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coinad

4/12/26

 Familienanamnese. Als Erstsymptom wird meist eine schmerzlose Vergrößerung ein­

hergehend mit einem Schweregefühl beschrieben, tastbare

Verhärtung im Hoden oder an der Oberfläche und selten eine

Schwellung der Brustdrüsen.

Die Heilungschance bei lokal begrenzten Tumoren liegt

bei über 90%, wobei Seminome durch ihre geringere Meta­

stasierungsneigung eine höhere Heilungstendenz haben als

Nichtseminome. Die Metastasierung erfolgt entlang der

­Hodenlymphgefäße zu den retroperitonealen Lymphknoten.

Empfohlen wird zusätzlich eine kontralaterale (von der

­Gegenseite) Biopsie, um die sog. TIN-Zellen (testikuläre

intra­epitheliale Neoplasie), die später auf der anderen Seite

ebenfalls zu einem Tumor führen würden, frühzeitig ent­

decken zu können.

j

jHohe inguinale Semikastration


Wurde ein Hodentumor festgestellt und die Diagnose erhärtet

sich durch die klinische Untersuchung, der Sonographie

­beider Hoden, ein Spermiogramm und Labordiagnostik wie

Routinelaborwerte, Messung der Hodentumormarker und

des Testosteronspiegels, muss der Hoden entfernt werden. Im

Vorwege wird der Patient auf die Möglichkeit des Spermiendepots auf einer Samenbank hingewiesen.

Nach der Diagnosestellung ist die hohe inguinale Semikastration schnellstmöglich durchzuführen. Bei Einzelhoden

wird versucht, den Tumor zu enukleieren (herauszuschneiden). Das Schnellschnittergebnis wird abgewartet, bevor der

Hoden einschließlich Nebenhoden und Samenstrang entfernt

wird.


OP-Ablauf: Hohe inguinale Semikastration

55 Wir müssen dafür Grundinstrumentarium, feines

­Instrumentarium (Scheren, Pinzetten), Gummizügel

und feines Nahtmaterial nach Standard sowie eine

Patientenabdeckung vorbereiten.

55 Der Patient wird auf dem Rücken gelagert. Nach

der Hautdesinfektion werden das OP-Gebiet steril

­abgedeckt und das Team-Time-Out durchgeführt.

55 Die Hautinzision erfolgt 2 cm oberhalb und parallel

zum Leistenband (analog zur Leistenhernie 7 Abschn. 7.2.1). Die Subkutis (Unterhaut) wird bis auf

die Aponeurose durchtrennt und die Faszie in ihrem

­Faserverlauf inzidiert. Der Samenstrang wird identi­

fiziert und mit Hilfe eines Zügels angeschlungen.

Der Zügel wird zugeknotet um die Durchblutung

zu mindern und eine Tumorzellverschleppung zu

­vermeiden.

55 Der Hoden wird aus dem Skrotum mobilisiert und

das Gubernaculum testis (Leitband des Hodens)

­mittels Ligaturen und Koagulation durchtrennt. Der

Hoden wird feucht umlegt und die Tunica albuginea

eröffnet. Der Hoden wird aufgeschnitten und der

­Tumor inspiziert, bei Bedarf wird Gewebe für die

Schnellschnittuntersuchung gewonnen, ansonsten

wird die Entfernung des Hodens fortgeführt. Der

Leistenkanal wird weiter eröffnet, der Samenstrang

wird zirkulär bis zum inneren Leistenring und der

peri­tonealen Umschlagfalte präpariert.

55 Samenleiter und Gefäße werden nach kranial (kopfwärts) bis zu ihrer Aufteilung verfolgt, dann werden

Vene, Arterie und Samenleiter getrennt voneinander

ligiert und/oder durchstochen und der Hoden entfernt.

55 Es erfolgt die Blutstillung und evtl. die Einlage einer

Drainage. Das Skrotalfach wird ausgetupft; auf

Wunsch des Patienten kann eine Hodenprothese

­eingebracht werden.

55 Es folgt die Zählkontrolle aller OP-Textilien und

­Instrumente und die Dokumentation des Zählstands.

Die Wunde wird schichtweise verschlossen und mit

einem Wundpflaster versehen.

55 Die kontralaterale Hodenbiopsie wird nach

einem Handschuh- und Instrumentenwechsel

durch­geführt.

–– Der Assistent fixiert den Hoden mit gespannter

Haut im Skrotalfach. Es erfolgt eine kleine Inzision

durch alle Hodenhüllen bis zur Tunica albuginea.

Diese wird am Oberpol ca. 5 mm weit inzidiert,

das hervorquellende Hodengewebe abgetragen

und zur histologischen Untersuchung gegeben.

–– Die Tunica albuginea wird wieder vernäht, anschließend gleiches Vorgehen am Unterpol, danach erfolgen die Blutstillung mittels bipolarer

Koagulation, der schichtweise Wundverschluss

und die Versorgung mit einem Wundpflaster.


337

12.4 · Penis


>>Es ist darauf zu achten, das entnommene Hodengewebe


nicht zu quetschen, um das histologische Ergebnis nicht

zu verfälschen.


