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coinad

4/12/26

 Abständen eine Untersuchung der Brust erfolgen.


Die Mastopathie wird in drei Grade unterteilt:

44einfache Mastopathie (Grad I): 70%, ohne Epithelveränderung,

44einfache proliferierende Mastopathie (Grad II): 25%,

­Aktivierungszeichen und Vermehrung der Epithel­

zellen,

44atypisch proliferierende Mastopathie (Grad III): 5%,

­mäßige Anaplasiezeichen der Epithelzellen (die Zellen

sind kaum unterschiedlich) und starke Zellvermehrung.

Das Erscheinungsbild wird v. a. durch Knotenbildungen, prämenstruell verstärkte Brustschmerzen und die (eher seltene)

Sekretion aus der Mamille bestimmt. Neben der Anamnese

und der Untersuchung wird die Diagnose einer Mastopathie

primär durch die Sonographie gestellt.

Die Therapie der Mastopathie richtet sich nach dem klinischen Bild, bei leichten Formen stehen die Behandlung des

prämenstruellen Schmerzes sowie aufklärende Gespräche im

Vordergrund. Die Anwendung gestagenhaltiger Gele kann zu

einer subjektiven Besserung des Schmerzes führen. Auch androgenhaltige Gele oder die systemische Gabe von Gestagenen kann versucht werden. Im Falle einer Mastopathie mit

Knotenbildung muss die Exzision und histologische Untersuchung in Betracht gezogen werden. Bei wiederholten hochgradigen Mastopathien kann die vollständige Entfernung des

Brustdrüsenkörpers notwendig werden.


Mastopathie

Unter dem Begriff Mastopathie wird eine Vielzahl pro­

liferativer (wuchernder) oder degenerativer (abbauend,

­funktionsmindernd) Umbauprozesse des Brustdrüsenparenchyms ­verstanden, die meist durch hormonelle Störungen

in der Balance zwischen Östrogenen und Progesteron ent­

stehen. Betroffen sind v. a. Frauen zwischen 30 und 50 Jahren. Die Übergänge zwischen altersphysiologischen und

«echten» mastopathischen Veränderungen können fließend

sein und bereiten oft Probleme in der feingeweblichen Dia­

gnostik.

Auslöser für die Verschiebung des hormonellen Gleichgewichts von Östrogen und Progesteron zugunsten des Östrogens können sein:

44Ernährungs- oder krankheitsbedingte Stimulierung der

Östrogenproduktion,

44Progesteronmangel (Mangel des «Gelbkörperhormons»

z. B. während der Wechseljahre),

44Hyperprolaktinämie (eine vermehrte Bildung des

­Prolaktins, ausgelöst durch verschiedene Faktoren,

z. B. Unterfunktion der Schilddrüse oder auch durch

Medikamente),

44Hyperandrogenämie, eine Ausschüttung von zu vielen

männlichen Hormonen (Androgene) z. B. durch Tumoren in den Eierstöcken.

Unter dem Einfluss des Östrogens kommt es zu einem verstärkten Aufbau des Drüsengewebes, was zu einer stärkeren

Sekretion und damit zu Gangerweiterung und Zystenbildung

führen kann.


11.3.3


Bösartige Tumoren


Bestimmte Risikofaktoren sind typisch für die Entwicklung

eines Mammakarzinoms:

44familiäre Belastung (Mammakarzinom bei Mutter oder

Schwester),

44bösartige Erkrankungen in der eigenen Anamnese,

­Zustand nach Mammakarzinom,

44Nichtgebärende bzw. Spätgebärende (>35. Lebensjahr),

44frühe 1. Periode (<12. Lebensjahr), späte letzte Periode

(>52. Lebensjahr),

44genetischer Faktor (BRCA-Gene: etwa 5–10% aller

Brustkrebsfälle sind auf vererbbare Mutationen in einem

der beiden Gene – BRCA1 oder BRCA2 – zurückzu­

führen),

44Alter (>50 Jahre),

44Übergewicht,

44Mastopathie III. Grads.

