Translate

Search This Blog

الترجمة

Search This Blog

str

str

2

str

z

2

str

z

coinad

4/12/26

 eingelegt werden. Der Wundverschluss und der Verband mit kleinen Pflastern beenden den Eingriff.


Bösartige Tumoren

Korpuskarzinom

Das Korpus- oder auch Endometriumkarzinom ist eine

Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Betroffen

sind überwiegend Frauen im Klimakterium (Wechseljahre)

nach der Menopause.

Wenn immer möglich sollen Korpuskarzinome operativ

entfernt werden. Die Standardoperation erfolgt mittels eines

Unterbauchlängsschnitts oder über eine Laparoskopie und


11


314


Kapitel 11 · Gynäkologie, geburtshilfliche Operationen und M

­ ammachirurgie


umfasst mindestens eine totale Gebärmutterentfernung sowie

die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter beidseits, da die

Metastasierung über die Adnexe erfolgt.

Abhängig vom Stadium kann unter anderem die Mitentfernung mindestens der uterusnahen Hälfte vom Gebärmutterbindegewebe, die Mitnahme einer Scheidenmanschette,

die Freilegung beider Harnleiter und die Entfernung von

Lymphknoten im kleinen Becken und entlang der Bauch­

aorta bis zum Abgang der Nierenarterien zusätzlich erforderlich sein.

Patientinnen, deren Karzinomerkrankung erst im höheren Stadium erkannt und therapiert wird, werden nach dem

operativen Eingriff eine Strahlentherapie erhalten. Tumoren,

die als inoperabel gelten, werden nur bestrahlt.


Ovarialkarzinom


11


Das Ovarialkarzinom ist eine bösartige Erkrankung der

­Eierstöcke. Es ist in der westlichen Welt nach dem Endo­

metrium- und dem Zervixkarzinom das dritthäufigste Genitalmalignom der Frau und hat eine schlechtere Prognose. Die

Behandlung besteht in der Regel aus einer an das Erkrankungsstadium angepassten Kombination aus Operation und

Chemotherapie.

Die Operation dient einerseits der Sicherung der Dia­

gnose und der genauen Stadienbestimmung. Über eine

­mediane Laparotomie wird der gesamte Unterleib systematisch auf Krebsbefall untersucht. Zusätzlich werden Gewebeproben zur histologischen Beurteilung entnommen. Andererseits verfolgt die Operation das Ziel einer möglichst

­vollständigen Entfernung aller sichtbaren Krebsgeschwüre.

Dabei bestimmt die Radikalität der Tumorreduktion maßgeblich die Heilungsaussichten. Damit möglichst keine

Krebszellen im Körper verbleiben, umfasst die Standardoperation die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter, der Gebärmutter, des großen Netzes sowie der Lymphknoten. Abhängig

vom Krankheitsstadium kann die Entnahme weiterer Organteile, wie z. B. Teilen des Darms, notwendig sein.


Zervixkarzinom

Das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) ist weltweit der

zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen. Die häufigste Ursache für ein Zervixkarzinom ist eine Infektion mit bestimmten Typen des humanen Papillomvirus (HPV). Das Zervixkarzinom verursacht zunächst keine Schmerzen, nur gelegentlich treten leichte Schmierblutungen auf. Erst wenn der

Tumor größer wird und mit Geschwürbildung zerfällt, kommt

es zu fleischwasserfarbigem, süßlich riechendem Ausfluss.

Im Frühstadium ist die vollständige Entfernung der Veränderung durch eine Konisation (in der Form eines Konus

wird der befallene Bezirk aus der Zervix herausgeschnitten)

ausreichend. Im fortgeschrittenen Stadium wird eine erweiterte Uterusexstirpation nach Wertheim-Meigs (s. u.) durchgeführt, die Entfernung der ganzen Gebärmutter mit Adnexen, uterusferne Entfernung des parametranen Beckenbindegewebes, Entfernung des oberen Scheidenanteils und die

Entnahme von Lymphknoten im Bereich der A. iliaca interna,

der Obturatoriusregion, der A. iliaca externa und der A. iliaca


communis bis hin zur Bifurkation (Aufteilung). Bei jungen

Frauen können die Ovarien belassen und ihre Funktion erhalten werden, denn die Metastasierung erfolgt über die Parametrien und nicht über die Adnexe, wie beim Korpuskarzinom.

