxiert und

mit einer feuchtwarmen Kompresse gefasst. Bei einer ausge-


421

18.2 · Typische OP-Indikationen


prägten Pylorusstenose ist der verdickte weißliche Magenausgang gut zu erkennen und beim Abtasten fühlt er sich steinhart an.

Nach einem Längsschnitt am Pylorus mit einem 15erSkalpell, der in der gefäßfreien Zone der Pylorusmuskulatur

gesetzt wird, wird die Pylorusmuskulatur auf ganzer Länge

mit einem kleinen gebogenen Klemmchen gespreizt, bis die

Mukosa sich vorwölbt. Leichte Blutungen durch die Inzision,

können mit der bipolaren Pinzette koaguliert werden.

Sollten Verletzungen an der Magenschleimhaut beim

Spreizen auftreten, so können diese mit einem atraumatischen, resorbierbaren 6-0 Faden übernäht werden. Die Pyloromyotomie (nach Weber-Ramstedt) wird nicht vernäht.

Nach der Rückverlagerung des Pylorus in den Bauchraum

und der Zählkontrolle mit der Dokumentation wird das Peritoneum mit scharfen Klemmchen gefasst und mit Einzelknopfnähten verschlossen. Ein schichtweiser Wundverschluss beendet den Eingriff.

18.2.8


Gallengangatresie


Entweder ist ein extrahepatischer Gallengang total oder nur

segmental verschlossen, später resultiert daraus auch ein intrahepatischer Verschluss. Diese Erkrankung kann um die

Geburt herum entstehen. Diskutiert wird eine Entzündung

der Gallengänge, mögliche Ursache ist eine Infektion der

Mutter, der Auslöser ist unbekannt. Des Weiteren werden

mangelhaftes oder das Ausbleiben der Verschmelzung der

Zellorganellen diskutiert.

Es kommt schnell zum Gallerückstau mit Gelbsucht und

Leberschädigung, da die gebildete Gallenflüssigkeit sich in

die intrahepatischen Gallenwege zurückstaut und ins Blutgefäßsystem mit erhöhtem Druck übertritt. Der Säugling fällt

durch seine Gelbsucht auf, die sich nicht zurückbildet. Der

Stuhlgang ist hell und der Urin braun.

Eine Operation muss vor dem 60. Lebenstag durchgeführt

werden, da es sonst zu einer irreversiblen Leberzirrhose

kommt. Die Diagnose wird über eine Sonographie gestellt,

eine Sicherung der Diagnose kann über eine Leberpunktion

mit Biopsie erfolgen.

Eine extrahepatische Atresie kann operativ beseitigt

werden, eine intrahepatische kann nur mit Hilfe einer Lebertransplantation behandelt werden.

Sind Gallengänge (Ductus choledochus und/oder Ductus

hepatici) proximal der Atresie noch teilweise intakt, können

sie mit einer Y-förmigen, ausgeschalteten Jejunum-RouxSchlinge (End-zu-Seit-Anastomose nach Roux) verbunden

werden.

Gibt es keine sichtbaren Gallengangerweiterungen muss

eine Operation nach Kasai und Kimura durchgeführt werden, hier werden bindegewebige Strukturen, die vor den

­Gefäßen im Lig. hepatoduodenale liegen, leberwärts prä­

pariert und durchtrennt und ebenfalls mit einer Y-förmigen

ausgeschalteten Jejunum- (Roux)-Schlinge anastomosiert.

An der Leberpforte wird eine keilförmige Parenchym­

exzision vorgenommen, und die Galle kann, nach Ver­


bindung der Leberpforte mit dem Dünndarm, ungehindert abfließen. man nennt dies eine Hepatoportojejunostomie. Das bedeutet, eine Dünndarmschlinge wird an die

­Leberkapsel angenäht. (Eine Modifikation nach Kimura ist

möglich).