Bestimmte Symptome können Hinweise auf das Vorliegen

eines bösartigen Mammatumors geben:

44Einziehung der Haut, einseitige Mamilleneinziehung,

44Verdickung der Haut: Apfelsinenhaut («peau d’orange»),

44Mamillensekretion, v. a. blutige,

44Hautulkus oder Rötung der Haut,

44neu aufgetretene Größen- und Formungleichheit der

Mammae,

44Unverschieblichkeit eines Knotens unter der Haut oder

auf der Faszie.


11


320


Kapitel 11 · Gynäkologie, geburtshilfliche Operationen und M

­ ammachirurgie


Das Mammakarzinom tritt in verschiedenen Formen auf:

44DCIS: duktales Karzinom in situ (15%),

44LCIS: lobuläres Karzinom in situ,

44Mastopathie Grad III,

44inflammatorisches Mammakarzinom,

44Paget-Karzinom (Mamille),

44IDC: invasives duktales Karzinom (Adenokarzinom;

70–80%),

44ILC: invasives lobuläres Karzinom (10–15%).

Diese Tumortypen unterscheiden sich in ihrer klinischen

­Präsentation, den Befunden bei bildgebenden Untersuchungen, dem histologischen Ausbreitungsmuster und in der

­ rognose.

P

Neben der Heilung sind der Erhalt der betreffenden Brust

und v. a. der Lebensqualität erklärtes Ziel der medizinischen

Behandlung. Die Therapie besteht in der Regel in einer an das

Erkrankungsstadium angepassten Kombination aus Opera­

tion sowie Zytostatika-, Hormon- und Strahlentherapie.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, aber seltener als Frauen.


Duktales Karzinom in situ


11


Ein DCIS ist eine krankhafte Wucherung neoplastischer

(neugebildeter) Zellen in den Milchgängen (Ductuli) der

weiblichen Brust. Hierzu zählt auch das Paget-Karzinom

(englisch: Paget disease of the nipple, nach dem englischen

Chirurgen James Paget), bei dem lediglich die Haut der

­Mamille infiltriert ist.

Es handelt sich beim DCIS um entartete Zellen, die jedoch

die Grenze des Milchgangs (Basalmembran) noch nicht

durchbrochen haben («am Ort»= in situ). Ein solches Frühkarzinom ist immer heilbar, da es keine Tochterzellen ausstreut. Wenn der Tumor die Barriere in die Nachbarschaft

durchbricht, nennt man das Wachstum invasiv. Ein Teil der

In-situ-Brustkarzinome geht in ein invasives Karzinom über.

Das DCIS gilt deshalb als Krebsvorstufe (Präkanzerose).

Die Therapie des DCIS besteht in einer vollständigen Exzision des veränderten Gewebes mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe. In der Regel ist eine

brusterhaltene Operation möglich. Bei einem ungünstigen

Tumor-Brust-Verhältnis wird eine Mastektomie durchgeführt (häufig mit zeitnahem plastisch-chirurgischem Wiederaufbau der betroffenen Brust).


Lobuläres Karzinom in situ

Das LCIS ist eine Wucherung neoplastischer Zellen in den

Läppchen der Brustdrüse, die auf die Milchgänge übergreifen

kann. Es handelt sich um ein nichtinvasives Karzinom der

weiblichen Brust. Auch das LCIS kann sich zu einem inva­

siven Mammakarzinom entwickeln und ist somit ein Risikofaktor für die Entstehung von Brustkrebs.

Bei der Behandlung muss mehreren Faktoren Rechnung

getragen werden. Die drei Subtypen des LCIS haben ein unterschiedliches Risiko, zu einem invasiven Karzinom fortzuschreiten. Nur bei dieser Form (CLIS extended type) sollte

eine vollständige Entfernung des betroffenen Areals erfolgen.


Die überwiegende Mehrheit der Frauen wird demnach nicht

operiert, sondern sollte sich einer engmaschigen klinischen

und mammographischen Kontrolle unterziehen.

