unternehmensspezifischen Kultur für
den Umgang mit Fehlern.
Critical Incident Reporting System (CIRS)
Durch ein strukturiertes Berichtswesen können die häufigs
ten kritischen Ereignisse systemisch erfasst und analysiert
werden um die Inzidenz von Ereignissen und Beinaheereig
nissen zu reduzieren. Eine Situation oder Ereignis wird im
mer dann als kritisch bezeichnet, wenn es zu einer Patienten
gefährdung geführt hat oder möglicherweise hätte führen
können (Gefährdung oder Schädigung).
j
jAnforderungen an ein CIRS
Entscheidend für die Motivation zur Teilnahme und damit
Umsetzungserfolg ist der Zugang zu einem anonymen und
nutzerfreundlichen Meldesystem (idealerweise eine vorkon
figurierte, intranetbasierte Eingabemaske) für alle beteiligten
Berufsgruppen sowie einer zeitnahen Reaktionszeit auf Mel
dungen.
j
jEinführung eines CIRS in den klinischen Alltag
Die Etablierung erfordert eine flächendeckende Information
und Schulung, um die Akzeptanz und damit die aktive Nut
zung zu stärken. Hierzu zählen insbesondere die Zusicherung
der Melderanonymität und die Freiheit vor arbeitsrechtlichen
Sanktionen.
Sind die technischen Voraussetzungen definiert, müssen
die Adressaten, die die Fehlermeldungen aufnehmen, analy
sieren und evaluieren. Die Unabhängigkeit von den Kliniken
muss deutlich kommuniziert werden, damit der Akzeptanz
grad durch objektiven Umgang mit Daten und Ergebnissen
erhöht wird.
>>Durch eine sachliche und objektive Fehleranalyse und
durch die sich anschließenden Konsequenzen in der
Prozessorganisation gelingt es, Fehler zu entemotionalisieren, zu entpersonalisieren und eine vertrauliche
Zusammenarbeit zu schaffen.
Eine zeitnahe Auswertung und Rückkopplung wird zuneh
mend nicht mehr als persönliches Versagen, sondern als sys
temische Schwachstellenanalyse verstanden. Die Umsetzung
eines CIRS geht einher mit einer Erhöhung der Mitarbeiter
zufriedenheit, da eine aktive Partizipation an Veränderungs
prozessen eine höhere Motivation und Identifikation mit dem
Arbeitsplatz Krankenhaus verbindet.
Zu Beginn werden in der Regel technische, räumliche
und/oder organisatorische Optimierungen initiiert. Ereignis
analysen identifizieren Wissens- und Regelverletzungen und
führen zur Entwicklung von Lösungsstrategien, in der Regel
schon durch den Meldenden (z. B. Entwicklung von Stan
dards, Soll-Ist-Abgleich von Fort- und Weiterbildungsbe
darf). Die kritische Phase nach Implementierung eines CIRS
liegt meist in der nachlassenden Beteiligung durch:
44Komplexität des Meldebogens,
44Vertrauensverlust in die Anonymität (Cave: Identifika
tion durch IP-Anschrift),
44Bedienerfreundlichkeit der Eingabemaske,
44Fehlender bzw. schwieriger technischer Zugang,
44lange Reaktionszeiten und fehlendes Feedback («Was
bringt es eigentlich?», «Es ändert sich ja doch nichts»).
j
jBeispiel aus der Praxis was ein CIRS bewirken kann
Im Krankenhaus XX erfolgten klinikübergreifend Meldun
gen bzgl. kritischer Situationen durch Ausfälle von Transport
perfusoren bei Intensivtransporten (inadäquate Akkuleistung
aufgrund Überalterung der Geräte). Der Nachweis für eine
erfolgte Geräteeinweisung (Gerätepass) lag vor. Der Zustand
der Geräte führte durch die Situation einer möglichen Patien
tengefährdung mit Tod als schwerstmögliche Komplikation
in Folge zu einer höchsten Priorisierung in der Bewertung
und konsekutiv zu einer Ersatzbeschaffung.
29
590
Kapitel 29 · Qualitätskriterien
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 29
55 Was wird unter Qualitätssicherung verstanden?
55 Welche Kernelemente werden bei einer Zertifizierung bewertet?
55 Welche QM-Systeme können Sie benennen?
55 Was ist ein QM-Handbuch?
55 Warum ist die Dokumentation so wichtig?
55 Was beinhaltet das Risikomanagement?
29
Literatur
Grethler A (2009), Fachkunde für Kaufleute im Gesundheitswesen.
