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coinad

4/12/26

 e, eine Ureterschiene


12


344


Kapitel 12 · Urologie


12.7.3


12


(­Mono-J), eine Robinson-Drainage, einen «Lendenschurz» um jederzeit den Genitalbereich erreichen

zu können und Nahtmaterial gemäß Standard u. a.

feines, geflochtenes, resorbierbares der Stärke 4-0.

55 Nach der Hautdesinfektion einschließlich des Genitalbereichs und der sterilen Abdeckung des OP-Gebiets wird nach dem standardisierten Team-Time-Out

der Blasenkatheter eingebracht.

55 Nach einem Handschuhwechsel und Anlegen des

«Lendenschurzes» erfolgt der Zugang über einen

Pfannenstiel-Schnitt. Die Rektusbäuche werden

stumpf auseinandergedrängt und der extraperito­

neale Raum eröffnet (Spatium retropubicum). Der

­Peritonealsack wird von der Blasenvorderwand

­möglichst weit nach kranial (kopfwärts) abgeschoben um einen möglichst großen Eingang in den

­paravesikalen (neben der Blase) Raum der zu operierenden Seite zu schaffen.

55 Der Harnleiter wird oberhalb der Kreuzung der

Iliakal­gefäße aufgesucht und angeschlungen, dann

wird er nach distal (nierenfern) bis zum veränderten

Anteil freipräpariert. Es wird eine Haltenaht vorgelegt

und der veränderte Anteil herausgeschnitten (reseziert). Die Ureterschiene wird in den Harnleiter eingebracht, bis in die Niere vorgeschoben und mit feinem

Nahtmaterial befestigt.

55 Nun wird die Blase mit steriler Kochsalzlösung auf­

gefüllt und die Blasenwand soweit mobilisiert, dass

ein ausreichend großer Lappen gebildet werden

kann, dessen Basis in Richtung des ursprünglichen

Ostiums liegen sollte, um eine gute Durchblutung zu

gewährleisten. Es werden Markierungsnähte angelegt und der Lappen so zugeschnitten, dass er etwas

länger als der zu überbrückende Defekt ist. Am Ende

des Lappens wird mit einem feinen Overholt in der

Mitte ein Tunnel von ca. 4 cm Länge gebildet, der mit

einem Faden markiert wird.

55 Der Ureter wird durch den Tunnel gezogen und mit

feinem resorbierbarem Nahtmaterial mit der Blasenschleimhaut vernäht.

55 Jetzt wird Mukosa mit Mukosa vernäht, die Adven­

titia und Blasenmuskulatur werden zur Sicherheit

auch miteinander vernäht, der Boari-Lappen wird

über dem Ureter mit der liegenden Schiene, ohne

den Harnleiter einzuengen, verschlossen. Falls nötig

wird die Schiene belassen und transvesikal-trans­

kutan (durch die Blase/durch die Haut), ausgeleitet.

Die Restblase wird mit kräftigem resorbierbarem

Nahtmaterial der Stärke 0 oder 1 verschlossen. Eine

Robinson-Drainage wird eingelegt.

55 Nach der abschließenden Zählkontrolle und der

­Dokumentation des Zählstands wird die Wunde

schichtweise verschlossen und die Haut mit einem

Wundpflaster versorgt. Der Blasenkatheter wird evtl.

belassen.


Fehlbildung der Urethra


Eine Fehlbildung der Urethra (Harnröhre) ist die Hypospadie, dabei liegt die Mündung der Harnröhre (Meatus urethrae


externum), weiter ventral/proximal (an der Unterseite) als bei

gesunden Menschen. Sie tritt häufig in Verbindung mit einer

Verkrümmung des Penis, einer Meatusstenose (Verengung

des Harnröhrenausgangs), Veränderungen an der Vorhaut

oder einem Hodenhochstand (Maldescensus testis) auf.

Liegt der Harnröhrenausgang an der Oberseite, nennt man

das Epispadie.

Die Korrektur der Fehlbildung oder des Fehlbildungskomplexes sollte entweder früh (7.–15. Lebensmonat oder

spät (bis zum 6. Lebensjahr) erfolgen. Seltener erfolgt die

Korrektur im Erwachsenenalter. Je nach Ausprägung der

Fehlbildung gibt es vielfältige (ca. 300) Operationsverfahren,

die einzeitig (in einer Operation) oder zweizeitig (in zwei

oder mehreren Schritten) durchgeführt werden müssen. Zu

den am häufigsten angewendeten Techniken gehören bei

­Hypospadien im Bereich der Glans verschiedene Formen der

Glansplastik, die Meatotomie und die Zirkumzision.

Bei Fehlbildungen im Bereich des Penisschafts und distal

penilen Hypospadien sind gestielte Vorhautlappen nach

Matthieu oder Snodgrass mit Einschneidung der Urethra

und Schienung über einen Katheter möglich, jedoch auch

minimal-invasive Eingriffe durch eine Glansplastik. Bei proximalen Hypospadien mit Penisverkrümmung können, je

nach Befund, eine Chordektomie (Ausschneiden eines Keils

aus dem Schwellkörper) nach Nesbit, oder Harnröhrenrekonstruktionen mittels gestielter Vorhautlappen oder Mundschleimhaut als freie Transplantate zur Anwendung kommen.

12.7.4


Penisdeviation


Bei einer Penisdeviation handelt es sich um eine angeborene

oder erworbene Krümmung des Penis außerhalb der physiologischen Norm. Das Prinzip der Operation nach Nesbit ist

eine ellipsenförmige Ausschneidung (Exzision) der Tunica

albuginea der Schwellkörper (Corpora cavernosa).

j

jOP nach Nesbit

>>Wichtig bei diesem Eingriff ist die Fotodokumentation


prä- und postoperativ.


OP-Ablauf: OP nach Nesbit

55 Der Patient liegt auf dem Rücken. Da die Blutstillung

mittels bipolarer Koagulation vorgenommen wird,

kann auf das Anlegen der neutralen Elektrode verzichtet werden.

55 Nach Desinfektion und steriler Abdeckung des

OP-Gebiets wird nach dem standardisierten TeamTime-Out ein suprapubischer Katheter gelegt, da

postoperativ ein komprimierender Penisverband

­gewickelt wird, der eine Miktion (Wasserlassen)


345

12.8 · Harninkontinenz


­unmöglich macht. Das Präputium (Vorhaut) wird mit

zwei Mosquito-Klemmen gefasst und angespannt,

das äußere Vorhautblatt wird mit dem Skalpell zirkulär umschnitten und mit Hilfe einer Kompresse oder

Präpariertupfer zurückgestreift, das äußere Blatt wird

nun dorsal (an der Unterseite) mit der geraden Schere längs gespalten und die Hautweichteile zir­kulär

bis zur Peniswurzel gelöst.

55 Blutungen werden mit der bipolaren Koagulation

­gestillt, danach wird eine Erektion durch Einspritzen

heparinisierter Kochsalzlösung über eine ButterflyKanüle direkt in die Schwellkörper und einen um

die Peniswurzel gespannten Zügel hergestellt.

55 Der Penis wird von allen Seiten vermessen und die

Maße dokumentiert. Die Resektionsgröße der Ellipsen

richtet sich nach dem Grad der Abweichung.

55 Die Tunica albuginea wird mit einer Allis-Klemme

auf der konvexen Seite (gegenüber) der Krümmung

gefasst und beidseits um die Klemme herum ausgeschnitten, der Schwellkörper ist danach eröffnet.