11.3.4


Operatives Vorgehen


j

jLagerung


In der Mammachirurgie wird für die meisten Eingriffe die

Beach-chair-Lagerung gewählt (7 Abschn. 4.5.2). Bei dieser

Lagerung ist der Oberkörper so weit aufgerichtet, dass die

Brust physiologisch fallen kann, was für ein optimales kosmetisches Ergebnis sorgt, denn es wird auch die nichtbetroffene

Seite mit desinfiziert, um immer einen Vergleich für die Seitengleichheit zu haben. Beide Arme werden ausgelagert und

fixiert. Vor der Fixierung wird die Patientin an den seitlichen

Rand des OP-Tischs gezogen, um einen optimalen Zugang

zur Axilla zu haben.

Bei Mammaaufbau- oder Mammareduktionsplastiken

können beide Arme auch angelagert werden.

Da der zweite Assistent sehr weit kopfwärts steht, wird

kein Narkosebügel angebracht. Die Neutralelektrode wird

OP-Gebiet-nah angebracht. Die EKG-Elektroden werden auf

dem Rücken der Patientin platziert, da bei Eingriffen an der

Mamma immer beide Seiten desinfiziert und abgedeckt werden. So ist die gesunde Seite einsehbar und es kann ein optimales, kosmetisches Ergebnis erzielt werden.

Zur sterilen Abdeckung bei der Beach-Chair-Lagerung

wird eine 4-Tuch Abdeckung verwendet.

Während der Desinfektion hebt ein Mitarbeiter den Arm

der betroffenen Seite an, sodass nicht nur die Mamma und die

Axilla desinfiziert werden, sondern auch der Oberarm dieser

Seite. Nach der Desinfektion schiebt der Operateur ein steriles Tuch unter die Axilla. Der Arm wird vom unsterilen Mitarbeiter abgelegt und mit einem Gurt am Unterarm fixiert,

ein Beinling wird über den Arm gezogen.

Alternativ kann der gesamte Arm desinfiziert und zirkulär abgedeckt werden. Das größte Abdecktuch wird unterhalb

der Mammae angebracht und fußwärts entfaltet. Beide Seitentücher werden weit lateral geklebt, damit ein optimaler

Zugang zur Axilla bleibt. Ein großes Abdecktuch wird oberhalb der Mammae angebracht auf Höhe der Klavikula und

kopfwärts entfaltet. Auf der betroffenen Seite wird dieses

Tuch so gespannt, dass zwischen dem ausgelagerten Arm und

dem Abdecktuch ein steriler Platz für den zweiten Assistenten

entsteht.

j

jInstrumente für Eingriffe in der Mammachirurgie


Bei Operationen in der Mammachirurgie werden viele Grundinstrumente verwendet, wie z. B. verschiedene LangenbeckHaken, kleine scharfe Dreizinkerhäkchen sowie Präparierscheren, Pinzetten und Overholt-Präparierklemmen.

Zum Einsatz kommt auch ein Hautstift, um die Schnittführung anzuzeichnen. Die Blutstillung wird monopolar oder/

und bipolar durchgeführt, die Einlage einer Drainage variiert.

Zum schonenden Fassen der Lymphknoten können eine

gefensterte Organfasszange nach Lockwood, eine Ovarfass-


321

Literatur


zange nach Bonney oder Allis-Klemmen (7 Abb. 7.5) verwendet werden.

Zur Identifizierung des Wächterlymphknotens bei präoperativer Markierung mit Technetium wird eine Gammasonde mit dem dazugehörigen Messgerät benötigt. Die Sonde

wird intraoperativ steril bezogen. Für die postoperative Messung der Radioaktivität sind ein Geigerzähler und ein Mess­

protokoll erforderlich. Alle angegebenen Positionen werden

gemessen, sobald die Patientin den OP verlassen hat. Entnommene Präparate müssen als Strahlungsquelle aus dem

Saal entfernt werden (7 Abschn. 11.3.1).

OP-Ablauf: Mastektomie mit axillärer

­Lymphadenektomie

55 Ist eine totale Mastektomie mit axillärer Lymphadenektomie geplant, erfolgt die Desinfektion des OP-Gebiets und die Abdeckung wie oben beschrieben.