Da Hodentumoren als erstes in die Lymphknoten retroperitoneal beidseits und unterhalb des Nierenhilus metastasieren,

wird die Behandlung der Hodentumoren risikoadaptiert

durchgeführt, d. h. je nach Ausbreitung des Tumors und des

histologischen Typs erfolgt ein differenzierter Einsatz von

Chemotherapie und/oder es wird eine radikale retroperi­

toneale Lymphadenektomie (RLA) durchgeführt.

Heute gilt die nervenerhaltende modifizierte RLA als das

Operationsverfahren der Wahl. Die sympathischen Nervenfasern werden dabei identifiziert und geschont. Bei positivem

intraoperativem Schnellschnittergebnis wird die RLA auf die

kontralaterale Seite ausgedehnt.

Die Dissektionsgrenzen für rechts- bzw. linksseitige Hodentumoren sind dabei festgelegt. Die RLA wird also nicht nur

zur Minderung des Risikos der Metastasenbildung s­ondern

auch zur Entfernung bereits bestehender Metastasen oder auch

zur Resttumorbergung nach Chemotherapie durchgeführt.

Als Komplikation kann es bei diesem Eingriff zu sehr

starken Blutungen kommen, v. a. wenn bereits große Meta­

stasen oder Resttumoren vorhanden sind, die mit den großen

Gefäßen verwachsen sind. Der Umgang mit Gefäßinstrumentarium und Notfallmaßnahmen muss bekannt sein.

12.4


Penis


Brigitte Lengersdorf

12.4.1


Phimose


Bei der Phimose handelt es sich um eine angeborene oder

erworbene Verengung der Vorhaut, die nicht (absolute

­Phimose) oder nur schwer (relative Phimose) über die Glans

zurückgezogen werden kann. Es kann zu Miktionsstörungen,

rezidivierenden (immer wiederkehrenden) eitrigen Balani­

tiden (eitrigen Entzündungen unter der Vorhaut) sowie zu

einer Paraphimose kommen.


55 Nach der Hautdesinfektion und sterilem Abdecken

des OP-Gebiets sowie dem Team-Time-Out wird

die Vorhaut (Präputium) oberhalb der Enge mit zwei

Mosquito-Klemmen gefasst und angespannt. Das

­äußere Vorhautblatt wird mit dem Skalpell zirkulär

umschnitten und mit Hilfe einer Kompresse oder

­eines Präpariertupfers zurückgestreift. Das äußere

Blatt wird dann dorsal (an der Unterseite) mit der

­geraden Schere längs gespalten, mit MosquitoKlemmchen aufgespannt und zirkulär reseziert (weggeschnitten). Dabei ist das Frenulum zu schonen,

das innere Blatt wird dann bis auf 3–5 mm unterhalb

des Sulcus coronarius reseziert. Nach der Blutstillung

werden die beiden Vorhautblätter durch Einzelknopfnähte oder semizirkuläre, fortlaufende Nähte miteinander verbunden.

55 Es wird ein zirkulärer Kompressenverband mit des­

infizierender Salbe angelegt. Damit die Schmerzen

postoperativ erträglich sind, kann ein Peniswurzelblock mit 2%iger Lidocainlösung angelegt werden.


12.4.2


Paraphimose


Die Paraphimose ist ein Anschwellen der retrahierten (zurückgezogenen) Vorhaut hinter der Glans. Dabei kommt es

zu einem Venenstau mit ödematöser Schwellung der Vorhaut

und der Glans («Spanischer Kragen»; . Abb. 12.9), was eine

Reposition zunehmend erschwert. Dieses Krankheitsbild ist

extrem schmerzhaft und kann bei längerer Dauer zu Nekrosen führen und/oder eitrig infizieren.

>>Zu den Notfallindikationen zählt neben der akuten


­Hodentorsion auch die Paraphimose.


Die Therapie ist vielfältig: Konservativ durch Kühlung mit

Eiswasser oder vorsichtige Kompression der Schwellung. Gelingt die manuelle Reposition, wird die Abschwellung ab­


j

jZirkumzision

OP-Ablauf: Zirkumzision

55 Für die Zirkumzision benötigen wir feines Grund­

instrumentarium, eine gerade Schere und feines resorbierbares Nahtmaterial. Es gibt unterschiedliche

OP-Techniken, bei denen ein Teil der Vorhaut belassen wird, hier wird die klassische zirkuläre Resektion

der Vorhaut beschrieben.

55 Der Patient wird in Rückenlage gelagert, da die Blutstillung in der Regel mit der bipolaren Koagulation

durchgeführt wird, wird auf die Platzierung der neu­

tralen Elektrode für die monopolare Hochfrequenzchirurgie verzichtet (7 Abschn. 2.8).


..Abb. 12.9 Paraphimose. Aus: Liehn M, Lengersdorf B, Stein­

müller L, Döhler JR (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


12


Kapitel 12 · Urologie


338


gewartet und evtl. später eine Zirkumzision durchgeführt. Bei

Nichtgelingen muss der Schnürring längs dorsal inzidiert

werden. Nach Abschwellen wird auch dann eine Zirkumzi­

sion durchgeführt.