Thieme, Stuttgart
Kothe-Zimmermann H (2006) Prozesskostenrechnung und Prozess
optimierung im Krankenhaus. Kohlhammer, Stuttgart
Möller J, Sonntag H (1994) Veranstaltung zum Thema, Total Quality
Management (Script). Heidelberg
Wittkuhn S (2013) Workshop Haftungsrecht: Dokumentationspflichten
im Krankenhaus. BGW Forum (www.bgwforum.de)
591
Wirtschaftliche und
ökologische Prinzipien
Ina Welk, Heike Richter
30.1
Entwicklung der Krankenhäuser
30.1.1
30.1.2
30.1.3
Die Organisation Krankenhaus im Wandel – 592
Was ist ein Krankenhaus – 592
Leitbilder und Unternehmenskultur – 593
30.2
Ökonomie im Gesundheitswesen
30.2.1
30.2.2
30.2.3
30.2.4
Auswirkung der DRGs und Fallpauschalen
auf die OP-Organisation – 595
Formen der Krankenhausbehandlung – 595
Kostenstrukturen im Krankenhaus – 595
Abrechnung der stationären Krankenversorgung
30.3
Managementbegriff im OP-Bereich
30.3.1
30.3.2
30.3.3
30.3.4
30.3.5
30.3.6
30.3.7
30.3.8
30.3.9
Aufgaben – 597
Zielsetzung – 597
Weisungsbefugnis und Kompetenzen – 598
Aufgaben des OP-Managers – 598
OP-Kommission – 598
OP-Statut – 598
OP-Plan – 599
Implementierung von OP-Managementstrukturen
Personalmanagement im OP – 601
30.4
Betriebliches Umweltmanagement
30.4.1
30.4.2
30.4.3
30.4.4
30.4.5
Abfallentsorgung – 602
Wasserversorgung – 603
Emissionen – 604
Gefahrstoffverordnung – 604
Gefahrgutverordnung – 604
Literatur
– 592
– 593
– 596
– 597
– 601
– 605
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_30
– 600
30
592
Kapitel 30 · Wirtschaftliche und ö
kologische Prinzipien
Lernziele
30
55 Die Auszubildenden erarbeiten sich einen Überblick
über die Strukturen und die Organisation eines Krankenhauses.
55 Sie erkennen die Bedeutung der OP-Abteilung als wich
tigen Leistungserbringer im Krankenhaus sowie die
Bedeutung gesundheitspolitischer Entscheidungen für
die Leistungserbringung eines Krankenhauses, insbesondere die Leistungserbringung in den Operations- und
Funktionsbereichen.
55 Die Auszubildenden sind über die Bedeutung des
OP-Managements informiert und verstehen wesentliche
Aufgaben.
55 Sie übernehmen Verantwortung für umweltbewusstes
Handeln in ihrem Beruf und in der Gesellschaft und sind
sich des Spannungsfelds zwischen ökonomischen und
ökologischen Ansprüchen bewusst.
55 Sie tragen aktiv dazu bei, die Behandlung und Versorgung der Patienten mit ökologisch möglichst sinnvollen
Mitteln und Methoden unter Aufrechterhaltung der
erforderlichen medizinischen Standards zu gewähr
leisten.
30.1
Entwicklung der Krankenhäuser
Ina Welk
Im Mittelalter wurde durch die Etablierung von Hospitälern
der Grundstein für die Entwicklung von Krankenhäusern gelegt. Waren diese Hospitäler zunächst wohltätige Einrichtungen zur Versorgung von Bedürftigen, sind die heutigen Krankenhäuser Dienstleitungsanbieter im Gesundheitswesen für
Diagnostik, Behandlung und Pflege.
30.1.1
Die Organisation Krankenhaus
im Wandel
Zunehmend kommt es zu einer immer stärker werdenden
ökonomischen Durchdringung des Krankenhauswesens, die
die Art und Weise der Leistungserbringung im Krankenhaus
umfassend und nachhaltig verändert. Immer präsenter finden sich Markt- und Wettbewerbsmechanismen im Krankenhaus- und Gesundheitswesen, insbesondere im Rahmen des
demographischen Wandels mit wachsender Inanspruch
nahme von Gesundheitsleistungen, dem Fachkräftemangel
und einem sich verändernden gesellschaftlichen Anspruchsverhalten. Daraus resultieren neue Anforderungen an Krankenhäuser und neue Themenfelder in der Weiterentwicklung
des Gesundheitswesens (Beispiele):
44Moderne Führungs- und Personalkonzepte,
44Implementierung von Kennzahlen und Controlling für
Medizin und Pflege,
44Behandlungsstandards, Clinical Pathways,
44integrierte Versorgungsangebote,
44Prozess- und Projektmanagement
44Qualifikations- und altersbezogenes Personalmanagement/Personalentwicklung,
44Personalakquisition im Ausland,
44Diversity-Management,
44Prozessorientierung versus Zuständigkeiten,
44Interdisziplinarität und Interprofessionalität.