55 Die Exzisionsstellen werden nun invertierend (um­

kehrend) mit nichtresorbierbarem monofilem Nahtmaterial verschlossen. Dadurch kommt es zu einer

­Begradigung aber auch zu einer Verkürzung des ­Penis.

55 Das Ergebnis wird wiederum nach einer hergestellten

Erektion fotodokumentiert, die Butterfly-Kanüle und

der Gummizügel entfernt und die endgültige Blut­

stillung durchgeführt. Nach Zählkontrolle und Dokumentation des Zählstands der Textilien und Instrumente, erfolgt der schichtweise Wundverschluss mit

der «typischen» Zirkumzisionsnaht um den Lymph­

abfluss zu gewährleisten.

55 Es wird ein zirkulärer Kompressionsverband angelegt, der an der Glans festgenäht wird.


12.8


Harninkontinenz


Brigitte Lengersdorf


Die Harninkontinenz bedeutet unwillkürlichen Urinverlust,

der ein soziales und ein hygienisches Problem darstellt. Die

Harninkontinenz des Mannes wird von Urologen behandelt,

die der Frau von Gynäkologen als auch von Urologen.

12.8.1


Inkontinenz der Frau


Bei der Frau wird die Harninkontinenz unterschieden ­zwischen

44Belastungsinkontinenz (früher: Stressinkontinenz):

­unwillkürlicher Harnverlust bei körperlicher Belastung

wie Niesen und Husten,

44Dranginkontinenz: unwillkürlicher Harnverlust in

­Kombination mit plötzlich vorangegangenem Drangempfinden,


44Mischinkontinenz: unwillkürlicher Harnverlust assoziiert mit Harndrang wie auch mit körperlicher Belastung,

Niesen und Husten,

44nächtliche Enuresis: jeglicher unwillkürlicher Harnverlust während des Schlafs,

44übrige Inkontinenzformen; situationsabhängige Inkon­

tinenzepisoden, z. B. bei Geschlechtsverkehr sowie

44neurogene Inkontinenz: bei Vorliegen einer neurologischen Grunderkrankung.

Die Therapie ist abhängig von Form und Ausprägung der

Inkontinenz. Operative Maßnahmen sollten erst erfolgen,

wenn die konservative Therapie, wie z. B. Gewichtabnahme,

Beckenbodengymnastik oder Medikamente keinen Erfolg

hatte.

Es gibt vielfältige Methoden, von denen sich die nach­

folgend aufgeführten durchgesetzt haben. Vaginalen Verfahren wie dem TVT («tensionfree vaginal tape»), TVT-O (wird

transobturatorisch positioniert; 7 Abschn. 11.2.1), werden seit

mehr als 10 Jahren der Vorzug vor offenen Verfahren wie

der OP nach Burch gegeben. Die Erfolgsquote liegt hier bei ca.

80%.

j

jVaginale OP-Verfahren


Das TVT ist ein synthetisches Band, das von vaginal mit einer

Spezialnadel um die Urethra retrosymphysär nach ventral

eingebracht wird. Es wird nicht fixiert (daher: tensionfree),

sondern verankert sich durch Gewebeeinsprossung. Dadurch unterstützt es bei zunehmender Blasenfüllung die

Harnblase bzw. die Urethra wie eine «Hängematte» und verbessert somit den Kontinenzmechanismus. Eine mögliche

Komplikation bei der Implantation des TVT ist die Blasen­

verletzung.

Beim TVT-O, das ebenfalls aus synthetischem Material gefertigt ist, erfolgt die Einlage des Bandes transobturatorisch.

Es besteht dadurch eine geringere Gefahr der Blasenver­

letzung.

j

jOP nach Burch


Bei der OP nach Burch wird in einem offenen Verfahren

das paravaginale Gewebe mittels Matratzennähten an das

Lig. ileopectinum (Cooper-Band) festgenäht.

12.8.2


Inkontinenz des Mannes


Bei männlichen Patienten liegt die Ursache für eine Harn­

inkontinenz häufig in einer postoperativen Komplikation nach

Eingriffen an der Prostata, z. B. die direkte Schädigung des

M. sphincter externus nach tiefer Umstechung des Plexus

­Santorini bei der RRP (radikale retropubische Prostatektomie),

oder auch nach TUR-P und offener Adenektomie (OP nach

Millin).

Bei der Harninkontinenz des Mannes werden in der

Anam­neseerhebung der Leidensdruck des Patienten, Vor­

operationen, Medikamente, urologische als auch neurologische Erkrankungen sowie das Ausmaß der Harninkontinenz


12


Kapitel 12 · Urologie


346


erfragt. Dabei wird der Harnverlust nach Stamey in drei Sta­

dien unterteilt:

44Stadium 1: Harnverlust bei Niesen, Husten und Lachen,

44Stadium 2: Harnverlust beim Gehen und Aufstehen,

44Stadium 3: Harnverlust beim Liegen.

Als operative Verfahren sind die Anlage eines artifiziellen

Sphinkters (künstlicher Schließmuskel) ebenso wie die An­

lage eines suburethralen Bandes (AdVance) zu nennen. Für

den Therapieerfolg bei der Bandanlage ist eine restliche

Sphinkteraktivität die Voraussetzung. Langzeitergebnisse

­liegen bis heute lediglich für den artifiziellen Sphinkter vor,

andere Verfahren müssen sich erst bewähren.

j

jAnlage eines artifiziellen Sphinkters


Bei der Anlage eines artifiziellen Sphinkters ist keine Sphinkteraktivität mehr vorhanden, diese wird dann nach der Operation mechanisch durch einen um die Urethra herum liegenden Cuff imitiert. Hinsichtlich der Kontinenz sind gute Ergebnisse zu erwarten, nachteilig ist hier allerdings die relativ

häufige Revisionsrate in den ersten 5 Jahren nach der OP

durch mechanische Defekte, Infektionen des Systems oder

Harnröhrenarrosionen. Zusätzlich erfordert dieses System

manuelles Geschick des Patienten und Einsicht in die Pro­

blematik.


12


j

jAdVance-Bandeinlage


Bei der AdVance-Bandeinlage (Fa. AMS) handelt es sich um

ein funktionelles, retrourethrales, nichtknochenverankertes

Band. Es wird z. B. bei Patienten mit Belastungsinkontinenz

nach radikaler Prostatektomie eingelegt. Die Urethra wird

mittels einer Schlinge aus nichtresorbierbarem Material über

einen perinealen Zugang und eine kleine Stichinzision trans­

obturatorisch angehoben. Das Schlingensystem für Männer

wird immer mehr zum Standard bei leichter bis mittel­gradiger

Harninkontinenz, allerdings gibt es noch keine Langzeitergebnisse.

12.9


Endoskopische Operationen

in der Urologie


Brigitte Lengersdorf, Annegret Nietz


Einige der bereits beschriebenen Operationen in der Uro­

logie können auch in einer minimal-invasiven Technik (MIC)

(7 Abschn. 7.1) durchgeführt werden.

>>Die Möglichkeit des schnellen Konvertierens (Umsteigen


auf eine offene Operation) muss im Falle einer endo­

skopisch nicht beherrschbaren Blutung jederzeit gegeben

sein.


Kontraindikationen für die laparoskopische Verfahrensweise


sind starke Verwachsungen durch vorausgegangene Opera­

tionen, sehr große Tumoren (mit Gefäßbeteiligung), Lymphknotenmetastasen und im Fall der partiellen Nephrektomie

schwer erreichbare Nierentumoren.