Eine Untersuchung zur Früherkennung ist der sog. PapTest (nach dem griechischen Arzt George Papanicolaou benannt). Eine Impfung mit einem HPV-Impfstoff verhindert

eine Infektion durch die zwei häufigsten Hochrisiko-HPVTypen und verringert damit das Risiko der Entstehung eines

Zervixkarzinoms.

Die erweiterte Uterusexstirpation nach Wertheim-Meigs

ist in der Infobox und . Abb. 11.7 dargestellt.

OP-Ablauf: Erweiterte Uterusexstirpation

nach Wertheim-Meigs

55 Nach der standardisierten Vorbereitung der Patientin

und des Instrumentariums erfolgt das Team-TimeOut. Danach können die Desinfektion des Abdomens

und der Scheide, das Legen eines Blasenkatheters

und die sterile Abdeckung erfolgen.

55 Das Abdomen wird durch einen medianen Unterbauchlängsschnitt eröffnet. Ist bei der Exploration zu

erkennen, dass das Karzinom über das kleine Becken

hinausreicht, wird die Operation nicht fortgesetzt.

55 Ist eine Operation sinnvoll, werden Bauchhaken eingesetzt, die paraaortalen (neben der Aorta) und parakavalen (neben der V. cava) Lymphknoten werden

entfernt. Danach werden die Bauchhaken gegen

­einen Rahmen ausgetauscht.

55 Der Uterus wird nicht direkt angeklemmt, um eine

Streuung der Krebszellen zu vermeiden, stattdessen

werden atraumatische Klemmen an die Ligg. rotunda

gesetzt und das Blasenperitoneum rechts und links

der Mittellinie gespalten. Durch diese getrennten

­Inzisionen wird stumpf bis auf den Beckenboden vorpräpariert, dabei entstehen die sog. paravesikalen

(neben der Harnblase) Gewebsgruben, durch die die

spätere Isolierung der Uterinagefäße und die Ureterfreilegung erleichtert werden.

55 In einem Abstand von etwa 3 cm vom Uterus werden

die Ligg. teres uteri umstochen und durchtrennt.

55 Sollen die Adnexe mit entfernt werden, werden diese

mit einer Organfasszange angehoben und die

Ligg. suspensoria ovarii umstochen und durchtrennt.

Hier verläuft die A. ovarica!

55 Nun beginnt die Entfernung des Lymphknotenfettgewebes beidseits:

55 Das Lig. latum kann nach lateral aufgespannt werden, wenn es zuvor zwischen Lig. teres uteri und

Lig. suspensorium ovarii gespalten wurde. Die Beckengefäße und der Ureter werden sichtbar.

55 Es beginnt die Lymphknotenausräumung an der

­seitlichen Beckenwand, ausgehend von der A.-iliaca

communis-Gabelung, entlang der A. iliaca externa

und der A. iliaca interna. Die A. uterina wird mit dem


315

11.2 · Geburtshilfe


11.2

Lig. cardinale freipräpariert. Hierbei wird evtl. eine

Clipzange benötigt. Die Lymphonodektomie (Entfernung der Lymphknoten) wird mit der Präparation

der Lymphknoten im Bereich der Bifurkation abgeschlossen.

55 Die Uteringefäße werden unmittelbar am Abgang

der A. und V. iliaca interna unterbunden, die

Ligg. cardinalia umstochen. Nach der Mobilisation

des Rektums werden die Ligg. sacrouterina abgesetzt.

55 Wichtig ist die beidseitige Ureterpräparation bis zur

Einmündung in die Blase. Dabei wird das Lig. vesicouterinum durchtrennt. Es folgt die Blasenpräparation

bis zu dem Bereich, in dem die Scheide durchtrennt

werden soll.