30.1.2
Was ist ein Krankenhaus
Nach dem Krankenhausgesetz (§ 2 KHG) sind Kranken
häuser, auch als Klinik, Klinikum oder Hospital bezeichnet,
»» Einrichtungen, in denen durch ärztliche und pflegerische
Hilfeleistungen Krankheiten, Leiden oder Körperschäden
festgestellt, geheilt oder gelindert werden sollen oder
Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu versorgenden Personen untergebracht und gepflegt werden.
j
jKrankenhausfinanzierungsgesetz (KHG)
»» Zweck des Gesetzes ist die wirtschaftliche Sicherung der
Krankenhäuser, um eine bedarfsgerechte Versorgung der
Bevölkerung mit leistungsfähigen, eigenverantwortlich
wirtschaftenden Krankenhäusern zu gewährleisten und
zu sozial tragbaren Pflegesätzen beizutragen. (§ 1 Abs. 1
KHG)
Die Finanzierung erfolgt u. a. über die Investitionsförderung
der Länder. Diese Finanzierung kann von Krankenhäusern in
Anspruch genommen werden, die in dem Krankenhausplan
eines entsprechenden Bundeslands vertreten sind. Detail
lierte Regelungen finden sich in den Landeskrankenhausgesetzen der einzelnen Bundesländer.
Zu den Investitionskosten zählen Einrichtungen wie
Neubau, Umbau, Erweiterungsbau sowie die Anschaffung
von Wirtschaftsgütern (§ 2 KHG). Aktuell steht die Betrachtung der Investitionsförderung für die Schaffung von Rahmenbedingungen zur Förderung ambulanter Behandlungsformen im Krankenhaus im Fokus («ambulant vor stationär»).
Unterscheidung nach Versorgungsauftrag
Krankenhäuser werden anhand ihres Versorgungsauftrags
(Versorgungsstufe) und ihres Leistungsspektrums eingeteilt
in:
44Krankenhaus der Maximalversorgung,
44Krankenhaus der Schwerpunktversorgung,
44Krankenhaus der Regelversorgung,
44Krankenhaus der Grundversorgung.
Aufgaben eines Krankenhauses
Die Krankenhausbehandlung umfasst Notfallbehandlung,
voll- und teilstationäre, prä- und poststationäre, ambulante
und rehabilitative Behandlung von Patienten (7 Abschn.
30.2.2).
Schwerpunktaufgaben von Universitätskliniken sind zusätzlich auch Forschung und Lehre.
593
30.2 · Ökonomie im Gesundheitswesen
Krankenhäuser haben unterschiedliche Träger:
44öffentlich (z. B. Bund, Länder, Kreise, Gemeinden),
44freigemeinnützig (z. B. Deutsches Rotes Kreuz (DRK),
kirchliche Träger, soziale Träger),
44privat.
In der organisatorischen Gliederungsstruktur finden sich
die Kernbereiche wie:
44Diagnostik (z. B. Radiologie, Labor, Funktionsbereiche),
44Therapie und medizinische Fachausrichtung (z. B.
Klinik für Innere Medizin, Klinik für Neurochirurgie,
Klinik für Unfallchirurgie, OP, Physiotherapie),
44Pflege.
Viele Kliniken haben klinikbezogene therapeutische, dia
gnostische und pflegerische Einrichtungen und damit mög
liche kostenintensive Doppelstrukturen.
Neue Strukturen orientieren und konzentrieren sich an
den Bedarfen der Versorgungsintensität der Patienten. Hier
unterscheidet man:
44Low Care Bereiche: Stationen für Patienten mit einem
geringen Pflegebedarf («Normalstation»),
44Intermediate Care Bereiche (IMC): Stationen/ Bereiche
für Patienten mit Monitorüberwachungs-, aber keinem
intensivmedizinischen Versorgungsbedarf,
44Intensiv- oder High Care Bereiche (ITS): Intensivstationen mit spezieller intensivmedizinischer und intensivpflegerischer Therapie und Betreuung.
In der Gliederung nach Funktionalität finden sich folgende
Bereiche:
44Untersuchung und Behandlung (z. B. Ambulanzen,
Notaufnahme/Schockraum, OP, Endoskopie),
44Bettenstationen,
44Verwaltung/Administration (z. B. Aufnahmebüro,
Personalmanagement),
44Sozialdienst und Pflegeüberleitung,
44Ver- und Entsorgungslogistik (inkl. Ökologie, Energiewesen und Umweltschutz, Wäsche- und Speisenversorgung),
44Forschung und Lehre (FuL).
30.1.3
Leitbilder und Unternehmenskultur
Anfang der 1980-er Jahre begann die systematische Erforschung des Phänomens Unternehmenskultur, da ein Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur, Management und
Unternehmenserfolg gesehen wurde.
Die Unternehmenskultur repräsentiert das sichtbar ge
lebte Wertesystem einer Organisation. Äußere Zeichen sind
z. B. das Corporate Identity (CI) Logo (Wiedererkennbarkeit).
Die Unternehmenskultur besteht aus der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Führungskräften und
Mitarbeitern («Umgang miteinander und füreinander»).
Hierzu zählen u. a. auch der Umgang mit Fehlern (Fehlerkul-
tur; 7 Kap. 29), Beschwerden und Mitarbeiterinput für eine
kontinuierliche Verbesserung und v. a. der Umgang mit Pa
tienten (Kundenorientierung).
