Krankenhausleistungen wird primär durch
die Wahrnehmung des Patienten («subjektives Qualitätsemp
finden») bestimmt. Die Kommunikation des Patienten über
seine Eindrücke nach extern ist ein wichtiger Baustein im
Wettbewerb, da negative «Mund-zu-Mund-Kommunika
tion» einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hat («Image
demontage»). Das Erhalten von Information (z. B. über Pa
tientenbefragungen, Beschwerdemanagement, «Lob-KritikKultur», «Kummerkasten», elektronische Bewertungsforen)
über diese Wahrnehmung des Patienten ist die wichtigste
Grundlage für die Erstellung von Qualitätskriterien. Quali
tätsbewertung durch Patienten erfolgt somit nach subjektiven
Kriterien, da jeder Patient für sich ein individuelles Erwar
tungs- bzw. Anspruchsniveau hat. Für eine Bewertung wer
den also noch zusätzlich objektive, messbare Kriterien, Indi
katoren und/ oder Kennzahlen benötigt, die eine Qualitäts
bewertung ermöglichen.
j
jGründe für QM im Krankenhaus
Seit dem 01.01.2000 ist in der Bundesrepublik Deutschland
Qualitätssicherung sowohl für die ambulante als auch für die
stationäre Krankenhausversorgung gesetzlich vorgeschrie
ben. Hierzu heißt es in der Fassung nach Inkrafttreten des
Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG) in § 135a Sozialgesetz
buch (SGB) V – Auszüge:
»» … Leistungserbringer sind zur Qualitätssicherung und
Weiterentwicklung der Qualität der von ihnen erbrachten Leistungen verpflichtet. Die Leistungen müssen dem
jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse
entsprechen und in der fachlich gebotenen Qualität erbracht werden. … Zugelassene Krankenhäuser … sind
nach Maßgabe der §§ 136a, 137 … verpflichtet, sich an
einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung zu beteiligen, die insbesondere zum Ziel haben, die Ergebnisqualität zu verbessern. Zugelassene
Krankenhäuser … sind nach Maßgabe der §§ 137 … verpflichtet, einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement
einzuführen und weiterzuentwickeln.
Damit hat sich die Situation für die Qualitätssicherung im
Krankenhaus in der BRD entscheidend verändert. Vor Ver
abschiedung des «Gesundheitsreformgesetzes» waren die
zahlreichen Aktivitäten zur Qualitätssicherung gekennzeich
net durch freiwillige Teilnahme sowie die Beschränkung auf
einzelne Fachdisziplinen. Diese Beschränkungen sind mit der
neuen gesetzlichen Vorgabe aufgehoben. Als Bezugsgröße
der Qualitätssicherung gelten nun die Krankenhäuser als
Ganzes. Bislang gibt es keine Konkretisierung von Seiten des
Gesetzgebers, wie ein Qualitätsmanagementsystem explizit
gestaltet werden soll. Dies bietet den Krankenhäusern die
Möglichkeit, eigene innovative Umsetzungsstrategien zu ge
nerieren.
j
jBewertungskategorien zur Qualität (Schwerpunkt
Prozesse) im Krankenhaus aus Patientensicht
Nach: Welk (2013) Recherche durch quantitative Patienten
befragung 2013 (n = 234, Mehrfachnennungen möglich):
44Ärztliche Aufklärung über Erkrankung/operative
Maßnahmen (inkl. Risiken, Gefahren, Komplikationen,
Alternativen),
44Aufklärung über Risiken, Gefahren, Nebenwirkungen
bei Medikation,
44medizinische und pflegerische Kompetenz (Erklärung
der Maßnahmen, Eindruck der Ausführung),
44Einbezug der Angehörigen,
44Mitgefühl/Zuwendung,
44Unterbringung/Verpflegung/Serviceangebote/Dienst
leistungsorientierung,
44Privatsphäre,
44Wartezeiten (z. B. vor diagnostischen Maßnahmen).
>>Ziel von Befragungen ist es u. a. Defizite bzw. Missver-
hältnisse zwischen Patientenerwartungen/-bedürfnissen an Qualität mit den Qualitätsvorstellungen der
Krankenhausorganisation (Krankenhausmanagementstrukturen) abzugleichen und zu synchronisieren.
29.1.2
QM-Systeme
Gängige Abkürzungen
55 TQM = Total Quality Management,
55 KTQ = Kooperation für Transparenz und Qualität im
Gesundheitswesen,
55 EFQM = European Foundation for Quality Management,
55 DIN = Deutsches Institut für Normung,
55 ISO = International Organization of Standardization,
55 EN = Europäische Norm.
29
582
Kapitel 29 · Qualitätskriterien
drei Ebenen: Kategorien – Subkategorien – Kriterien. Folgende
Kategorien definieren den KTQ-Katalog:
44Patientenorientierung,
44Mitarbeiterorientierung,
44Information und Kommunikation,
44Sicherheit,
44Führung,
44Qualitätsmanagement.
Total
Patienten
Mitarbeiter
Dritte
29
Qualität Ergebnis
Management
Führung
Quality
Arbeit
Prozesse
..Abb. 29.2 TQM-Elemente
Es bestehen 72 feste Kriterien, welche verbindlich als gute
Qualität definiert sind. Jedem Kernkriterium ist eine Bewer
tungsmatrix für eine Punktebewertung (die Fragen orientie
ren sich an den Phasen des PDCA-Zyklus s. u.) zugeordnet.