55 Über mehrere Umstechungen wird das die Vagina

umgebende Gewebe durchtrennt. Die letzte Naht

fasst das seitliche Scheidengewölbe und dient als

Haltefaden. Zum Absetzen des Uterus am Scheidenrohr werden zwei Parametrienklemmen gesetzt und

darunter der Uterus und eine Scheidenmanschette

mit der Parametrienschere abgesetzt. Sofort danach

erfolgt der Verschluss der Scheide (. Abb. 11.7).

55 Nach der Einlage einer Wunddrainage wird das Operationsgebiet wieder peritonealisiert. Instrumente

und Textilien werden gezählt, der Zählstand in der

Patientendokumentation eingegeben. Der schichtweise Wundverschluss und der Verband beenden

den Eingriff.


Die OP nach Wertheim ist auch laparoskopisch möglich.


Geburtshilfe


Auch die Begleitung und Behandlung einer Schwangerschaft

gehört zu den Aufgaben einer gynäkologischen Abteilung.

11.2.1


Geburtshilfliche Eingriffe


Im Rahmen einer Schwangerschaft kann es zu einer Insuffizienz des Gebärmutterhalses, der sog. Zervixinsuffizienz

kommen.

Schon während des zweiten Schwangerschaftsdrittels

wird der Verschlussmechanismus des Uterus geschwächt. Es

kommt zur Verkürzung und Auflockerung der Zervix. Der

Muttermund öffnet sich, es entsteht die Gefahr des vorzeitigen Blasensprungs. Um eine Fehlgeburt aus diesem Grund zu

verhindern, kann die Zervix operativ eingeengt werden.

Die Indikationen für einen solchen Eingriff sind:

44Zur Prophylaxe bei vorausgegangenen Spätaborten und

44als Therapie bei Eröffnung des inneren Muttermundes

vor der 28. SSW (Schwangerschaftswoche), dabei darf

keine Scheideninfektion vorliegen.

Die Einengung des Muttermundes kann über unterschied­

liche Wege erfolgen.

j

jCerclage nach McDonald


Nach der Desinfektion der Scheide wird die Portio mit

­O varfasszangen angeklemmt. Um die Zervix wird eine

­nichtresorbierbare subkutane Naht gelegt, die 4-mal aus­

gestochen wird. Dabei darf sie nicht zu stark angezogen

­werden, um eine gute Durchblutung zu gewährleisten. Die

Entfernung des Fadens sollte möglichst nicht vor der 37. SSW

erfolgen.

j

jCerclage nach Shirodkar


Das Vorgehen entspricht dem bei der Cerclage nach McDonald. Die Scheidenhaut wird jedoch an der Zervix jeweils

vorn und hinten ein wenig inzidiert. Blase und Rektum werden mit Präpariertupfern hochgeschoben, um die Naht möglichst hoch legen zu können. Ein nichtresorbierbarer Polyesterfaden mit stumpfer Nadel wird dicht unter der Portiohaut

um die Zervix herumgeführt. Der Einstich erfolgt bei 12 Uhr;

es kann bei 6 Uhr einmal ausgestochen werden. Die Entfernung des Fadens sollte möglichst nicht vor der 37. SSW er­

folgen.

j

jTotaler Muttermundverschluss nach Szendi


..Abb. 11.7 Fortlaufender Verschluss der Vaginalwand nach Absetzen

des Uterus. Aus: Hofmann R, Wagner U (2009) Inkontinenz- und Deszensuschirurgie der Frau. Springer, Berlin Heidelberg New York


Nach der Desinfektion der Scheide wird die Zervix seitlich

mit zwei Kugelzangen gefasst. Es beginnt die zirkuläre Umschneidung des Portioepithels und eine Deepithelialisierung

mit dem Skalpell bis zum äußeren Muttermund. Nach der

Entfernung des Zervixschleims wird die Zervix noch einmal

desinfiziert. Nun werden die vordere und hintere Muttermundlippe zweischichtig aufeinander genäht. Dazu werden

resorbierbare Einzelknopfnähte verwendet. Die Adaptation

des hinteren und des vorderen Epithelrands gelingt durch


11


316


Kapitel 11 · Gynäkologie, geburtshilfliche Operationen und M

­ ammachirurgie


eine quer verlaufende nichtresorbierbare Intrakutannaht, die

nach ca. 10 Tagen entfernt wird.

j

jKaiserschnitt (Sectio caesarea)


11


Als Indikationen für einen Kaiserschnitt unterscheiden wir

die Gründe, die im Befinden der Mutter zu suchen sind von

denen, die das ungeborene Kind betreffen.