»» Unternehmenskultur in Verbindung mit einer «korres-
pondierenden» Organisation beinhaltet das größte
dauerhafte Erfolgspotenzial eines Unternehmens. Die
Fähigkeit einer Kultur zur Selbsterneuerung, zu Inno
vation und mutiger Realisierung impliziert das Vermögen
möglichst vieler Mitarbeiter, kreativ zu sein und Pro
blemlösungsfähigkeit im Tagesgeschäft zur kontinuierlichen Verbesserung zu nutzen. Unternehmen müssen
sich bewusst werden, dass sich insbesondere hoch qualifizierte Mitarbeiter nur über Motivation und Zielvorgaben führen lassen. (von Eiff u. Stachel 2007)
Das Unternehmensleitbild dient als Grundlage der Unternehmenskultur:
»» Damit Unternehmenskultur ein beständiger, zukunfts
orientierter Erfolgsfaktor wird, braucht es als Grundlage
eine gemeinsame Definition, was diese Kultur beinhaltet und wie die Mitarbeiter sich damit identifizieren.
Ein Unternehmensleitbild ist eine schriftliche Stellungnahme/Aussage über die getroffenen Ziele, Werte, Normen, Menschenbild, Kooperations-, Kommunikationsund Führungsverständnis. (von Eiff u. Stachel 2007)
30.2
Ökonomie im Gesundheitswesen
Ina Welk
Aus der ehemaligen Finanzierung durch vollpauschalierte
Pflegesätze hat sich eine prozessorientierte Patientensteuerung mit vorgegebenem Budget entwickelt, die im Rahmen
der Diagnosis Related Groups (DRGs) eine Finanzierung der
erbrachten Krankenhausleistungen sicherstellt.
Der ökonomische Fokus bedingt ein transparentes und
verantwortungsvolles Kostenbewusstsein mit betriebswirtschaftlicher Ausrichtung, einem sinnvollen Ressourceneinsatz und verstärkte Patientenorientierung. Zielführend ist
eine Analyse und Neustrukturierung der komplexen Prozesse
und Arbeitsabläufe im Krankenhaus, so wie Implementie
rung medizinökonomischer Steuerungsinstrumente zur
Identifikation unwirtschaftlicher Betriebs-, Klinik- und Sta
tionsabläufe (. Abb. 30.1).
Als aktuelle und zukünftige Herausforderungen für
Einrichtungen im Gesundheitswesen im Spannungsfeld Medizin, Ökonomie und Pflege gelten z. B. (. Abb. 30.2):
44Der demographische Wandel (Zunahme Multimorbidität und Komplexität der Patientenversorgung, Zunahme
dementieller Erkrankungen),
44ambulante vor stationärer Krankenhausbehandlung
(Ausweitung ambulanter Leistungskataloge),
44verändertes Anspruchsverhalten der Patienten (Mit
sprache, verbesserte Aufklärung, Medizin und Medien,
«der mündige Patient»),
30
594
Kapitel 30 · Wirtschaftliche und ö
kologische Prinzipien
44Verweildauerreduzierung,
44steigende Personalkosten,
44Abnahme der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal
auf dem Arbeitsmarkt,
44Organisationsdefizite,
44Zunahme der Arbeitsintensität (Arbeitsverdichtung),
44fehlende Prozessorientierung,
44Kooperation der Berufsgruppen,
44integrierte Versorgung (Konzept der sektorenüber
greifenden Patientenversorgung mit sog. Vertrags
partnern).
30
Personal
Prozesse
Patient
Kosten
Qualität
j
jUmsetzungsinstrumente am Beispiel der Standard
Operating Procedures (SOPs)
Eine Standard Operating Procedure (SOP) ist eine Arbeits
anweisung, die ein Vorgehen innerhalb einer Prozesskette
beschreibt. Von der Erstellung bis zur Implementierung sind
folgende Schritte erforderlich:
44Beschreibung des Ist-Ablaufs,
44Definition Soll-Ablauf,
44Dokumentation,
44Verabschiedung,
44Information und Schulung der Prozessbeteiligten,
44Definition des Anpassungs- und Änderungsmanagement.
..Abb. 30.1 Elemente der betriebswirtschaftlichen Betrachtung von
Prozessen im Rahmen von Reorganisationsprojekten
Bei der Erstellung einer SOP sind formale Vorgaben zu
beachten. So muss immer ein Gültigkeitsdatum, Name/n der
Verfasser, Prüfer und Name des Freigebenden ausgewiesen
sein (Beispiel 7 http://www.charite.de/avt/medizin/darm/sop_
darm/sop_rektum-op.htm).