18.2.9


Erkrankungen des Darms


Mekoniumileus

Der Mekoniumileus ist eine angeborene Passagestörung des

Ileums durch zähes Mekonium (auch Kindspech genannt, der

erste Stuhl eines Neugeborenen). Die Ursache ist meist ein

Mangel an Verdauungsfermenten bei der Erkrankung Mukoviszidose.

Geht bei dem Neugeborenen kein Mekonium ab, fallen sie

nach Tagen durch Erbrechen, evtl. sogar Stuhlerbrechen auf,

das Abdomen ist aufgetrieben. In der Abdomenübersichtsröntgenaufnahme sind stark geblähte Dünndarmschlingen

ohne Spiegelbildung zu erkennen, das Kolon ist klein.

Als Komplikationen können Darmperforationen, Mekoniumperitonitis und Darmabschnürungen auftreten.

j

jIleotomie


Für die relativ dringliche Operation wird das Kind auf

dem Rücken gelagert, der Thorax bei Bedarf unterpolstert.

Die Blutstillung erfolgt bi- oder monopolar, entsprechend

wird eine angewärmte Säuglings-Neutralelektrode auf dem

Rücken platziert.

Wir bereiten Grund- und Laparotomieinstrumente für

Babys vor. Eine «Holzrinne», bezogene Teflonspatel, Darmklemmen, Siebsauger und Tween 80 sowie genügend körperwarme Spülflüssigkeiten werden werden vorbereitet (7 Abschn. 18.1.4). Geplant ist eine Laparotomie für eine Ileotomie

mit Dünndarmspülung und Anastomose des Dünndarms.

Dabei wird präoperativ der Nabelstumpf entfernt. Nach der

Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung erfolgt das

standardisierte Team-Time-Out.

Über eine quere Laparotomie wird das Peritoneum eröffnet und die gesamten Darmschlingen vor die Bauchwand luxiert. Nun ist erkennbar, welcher Dünndarmbereich betroffen

ist. Vor der Ileozäkalklappe ist eine Verjüngung zu sehen und

der distale Teil des Kolons hat keine Stuhlfüllung. Der transportable Dünndarminhalt wird oralwärts ausgestrichen und

über eine vorher gelegte Magensonde abgesaugt. Oberhalb

der Ileozäkalklappe wird im Bereich des Kalibersprungs eine

Ileotomie vorgenommen, sodass das Mekonium abgesaugt

werden kann.

Der Darm wird mehrfach mit körperwarmer Tween80-Lösung gespült. Auf diese Weise wird der Darm vollständig von Mekonium befreit. Der Dickdarm transportiert sichtbar die Spülflüssigkeit weiter. Ist der gesamte Dünn- und

Dickdarm durchgängig und von Mekonium befreit, wird die

Ileotomie allschichtig mit resorbierbarem Nahtmaterial (Stärke 5-0) wieder verschlossen. Bei unvollständiger Passage oder

bei Darmperforationen wird die Ileotomie in ein doppelläufiges Ileostoma (7 Abschn. 7.6.6) umgewandelt.


18


422


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


Nach mehrmaligen Spülungen der Bauchhöhle wird der

Darm zurückverlagert. Vor dem schichtweisen Wundverschluss erfolgt die Zählkontrolle und deren Dokumentation.


Duodenalatresie

Die Duodenalatresie bezeichnet einen angeborenen vollständigen Verschluss des oberen Dünndarms. Liegt nur eine Verengung des Dünndarms vor, sprechen wir von einer Duodenalstenose. Während der Schwangerschaft ist intrauterin zu

viel Fruchtwasser zu erkennen (Hydramnion). Das Neugeborene erbricht gallig, der Oberbauch ist vorgewölbt, der Unterbauch eingefallen und im Röntgenbild sind Doppelspiegelbildungen bei sonst luftleerem Bauch zu sehen.

Die operative Therapie besteht in einer Umgehung der

Atresie oder Stenose, indem eine Duodeno-Duodenostomie

als Seit-zu-Seit-Anastomose angelegt wird.