12.4.3


Peniskarzinom


Peniskarzinome sind selten und betreffen meist ältere Männer ab dem 60. Lebensjahr. Es sind in aller Regel Platten­

epithelkarzinome; Tumoren anderer Genese sind selten. Das

Peniskarzinom metastasiert früh in die inguinalen und dann

in die iliakalen Lymphknoten. Fernmetastasen sind selten.

Je nach Lokalisierung des Karzinoms wird es durch eine

großzügige Zirkumzision (Beschneidung), eine Teilampu­

tation oder totale Penektomie (Penisentfernung) mit Bildung eines neuen Harnröhrenausgangs im Dammbereich

behandelt.

Im Anschluss erfolgt meist eine Entfernung der iliakalen

Lymphknoten, um eine Metastasierung zu verhindern.

Die Patienten klagen zunächst über eine ständig wiederkehrende Phimose (Vorhautverengung) mit eitrigem, übelriechendem und manchmal blutigem Ausfluss, dann über ein

nicht schmerzhaftes (indolentes) Geschwür. Nach der Dia­

gnose des Peniskarzinoms wird eine Penisteilamputation

durchgeführt werden.


12


j

jPenis(teil)amputation

OP-Ablauf: Penis(teil)amputation

55 Für diesen Eingriff benötigen wir ein Abdeckset,

Grundinstrumente, Gummizügel, einen Dauerkatheter, resorbierbares Nahtmaterial in verschiedenen

Stärken und evtl. ein Kondom.

55 Der Patient wird in Rückenlage gelagert, meist wird

mit bipolarem Strom koaguliert (7 Abschn. 2.8).

55 Nach der Hautdesinfektion, der sterilen Abdeckung

und dem Team-Time-Out wird der tumortragende

Anteil des Penis evtl. mit einem Kondom oder alternativ mittels Kompresse/Tape-Verband abgeklebt,

um eine Tumorzellstreuung zu vermeiden.

55 Eine Blutleere wird hergestellt, indem ein Gummi­zügel

um die Peniswurzel gelegt und festgezogen wird. Die

Penishaut wird ca. 2 cm oberhalb des Tumors zirkulär

umschnitten und die Schwellkörper durchtrennt. Die

Urethra wird ebenfalls durchtrennt und körperfern

(dorsal) eingeschnitten, die verbleibende Harnröhre

sollte den Schwellkörper um ca. 1 cm überragen. Die

Blutgefäße werden ligiert, der Schwellkörper umstochen und das entfernte Präparat zur Schnellschnitt­

untersuchung gegeben.

55 Der Gummizügel wird entfernt und die endgültige

Blutstillung durchgeführt. Die Haut des Penisschafts

wird über den Schwellkörpern und die längs eingeschnittene Harnröhre vernäht. Der Dauerkatheter

wird eingelegt und ein zirkulärer Verband angelegt.


Durch diese Operation ist der Penis verkürzt, d. h. Geschlechtsverkehr ist in aller Regel nicht mehr möglich.

Liegt das Peniskarzinom sehr nah an der Peniswurzel,

muss eine Penisamputation mit Bildung eines neuen Harnröhrenausgangs (Neomeatus, «Boutonniere») durchgeführt

werden. Die Vorbereitungen entsprechen denen der Penis­

teilamputation, evtl. benötigen wir hier noch zusätzlich eine

Easy-flow-Drainage und/oder einen suprapubischen ­Katheter.

Nach dieser Operation ist kein Geschlechtsverkehr mehr

möglich, die Miktion (Wasserlassen) ist nur noch im Sitzen

möglich. Als Komplikation kann es hier zu einer Ein­engung

des neuen Harnröhrenausgangs durch Narben­

bildung

k­ ommen.

12.5


Andrologie


Brigitte Lengersdorf


Andrologie bezeichnet die Männerheilkunde in Bezug auf die

Zeugungsfähigkeit.

j

jVasektomie


Die Sterilisation (Vasektomie) wird durchgeführt bei Patientenwunsch nach abgeschlossener Familienplanung und zur

Verhinderung einer Nebenhodenentzündung. Sie wird meist

in Lokalanästhesie durchgeführt.

Es werden die Ductus deferentes durchtrennt und teilentfernt, die verbleibenden Enden werden koaguliert und unterbunden. Die Samenleiterresektate werden nach Seitenlokalisation getrennt zur pathohistologischen Untersuchung gegeben.

j

jVaso-Vasostomie


Manchmal kommt es jedoch zu erneutem Kinderwunsch

nach erfolgter Sterilisation, dann wird eine Vaso-Vasostomie

durchgeführt. Dieser Eingriff wird in Vollnarkose in mikrochirurgischer Vorgehensweise unter dem Operationsmikro­

skop (7 Abschn. 2.6) durchgeführt (. Abb. 12.10).