Außerdem wird bei Patienten mit schwerer obstruktiver/

restriktiver Lungenfunktionsstörung auf diese Operationsmethode verzichtet, da es durch den erhöhten Beatmungsdruck zu Problemen bei der O2-Stättigung kommen kann.

Wir stellen den Endoskopieturm (7 Abschn. 2.2) bereit,

ein HF-Gerät, bipolar und bei Bedarf monopolar, jeweils mit

Fußschalter, einen Sauger und bei Bedarf einen Generator

zur innovativen Präparation [z. B. Ultracision (Fa. Ethicon),

SonoSurg (Fa. Olympus), LigaSure (Fa. Covidien)].

Neben dem Grundinstrumentarium für eine Minilapa­

rotomie und den abschließenden Wundverschluss wird das

laparoskopische Instrumentarium bereitgelegt. Die Siebe

müssen folgende Instrumente beinhalten:

444–5 Trokare, 10 mm für die Optik, 5 mm und 12 mm für

Instrumente und Linear-Stapler,

441–2 atraumatische Fasszangen (z. B. Johann-Klemme),

441–2 Dissektoren,

441 Schere, mit Anschluss für den monopolaren Strom,

441 bipolare Fasszange,

441 Saugerhandgriff mit Ansatz,

441 Clipapplikator mit den dazugehörigen Clips,

441 Bulldog-Setzer und 1 Bulldog-Klemme (bei der par­

tiellen Nephrektomie),

441–2 endoskopische Nadelhalter (bei der partiellen

­Nephrektomie, der Nierenbeckenplastik und der endo­

skopischen Prostatektomie) sowie

440°-Optik und Kaltlichtkabel, alternativ: 0°-Endoeye.

12.9.1


Niere


Operationen, die im Bereich der Niere laparoskopisch durchgeführt werden können, sind die totale Nephrektomie, die

partielle Nephrektomie, die Nierenbeckenplastik, die Entfernung von Nierenzysten und die Adrenalektomie (Entfernung

der Nebenniere).

Alle endoskopischen Operationen an der Niere können

sowohl transperitoneal als auch retroperitoneal durchgeführt

werden.

Entsprechend der jeweiligen Vorgehensweise wird der

­Patient in Rückenlage (transperitoneal) oder in überstreckter

Seitenlage (retroperitoneal) gelagert. Wird in Rückenlage

operiert, steht der Endoskopieturm auf der zu operierenden

Seite des Patienten, bei Seitenlage ventral des Patienten. Die

Abdeckung ist in beiden Fällen eine Vier-Tuch-Abdeckung,

die Desinfektion erfolgt mit einem Hautdesinfektionsmittel

entsprechend dem OP-Gebiet.

Bei einem transperitonealen Vorgehen ist der Zugang für

die Gasinsufflation über eine Minilaparotomie und mittels

eines eingebrachten Trokars oder durch die Verwendung

­einer Veress-Nadel möglich.

Beim retroperitonealen Zugang erfolgt die Gasinsuffla­

tion über einen Trokar. In diesem Fall wird der retroperito­

neale Raum nach der Inzision der Haut und der Faszie zunächst stumpf gedehnt, dann ein Distensionsballon eingeführt, der mit ca. 1000 ml Luft aufgepumpt wird, sodass die

Gewebsschichten auseinandergedrängt werden. Nachdem so


347

12.9 · Endoskopische Operationen in der Urologie


ausreichend Platz geschaffen wurde, kann der Trokar eingeführt und das CO2 insuffliert werden.

Mittels CO2-Zufuhr mit einem Druck von 16 mmHg wird

ein Pneumoperitoneum oder ein Pneumoretroperitoneum

hergestellt. Die Anzahl und der Durchmesser der Trokare für

die Instrumente kann je nach Operateur etwas variieren.

Bei allen Eingriffen an der rechten Niere ist die Nähe zur

Leber, der V. cava inferior (untere Hohlvene) und der rechten

Kolonflexur zu beachten sowie auf der linken Seite die Nähe

zur Milz, zum Pankreas, der Aorta und der linken Kolon­flexur.


55 Es folgt die abschließende Überprüfung auf Trockenheit des OP-Gebiets, bei Bedarf nochmalige Blutstillung, das Zählen aller OP-Textilien und Instrumente

sowie die Dokumentation des Zählstands und das

Legen einer Silikondrainage (z. B. Robinson-Drainage)

durch einen der Trokare.

55 Nach Ablassen des Gases und der Entfernung der

Trokare unter Sicht erfolgt der schichtweise Wunderverschluss und das Anlegen eines sterilen Wundverbandes.


j

jNephrektomie

OP-Ablauf: Retroperitoneoskopische Nephrektomie

in überstreckter Seitenlage

55 Nachdem das Pneumoretroperitoneum wie oben

­beschrieben hergestellt wurde, wird zunächst der

10-mm-Trokar für die Optik platziert und der retro­

peritoneale Raum inspiziert. Im Anschluss daran

­werden die weiteren Trokare – ein 12-mm-Trokar für

größere Instrumente und den endoskopischen

­Linear-Stapler sowie zwei 5-mm-Trokare für Instrumente – unter Sicht zwischen der untersten Rippe

(subkostal) und dem Darmbeinstachel (Spina iliaca)

eingeführt. Die gesamte Präparation erfolgt mit

­bipolarem Strom und einer Schere.

55 Die Gerota-Faszie sowie die Fettkapsel werden er­

öffnet und der Nierenunterpol mobilisiert. Der Harnleiter (Ureter) wird aufgesucht, da er bei dem wei­

teren Vorgehen als Leitstruktur dient, und bis zum

Nierenbecken freipräpariert.

55 Nach der Freilegung des Nierenhilus und der Isolierung der Nierenstielgefäße werden die Nierenarterie

und der Harnleiter separat mittels Titanclips verschlossen, jeweils zwei Clips am im Körper verbleibenden und ein Clip am nierennahen Ende, und

­anschließend durchtrennt. Die Nierenvene wird mit

einem endoskopischen Linear-Cutter, einem sog.

­Endo-GIA, in einem Arbeitsschritt mit Klammern verschlossen und gleichzeitig durchtrennt.

55 Bei der anschließenden Freilegung des Oberpols

wird bei der rechten Niere entlang der unteren Hohlvene (V. cava inferior) und bei der linken Niere entlang der Aorta nach kranial (schädelwärts) präpariert

und die Schicht zwischen Oberpol und Nebenniere

durchtrennt.

55 Ist die Niere komplett von den umliegenden Struk­

turen gelöst, verbleibt sie vorläufig im retroperito­nea­

len Raum, um zunächst die Blutstillung vorzunehmen.

55 Das Bergen der Niere erfolgt mittels eines 15-mmBergebeutels über die erweiterte Einstichstelle des

12-mm-Trokars, indem der Beutel mit der Niere in

Drehbewegungen herausgezogen wird. Eine weitere

Möglichkeit ist das vorherige Zerteilen des Organs,

um das Bergen bei sehr großen Präparaten zu erleichtern.


k

kNephroureterektomie


Eine mögliche Erweiterung dieser Operation ist die Nephro­

ureterektomie (Entfernung der Niere und des Ureters). Hierbei gibt es zwei verschiedene Vorgehensweisen:

44Die, wie oben beschrieben, abgesetzte Niere verbleibt

­zunächst im retroperitonealen Raum, die Wunde wird

verschlossen und der Eingriff offen fortgesetzt. Dazu

wird der Patient in die Rückenlage umgelagert, die Haut

desinfiziert und das Operationsgebiet steril abgedeckt.