Als sog. mütterliche Indikationen gelten eine schwere

Erkrankung der Mutter sowie eine drohende Eklampsie bei

EPH-Gestose. Das ist eine «Schwangerschaftsvergiftung», die

zu schweren Krämpfen und Bewusstlosigkeit führen kann.

Dann ist die «Sektio» eine absolute Notfallindikation.

Die sog. mütterliche und kindliche Indikation besteht in

einem relativen und absoluten Missverhältnis zwischen dem

Durchmesser des Geburtskanals und dem Kopf des Kindes

(bei ca. 5–6% der schwangeren Frauen).

Als kindliche Indikationen gelten Lageanomalien, z. B.

die Beckenendlage, die kindliche Asphyxie (drohende Er­

stickung des Kindes im Geburtskanal), Nabelschnurumschlingung, Nabelschnurvorfall, die vorzeitige Plazenta­

lösung und die Placenta praevia (der Mutterkuchen liegt nicht

in der physiologischen Position).

Weitere Indikationen sind die Frühgeburtlichkeit aber

auch eine Mehrlingsschwangerschaft (Drillinge).

Je nachdem, ob der Kaiserschnitt als Notfall oder geplant

vorgenommen wird, ist die Vorbereitung zu treffen. Jeder

Mitarbeiter in der gynäkologischen Abteilung weiß, wo die

Instrumente und Materialien zu finden sind und kann schnell

eine Sectio vorbereiten.

Die Patientin liegt in Steinschnittlage mit abgesenkten

Beinen.

Zur Verhinderung eines V.-cava-Syndroms wird der OPTisch leicht nach links gekippt. Das V.-cava-Syndrom beschreibt eine Kreislaufstörung der Mutter. Das Syndrom tritt

hauptsächlich gegen Ende der Schwangerschaft (bei entsprechendem Gewicht des Kindes) auf, wenn die Mutter sich längere Zeit in Rückenlage befindet. Durch Druck des Kindes

auf die hinter der Gebärmutter verlaufende untere Hoh­l­

vene (V. cava inferior) wird der venöse Rückstrom zum Herzen behindert; es kommt zu Kreislaufproblemen (Blutdruck­

abfall, Schwindel, Herzrasen) bis hin zum Schock und zur

Bewusstlosigkeit.

>>Bei einer Notfallindikation ist die Entwicklung des Kin-


des vorrangig. Abdeckung und Desinfektion sind

zweitrangig.


die Blase abpräpariert werden. Mit dem Skalpell wird

das untere Uterinsegment quer und leicht bogen­

förmig eröffnet, mit dem Finger oder mit der CooperSchere erweitert. Vorsichtig wird die Fruchtblase eröffnet und das Kind entwickelt.

55 Die Nabelschnur wird zwischen zwei Fingern zum

Kind hin ausgestrichen, die Abnabelung erfolgt,

­indem je zwei Kocher-Klemmen zum Kind und zur

Plazenta hin gesetzt werden. Dazwischen wird die

Nabelschnur durchtrennt.

55 Das Kind wird abgegeben und von der Hebamme

und dem Kinderarzt untersucht.

55 Nun beginnt die manuelle Entwicklung der Plazenta,

evtl. unter Zuhilfenahme von Ovarfasszangen.

Manchmal ist eine Nachkürettage mit einer großen

stumpfen Kürette und die Dilatation (Erweiterung)

der Zervix mit Hegarstiften erforderlich. Die Plazenta

und das freie Nabelschnurstück werden an die Hebamme abgegeben, das freie Nabelschnurstück wird

für Blutuntersuchungen benötigt. Die Geburtszeit

muss exakt notiert werden, dies geschieht meist

durch die Hebamme und/oder den Anästhesisten.