Politik
Gesetze, Kostendruck/ Budget,
neue Qualifikationswege
Wettbewerb
Personal
Personalmangel, Fehlende
Qualifikation, Älter werden im Beruf,
Wissensmanagement, MA findenMA binden
Konkurrenz, Neue Geschäftsfelder,
Transparenz
Krankenhaus
Patienten (Kunden)
Innovation
Steigende Ansprüche, Steigende
Bedürfnisse,
Bewusstseinsstärkung, mehr
Aufklärung
Neue Medizintechnik, Neue OPVerfahren
Integrierte Versorgungspartner
..Abb. 30.2
Einflussfaktoren auf die Krankenhausorganisation (Beispiele)
595
30.2 · Ökonomie im Gesundheitswesen
30.2.1
Auswirkung der DRGs und Fall
pauschalen auf die OP-Organisation
Durch das Gesundheitsreformgesetz 2000 wurde in § 17b
durch die Einführung eines pauschalierten Entgeltsystems
zum 31.01.2003 neben dem Qualitätsgedanken auch das Leistungsprinzip für Krankenhäuser verankert. Dies soll in Form
eines durchgängigen, leistungsorientierten, pauschalierten
und DRG-basierenden Vergütungssystems realisiert werden.
Für nachweisbare Besonderheiten eines Standorts in Bezug
auf Strukturbedingungen und Case-Mix-Index (CMI) sind
vom Gesetzgeber Zu- und Abschläge vorgesehen. Hierzu
heißt es in der Fassung nach Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG) in § 17b S. 1 Krankenhausgesetz
(KHG):
»» Für die Vergütung der allgemeinen Krankenhausleistungen ist für alle Krankenhäuser, für die die Bundespflegesatzverordnung gilt, ein durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschaliertes Vergütungssystem einzuführen; … Das Vergütungssystem hat Komplexität und Komorbiditäten abzubilden; sein Differenzierungsgrad soll
praktikabel sein. Mit den Entgelten nach Satz 1 werden
die allgemeinen vollstationären und teilstationären
Krankenhausleistungen für einen Behandlungsfall ver
gütet. …
Diese Entwicklung zwingt die Krankenhäuser zur Einführung transparenter Leistungsprozesse. Erst wenn die tatsächlichen Fallkosten der Patientenversorgung ermittelbar werden, können den pauschalierten Entgelten tatsächliche Bedarfsgrößen gegenübergestellt werden. Die Vorkalkulation
von Behandlungsfällen ist ein wichtiger Baustein für das Controlling im Krankenhaus und stellt eine neue Herausforderung für das Krankenhausmanagement dar.
Case-Mix-Index (CMI)
Preises für die Krankenhausbehandlung wird das Relativgewicht der DRG mit dem Basisfallwert multipliziert.
30.2.2
Formen der Krankenhaus
behandlung
Die Krankenhausbehandlung hat das Ziel, Erkrankungen zu
erkennen, zu heilen, eine Verschlechterung zu verhüten oder
Krankheitsbeschwerden zu lindern. Bei der Krankenhausbehandlung wird unterschieden in:
j
jVollstationär
Aufnahme auf der Station zur Versorgung mit Unterbringung, Verpflegung, Diagnostik, ärztlicher und pflegerischer
Therapie. Vor Inanspruchnahme einer vollstationären Krankenhausbehandlung muss geprüft werden, ob das Behandlungsziel durch eine andere Versorgungsform geleistet werden kann.
Aktuell müssen erwachsene Patienten für 28 Tage pro
Kalenderjahr einen Eigenbeitrag von 10 Euro pro Tag leisten.
j
jTeilstationär
Dies beinhaltet die medizinische Versorgung, die Unterbringung erfolgt am Tag oder über Nacht. Bedingung ist, dass der
Patient sich in der klinikfreien Zeit selbst versorgen kann
(z. B. psychiatrische Tagesklinik).
j
jVorstationär
Die vorstationäre Aufnahme beinhaltet keine Unterkunft/
Verpflegung. Sie dient z. B. zur Abklärung, ob eine stationäre
Aufnahme zielführend ist. Es erfolgen z. B. Blutabnahmen
und weitere Diagnostik für die geplante stationäre Aufnahme.
j
jNachstationär
Diese Behandlung erfolgt nach einem KrankenhausaufentDer Case-Mix-Index (CMI) beschreibt den Fallschwere- halt, keine Unterkunft/Verpflegung und darf sieben BehandIndex und den damit verknüpften Ressourcenaufwand. Der lungstage nicht überschreiten (innerhalb von 14 Tagen nach
CMI ist eine Richtgröße für die ökonomische Bewertung des stationärer Krankenhausbehandlung).
Aufwands im Rahmen der DRG Klassifikation. Errechnet
jAmbulant
wird der CMI durch Addition der Relativgewichte von je- j
dem Fall und dann dividiert durch die Fallzahl.
Das Leistungsspektrum für ambulante Operationen (ambulante Operationskataloge) ist in den letzten Jahren zunehj
jRelativgewicht
mend erweitert worden. Hierbei kommt der Patient am Tag
Das Relativgewicht ist eine Kennzahl im DRG-Klassifika der Operation ins Krankenhaus und wird am selben Tag nach
tionssystem zur Abrechnung medizinischer Krankenhaus- der Behandlung wieder in die häusliche Versorgung entlasleistungen. Das Relativgewicht ist ein jeder DRG zugeordne- sen. Krankenhäuser sind verpflichtet ambulante Operationen
ter Wert und bezeichnet die relative Aufwandgewichtung anzubieten.
