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coinad

4/13/26

 Trainingsmaßnahmen kombiniert werden. Zu den Bausteinen von Verhaltensprävention zählen u. a.:

44Kommunikationstraining,

44Konfliktmanagement,

44Ärgerbewältigungstraining (soziales Fertigkeitstraining,

Desensibilisierungsverfahren und kognitive Neu- bzw.

Umbewertung),

44Zeitmanagement,

44Schulungen zu gesunder Lebensweise (Bewegung,

­Ernährung, Genuss- und Suchtmittel),

44Entspannungstraining (Yoga, progressive Muskel­

entspannung nach Jakobsen, Mediation).

24.2.2


Verhältnisprävention


Diese Maßnahmen zielen auf eine verbesserte Arbeitsorganisation hin. Diese bedingen Veränderungen in der Aufbauund Ablauforganisation an. Ein Großteil des Ärgers wird

durch die vorhandenen Strukturen in den Kliniken und Operationsabteilungen mitverursacht. Maßnahmen der Verhältnisprävention im OP beinhalten:

44Reorganisation der OP-Abteilung und Einrichtung eines

OP-Managements,

44verantwortlicher hauptamtlicher OP-Manager,

44standardisierte OP-Planung,

44Neukonzeptionierung der Dienst- und Bereitschaftsdienstzeiten,

44regelmäßige Supervisionsangebote,

44Einrichtung von Gesundheits- und Qualitätszirkeln,

44professionelle Personalentwicklung und Qualifizierungskonzepte.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 24


55 Welche Bedeutung hat die nonverbale Kommunika­

tion in einer Operationsabteilung?

55 Welche Fragetechniken verwenden Sie in Beratungsgesprächen mit Patienten und Angehörigen?

55 Wieso führt die jeweilige konstruierte Wirklichkeit

von zwei oder mehreren Gesprächspartnern häufig

zu Konflikten?

55 Welche Ebene im Vier-Schnäbel/Ohren-Modell

von Schulz von Thun führt durch Betonung der Gesprächspartner häufig zu Missverständnissen?

55 Welche Bedeutung hat das Johary-Fenster für die

Ausbildung?


24


524


Kapitel 24 · Kommunizieren, beraten und anleiten


Literatur


24


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www.artec.unibremen.de/files/papers/paper_173a.pdf. Letzter

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der Funktionspflege im OP-Bereich. Fachhochschule Frankfurt am

Main

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der Funktionspflege im OP-Bereich. Fachhochschule Frankfurt am

Main

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Arbeitsbedingungen und Gesundheit von Pflegenden in Einrichtungen der stationären Krankenpflege in Deutschland vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Gesundheitssystems. Hamburg.

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Gesprächspsychotherapie, 22. Aufl. Fischer, Frankfurt Main

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Watzlawick P, Beavin J, Jackson D (2003) Menschliche Kommunikation.

Formen, Störungen, Paradoxien, 10. Aufl. Hans Huber, Bern

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http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html

http://www.schulz-von-thun.de

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/

http://www.carlrogers.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Fragetechnik


525


Berufliches Selbstverständnis

Heike Richter, Ralf Neiheiser, Olaf Schenk, Judith Schädler, Gert Liehn, Chris Wolf


25.1


Berufsbild OTA


– 526


25.1.1

25.1.2

25.1.3


Geschichte des OTA-Berufes in Deutschland – 526

Rechtsstellung der OTA – 527

Vergleichbare Ausbildungen im Ausland   – 528


25.2


Der Mensch im sozialen Beruf


25.2.1

25.2.2

25.2.3


Rollenselbstbild – 528

Burnout-Syndrom – 529

Medikamentenmissbrauch


25.3


Ethik


25.3.1

25.3.2


Normative Vorgaben durch den ­Gesetzgeber (die Gesellschaft)

Ethik in der Praxis – 534


25.4


Gesetzeskunde


25.4.1


Tod eines Patienten


– 536


25.5


Sterben und Tod


– 538


25.5.1

25.5.2

25.5.3

25.5.4


Sterbephasen – 538

Versorgung Sterbender auf der Intensivstation

Tod und Todeszeichen – 538

Klinisches Ethikkomitee – 539


25.6


Sterbende begleiten


25.6.1

25.6.2

25.6.3

25.6.4

25.6.5

25.6.6

25.6.7

25.6.8

25.6.9


Sterben – 539

Gesellschaftliche und kulturelle ­Einstellung zum Thema – 540

Angst vor dem Tod und vor dem Sterben – 540

Erleben des Sterbenden – 540

Gesprächsführung mit Sterbenden und deren Angehörigen – 541

Professionelle Begleitung im klinischen Umfeld – 542

Trauerarbeit – 542

Hilfe zur Selbsthilfe – 542

Berufsethische Fragen – 542


– 528


– 530


– 530


Literatur


– 533


– 536


– 538


– 539


– 543


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_25


25


Kapitel 25 · Berufliches Selbstverständnis


526


25


Lernziele

55 Die Auszubildenden können den OTA-Beruf in seiner

­Eigenständigkeit verstehen.

55 Auf der Grundlage dieses Verständnisses entwickeln sie

das Interesse und die Fähigkeit, entsprechend zu handeln und den Beruf aktiv weiterzuentwickeln.