Plan beinhaltet die dokumentierte Ziel- und Prozessplanung
und legt Verantwortlichkeiten fest. Do prüft die praktische
Umsetzung der Plan-Phase. Check impliziert die kontinuier
liche Prozessüberprüfung. Act bewertet die abgeleiteten
Optimierungsstrategien. Im Mittelpunkt der Bewertung ste
hen Erreichungsgrad und Durchdringungsgrad. Unter Er
reichungsgrad versteht KTQ die Qualität der Kriterienerfül
lung. Der Durchdringungsgrad beschreibt die Umsetzung der
Maßnahmen in der Einrichtung.
Das TQM bietet im Qualitätsmanagement den umfassendsten
Ansatz in einem ständigen Optimierungsprozess zur Stei
gerung der Ergebnisqualität und betrachtet/bezieht die in
. Abb. 29.2 dargestellten Grundlagen mit ein.
Das EFQM-Modell ist ein Qualitätsmanagementsystem
des Total-Quality-Managements. Es wurde 1988 von der
European Foundation for Quality Management (EFQM) ent
wickelt. Die Qualitätssicherung wird als Regelkreis ver
standen.
Eine DIN-Norm ist ein unter Leitung eines Arbeitsaus
schusses im Deutschen Institut für Normung erarbeiteter
freiwilliger Standard, basierend auf gesicherten (validierten)
Ergebnissen aus den Bereichen Wissenschaft, Technik und
Erfahrung. Sie haben Empfehlungscharakter und können
angewendet werden, unterliegen jedoch keiner Pflicht. Auf
internationaler Ebene erarbeitete Standards sind z. B. ISONormen oder die europäischen Normen EN.
Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesund
heitswesen (KTQ; Bezeichnung seit 2004) ist ein Zertifizie
rungsverfahren, überwiegend bekannt für Krankenhäuser,
aber auch für Einrichtungen im Gesundheitswesen wie Arzt
praxen, Rehabilitationseinrichtungen, ambulante Opera
tionsstrukturen, Institute, Pflegeeinrichtungen.
Zusammengefasst sind dies (. Abb. 29.1):
44effiziente Prozesse,
44Transparenz (z. B. QM-Handbuch),
44Patientenzufriedenheit,
44Mitarbeiterzufriedenheit,
44Erfüllung externer Vorgaben (z. B. gesetzliche V
orgaben).
Zertifizierung
Maßnahmen des Qualitätsmanagements
Zertifizierungen (KTQ-Zertifizierung 2002) sind Instrumen
te, um Qualität im Krankenhaus vergleichbar zu machen.
Nach erfolgreich abgeschlossenem Zertifizierungsverfahren
wird ein Zertifikat als Nachweis für die Einhaltung der vorge
schriebenen Qualitätsanforderungen verliehen.
Aktivitäten im Rahmen des Qualitätsmanagements erfolgen
strukturiert im sog. PDCA (Plan-Do-Check-Act)-Zyklus,
auch als DEMING-Kreislauf bezeichnet. Er beinhaltet f olgende
Schritte:
44PLAN = Erhebung der IST-Situation, Zielformulierung
(Soll-Planung), Prozessplanung,
44DO = Umsetzung der Planungen in die Praxis,
44CHECK = kontinuierliche Überprüfung, Abgleich Soll-Ist,
44ACT = Ableitung von Änderungs- bzw. Anpassungsmaß
nahmen.
j
jInhalte und Schwerpunkte der Zertifizierung
Kernelemente des Zertifizierungsprozesses sind die Fremdund Selbstbewertung anhand eines definierten Kriterienkata
loges (KTQ-Manual). Der Kriterienkatalog ist gegliedert in
j
jAblauf für ein Zertifizierungsverfahren nach KTQ
im Krankenhaus
44Selbstbewertung anhand des Kriterienkatalogs (Metho
dik ist den Häusern frei überlassen, durch ein interdiszi
plinäres, fachübergreifendes und berufsübergreifendes
Team),
44Anmeldung zur Fremdbewertung bei einer akkreditier
ten KTQ-Zertifizierungsstelle,
44Fremdbewertung durch Auditierung (KTQ-Visitoren)
durch Interviews und Ortsbegehung,
44Zertifizierung und Veröffentlichung des Qualitäts
berichtes nach Stellungnahme der KTQ-Visitoren im
Internet und
44Antrag auf Rezertifizierung nach drei Jahren.
j
jZiele des QM im Krankenhaus
583
29.1 · Qualitätsmanagement (QM) und Qualitätssicherung (QS) im Krankenhaus
..Tab. 29.1 Vor-und Nachteile einer Zertifizierung (Beispiele). (Mod. nach Grethler 2009)
Vorteile
Nachteile
Transparenz interner Strukturen
Zertifizierungen sagen nur über Dokumentation und
Dokumentationsprozess aus, nicht über das Ergebnis
Förderung des Qualitätsbewusstseins
Hoher Kostenfaktor für die Bewerbung zur Zertifizierung
(Gültigkeit der Zertifikate 2–3 Jahre)
Kostenreduktion durch Abbau von Schwachstellen und
Optimierung der Unternehmensabläufe
Verbesserungen nach der Zertifizierung werden nicht oder nicht
zeitnah umgesetzt
Kundenorientierung
Erhöhter Bürokratieaufwand
Nachweis der Sorgfaltspflicht bezogen auf die Produkthaftung
Vermehrtes Regelwerk
Positive Außendarstellung («Imagestärkung»)
Kein Marketingvorteil mehr, da zahlreiche Häuser Zertifizierungen
anstreben
j
jArbeiten in einer QM-Organisationsstruktur (Beispiel)
44QM-Leitungsgremium (je nach Größe der Einrichtung
in der Regel Mitglieder der Krankenhausleitung/ Klinik
vorstand/Geschäftsführung). Die Aufgaben sind u. a.:
55Vorgabe der Strategieziele,
55Endentscheidungsträger für strategische Ausrichtung
des QM.