Der Zugang erfolgt über einen unteren lateralen (seit­

lichen) Wechselschnitt. Der Ureter wird freipräpariert

und blasennah abgesetzt. Die Niere wird nun zusammen

mit dem Ureter über den offenen Zugang geborgen.

­Anschließend wird die Blase durch eine Naht wieder

verschlossen. Evtl. ist das Legen einer zweiten Silikon­

drainage erforderlich. Es folgen die Blutstillung, der

schichtweise Wundverschluss und das Anlegen eines

­sterilen Wundverbands, nachdem die Zählkontrolle

durchgeführt und dokumentiert wurde.

44Der Eingriff wird laparoskopisch fortgesetzt, indem

auch der Harnleiter endoskopisch freipräpariert und

von der Niere abgetrennt wird. Ein Ureterkatheter wird

­transurethral eingebracht und das proximale Ende des

Harnleiters daran fixiert. Anschließend wird der Ureter

in die Blase gestülpt, abgetrennt und durch die Urethra

(Harnröhre) geborgen. Die Blase wird durch eine Naht

wieder verschlossen. Die Niere muss dann wieder mittels

eines Bergebeutels durch die Einstichstelle des Trokars

geborgen werden.

k

kPartielle Nephrektomie


Bei gutartigen und kleineren malignen Tumoren kann eine

partielle Nephrektomie (Teilentfernung der Niere) vorgenommen werden, vorausgesetzt, der Tumor sitzt in einer gut

erreichbaren Lage.

Die Anlage des Pneumoretroperitoneums, das Platzieren

der Trokare, die Inspektion des retroperitonealen Raums

und die Identifizierung des Ureters und der Nierenstielge­

fäße finden in der gleichen Weise wie bei der Nephrektomie

statt.

In einigen Fällen ist zur genauen Lokalisation des Tumors

eine intraoperative Sonographie erforderlich, die mit einer

steril bezogenen endoskopischen Ultraschallsonde durchgeführt wird.


12


348


Kapitel 12 · Urologie


>>Um die Blutzufuhr während der Ausschälung des


­Tumors zu stoppen, wird die Nierenarterie mit einer

Bulldog-Klemme abgeklemmt. Zuvor bekommt der

­Patient vom Anästhesisten intravenös Osmofundin

zum Schutz des Nierenparenchyms während der

­Ischämie infundiert. Trotzdem sollte die Abklemmzeit

zwanzig Minuten nicht überschreiten.


12


Ist die Arterie abgeklemmt, kann der Tumor vorsichtig mit

der an den monopolaren Strom angeschlossenen Schere aus

dem umliegenden Nierenparenchym ausgeschält werden.

Der so vollständig ausgelöste Tumor wird zunächst im retroperitonealen Raum belassen, um durch das Bergen die Ischämiezeit nicht unnötig zu verlängern.

Das Parenchym wird an der Resektionsstelle mit resorbierbaren Nähten (z. B. V-Loc, monofile Fäden mit Wider­

haken, Fa. Covidien) zusammengezogen und vernäht. Zur

Blutstillung kann zusätzlich ein Hämostyptikum (z. B. Tabotamp, Fa. Ethicon) mit eingeknotet werden. Im Anschluss

daran wird die Bulldog-Klemme von der Arterie abgenommen, ggfs. werden weitere blutstillende Maßnahmen vorgenommen.

Erst dann wird der ausgelöste Tumor mit Hilfe eines

­Bergebeutels geborgen, was in der Regel ohne große Schnitt­

erweiterung gelingt. Das Einlegen einer Silikondrainage, die

abschließende Zählkontrolle aller OP-Textilien, Instrumente

sowie die Dokumentation des Zählstandes und der schichtweise Wundverschluss beenden die Operation. Die Wunde

wird mit einem sterilen Verband versehen.

j

jNierenzystenentfernung


Die Entfernung einer Nierenzyste findet ebenfalls in Seitenlage statt. Das Anlegen eines Pneumoretroperitoneums und

Platzieren der Trokare erfolgt, wie oben beschrieben.

Die Gerota-Faszie und die Fettkapsel werden über der

Zyste eröffnet und die Zystenwand ausgeschält. Nach Entfernung der Zystenwand und der Blutstillung wird eine Silikondrainage eingelegt, die Wunde verschlossen und mit einem

sterilen Verband versehen.


a


b


..Abb. 12.14a, b Nierenbeckenplastik. a Resektion, b Anastomose.

Aus: Liehn M, Lengersdorf B, Steinmüller L, Döhler JR (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


Durchtrennen des Ureters darauf geachtet werden, diese nicht

mit durchzuschneiden. Ist noch keine Ureterschiene vor­

handen, muss vor der Anastomosierung des Harnleiters mit

dem Nierenbecken, eine Doppel-J-Schiene (. Abb. 12.15)

­gelegt werden, wobei das eine Ende im Nierenbecken und das

andere in der Blase zu liegen kommt.

Der Harnleiter wird, wenn nötig, mobilisiert, um genügend Strecke zu gewinnen und eine spannungsfreie Ana­

stomose zu ermöglichen. Um die Anastomosenstrecke zu

­verlängern und somit eine erneute Enge zu vermeiden, wird

der Ureter an dem abgetrennten Ende längs eingeschnitten.

Mit einer resorbierbaren Naht wird der Harnleiter an

­einer dafür geeigneten Stelle an das Nierenbecken herangeführt und damit verbunden. Vor Fertigstellung der Anastomose wird das entsprechende Ende der Ureterschiene in das

Nierenbecken vorgeschoben und der Ureter kann nun vollständig mit dem Nierenbecken verbunden werden.

Nach Abschluss der Anastomose erfolgt die Kontrolle auf

Bluttrockenheit, das Legen einer Silikondrainage, der Wundverschluss und das Anlegen des sterilen Verbands.


j

jNierenbeckenplastik


Auch hier findet die Anlage des Pneumoretroperitoneums,

das Platzieren der Trokare, die Inspektion des retroperito­

nealen Raumes und die Identifizierung des Ureters und der

Nierenstielgefäße in der gleichen Weise wie bei der Nephrektomie statt.

Das Nierenbecken wird bis zum Nierenparenchym freipräpariert und die Stelle der Abgangsstenose aufgesucht.

Nach vorsichtiger Eröffnung der Gerota-Faszie und der Fettkapsel wird nun auch das Nierenbecken bogenförmig eröffnet

und teilreseziert.

Im Anschluss daran wird der Ureter unterhalb der Stenose

abgesetzt (. Abb. 12.14).

Das so gewonnene Präparat wird postoperativ zur histologischen Untersuchung eingeschickt.

Hat der Patient bereits vor der Operation (in den meisten

Fällen) eine Ureterschiene gelegt bekommen, muss beim


Ureterkatheter mit Nelaton-Spitze


Ureterkatheter mit Tiemann-Spitze


Doppel-J-Katheter zur Harnleiterschienung


..Abb. 12.15 Ureterkatheter. Aus: Hautmann RE, Huland H (2006) Urologie, 3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


349

12.9 · Endoskopische Operationen in der Urologie


Mögliche Komplikationen bei endoskopischen

­Nierenoperationen

55 Starke Blutungen, dann muss mit bipolarem Strom,

einem Hämostyptikum oder dem Konvertieren zur

offenen Vorgehensweise reagiert werden.