Die Erfolgsrate ist hoch, nach 3–12 Monaten sind bei

80–90% der Männer wieder Spermien nachweisbar. In den

ersten 5 Jahren nach der Sterilisation sind die Erfolgsaus­

sichten sehr gut, nach 10 Jahren noch gut. Die zuvor bei der

Vasektomie durchtrennten Samenleiter werden wieder mit­

einander verbunden.

OP-Ablauf: Vaso-Vasostomie

55 Für diesen Eingriff benötigen wir feines Grundinstrumentarium, eine Patientenabdeckung nach Hausstandard, ein Operationsmikroskop mit einem Sterilbezug, mikrochirurgisches Instrumentarium (Nadelhalter, Pinzetten), verschiedene Spritzen, eine Venenverweilkanüle, einen Approximator und Nahtmaterial

geflochten, monofil, resorbierbar und nicht resor­

bierbar in verschiedenen Stärken. Der Patient wird

auf dem Rücken gelagert, die Blutstillung erfolgt mit

der bipolaren Koagulation.


339

12.6 · Niere


..Abb. 12.10 Spannungsfreie Adaptation der beiden Samenleiter

zur Reanastomose mittels eines Approximators. Aus: Nieschlag E, Behre

HM, Nieschlag S (2009) Andrologie, 3. Aufl.. Springer, Berlin Heidelberg

New York


55 Die Haut wird desinfiziert und das OP-Gebiet steril

abgedeckt, das OP-Mikroskop und die bereit gestellten Stühle für die Operateure steril bezogen.

55 Unbedingt danach an einen Handschuhwechsel

denken!

55 Nach dem Team-Time-Out wird auf dem Skrotum ein

kleiner Hautschnitt gesetzt und der Hoden hervor­

luxiert, nach dem Freipräparieren des Samenleiters

werden die Enden «angefrischt», d. h. sie werden noch

einmal angeschnitten, damit das Lumen wieder sichtbar wird. Durch Massieren des Nebenhodens wird aus

dem distalen Anteil Sekret herausgemolken und mit

Hilfe einer Spritze mit 0,9% NaCl-Lösung ­aspiriert.

55 Das Sekret wird sofort zur Mikroskopie gegeben, um

Spermien nachzuweisen. Dies dient dem Nachweis

der Durchlässigkeit des distalen Samenleiters, so kann

eine orientierende Aussage zur Erfolgsaussicht ge­

troffen werden. Das Lumen des proximalen Samen­

leiters kann mit einem monofilen Faden sondiert und

auf Durchlässigkeit geprüft werden.

55 Wenn der Samennachweis positiv ausfällt, wird der

Samenleiter unter dem Mikroskop in zweischichtiger

Nahttechnik mit einem nichtresorbierbaren, mono­

filen Faden (6-0 bis 10-0 doppelt armiert) reanastomisiert (wieder zusammengenäht). Nach der Blutstillung wird die Wunde schichtweise verschlossen und

die Gegenseite analog operiert. Die Nähte werden

mit Wundpflaster versorgt. Sollten im hodenseitigen

Samenleiterstumpf keine Spermien nachweisbar

sein, besteht die Möglichkeit den Samenleiter direkt

mit dem Nebenhoden zu verbinden.


..Abb. 12.11 Wichtige Neoplasmen des Urogenitalsystems. Aus:

­Gasser T (2015) Basiswissen Urologie, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg

New York


12.6


Niere


Brigitte Lengersdorf


Die . Abb. 12.11 zeigt die wichtigsten Tumoren des Urogenitalsystems.

12.6.1


Nierenzellkarzinom


Wird ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert, leidet der Patient

unter dumpfen Schmerzen in der Flanke, hat vermehrt Harnwegsinfekte, Koliken und Blut im Urin, zusätzlich hat er an

Gewicht verloren.

Durch eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) wird

der Tumor nachgewiesen, zusätzlich wird eine URS (Ure­

terorenoskopie) durchgeführt und eine Spülzytologie ge­

wonnen, um die malignen (bösartigen) Zellen im Labor

nachzuweisen.

Dieser Eingriff kann je nach Größe des Tumors als offene

oder als laparoskopische Operation durchgeführt werden. Je

nach Größe des Tumors wird dieser nur herausgeschält, ein

Teil der Niere entfernt oder es wird die ganze Niere mitsamt

ihrer Fettkapsel herausoperiert.


12


340


Kapitel 12 · Urologie


Hat der Patient nur noch diese eine Niere, wird alles versucht, nur den Tumor zu entfernen, damit der Patient nicht

dialysepflichtig wird.

Dialyse

Dialyse bedeutet, dass die Patienten je nach Ergebnis

der Blutwerte mehrfach die Woche zur sog. «Blutwäsche»

müssen, bei der die Schadstoffe, die sonst über die

­Nieren ausgeschieden werden, maschinell herausge­

filtert werden.