55 Sie sind in der Lage, mit der Teilnahme an geeigneten

Maßnahmen der beruflichen Fort- und Weiterbildung auf

veränderte berufliche Anforderungen zu reagieren.

55 Sie unterscheiden die Aufgaben und Wirkungsmöglichkeiten von Berufsverbänden, Berufsorganisationen und

Gewerkschaften und können die Bedeutung dieser

­Organisationen für die Entwicklung ihres Berufes einschätzen.


25.1


Berufsbild OTA1


Heike Richter, Ralf Neiheiser


Operationstechnische Assistenten (OTA) sind in der Regel in

den Krankenhäusern, in Kliniken und chirurgischen Gemeinschaftspraxen tätig. Dort können sie aufgrund ihrer

Vielfältigkeit in den unterschiedlichen Abteilungen eingesetzt

werden. Vorwiegend sind dies natürlich operative Zentren,

aber auch Abteilungen wie die Endoskopie, die ZSVA, Notfallambulanzen und Rettungsstellen sowie Zentren für ambulantes Operieren sind möglich. In der Regel sind OTA nach

der Ausbildung in den Operationszentren der Krankenhäuser

anzutreffen.

OTA sind in erster Linie Teil des OP-Teams und betreuen

die Patienten während ihres gesamten OP-Aufenthalts. Sie

stellen präoperativ alle benötigten medizinischen Geräte bereit, kontrollieren das Instrumentarium und Medizinprodukte auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit und instrumentieren

dem verantwortlichen Operateur und dessen Assistenten

während der gesamten Operation.

Ein weiteres zentrales Aufgabengebiet im Operationsbereich ist die Arbeit des sog. unsterilen Saaldienstes, besser

bekannt unter der Bezeichnung «Springertätigkeit». Hier sind

die OTAs für den reibungslosen Ablauf rund um die stattfindende Operation zuständig, indem sie durch rasche Auffassungsgabe das OP-Team vorausschauend bestmöglich unterstützen. Sie beobachten das OP-Geschehen und stellen rechtzeitig die zusätzlich benötigten Materialien und Geräte zur

Verfügung, wie z. B. Kompressen, Tupfer, Nahtmaterial, Verbandmaterial, Sauger, Sonden etc. So sorgen die Springer für

eine zielführende Arbeitsatmosphäre, die v. a. geprägt ist

durch Übersicht, Konzentration und Schnelligkeit. Ebenso

sind die Springer mit verantwortlich dafür, dass die Hygienevorschriften aller Beteiligten eingehalten werden.

>>Die Springertätigkeit ist eine sehr verantwortungsvolle


Tätigkeit, die eine hohe Fach- und Sozialkenntnis voraussetzt.

1


Vgl. Berufsbild Deutscher OTA-Schulträgerverband e.V., www.dosv.de


Die Karrieremöglichkeiten von OTA nach der Ausbildung

sind vielfältig. Es können u. a. folgende Weiterbildungsangebote wahrgenommen werden:

44Qualifizierung zum Praxisanleiter,

44Weiterbildung zum Chirurgischen Assistent,

44Weiterbildung zur Leitung einer OP-Abteilung im

­mittleren Management,

44OP-Manager.

Hochschulstudium zum:


44Bachelor of Science in Physician Assistant,

44Bachelor of Arts in Business Administration,

44Pädagogische Hochschulabschlüsse (z. B. Medizin­

pädagogik) zur Leitung von OTA-Schulen.


25.1.1


Geschichte des OTA-Berufes

in Deutschland


Das Berufsbild der Operationstechnischen Assistenz begann

Ende der 1980-er Jahre in Nordrhein Westfalen (NRW). Obwohl es das Berufsbild seit nunmehr über 25 Jahren in

Deutschland gibt, spricht man im Gesundheitswesen ausgehend von der Krankenpflege, die es seit dem 19. Jahrhundert

gibt, von einer relativ jungen Ausbildung.

Vertreter von unterschiedlichen Pflegeverbänden waren

es auch, die Anfang der 1990-er Jahre den a OTA-Beruf überwiegend kritisch gesehen haben. Aufgrund von Fachkräftemangel im OP (durch die Fachweiterbildung für den Ope­

rationsdienst konnte der Ersatzbedarf an Fachkräften bei

Weitem nicht abgedeckt werden) gab es in NRW einen Versorgungsengpass; Operationen konnten nicht planmäßig

durchgeführt werden.

Das ATEGRIS-Krankenhaus Mülheim an der Ruhr (damals Evangelisches Krankenhaus) war das erste Krankenhaus

in Deutschland, das den klassischen Weg der OP-Fachweiterbildung umging, indem es OTA direkt durch Erstausbildung

zunächst in zwei Jahren mit anschließendem Anerkennungsjahr für den Operationsdienst qualifizierten. Dass dies nicht

nur Zustimmung im Bereich der Krankenpflege fand, ist naheliegend. Da die Mülheimer sich an den Konzepten der Niederlande und der Schweiz orientierten (man entschied sich

für das Schweizer Modell), ist es verständlich und nachvollziehbar, dass sie sich für das Schweizer 2-plus-1-Modell

(2 Jahre Ausbildung und 1 Jahr Anerkennungsjahr) entschieden. Hartnäckig hielt sich von Kritikern der OTA-Ausbildung

der Standpunkt, es handle sich um eine «Schmalspurausbildung» und als «Beruf ohne Perspektive» und «die fachliche

Immobilität durch die Konzentration auf den OP führe zum

Sackgassenberuf». Die OTA haben sich jedoch davon nicht

beirren lassen, hatten sie sich doch für einen zukunftssicheren

Job entschieden.

