Spaltlampe beur
teilt.
Die Therapie wird standardmäßig durch extrakapsuläre
Kataraktextraktion mit Kornealschnitt (ECCE), Phakoemul
sifikation (Zertrümmerung der alten Linse mittels Ultra
schall im Augeninneren) und Implantation der Kunstlinse
(IOL) in den Kapselsack durchgeführt. Die häufigste Schnitt
führung bei Phakoemulsifikation ist die Clear-cornea-Tech
nik. Die Technik der intrakapsulären Kataraktextraktion, bei
der die Linse am Stück über einen sehr großen Schnitt ent
fernt wird (ICCE), ist in westlichen Ländern mittlerweile ver
altet.
Dieser Eingriff wird üblicherweise in Lokalanästhesie
durchgeführt und erfordert eine Pupillenweitstellung. Wir
benötigen für diesen Eingriff augenchirurgisches Grund
instrumentarium, ein Operationsmikroskop und ein Gerät
für die Phakoemulsifikation, mit dem das Linsenmaterial
mittels Ultraschall zerkleinert, gespült und abgesaugt wird.
Soll ein Patient eine Kunstlinse erhalten, schleusen wir ihn
in der Regel in den OP ein, indem er zu Fuß zum fahrbaren
Operationstisch geht. Die Betäubung findet in Form von
Tropfen- oder einer Retrobulbäranästhesie statt. Nach der
Hautdesinfektion, der Abdeckung des OP-Gebiets und dem
standardisierten Team-Time-Out wird der Lidsperrer einge
setzt. Die Präparation des Tunnels erfolgt mit der Phakolanze,
einem speziell für diesen Eingriff vorgesehenen Messer in
Lanzettenform mit einer Markierung für die Breite des Tun
nels, alternativ mit einem Diamantmesser ebenfalls in Lanzet
tenform in verschiedenen Größen.
Die Linsenkapsel wird mit einer gebogenen Kanüle oder
einer Rhexispinzette eröffnet. Der Linsenkern wird nun zer
trümmert und abgesaugt. Eine viskokelastische Substanz
391
16.3 · Erkrankungen des Auges
wird appliziert und die Kunstlinse in den Kapselsack im
plantiert. Manchmal wird eine Naht der Hornhautschnitte
durchgeführt. Das Viskoelastikum wird nun abgesaugt und
die Zugänge mittels Tamponade (BSS) wieder verschlossen.
Ein Kortison-/Antibiotika-Salbenverband beendet den Ein
griff.
16.3.5
Glaukom
j
jGlaukomoperationen
Eine Erhöhung des Augeninnendrucks (Grüner Star, Glau
kom) entsteht durch eine Störung des Abflusses von Kam
merwasser. In der Folge kommt es zu Gesichtsfeldeinschrän
kungen bis hin zur Erblindung. Zunächst erfolgt eine medi
kamentöse Augendrucksenkung. Nur wenn diese Therapie
nicht greift, werden chirurgische Maßnahmen nötig; anders
bei Säuglingen, hier wird primär operiert. Als augendruck
senkende Operationen werden zunehmend Laserverfahren
eingesetzt.
Anlage
einer Abflussfistel aus der vorderen Augenkammer in den
Schlemm-Kanal und die dazugehörigen Abflussvenen, um
den Abfluss des Kammerwassers zu gewährleisten.
Goniotomie/Trabekulotomie/Viskokanalostomie
Trabekulektomie/Baerveldt-/Achmedimplantate Hier er
folgt der Abfluss von der Vorderkammer unter die Bindehaut.
Als Implantat steht ein kleiner Schlauch zur Verfügung.
Iridektomie/Iridotomie
nung.
Anlage einer peripheren Irisöff
Laserzyklo- und Kryodestruktion
pers, der das Kammerwasser bildet.
Verödung des Ziliarkör
Lasertrabekuloplastik Die Verbesserung des Abflusses
durch eine Behandlung mit dem Laser im Kammerwinkel.
Ein Nachteil dieses Eingriffes ist, dass er nur temporär wirkt.
