feinen Einzelknopfnähten an der endopelvinen Faszie fixiert wird. Verwendet werden kann z. B. ein Bio-Mesh (s. o.). Vor der
Implantation wird es in eine antibiotische Lösung gelegt, um Infektionen vorzubeugen und das Netz geschmeidig zu machen. Das Bio-Mesh ist gut verträglich und stellt postoperativ keine Probleme für die
Patientin dar.
55 Eine andere Möglichkeit ist die Implantation eines
synthetischen Netzes, das manchmal postoperativ zu
Unverträglichkeiten führt.
311
11.1 · Gynäkologie und Beckenbodenchirurgie
55 Überschüssige, hintere Scheidenhaut kann vorsichtig
reseziert werden. Die Scheiden- und Dammhautnaht
erfolgt mit Einzelknopfnähten oder fortlaufender
Naht, ggf. muss eine Drainage eingelegt werden.
55 Zum Abschluss des Eingriffs wird ein Blasenverweilkatheter gelegt und die Scheide mit einem Salbenstreifen (östrogenhaltige Salbe) tamponiert.
OP-Ablauf: Uterosakropexie
55 Beim Partialprolaps uteri (teilweiser Uterusvorfall)
wird das Netz vaginal eingeführt und die Befestigung
am Promontorium wird laparoskopisch durchgeführt.
55 Bei diesem kombinierten Eingriff aus vaginalem
und laparoskopischem Zugang wird die Patientin für
beide Eingriffe vorbereitet. Für die Lagerung bedeutet es, dass intraoperativ Lageveränderungen der
Beine vorgenommen werden, dabei ist insbesondere
darauf zu achten, dass keine Lagerungsschäden an
den Nerven entstehen.
55 Auch bei der Abdeckung und Vorbereitung des
Instrumententischs muss bedacht werden, dass intraoperativ ein Wechsel vom kontaminierten Zugang
zum nichtkontaminierten Bereich stattfindet.
55 Nach der Desinfektion des Abdomens, der Desin
fektion des Genitalbereichs mit Scheidenspülung,
wird nach der Einmalkatheterisierung die sterile
Abdeckung vorgenommen. Es folgt das standardisierte Team-Time-Out.
55 Mit Spekula werden die Scheide (Vagina) und die
Portiohinterwand dargestellt. Vor der Inzision der
Vaginalhaut wird die Scheidenwand mit Lokalanästhetika unterspritzt (s. o.), die Scheidenhaut vom
Muttermund abpräpariert und der Douglas-Raum
eröffnet.
55 Hier wird das Mesh mit einer Portioanhaftungsfläche
von ca. 3,0–3,5 cm an der Portio faltenfrei mit nichtresorbierbaren Fäden adaptiert, der verbleibende Teil
des Netzes wird in den Bauchraum gelegt. Anschließend Verschluss der Scheide und ggf. Beginn der vorderen und/oder hinteren Plastiken.
55 Ein Blasenverweilkatheter wird gelegt.
55 Nun wird eine Kugelzange an die Portio geklemmt
und evtl. eine Uterusmesssonde zum Manipulieren
und Führen der Gebärmutter während des laparoskopischen Eingriffs eingelegt.
55 Das gesamte Team nimmt einen Kittel- und Handschuhwechsel vor, der Instrumentant bereitet den Instrumentiertisch für die Laparoskopie vor. Dazu werden die Beine der Patientin wieder abgesenkt. Nach
dem Anschluss des Insufflationsschlauchs am Gas
insufflator wird subumbilikal eine kleine Inzision für
die Veress-Nadel gelegt, die Wasserprobe nach Semm
zeigt, dass die Nadel frei liegt.
55 Nach der CO2-Insufflation zur Erzeugung des Pneumoperitoneums wird ein 10-mm-Trokar für die Optik
eingebracht und unter Sicht zwei weitere 5-mm-
Trokare.
55 Das Peritoneum wird vom Promontorium bis zum
Scheidengrund mit einer Metzenbaum-Schere an der
Beckenwand gespalten, der Ureter wird vorher dargestellt, das eingebrachte Netz aufgesucht.
55 Die Gebärmutter wird vom zweiten Assistenten von
vaginal nach kranial geschoben und das Mesh wird
über einen Applikator fixiert, der 1–4 Titan- oder
resorbierbare Spiralen am Promontorium einbringt.
Das Netz wird im Retroperitonealraum platziert und
hat keinen Kontakt zum Rektum und zum Ureter. Das
Peritoneum wird mit verschlossen, sodass das Netz
komplett vom Peritoneum gedeckt ist.