44QM-Kommission (als zentrales Gremium aller QM-Be
auftragten der Kliniken, Institute, Geschäftsbereiche
und zentralen Einrichtungen). Die Aufgaben sind u. a.:
55Abstimmung, Koordination und Synchronisation der
strategischen Ziele des Vorstands und QM-Leitungs
gremien mit den einzelnen QM Arbeitsgruppen.
Die QM-Beauftragten sind die zentrale Naht- und
Multiplikationsstelle für die Kommunikation zwischen
allen Bereichen. Funktion und Aufgaben der QM-
Beauftragten sind in einer Stellenbeschreibung fest
gelegt.
44QM-Lenkungsgruppe (Mitglieder der Krankenhaus
leitung/Klinikvorstand/Geschäftsführung, Institute,
Geschäftsbereiche und zentrale Einrichtungen, Mitarbei
tervertretung). Die Aufgaben sind u. a.:
55Controlling bzw. Monitoring und
55Steuerung Projektstruktur und Projektablauf.
44QM-Arbeitsgruppen (Vertreter aus den Bereichen,
Leitung durch QM-Beauftragte). Die Aufgaben sind u.a.:
55Bearbeitung der Projektaufträge.
Weitere Instrumente im Qualitätsmanagement
j
jQM-Handbuch
Das QM-Handbuch ist Bestandteil des Qualitätsmanage
ments und dient als Arbeitshilfe für die Einführung, Um
setzung und Weiterentwicklung. Es beschreibt deutlich die
verbindlichen Vorgehensweisen im Unternehmen (Prozess
beschreibungen), enthält alle relevanten Dokumente (alte
und überarbeitete Versionen).
>>Der entstehende kontinuierliche Verbesserungs
prozess macht das QM-Handbuch zum wichtigsten
QM-Dokument.
j
jDienstanweisungen
Die Dienstanweisung ist ein Instrument im sog. Weisungsoder Direktionsrecht (beide Begriffe werden synonym ver
wendet) des Arbeitgebers.
Die Dienstanweisung (DA) ist eine Weisung des Arbeitge
bers gegenüber einem einzelnen Arbeitnehmer oder mehre
ren Arbeitnehmern (Gruppe), wann, wo und wie (Zeit, Ort
und Inhalt) die Arbeitsleistung zu erbringen ist. Die Dienst
anweisung kann sich sowohl auf den Einzelfall als auch auf
eine generelle Regelung beziehen.
Auch Pflegestandards oder Organisationsstandards zäh
len zu den Dienstanweisungen an Pflegepersonen, wenn die
Standards dem Arbeitnehmer als verbindlich bekannt ge
geben worden sind. Sie beschreiben und legen fest wie eine
Pflegemaßnahme mindestens zu erledigen ist, um damit
Qualitätsstandards zu sichern.
j
jOrganisationsanweisungen
Diese sind verbindliche Anweisungen zur Durchführung
abgegrenzter Verfahren, Prozesse und Abläufe mit einer Fest
legung, was, wann, wo, wie, durch wen, unter welchem Ein
satz welcher Materialien und unter Berücksichtigung welcher
Dokumente getan und dokumentiert werden muss.
Vorteile sind z. B.:
44Standardisierung von Arbeitsabläufe,
44klare Festlegung von Zuständigkeitsbereichen und Ver
antwortlichkeiten,
44Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Verbindlichkeit
von Arbeitshandlungen.
j
jVerfahrensanweisungen (VA)
Eine Verfahrensanweisung ist ein Dokument, das durch
verschiedene Normen gefordert wird. Mit Verfahrensanwei
sungen wird die Umsetzung dieser Anforderungen u. a. im
Krankenhaus festgelegt und als verbindliche Vorschrift
dokumentiert. Die beschriebenen Verfahren müssen festge
legt, dokumentiert, umgesetzt und aufrechterhalten werden.
Verfahrensanweisungen unterliegen folgenden Arbeitsschrit
ten, die nachvollziehbar und regelhaft nachgewiesen werden
müssen:
29
584
29
Kapitel 29 · Qualitätskriterien
44Erstellung,
44Freigabe,
44Schulung,
44Prüfung,
44Auditierung.
44Verteilung betrieblicher Aufgaben auf Stellen und
Abteilungen,
44hierarchische Struktur der Aufbau- bzw. Leitungs
organisation und der Weisungsbeziehungen,
44Personalbesetzung.
Damit sind Verfahrensanweisungen Instrumente in einem
Qualitätsmanagementsystem (Nachweis dokumentierter
Verfahren). Aktuelle Normen (z. B. ISO/TS 16949, DIN EN
ISO 9001:2008) erlauben Variationen in Bezug auf Dokumen
tationsstruktur und -tiefe, Art und Umfang sowie Wahl der
Dokumentationsmedien (z. B. Papier, elektronische Daten
sicherung) in Abhängigkeit von der Organisationsstruktur
und -größe.