16.3.6
Netzhautablösung
Eine Netzhautablösung (Ablatio retinae, Amotio retinae)
wird meist operativ behandelt. Das Vorgehen ist abhängig von
Ursache, Lage und Ausdehnung des Defekts. Die Laserbe
handlung kann das Entstehen einer Netzhautablösung aus
einem Loch zwar verhindern, aber die bereits abgehobene
Netzhaut nicht wieder anheften. Abgehobene Netzhaut kann
nur durch spezielle Plomben und/oder Cerclagen wieder an
gelegt werden. Ein intraokularer Eingriff umfasst eine Glas
körperoperation (Vitrektomie). All diese Operationstechni
ken erfordern eine Weitstellung der Pupillen.
Setzen von Laserherden unter Berücksich
tigung der Schutzvorschriften im Umgang mit Lasergeräten
(7 Abschn. 2.4).
Laseroperation
Kryokoagulation Setzen von Kryoherden mit dem Kryochi
rurgiegerät bei größeren Löchern.
Netzhautplombe/Cerclage Ziel ist der Verschluss des Netz
hautlochs und Entspannung des Glaskörperzuges. Speziell
geformte Polster (Plomben) werden von außen auf den
Augapfel, die ihn eindrücken, genäht um das Pigmentepithel
wieder mit der Neuroretina zu verbinden. Damit wird gleich
zeitig dem Glaskörperzug entgegengewirkt («eindellende
Operation»).
Vitrektomie Hier werden mit einer Saug-Spül-Einheit ge
trübtes Glaskörpergewebe und Traktionsmembranen ent
fernt und durch Applizieren von Gas- oder Silikonöl ersetzt.
Dies dient der inneren Tamponade. Im Anschluss muss der
Augeninnendruck kontrolliert werden.
16.3.7
Schielen (Strabismus)
Strabismus bezeichnet eine Fehlstellung der Augen zueinan
der. Ein Auge richtet sich auf das zu fixierende Objekt aus
während das andere abweicht. Wir unterscheiden zwei For
men:
44Begleitschielen – Strabismus concomitans: Die Abwei
chung ist in alle Blickrichtungen gleich, das schielende
Auge «begleitet» das führende Auge in alle Blickrichtun
gen. Es liegt keine Einschränkung der Augenbeweglich
keit vor, z.B. frühkindliches Innenschielen.
44Lähmungsschielen – Strabismus paralyticus: Lähmung
eines oder mehrerer äußerer Augenmuskeln. In Abhän
gigkeit von der Blickrichtung ändert sich der Schielwin
kel. Zum Beispiel ist bei einer Lähmung des Musculus
rectus lateralis rechts, der Schielwinkel bei Blick nach
rechts, in Zugrichtung des Muskels am größten.
Ferner kann noch die Richtung der Abweichung beschrieben
werden.
44Einwärts- oder Innenschielen – Esotropie.
44Auswärts- oder Außenschielen – Exotropie.
44Höhenschielen – Vertikaltropie.
Sind konservative Korrekturmaßnahmen wie Brillenkorrek
tur, evtl. auch mit Prismen, nicht ausreichend, ist bei Doppel
bildern oder auffallender Fehlstellung eine operative Korrek
tur indiziert. Nach eingehender orthoptischer (Orthoptik =
die Lehre des Geradeaussehens) Untersuchung, mit Messung
des Schielwinkels und Motilitätsanalyse, können durch Rück
lagerungen, Resektionen oder Faltung an den äußeren Augen
muskeln die Augen zueinander parallel/gerade ausgerichtet
werden bzw. die Augenstellung korrigiert werden.
Der Patient wird dafür auf dem Rücken gelagert. Die
Hautdesinfektion wird durchgeführt und die sterile Abde
ckung nach Hausstandard angebracht. Nach dem standardi
sierten Team-Time-Out beginnt der Eingriff mit dem Eröff
nen der Bindehaut mittels Schere. Die Muskeln werden mit
anatomischen Pinzetten und dem Schielhäkchen freigelegt.
16
392
Kapitel 16 · Augenheilkunde (Ophtalmologie)
Muskelnähte werden mit feinem Nahtmaterial vorgelegt und
die Länge mit einem Zirkel ausgemessen. Je nach Indikation
erfolgt nun die Kürzung oder Rücklagerung der Muskeln, da
nach wird die Bindehaut wieder vernäht. Ein steriler Korti
son-/Antibiotika-Verband beendet den Eingriff.