55 Eröffnen des Peritoneums: Das Peritoneum kann

­unverschlossen bleiben und bedarf keiner Naht.

55 Die Verletzung umliegender Organe wie Nebenniere,

Milz, Leber, linker und rechter Kolonflexur, V. cava

­inferior können entweder durch eine Naht behoben

werden oder es muss auf ein offenes Vorgehen konvertiert werden.


12.9.2


schluss daran durchtrennt. Nach der Blutstillung und Ent­

fernen der Trokare unter Sicht wird die Wunde verschlossen

und mit einem sterilen Verband versehen.

12.9.3


Prostata


j

jLaparoskopische radikale Prostatektomie


Die laparoskopische radikale Prostatektomie kann bei einem

nicht metastasierenden Prostatakarzinom als Alternative

zur offenen OP, mit oder ohne Nerverhalt, erfolgen (s. a.

. Abb. 12.16).

OP-Ablauf: Laparoskopische radikale

­Prostatektomie


Varikozele


j

jVarikozelenverschluss


Als Alternative zur Sklerosierung und der offenen Ligatur der

Vv. spermaticae internae (Hodenvenen, 7 Abschn. 12.3.1)

kann die betroffene Vene auch laparoskopisch verschlossen

und durchtrennt werden.

>>Die linke V. spermatica ist häufiger betroffen, da sie


rechtwinklig in die V. renalis (Nierenvene) mündet.

­Diese anatomische Struktur kann einen venösen Blutrückstau begünstigen.


Für den laparoskopischen Varikozelenverschluss platzieren

wir den Endoskopieturm am Fußende des Patienten.

Nach Anlegen eines Pneumoperitoneums über eine VeressNadel werden drei Trokare eingebracht. Ein 10-mm-Trokar für

die Optik umbilical (am Nabel), ein 10-mm- oder 12-mmTrokar und ein 5-mm-Trokar im rechten und linken Unterbauch für Instrumente, die Clipzange und den Sauger.

Das Peritoneum wird proximal des Leistenringes über der

betroffenen V. spermatica interna 1–2 cm eröffnet. Die Vene

wird mobilisiert, mit Titanclips verschlossen und im An..Abb. 12.16 Präparation des Präperitonealraums mittels Ballontrokar. Aus: Stolzenburg

JU, Truss MC, Do M (2004) Die endoskopische

extraperitoneale radikale Prostatektomie

(EERPE). Urologe A 43: 698–707


55 Der Eingriff wird in Rückenlage und aufgrund

der ­geringeren Verletzungsgefahr anderer Organe

in der Regel extraperitoneal durchgeführt, wobei

­jedoch auch ein transperitoneales Vorgehen möglich ist.

55 Wegen der intraoperativen Kopftieflage (Trendelenburg-Lagerung), muss der Patient durch eine Vakuummatratze und/oder Schulterstützen sowie einen

Beingurt gut fixiert werden, um ein Abrutschen

nach kranial zu vermeiden. Beide Arme werden an­

gelagert. Einige Operateure bevorzugen außerdem

eine Beinspreizung, die jedoch nicht zwingend

­erforderlich ist.

55 Der Endoskopieturm steht am Fußende des Pa­

tienten.

55 Entfernt werden die Prostata, die Samenblasen,

die Samenleiter und die pelvinen Lymphknoten

(­Beckenlymphknoten). Ob ein Schnellschnitt der

Lymph­knoten vorgenommen werden muss, ist abhängig vom Befund der Voruntersuchungen und

dem ­Operateur.


Linea arcuate

(Douglas)


Blase

Symphyse


Peritoneum


12


350


12


Kapitel 12 · Urologie


55 Außer den üblichen laparoskopischen Instrumenten (7 Abschn. 12.9) wird hier zusätzlich ein Instrument zur innovativen Präparation (z. B. Ultracision,

Fa. Ethicon) benötigt.

55 Das OP-Gebiet wird einschließlich des äußeren Genitale desinfiziert und unter dieses wird ein steriles

­Abdecktuch gelegt, anschließend eine Vier-Tuch-Abdeckung vorgenommen. Es folgt das standardisierte

Team-Time-Out.

55 Zu Beginn der Operation bekommt der Patient durch

die Harnröhre steril einen Blasendauerkatheter gelegt.

Ein kleines Klebetuch wird als «Lendenschurz» so angebracht, dass der Penis auch während der Operation

erreichbar ist.

55 Über eine Miniinzision unterhalb des Bauchnabels

(subumbilical), alternativ dazu im Bauchnabel (infra­

umbilical), wird ein sog. Distensionsballon eingeführt

und in den präperitonealen Raum des Unterbauchs

vorgeschoben. Durch das Aufpumpen des Ballons

mit Luft werden die Gewebeschichten stumpf aus­

einandergedrängt und der präperitoneale Raum erweitert, um eine ausreichende Übersicht und ein

­gutes Arbeiten mit den laparoskopischen Instrumenten, ohne sich gegenseitig zu behindern, zu gewährleisten (. Abb. 12.16).

55 Nun kann der Distensionsballon wieder entfernt

und stattdessen der 10-mm-Trokar für die Optik eingeführt werden. An diesen wird zur Insufflation des

CO2 der Gasschlauch angeschlossen, um ein Pneumoperitoneum herzustellen.

55 Nach der Inspektion des präperitonealen Raums

­werden vier weitere Trokare – z. B. je ein 12-mm- und

je ein 5-mm-Trokar (kann variieren) – zu beiden

­Seiten in den Unterbauch eingebracht. Die anschließende Präparation erfolgt hauptsächlich mit einem

Dissektor, einer Schere, der bipolaren Fasszange und

einem Ultraschallinstrument.

55 Zunächst werden die Beckenlymphknoten beidseits aufgesucht, freipräpariert und entfernt, um sie

histologisch, ggf. als Schnellschnitt, untersuchen

zu lassen.

55 Nach Eröffnen des lateralen Peritoneums und Ab­

lösen der Blase von der Bauchwand ist die Vorder­

seite der Prostata erreicht. Die Prostatapfeiler (puboprostatische Bänder) werden auf beiden Seiten aufgesucht und nach Inzision der endopelvinen Faszie

durchtrennt. Die lateralen Gefäß-Nerven-Bündel

­werden beidseits dargestellt, wobei die Nerven möglicherweise erhalten werden können, indem sie nach

Inzision der Prostatakapsel vorsichtig von der Pros­

tata abgelöst werden.

55 Die Samenleiter werden beidseits aufgesucht, unterhalb der Beckengefäßachse durchtrennt und bis zu

den Samenblasen weiterverfolgt. Durch Zug an den

Samenleitern wird die Denonvillier-Faszie, die die


Prostata zum Rektum hin abgrenzt, aufgespannt und

durchtrennt. Bei der anschließenden Ablösung der

Prostatahinterwand ist eine Verletzung des Rektums

unbedingt zu vermeiden!

55 Der dorsale Venenplexus (Plexus Santorini) wird nach

einer Umstechungsligatur ebenfalls durchtrennt.

55 Der Apex (Spitze) der Prostata wird stumpf präpariert und die Beckenbodenmuskulatur von der Prostata abgelöst. Durch Zug am Blasenkatheter ist die

Grenze zwischen Prostata und Harnblase gut erkennbar. Die Blase wird nun eröffnet und der Blasenhals

dargestellt. Die Harnröhre (Urethra) wird unterhalb

des Trigonums inzidiert und durchtrennt, der Blasenkatheter entblockt und entfernt. Das vom Blasenhals

bis zum Beckenboden vollständig ausgelöste Präparat, bestehend aus der Prostata, Samenblasen und

Samenleiter, wird mittels eines Bergebeutels geborgen (alternativ am Ende der Operation).

