Endoskopieabteilung
In einer Endoskopieabteilung werden diagnostische und zunehmend therapeutische Spiegelungen von Hohlorganen
durchgeführt. Ein weiterer Bereich ist die Funktionsdiagnostik. Hier werden beispielsweise die Manometrie, pH-Metrie
und verschiedene Atemtests durchgeführt. Auch die Endoso
nographie und die Kapselendoskopie sind mittlerweile Standard in einer gastroenterologischen Endoskopieabteilung.
Um eine Endoskopieeinheit betreiben zu können, sind
baulich-strukturelle, aber auch hygienische und qualitative
Vorgaben einzuhalten. Diese sind in verschiedenen Richt
linien, Empfehlungen und Gesetzen vorgegeben. So regeln
beispielsweise das Medizinproduktegesetz und die Medizinproduktebetreiberverordnung (7 Abschn. 2.1) den Umgang
mit Medizinprodukten. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert
Koch-Institut (RKI) erstellt Leitlinien und Empfehlungen,
beispielsweise zur baulich-funktionellen Gestaltung und apparativen Ausstattung von Endoskopieeinheiten. Darüber
hinaus hat die Kommission verbindliche Regeln für die Aufbereitung von Endoskopen und endoskopischem Zubehör
veröffentlicht.
Grundsätzlich sind nachfolgend genannte Räume in einer
Endoskopieeinheit zu finden. Die Anzahl dieser Räume variiert je nach Anzahl der Untersuchungen und dem Untersuchungsspektrum.
44Untersuchungsräume (möglichst mit vorgeschalteter
Toilette),
44Aufbereitungsraum,
44Aufwachraum,
44Wartebereich für ambulante Patienten,
44Wartebereich für stationäre Patienten,
44zentrale Anmeldung,
44Materiallager,
44Patiententoiletten,
44Personalumkleideraum mit Personaltoiletten,
44Entsorgungsraum
44Aufenthaltsraum,
44Besprechungsraum.
21.1.1
Aufbau eines Untersuchungsraums
Die Größe eines Untersuchungsraums ist abhängig von der
Art der Untersuchung, die in diesem Raum vorgenommen
werden soll. So wird für den ERCP-Raum, für den eine Röntgendurchleuchtung benötigt wird, von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eine
Raumgröße von 36–40 m2 empfohlen, für einen Gastroskopie- bzw. Koloskopieraum ca. 30 m2.
Grundsätzlich gehören in jeden Untersuchungsraum ein
hygienischer Händewaschplatz, ausreichend Schränke, um
die benötigten Materialien zu lagern, und ausreichend Instrumententische. Zum Lagern und Vorbereiten der Utensilien
für die Sedierung eignen sich rollbare Funktionsschränke.
Hier können die Medikamente und Materialien separat vorbereitet und während der Untersuchung abgelegt werden. Bei
dem Bau von neuen Endoskopieeinheiten werden Wandanschlüsse für O2 und CO2 empfohlen. Zur minimalen apparativen Ausstattung gehört ein Videoturm mit:
44Lichtquelle mit Optikspülsystem,
44Prozessor,
44Absaugeinheit für das Endoskop,
44Endoskop-Monitor.
Die Arbeitsplätze für die Endoskopien sind in der Regel mit
hochauflösenden (HDTV-) Kameras ausgestattet. Diese ermöglichen Darstellungen der betroffenen Körperregionen in
hervorragender Schärfe. Die Übertragung auf mehrere Monitore erlaubt dem gesamten Team eine gute Sicht auf den Situs
und ermöglicht so eine gute Abstimmung zwischen Untersucher und Assistenz.
Über 90% der Patienten erhalten für einen endoskopischen Eingriff eine Sedierung.
Hierfür ist es notwendig, ein Überwachungsmonitoring
mit Pulsoxymetrie, Blutdruckmessung und einer EKG-Ableitung bereitzuhalten. Auch wird eine permanente Gabe von
Sauerstoff während einer Sedierung empfohlen. Ein Notfallkoffer mit Medikamenten und Utensilien für die CPR sowie
ein Defibrillator sollen in jeder Endoskopieeinheit vorgehalten werden, und zur Vorbeugung von Aspirationen wird eine
Rachenabsaugung in jedem Untersuchungsraum benötigt.