16.3.8
Intraokularer Tumor
j
jEntfernung des Augapfels (Enucleatio bulbi)
Die Entfernung eines Auges ist notwendig bei intraokularen
Tumoren (häufig malignes Melanom), Augapfelschrumpfung
(Phtisis) aber auch bei nicht beherrschbaren Augenschmer
zen durch ein Glaukom. Dieser Eingriff hat große kosmeti
sche Auswirkungen auf die Patienten, deshalb wird präopera
tiv genau abgewogen, wie invasiv der Eingriff ausfallen muss.
Bei der Enukleation wird nur der Augapfel unter Belas
sung der umgebenden Strukturen und Weichteile entfernt, je
nach Ausprägung des Befunds müssen jedoch die kompletten
Weichteile samt Augapfel aus der Orbita entfernt werden
(Exenteratio orbitae).
Als Komplikation kann es postoperativ zu Blutungen,
Nachblutungen, Blutergüssen und Entzündungen kommen.
Augenärztliche Kontrolluntersuchungen erfolgen zunächst
täglich, später in größerem zeitlichem Abstand, aber regelmä
ßig. Räumliches Sehen ist nun nicht mehr möglich und das
Gesamtgesichtsfeld ist zu einer Seite hin eingeschränkt.
Bei beiden Eingriffen wird direkt im Anschluss an den Ein
griff eine vorübergehende Prothese in die Wundhöhle einge
näht, um ein Schrumpfen des Bindehautsacks zu verhindern.
Augenprothesen werden von Okularisten/Augenprothetikern
in Handarbeit angefertigt. Größe und Farbe des Partnerauges
werden so gut als möglich nachgeahmt und sind vom Laien im
Alltag häufig nicht als Augenersatz zu erkennen.
16
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 16
55 Aus welchen anatomischen Strukturen setzt sich das
Sehorgan zusammen und welche Aufgaben erfüllen
sie?
55 Durch bestimmte Eingriffe am Auge kann der sogenannte okulokardiale Reflex ausgelöst werden.
Worum handelt es sich und welche Sofortmaßnahme
muss ergriffen werden?
55 Wodurch entsteht ein Rückstau der Tränenflüssigkeit,
welche Gefahr besteht bei einer Tränenwegspülung
und wie können Sie diese vermeiden?
55 Bei einer Netzhautablösung ist die Retina nicht mehr
mit ihrer Versorgungsschicht verbunden. Welche Ursachen können Sie sich herleiten und welche Gefahr
besteht?
55 Welche Diagnosen sind Ihnen bekannt, die zu einer
Entfernung des Auges führen?
Literatur
Liehn M, Lengersdorf B, Steinmüller L, Döhler JR (2015) OP-Handbuch,
6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
Liehn M, Steinmüller L, Döhler JR (2011) OP-Handbuch, 5. Aufl. Springer,
Berlin Heidelberg New York
Spornitz UM (2010) Anatomie und Physiologie. 6. Aufl. Springer, Berlin
Heidelberg New York
393
Plastische Chirurgie –
Ästhetische Chirurgie
Birgit von Essen
17.1
Plastische/Ästhetische Chirurgie
17.1.1
17.1.2
17.1.3
17.1.4
17.1.5
17.1.6
17.1.7
Schlupflider – 394
Tränensäcke – 395
Facelifting – 396
Bodyforming – 397
Brustaugmentation – 398
Bruststraffung (Mastopexie) – 400
Bauchdeckenstraffung – 404
17.2
Weichteildeckung nach Trauma
17.2.1
17.2.2
17.2.3
Hauttransplantation – 406
Lappenplastiken – 407
Brustrekonstruktion – 408
Literatur
– 394
– 406
– 409
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_17
17
394
Kapitel 17 · Plastische Chirurgie – Ästhetische Chirurgie
Lernziele
55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen
operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der
plastischen Chirurgie und sind in der Lage, bei diesen
Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht zu in
strumentieren.
55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der plastischen Chirurgie, deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren und deren typische Komplikationen.
55 Daher erarbeiten sie sich entsprechende Kenntnisse der
anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie.
55 Sie kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser Verfahren häufig eingesetzt werden.
55 Die Auszubildenden können die notwendigen speziellen
operations- und eingriffsspezifischen Patientenlagerungen allein oder mit Hilfe von anderen (Operateur) herbeiführen bzw. die Qualität der Patientenlagerung kontrollieren.