55 Kräftige Klemmen werden an den Uterotomieecken

gesetzt, es erfolgt der Verschluss des Uterus fortlaufend oder mit Einzelknopfnähten, die die Uteruswand ohne Schleimhaut fassen. Eine zweite Naht­

reihe kann deckend über die Uterotomiewunde

­gelegt werden. Nach dem Verschluss des Blasenperitoneums liegt die Uteruswunde nun extraperitoneal.

Die Blutstillung muss sorgfältig erfolgen, da zu Beginn der Operation nur bedingt darauf geachtet werden kann.

55 Nach dem Zählen von Instrumenten und Textilien

und der Dokumentation des Zählstands beendet der

schichtweise Wundverschluss und der Verband den

Eingriff.


Die Operation muss bis zur Entwicklung des Kindes so rasch

wie möglich verlaufen, um eine kurze Narkosedauer für das

Kind zu gewährleisten, sofern der Kaiserschnitt nicht in Peridural-oder Spinalanästhesie (7 Kap. 22) erfolgt. Daher wird

bei eiligen Schnittentbindungen nur das absolut Notwendige

an Instrumentarium vorbereitet.

>>Bei notfallmäßiger Indikation haben sich spezielle


OP-Ablauf: Sectio caesarea (Kaiserschnitt)

55 Nach der Desinfektion des Abdomens und der Scheide wird ein Blasenkatheter gelegt. Die Eröffnung des

Abdomens erfolgt durch einen Pfannenstiel-Schnitt.

Durch das Einsetzen der Bauchdeckenhaken (nach

Fritsch) kann im Bereich des unteren Uterinsegments

– hier ist das Peritoneum verschiebbar – an der Harnblasenumschlagfalte das Bauchfell quer inzidiert und


Siebe bewährt, die so vorbereitet sind, dass direkt aus

dem Sieb instrumentiert werden kann.


Bei einer Mehrlingssectio müssen die Kocher-Klemmen zum

Abnabeln gekennzeichnet werden.

>>Da die Patientin erst unmittelbar vor dem Hautschnitt


narkotisiert wird oder bereits einen Periduralkatheter

hat, muss jegliche Unruhe bei den Vorbereitungen vermieden werden.


317

11.3 · Mammachirurgie


11.3


Mammachirurgie


Bei einem Einsatz in der Gynäkologie sind Operationen an

der weiblichen Brust ein bedeutender Anteil der Tätigkeit. In

vielen Abteilungen werden ebenfalls die Reduktions- und

Aufbauplastiken der weiblichen Brust durchgeführt, in diesem Kapitel beschränken wir uns auf krankhafte Veränderungen der Mammae, für plastische Eingriffe verweisen wir auf

das Kapitel der plastischen Chirurgie (7 Kap. 17).

11.3.1


Basiswissen Mammachirurgie


j

jAnatomie


Das Brustdrüsenwachstum zeigt sich durchschnittlich ab dem

10.–11. Lebensjahr und entwickelt sich durch den Einfluss

der Hormone Östrogen und Progesteron. Dies geschieht

meist 1–2 Jahre vor dem Einsetzen der ersten Regelblutung.

Die weibliche Brustdrüse liegt auf der Faszie des M. pectoralis major und ist gegen sie verschieblich. Unterteilt wird

sie in den Drüsen- und Fettkörper sowie in das Milchgangsystem. Der Drüsenkörper besteht aus 12–20 Drüsenlappen

(Lobi), die wiederum durch lockeres Bindegewebe weiter in

Drüsenläppchen (Lobuli) unterteilt sind. Jeder Drüsenlappen

wird von einem Milchgang (Ductulus lactiferus) durchzogen,

der sich wiederum zu 12–15 Hauptausführungsgängen (Ductus lactiferus) vereinigt und auf der Brustwarze mündet.

Die arterielle Versorgung der Mamma entspringt aus medialen Ästen der 2.–4. Interkostalarterien, die seitlich des

Sternums in die Mamma eintreten. Weiterhin übernehmen

Äste der A. thoracica lateralis die laterale Gefäßversorgung.