Leidet der Patient unter einem bösartigen Tumor wird eine

radikale Nephrektomie durchgeführt. Im Gegensatz zu einer

einfachen Nephrektomie, die bei funktionslosen Nieren mit

entzündlichen Prozessen, Schrumpfnieren mit Komplika­

tionen oder auch bei Fehlbildungen mit Funktionseinschränkungen durchgeführt wird, wird bei der radikalen Nephrektomie die Niere einschließlich Fettkapsel, der Nebenniere

und optional die regionären, paraaortalen bzw. parakavalen

Lymphknoten entfernt. Das sind die Lymphknoten, die entlang der großen, den ganzen Körper versorgenden Arterie

(Aorta) und Vene (V. cava, untere Hohlvene) liegen.

j

jRadikale Nephrektomie


Der Eingriff ist in der Übersicht und . Abb. 12.12 dargestellt.


12

OP-Ablauf: Radikale Nephrektomie

55 Dieser Eingriff kann in Seitenlage über einen Interkostal- (Schnitt zwischen den einzelnen Rippen)

oder Flankenschnitt oder in Rückenlage über einen

transperitonealen Zugang (Medianschnitt, Transrektalschnitt), vom Xyphoid (Schwertfortsatz des Sternums) bis unterhalb des Nabels oder einen Rippenbogenrandschnitt durchgeführt werden. Bei sehr

großen Tumoren oder bei Verdacht auf einen Thrombus in der V. cava inferior (untere Hohlvene) wird

der transperitoneale Zugang bevorzugt, da hier die

Kontrolle des Gefäßstiels besser ist.

55 Für die radikale Nephrektomie bereiten wir Grund­

instrumente, längeres Instrumentarium, Gefäßinstrumentarium als Option, Nierenstielklemmen, einen

Rahmensperrer z. B. nach Bookwalter oder Codman

sowie bei Bedarf Clipzange oder Einzelclipstapler

ebenso wie eine bipolare Schere vor. Als Einmalmaterialen benötigen wir zusätzlich zu dem nach Standard geforderten Nahtmaterial, Gummizügel, eine

passive Drainage z. B. nach Robinson oder Blake,

­kräftige Ligaturen für den Nierenstiel, evtl. eine

­Gefäßnaht und bei Bedarf ein resorbierbares Hämo­

styptikum (blutstillendes Mittel).

55 Der Patient wird auf dem Rücken gelagert, die Neu­

tralelektrode nach Standard auf dem Oberschenkel

platziert. Vor Beginn der Operation erfolgt eine Zählkontrolle der zu verwendenden OP-Textilien und In­


strumente in der «Vier-Augen-Technik», die Anzahl

wird in die OP-Dokumentation eingegeben. Im TeamTime-Out wird die Vollständigkeit nochmals be­

stätigt. Nach Hautdesinfektion und Abdeckung des

OP-Gebiets erfolgt der Hautschnitt.

55 Die Muskelschichten werden durchtrennt oder zur

­Seite gedrängt, bevor das Rahmenhaltesystem angebracht und die entsprechenden Haken eingesetzt

­werden. Nach der Präparation der entsprechenden

­Kolonflexur werden transperitoneal die Nierenvene

und -arterie aufgesucht und vorsichtig mit einer Overholt-Klemme präpariert. Arterie und Vene werden

(wenn möglich einzeln) mit je einer Nierenstielklemme abgeklemmt und durchtrennt (. Abb. 12.12).

Zur Aorta hin werden die Gefäße mit einer kräftigen

Ligatur doppelt ligiert, zur Niere reicht eine einfache

Ligatur.

55 Die Niere wird möglichst stumpf mit der Fettkapsel

aus ihrem Bett gelöst. Aberrierende (vom Gefäß abgehende) Gefäße werden mit einem Overholt unterfahren, ligiert oder geclippt und durchtrennt. Der

Ureter wird aufgesucht, möglichst weit nach distal

freipräpariert, ligiert und ebenfalls durchtrennt. Die

Niere wird mitsamt ihrer Fettkapsel en bloc entfernt.

Es folgt ggf. die regionäre Lymphknotenentfernung

(7 Abschn. 12.2.2). Sollte die Nebenniere mit entfernt

werden, werden die sehr feinen Gefäßverzweigungen geclippt und durchtrennt. Nach Kontrolle und

Dokumentation der OP-Textilien und Instrumente

­sowie der Dokumentation des Zählstands, wird eine

passive Drainage eingelegt. Die Wunde wird schichtweise verschlossen und mit einem Wundpflaster versehen.

55 Bei Entfernung der linken Tumorniere wird die

V. testicularis bzw. die V. ovarica ebenfalls ligiert, da

diese in die V. renalis münden.

55 Bei einer rechten Tumorniere können Tumoran­

teile in die V. cava eingewachsen sein. Dies erfordert

ein tangentiales (der Länge nach) Abklemmen der

V. cava mit einer Gefäßklemme (z. B. nach Satinsky).

Je nach Ausbreitung des Tumors in die V. cava muss

diese ventral freigelegt werden. Zur Unterbrechung

der Blutzufuhr werden alle zuführenden Gefäße

­einschließlich der V. cava oberhalb des Tumors mit

­einem Tourniquet (Gefäßzügel) versorgt. Nach Verschluss der Tourniquets wird die Vene zwischen zwei

Haltefäden längs eröffnet und der Tumor entfernt.