55 Sie können das Grundinstrumentarium und die speziellen Instrumente, Geräte und Materialien, die bei Opera
tionen in der plastischen Chirurgie zur Anwendung kommen, auswählen, diese Instrumente fach- und sachgerecht einsetzen und deren Wirkung erklären.
Der Begriff «Plastische Chirurgie» kommt aus dem Griechischen (plattein) und bedeutet formen und gestalten. Das Wort
«Ästhetisch» wird als Synonym für schön und ansprechend
verwendet. In die Plastische/Ästhetische Chirurgie fallen aus
funktionellen oder ästhetischen Gründen formverändernde
oder wiederherstellende Eingriffe.
17.1
17
Plastische/Ästhetische Chirurgie
Formverändernde Eingriffe werden häufig aus nichtmedizinischen Gründen auf Wunsch des Patienten vorgenommen,
sie sind unter dem Begriff «Schönheitschirurgie» bekannt.
Diese Eingriffe werden in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt. Da hier häufig keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, ist es wichtig, dass die Patienten einen guten
Gesundheitszustand haben und über die Risiken solcher Eingriffe genau aufgeklärt sind.
17.1.1
Schlupflider
Patienten mit einer Blepharochalasis (Schlupflider; Augenlid
= griechisch Blepharon; Erschlaffung = griechisch Chalasis)
leiden oft darunter, dass sie müde und erschöpft aussehen,
obwohl sie es gar nicht sind. Aufgrund von Bindegewebserschlaffung ist zum einen die Haut des Oberlids nicht mehr
straff und zum anderen ragen die überschüssige Haut und das
Fettpolster über den Lidrand. Die überschüssige Haut verdeckt die natürliche Lidfalte und erschwert dadurch das
Schminken. Es kann auch vorkommen, dass der Patient unter
Kopfschmerzen leidet, weil er beim Öffnen der Augen gegen
einen erhöhten Widerstand ankämpfen muss. Wenn das
Sichtfeld beeinträchtigt wird, kann in sehr ausgeprägten
Fällen sogar eine medizinische Indikation für eine Oberlidkorrektur vorliegen.
j
jOberlidplastik
Steht ein Patient für eine Blepharoplastik auf dem OP-Programm, kann diese Operation in Lokalanästhesie (örtlicher
Betäubung) oder intravenöser Vollnarkose (TIVA, total intravenöse Anästhesie, 7 Kap. 23) vorgenommen werden.
Wir benötigen feine Grundinstrumente mit u. a. chirurgischen Pinzetten nach Adson und einer feinen gebogenen
Schere nach Stevens. Die Blutstillung erfolgt mit einer bipolaren Pinzette.
Als Einmalmaterialen reichen wir zusätzlich zu dem nach
Standard geforderten Nahtmaterial Steri-Strips und einen
Hautstift an, zur Abdeckung eignet sich hier ein Lochtuch
oder ein Schlitztuch.
Der Patent liegt auf dem Rücken mit leicht erhöhtem
Oberkörper auf einer beheizbaren Wärmematte, die Arme
werden an den Körper angelagert. Eine Knierolle entlastet die
Beine, polsternde Lagerungshilfsmittel für Fersen und Kopf
vermeiden Druckgschwüre.
Vor der Operation zeichnet der Operateur die einer Spindel ähnliche Hautfigur (Schnittlinie) mit einem Hautstift an,
die im Idealfall in der natürlichen Hautfalte des Oberlides
liegt. Vor dem Beginn der Operation erfolgt eine Zählkon
trolle der zu verwendenden Textilien und Instrumente in der
Vier-Augen-Technik, d. h. Instrumentant und Springer zählen und dokumentieren die Anzahl in der OP-Dokumenta
tion. Nach Team-Time-Out, Hautdesinfektion mit einem
Schleimhautdesinfektionsmittel und Abdeckung des OP-Gebiets erfolgt der Hautschnitt mit einem 15-er Skalpell.
Nach der Resektion des Hautweichteilgewebes mit einer
feinen gebogenen Präparierschere und Adsonpinzette wird
ein Teil des M. orbicularis oculi (Augenringmuskel) entfernt.
Die Blutstillung erfolgt mit einer bipolaren Pinzette. Nun
werden die nasalen und medialen Fettkörper dargestellt
(. Abb. 17.1) und die behandlungsbedürftigen Anteile entfernt. Zuviel Fett darf jedoch nicht entfernt werden, da es
sonst zu einer Hohläugigkeit kommen kann.