Nach dem Anschluss der Sauger und Elektrokoagulationskabel und dem standardisierten Team-Time-Out

beginnt der Eingriff mit der spindelförmigen Umschneidung der Mamille mit dem Skalpell. Nach der

Präparation der Haut und des direkt anliegenden

Subkutangewebes mit der Präparierschere oder dem

Skalpell nach medial bis zum Sternum, kopfwärts bis

fast zur Klavikula und nach unten bis zum Ansatz des

M. rectus abdominis muss so viel Subkutangewebe

erhalten bleiben, dass eine Versorgung der Haut gewährleistet ist.

55 Der Drüsenkörper wird unter Mitnahme der Pekto­

ralisfaszie mit dem Skalpell entfernt. Dies geschieht

parallel zur Muskelfaserverlaufsrichtung von medialkranial (von der Mitte Richtung des Kopfes) nach

­lateral-kaudal (von der Seite in Richtung der Füße),

hier wird das Gewebe abgesetzt. Die versorgenden

Ge­fäße werden entweder unterbunden oder koa­

guliert.

55 Häufig wird über die Mastektomiewunde mit der

axillären Lymphadenektomie begonnen. Möglich ist

aber auch ein separater bogenförmiger Schnitt in der

Axilla. Dann muss das Wundgebiet der eigentlichen

Brust mit einem Tuch abgedeckt werden und die

Handschuhe werden gewechselt.

55 Nach dem Eröffnen des subkutanen Fettgewebes

wird der Rand des M. pectoralis major dargestellt

und vom Assistenten mit dem Haken nach medial

gezogen. Die V. axillaris wird durch vorsichtiges

Spreizen mit der Präparierschere aufgesucht, Lymphund Blutgefäße werden monopolar koaguliert oder

mit Titanclips verschlossen.

55 Die En-bloc-Resektion des axillären Lymphfettgewebes beginnt lateral der V. axillaris und wird mit der

Präparation auf der Faszie des M. latissimus dorsi

nach dorsocaudal fortgesetzt.

55 Möglich ist auch das Entfernen der Lymphknoten

des Levels I (7 Abschn. 11.3.1) mittels gefensterter


Organfasszangen, dabei werden die thorakodorsalen

Gefäß-Nerven-Bündel und der N. thoracicus longus

dargestellt.

55 Wenn möglich, sollten auch die Nn. intercostobra­

chialis erhalten werden, die quer durch die Axilla

­verlaufen und die Innenhaut des Oberarms sensibel

versorgen.

55 Nach Anheben des M. pectoralis minor können nun

auch die Lymphknoten des Level II (7 Abschn. 11.3.1)

präpariert und mit dem Gesamtpräparat entfernt

werden. Nicht unbedingt notwendig ist die Entfernung der Lymphknoten des Levels III, die durch kräftiges Anheben des M. pectoralis minor erreicht werden können.

55 Nach der Blutstillung und der Einlage einer Wunddrainage axillär und auch in die Mammawunde

­werden die Instrumenten und Textilien gezählt und

der Zählstand dokumentiert.

55 Der schichtweise Wundverschluss, ein Verband mit

Wundpflastern und einem Wickelverband mit einer

großen Mammabinde oder mit einem postoperativen Wundstützverband mit Klettverschluss beenden

den Eingriff.


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 11


55 Welche operativen Zugänge gibt es in der operativen

Therapie von Erkrankungen der Gebärmutter?

55 Welche Lagerung ist die optimale Variante bei laparo­

skopischen Eingriffen bzw. Laparotomien?

55 Welche typischen Instrumente werden bei vaginalen

Eingriffen verwendet?

55 Was ist grundsätzlich bei der operativen Therapie

von Karzinomen zu beachten, um eine Zellstreuung

zu vermeiden?


Literatur

Hoffman R, Wagner U (2009) Inkontinenz- und Deszensuschirurgie.