Aus chirurgischen Gesichtspunkten wird der Lymphabfluss der Brust, die axillären Lymphknoten, in drei Etagen

aufgeteilt.

44Level 1: untere axilläre Gruppe bis zum lateralen Rand

des M. pectoralis minor,

44Level 2: mittlere axilläre Gruppe dorsal des M. pectoralis

minor und unterhalb der V. subclavia,

44Level 3: obere infraklavikuläre Gruppe, medial des

M. pectoralis minor gelegen, oberhalb der V. subclavia.

In der Mitte zieht das Lymphabflussgebiet durch die Zwischenrippenräume hindurch zu Lymphknoten, die neben

dem Sternum, zwischen den Rippen und im Brustmuskel liegen. Anatomische Strukturen in der Axilla sind die V. und

A. axillaris, das thorakodorsale Gefäß-Nerven-Bündel mit

dem N. thorakodorsalis (motorische Innervation des M. latissimus dorsi, großer Rückenmuskel) sowie der N. thoracicus

longus, der auf dem M. serratus anterior (vorderer Sägemuskel) nach kaudal zieht und diesen motorisch innerviert.

Die von der V. axillaris ausgehenden Äste werden bei der

Präparation durchtrennt. Dahinter (rückenwärts, dorsal)

wird das thorakodorsale Gefäß-Nerven-Bündel aufgesucht,

angeschlungen und geschont.

Der Brustdrüsenkörper kann zur genaueren Beschreibung eines tumorösen Geschehens in vier Quadranten und

die Brustwarze eingeteilt werden. Krebserkrankungen der


Brust treten mit unterschiedlicher Häufigkeit in diesen Quadranten auf, am häufigsten oben außen gefolgt von oben innen, der Brustwarzenregion und zuletzt unten innen.

Wie in der Tumorchirurgie allgemein, wird auch in der

Mammachirurgie zwischen gut- und bösartigen Tumoren unterschieden. Das Mammakarzinom ist der häufigste bösartige

Tumor der Frau und betrifft etwa jede 10. Frau in Deutschland, der häufigste gutartige Tumor ist das Fibroadenom.

>>Jeder Knoten in der Brust ist abklärungsbedürftig.


Eine Entzündung der Brust wird Mastitis genannt, besteht

ein Spannungsschmerz der Brüste sprechen wir von einer

Mastodynie.

j

jDiagnostik


Wichtigste Grundlage der Mammadiagnostik ist die regelmäßige durch die Frau selbst durchgeführte Tastuntersuchung. Als Basisdiagnostik oder als Abklärungsmöglichkeit

können diagnostische Röntgenuntersuchungen durchgeführt

werden.

Die Mammographie als Röntgenuntersuchung der Brustdrüse wird empfohlen als eine Basismammographie zwischen

dem 30.–35. Lebensjahr und auf jeden Fall zur Abklärung

eines Tastbefundes. Ab dem 50. Lebensjahr ist ein Mammographiescreening im 2-jährigen Rhythmus empfohlen. Bestimmte Kriterien sind hier malignitätsverdächtig, z. B.

­Mikrokalk und sternförmige Verdichtungen. Mammographisch verdächtige Bezirke, die sonst nicht sichtbar sind,

­können über die Untersuchung markiert werden (draht­

nadelmarkiert), das erleichtert die operative Auffindung. Das

entnommene Präparat kann dann nochmals geröntgt werden,

um zu zeigen, dass die verdächtigen Bezirke wirklich ent­

halten sind.

Als Ergänzung der Mammographie gilt die Sonographie,

die eine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen soliden und

zystischen Prozessen erlaubt. Auch hier sind einige Phänomene malignitätsverdächtig, z. B. unscharfe Tumorbegrenzung,

durchblutete Binnenstrukturen etc. Nicht tastbareTumoren,

die aber sonographisch sichtbar sind, können zur besseren

Auffindung präoperativ unter sonographischer Kontrolle mit

einem Draht markiert werden.

Bei einer Sekretion aus der Mamille wird radiologisch

eine Milchgangdarstellung, die Galaktographie mit Kontrastmittel vorgenommen. Das Kontrastmittel wird in den

Milchgang injiziert.