Invagination


18


Die Invagination bezeichnet eine Einstülpung eines Darmanteils in einen anderen Darmabschnitt. Als Ursache kann eine

übermäßige Darmbewegung (Hyperperistaltik) oder eine Behinderung der Peristaltik, z. B. durch einen Tumor oder durch

einen großen Lymphknoten gelten. Durch den Druck der

vermehrten Peristaltik stülpt sich der obere Darmanteil in

den unteren Darm, dies verursacht rasch eine Abklemmung

der Darmgefäße, es kommt zur Stauung und später zu Nekrosen des Darms mit folgender Peritonitis. Am häufigsten tritt

die Invagination im Bereich der Ileozäkalklappe auf, da hier

der dünnere Darm des Ileum auf ein dickeres Lumen des

­ äkum trifft.

Z

Auffällig werden die Kinder, weil sie plötzlich akute

krampfartige Bauchschmerzen mit Erbrechen bekommen.

Das Abdomen ist weich und eingesunken, bei rektaler Untersuchung erscheint Blut am Finger des Untersuchers. Meistens

ist dieses Krankheitsbild konservativ zu therapieren, eine Reposition in Narkose durch einen rektalen Einlauf wird durch

eine Sonographie kontrolliert.

Ist eine operative Therapie nötig, wird über eine Laparotomie das Invaginat sehr langsam manuell ausgezogen und

ggf. der nekrotische Anteil reseziert. Meistens erholt sich

der gestaute Darm wieder. In manchen Fällen wird der be­

troffene Darmanteil am Kolon fixiert, um ein Rezidiv zu vermeiden.


Nekrotisierende Gastroenterokolitis (NEC)

Von dieser Erkrankung sind meist Frühgeborene kurz vor,

während und nach der Geburt betroffen, denn durch den Geburtsstress können schwere Entzündungen im gesamten

Darmbereich auftreten, mit der Gefahr, dass schwere Darmnekrosen entstehen. Diese Nekrosen werden von Bakterien

besiedelt, sodass es rasch zu Darmperforationen und somit

zur Entleerung des Darminhalts in die Bauchhöhle kommt.

Die Frühgeborenen haben einen sehr stark aufgeblähten

Bauch, erbrechen häufig, haben Fieber und blutig schleimige

Stühle. Im Röntgenbild sind Gasbildungen in den Darmwänden, Spiegelbildungen als Zeichen eines Ileus und evtl. freie

Luft erkennbar. Im fortgeschrittenen Stadium sind Gasbil-


dungen in der Pfortader zu erkennen, die ein Zeichen der

Bakterienpenetration in die Lebergefäße darstellen.

Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn die Gefahr

einer Perforation nicht abwendbar erscheint oder schon eine

Peritonitis besteht. Um so viel Darm wie möglich zu erhalten,

wird primär oft nur eine ausgiebige Bauchspülung vorgenommen und ein doppelläufiger Anus praeternaturalis angelegt.

Leichte Perforationen werden übernäht. Der Darm kann sich

bis zur Second-look-Operation erholen.

Liegt eine (oder mehrere) Ileumperforation(en) vor, sprechen wir von einer fibrinösen Peritonitis. Sie kann lokal begrenzt sein und sich auf die verklebten Dünndarmschlingen

beschränken, kann aber auch den gesamten Darmbereich

betreffen. Es ist nicht selten, dass die Kinder an einem Kurzdarmsyndrom erkranken und lebenslang parenteral ernährt

werden müssen.

Die kaum erkennbaren Grenzen der Darmschlingen werden intraoperativ vorsichtig voneinander gelöst und der

Darm oral und aboral manuell ausgestrichen, damit der Stuhl

sich entleert. Nach weiteren Spülungen und der Inspektion

der Bauchhöhle wird zur Anlage der doppelläufigen Ileo­

stomie eine reizlose und gut durchblutete Perforationstelle

gewählt. Das Mesenterium wird inzidiert, eine Silastik-Sonde

als Brücke (auch Reiter genannt) durchgezogen.