55 Nach der Blutstillung werden Instrumente und Tex
tilien gezählt und der Zählstand dokumentiert. Die
Gasinsufflation wird beendet, die Trokare entfernt,
die Inzisionen verschlossen. Von vaginal wird eine
Tamponade mit östrogenhaltiger Salbe eingelegt.
Gutartige Tumoren des Corpus uteri
Uterus myomatosus
Myome der Gebärmutter sind die häufigsten gutartigen Tumoren der Frau. Sie können einzeln vorkommen, oft aber sind
Myome in größerer Zahl in der Gebärmutter verteilt, die man
dann als Uterus myomatosus bezeichnet. Von ihrer Form her
sind Myome meist rund, abhängig von der Größe und Lage
sind zwar die meisten Frauen beschwerdefrei, es kann aber
auch zu massiv verstärkten und/oder verlängerten Regelblutungen kommen. Weitere mögliche Beschwerden können
Schmerzen, Druckgefühl, Fremdkörpergefühl im Unterleib,
Obstipation, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr aber auch
Rückenschmerzen sein.
Myome werden, bezogen auf die unterschiedlichen
Schichten des Uterus, in mehrere Typen unterteilt:
44submuköse Myome: direkt unter der Gebärmutterschleimhaut, bzw. im Myometrium mit Kontakt zur
Gebärmutterschleimhaut,
44intramurale Myome: in der Muskelschicht (Myometrium)
der Gebärmutter gelegen,
44subseröse Myome: dem Uterus außen anliegend (unter
dem Bauchfell der Gebärmutter),
44intraligamentär wachsende Myome: seltenere Myome,
in den beidseits seitlich der Gebärmutter gelegenen
Bindegewebsschichten (z. B. Aufhängungsbänder) lokalisiert.
Myome entstehen und wachsen unter dem Einfluss von
Östrogenen, Progesteron und Wachstumsfaktoren, daher nur
im gebärfähigen Alter. Junge Mädchen können keine Myome
haben, nach der Menopause entstehen keine neuen Myome
mehr und bereits bestehende Myome können dann schrumpfen und evtl. verkalken. Myome verschwinden in den Wech-
11
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Kapitel 11 · Gynäkologie, geburtshilfliche Operationen und M
ammachirurgie
seljahren nicht, sind dann aber durch die fehlende Blutungssymptomatik selten therapiebedürftig. Das Auftreten von
Myomen kann erblich bedingt sein.
Myome, die keine Beschwerden machen, bedürfen meist
keiner Therapie und können klinisch und mittels Ultraschall
beobachtet werden. Die konservative, medikamentöse Therapie wird meist zuerst angewandt.
Für die operative Therapie stehen unterschiedliche Verfahren zur Auswahl, abhängig von der Größe und Lage der
Myome, dem Alter der Patientin und auch dem persönlichen
Therapiewunsch (z. B. noch bestehender Kinderwunsch) der
Patientin.
Bei Frauen, bei denen noch Kinderwunsch besteht, wird
eine gebärmuttererhaltende Operation durchgeführt, eine
Enukleation (Ausschälung) des Myoms, entweder minimalinvasiv über eine Laparoskopie oder offen über eine Laparotomie. Auch hysteroskopisch kann ein Myom herausgeschält
werden.
Die suprazervikale Entfernung des Corpus uteri (s. u.)
kommt bei den Frauen zum Einsatz, die ihre Familienplanung
abgeschlossen haben, auch die totale Entfernung der Gebärmutter kann erfolgen, beide Eingriffe können über eine Laparoskopie, eine Laparotomie oder über den vaginalen Zugang
durchgeführt werden.
OP-Ablauf: Abdominale Hysterektomie bei Uterus
myomatosus ohne Exstirpation der Adnexe
55 Wir bereiten Grund- und Laparotomieinstrumente
vor, die Patientin wird in Steinschnittlage vorbereitet.
55 Nach der Desinfektion des Abdomens und der Scheide wird ein Dauerkatheter gelegt und die sterile
Abdeckung angebracht. Nach dem standardisierten
Team-Time-Out wird der Zugang über den suprasymphysären Faszienquerschnitt nach Pfannenstiel geschaffen.
55 Nach dem Abstopfen des Darms mit Bauchtüchern
und Einsetzen eines Rahmens oder mehrerer Bauchhaken wird der Uterus mit einer Museux-Klemme
(. Abb. 11.1) oder einem Myombohrer (. Abb. 11.3)
angeklemmt, so ist es möglich, die Gebärmutter
hochzuziehen und die Strukturen darzustellen.