Ein Zellabstrich des Mamillensekrets kann den Nachweis

von bösartigen Zellen erbringen (Zytologie). Das dafür notwendige Sekret kann auch durch Feinnadelpunktion gewonnen werden.

Bei der Stanzbiopsie wird unter sonographischer Kon­

trolle nach einer kleinen Hautinzision aus dem Tumor gezielt

durch eine Hochgeschwindigkeitsnadel ein Gewebeteil ausgestanzt. Die Stanzbiopsie dient der diagnostischen Abklärung, um einerseits eine bessere OP-Planung mit der Patientin zu erzielen, andererseits der Patientin während der Operation verlängerte Narkosen durch das Warten auf das

Schnellschnittergebnis zu ersparen.


11


318


Kapitel 11 · Gynäkologie, geburtshilfliche Operationen und M

­ ammachirurgie


Oncotype DX ist ein diagnostischer Gentest für Pa­

tientinnen, die an frühem und hormonrezeptorpositivem

Brustkrebs erkrankt sind. Er untersucht die Eigenschaft und

Aktivität von insgesamt 21 Genen in Gewebeproben eines

Brustkrebstumors und hilft damit, diejenigen Patientinnen,

die von einer begleitenden Chemotherapie profitieren können von denjenigen Patientinnen, denen diese nebenwirkungsreiche Therapie erspart werden kann, zu unterscheiden.


SentinelLk


j

jSentinel-Lymphknoten

Die Markierung des Wächterlymphknotens (sentinel node)


11


kann bei kleinen Mammakarzinomen die selektive (ausgewählte) Entfernung des Wächterlymphknotens erleichtern,

denn diese kann ausreichend sein. Der Wächterlymphknoten

ist der erste Lymphknoten im Lymphabfluss eines Mammakarzinoms mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für einen

Befall mit bösartigen Zellen. Hierzu muss der Lymphknoten

vor der Operation radioaktiv markiert werden. Dazu wird

eine radioaktive Substanz, Technetium, unter die Haut der

betroffenen Brust, perimamillär (um die Brustwarze herum),

injiziert. Diese reichert sich im Wächterlymphknoten an,

sodass dieser bei der Operation mittels einer Gamma­

­

sonde identifiziert werden kann. Zusätzlich kann auf die

gleiche Weise auch eine Farbmarkierung des Lymphknotens

mit ­Patentblau erfolgen. Der so markierte Wächterlymph­

knoten kann dann mit nur kleinem Hautschnitt entfernt

werden und zur Schnellschnittuntersuchung gegeben werden

(. Abb. 11.8).


>>Alle Histologiegefäße müssen bei Einsatz von radio­


aktivem Technetium mit einem Aufkleber der Nuklearmedizin versehen werden!


Ist der Lymphknoten frei von Tumorzellen, kann auf eine axilläre Lymphadenektomie (Entfernung aller Lymphknoten aus

der Achselhöhle, bis zu ca. 15 Stück) verzichtet werden. Ist der

Wächterlymphknoten jedoch befallen oder das Mammakarzinom sehr groß, muss die axilläre Lymphknotenentfernung

erfolgen.

Als Besonderheit kommt es vor, dass es mehr als einen

Wächterlymphknoten gibt oder er nicht markiert werden

kann.

Vorausetzung für die Assistenz bei Operationen, für die

die Patientin mit Technetium markiert wurde, ist eine Unterweisung im Strahlenschutz (7 Abschn. 2.9.2, 2.9.10). Das

Überwachen der Freisetzung von radioaktiven Stoffen ist eine

weitere Besonderheit dieser Operationen.

>>Zu den Aufgaben der operationstechnischen Assistenten


gehört die Messung der radioaktiven Verunreinigung

(Kontamination) des OP-Saals nach der Operation.


Mit einem Geigerzähler werden nach einem festgelegten

Plan verschiedene Geräte (z. B. OP-Tisch) und Oberflächen

(z. B. Fußboden) überprüft. Wir sind verpflichtet, die Messergebnisse in einem Protokoll zu dokumentieren. Sollte sich

die noch vorhandene Strahlung nicht im Normbereich be­

finden, muss eine gesonderte Entsorgung aller Materialien

erfolgen.