Die Hautnaht wird in fortlaufender Nahttechnik mit einem 6-0 monofilen Faden durchgeführt. Zur Schienung der
Nahtreihe werden schmale Steri-Strips verwendet. Es empfiehlt sich, für mindestens 3 Tage postoperativ kühlende
Kompressen aufzulegen.
Nach der Operation soll eine intensive Gesichtsreinigung
oder Manipulation im Wundgebiet unterlassen werden. In
den ersten postoperativen Tagen sollte auf schwere körper
liche Anstrengungen und Sport verzichtet werden.
Folgende Komplikationen sind möglich:
44Hämatom,
44Sensibilitätsstörungen,
44unvollständiger Lidschluss,
44Ektropium (Auswärtsdrehung der Lidkante),
44Überkorrektur,
395
17.1 · Plastische/Ästhetische Chirurgie
..Abb. 17.1
Nasales Fettkörperchen im Oberlid
44Doppelbilder oder verschwommenes Sehen,
44Störung des Tränenflusses,
44Wundheilungsstörung,
44Infektion, Konjunktivitis,
44Narbenkeloide.
17.1.2
Tränensäcke
Ein weiterer formgebender Eingriff am Auge ist die Korrektur
des Unterlids bei Erschlaffung der Bindegewebsstrukturen
(Septum orbitale, dünne Bindegewebsschicht). Das Septum
orbitale liegt unter dem Augenschließmuskel (M. orbicularis
oculi) am Unterlid und stützt den Fettkörper der A
ugenhöhle
(. Abb. 17.2). Das Fettgewebe um den Augapfel wölbt sich
nach außen über den Unterrand der knöchernen Augen
höhle. Das Ausmaß der Tränensäcke ist nicht abhängig vom
Alter, sondern von der individuellen Beschaffenheit. Tränensäcke bilden sich bei manchen Menschen sehr früh und lassen
auch hier das Gesicht älter und müde aussehen. Die Ursache
einer permanenten Unterlidschwellung liegt neben der vererbten Anlage häufig an Lebensgewohnheiten wie wenig
Schlaf, Rauchen, Alkoholkonsum und Stress oder auch an
allgemeinen Erkrankungen.
j
jUnterlidplastik
>>Die operative Korrektur der Unterlider gehört zu den
aufwendigsten und verantwortungsvollsten Eingriffen
in der ästhetischen Chirurgie, insbesondere sei hier
die Beseitigung der Tränenrinnendeformität, die nicht
altersbezogen ist, genannt. Die Komplikationen bei
unsachgemäßer Technik sind langwierig und schwer
zu behandeln.
Die Operation wird in intravenöser Vollnarkose (TIVA) durchgeführt – häufig in Kombination mit der Oberlidstraffung.
Zum feinen Instrumentarium (7 Abschn. 17.1.1, 7 Oberlidplastik) werden hier noch ein Lidhaken und ein Zweizinker
..Abb. 17.2
Nasales Fettkörperchen im Unterlid
benötigt. Es ist eine Neutralelektrode anzulegen, da neben
dem bipolaren Strom auch mit monopolarem Strom (mit feiner Nadelelektrode) gearbeitet wird.
Die Schnittlinie wird vor der Unterlidkorrektur mit einem
Hautstift markiert. Sie verläuft direkt unter dem Wimpernrand. Die Narbe ist hinterher kaum sichtbar. Nach der Durchtrennung der Haut mit einer sehr feinen monopolaren HFElektrode wird diese vom Muskel auf ca. 1 cm Länge abgelöst.
Es folgt dann die Durchtrennung des M. orbicularis oculi im
Faserverlauf mittels feiner gebogenen Präparierschere, um
auf das Septum orbitale zu gelangen. Zur besseren Darstellung werden ein Zweizinker und ein Lidhaken verwendet. Die
Blutstillung erfolgt mit der bipolaren Pinzette.
Das Septum wird am unteren Rand mittels feiner Präparierschere längs aufgetrennt (Arcus marginalis release), die
Fettkörper werden sichtbar. Die Schnitte erfolgen in stu
fenförmiger Wechselschnittpräparation, d. h. die Schnitte
liegen nicht direkt übereinander. Nach der Darstellung des
medialen und nasalen Fettkörpers werden diese ggf. reseziert
(. Abb. 17.2).