55 Zur besseren Führung des Harnröhrenstumpfs bei

der Reanastomosierung mit der Blase wird durch die

Urethra ein gebogener Metallbougie eingeführt. Die

Naht erfolgt mit resorbierbaren Fäden wahlweise in

Einzelknopfnahttechnik oder fortlaufend. Hierbei

muss der Blasenhals ggf. etwas eingeengt werden.

55 Der Blasendauerkatheter wird wieder eingeführt

und darüber die Anastomose mit Ringerlösung auf

Dichtigkeit überprüft. Anschließend kann der Katheter geblockt und an einen Urinauffangbeutel angeschlossen werden. Nach der abschließenden Blutstillung wird die Zählkontrolle aller Instrumente und

OP-Textilien durchgeführt und dokumentiert, eine

­Silikondrainage gelegt, die Inzisionen nach Ablassen

des Gases verschlossen und ein steriler Wundverband angelegt.


Die Prostata und die entfernten Lymphknoten werden korrekt beschriftet mit einem Begleitschein in die Abteilung für

Pathologie gebracht und dort histologisch untersucht oder bei

Bedarf noch während des Eingriffes einer Schnellschnitt­

untersuchung unterzogen.

Auf mögliche Komplikationen wie starke Blutungen wird

mit dem Einsatz von bipolarem Strom, einem Hämostyptikum oder dem Konvertieren (Umsteigen) zur offenen Vorgehensweise reagiert.

Bei einer Perforation des Rektums wird ebenfalls auf die

offene Vorgehensweise umgestiegen. Die Materialien dafür

werden dann schnell von der unsterilen Saalassistenz angereicht.


351

Literatur


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 12


55 In welcher anatomischen Region entsteht typischerweise die «BPH» und in welcher das Prostatakarzinom?

55 Wie kann ein Prostatakarzinom frühzeitig erkannt

werden?

55 Was bezeichnet der Begriff «TUR-Syndrom» und wie

kann dieses Syndrom vermieden werden?

55 Welche Formen der Harnableitung nach Zystektomie

sind Ihnen bekannt? Beschreiben Sie diese und

unter­scheiden in kontinente und inkontinente Harn­

ableitungen.

55 Warum sollte nach Eingriffen bei Verdacht auf

­Hodentumor eine kontralaterale Biopsie durchgeführt werden?

55 Nennen Sie die physiologischen Engstellen im Ureter,

an denen Steine Symptome bereiten können.


Literatur

Gasser T (2015) Basiswissen Urologie, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg

New York

Hautmann RE, Huland Urologie. 3.Aufl. Springer, Berlin Heidelberg

New York

Hofmann R (Hrsg) (2009) Endoskopische Urologie. Atlas und Lehrbuch,

2. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York

Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer,

Berlin Heidelberg New York

Nieschlag E, Behre HM, Nieschlag S (2009) Andrologie, 3. Aufl. Springer,

Berlin Heidelberg New York

Siegel A (1993) Kinderurologie. Springer, Berlin Heidelberg New York

Stolzenburg JU, Truss MC, Do M (2004) Die endoskopische extraperitoneale radikale Prostatektomie (EERPE). Urologe A 43: 698–707


12


353


Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Stefan Flender, Margret Liehn


13.1


Krankheitsbilder


13.1.1

13.1.2

13.1.3

13.1.4

13.1.5


Lippen-Kiefer-Gaumenspalten – 354

Dysgnathien – 355

Frakturen des Gesichtsschädels – 356

Mittelgesichtsfrakturen – 357

Tumorerkrankungen – 357


Literatur


– 354


– 358


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_13


13


354


Kapitel 13 · Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie


Lernziele

55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen

operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und sind in der Lage, bei

diesen Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht

zu instrumentieren.

55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die ent­

sprechenden Krankheitsbilder in der Mund-Kiefer-Gesichts­

chirurgie, deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren und deren typische Komplikationen.

55 Sie erarbeiten sich entsprechende Kenntnisse der ana­

tomischen, physiologischen und pathophysiologischen

Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie und

kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser Ver­

fahren häufig eingesetzt werden.

55 Die Auszubildenden können das Grundinstrumentarium

und die speziellen Instrumente, Geräte und Materialien, die

bei Operationen in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie zur

Anwendung kommen, auswählen, diese Instrumente fachund sachgerecht einsetzen und ihre Wirkung erklären.


13


Ein Einsatz in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie bedeutet,

einen Einblick zu bekommen in die Zahnheilkunde, in die

Weichteil- und Tumorchirurgie sowie in die Traumatologie.

Hier wird auf engstem Raum im Gesicht und im Mund aufgrund gutartiger sowie bösartiger Prozesse operiert, aber

auch die ästhetische Chirurgie im Rahmen von Wiederherstellungen nach Traumata oder Tumorresektionen haben hier

ihren Platz. Angeborene Fehlbildungen und Fehlstellungen

der Kiefer werden ebenfalls korrigiert.

13.1


Krankheitsbilder


Beispielhaft werden hier einige wenige Krankheitsbilder vorgestellt, mit denen sich die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

auseinander setzt. Aufgrund der anatomischen Nähe kommt

es manchmal zu Überschneidungen zu anderen Fachgebieten

z.B. der HNO.

13.1.1


Lippen-Kiefer-Gaumenspalten


Statistisch gesehen wird jedes 500. Neugeborene mit einer

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG-Spalten) geboren. Die

Ätiologie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist noch weit­

gehend ungeklärt. Sicher ist bisher, dass endogene Faktoren,

z. B. Vererbung, die Entstehung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte begünstigen, aber auch exogene Einflüsse, also von

außen auf das Ungeborene einwirkende Faktoren, die Ent­

stehung bewirken können. Hier ist v. a. die Mangelernährung

der Mutter, die z. B. durch Alkohol- und Nikotinabusus entsteht, zu erwähnen.

Neben dem Aussehen kann eine LKG-Spalte Auswir­kungen

auf die Atmung, das Schlucken, das Sprechen und das Hören

haben. Die erste Maßnahme bei Neugeborenen mit LGK ist

oftmals das Anfertigen einer sog. Trinkplatte, die neben der


Erleichterung der Nahrungsaufnahme des Neu­ge­borenen auch

das Wachstum der Kieferteile steuern soll. Die weiteren Maßnahmen werden dann sukzessive angegangen und richten

sich nach der Spaltenform. Die komplette Behandlung dauert

oftmals bis ins Erwachsenenalter. Neben Mund-KieferGesichtschirurgen sind Kinderärzte, HNO-Ärzte, Logopäden

und Zahnärzte an der Behandlung beteiligt.

LKG-Spalten können in verschiedenen Ausprägungen

auftreten. So können die Spalten rechts oder links, aber auch

beidseitig vorkommen. Sie beginnen an der Lippe und setzen

sich nach hinten fort, oder sie beginnen erst am Zäpfchen

(Uvula-Spalte) und setzen sich am Gaumen fort.

Operativ werden die Spalten verschlossen, zum einen, um

die Funktion herzustellen (Schlucken, Sprechen, Atmen) zum

anderen um einen ästhetischen Effekt zu erzielen. Parallel zu

den zahlreichen Eingriffen im Kindes- und Jugendalter muss

kieferorthopädisch der Gaumen abgedeckt und die Zahn­

stellung korrigiert werden sowie HNO-ärztlich die Ohrentzündungen, die oftmals durch fehlende Belüftung entstehen,

therapiert werden. Die gestörte Sprachentwicklung fordert

eine logopädische Begleitung der Kindesentwicklung.