(ökonomischer Schweregrad). Aus Multiplikation des Basisfallwerts mit dem Relativgewicht einer DRG ergibt sich der
Erlös pro Fall für das Krankenhaus. Aus der Summe der 30.2.3
Kostenstrukturen im Krankenhaus
Relativgewichte dividiert durch die Fallzahl ergibt sich der
Case-Mix-Index (CMI).
Krankenhäuser haben Ausgaben und Einnahmen.
Ausgaben beinhalten Personalkosten, ca. 70% aller Kosj
jBasisfallwert (engl. base rate)
ten eines Krankenhauses. Zudem werden Sachkosten für z. B.
Der Basisfallwert ist eine Grundlage für die Vergütungsstruk- Arzneimittel, medizinische Verbrauchsartikel, Medizinbetur für die Krankenhausbehandlung. Zur Berechnung des darf, Implantate, Wasser- und Energiekosten, Reinigung, Ent-
30
596
Kapitel 30 · Wirtschaftliche und ö
kologische Prinzipien
sorgung, Versicherungen (z. B. Haftpflichtversicherung für
Mitarbeiter, Gebäudeversicherung) benötigt, sowie Instandhaltungskosten z. B. für Gerätewartung, Umbau, Reparaturkosten, Ersatzbeschaffung.
Einnahmen (Erlöse)
30
Erlöse werden erzielt aus
44der Behandlung von Privatpatienten,
44der Abrechnung von Behandlungen von Kassenpatienten,
44der Abrechnung für ambulante Behandlungsleistungen,
44Sonstigem (z. B. Einnahmen durch Parkhaus, Raum
vermietung für Kongresse oder Besuchergastronomie,
Verträge mit niedergelassenen Ärzten zur Nutzung von
OP-Sälen und Großgeräten)
44und der Behandlung neuer Zielgruppen (z. B. Patienten
aus dem Ausland).
30.2.4
Abrechnung der stationären
Krankenversorgung
Entgeltsysteme, Fallpauschalen
und Sonderentgelte
Im Rahmen der zunehmenden Restriktion im Gesundheitssystem und dem daraus resultierenden Aspekt der Kostendämpfung wurde 1995 mit der Verabschiedung des Gesundheitsstrukturgesetzes das Selbstkostendeckungsprinzip der
Krankenhäuser aufgehoben und in der Bundespflegesatzverordnung (BPflV) in Form eines neuen Entgeltsystems neu
definiert. Die Vergütung von therapeutischen und diagnostischen Leistungen erfolgt pauschaliert. Die sog. Fallpauschalen vergüten Operationsleistungen, abteilungsgebundene
Leistungen und Basisleistungen.
Sonderentgelte (auch als Zusatzentgelte bezeichnet) sind
zu vergütende «Festpreise» für spezielle Leistungen im Rahmen einer stationären Krankenhausbehandlung, sie dürfen
nur dann zusätzlich abgerechnet werden, wenn die Leistung
durch die Fallpauschale nicht abgedeckt wird. Beispiele für
Sonderentgelte sind z. B.
44Herzschrittmacherimplantation und
44spezielle Medikamente (z. B. antivirale Medikamente,
Immunglobuline) und
44Blutprodukte (z. B. durch Apharese hergestellte
Thrombozytenkonzentrate) sowie
44spezielle Behandlungsverfahren, z. B. Dialyse).
«Altes» Vergütungssystem Budgetverhandlung (starres
Budget) Krankenhaus und Krankenkasse, orientiert an Fallpauschalen und Pflegesatz.
Leistungsbezogenes Vergütungssystem («Budget folgt Leistung»), orientiert an diagnosebezogenen Fallpauschalen und Zusatzentgelten.
Neues Vergütungssystem
Grundlagen der Krankenhausfinanzierung
55 Sozialgesetzbuch (SGB V)
55 Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG)
55 Krankenhausstrukturgesetz
55 Bundespflegesatzverordnung (BPflV)
55 Abgrenzungsverordnung (AbgrV)
55 Krankenhausdurchführungsverordnung (KHBV)
55 Krankenhausentgeltsystem (KHEntG)
55 Gesetzliche Krankenkassen
55 Bundesländer (für die Investionskosten, z. B. Neubau,
Großgeräte)
>>Die gemeinsame Krankenhausfinanzierung durch
gesetzliche Krankenkassen und Bundesländer wird als
Duale Krankenhausfinanzierung bezeichnet
Dieser enthält z. B. Kosten für Hotelleistungen (Unterkunft, Verpflegung), Verwaltung (sog. OverheadKosten) und Instandhaltung.
Basispflegesatz
Abteilungspflegesatz Der Abteilungspflegesatz enthält
verhandelbare, krankenhausindividuelle und fachbezogene
Entgelte für nicht standardisierbare medizinische und pflegerische Leistungen, die nicht mit Fallpauschalen und Sonder
entgelten abbildbar sind (z. B. Stationen für Schwerbrandverletzte und Querschnittsgelähmte).