Über die Längseröffnung wird eine Gefäßklemme

­gesetzt und der Blutstrom in die andere Niere frei­

gegeben. Es erfolgt eine fortlaufende Gefäßnaht der

Vene. Die Gefäßklemme und die Tourniquets werden

gelockert und die Naht auf Dichtigkeit überprüft,

­danach werden Klemme und Tourniquets entfernt.

55 Danach kann die OP wie oben beschrieben fortgeführt werden.


341

12.7 · Fehlbildungen der Urogenitalorgane


Rotations- und Verschiebungsprozesse. Blase und Genitalien

entwickeln sich aus allen drei Keimblättern. Der größere Teil

der Anomalien ist aber ohne Krankheitswert und wird eher

zufällig entdeckt.

Das Nierenbecken (Pelvis renalis) ist der Beginn der

­harn­ableitenden Wege, hier münden die Nierenkelche, das

Nierenbecken verjüngt sich zunehmend und geht in die

Harnleiter über. Die Harnleiter beginnen am Nierenbecken,

bilden dort eine Art Trichter, in dem der von der Niere gefilterte Urin gesammelt wird. Sie verlaufen hinter dem Bauchfell

(retroperitoneal) über die Aa. Iliacae communis, bevor sie in

die Blase münden. Nach dem Eintritt verlaufen sie ein kurzes

Stück innerhalb der Blasenwand (intramural), dadurch wird

bei Blasenfüllung ein Rückfluss (Reflux) in die Nieren durch

einen natürlichen Ventilmechanismus weitestgehend ver­

hindert. An drei Stellen des Ureters gibt es natürliche (physiologische) Engen:

44am Abgang aus dem Nierenbecken,

44an der Überkreuzung der großen Gefäße und

44am Eintritt in die Blase.


a


12.7.1


Ein relativ häufiger Eingriff ist die Rekonstruktion einer Nierenbeckenabgangstenose mit entsprechender Abflussbehinderung, Infektion, Steinbildung oder Blutung. Sie wird in der

Erwachsenenchirurgie nur noch relativ selten durchgeführt,

weil Fehlbildungen heute meist im Kindesalter entdeckt und

bei Bedarf chirurgisch versorgt werden (7 Kap. 18). Diese

Operation kann auch laparoskopisch durchgeführt werden.


b

..Abb. 12.12a, b Nephrektomietechnik. a Stumpfe Freipräparation

der Nierenstielgefäße, b Ligatur der Gefäße nach Anklemmen durch

Stielklemmen. Aus: Liehn M, Lengersdorf B, Steinmüller L, Döhler JR

(2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


Als Komplikation kann hier eine größere Blutung auftreten,

wenn die Gefäße nicht frühzeitig mit Tourniquets versorgt

werden konnten oder aber auch Gefäße einreißen. Deshalb ist

es unerlässlich, Zügel sowie Gefäßklemmen und -nähte griffbereit liegen zu haben. Ein zweiter Sauger in Vorbereitung ist

von Vorteil.

>>Der Instrumentant sollte erfahren sein im Umgang


mit den nötigen Instrumenten, um situationsgerecht

reagieren zu können.


12.7


Nierenbeckenabgangsstenose


Fehlbildungen der Urogenitalorgane


Brigitte Lengersdorf


Fehlbildungen der Urogenitalorgane sind häufig, etwa ⅓ aller

möglichen Fehlbildungen des menschlichen Organismus fallen in diesen Bereich. Das liegt an der komplexen Embryologie, die Nierenentwicklung durchläuft mehrere Reduktions-,


j

jNierenbeckenplastik nach Anderson-Hynes


Bei der Nierenbeckenplastik wird das zu enge Harnleiter­

segment entfernt, das erweiterte Nierenbecken verkleinert,

abweichende Gefäße verlagert und/oder entfernt, der Ureter

abgesetzt und eine neue Anastomose (Verbindung) zwischen

Nierenbecken und Ureter geschaffen. Je nach Bedarf mit oder

ohne Uretersplint (Schiene für den Harnleiter) z. B. Doppel-J,

Nephrostomiekatheter.

OP-Ablauf: Nierenbeckenplastik nach Anderson-­

Hynes

55 Soll eine Nierenbeckenplastik nach Anderson-Hynes

in offener Technik durchgeführt werden, bereiten

wir Grundinstrumente, einen Sperrer mit breiten

Branchen, langes Instrumentarium, Allis-Klemmen,

eine Schere nach Potts de Martell, Gummizügel,

­Uretersplinte, eine Robinson-Drainage und unterschiedliches Nahtmaterial in verschiedenen Größen

und Stärken vor.

55 Der Patient wird für diesen Eingriff in Seitenlage,

leicht überstreckt (Flankenlagerung) gelagert und

die Neutralelektrode am Oberschenkel des Patienten

platziert.


12


Kapitel 12 · Urologie


342


12


55 Der operative Zugang erfolgt über einen Interkostalbzw. Flankenschnitt. Nach der Hautdesinfektion, der

sterilen Abdeckung des OP-Gebiets und dem TeamTime-Out erfolgt der Hautschnitt mit Durchtrennung

der Zwischenrippenmuskulatur mit Hilfe des Diathermiemessers. Danach lassen sich die Rippen gut spreizen und der Sperrer wird eingesetzt.