1992 begannen weitere zwei Krankenhäuser in NRW mit

der Ausbildung zum OTA. Es waren die damaligen städtischen Kliniken Köln (heute Kliniken der Stadt Köln GmbH)

und das Evangelische Krankenhaus Bethesda in Mönchengladbach, die gemeinsam mit den Mülheimern einheitliche


527

25.1 · Berufsbild OTA


Richtlinien zur Ausbildung von OTA erarbeiteten. Schnell

war man sich einig, dass man das Krankenpflegegesetz als

Orientierung der strukturellen und organisatorischen Ausgestaltung wählen sollte und somit die Ausbildungsdauer auf

drei Jahre erhöhen musste.

1992 wurde aus diesem Kreis auch der OTA-Schulträgerverband gegründet, damals schon ein Zusammenschluss von

Trägern von Ausbildungsstätten mit Sitz in Mülheim an der

Ruhr. Hauptziel war und ist es auch heute noch, die Ausbildung und das Berufsbild der OTA zu fördern und weiterzuentwickeln.

1994 gründeten die Lehrkräfte der bestehenden OTASchulen eine Arbeitsgruppe mit dem Namen GEKA-OTA

(Gemeinschaft zur Erarbeitung von Richtlinien für die Ausbildung von Operationstechnischen Assistenten), dessen

Vorsitz die Mitautorin dieses Beitrags innehatte. Ziel war es,

den OTA-Beruf zunächst in NRW zu etablieren, einheitliche

Ausbildungskonzepte zu erarbeiten, Prüfungsfragen zu erstellen und Öffentlichkeitsarbeitzu betreiben.

Schritt für Schritt kamen weitere Interessierte hinzu, die

sich über dieses neue Berufsbild informieren wollten. Folgerichtig wurden weitere OTA-Schulen gegründet (1995 das

Bildungszentrum Wesel, später das Städtische Klinikum

­Solingen, Alfred-Krupp-Krankenhaus Essen, St. AntoniusKrankenhaus Eschweiler etc.) und schließlich auch OTASchulen in anderen Bundesländern (Niedersachsen, BadenWürttemberg und Bayern).

1996 wurde seitens der Deutschen Krankenhausgesellschaft (Dachorganisation der Krankenhäuser in Deutschland,

damals noch mit Sitz in Düsseldorf) die erste OTA-Arbeitsgruppe gegründet. Ziel war es, eine bundesweite, einheitliche

Richtlinie für die Ausbildung der Operationstechnischen Assistenten zu erarbeiten, solange keine bundesweite oder landesrechtliche Regelung vorlag. In diesem Zuge wurde die

GEKA-OTA aufgelöst und in den OTA-Schulträgerverband

integriert.

Am 26.06.1996 wurde die erste «Ausbildungsrichtlinie

für die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin/

zum Operationstechnischen Assistenten» durch die DKG

verabschiedet.

Am 31.03.2004 fand die erste Überarbeitung und Aktualisierung u. a. auch aufgrund der Änderung des Krankenpflegegesetzes von 2003 statt. Auch wurde dem wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt Rechnung getragen, um

weiterhin eine aktuelle und moderne Ausbildung gewährliesten zu können.

Am 19.09.2007 fand erneut eine Überarbeitung der Ausbildungsrichtlinie statt. Im Mittelpunkt stand dabei die Gestaltung des Ausbildungsverhältnisses. Ausschlaggebend

hierfür war ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin/Brandenburg vom Januar 2007, wonach die Probezeit maximal

4 Monate dauern darf (LarbG-Az: 18 Sa 1600/06).

Am 20.09.2011 wurde die Richtlinie erneut verändert

und aktualisiert. Es fand eine Ergänzung um das Berufsbild

der Anästhesietechnischen Assistenz statt. Seitdem besteht

die Möglichkeit, beide Ausbildungen integrativ und kombiniert (OTA/ATA) anzubieten, da es sehr viele Gemeinsamkei-


ten gibt, die auch gemeinsam unterrichtet werden können

(sog. «Common Trunk»). Zusätzlich fand eine Überführung

der Unterrichtsfächer in die modernen Lernbereiche und

Lerneinheiten statt.

Am 17.09.2013 kam es bis dato zur letzten Änderung und

Aktualisierung der Richtlinie. Ein Schwerpunkt der Ergänzung war, Bewerberinnen und Bewerber aus anderen euro­

päischen Ländern, sog. Drittstaaten, eine Anerkennung als

OTA bzw. ATA dezidierter zu ermöglichen.

Heute (2018) haben sich OTA-Schulen in allen Bundesländern etabliert. So gibt es derzeit 120 OTA-Schulen mit ca.