Das Unterlid hat drei Fettkörper, die alle dargestellt und je
nach Bedarf entfernt oder verlagert werden im Sinne einer
Unterfütterung, z. B. bei der Korrektur der Tränenrinnen
deformität. Das Fettgewebe kann zur Unterpolsterung des
Unterrands der knöchernen Augenhöhle verwendet werden,
um einen harmonischen jugendlichen Übergang von der
Wange zum Unterlid zu erzeugen. Mit einer 7-0 monofilen
Naht wird nun eine Septumantepositionsplastik vorgenommen, dabei wird der Septumrand nach vorn transponiert und
fixiert. Zur Vermeidung des postoperativen Herabsinkens des
Unterlids (Ektropium) wird ein Teil des M. orbicularis oculi
an der Knochenhaut des Schläfenbeins mittels einer 5-0 monofilen Naht lateral fixiert (Muskelsuspension).
Die Haut sollte nur so weit reseziert werden, dass diese
auch ohne Naht aneinander liegt, es folgt eine fortlaufende
Hautnaht mit einem 7-0 monofilen nichtresorbierbaren Faden mit anschließender Schienung der Nahtreihen mit SteriStrips.
17
396
Kapitel 17 · Plastische Chirurgie – Ästhetische Chirurgie
Auch hier empfiehlt es sich in den ersten Tagen nach einer
Unterlidkorrektur, eine Schwellung durch permanentes Kühlen und erhöhte Lage des Kopfs beim Schlafen zu reduzieren.
Auf das Tragen von Kontaktlinsen ist zu verzichten.
17.1.3
Facelifting
Der Begriff Facelift ist der Oberbegriff für eine ganze Reihe
operativer Maßnahmen, die ein erholtes und verjüngtes Erscheinungsbild zum Ziel haben. Patienten, die zum Face
lifting kommen, fühlen sich noch jung, sehen aber oft deutlich älter aus.
Die Gesichtshaut unterliegt den natürlichen Alterungsprozessen, d. h. sie wird dünner, produziert weniger Elastin
und Kollagen, verliert Wasserbindungskapazität und sie
braucht länger, um sich zu erneuern. Die Folgen sind eine
Erschlaffung der Haut und Weichteile mit einer Verschiebung
der Proportionen. Es entstehen z. B. Hängebäckchen, Doppel
kinn, tiefe Falten wie Zornesfalten, Denkerstirn, Lachfältchen
und tiefe Nasolabialfalten.
..Abb. 17.3
Facescheren nach Freeman-Kaye
..Abb. 17.4
Nasenhaken mit Fingerring nach Millard (Cottle)
..Abb. 17.5
4-Zinker mit Feder
..Abb. 17.6
Leuchthaken mit Kaltlichtkabel und Absaugkanal
j
jRhytidektomie
Der sehr langandauernde Eingriff (3–5 Stunden) wird am
komfortabelsten für den Patienten (aber auch den Operateur)
in Vollnarkose durchgeführt.
Wir benötigen
44Grundinstrumente,
44bipolare Pinzette,
44die Faceschere nach Freeman-Kaye (. Abb. 17.3),
44einen Stielkamm,
44Nasenhaken mit Fingerring nach Millard (Cottle;
. Abb. 17.4),
444-Zinker mit Feder (. Abb. 17.5),
44Leuchthaken mit Kaltlichtkabel (. Abb. 17.6),
44Pitangy-Zange (Faceliftmarkierer für präzises Markieren
der Resektionsmenge; . Abb. 17.7).
17
Als Einmalmaterialen reichen wir zusätzlich zu dem nach
Standard geforderten Nahtmaterial Hautklammergerät, Redon-Drainagen und Fettgaze an. Die Abdeckung erfolgt nach
hauseigenem Standard.
Wir bereiten ein HF-Gerät (bipolar), ein Kaltlichtgerät
und das Sauggerät vor, indem wir es gemäß MPG (7 Abschn.
2.1) überprüfen.
Der Patient wird auf dem Rücken mit erhöhtem Oberkörper und leicht überstrecktem Kopf auf einer beheizbaren
Wärmematte gelagert, die Arme werden angelagert. Eine
Knierolle entlastet die Beine; polsternde Lagerungshilfsmittel
für die Fersen und den Kopf vermeiden Druckgeschwüre. Ein
Blasenkatheter wird gelegt, weil die Operation lange dauert.