55 Die Gerota-Faszie und die Nierenfettkapsel werden

seitlich eröffnet, der Harnleiter aufgesucht und angezügelt. Das Nierenbecken wird bis zum Parenchym

freipräpariert, aberrierende Gefäße am Übergang

vom Nierenbecken zum Harnleiter zunächst angeschlungen. Adhäsionen (Verbindungen/Verklebungen) werden – sofern vorhanden – unter Schonung

der Gefäße an der Nierenbeckenwand gelöst. Ist das

Nierenbecken freipräpariert, erfolgt die Exploration

(Untersuchung/Suche) nach pathologischen (krankhaften) Veränderungen (z. B. Steinen).

55 Der Operateur markiert nun den Resektionsbereich

mit Haltefäden. Das Nierenbecken wird bogenförmig

teilreseziert (teilentfernt). Dabei sollte die Fettkapsel

geschont werden. Der Harnleiter wird unterhalb der

Stenose (Verengung) abgesetzt und das Nierenbecken bzw. der Harnleiter mit der Schere nach Potts

de Martell längs eingeschnitten (ca. 2–3 cm), um eine

größere Strecke für die Anastomose zu erreichen

und damit eine erneute Enge zu vermeiden. Dazu

wird die Vorderwand des Nierenbeckens durch resorbierbare Einzelknopfnähte mit dem längs eingeschnittenen restlichen Harnleiter zunächst auf einer

Seite vernäht.

55 Ein Harnleitersplint wird zur Schienung in den Harnleiter vorgeschoben und perkutan (durch die Haut)

ausgeleitet und fixiert, dadurch ist der problemlose

Urinabfluss gewährleistet. Danach wird die restliche

Strecke, die zweite Seite und das restliche Nieren­

becken verschlossen.

55 Die Anastomose wird durch eine Wasserprobe auf

ihre Dichtigkeit überprüft und die Durchgängigkeit

der Schiene (wird Urin gefördert?) getestet. Die

­Nieren-Harnleiter-Anastomose wird in die Fettkapsel

eingebettet, um spätere Adhäsionen zu vermeiden.

Bei Bedarf wird eine Robinson-Drainage eingelegt.

55 OP-Textilien und Instrumente werden gezählt und

der Zählstand in der Dokumentation vermerkt. Jetzt

wird die überstreckte Lagerung aufgehoben und

die Wunde schichtweise verschlossen, die Drainage

fixiert und ein Wundpflaster aufgeklebt.


12.7.2


Fehlbildungen am Harnleiter


Fehlbildungen am Harnleiter können zu Störungen im Harntransport führen, dadurch kann es als Folge zu rezidivierenden (immer wiederkehrenden) Harnwegsinfekten, Harnlei-


tersteinen und zur Niereninsuffizienz kommen. In der Regel

verlaufen die Harnleiter nach ihrem Eintritt in die Blase ca.

2–3 cm schräg durch die Blasenwand. Der Urin kann ungehindert in die Blase fließen, durch die zunehmende Füllung

der Blase erhöht sich der Innendruck, der Harnleiter wird in

der Blasenmuskulatur zusammengedrückt und der Urin kann

nicht mehr in die Harnleiter/Nieren zurückfließen. Wenn der

Verlauf intramural (in der Muskulatur) gar nicht oder zu kurz

angelegt wurde, also ein inkompetenter Übergang zwischen

Blase und Harnleiter besteht, führt dieser zu einem Reflux

(Rückstau) bis zurück in die Niere.

Der vesikorenale (Blase/Niere) Reflux wird nach Paku­

lainen in eine Skala von 1–5 eingeteilt:

44Grad 1: Reflux nur in den Harnleiter,

44Grad 2: Reflux erreicht das Nierenbecken,

44Grad 3: Reflux in das Nierenbecken, Erweiterung des

Hohlsystems,

44Grad 4: massive Erweiterung des Hohlsystems,

44Grad 5: starke Erweiterung, die meisten Kelche sind

nicht mehr erkennbar.

Bei Erreichen von Grad 3–4 muss operativ eingegriffen werden, und zwar durch eine Antirefluxplastik oder durch eine

Ersatzplastik am distalen Harnleiter (Boari-Plastik).

j

jAntirefluxplastik


Für die Antirefluxplastik stehen verschiedene Verfahren zur

Verfügung:

44das extravesikale (von außerhalb der Blase) Vorgehen

nach Lich-Grégoir,

44die Operation nach Politano-Leadbetter und

44das intravesikale (durch die Blase) Vorgehen nach C

­ ohen.

Das Prinzip ist immer eine Tunnelbildung zwischen Blasenschleimhaut und Blasenmuskulatur zur Bildung eines neuen

Ventils.