2.200 Ausbildungsplätzenmit ca. 600 angeschlossenen Krankenhäusern, die über die DKG anerkannt sind.

Der OTA-Schulträgerverband wurde 2011 ein eingetragener Verein mit neuem Namen «Deutscher OTA-Schulträgerverband e.V.» (DOSV) mit Sitz in Essen. Die Mitautorin ist

seit 1994 Mitglied im Schulträgerverband und seit 1995 Mitglied in dessen Vorstand. Der DOSV ist ein innovativer Verband, der im engen Austausch mit staatlichen und politischen

Stellen steht. Er pflegt Kontakt zu anderen Institutionen des

Gesundheitswesens – die Mitglieder des Vorstands sind in

zahlreichen, Arbeitskreisen und Gremien der Gesundheitspolitik vertreten.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat im

Jahr 2012 aus dem Fachbeirat «Weiterentwicklung der Heilberufe» heraus ein Expertengremium zur Vorbereitung einer

gesetzlichen Grundlage für den Beruf der Operationstechnischen Assistentin/des Operationstechnischen Assistenten

(OTA) sowie für den Beruf der Anästhesietechnischen Assistentin/des Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) einberufen. Die Federführung in diesem Expertengremium, das im

Jahr 2012 insgesamt sechsmal getagt hat, obliegt der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Die Vorschläge des

Expertengremiums werden dann die Basis für den vom BMG

zu erarbeitenden Referentenentwurf für ein OTA- und ATAGesetz bilden. Das BMG strebt die Vorlage eines OTA- und

ATA-Gesetzes in dieser nächsten Legislaturperiode (2017–

2021) prioritär an.

25.1.2


Rechtsstellung der OTA


Die Frage, ob es sich bezüglich der OTA-Ausbildung um einen Heilberuf handelt und somit bei einer bundeseinheitlichen Regelung zu einer Ausbildungsfinanzierung über das

Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) geregelt werden

könnte (dies würde für die Krankenhäuser eine große Entlastung bedeuten), wurde schon 2003 im Rechtsgutachten im

Auftrag des Deutschen OTA-Schulträgerverband e.V. eindeutig beantwortet. Dort heißt es (Böhme 2003):


»» Die OTA-Tätigkeit ist als Berufsbild überwiegend mit den


Aufgabenbereichen der OP-Pflege, der Endoskopie-Pflege, dem Tätigkeitsbereich von Pflegekräften in Ambulanzen und in der Sterilisation identisch. Demzufolge handelt es sich eindeutig um einen anderen Heilberuf, der

erhebliche Anforderungen theoretischer und vor allem

auch praktischer Art voraussetzt.


25


Kapitel 25 · Berufliches Selbstverständnis


528


25


Das Berufsbild der OTA ist in jedem Fall zukunftsfähig

und benötigt dringend die staatliche Anerkennung. Gestützt

wurde diese Auffassung im Übrigen auch durch das Votum

der 79. Gesundheitsministerkonferenz vom 20./21.06.2006 in

Dessau, in der einstimmig beschlossen wurde (http://www.

gmkonline.de/_beschluesse/Protokoll_79-GMK.pdf):


»» Die Gesundheitsministerkonferenz sieht Handlungsbe-


darf für eine Ausbildungsregelung der Operationstechnischen Assistenz als Gesundheitsberuf auf der Grundlage

des Art. 74 Nr. 19 GG und bittet die Bundesgesundheitsministerin, die notwendigen Schritte für eine bundesrechtliche Regelung des Berufsbildes einzuleiten und zeitnah einen Referentenentwurf zu erarbeiten. Die Finanzierung nach dem KHG ist sicherzustellen.


Ergänzend ist an dieser Stelle hinzuweisen, dass es mittler­

weile in drei Bundesländern (Schleswig-Holstein, Thüringen,

Sachsen-Anhalt) landesrechtliche Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen gibt, die durch die vorgenannte bundeseinheitliche Ausbildungsregelung hinfällig würden.

25.1.3


Vergleichbare Ausbildungen

im Ausland 2


Schaut man über die nationalen Grenzen Deutschlands hinweg, so erkennt man seit geraumer Zeit den Trend, dass ärztliche Tätigkeiten auf den nichtärztlichen Bereich übertragen

werden. Insbesondere in den USA etablierte sich schon in den

1960-erJahre dort das Berufsbild des «Physician Assistant».

Dieser arbeitet eigenständig, wird nicht ärztlich «überwacht»

und übernimmt u. a. Aufgaben im operativen Bereich und im

Bereich der Notfallaufnahme.

Mittlerweile hat sich in USA ein neues Berufsbild etabliert

- das Studium zur «Midlevel Provider». Hier absolvieren die

Studenten kein vollständiges Medizinstudium, arbeiten aber

weitgehend selbstständig. Unter dem Begriff «Midlevel Provider» werden in den USA auch die Berufe Nurse Practitioner

(NP), Physician Assistant (PA) und Surgical Assistant (SA)

und der Certified Registered Nurse Anesthesist (CRNA) gefasst. Alle Studiengänge sind Bachelorstudiengänge und

­dauern mindestens 22 Monate.

In England hat sich das Berufsbild des «Surgical Care

Practioner» (SCP) etabliert, dessen Tätigkeiten arztunterstützend sind, aber auch hierarchisch dem ärztlichen Dienst zugeordnet sind. Es handelt sich nicht um eine universitäre Ausbildung, wird aber an den Hochschulen vermittelt.

Zusätzlich werden in England sog. «Operating Department Practitioners» (ODP) ausgebildet, die der Pflege zugehörig sind. Sie arbeiten im Bereich der Anästhesie als «Anesthetic Assistant», im Bereich des OPs als «Scrub Nurse» und

im Aufwachraum oder in der Holding area als «Recovery

Nurse».