55 Die Tube wird mit einer Ovarfasszange gefasst und
der Mesosalpinx (eine Bauchfelldoppelung, die die
Tube mit der Beckenwand verbindet) angespannt.
55 Die Tube wird entlang der Mesosalpinx schritt
weise über Durchstechungsligaturen abgesetzt.
An der Fimbrie (Fasern des Eileiters, die das Ei aus
dem E ierstock in den Eileiter transportieren) wird
begonnen, die letzte Ligatur wird lang gelassen
und angeklemmt. Wichtig ist ein gefäßschonendes
Operieren, um die Durchblutung des Ovars nicht
zu gefährden.
55 Das gleiche Vorgehen erfolgt auf der Gegenseite.
55 Beidseits werden uterusnah je eine Parametrien-oder
Kocher-Klemme gesetzt, die die Tube, das Lig. ovarii
proprium und das Lig. teres uteri fassen. Das Adnexbündel wird umstochen, dabei wird das Lig. teres
uteri separat umstochen. Die Fäden werden lang gelassen und angeklemmt. Zur Sicherheit ist eine weitere Ligatur ratsam.
55 Das Blasenperitoneum wird quer gespalten und blasenwärts abgeschoben, dann kann die Blase von der
vorderen Zervixwand abpräpariert werden. Die Bindegewebsbrücken vom Uterus zur Blase hin werden
abgeschoben. In diesem Bereich verlaufen die Ureteren!
55 Beidseits stellen sich die uterinen Gefäße und Parametrien dar, sie werden durchtrennt. Eine Parametrienklemme wird am oberen Anteil des Lig. cardinale
(hier verläuft die A. uterina) uterusnah angesetzt und
eine zweite dahinter. Mit einer kräftigen Schere wird
das Gewebe durchtrennt und die angeklemmten
Anteile werden mit kräftigem resorbierbarem Nahtmaterial durchstochen.
55 In gleicher Weise wird das Ligament schrittweise
nach kaudal durchtrennt. Ein mehrfaches Wechseln
der Seiten erleichtert das Vorgehen. Der Uterus wird
beweglicher. Beim schrittweisen Durchtrennen des
Halteapparates folgt nach den Ligg. cardinaliae das
Absetzen der Ligg. sacrouterinae.
55 Danach hängt der Uterus nur noch am Scheidenrohr.
Mit einem Blasenhaken wird die Blase zurückgedrängt.
55 Dicht unterhalb der Portio wird das Scheidenrohr
schrittweise umschnitten, die Ränder werden mit
kräftigen Klemmen gefasst und der Uterus entfernt.
Jede einzelne Klemme im Situs wird umstochen und
entfernt.
55 Die Scheide wird desinfiziert. In vielen OP-Abteilungen ist es üblich, die Instrumente, die mit der Vagina
in Berührung gekommen sind, abzuwerfen (sog.
Schmutzbetrieb), um eine Kontamination der umliegenden Gewebe zu vermeiden. Der Scheidenverschluss wird mit Einzelknopfnähten oder einer quer
verlaufenden Säumung der vorderen und hinteren
Scheidenwand vorgenommen.
55 Nach der Kontrolle auf Bluttrockenheit beginnt die
Peritonealisierung des Wundgebiets durch Verschluss des Blasenperitoneums. Mitgefasst werden
dabei die Adnexabgänge im Mesosalpinxbereich
dicht unterhalb der Tube, die Ligg. teres uteri,
die Scheidenrückwand im Bereich der Ligg.-sacro
uterina-Stümpfe.
55 Nun ist das seitliche Wundgebiet extraperitonealisiert.
55 Erneut wird eine Kontrolle des Bauchraums auf Bluttrockenheit durchgeführt, die Instrumente und Textilien gezählt und der Zählstand dokumentiert. Der
schichtweise Wundverschluss und der Verband beenden den Eingriff.
313
11.1 · Gynäkologie und Beckenbodenchirurgie
OP-Ablauf: Myomentfernung per Laparoskopie
55 Wir bereiten Instrumentarium für eine Laparoskopie
und den Endoskopieturm vor. Die Patienten liegt in
Steinschnittlagerung. Nach der standardisierten Vorbereitung wird das gestielte subseröse Myom mit einer Fasszange hochgezogen und der Stiel dargestellt.
Das Myom wird mit der Schere an der Uteruswand
nach bipolarer Koagulation des Myomstiels entfernt.