Vor- und Nachteile sind in . Tab. 29.2 aufgeführt.
j
jAblaufdiagramme
Ein Ablaufdiagramm (auch als Flussdiagramm bezeichnet) ist
eine Visualisierung als «Schaubild» von Programmabläufen.
Im Krankenhaus werden mit Ablaufdiagrammen z. B. im
Rahmen der Diagnostik Entscheidungsfindungen (Algorith
mus) angeboten.
j
jOrganigramme
Das Organigramm ist eine graphische Darstellung (Schaubild)
der Aufbauorganisation eines Unternehmens, das die organi
satorischen Einheiten (OE) sowie deren Beziehungen inner
halb der Organisation, deren Aufgabenverteilung und Kom
munikationsbeziehungen darstellt/abbildet. Die in der Praxis
gängigsten Darstellungsformen sind das horizontale und das
vertikale Organigramm sowie eine Mischform. Das Organi
gramm enthält folgende Aussagen über die Organisation:
j
jStellenbeschreibungen
Eine Stellenbeschreibung (auch als Arbeitsplatzbeschreibung
bezeichnet) ist eine personenneutral verfasste, schriftliche
Beschreibung einer Arbeitsstelle bezogen auf ihre Arbeits
ziele, Aufgaben, Kompetenzen und Beziehungen zu anderen
Stellen. Professionelle Stellenbeschreibungen enthalten For
mulierungen für Anforderungsprofile als Hinweis für die
Leistungserwartung, die den Vorgesetzten und den Stellen
inhabern eine objektive Grundlage für die Leistungsbeur
teilung im Rahmen der Berufstätigkeit bzw. auch objektive
Kriterien in Personalauswahlverfahren bieten. Die Tätig
keitsbeschreibung ist elementarer Bestandteil des Arbeits
vertrags. Folgende Punkte sind in der Stellenbeschreibung
enthalten:
44Einordnung der Stelle in die Unternehmensorganisation
(Organigramm),
44Stellvertretungsregelung,
44Tätigkeitsbeschreibung (Zielsetzung/Hauptaufgabe) der
Stelle (z. B. Führungsaufgaben, Weisungsbefugnis, nach
gestellte Mitarbeiter, Fachaufgaben, besondere Aufgaben
und personenbezogene Aufgaben, Anforderungen,
Kompetenzen, Pflichten, Kooperation mit anderen
Stellen),
..Tab. 29.2 Vor- und Nachteile von Organigrammen (Beispiele)
Vorteile
Nachteile
Schnelle Übersicht über die Organisationsform
Vereinfachte Darstellung
Schnelle Übersicht der hierarchischen Strukturen
Keine DIN-Normen für die Erstellung von Organigrammen
Regelung der Zuständigkeiten
Komplexe Darstellung bei großen Unternehmen
Hilfe für schnellen Informationsaustausch
Aktualität (zeitnahes Einpflegen der aktuellen Änderungen oftmals
aufwändig)
Interessant für mögliche Bewerber
..Tab. 29.3 Vor- und Nachteile von Stellenbeschreibungen (Beispiele)
Vorteile
Nachteile
Klare Formulierung der Aufgaben, Kompetenzen,
Verantwortlichkeit
Starre Orientierung auf die beschriebenen Tätigkeiten,
ggf. Schwierigkeiten bei der Entwicklung flexibler Organisationsstrukturen
Transparentes Instrument in der Stellenbesetzung
und Personalentwicklung
Weiterentwicklungs- und Aktualisierungsaufwand
Objektive Personalauswahl (Identifikation von K.o.-Kriterien
bereits in der Bewerbungsdurchsicht)
Evtl. Förderung von ausschließlich stellenbezogenem Denken
585
29.2 · Dokumentation und gesetzliche Verpflichtung
44Qualifikations- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
44Leistungskriterien/Instrumente der Messung der erwar
teten Leistungsstandards (z. B. Zielvereinbarungsge
spräche, leistungsorientierte Entgeltsysteme, Bonus
regelung).
Vor- und Nachteile sind in . Tab. 29.3 aufgeführt.
29.1.3
Qualitätssicherung
durch die Krankenhaushygiene
Hygienemanagement als Instrument
für die Prozessqualität
Die Krankenhaushygiene befasst sich mit der Erkennung,
Prävention und Bekämpfung von Infektionserkrankungen
zum Schutz von Patienten und Personal. Im Rahmen des
Hygienemanagements finden sich bekannte Maßnahmen der
Qualitätssicherung, z. B. Hygienekommission, Arbeitszirkel,
enge Zusammenarbeit mit allen Fachrichtungen und Berufs
gruppen.
In die Strukturqualität fällt u. a. die Ausbildung und der
Einsatz von Hygienefachkräften und Hygienebeauftragten,
zur Prozessqualität gehört z. B. die Kontrolle, Aufbereitung
und Sterilisation, die Kontrolle der Ver- und Entsorgung wie
die Mitarbeit bei der Erstellung von Standards.
In den Rahmen der Ergebnisqualität fällt z. B. die Kon
trolle der im Krankenhaus erworbenen (nosokomialen)
Infektionen.
Hygienerelevante Vorschriften im Krankenhaus (Auszüge)
nische Hygienevorgaben, z. B. Anforderungen an die Klima
technik im Krankenhaus.