2


Vgl. DKI (2009) Weiterentwicklung der nicht ärztlichen Heilberufe

am Beispiel der technischen Assistenzberufe im Gesundheitswesen. Seite 146ff. Düsseldorf


In der Schweiz werden seit 1980 Technische Opera­

tionsassistenten (TOA) ausgebildet. Heute nennen sie sich

dipl. Fachfrau-/mann Operationstechnik HF (www.sbvtoa.

ch) und werden über die kantonale Gesetzgebung anerkannt.

Die Ausbildung findet an höheren Fachschulen statt.

In den Niederlanden hat sich seit 1970 das Berufsbild und

die Ausbildung des «Operatieassistent» (OA) etabliert. Krankenpflegepersonal im Operationsdienst ist in den Niederlanden so gut wie nicht zu finden. Mit ca. 98% stellen OA dort

die Fachkräftequote und organisieren sich im Berufsverband.

Interessant ist auch, dass diese Ausbildung einen viel höheren praktischen Anteil aufweist, als z. B. die Ausbildungen in

Deutschland und in der Schweiz. Die Amstel Academy beginnt

mit einer theoretischen Einführung von vier Monaten und

dann beginnt die praktische Ausbildung (Amstel Academy,

Amsterdam) mit einem Training vor Ort im Krankenhaus.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 25.1


55 Erläutern Sie die Entwicklung des Berufsbildes OTA

in Deutschland.

55 Was ist Ihrer Meinung nach der Grund, warum das

Berufsbild OTA in Deutschland so lange zur bundeseinheitlichen, staatlichen Anerkennung braucht?

55 Nennen Sie Karrieremöglichkeiten nach Abschluss

der Ausbildung zur OTA.


25.2


Der Mensch im sozialen Beruf


Heike Richter

Lernziele

55 Die Auszubildenden erwerben die Kenntnisse und

­Fähigkeiten, die eigene Gesundheit zu erhalten und zu

fördern.

55 Sie beurteilen/reflektieren ihre persönliche berufliche

­Situation als OTAs und sind in der Lage, psychische und

physische Belastungen zu bewältigen.


25.2.1


Rollenselbstbild


Jedes Individuum ist Träger von unterschiedlichen Rollen

und Aufgaben. Das Wort «Rolle» könnte in diesem Zusammenhang aber auch geradewegs falsch verstanden werden,

könnte es sich doch um eine nicht realistische Aufgabe halten,

wenn wir den Begriff «Rolle» direkt mit «Schauspiel» in Verbindung setzen. Laut Duden werden unter dem Begriff

­«Rolle» unterschiedliche Definitionen aufgeführt. Zwei von

ihnen betrachten wir näher:

44«von einem Schauspieler zu verkörpernde Gestalt» und

44 «Stellung, (erwartetes) Verhalten innerhalb der Gesellschaft».

Geschickter wäre es, wenn wir in diesem Zusammenhang von

unterschiedlichen «Ämtern» sprechen würden, die uns im

Laufe des Lebens zugewiesen werden. Denn aus Ämtern

könnte man bei Nichterfüllung evtl. leichter heraustreten als

aus den uns zugewiesenen Rollen.


529

25.2 · Der Mensch im sozialen Beruf


Ausbildungsstätte


Umfang der übernommenen Rolle ist, desto eher zeigt sich

auch der Konflikt (7 Abschn. 26.1).

Auch die OTA steht in diesem Spannungsfeld unterschiedlicher Rollen und Aufgaben (. Abb. 25.1).

Das soziale Umfeld zwingt uns, unsere Rollen einzuhalten. Bei Verletzung der Erwartungen reagiert die Gesellschaft

mit Sanktionen. Das «aus-der-Rolle-fallen» kann mitunter

auch zum sozialen Ausschluss führen.


Kollegen

OTA


Freundeskreis


Familie


25.2.2


..Abb. 25.1


Spannungsfeld unterschiedlicher Rollen und Aufgaben


Doch die allgemein gültige Literatur spricht von unterschiedlichen Rollenbildern und Rollenveränderungen als ein

Bindeglied zwischen Individuen und Gruppen (Siegrist

2005). Aus der Tatsache heraus, dass Rollen sich überlagern

können, sind Störungen entsprechend vorprogrammiert. Unterschiedliche Rollen können sein:

44Geschlechterrollen,

44Familie (Mutter und gleichzeitig auch Tochter und

­Ehefrau),

44Sport (Teammitglied und Teamführer),

44Beruf (Vorgesetzte und Freundin) etc.

Wenn unterschiedliche und widersprüchliche Erwartungen

aufeinander treffen, kommt es zu Konflikten. Je größer der

..Abb. 25.2 Symptome des Burnout-Syndroms nach dem Maslach- und Copenhagen

Burnout-Inventory (MBI und CBI)


Burnout-Syndrom


Die Burnout-Raten in Deutschland steigen in allen Berufsgruppen rasant an. Grund dafür ist der immer höher werdende Arbeitsdruck, verbunden mit der Angst, den Job zu ver­

lieren. Mittlerweile ist bekannt, dass insbesondere in den

Gesundheitsfachberufen eine große Gefährdung besteht, an

einem Burnout (s. a. 7 Abschn. 24.2) zu erkranken. Hier wird

der Umgang mit psychischen und physischen Belastungen

vorausgesetzt. Die immer höher werdende Arbeitsverdichtung führt zum Zusammenbruch.