55 Bei einem intramuralen Myom werden die Serosa
und das Myometrium (sog. Kapsel) nach einer Oberflächenkoagulation mit der Schere gespalten. Mit
einer Fasszange oder dem laparoskopischen Myombohrer wird das Myom gefasst und mit der Schere
oder dem elektrischen Myommesser ausgeschält.
Dabei müssen Gefäße koaguliert werden.
55 Eine Eröffnung der Gebärmutterhöhle sollte ver
mieden werden. Kapselreste werden vollständig
entfernt.
55 Nach der Blutstillung beginnt der Wundverschluss
mit durchgreifenden Einzelknopfnähten. Das Myom
wird über einen Arbeitstrokar, ggf. nach Zerkleinerung mit dem Morcellator, entfernt.
55 Nach der Entfernung des Trokars wird auch diese
Inzision verschlossen.
OP-Ablauf: Laparoskopische Hysterektomie
55 Nach der standardisierten Vorbereitung der Patientin
und der Instrumente und Geräte zur Laparoskopie
bestätigt das Team-Time-Out die Richtigkeit des Eingriffs.
–– Wird eine LASH (laparoskopische suprazervikale
Hysterektomie) durchgeführt, können von vaginal
zur optimalen Führung der Gebärmutter zwei Kugelzangen und eine kleine Kurette als Manipulator
angebracht werden.
–– Wird eine TLH (totale laparoskopische Hysterektomie) durchgeführt, kann ein Uterusmanipulator
in den Uterus eingebracht werden, über den nach
komplettem Absetzen der Gebärmutter das gesamte Präparat von vaginal geborgen werden
kann.
55 Es werden 2–3 suprasymphysäre (oberhalb des
Schambeins) Inzisionen für die Arbeitstrokare be
nötigt.
55 Der Uterus wird nach der Identifikation der Ureteren
mit einer Fasszange vom rechten oder linken suprasymphysären Einstich aus im Tubenabgangsbereich
gefasst und zur Gegenseite gezogen. Mit einer
stumpfen Klemme werden von der anderen Seite aus
zunächst die Adnexe gefasst. Nach bipolarer Koagulation oder durch Einsatz des Ultraschallskalpells
werden die Adnexe vom Uterus abgetrennt, für die
Ligg. rotunda gilt die gleiche Vorgehensweise.
55 Nach der Spaltung des viszeralen Peritoneums auf
der Uterusvorderwand mit der Präparationsschere
oder dem Ultraschallskalpell kann die Harnblase vom
unteren Uterinsegment abgeschoben werden, entweder stumpf mit einer Fasszange oder scharf mit
dem Ultraschallskalpell.
55 Die Parametrien werden beidseits koaguliert und
durchtrennt (jeweils Zug am Uterus zur Gegenseite).
So wird die Zervix schrittweise komplett freigelegt.
–– Erfolgt eine LASH, kann der Uterus nach sicherer
Durchtrennung des uterinen Gefäßbündels von
der Restzervix abgetrennt werden. Vorher muss
der Assistent, der von vaginal den Uterus führt,
die kleine Kurette aus der Gebärmutter entfernen.
Der Verschluss des Peritoneums erfolgt mit einem
zarten resorbierbaren Faden. Nach der Kontrolle
auf Bluttrockenheit wird einer der beiden seitlichen Arbeitstrokare gegen den Morcellator ausgetauscht und das Präparat kann zerkleinert und geborgen werden. Der Bauchraum wird gespült und
auf Bluttrockenheit kontrolliert. Es sollten keine
zerkleinerten Reste des Präparats im Bauchraum
verbleiben. Bei Bedarf muss eine intraabdominale
Drainage eingelegt werden. Nach dem Wundverschluss und dem Verband mit kleinen Pflastern
werden die beiden Kugelzangen von vaginal entfernt.
55 Bei der TLH wird nach der Eröffnung des vorderen
Scheidengewölbes die Scheide luftdicht mit einem
Bauchtuch oder Streifen verschlossen, damit es nicht
zum Gasverlust des Pneumoperitoneums kommt.
55 Die Zervix wird zirkulär von der Scheide abgetrennt.
Wenn es möglich ist, wird der Uterus über die Scheide entfernt. Ist dieses wegen der Größe des Präparates nicht möglich, muss auch hier, wie bei der LASH,
das Präparat per Morcellement geborgen werden.
55 Das Scheidenende wird mit kräftigem resorbierbarem geflochtenem Nahtmaterial fortlaufend verschlossen, das Peritoneum über dem Scheidenstumpf erneut zusammengeführt.
55 Nach der Spülung des Bauchraums und der Kontrolle
auf Bluttrockenheit kann bei Bedarf eine intraabdominale Drainage
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