29.2
Dokumentation und gesetzliche
Verpflichtung
Dokumentation bedeutet eine wahrheitsgemäße Aufzeich
nung vorgenommener Maßnahmen und Beweisstabilität
durch Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit auch im
Nachhinein (Justiziabilität) und ist ein unverzichtbarer Be
standteil der medizinischen und pflegerischen Patientenver
sorgung im Krankenhaus (Dokumentationspflicht). Eine all
gemein verbindliche Richtlinie welche Inhalte und in welcher
Form die Dokumentation zu erfolgen hat, existiert nicht.
>>Aus rechtlicher Sicht ist die Führung einer lückenlosen
Dokumentation zwingend notwendig.
Bei der Dokumentation gibt es Unterschiede zwischen ärztli
cher und pflegerischer Dokumentation.
Bei einer fehlerhaften Dokumentation können zahlreiche
(haftungs-) rechtliche Probleme auftreten. Besonders proble
matisch ist für das Krankenhaus die sog. Beweislastumkehr.
Eine lückenhafte, falsche oder fehlerhafte Dokumentation
kann dazu führen, dass nicht der Patient den Beweis für z. B.
einen Pflegefehler beibringen, sondern das Krankenhaus den
Entlastungsbeweis führen muss.
Aus Sicht des Patienten müssten für ihn vorteilhaft
und zur Möglichkeit der Durchsetzung seiner (ggf. bestehen
den) Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüche die sog.
W-Fragen beantwortet werden können (Wittkuhn 2013).
j
jInfektionsschutzgesetz (IfSG)
Inkrafttreten 2001 als Ersatz für das Bundesseuchengesetz.
Das IfSG regelt z. B. die Meldepflicht von übertragbaren
Infektionserkrankungen wie z. B. Tuberkulose, Meningitis,
Tollwut.
j
jUnfallverhütungsvorschriften (UVV)
Diese werden über die gesetzlichen Unfallversicherungen
erlassen und dienen der Verhütung von arbeitsbedingten
Unfällen und Berufserkrankungen. Sie regeln das Verhalten
am Arbeitsplatz, zeigen Besonderheiten von Gefahren am
Arbeitsplatz und fordern deren Vermeidung durch geeignete
Sicherheitsmaßnahmen. Die UVV regeln ebenfalls die Aus
stattung und Anwendung von Schutzausrüstungen.
j
jRichtlinien für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
Diese werden durch das Robert-Koch-Institut (RKI) erstellt
und beschreiben die Anforderungen der Krankenhaus
hygiene, z. B. Händedesinfektion, Hygiene bei Injektionen
(7 www.rki.de).
j
jHygienerelevante DIN-Vorschriften
Es gibt sie z. B. für die Desinfektion und Sterilisation, die
Sterilgutversorgung, Abfallentsorgung wie auch für bautech
W-Fragen der Dokumentation
55 Wer hat pflegerisch versorgt? Erkennbar muss sein –
gerade auch bei arbeitsteiligem Handeln –, wer verantwortlich ist. Wo liegt die Anordnungsverant
wortung, wo ist die Durchführungsverantwortung,
die Kontrollverantwortung, die Kommunika
tionsverantwortung und die Dokumentationsver
antwortung zu verorten?
55 Warum ist dokumentiert worden? Aus der Begründung der Dokumentation müssen Qualitätssicherungs-, Therapiesicherungs-, Kommunikationssicherungs- und Beweissicherungsaspekte hervorgehen.
55 Wie ist dokumentiert worden? Die Dokumentation
muss wahr, klar lesbar und verständlich sein. Verständlichkeit bedeutet, dass die sog. Fachöffentlichkeit die Dokumentation lesen und verstehen können
muss.
55 Was ist dokumentiert worden? Dokumentations
wesentlich sind die Anordnung, die durchgeführte
Maßnahme, die Diagnose, die Therapie, die Einwilligung des Patienten, die patientenbezogene Kom
munikation und, so vorhanden, atypische Pflege
verläufe.
29
Kapitel 29 · Qualitätskriterien
586
29
Im Rahmen der Qualitätssicherung (§ 137 SGB V) und Qua
litätskontrolle hat die Dokumentation einen hohen Stellen
wert (z. B. Teilnahme an externen Qualitätssicherungsmaß
nahmen) und dient als:
44Qualitätsleistung, Qualitätskontrolle,
44Informationsvermittlung,
44Informationsmedium Dritten gegenüber,
44Nachweis erbrachter Leistung (Leistungserfassung),
44Transparenz in der Einhaltung der Prozessabfolge,
44Haftungsrelevante Beweissicherung für Krankenhaus
träger, Personal und Patient,
44Grundlage zur Abrechnung.
>>Unter juristischen Argumentationspunkten kann bei
einer Überprüfung nur eine lückenlose und formal korrekte (z. B. kein Tipp-Ex in der Papierdokumentation),
nachvollziehbare Dokumentation im Regressfall
verhindern, dass es zur sog. Umkehr der Beweislast
kommt, d. h. der Krankenhausträger trägt im Schadensfall die Beweispflicht für ein Nichtverschulden.
29.2.1
EDV-gestützte Dokumentations
systeme
In Krankenhäusern kommen zunehmend elektronische Sys
teme zur Dokumentation, Datenverarbeitung, Archivierung
und Administration zum Einsatz. Einen hohen Stellenwert in
den Kommunikationsstrukturen haben die Krankenhaus
informationssysteme (KIS). Im Zeitalter der elektronischen
Vernetzung stehen Datenschutz und Datensicherung im Vor
dergrund, daher sind zahlreiche Sicherheitsaspekte bei der
Implementierung dieser Systeme zu berücksichtigen und die
Anwender für diese speziellen Problematiken zu sensibili
sieren.