OP-Ablauf: Antirefluxplastik

55 Für diese Eingriffe bereiten wir ein Abdeckset,

­Grundinstrumente, feinere längere Pinzetten und

Scheren, Gleitmittel, einen Harnblasenkatheter, eine

Blasenspritze, Spüllösung zum Auffüllen der Blase,

ein Rahmenhaltesystem, je nach Vorgehen eine

­Harnleiterschiene und feineres resorbierbares,

­geflochtenes Nahtmaterial vor.

55 Der Patient wird in Rückenlage gelagert und die

­Neutralelektrode am Oberschenkel platziert.

55 OP nach Lich-Grégoir

–– Beim Vorgehen nach Lich-Grégoir wird nach der

Hautdesinfektion, dem sterilem Abdecken des

OP-Gebiets und dem standardisierten Team-TimeOut unter sterilen Kautelen (Bedingungen) der

­Katheter in der Blase platziert, die Blase wird mit

steriler NaCl-Lösung aufgefüllt und der Katheter

abgeklemmt.


343

12.7 · Fehlbildungen der Urogenitalorgane


–– Nach einem Handschuhwechsel erfolgt der Zu-


gang über einen Pfannenstiel-Schnitt. Die Muskulatur wird zur Seite gedrängt und ein Rahmen­

haltesystem eingesetzt. Bei aufgefüllter Blase wird

der/die Harnleiter an der Blasenaußenwand aufgesucht und bis zum Eintritt in die Blase freiprä­

pariert.

–– Nach Anlegen von Haltefäden wird die Blasenmuskulatur nach kranial (kopfwärts) über eine

Länge von 4–5 cm bis auf die Mukosa durchtrennt

ohne die Basenschleimhaut zu eröffnen. In diesen

so geschaffenen «Graben» wird der Harnleiter,

ausgehend von seinem Originalostium, hinein

verlagert und mit feinen Nähten eingenäht.

–– Die Muskulatur über dem Harnleiter wird wieder

verschlossen und dadurch der Ventileffekt

­erreicht.

55 OP nach Politano-Leadbetter und Cohen

–– Beim Vorgehen nach Politano-Leadbetter und

­Cohen sind die ersten Operationsschritte die

­gleichen, die Blase wird hier jedoch eröffnet, das

Ostium aufgesucht, eine Harnleiterschiene ein­

gelegt und mit Haltefäden befestigt. Das Ostium

wird umschnitten und der Harnleiter aus der

­Blasenwand gelöst bis er in die Blase gezogen

werden kann.

–– Die Tunnelierung erfolgt ausgehend vom alten

Ostium in Richtung Gegenseite. Der geschiente

und spatulierte (eingeschnittene) Harnleiter wird

mit einem Overholt durch den Tunnel gezogen

und an seiner neuen Mündungsstelle mit der

­Blasenmuskulatur vernäht.

–– Nun werden Blasenschleimhaut und Harnleiter

miteinander verbunden. Die Harnleiterschiene

kann bis zur Abheilung belassen werden. Die

­Blase wird zweischichtig mit stärkerem geflochtenem, resorbierbarem Nahtmaterial der Stärke 0

oder 1 verschlossen.

55 Nach erfolgter Zählkontrolle und deren Dokumentation wird die Wunde schichtweise verschlossen und

die Haut mit einem Pflaster versorgt.


j

jBoari-Plastik


Eine Ersatzplastik, die sog. Boari-Plastik (. Abb. 12.13), am

distalen (blasennah/nierenfern) Harnleiter wird durch­geführt

bei angeborenen Veränderungen, Verletzungen der Ostien

oder des distalen Harnleiters z. B. nach TUR-P, TUR-B, URS,

bei Tumorinfiltration in den distalen Harnleiter oder auch

wenn eine spannungsfreie Reimplantation des Harnleiters

ohne Lappenbildung nicht möglich ist. Hierbei wird ein Lappen aus der Blase gebildet, der durch submuköse (unter der

Schleimhaut) Tunnelung des Harnleiters die Strecke des fehlenden Teils des Ureters überbrückt. Voraussetzung für diesen

Eingriff ist ein ausreichendes Fassungsvermögen der Blase

und eine intakte Blasenwand.


a


b


..Abb. 12.13a, b Boari-Plastik. a Präparierter Blasenlappen mit Mar­

kierungsnähten und antirefluxive Implantation des Ureters in einen submukösen Tunnel. b Verschluss der Restblase mit kräftigem resorbier­

barem Nahtmaterial. Stroedter L (2006) Traumatische Verletzungen des

Urogenitalsystems beim Kind. In: Weinberg A-M et al. (Hrsg) Tscherne

­Unfallchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York


OP-Ablauf: Boari-Plastik

55 Der Patient wird für diesen Eingriff in Rückenlage,

manchmal auch in Steinschnittlage gelagert, die

Neutralelektrode am Oberschenkel platziert.

55 Wir benötigen ein Abdeckset, Grundinstrumenta­

rium, feine Klemmen und Scheren, bei Bedarf langes

Instrumentarium, einen Rahmensperrer, Zügel zum

Anschlingen der Harnleiter, einen Nélaton-Blasen­

katheter, eine Blasenspritz

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