Das Pflegepersonal in einer MKG-Abteilung muss sehr

empathisch mit den betroffenen Kindern und ihren Eltern

umgehen können, denn durch häufige Operationen, viele

­gesundheitliche Probleme und andere Problematiken sind

diese Kinder sehr empfindsam und häufig ängstlich.

Tritt eine Lippenspalte isoliert auf, hat das Kind keinerlei Probleme beim Saugen und entwickelt sich normal. Trotzdem ist aus logopädischen Gründen eine Operation not­

wendig, damit die Sprache sich altersgerecht entwickeln kann.

Dazu wird im Alter von 5–8 Monaten die gespaltene Mus­

kulatur vernäht und ggf. mit dem Nasenboden verbunden

(. Abb. 13.1).

Ist der Kiefer ebenfalls betroffen, wird er auch zu diesem

Zeitpunkt verschlossen. Nach dem Verschluss ist eine bessere

Entwicklung des gesamten Mittelgesichts möglich. Häufig

muss die Nasenspitze angehoben und die Nasenflügel korrigiert werden. Eine Gaumenplatte wird angefertigt und eingebracht, das ermöglicht eine relativ problemlose Ernährung.

Bei Gaumenspalten wird schon in den ersten Tagen nach

der Geburt eine herausnehmbare Gaumenplatte eingelegt, die

den Nasenraum vom Mundraum trennt und so das Trinken

erleichtert.

Um Ohrinfektionen vorzubeugen wird frühzeitig ein

Paukenröhrchen zur Belüftung des Mittelohrs eingelegt

­

(7 Kap. 14).

Ob ein Gesamtverschluss vorgenommen wird oder in

­einem mehrzeitigen Verfahren die LKG-Spalte verschlossen

wird, hängt auch vom Konzept der Klinik ab.

Bei den Operationen von Kindern gelten alle Regeln,

die im Kapitel der Kinderchirurgie angesprochen werden

(7 Kap. 18). Das Instrumentarium muss für diese Weichteiloperationen sehr fein sein, die Schnittführung wird oft mit

einem Diamantmesser durchgeführt, um gleichseitige Ergebnisse zu erzielen wird mit Zirkel und Lineal vermessen. Eine

Fotodokumentation der prä- und postoperativen Ergebnisse

ist obligat.


355

13.1 · Krankheitsbilder


a


b


c


..Abb. 13.1a–c Lippenplastik bei einer doppelseitigen Lippenspalte nach Veau. a Aufgezeichnete Schnittführung. b Nach Aufpräparation der

beid­seitigen Spaltränder Bildung von lateral gestielten Schleimhautläppchen. c Nach schichtweisem Wundverschluss bei einphasigem Vorgehen.

Aus: Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


Der Operateur trägt entweder eine Lupenbrille oder es

wird unter dem Mikroskop operiert.

j

jLippenspaltenverschluss


Nach der Narkoseeinleitung wird die Fotodokumentation

vorgenommen, nach der Hautdesinfektion und der sterilen

Abdeckung vermisst der Operateur genauestens die Maße

der Spalte und der Springer dokumentiert diese. Die Schnittführung wird eingezeichnet. Der Hautschnitt erfolgt anhand

dieser Linie mit einem spitzen Skalpell oder dem Diamantmesser nach dem Team-Time-Out. Unter dem Mikroskop

wird die Muskulatur mit einer sehr feinen Schere präpariert.

Die einzelnen gespaltenen Muskelschichten werden geordnet

und Schicht für Schicht miteinander verbunden. Dazu nehmen wir sehr feines (7-0) resorbierbares Nahtmaterial. Danach sollte die Oberlippe symmetrisch sein. Zum Abschluss

wird mit festen Pflasterstreifen das Operationsergebnis geschützt und ein Foto dokumentiert das Ergebnis.

j

jGaumenverschluss


Der Gaumen bildet das Dach der Mundhöhle und wird in

einen weichen und einen harten Gaumen unterschieden.

Vorn ist der harte Gaumen zu erkennen, hier ist die Mundschleimhaut fest mit dem Periost des Oberkiefers ver­

bunden. Weiter hinten ist der weiche Gaumen beweglicher

und wird gebildet von dem Zäpfchen (Uvula) und dem

­Gaumensegel (Velum palatinum). In die Bindegewebsplatte

des ­weichen Gaumens strahlen die Gaumenmuskeln ein.

Eine Spaltbildung kann sowohl im harten als auch im weichen Gaumen auftreten, auch eine durchgehende Spalte ist

möglich.

Zum Verschluss des weichen Gaumens wird die Muskulatur dargestellt und dann korrekt miteinander verbunden. Das

ist für die Lautbildung wichtig.

Zum Hartgaumenverschluss werden die Schleimhaut der

Nase und die Schleimhaut des Mundes gegeneinander verschoben und zweischichtig verschlossen.


Um am Gaumen operieren zu können, muss der Mundboden herabgedrückt werden, dafür stehen verschiedene

Mundsperrer zur Verfügung. Gern wird der Mundsperrer

nach Kilner-Doughty dafür benutzt, weil er gleichzeitig den

Beatmungstubus, der intraoral liegt, an seiner Stelle fixiert.

Die einzelnen Valven können an die Größe des Kindes angepasst werden.

j

jVerschluss der Kieferspalte


Um ein knöchernes Konstrukt wie den Kiefer zu verschließen, bedarf es körpereigenen Knochens bzw. Spongiosa.

Spongiosa wird aus dem Beckenkamm entnommen, vereinzelt kann auch Rippen- oder Schädelknochen zur Anwendung kommen. Zu bedenken ist dabei, dass zuerst der Knochen gewonnen wird, weil hier ein absolut steriles Arbeiten

gefordert wird. Der gewonnene Knochen wird feucht ab­

gedeckt am Instrumentiertisch gelagert. Erst nach dem Verschluss der Entnahmestelle kann intraoral weitergearbeitet

werden, weil hier ein steriles Arbeiten nur bedingt möglich

ist. Nach dem Einfügen des Knochens in die Kieferspalte hat

der Kieferbogen die Form, die für einen harmonischen Zahnbogen benötigt wird.

Wenn die Patienten, die mit einer Spalte geboren wurden,

erwachsen sind, sind manchmal noch korrigierende oder

plastische Operationen nötig, häufig wird die Nase aufgerichtet (7 Kap. 17).

13.1.2


Dysgnathien


Bei manchen Menschen ist die Zahnstellung, die Kieferform oder die Lage der Kiefer zueinander nicht regelgerecht.

Entweder sind diese Veränderungen angeboren oder durch

­Unfallgeschehen erworben. Nicht nur ästhetische Beeinträchtigungen resultieren daraus, v. a. wenn zum Kieferschluss

Ober- und Unterkiefer nicht aufeinander passen (Okklusion),

kann das Kiefergelenk Schäden davontragen.


13


356


Kapitel 13 · Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie


kungen oftmals nicht gewachsen und es kann zu einer Fraktur

kommen.


Unterkieferfraktur


..Abb. 13.2 Sagittale Oberkieferspaltung mit dem Lambotte-Meißel.