Bereits vor Einführung der elektronischen Dokumenta
tion und oder anderen Anwendungsmodulen im OP (z. B.
OP-Management-Module) müssen in einem sog. Pflichten
heft Vorgaben für die Anwendung definiert werden. Idealer
weise sind in der Arbeitsgruppe verschiedene Experten und
berufsgruppenübergreifende Mitglieder vertreten. Folgende
Aspekte für eine sichere Anwendung sind u. a. zu berücksich
tigen:
44Zugangskontrolle (z. B. Zugangsebenen mit Passwort,
Personen- oder gruppengebundene Zugangsrechte),
44Nutzungskontrolle (z. B. User-ID um unbefugte Nutzung
zu verhindern),
44Eingabekontrolle (z. B. Login und User-Identifikation),
44Plausibilitätsprüfungen (z. B. Nachvollziehbarkeit der
Datenverarbeitung),
44Sicherung vor unbefugtem Datentransfer, Kopieren oder
Lesen,
44Nachvollziehbarkeit Datenschutzvorgaben,
44klare Definition der Autorisation (wer darf was),
44Festlegung von Nutzerprofilen,
44schnelle Anwendbarkeit (z. B. anwenderfreundliche,
zeitsparende Menüführung, «wenige Klicks»),
44automatische Datensicherung,
44Sicherung gegen nachträgliche Datenänderung,
44Multifunktionalität (z. B. Integration von Standards,
Bestell- und Formularwesen, Produktkataloge etc.),
44ausreichend PC-Arbeitsplätze,
44begleitende Anwendertrainings vor Ort.
j
jAnforderungen und Leistungsspektrum an eine
elektronische Dokumentation (Beispiele)
44Unterstützung der Dokumentation von Diagnosen
(ICD-9 und ICD-10) und Prozeduren (OPS 301),
44Integration standardisierter Datensätze nach § 115b
SGB V (ambulantes Operieren),
44Schnittstellen- und Systemkompatibilität mit bestehen
den Systemen (Cave: Insellösungen),
44Möglichkeit der Auswertung (z. B. Access, Excel).
Spezielle Dokumentationssysteme im OP
Zur ganzheitlichen Steuerung von Klinikprozessen (Work
flows) kommen unterschiedliche Software-Programme zum
Einsatz.
Im OP liegt der Schwerpunkt auf folgenden Aspekten:
44Planung (z. B. OP-Planung, Veränderung der OP-Reihen
folge, Kapazitäts- und Auslastungsplanung der OP-Säle,
Notfallmanagement),
44Dokumentation (z. B. Fallnummer, Patientendaten,
Patientensicherheit, OP-Standards, Zeiten),
44Qualitätssicherung,
44Controlling (z. B. Medizin-, Finanz- und Leistungs
controlling),
44Analyse (z. B. Materialverbrauch, Saalauslastung,
Häufigkeit von Operationen, DRG-Statistiken, Anzahl
abgesetzter Operationen, Über - und Unterkapazitäten
in Bezug auf die Saalauslastung),
44Abrechnung (z. B. Erfassung abrechnungsrelevanter
Daten, Interne Leistungsverrechnung (ILV)).
j
jStandarddokumentation
Die Dokumentation wird von allen im OP tätigen Berufs
gruppen durchgeführt und ist für das OP-Management wich
tige Grundlage für Abfragen und Auswertungen (OP-Be
richtswesen).
Die Dokumentation beinhaltet v. a. gesetzliche, betriebs
wirtschaftliche und juristische Aspekte.
Zu den aussagekräftigsten Standardauswertungen im
OP zählen z. B. Leistungen bezogen auf:
44Fachabteilung,
44Zeitraum,
44OP-Saal,
44OP-Minuten,
44Schnitt-Naht-Zeiten,
44Anzahl Operationen (allgemein, klinik- bzw. abteilungs
bezogen),
44Anzahl geplante Operationen,
44Anzahl Notfälle,
44Anzahl von Operationen mit bzw. ohne Anästhesie,
44Diagnosen,
587
29.3 · Kostenrechnungssysteme im Krankenhaus
44Wartezeiten,
44Anzahl abgesetzte Operationen,
44Saalauslastungen,
44patientenbezogene Abfragen,
44Implantate,
44Personalbindung,
44Überstunden,
44Leistungen im bzw. außerhalb des Regeldienstes.
29.3
Kostenrechnungssysteme
im Krankenhaus
j
jKostenträgerrechnung
Unter der Kostenträgerrechnung versteht man die direkte
verursacherbezogene Leistungs- und Kostenzuordnung. Im
Krankenhaus bedeutet dies, dass für jeden Patienten die an
gefallenen Kosten ermittelt und zugeordnet werden (z. B.
Kosten auf Station, Kosten im OP, Kosten auf der Intensiv
station).
Vor- und Nachteile sind in . Tab. 29.4 aufgeführt.
j
jProzesskostenrechnung
Hauptziel der Prozesskostenrechnung ist die Kostenreduk
tion durch Ableitung von Optimierungspotenzial und gilt als
Instrument des Qualitätsmanagements. Grundlage ist die
Darstellung und Analyse von Prozessen mit anschließender
Bewertung (Ist/Soll). Diese Prozessorientierung ist Grund
lage für eine kontinuierliche Verbesserung. Die klassische
Fragestellung der Prozessbetrachtung lautet: «Tun wir das
Richtige – und tun wir dies richtig».