Die Schnittlinie wird vor dem Eingriff mit einem Hautstift
angezeichnet. Es gibt die sog. «Klassische Schnittführung»
und die Modifikationen je nach Haarlinienverlauf (AHLC =
anterior hairlinecut). Beim klassischen Schnitt beginnt diese
im behaarten Schläfenbereich (temporal), verläuft direkt vor
dem Ohr (prätragal) bis zum Ohrläppchen und wird auf der
397
17.1 · Plastische/Ästhetische Chirurgie
..Abb. 17.7
Pitangy-Zange
Rückseite des Ohrs (retroaurikulär) fortgeführt bis in den behaarten Nacken (okzipital). Mittels Präparierschere und 15-er
Skalpell erfolgt eine subkutane Präparation der Schläfen, der
Wangen bis an die Nasolabialfalten und am Hals unter Belassen einer 2 cm breiten prätrachealen Hautbrücke.
Nach einer L-Förmigen Inzision des SMAS (superfizielles
muskuloaponeurotisches System) mit dem Skalpell und Dynamisierung (Anpassung) mit multidirektionaler Vermittlung (Lösen von Gewebeflächen, um sie in verschiedene
Richtungen zu verschieben zum Ausgleich von Falten) wird
dieses mit 3-0 und 4-0 monofilen Nähten fixiert. Es gibt die
hohe und die tiefe SMAS-Aufhängung (hohe SMAS-Aufhängung: Aufhängung oberhalb des Jochbeins; tiefe SMAS-Aufhängung: Aufhängung unterhalb des Jochbeins). Das SMAS
hat eine große Bedeutung in Bezug auf die Mimik des Menschen. Hier kommt es zur Verbindung der mimischen Muskulatur mit einer Faserplatte und der Haut, was die Mimik
erst möglich macht (superfiziell = oberflächlich; muskulo =
mit Bezug zu den Muskeln; aponeurotisch/Aponeurose = sehnenartige Platte).
Nach Trimmung des Fettgewebes (Ausgleichen der Unebenheiten) mit der Präparierschere im Hals- und Wangenbereich erfolgt die multidirektionale (in viele Richtungen)
Vermittlung der Haut. Zur Vermittlung der Haut wird eine
Branche der Pitangy-Zange unter das Gewebe gelegt. Die
obere Branche der Pitangy-Zange markiert auf der Haut das
zu entfernende Gewebe. Dieser Vorgang wird an mehreren Stellen wiederholt. Das zu entfernende Hautareal wird
mit einem Hautstift markiert und mit einer gebogenen Faceschere nach Freeman-Kaye entfernt. Die Blutstillung erfolgt
mit einer bipolaren Pinzette.
Zur Fixierung der Haut werden Ankernähte mit 3-0 monofilem, nichtresorbierbarem Nahtmaterial gelegt. Nach Ausleiten von Redon-Drainagen beidseits wird die Wunde mit
Einzelknopfnähten und intrakutan fortlaufender 4-0 mono
filer, nichtresorbierbarer Naht sowie Hautklammern im behaarten Kopfbereich verschlossen. Die Zählkontrolle der Textilien und Instrumente und die dazugehörige Dokumentation
werden vor dem Wundverschluss im Vier-Augen-Prinzip
durchgeführt.
In den ersten Tagen nach der Operation führt häufiges
Kühlen zu weniger Schwellung und beschleunigt die Wundheilung. Eine erhöhte Lage des Kopfs beim Schlafen ist nach
dem Facelifting aus dem gleichen Grund empfehlenswert.
Starke Mimik und andere mechanische Belastungen des Operationsgebiets wie z. B. Kopf drehen oder Kaubewegungen
sollten besonders in der ersten Woche gering gehalten
werden.
Folgende Komplikationen sind möglich:
44Hämatome,
44Sensibilitätsstörungen bis hin zu Lähmungs
erscheinungen,
44Asymmetrien,
44maskenhafter Gesichtsausdruck,
44Wundheilungsstörungen, Infektionen.
17.1.4
Bodyforming
>>Die Liposuktion ist heute der am häufigsten durchge-
führte ästhetisch-operative Eingriff. Die Liposuktion ist
nicht nur als ein «Entfettungsverfahren» anzusehen,
sondern auch als ein Verfahren zur
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