Springer, Berlin Heidelberg New York

Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2011) OP-Handbuch, 5. Aufl. Springer,

Berlin Heidelberg New York

Wacker, J, Sillem M, Bastert G, Beckmann MW (2013) Therapiehandbuch

Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg New York

Wagner U, Hofmann, R, Bartsch DK (2013) Operationsatlas Gynäkolo­

gische Onkologie. Springer, Berlin Heidelberg New York


11


323


Urologie

Brigitte Lengersdorf, Annegret Nietz


12.1


Prostata


– 324


12.1.1

12.1.2


Prostatahyperplasie – 324

Prostatakarzinom – 328


12.2


Harnblase


12.2.1

12.2.2


Nichtinvasiver Blasentumor

Blasenkarzinom – 331


12.3


Hoden


12.3.1

12.3.2

12.3.3


Varikozele – 334

Akute Hodentorsion – 335

Hodentumoren – 336


12.4


Penis


12.4.1

12.4.2

12.4.3


Phimose – 337

Paraphimose – 337

Peniskarzinom – 338


12.5


Andrologie


12.6


Niere


12.6.1


Nierenzellkarzinom


12.7


Fehlbildungen der Urogenitalorgane


12.7.1

12.7.2

12.7.3

12.7.4


Nierenbeckenabgangsstenose – 341

Fehlbildungen am Harnleiter – 342

Fehlbildung der Urethra – 344

Penisdeviation – 344


12.8


Harninkontinenz


12.8.1

12.8.2


Inkontinenz der Frau – 345

Inkontinenz des Mannes – 345


12.9


Endoskopische Operationen in der Urologie


12.9.1

12.9.2

12.9.3


Niere – 346

Varikozele – 349

Prostata – 349


– 330

– 330


– 334


– 337


– 338


– 339


Literatur


– 339


– 341


– 345


– 351


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_12


– 346


12


324


Kapitel 12 · Urologie


Lernziele

55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen

operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der

Urologie und sind in der Lage, bei diesen ­Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht zu ­instrumentieren.

55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Urologie, deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren

und deren typische Komplikationen. Sie erarbeiten sich

entsprechende Kenntnisse der anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Gegebenheiten und

der speziellen Mikrobiologie.

55 Sie kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser Verfahren häufig eingesetzt werden.

55 Die Auszubildenden können die notwendigen speziellen

operations- und eingriffsspezifischen Patientenlagerungen allein oder mit Hilfe von anderen (Operateur) herbeiführen bzw. die Qualität der Patientenlagerung kontrollieren und ggf. modifizieren.


12


Der Einsatz in der Urologie beinhaltet Eingriffe am Urogenitaltrakt des Mannes und der Frau.

Das Fach beschäftigt sich mit den harnbildenden und

harn­ableitenden Organen, also den Nieren, Nebennieren, den

Harnleitern und der Blase. Des Weiteren werden, im Rahmen

der Andrologie, die männlichen Geschlechtsorgane Hoden,

Nebenhoden, Samenleiter, Samenblase, Prostata und Penis

behandelt.

Wie in jedem Bereich der chirurgischen Fächer, gibt es auch

in der Urologie gutartige und bösartige Veränderungen beziehungsweise Tumoren, als auch Fehlbildungen an den Organen.

12.1


Prostata


Brigitte Lengersdorf


Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein kastaniengroßes, prallelastisches, von Muskelfasern durchzogenes Drüsenorgan,

das in jeweils einen rechten und linken Lappen unterteilt ist.

Die Prostata umgibt die Urethra (Harnröhre) unterhalb des

Ostium urethra internum bis hin zum Colliculus seminalis

(prostatische Harnröhre). Ihre Basis liegt am Blasengrund,

die Spitze (Apex) zeigt zum Diaphragma urogenitale. Hinten

liegt sie dem Rektum an, getrennt durch die DenonvillierFaszie. Der Apex prostatae ist der kaudale Anteil der Prostata,

nahe dem Beckenboden gelegen. Die Prostata wird in drei

Zonen unterteilt:

44Periphere Zone: Sie liegt zum Rektum und zum Apex

prostatae hin. Bei jüngeren Männern umfassen ca. 75%

der Prostata diesen Bereich.

44Zentrale Zone: Unter dem Trigonum der Blase.