Die Kernfragen unter ökonomischen Aspekten lauten
(Beispiele):
44Waren die durchgeführten Maßnahmen/Handlungen für
die Patientenversorgung erforderlich?
44Wurde die erforderliche Qualität erbracht?
44Gibt es kostengünstigere Alternativen, mit denen die
Kosten reduziert werden können?
Die Betrachtung und Bewertung de Prozesse orientiert sich
ebenfalls rückwirkend. In der Analyse der Prozesse zeigen
sich viele gemeinsame Merkmale für bestimmte Patienten
gruppen und ermöglichen die Etablierung sog. Patienten
pfade.
j
jProzessorientierung/Prozessoptimierung
Für die Umsetzung der Prozessoptimierung und Prozess
kostenrechnung ist ein strukturiertes Vorgehen erforderlich.
Die sieben Schritte der Umsetzung nach Kothe-Zimmermann
(2006) sind:
441 – Abbildung der Abläufe um den Patienten (Ist-Ana
lyse); zu klären ist:
55Wer ist an der Abbildung beteiligt (z. B. interne Mit
arbeiter, externe Berater)?
55Wie werden die (meist komplexen) Prozesse abgebil
det (z. B. Strukturvorgabe, Einteilung in Behandlungs
phasen, Prozessbausteine)?
55Wie viele Prozesse sollen abgebildet werden?
55Wie erfolgt die Bewertung (z. B. Sachkosten, Minuten
werte, Qualifikation, Personalkosten)?
55Wer bildet die Abläufe ab (z. B. an den Prozessen
mitwirkende Akteure)?
55Wer bewertet (z. B. Controlling, Prozessmanage
ment)?
442 – Bewertung der Abläufe hinsichtlich Wirtschaftlich
keit und Qualität (durch z. B. Controlling, an den
Prozessen mitwirkende Akteure, Externe),
443 – Analyse der ablaufbezogenen, wirtschaftlichen und
qualitativen Schwachstellen (z. B. Organisation, organi
satorische Wartezeiten, Absetzen von Operationen,
Umstellungen des OP-Programms, leerstehende OP-Säle,
Überstundenmanagement),
444 – Entwicklung von Alternativen zu den Abläufen
(z. B. Einbezug der Mitarbeiter, Expertise von neuen
Mitarbeitern nutzen «Wie machen es andere?», Leit
linien und Empfehlungen der Fachgesellschaften),
445 – Beurteilung dieser Alternativen unter wirtschaftli
chen und qualitativen Aspekten (z. B. durch die Arbeits
gruppen, Qualitätsmanagement, Controlling wird ein
Ranking der Vorschläge durch ein Punktevergabesystem,
z. B. für die Wirkung der vorgeschlagenen Alternative,
für die Qualität und für die Priorität, bewertet),
..Tab. 29.4 Vor- und Nachteile der Kostenträgerrechnung
Vorteile
Nachteile
Transparenz
Erfassung aller Tätigkeiten, Maßnahmen und Sachbedarf arbeits
aufwändig
Detaillierte Beurteilung der Wirtschaftlichkeit, z. B. Gesamtund Kostenstellenbetrachtung
EDV-System zur Erfassung und Auswertung notwendig
Identifikation von Kostentreibern
Betrachtung der Verläufe nur retrograd möglich
Kenntnis der Einzelfallkosten
Abgleich Kosten/Erlöse (Soll/Ist)
Auswertungen für die Wirtschafts- und Leistungsplanung
im Folgejahr unterstützend
29
588
Kapitel 29 · Qualitätskriterien
446 – Ablaufoptimierung durch Implementierung der aus
gewählten Alternativen (z. B. durch Ergebnispräsentation
der Gruppenarbeit, Informationsveranstaltungen, Schaf
fung der Rahmenbedingungen für die Umsetzung,
Begleitung),
447 – Implementierung der Patientenpfade (z. B. EDV-
Dokumentation, Regelungen zum Umgang mit Abwei
chungen vom Patientenpfad, Weiterführung der Pro
zessorientierung).
29
29.4
Risikomanagement (RM)
im Krankenhaus
29.4.1
Ziele und Nutzen
Risiko- und Beschwerdemanagement sind wesentliche Bau
steine des Qualitätsmanagements mit dem Ziel, Risiken,
Fehler- und Schadensquellen möglichst vor dem Eintreten
eines Schadensfalles zu erkennen und zu vermeiden bzw. zu
minimieren. Die Risikobetrachtung aus Unternehmenssicht
befasst sich mit:
44Medizinischen Risiken (z. B. Behandlungsfehler),
44technischen Risiken,
44wirtschaftlichen Risiken (z. B. wirtschaftliche Planungs
risiken in der Strategieentwicklung),
44finanziellen Risiken.
Das Thema Risikomanagement gewinnt einen immer höhe
ren Stellenwert, v. a. bei Versicherungsträgern und Patienten
vertretungen. Zahlreiche Haftpflichtversicherer fordern in
zwischen einen, meist prämienrelevanten Nachweis eines
strukturierten Risikomanagementsystems zur Analyse der
klinikinternen Risikolandschaft. Durch strukturierten Um
gang mit identifizierbaren Risiken können Aussagen zur
Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts getroffen und
frühzeitig Gegenstrategien abgeleitet werden. Das Kerninte
resse liegt bei den Haftpflichtversicherungsträgern auf dem
Volumen der finanziellen Schadensregulierung (hier liegt das
Augenmerk auf Kostenreduktion bei möglichen und tatsäch
lichen Regressforderungen durch Geschädigte).