Aus: Hausamen JE, Machtens E, Reuther J et al. (2012) Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie, Operationslehre und -atlas, 4. Aufl. Springer,

­Berlin Heidelberg New York


13


Sind die Fehlstellungen ausschließlich auf die Zahnstellung bezogen, genügt in der Regel eine kieferorthopädische

Behandlung. Sind die Fehlstellungen jedoch im knöchernen

Anteil des Schädels zu finden, ist eine chirurgische Intervention nötig. Sinnvoll sind diese «Umstellungsosteotomien»

erst, wenn das Knochenwachstum abgeschlossen ist.

Eine Dysgnathie behindert das Kauen, da die Zähne nur

ungenügenden Kontakt haben. Dadurch ist die Verdauung

erschwert, das Zahnfleisch neigt zu wiederkehrenden Entzündungen, die Zähne können sich frühzeitig lockern. Die

Formen der Fehlstellungen lassen sich unterteilen:

44Die Breite des Kiefers ist verändert (transversale

­Dysgnathie).

44Der Ober- bzw. Unterkiefer steht zu weit vor (sagittale

Dysgnathie).

44Der Ober- oder Unterkiefer ist zu hoch oder zu tief,

­sodass ein offener Biss entsteht (vertikale Dysgnathie).

Diese Fehlstellungen und Formveränderungen können korrigiert werden, indem der Ober- oder Unterkiefer durchtrennt

werden – Osteotomie – einzelne Segmente verschoben oder

entfernt werden. Die darauffolgende Wiederherstellung des

Kiefers erfolgt mit Osteosynthesematerialien, z. B. Miniplatten (7 Abschn. 8.1). Die Durchtrennung eines Kiefers kann

durch eine Säge durchgeführt werden oder durch einen Meißel nach Lambotte, der auch als Osteotom bezeichnet wird.

Mit einem Metallhammer wird dieser Meißel vorsichtig

durch den Knochen geschlagen (. Abb. 13.2).

13.1.3


Frakturen des Gesichtsschädels


Der Gesichtsschädel besteht aus insgesamt 15 Knochen. Aufgrund ihres Aufbaus sind diese größeren Gewalteinwir­


Der Unterkiefer ist einem Hufeisen ähnlich, die beiden aufsteigenden Äste enden im Kiefergelenkköpfchen.

Eine Unterkieferfraktur entsteht meist durch Unfälle oder

Schlägereien. Die Bruchlinie verläuft entweder im Kieferwinkel, im Gelenkbereich oder am Kinn. Meistens sind die Zähne

beteiligt. Häufig finden wir diese Fraktur in Kombination mit

anderen Brüchen des Gesichts. Die Diagnosestellung erfolgt

durch eine Übersichtsaufnahme des Kiefers und evtl. eine CT.

Nicht immer muss chirurgisch die Frakturversorgung erfolgen, wichtig ist jedoch immer, dass die Funktion vollständig wiederhergestellt wird. Für eine problemlose Knochenheilung bedarf es der Ruhigstellung der einzelnen Bruch­

anteile (7 Kap. 8).

Für eine konservative Unterkieferfrakturversorgung dürfen

die einzelnen Anteile des Knochens nicht gegeneinander

­verschoben sein (nicht disloziert) und das Gelenk darf nicht

in Mitleidenschaft gezogen sein. Durch das Anbringen einer

Sprossendrahtschiene im Ober- wie im Unterkiefer, die mit

Drähten an den Zähnen fixiert wird (. Abb. 13.3), kann eine

Schienung der Fraktur erfolgen. Um die Ruhigstellung zu gewährleisten, werden diese Schienen miteinander verbunden,

das kann durch Gummi- aber auch durch Drahtligaturen erfolgen, die sog. «intermaxilläre Fixation» (IMF). Damit wird eine

optimale Okklusion erreicht. Damit die vielen Drahtligaturen

nicht die Weichteile an der Ober- und Unterlippe verletzen,

wird die Schiene mit einer dünnen Kunststoffschicht bedeckt.

Dieser Eingriff erfolgt in der Regel in der Ambulanz

oder der Zahnklinik und kann ohne Narkose durchgeführt

werden. Der Schienenverschluss bleibt 4–6 Wochen, bis der

Knochen verheilt ist.

In den meisten Fällen wird aber eine Unterkieferosteo­

synthese durchgeführt. Dabei ist zu bedenken, dass der Mund­

innenraum nicht gut desinfiziert werden kann. Trotz aller

Anstrengungen, die Osteosynthese als aseptischen Eingriff

durchzuführen, ist es schwierig, bei intra- und gleichzeitig

­extraoralen Eingriffen die Sterilität zu wahren.

Bevor eine Osteosynthese erfolgen kann, muss jedoch

eine IMF durchgeführt werden, damit die regelgerechte Stellung der Zähne zueinander gewährleistet wird.

Der Patient liegt in Vollnarkose auf dem Rücken, die Abdeckung erfolgt so, dass der behaarte Kopf und der nasal gelegte Tubus abgedeckt sind.

Die Fraktur wird vom Innenraum des Munds (intraoral)

aus freigelegt, die Bruchkanten mit einem Raspatorium vom

Periost befreit, die Fragmente werden reponiert. Die Mini­platte

wird angepasst und mit Schrauben fixiert. Manchmal muss

eine Schraube, v. a. wenn sie als Zugschraube (7 Abschn. 8.1)

angebracht wird, durch die Wange von außen (transbukkal)

eingebracht werden. Dafür wird eine Bohrhülse benötigt, die

über eine kleine Inzision bis auf den Unterkiefer gebracht wird.

Besonderer Wert muss auf die Schonung der Zahnhälse

gelegt werden, wie auch auf den Trigeminusast, den N. alveolaris inferior.


357

13.1 · Krankheitsbilder


a


b

..Abb. 13.3a, b Ernst-Ligaturen im Unter- und Oberkiefer. a Ansicht

von lateral, b Aufsicht. Achterligatur um zwei benachbarte Zähne. Die

Verbindung von Ober- und Unterkiefer kann entweder durch Verdrillen

der Drahtenden, durch einen zusätzlichen Draht oder durch Gummizüge

erfolgen. Aus: Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


13.1.4


Mittelgesichtsfrakturen


Oberkieferfraktur

Der Oberkiefer ist die Verbindung zwischen der oberen

Zahnreihe mit dem Gaumen und der Schädelbasis. Weiterhin

wird der Oberkiefer begrenzt durch die Kieferhöhlenvorderwand, den Orbitaboden und die seitliche Nasenwand. Betrifft

eine Fraktur «nur» den bezahnten Oberkiefer sprechen wir

von einer isolierten Maxillafraktur, ist das knöcherne Mittelgesicht mit betroffen, wird der Schweregrad nach LeFort I–III

eingeteilt.

Auch eine Oberkieferfraktur gilt als Mittelgesichtsfraktur,

denn zum Mittelgesicht zählen alle Knochen des Gesichtsschädels oberhalb des Unterkiefers.

Zur Diagnosestellung ist eine Röntgenübersichtsauf­nahme

der Nase mit Nebenhöhlen und des Orbitabodens unerlässlich, jedoch gibt eine Computertomographie weiterführende

Aufschlüsse über das Ausmaß der Frakturen. Klinisch ist eine

Schädelbasisfraktur festzustellen, wenn Blut evtl. mit Bei­

mischung von Liquor aus der Nase oder dem Ohr austritt.

Wenn der Orbitaboden betroffen ist, muss unbedingt festgestellt werden, inwieweit die Augen und ihre nervale Versorgung mit betroffen sind.

Um eine 

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