44Transitionalzone: Der Innenbereich der Prostata, er umgreift die Urethra.

Die Ausführungsgänge der Prostata (Ductus prostatici) münden seitlich des Colliculus seminalis. Das Prostatasekret ist


dünnflüssig, alkalisch und wird während der Ejakulation den

Spermien beigemischt. Es wirkt bewegungsauslösend und

schützt, durch das alkalische Sekret, die Samenzellen vor dem

sauren Scheidenmilieu.

12.1.1


Prostatahyperplasie


Die benigne (= gutartige) Prostatahyperplasie (BPH) entsteht

häufig in der Transitionalzone. Das Prostatakarzinom hingegen entsteht typischerweise in der peripheren Zone und ist

daher möglicherweise mit dem Finger bei der rektalen Untersuchung zu tasten!

Bei steigendem Lebensalter, ab ca. 45 Jahren, kommt

es durch die Verschiebung im Hormonhaushalt zu einer

­Wucherung der periurethralen Drüsen, einhergehend mit

einer gutartigen Vergrößerung von Anteilen der Transitional­

zone der Prostata, zur BPH (benigne, also gutartige Ver­

größerung der Prostata, oder Prostataadenom). Die Ein­

engung der prostatischen Harnröhre und des Blasenauslasses

führt zu einer erschwerten Blasenentleerung mit gestörten

und/oder obstruktiven (einengenden) Miktionsbeschwerden (Beschwerden bei der Harnentleerung), dem BPS (benig­

nes Prostatasyndrom).

Weitere Folgen des BPS können lange asymptomatisch

verlaufen, aber schwere Schäden am Harntrakt verursachen

wie Hämaturie (Blut im Urin), Harnwegsinfekte, Blasen­

steine, Harnrückstauung mit Hydronephrose (Harnstauungsniere) oder auch eine Niereninsuffizienz.


Prostataadenome <80 g

Das Standard OP-Verfahren ist die TUR-Prostata (transurethrale Resektion der Prostata). Kommt ein Patient mit der

Diagnose BPH (benigne Prostatahyperplasie) mit Adenomen

die nicht größer als 80 g sind, ist die TUR-Prostata die Therapie der Wahl. Sollten zusätzlich Blasensteine vorhanden sein,

können diese auf gleichem Weg mittels eines Steinpunch

(Steinzerkleinerer; . Abb. 12.1) entfernt werden.

Zur Diagnostik werden im Vorfeld eine Laboruntersuchung u. a. der PSA- Wert (prostataspezifisches Antigen zur

Differenzialdiagnose des Prostatakarzinoms), ein Urinstatus,

eine digitale (mit dem Finger) rektale Untersuchung, eine

Uroflowmetrie (Bestimmung des Harnflusses), ein TRUS

(transrektaler Ultraschall) sowie eine Sonographie (Ultraschall zur Bestimmung der Größe und Organstruktur [Knoten, Zysten, Kalkablagerungen]) durchgeführt.

>>Die Ausschälung bzw. Abhobelung der Adenome


­erfolgt über ein Resektoskop, das über einen Kanal für

die Optik sowie über einen Arbeitskanal (. Abb. 12.2)

verfügt. Als Spülflüssigkeit wird wegen der Anwendung der Hochfrequenzchirurgie (7 Abschn. 2.8) eine

hypotone, salzfreie Zucker­lösung, z. B. Purisole, verwendet. Die bipolaren Resektoskope können mit physiologischer Kochsalzlösung eingesetzt werden.

Damit können Komplikationen wie das TUR-Syndrom

(7 Abschn. 12.2, 7 TUR-Blase) vermieden werden.


325

12.1 · Prostata


..Abb. 12.1 Steinpunch zur Sichtlitho­

trypsie von Blasensteinen. ­(Modifiziert

nach Hohenfellner u. Zingg 1983, mit

freundlicher Genehmigung der Fa. KARL

STORZ SE & Co. KG)


..Abb. 12.2a–j Modernes Resektions­

instrument (a) mit verschiedenen Schlingenformen, b Resektionsschlinge, c Hakensonde, d Rollensonde, e Kerbsonde, f breite

Schlinge, g breite Schlinge für TUR-P,

h «Mähschlinge» für TUR-B an der Blasenhinterwand, i Resektoskop mit Biopsie­

zange, j Maul einer Biopsiezange.