Der Versuch einer Definition lässt erkennen, dass hier

mehrere Einflussfaktoren zusammenfließen. Der Mensch

fühlt sich physisch, psychisch und emotional erschöpft und

sein produktives Leistungsvermögen ist enorm gesunken.

Die Symptome sind Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression, Schlafstörungen in der Nacht und entsprechender

Müdigkeit am Tage, Desinteresse oder sogar Nervenzusammenbruch (. Abb. 25.2). Es handelt sich um eine Erschöpfung, die bei jeder Tätigkeit auftauchen kann.


Dimension


Symptom


Beispiel


– Emotionale

Erschöpfung


– Reizbarkeit


– Persönlicher

Burnout


– Antriebsschwäche


– »Ich fühle mich

auf der Arbeit

völlig

ausgebrannt! Es

macht mir keinen

Spaß mehr!«


Symptom


Beispiel


Dimension


– Anspannung


– Depersonalisierung


– Gleichgültigkeit


– Patientenbezogener

Burnout


– Zynismus


Dimension


– Distanz


Symptom


– Erleben von

Misserfolg


– Sinnentleerung


– Aufgabenbezogener

Burnout


– Hyperaktivität


– Unwirksamkeit


– »Es fällt mir schwer,

mich auf jeden

neuen Patienten

einzustellen!«


Beispiel

– »Ich habe immer

weniger das Gefühl,

dass ich durch meine

Arbeit jemanden

helfe!«


25


Kapitel 25 · Berufliches Selbstverständnis


530


25


Die Therapie zur Burnout-Bekämpfung ist sehr unterschiedlich und sehr individuell. Meist besteht sie jedoch aus

einer Form der Psychotherapie. Der erste Schritt des Patienten ist es, dass er seine Erkrankung akzeptiert und die Hilfe

von außen annehmen will.

j

jTherapie Burnout


Da lange Zeit für die Patienten mit der Burnout-Diagnose nur

die Arbeit im Vordergrund stand, müssen nun neue Modelle

gefunden und entwickelt werden, die dem Patienten langfristig wieder Freude am Leben bereiten. Erst wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, kann auch wieder über eine Arbeitsaufnahme nachgedacht werden.

Von einer Medikamenteneinnahme wird prinzipiell abgeraten. Sollten die Symptome (z. B. Schlafstörungen und Depressionen) allerdings so ausgeprägt sein, kann eine kurzfristige medikamentöse Therapie helfen, allerdings ist die Gefahr

der Abhängigkeit sehr groß.

25.2.3


Medikamentenmissbrauch


Medikamentenmissbrauch ist in Deutschland weit verbreitet.

So geht man schätzungsweise davon aus, dass ca. 1,4–1,9 Mio.

der Erwachsenenbevölkerung medikamentenabhängig sind3.

Das Personal in deutschen Krankenhäusern arbeitet unter

extremer und zunehmender Arbeitsverdichtung. Insbesondere das OP-Personal bekommt dies zu spüren. Immer kürzere Wechselzeiten, Erhöhung der Fallzahlen, chronischer

Personalmangel, Überstunden, unregelmäßige Pausenregelung sind nur einige Auslöser, die zu Konzentrations- und

Schlafstörungen führen können.

Um diesen Herausforderungen zu entgegnen, greifen einige Mitarbeiter zu Medikamenten, um weiterhin leistungsfähig und konzentriert zu sein. Medikamente, die zur Abhängigkeit führen können, sind: Schlafmittel, Aufputschmittel,

Schmerzmittel, Nasentropfen. Die Betroffenen fühlen sich

nach Einnahme der Medikamente besser und reden sich ein,

die Kontrolle zu behalten und jederzeit in Lage zu sein, die

Medikamente wieder absetzen zu können. Fakt ist aber, dass

sie die Dosis erhöhen müssen, um die gleiche Wirkung zu

erzielen.

Der Medikamentenmissbrauch bleibt in der Regel lange

Zeit unentdeckt. Doch im fortgeschrittenen Suchtstadium

sind die Abhängigkeitssymptome so groß, dass die Betroffenen auch nach außen hin Reaktionen zeigen, die sie teilweise

nicht unter Kontrolle haben: Gleichgewichtsstörungen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, Sprachstörungen etc.

Abschließend hilft den Betroffenen nur ein kontrollierter,

unter ärztlicher Aufsicht durchgeführter Entzug mit anschließender psychotherapeutischer Behandlung.


3


Vgl.: http://www.ahg.de/AHG/Indikationen/Abhaengigkeitserkrankungen/Medikamentenabhaengigkeit/index.html: Letzter Zugriff:

23.07.2017, 14:00h


??Frage zur Wiederholung zu 7 Abschn. 25.2


55 Welche Symptome zeigt ein Mensch, der an Burn-out

leidet?


25.3


Ethik


Olaf Schenk

Lernziele

55 Die Auszubildenden können nach ethischen Grund­

sätzen handeln. Sie erkennen und achten religiöse und

kulturelle Werte. Anhand von konkreten Falldarstellungen der Ethikberatung im Krankenhaus setzen sie sich

mit dem Prozess der Entscheidungsfindung vor dem

­Hintergrund ethischer Leitlinien auseinander.

55 Sie lernen, eigene Standpunkte zu entwickeln und zu

­begründen.