Injektionsort


..Abb. 11.8 Darstellung des Sentinel-Lymphknotens. Aus: Wacker J,

Sillem M, Bastert G, Beckmann MW (2013) Therapiehandbuch Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg New York


11.3.2


Gutartige Tumoren


Gutartige Umbauvorgänge sind die Fibroadenome, das

Milchgangpapillom und die Mastopathie.


Fibroadenome

Fibroadenome sind gutartige tumorartige Neubildungen der

Brustdrüse, die einzeln oder in Mehrzahl in einer oder beiden

Brüsten auftreten und meist Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter betreffen. Es handelt sich um meist 1–2 cm große, schmerzlose, verschiebliche Knoten von gummiartiger

oder fester Konsistenz, die häufig im Rahmen von Tastuntersuchungen oder in der Mammographie festgestellt werden.

Die Läsion zeigt ein begrenztes Wachstum und mit fortschreitendem Alter nicht selten auch eine spontane Rückbildungstendenz. Der Übergang des Fibroadenoms in einen bösartigen Tumor gilt als außerordentlich selten, deshalb gilt eine

chirurgische Therapie bei Patientinnen, die keine Symptome

haben bei einer abgesicherten Diagnose als nicht erforderlich.

Ist die Diagnose jedoch nicht abzusichern oder ist die Geschwulst kosmetisch störend oder psychisch belastend kann

eine operative Entfernung angezeigt sein. Nach einer chirurgischen Entfernung des Herdbefunds kommt es gewöhnlich

nicht zu Rezidiven.

Die meisten Fibroadenome werden heute nicht mehr offen chirurgisch, sondern per Vakuum oder Stanzbiopsie entfernt. Dies verhindert eine ausgeprägte Narbenbildung, die

für die mammographische Diagnostik störend ist.

Eine Variante des Krankheitsbildes ist das juvenile Fibro­

adenom. Hier handelt es sich um ein im Jugendalter auftretendes Fibroadenome mit teilweise raschem Wachstum. Es

kann eine Größe von 15–20 cm erreichen und geht häufig mit

einer Deformierung der Brust einher. Das biologische Verhalten dieser Läsion unterscheidet sich jedoch ansonsten nicht

vom gewöhnlichen Fibroadenom.


319

11.3 · Mammachirurgie


Intraduktales Papillom

Das Milchgangpapillom (intraduktales Papillom) ist eine

gutartige, blumenkohlartige Wucherung der Innenhaut der

Milchgänge. Es ist meist in den großen Milchausführgängen

in der Nähe der Brustwarze zu finden, kommt aber auch in

den kleineren Milchgängen vor. Papillome treten gelegentlich

bereits im jugendlichen Alter auf, haben ihren Altersgipfel

aber zwischen 40–50 Jahren. Milchgangpapillome können

einzeln oder multipel (zu mehreren) auftreten und können

mit einem blutigen oder serösen Ausfluss aus den Brustwarzen verbunden sein. Für die Diagnosestellung wird diese

abgesonderte Flüssigkeit unter dem Mikroskop auf Blut und

entartete Zellen untersucht. Über eine Mammographie und

Sonographie kann das Ausmaß und die Lage der Geschwulst

ermittelt werden.

Neben der konventionellen Mammographie beider

­Brüste ist die Galaktographie des/der betroffenen Milch­

gangs/-gänge hilfreich und für die Operationsplanung

­sinnvoll. Eine weitere Methode ist die Milchgangspiegelung

(Duktoskopie).

Wenn vermehrt intraduktale (innerhalb des Milchgangs)

Papillome auftreten und deren Zellen einen bestimmten Grad

der Veränderung aufweisen, ist das Risiko für ein duktales

Carzinoma in situ oder ein Milchgangkarzinom der Brust

erhöht. Deshalb sollte in regelmäßigen 

No comments:

Post a Comment

اكتب تعليق حول الموضوع