Aus: Hofmann R (2009) Endoskopische

­Urologie. ­Atlas und Lehrbuch, 2. Aufl.

Springer, Berlin Heidelberg New York


a


c


b


e


d


f


g


h


i


j


Bei der Hochdruckresektion wird mit einem doppelläufigen

Resektoskop gearbeitet, wo sich wiederkehrend bei zunehmender Blasenfüllung der Druck und damit die Gefahr der

Einschwemmung in die Gefäße erhöhen. Alternativ kann mit

dem einläufigen Resektoskop und einem suprapubisch in der


Blase platzierten Trokar zur Absaugung eine «Niederdruck­

resektion» (die eingebrachte Spülflüssigkeit wird sofort wieder

herausgeleitet), durchgeführt werden. Dieses Verfahren eignet

sich nicht bei vorhandenen Blasentumoren, da sonst die Gefahr der Verschleppung von Tumorzellen in die Haut besteht.


12


326


Kapitel 12 · Urologie


OP-Ablauf: TUR-Prostata


12


55 Wir benötigen für diesen Eingriff das gleiche Instrumentarium wie bei der TUR-Blase (7 Abschn. 12.2,

7 TUR-Blase) und zusätzlich ein Stichskalpell, eine

lange Kanüle, eine Pinzette, eine Schere, einen Trokar,

ein einläufiges Resektoskop, einen Stirnlochkatheter

(vorn offen) 14 Ch zur suprapubischen Einlage nach

der Operation, einen 22-Ch-Spül-Kompressionskatheter (3-Wege-Dauerkatheter) und einen Katheterverschlussstopfen.

55 Der Beginn der Operation erfolgt standardisiert gemäß Team-Time-Out-Checkliste. Der Patient wird in

Steinschnittlage (7 Abschn. 4.5.2) unter Berücksich­

tigung seiner Intimsphäre (Patienten werden häufig

in Spinalanästhesie operiert!) und möglicher individueller Einschränkungen gelagert. Eine Neutralelek­

trode wird am rasierten Oberschenkel des Patienten

angelegt.

55 Das OP-Gebiet wird mit einem geeigneten Desin­

fektionsmittel von oberhalb des Bauchnabels bis zur

halben Oberschenkelhöhe einschließlich der Anus­

region desinfiziert. Ein Ablaufsieb wird am OP-Tisch

angebracht, mit einem Ablaufkanal in den Boden.

Die Abdeckung erfolgt nach Hausstandard, dann

werden Kaltlichtkabel, Zu- und Ablaufsystem angeschlossen, die Endoskopkamera mit einem sterilen

Klarsichtbezug versehen und an die Optik angeschlossen.

55 Das Spülsystem wird entlüftet, ein Gleitmittel in die

Urethra instilliert und das Resektoskop mit der Optik

(12°) unter Sicht bis in die Blase eingeführt. Dabei

werden die Harnröhre, die prostatische Harnröhre

und der Blasenauslass inspiziert. In der Blase wird auf

die sog. «Übersichtsoptik» (Winkeloptik 70°) gewechselt, um die Blase einschließlich der Ostien (entleert

sich klarer Urin?), die Seitenwände und das Blasendach zu inspizieren. Zeigt sich dabei ein Blasentumor,

wird dieser entfernt (7 Abschn. 12.2, 7 TUR-Blase)

und zur histologischen Untersuchung eingeschickt.

55 Die Resektion der Prostata wird dann nicht als «Niederdruckresektion», sondern mit dem doppelläufigen

Resektoskop, als «Hochdruckresektion», a­ usgeführt.