Weitere technische Geräte müssen je nach Untersuchungsart bereitstehen:
44HF-Chirurgiegerät,
44Röntgendurchleuchtungsanlage,
44Ultraschallgerät.
Für die Befundung sollte ein PC-Arbeitsplatz zur Verfügung
stehen. Hier kann über ein Krankenhausinformationssystem
471
21.1 · Endoskopieabteilung
die Befund- und Bilddokumentation erfolgen. Erfolgt die
Pflegedokumentation auch elektronisch, ist eine zweiter PCArbeitsplatz sinnvoll.
Prinzipiell soll der Fußbodenbelag fugendicht abwischbar und desinfizierbar sein. Die Wände, die Oberflächen der
medizinisch-technischen Geräte sowie der Einrichtungsgegenstände sollen leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein
(Robert Koch-Institut 2002).
21.1.2
Aufbereitungsraum
Grundsätzlich ist die Größe des Aufbereitungsraums abhängig von der Untersuchungsfrequenz und dem Gerätepool.
Der Aufbereitungsraum ist in eine reine und eine unreine
Seite klar zu trennen. Dies ist notwendig, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden. Für beide Bereiche müssen ausreichend Ablagemöglichkeiten und Schränke für die Aufbewahrung der Aufbereitungsutensilien und Prozesschemikalien
zur Verfügung stehen (. Abb. 21.1, . Abb. 21.2).
Neben dem hygienischen Händewaschplatz gehören zur
unreinen Zone ein Reinigungsbecken zur Vorreinigung der
Endoskope, ein Reinigungsbecken für die Zwischenspülung
und ein Becken für die Desinfektion und Schlussspülung.
Auch wird ein Dichtigkeitstester für den manuellen Dichtigkeitstest benötigt. Werden Zusatzinstrumentarien in der Endoskopie aufbereitet, ist auch ein Ultraschallbad vorzuhalten.
Die Anzahl der RDG-E (Reinigungs- und Desinfektionsgeräte für Endoskope) ist abhängig von der Untersuchungsfrequenz einer Abteilung und dem Bautyp der RDG-E. In
einer RDG-E können 1–3 Endoskope parallel gereinigt und
desinfiziert werden. Durchreichemaschinen haben den Vorteil, dass hier eine striktere Trennung zwischen unreiner und
reiner Zone gewährleistet werden kann. Die Lagerung der
Endoskope erfolgt in dafür vorgesehenen Endoskopschränken oder Trockenschränken. Bei der Lagerung in Trockenschränken findet eine geschlossene Lagerung statt und es erfolgt eine Trocknung der inneren und äußeren Flächen der
Endoskope.
..Abb. 21.1
Unreine Zone mit Blick zur reinen Zone
..Abb. 21.2
Reine Zone mit Blick zur unreinen Zone
..Abb. 21.3
zone
Zentrale mit Blick in die ambulante und stationäre Warte
>>Alle Schritte des Aufbereitungsprozesses müssen
dokumentiert werden.
21.1.3
Die Zentrale Anmeldung –
Administration/Organisation
und Ablaufsteuerung einer
Endoskopieeinheit
Reibungslose Abläufe in einer Endoskopieeinheit sind Grundvoraussetzung für ein wirtschaftliches Arbeiten. Hier können
Doppelungen und Leerläufe vermieden werden. Dies steigert
nicht nur die Patientenzufriedenheit, sondern trägt auch zu
einer harmonischen Arbeitsatmosphäre für alle Berufsgruppen, die in der Endoskopie tätig sind, bei (. Abb. 21.3).
Drei Aufgabenfelder sind im Bereich der Administration
zu nennen.