Nach der Zählkontrolle und deren Dokumentation und

dem schichtweisen Wundverschluss wird das Ileostoma

rechts lateral der Wunde eingenäht, dabei wird die Darmwand mitgefasst. Die Serosa wird ausgestülpt und mit einzelnen resorbierbaren Hautnähten im Hautniveau fixiert. Anschließend wird das Stoma mit Hegar-Stiften sondiert, damit

eine gute Durchblutung gewährleistet ist.


Morbus Hirschsprung

Der Morbus Hirschsprung beschreibt eine angeborene Erkrankung, bei der sich in einem oder mehreren Dickdarmabschnitten keine Ganglienzellen (Aganglionose) in der Darmwand befinden. Dadurch ist das Segment spastisch verengt.

Vorwiegend ist das Rektosigmoid betroffen, es kann aber

auch der komplette Dickdarm betroffen sein. Vor dieser Enge

kommt es zu einer maximalen Dickdarmerweiterung, da der

Körper versucht, gegen die Enge zu arbeiten. Die Muskulatur

hypertrophiert, es entwickelt sich ein Megakolon. Kommt es

bei einer langstreckigen Aganglionose zum toxischen Mega­

kolon, so ist diese lebensbedrohlich und muss sofort operiert

werden, meist durch die Anlage eines Kolostomas.

Von Geburt an besteht eine Obstipation (Verstopfung),

das Abdomen ist aufgetrieben, das Kind gedeiht nicht.

Bei Verdacht auf M. Hirschsprung wird die Diagnose bei

einer Rektoskopie durch Rektumganzwandbiopsien gesichert. Im weiteren Verlauf können im Vorfeld der endgültigen

operativen Versorgung (Resektion des aganglionären Segmentes) Stufenbiopsien des Kolons laparoskopisch entnommen werden. Ist die Lokalisation der Ganglienzellen unklar,

werden über eine infraumbilikale Minilaparotomie Gewebeproben entnommen.

Alternativ kann auf die Anlage eines Anus praeternaturalis verzichtet werden, wenn in einem zweiten Eingriff eine


423

18.2 · Typische OP-Indikationen


Rektosigmoidentfernung mit End-zu-End-Anastomose nach

de la Torre durchgeführt wird. Es ist wichtig, dass der ge­samte

aganglionäre Anteil des Darms entfernt wird.

Operativ werden unterschiedliche Methoden diskutiert,

die TEPT (transanale endorektale Durchzugsoperation – pull

through) nach de la Torre hat sich durchgesetzt.


Appendizitis

Die Appendizitis ist eine Dickdarmentzündung im Bereich

des Wurmfortsatzes (7 Abschn. 7.6.1). Bei den Kindern gestaltet sich die Diagnose oft schwieriger, da die Entzündung häufig uncharakteristisch verläuft. Die typischen Zeichen einer

akuten Appendizitis beginnen mit Übelkeit und Erbrechen,

verbunden mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen und Fieber. Beim Abtasten des Abdomens findet sich eine gesteigerte

Druckschmerzhaftigkeit am McBurney-Punkt, der sich auf

einer gedachten Linie zwischen der Spina iliaca anterior

­superior und dem Nabel befindet (auch als Loslassschmerz

bezeichnet).

Vor der Durchführung einer Appendektomie wird das

Kind auf dem Rücken gelagert und eine neutrale Elektrode

wird am rechten Oberschenkel platziert, um monopolar die

Blutstillung durchführen zu können.

Wir bereiten Grund- und Laparotomieinstrumentarium

vor. Wir brauchen Peritonealklemmen nach Mikulicz und

für die Präparation am Mesoappendix entweder eine Rinne

mit einem Deschamps oder eine bipolare Schere oder Overholt-Klemmen mit Ligaturen.

Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung

erfolgt das standardisierte Team-Time-Out. Der Hautschnitt

wird im rechten Unterbauch gesetzt, nach der Durch­

trennung der Subkutanschicht, der Muskel- und Faszie wird

das Peritoneum eröffnet. Nach dem Anheben des großen

Netzes im rechten Unterbauch wird das Zäkum aufgesucht

und mit dem Wurmfortsatz mit einer feuchtwarmen Kompresse auf einem Bauchtuch vor die Bauchdecke luxiert.

Die Appendix ist bei einer Entzündung oft an der Spitze

phlegmonös verändert, Zeichen einer Perforation bestehen

bei mäßig klarem Sekret im Bauchraum nicht, trotzdem wird

regelhaft ein Abstrich für die bakteriologische Untersuchung

genommen.

Die Appendix wird angeklemmt, die Durchtrennung der

Mesoappendix kann durch eine bipolare Koagulationsklemme oder durch Overholt-Klemmen mit Ligaturen erfolgen.

Ebenfalls möglich ist der Einsatz einer Kocher-Rinne mit

­ eschamps.

D

Nach der Basisligatur wird die Appendix abgesetzt, eine

Tabakbeutelnaht gelegt und der Stumpf versenkt. Darüber

wird die Tabakbeutelnaht zugezogen und ggf. mit einer

Z-Naht gesichert. Der Dünndarm wird nach einem MeckelDivertikel abgesucht, sofern keine starken Beläge durch eine

Entzündung vorliegen. Die Bauchhöhle wird bis tief in den

Douglasraum gründlich ausgetupft oder gespült. Nach der

Zählkontrolle und deren Dokumentation beginnt der fortlaufende Peritonealverschluss. Nach dem schichtweisen Wundverschluss wird lokal ein Anästhetikum zur Schmerztherapie

appliziert.


18.2.10


Bauchwanddefekte


Gastroschisis

Die Gastroschisis, auch Bauchspalte genannt, ist eine ange­

borene Lücke in der Bauchwand, rechts neben dem Nabel.

Bauchinhalt wie Darm oder Magen liegen vor der Bauchwand, sodass diese sich nicht schließen kann (. Abb. 18.8).

Die Gefahr bei der Gastroschisis ist die schnelle Austrocknung der Bauchorgane nach der Geburt, da diese keine schützende Hülle haben. Die Bruchpforte ist sehr eng, sodass die

Gefahr der Einschnürung droht. Da dieses Krankheitsbild

intrauterin festgestellt wird, kommen diese Kinder meist per

Kaiserschnitt zur Welt.

Das Neugeborene wird mit den Füßen zuerst in einen sterilen Plastiksack verbracht (s. . Abb. 18.8), um den Prolaps

feucht und das Kind warm zu halten, über dem Prolaps wird

der Sack vorsichtig zugezogen. Ist das Kind nach dem Transport aus der Entbindungsklinik im Inkubator im OP eingetroffen und anästhesiologisch vorbereitet, wird eine Magensonde gelegt, um später den Darminhalt aus dem Magen abzusaugen. Das Neugeborene wird auf dem Rücken gelagert

und ein Blasenverweilkatheter eingelegt, durch den die abdominale Druckmessung intraoperativ durch den Anästhesisten

erfolgt.

Während des operativen Eingriffs werden die Organe inspiziert, die Bauchwandlücke gemessen und bei Bedarf erweitert. Die außerhalb liegenden Organe müssen warm und

feucht gehalten werden.

Die Rückverlagerung der Darmschlingen in die Bauchhöhle erfolgt nach vorheriger Dehnung (Stretching) der

Bauchwand. Gelingt diese Rückverlagerung vollständig, ohne

relevante Druckerhöhung im Bereich der Harnblase und

ohne eine Verschlechterung der Beatmungsparameter, kann

der primäre Bauchwandverschluss erfolgen.