Bei vorhandenen Blasensteinen werden diese mit

dem Steinpunch zerkleinert und ausgespült. Nach

Auffüllen der Blase wird von außen unter Sicht eine

lange Kanüle in die Blase gestochen. Entleert sich

über die Kanüle Flüssigkeit, wird an der Einstichstelle

eine Stichinzision mit dem Skalpell durchgeführt, der

Trokar wird dort in die Blase eingebracht und daran

die Absaugung befestigt. Die Blase wird entleert und

der Transporteur mit der Resektionsschlinge über das

liegende Resektoskop in die Blase eingeführt.

55 Jetzt erst wird das Stromkabel des HF-Geräts mit

dem Resektoskop verbunden und von der Übersichts- auf die Geradeausoptik (12°) gewechselt. Der


exakte Resektionsbeginn wird angegeben und dokumentiert, um im weiteren Verlauf die Gefahr eines

TUR-Syndroms (7 Abschn. 12.2) besser einschätzen

zu können. Die Resektion wird unter Sicht durchgeführt, beginnend am Mittellappen und danach der

Seitenlappen. Zwischenzeitlich wird mit der Schlinge

oder Kugelelektrode je nach Blutungsintensität eine

Blutstillung durchgeführt.

55 Während der gesamten Resektion ist darauf zu achten, dass die Prostatakapsel und die umliegende

Muskulatur nicht verletzt werden. Sämtliche Resek­

tionsspäne werden mit der Blasenspritze ausgespült,

in einem Sieb gesammelt und gewogen bevor sie zur

histologischen Untersuchung eingeschickt werden.

Das Gewicht gibt u. a. an, ob präoperativ (vor der

Operation) das richtige Gewicht der Adenome ausgemessen wurde, es weist aber auch auf die Größe der

produzierten Prostataloge hin, falls der Katheter dort

geblockt werden soll.

55 Über den liegenden Halbschaft des Trokars wird der

Stirnlochkatheter eingebracht und entsprechend geblockt, hier wird das Spülsystem angeschlossen. Die

Spülung erfolgt zunächst im Schuss, um der Bildung

von Blutkoageln optimal vorzubeugen. Danach wird

wieder ein Gleitmittel in die Urethra instilliert und der

3-Wege-Spülkatheter in die Blase eingebracht, zur

weiteren Blutstillung wird dieser in der Prostataloge

oder in der Blase mit Zug am Blasenhals mit bis zu

60 ml Glycerollösung geblockt. Das Ablaufsystem mit

dem Pumpball wird angeschlossen und der zweite

Zugang des Katheters mit einem Stopfen verschlossen. Die suprapubische Kathetereintrittstelle wird mit

einem Kompressen-Salben-Verband versorgt.

55 Um den Patienten zur Umlagerung vorzubereiten,

bringen wir die Beinteile des OP-Tischs wieder an,

entlagern den Patienten vorsichtig aus den Beinschalen und bringen ihn wieder in die Rückenlage. Die

Ausschleusung in den Aufwachraum erfolgt gemäß

Standard (7 Kap. 23).


Als Komplikation kann es hier zu einem sog. TUR-Syndrom

kommen. Infolge Einschwemmung der Spülflüssigkeit durch

die eröffneten Gefäße in den Blutkreislauf kann es zu einer

Hyperhydratation (Überwässerung) mit Herz-Kreislauf-­

Belastung bis hin zur Rechtsherzinsuffizienz kommen. Das

TUR-Syndrom tritt v. a. bei Patienten mit Spinalanästhesie

und während der Aufwachphase bei Patienten mit Vollnar­

kose auf. Symptome des TUR-Syndroms sind Übelkeit, Verwirrtheit, Unruhe und Erbrechen bis hin zum Schock, akutem

Nierenversagen und Hirn- oder Lungenödem. Die Patienten

werden dann auf der Intensivstation be­handelt.

>>Deshalb ist es wichtig, die Resektionszeit möglichst


kurz zu halten. Auf die Dauer der Resektionszeit sollten

alle Mitglieder des OP-Teams achten.


327

12.1 · Prostata


Prostataadenome >80 g

Adenome, deren Volumen größer als 80 ml oder deren M

­ asse


größer als 80 g ist, müssen in einem offenen Operationsverfahren enukleiert (herausgeschält) werden. Hier gelten die

retropubische 

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