55 Sie setzen sich mit den gesellschaftlichen, institutionellen und individuellen Dimensionen des Themas Sterben

und Tod auseinander. Sie sind in der Lage, in ihren Arbeitsbereichen Sterbende adäquat zu begleiten und Tote

adäquat zu versorgen.

55 Sie sind sich ihrer eigenen Einstellung zum Thema Sterben und Tod bewusst, und sie akzeptieren Individualität

im Erleben von Sterben und Tod.


In diesem Kapitel erhalten die Lernenden einen ersten Einblick in die Ethik als (praktische) Wissenschaft, die aus der

Philosophie hervorgegangen ist. Die klassische Philosophie

der Antike beschäftigte sich seit Aristoteles (384–322 v. Chr.)

– zunächst abstrakt – mit der Frage, wie der Mensch ein gutes

und sinnvolles Leben führen kann und versucht daraus Handlungsweisen für den Alltag zu gewinnen.

Die Begriffe Ethik «das sittliche (Verständnis)» und Moral

«die Wertvorstellungen und guten Sitten einer Gesellschaft

oder einer Person» werden häufig synonym genutzt, sind aber

von unterschiedlicher Bedeutung.

Die Ethik ist die Reflexionstheorie der Moral und der Moralität, also des Handelns in Situationen. Doch nicht nur das

Wissen «Das» sondern auch das Wissen «Wie» determiniert

(bestimmt) die bewusst entschiedene Handlung. So kommt es

zu einer theoretischen Auseinandersetzung mit den Fragen,

was «richtig» und was «falsch» ist, was «gut» und was

«schlecht» ist, welche Werte und Normen das Handeln bestimmen und führt zur Beurteilung der persönlichen Autonomie und Verantwortung. Die Ethik nimmt die Moral und

die Moralität in den Blick und reflektiert aus kritischer Distanz einer Wissenschaft.

Die Moral umfasst alle in einer Gesellschaft entstandenen

und zum Teil über Generationen weitergegebene Ordnungen

und regelt durch Normen das Zusammenleben menschlicher

Gemeinschaften (. Abb. 25.3).

Unter Moralität versteht man die persönlichen Wertevorstellungen, Einstellung und Haltungen eines Individuums zu

dem was gut und sinnvoll erscheint. Die Moralität einer Person entwickelt sich im Laufe ihrer Sozialisation und ist das


531

25.3 · Ethik


..Abb. 25.3


Moral und Mortalität


Ethik


Moral


Moralität


Anerkannte Regeln des Miteinanders

in der jeweiligen Gruppe

(Gesetze, Sitte, Werte, Bräuche)


Eigene Wertvorstellungen vom guten

Leben und rechten Handeln

(Werte, Prinzipien, Einstellungen,

Haltungen)


Ergebnis von Bildungsprozessen. Lawrenz Kohlberg (1927–

1987) hat dies in seiner Stufentheorie der Moralentwicklung

beschrieben (. Tab. 25.1).

Dieser zufolge durchläuft der Mensch in seiner Moralentwicklung verschiedene charakteristische Stufen, wodurch

u. a. auch ein Zusammenhang zwischen Lebensalter und

Grad der Moralentwicklung zu beobachten ist. Das Verhalten

eines Menschen hängt somit auch von der jeweiligen Entwicklung ab und ist durch die persönlichen Einstellungen

(Festlegung zu konkreten Sachen und konkreten Personen)

und Haltungen (Festlegung zu abstrakten Lebensfragen wie

Gesundheit, Arbeit, Lust, Pflicht usw.) begründet und ggf.

beobachtbar. Diese Überzeugungen bilden den Charakter

und die Persönlichkeit. Das Verhalten eines Menschen steht

häufig in engem Zusammenhang mit seiner Haltung.

..Tab. 25.1


Gesellschaftliche oder persönliche Werte können als allgemeine Handlungsprinzipien, die der Handlungsorientierung und Handlungsausführung zu Grunde liegen, bezeichnet werden. Dies können ethische, religiöse, humanistische

und soziale Leitbilder einer Gesellschaft sein und bringen

Vorstellungen über die «richtige» bzw. wünschenswerte Form

des Zusammenlebens zum Ausdruck.

Beispiele für gesellschaftliche und individuelle Werte sind:

44Menschenrechte, Gerechtigkeitsprinzipien, Fleiß,

­Gehorsam,

44Sicherheit und Ordnung, Pflichterfüllung, Selbstverwirklichung,

44Anerkennung des Anderen, Demokratie, Solidarität,

Partizipation,

44Schutz der Umwelt etc.


Stufenmodell der Moralentwicklung nach Lawrenz Kohlberg


Niveaus


Stufe


Ausprägung


Postkonventionell


6


Gewissens- und Prinzipienorientierung (Einhaltung ethischer Prinzipien)

Stufe der universalen ethischen Prinzipien; der Gesellschaft vorgeordnete Perspektive bzw.