>>Abteilungs- und Basispflegesätze werden für den
Aufnahmetag und jeden Belegungstag abgerechnet.
Obere Grenzverweildauer Für die meisten Fallpauschalen
wurde im DRG-Entgeltsystem eine obere Grenzverweildauer
zugrunde gelegt. Bei Überschreiten dieser Verweildauer aus
medizinischen Gründen wird dieser Zusatzaufwand mit zusätzlichen Tagespauschalen finanziert.
Untere Grenzverweildauer Ebenfalls wurde eine untere
Grenzverweildauer festgelegt. Ist die Verweildauer kürzer als
die festgelegte untere Grenzverweildauer muss das Krankenhaus Abschläge von der Fallpauschale in Kauf nehmen (Erlösminderung).
Wiederaufnahme Wird ein Patient im Zeitraum von 30 Tagen aufgrund derselben Diagnose oder innerhalb der oberen
Grenzverweildauer erneut im Krankenhaus aufgenommen,
können die Leistungen entweder in einer DRG zusammengefasst werden oder es findet eine Neuklassifikation im DRGSystem statt.
Abrechnung der ambulanten Versorgung Die Abrechnung
erfolgt auf Grundlage eines einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) nach § 87 SGB V und der Gebührenordnung für
Privatversicherte (Gebührenordnung für Ärzte, GOÄ). Abrechenbare Leistungen sind in einem Katalog ausgewiesen.
597
30.3 · Managementbegriff im OP-Bereich
Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus mente der klassischen Managementaufgaben nach Prof. Tho(InEK)
mas Busse zählen:
Seit 2001 unterstützt das InEK Institut die Krankenhäuser in
Deutschland in der Weiterentwicklung des DRG-Systems
(z. B. Aktualisierung Fallpauschalenkatalog und Vergütung)
gemäß § 17 des Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG;
www.g-drg.de).
30.3
Managementbegriff im OP-Bereich
Ina Welk
30.3.1
Aufgaben
Gerade unter den zunehmenden Reglementierungen und
Restriktionen im Gesundheitswesen müssen bestehende
Strukturen und tradierte Organisationsformen in allen Bereichen der Institution Krankenhaus hinterfragt und analysiert
werden. Durch den steigenden ökonomischen Druck werden
die Krankenhäuser gezwungen, neue Organisationsformen
und Steuerungsinstrumente zu implementieren und auch,
bedingt durch die DRG Einführung, prozessorientierte
anagementkonzepte zu etablieren und Ressourcen effektiM
ver einzusetzen.
Operationsbereiche zählen aufgrund unterschiedlicher
Fachdisziplinen und des hohen Personal- und Materialein
satzes zu den kostenintensivsten Bereichen im Krankenhaus.
Um den Zielvorgaben im Hinblick auf Effektivität und Effi
zienz zu entsprechen, ist die Etablierung von professionellen
und Prozess orientierten Managementstrukturen gefordert.
Hierbei geht es nicht nur um die «Verwaltung» von
Operationssälen, sondern um Optimierung der Auslastung
und Schaffung von Synergieeffekten innerhalb der vorhan
denen Ressourcen durch Reorganisation aller Abläufe und
Betrachtung der systemischen Schnittstellen im gesamten
perioperativen Prozess.
Kernziele einer DRG-konformen OP-Organisation sind
u. a.:
44Kostenreduktion,
44Produktivitätssteigerung,
44Einhaltung von Qualitätsvorgaben,
44Erhöhung der Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit,
44Definition des OP als zentraler «Dienstleistungskern».
>>Unter Qualitätsaspekten ist es Aufgabe des OP-Manage
ments, den perioperativen Versorgungsprozess durch
effizienten Personal- und Materialeinsatz unter Wahrung
der notwendigen Qualität kostengünstig zu gestalten.
OP-Management beinhaltet mehr als die Verteilung von Pa
tienten auf die zur Verfügung stehenden Operationssäle. Ein
zentrales OP-Management zeigt sich vielmehr als zentraler
Ansprechpartner verantwortlich für die optimale Nutzung
und Auslastung von vorhandenen Ressourcen zur Erbringung größtmöglicher Produktivität und Qualität. Als Ele-
44Organisation,
44Entscheidung,
44Führung,
44Analyse,
44Steuerung,
44Controlling,
44Bewertung.
Die Etablierung eines OP-Managements bietet Voraussetzungen zur Erstellung prozessbezogener Kennzahlen und Daten,
die eine Analyse der Abläufe und Identifikation von Prozessdefiziten ermöglicht. Eine der Kernaufgaben des OP-Managements ist die Schaffung einer Kostentransparenz für erbrachte Leistungen, für mögliche Einsparpotenziale, Ermittlung
der Kostenanteile für eine OP-Leistung in Bezug auf die Gesamtkosten, Kostendarstellung als Entscheidungsvorbereitung für die Klinikleitungen in Fragen der strategischen Ausrichtung, sowie Information der Fachkliniken über abteilungsbezogene Kostenentwicklungen mit Budgetrelevanz.