Ist der primäre Verschluss nicht möglich, weil der Bauchraum zu klein ist, wird eine Silastikfolie oder ein Silastikbeutel


..Abb. 18.8 Neugeborenes mit Gastroschisis im sterilen Plastiksack

(Aus: Boemers T (2013) Bauchwanddefekte. In: von Schweinitz D, Ure B

(Hrsg) Kinderchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York


18


424


Kapitel 18 · Kinderchirurgie


eingenäht, der die Bauchorgane vor Infektionen, Wärme­

verlust und Austrocknung schützt. Der Silastikbeutel wird

etappenweise auf der Intensivstation verkleinert/eingedreht.

Entsprechend der Schwerkraft wird so kontinuierlich der

Bauchraum mechanisch gedehnt und erst danach kann die

Bauchdecke operativ verschlossen werden.


ziennaht durch eine zweite Nahtreihe gedoppelt. Die Basis des

Nabels wird an der Faszie fixiert.

Nach dem schichtweisen Wundverschluss kann ein Lokalanästhetikum subkutan injiziert werden, um die postoperativen Schmerzen zu minimieren.


Omphalozele


18.2.11


Eine Omphalozele ist eine Hemmungsmissbildung, die in der

6.–10. Fetalwoche entsteht. Diese angeborene Bauchdeckenlücke im Bereich des Nabels wird auch Nabelschnurbruch

genannt, weil Bauchorgane in die Nabelschnur vorfallen. Im

Gegensatz zur Gastroschisis sind hier jedoch die einzelnen

prolabierten Bauchorgane von einer serösen Schicht der

­Nabelschnur überdeckt, sodass die Gefahr der Austrocknung,

des Wärmeverlustes und der Infektionen hier nicht so akut

besteht.

Die Größe der Omphalozele variiert, der Bauch des Kindes ist klein und eingesunken, da während der intrauterinen

Entwicklung die vorgefallenen Bauchorgane keinen Platz beanspruchten.

Die betroffenen Kinder haben oft Begleitfehlbildungen,

wie Herz-, Lungen- und urogenitale Fehlbildungen, Zwerchfelldefekte, Lageanomalien und Atresien im Darmbereich.

Eine sofortige OP-Indikation besteht nicht, kleine Omphalozelen können reponiert und dann operativ verschlossen

­ erden.

w


Nabelhernie


18


Durch einen mangelhaften Verschluss des Nabelrings nach

dem Abfallen des Nabelschnurrestes entsteht eine Nabel­

hernie. Ist die Bruchpforte klein, können Dünndarmanteile

und auch Netzanteile einklemmen, Schreien und Pressen der

Kinder verstärkt diesen Effekt. Ist die Bruchpforte groß, ist die

Gefahr der Einklemmung geringer. Nabelhernien können

sich innerhalb der ersten Lebensjahre zurückbilden. Tritt dieser Spontanverschluss nicht ein, ist eine Nabelherniotomie

indiziert.

Das Kind wird dazu auf dem Rücken gelagert und die

Neutralelektrode auf dem Rücken platziert. Wir bereiten

Grundinstrumentarium mit 2 scharfen Dreizinkern, 2 scharfen Mosquitoklemmchen und 2 kleinen Overholt-Klemmen

vor. Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Patienten­

abdeckung erfolgt das standardisierte Team-Time-Out.

Über einen bogenförmigen Hautschnitt unterhalb des

­Nabels werden mit einer Präparierschere die Haut und das

Subkutangewebe gespreizt und scharfe Wundhaken eingesetzt. Der Bruchsack wird mit einer Overholt-Klemme umfahren und der Bruchstrang (auch Nabelstiel genannt) mit

einem Messer durchtrennt. Der untere Teil wird mit zwei

scharfen Klemmchen angeklemmt, der Bruchsack eröffnet

und der Bruchinhalt mit einer breiten atraumatischen Pinzette in die Bauchhöhle reponiert. Nun wird der Bruchsack mit

stumpfen Klemmchen gefasst und mit einer resorbierbaren

Naht umstochen.