Ein strukturiertes Risikomanagement dient als Systemund Prozessanalyse zur Optimierung vorhandener Abläufe
mit dem Ziel einer verstärkten Patientenbindung durch Erhö
hung der Patientensicherheit und in Folge der Steigerung der
Patientenzufriedenheit (Patienten als Multiplikatoren).
In jedem Unternehmen gibt es ökonomische Risiken und
Risiko geneigte Tätigkeitsfelder und Aufgaben (z. B. in den
Hochleistungs- und Hochrisikobereichen OP, Anästhesie,
Intensivstation).
Notwendige Rahmenbedingungen für die Etablierung
eines funktionierenden Risikomanagements sind eine Unter
nehmensstrategie, eine am Risikomanagement orientierte
Unternehmenskultur und ein organisationaler Rahmen für
die Implementierung in den klinischen Alltag.
j
jWarum braucht es ein Risikomanagement?
44Identifikation unternehmerischer Risiken und Risikopo
tentiale in der strategischen und operativen Ausrichtung,
44verstärkte Medienpräsenz zum Thema Kunst- und Be
handlungsfehler in der Medizin und Pflege (z. B. Dekubi
tusentstehung während der Krankenhausbehandlung als
Pflegefehler),
44Veränderung des gesellschaftlichen Anspruchs- und Er
wartungsverhaltens sowie Zunahme des Selbstbewusst
seins von Patienten und Angehörigen,
44rasche Fortschritte und Innovationen in der Medizin
und Medizintechnik (z. B. neue Operationsverfahren,
Einsatz von Robotik),
44Auflagen der Versicherungsträger.
29.4.2
Bewertungskriterien
im Risikomanagement
Um Risiken, potenzielle Gefährdungen, Zwischen- und Scha
densfälle objektiv zu bewerten erfolgt eine Kategorisierung
von Eintrittswahrscheinlichkeit (wie häufig kommt das Er
eignis vor?) und dem Ausprägungsgrad möglicher Folgen
(z. B. Komplikation, Tod, wirtschaftlicher Verlust – Schadens
höhe? – im Unternehmen). Daraus erfolgt eine Priorisierung
in der Maßnahmenplanung im Rahmen einer Vermeidungs
strategie.
Für das sog. integrierte Risikomanagement (IRM; . Abb.
29.3) erfolgt primär eine Ableitung der Zielvorgaben aus der
Unternehmensstrategie, der Definition von Zielen und einer
professionellen Risikomanagementstruktur. Der Gesamtpro
zess bildet sich anhand folgender Schritte ab und berücksich
tigt kritische Erfolgsfaktoren aus den medizinisch, klinischen
und betriebswirtschaftlichen Bereichen, sowie der gesamten
Krankenhausorganisation.
Risikoidentifikation
Evaluation
Risikocontrolling,
Berichtwesen
Risikobewertung
Risikobewältigung,
Ableitung
Vermeidungsstrategien
..Abb. 29.3 Vereinfacht dargestellter Risikomanagementprozess
589
29.4 · Risikomanagement (RM) im Krankenhaus
29.4.3
Klinisches Risikomanagement
Das immer stärker werdende Wettbewerbsumfeld zwingt
Krankenhäuser, bestehende Strukturen und Prozesse zu hin
terfragen, zu analysieren, zu reorganisieren und Steuerungs
instrumente zu implementieren, um das ökonomische Über
leben auf dem Gesundheitsmarkt zu sichern.
In der rasanten Entwicklung der Gesundheitssysteme im
Spannungsfeld zwischen Medizin, Pflege und Ökonomie liegt
der Fokus auf Leistungssteigerung und Verweildauerreduzie
rung. Der demografische Wandel mit Veränderung der Pa
tientenaltersstruktur, der Zunahme von Multimorbidität und
Komplexität in der medizinisch-pflegerischen Versorgung
sowie Zeitdruck, Arbeitsverdichtung und unterschiedliche
Qualifikationsanforderungen (bei bekannter Situation auf
dem Arbeitsmarkt) führen zu einem erhöhten Potenzial an
Risikosituationen.
Als Hauptfelder möglicher Risiken und unerwünschter
Ereignisse im Krankenhausalltag gelten:
44Organisation (z. B. Informationsdefizite, Kommunika
tionsmängel, Qualifikations- und Wissensstand, knappe
Personalressourcen),
44Material (z. B. Inkompatibilitäten, Verunreinigungen,
Infektionen),
44Personal (z. B. personelle Ausstattung, Qualifikation),
44Aufklärung (z. B. Sprachbarrieren, adressatengerechte
Kommunikation),
44Behandlung (z. B. Alternativverfahren),
44Medizintechnik (z. B. fehlende Geräteeinweisung,
«learning by doing»),
44Arzneimittel (z. B. Allergien, Wechselwirkungen,
Verwechslungen, Dosierungsfehler).
Patientensicherheit und Risikominimierung sind primäre
Unternehmensziele, um Patienten während des Kranken
hausaufenthalts nicht zusätzlich zu schädigen. In einem Lern
prozess ist es erforderlich, den Umgang mit Fehlern und
Risiken im Unternehmen zu entwickeln (und aktiv zu leben).
Nicht die Frage «Wer hat Schuld?», sondern die Analyse
«Warum ist es passiert?» steht im Vordergrund und führt zu
einer Etablierung einer
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