­Perspektive eines moralischen Standpunkts, von dem sich gesellschaftliche Ordnungen herleiten


5


Sozialkontraktorientierung (System als Gesellschaftsvertrag, gesellschaftliche Nützlichkeit)

Stufe des Sozialvertrags, des sozialen Nutzens und der individuellen Rechte («Gerechtigkeit

­bedeutet, dass Menschen ihre fundamentalen Rechte wahrnehmen können»)


4


«Law and Order» (Pflichterfüllung, Orientierung an Staat, Religion, übergeordnete Systeme, ­

Erhalt w

­ ichtiger Sozialbeziehungen)

Urteil nach für alle in gleicher Weise gültigen gesellschaftlichen Rechten und Pflichten. Gesetze

werden wichtig, weil sie garantieren, dass jeder vor dem Gesetz gleich ist


3


Good-boy, Nice-girl (Erwartungsorientierung, zwischenmenschliche Harmonie, stereotype

­Vorstellungen von richtig und falsch)

Urteil nach dem Prinzip der Goldenen Regel: «Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’ auch

keinem andern zu!» Rücksicht auf die Gruppe und die Gruppenmehrheit


2


Hedonistisch-egoistische Orientierung (eigene Bedürfnisse befriedigen in Abstimmung mit

Gut und Böse)

Urteil nach dem Schema «Jedem das Seine», «Wie du mir, so ich dir». Es ist eine Austauschansicht,

in der Verdienste eine Rolle für Gerechtigkeit spielen


1


Strafe- und gehorsamsorientiert

Urteil nach Gesichtspunkten von Lohn und Strafe und unter dem Aspekt physischer

­Konsequenzen


Konventionell


Präkonventionell


25


532


25


Kapitel 25 · Berufliches Selbstverständnis


Durch Internalisierung der Werte (Sozialisation) entsteht

eine Wertorientierung als Bestandteil der individuellen Überzeugungen. Gäbe es keine verbindlichen Werte, würde die

Gesellschaft auseinander brechen. Gäbe es keine individuelle

Werteorientierung einer Person, könnten sie nicht handeln.

Die in einer Gesellschaft vorherrschenden Werteorientierungen bilden die Grundpfeiler der Kultur, aus der Ordnungen

und Normen entstehen.

Als Normen können bezeichnet werden:

44Konventionen, als nicht formal festgeschriebene Regeln,

die von einer Gruppe von Menschen aufgrund eines

Konsenses eingehalten werden.

44Brauchtum bzw. Bräuche, als geschichtlich gewachsen,

die den Gesetzen der Entwicklung unterliegen und sich

mit der Zeit ändern.

44Kontextuelle und allgemeine Handlungsnormen in Bezug auf Wechselseitigkeit z. B. «Was du nicht willst, dass

man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!»

44Gesetze, als äußerer Zwang zur Befolgung und öffentlich

anerkanntem Anspruch.

Für das Berufsbild «OTA» oder «ATA» findet sich in der

­Literatur kein eigener Ethikkodex der die Regeln als Normen

für das berufliche Handeln verbindlich formuliert oder Begründungen, die das Handeln leiten, prinzipiell darstellt. Daher werden an dieser Stelle zwei Ethikkodizes vorgestellt, an

denen sich aufgrund der beruflichen Nähe auch die Berufsbilder «OTA» und «ATA» orientieren können.

j

jUrteilsbildung in der amerikanischen Medizinethik

von Beauchamp/Childress


44Die Autoren beschreiben vier Grundnormen, die das

ärztliche Handeln auf mittlerem Konkretionsniveau verbindlich regeln und begründen.

55«nonmaleficence» (Prinzip der Schadensvermeidung):

–– Das Prinzip des Nicht-Schadens ist sicher das

überzeugendste Prinzip, das zudem auf eine lange

Tradition in der Medizin zurückblicken kann, die

sich in der Maxime «primum nil nocere» äußert. Es

ist im Konfliktfall mit anderen Prinzipien zumeist

am höchsten einzustufen, allein schon aufgrund der

Asymmetrie von Nutzen und Schaden.

55«beneficence» (Fürsorgepflicht):

–– Das Prinzip des Wohltuns oder der Wohltätigkeit,

das historisch wohl als das konstituierende Prinzip

der Medizin gelten kann. Der Arzt soll es nicht nur

unterlassen, Schäden zuzufügen, sondern darüber

hinaus das Befinden des Patienten verbessern, indem er Krankheiten vermeidet, sie lindert oder –

wenn möglich – heilt.

55«autonomy» (Selbstbestimmung des Patienten):

–– Das Prinzip der Autonomie, genauer gesagt, das

Prinzip des Respekts vor der Autonomie des Pa­

tienten. Der Arzt soll den Willen des Patienten

­respektieren und ihn nicht bevormunden, auch

wenn er die Entscheidungen des Patienten nicht

nachvollziehen kann. Eine vermehrte Aufmerksam-


keit auf dieses Prinzip hat in den letzten Jahrzehnten die Patienteninteressen deutlich gestärkt; so ist

der Wechsel von der Haltung des wohlwollenden

Paternalismus hin zum Arzt, der v. a. die Selbstbestimmung des Patienten zu respektieren hat, auch

als eine grundlegend neue Anwendung des Prinzips

der Autonomie zu verstehen.

55«justice» (soziale Gerechtigkeit):

–– Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit, das in

­vielen Fällen ohne weitere Kriterien nur ungenau

näher zu bestimmen ist; zumindest lässt sich aber

festhalten, dass damit für den Bereich der Mikro­

allokation (Verteilung von Ressourcen – wie

z. B. Transplantationsorgane – in kleinem Rahmen)

die unterschiedslose Bereitschaft zur Hilfe gemeint ist, die sich in einer gerechten Verteilung

der Aufmerksamkeit gegenüber 

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