Die Faszienränder werden mit stumpfen Klemmchen gefasst und die Fasziennaht durchgeführt. Danach wird die Fas-


Vesikoureteraler Reflux


Aufgrund unreifen oder hypoplastischen Gewebes im Bereich der Einmündung der Harnleiter in die Harnblase kommt

es zu einem Reflux. Der Urin fließt von der Harnblase wieder

zurück in die Niere. Diese Erkrankung kann angeboren

(durch eine Anlageschwäche oder eine Innervationsstörung,

auch neurogene Blase genannt) oder erworben (durch Infektionen) sein. Das Ausmaß der Erkrankung wird in 5 Grade

(nach Parkulainen) unterteilt, und reicht von erweiterten

Ureteren bis hin zur Schädigung des Nierenbeckenkelch­

systems.

Die Kinder werden klinisch durch immer wiederkehrende

Harnwegsinfekte mit Fieberschüben und Miktionsschmerzen

auffällig, es kommt zu Gedeihstörungen.

Zur Diagnostik werden ein Urinstatus und ein intra­ve­

nöses Urogramm (röntgenologische Darstellung des Nie­ren­

beckenkelchsystems) durchgeführt. Ein Miktions­zys­toure­

throgramm (auch kurz MCU genannt; d. i. eine Röntgenkontrastuntersuchung zur Beurteilung des Refluxausmaßes) sowie eine Zystoskopie mit Urethroskopie erhärtet die Diagnose.

Der vesikoureterale Reflux 1. Grads ist konservativ mit

einer Antibiotikatherapie behandelbar, der Reflux 2. Grads

wird über eine zystoskopische Kollagen-Antireflux-Unterspritzungstherapie behoben.

Ein Reflux 3. und 4. Grads wird mit einer Antirefluxplastik nach Leadbetter-Politano operativ versorgt, das Prinzip

und die Durchführung entsprechen denen der Erwachsenenchirurgie (7 Kap. 12).

18.2.12


Hypospadie


Diese angeborene Fehlbildung der männlichen Harnröhre an

der Penisunterseite entsteht während der embryonalen Entwicklung. Die Urethralrinne verschließt sich nicht. Wir unterscheiden verschiedene Ausprägungen, der Schweregrad

der Erkrankung nimmt von distal nach proximal zu:

44Koronare Hypospadie: die Harnröhrenmündung ist

um wenige mm nach unten verschoben und verengt

(Meatusstenose).

44Glanduläre Hypospadie: die Harnröhrenmündung

­befindet sich im Eichelbereich mit einer Furche an der

Glans.

44Penile Hypospadie: die Harnröhrenmündung kann im

gesamten Penisschaftbereich auftreten, der Penisschaft

ist bis zu 90° gekrümmt.

44Skrotale/perineale Hypospadie: Die Harnröhren­

mündung endet am Hodensack oder noch weiter proximal.


425

18.2 · Typische OP-Indikationen


Die Kinder müssen beim Urinieren immer eine sitzende

­Position einnehmen. Klinisch werden sie durch ihre Meatusstenose auffällig. Vermehrtes Pressen ist dann erforderlich,

um die Harnblase leeren zu können. Es kommt zu vermehrten

Harnwegsinfekten.

Um ein Urinieren mit einem nach vorn gerichteten Strahl

zu erreichen und im Erwachsenenalter eine geschlechtliche

Vereinigung zu ermöglichen, ist eine operative Therapie angezeigt.

Für die Operation wird das Kind auf dem Rücken gelagert.

Die Beine werden leicht gespreizt und das Gesäß durch eine

Gelrolle angehoben.

Wir bereiten Grundinstrumentarium vor, wichtig sind

dabei feine chirurgische und feine anatomische Pinzetten

­sowie eine zarte Präparierschere. Bei Bedarf wird mit 

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