30.3.2
Zielsetzung
Ziel der OP-Managementstruktur ist es, eine effiziente
Nutzung der vorhandenen OP-Saalkapazitäten und einen
optimierten Einsatz der personellen, medizintechnischen
und räumlichen Ressourcen zu erreichen. Diese Kernaufgabe
beinhaltet für das OP-Management bei der Umsetzung die
Betrachtung zahlreicher infrastruktureller Eckpunkte.
So führen fehlende räumliche Kapazitäten zu Störungen
im Gesamtablauf, die funktionell nur mit erheblichem organisatorischem und v. a. großem personellen Aufwand zu
kompensieren sind.
Als besondere Herausforderung gilt es, eine flexible Personaleinsatzplanung bei immer knapper werdenden Personalressourcen zu gewährleisten, da fehlendes Personal zu
einem zeitlichen Mehrbedarf, z. B. Überstunden, Warte- und
Leerlaufzeiten und damit konsekutiv zu einer Abnahme der
Produktivität führt.
Einen Lösungsansatz bietet auch die Etablierung einer
sog. perioperativen Wartezone (Patient Holding Area), um
flexibel auf zeitliche Unter- oder Überschneidungen im
OP-Ablauf reagieren zu können, den Patienten in räum
licher Nähe zum OP zu überwachen und den Patientenkomfort dabei einzuhalten. Warte- und Leerlaufzeiten werden
minimiert, so kann z. B. schon eine Vorbereitung zur OP
erfolgen (z. B. Pre-warming, Anlage Venenzugang, Anlage
Regionalanästhesieverfahren). Auch der Aufwachraum kann
als « Pufferzone» genutzt werden. Je nach baulicher Infrastruktur tragen sog. Rüsträume zur Vorbereitung der Instrumententische unter sterilen Kautelen zur positiven Beein
flussung der Wechselzeiten bei. Grundvoraussetzung aller
Optimierungsansätze ist der Wechsel vom Funktionieren
in Zuständigkeiten zum systemischen, prozessorientierten
Handeln.
30
Kapitel 30 · Wirtschaftliche und ö
kologische Prinzipien
598
>>Vor dem Hintergrund fallpauschalierter Entgeltsyste-
me gewinnt die verzögerungsfreie Patientenversorgung zunehmend an Bedeutung. OP-Management beinhaltet demnach mehr als die Verteilung von Patienten auf die zur Verfügung stehenden Operationssäle.
Es umfasst ebenfalls die Integration der perioperativen
Prozesse und systemischen «Schnittstellen».
30.3.3
30
Weisungsbefugnis und Kompetenzen
Nur die konsequente und langfristige Etablierung eines OPManagements mit einem klar definierten Handlungs- und
Kompetenzrahmen kann die Effizienz eines OP-Bereichs
nachweislich steigern. Das OP-Management beeinflusst interdisziplinär und berufsgruppenübergreifend die Abläufe im
OP und berührt damit bestehende hierarchische Strukturen.
Es muss bereits auf dem Vorwege die Führungsverantwortung in den Bereichen Kosten, Leistungen und Prozesse deutlich kommuniziert werden.
Die Unterstellung des OP-Managements ist sinngemäß
bei der Krankenhausleitung anzusehen. Das OP-Management
ist organisatorisch weisungsbefugt gegenüber aller im OPBereich tätigen Berufsgruppen («process-owner»).
Die Aufgabe eines OP-Koordinators bzw. OP-Managers
findet sich oftmals in Personalunion. In vielen Kliniken existiert zusätzlich eine Kooperation von ärztlichem OPManager/-Koordinator mit einer leitenden OP- und/oder
Anästhesiepflegekraft. Diese zentrale pflegerische Funktionsdienstleitung koordiniert den qualifikationsbezogenen Personaleinsatz unter Berücksichtigung eines flexiblen, fachübergreifenden Einsatzes und zeichnet sich verantwortlich für
Personalentwicklung, Qualifizierung und Bereitstellung personeller Ressourcen. In größeren Abteilungen können alternativ dezentrale Führungskräfte eingesetzt werden, welche
vor Ort eine Präsenz und fachliche Ansprechbarkeit für Mitarbeiter und Operateure gewährleisten.
30.3.4
Aufgaben des OP-Managers
Der OP-Manager ist direkt der Krankenhausleitung unterstellt und dieser berichtspflichtig. Zu den Hauptaufgaben gehören v. a. die Koordination und Steuerung aller betrieblichen Prozesse im OP sowie die Schnittstellenkoordination
und Betrachtung der organisatorischen perioperativen Prozesse im Krankenhaus. In der Organisation gilt zunehmend
der freie OP-Termin und nicht mehr das freie Krankenhausbett.
Als weitere Kernelemente findet sich die Umsetzungsverantwortlichkeit für die Steuerung der strategischen Zielvorgaben und Ausrichtung im Unternehmen. Eine möglichst langfristige OP-Planung dient der Auslastungssteuerung und
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