21
Kapitel 21 · Endoskopie
472
j
j1. Materiallogistik
Hierzu zählen nicht nur alle Verbrauchsmaterialien und
endoskopisches Zubehör, sondern auch Apotheke, Wäsche,
Büromaterialien und Küchenbedarf. Auch ist auf eine sachund fachgerechte Lagerung, Kontrolle des Verfalls und ordnungsgemäße Entsorgung bei Verfall zu achten. Ein weiterer
Bereich der Materiallogistik ist die Wartung des Geräteparks
und die Koordinierung der Reparaturen des Geräteparks.
Regelmäßige Hygienetestungen von Endoskopen und R
DG-E
sind ebenfalls bei der Planung des Tagesprogramms zu be
achten.
j
j2. Patientenadministration
Die Koordinierung der Untersuchungen der ambulanten und
stationären Patienten bedarf vieler Punkte, die berücksichtigt
werden müssen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren:
44nach Dringlichkeit,
44Gerätepark,
44Berücksichtigung der personellen Besetzung (hoch
spezialisierte Untersuchungen sind untersucherabhängig
und müssen entsprechend geplant werden),
44der Vorbereitung des Patienten.
Infektiöse Patienten sollten am Programmende geplant werden. Aufgrund der Kürze der Liegedauer der Patienten erfolgen oft weitere Untersuchungen, die der Patient am selben
Tag erhalten soll. Diese Schnittstellenorganisation ist im
Tagesprogramm zu berücksichtigen.
Zur administrativen Vorbereitung eines Patienten gehören eine Indikationsstellung des Arztes und die Einwilligung
des Patienten in die Untersuchung. Prinzipiell gilt: Je invasiver der Eingriff, umso länger sollte der Patient Bedenkzeit
erhalten.
>>Eine Aufklärung im Untersuchungsraum ist rechtlich
nicht statthaft.
Des Weiteren gehört zur Vorbereitung die Weitergabe von
relevanten Informationen über den Patienten wie Infektionen
oder Voroperationen. Zur Untersuchung werden eine vollständige Krankenakte mit Laborbefunden (Blutbild, INR,
Leberwerte usw.), Vorbefunden (Ultraschall, CT, MRT, endoskopische Vorbefunde usw.) und Patientenetiketten benötigt.
j
j3. Beratung
21
Ein weiterer Punkt, der in der Endoskopie an Bedeutung in
den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, ist die Beratung
von Patienten und deren Angehörigen. Dies betrifft nicht nur
den gesamten Ablauf in der Endoskopie, bei der Patienten
angeleitet und instruiert werden, sondern auch beispielsweise
die Vorbereitung zur Untersuchung und Instruktionen, die
der Patient nach der Untersuchung erhält.
21.1.4
Aufwachraum
Da über 90% der Patenten eine Sedierung erhalten, ist eine
postinterventionelle Überwachung notwendig. Die Länge der
..Abb. 21.4
schluss
Aufwachraum mit Überwachungsmonitor und O2-An
Überwachung ist abhängig von der Wirkdauer und der Halbwertzeit der verwendeten Medikamente. Um eine kontinuierliche Überwachung zu gewährleisten, muss an jedem Aufwachplatz ein Monitoring mit Pulsoxymetrie, RR-Messung
und EKG-Ableitung zur Verfügung stehen. Auch eine kontinuierliche Sauerstoffgabe ist vorzusehen (. Abb. 21.4). Um
einer Aspirationspneumonie vorzubeugen, wird auch für den
Aufwachraum eine Rachenabsaugung empfohlen. Des Weiteren sollten Utensilien zur Versorgung des i.v. Zugangs bereitstehen sowie Decken, Kissen Bezüge usw. Auch sollte das
Equipment für die CPR griffbereit im Raum sein.
Die Durchführung der Überwachung soll durch qualifiziertes, entsprechend geschultes Personal erfolgen. Für die
Sedierung und Nachüberwachung wurde durch die Fachgesellschaften DEGEA (Deutsche Gesellschaft für Endoskopiefachberufe) und die DGVS (Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften die Leitlinie zur Sedierung in der
gastrointestinalen Endoskopie erarbeitet. Es folgte die Entwicklung eines Curriculums für einen dreitägigen Sedierungskurs. Die Sedierung und die Nachüberwachung sedierter Patienten darf nur von Personen durchgeführt werden, die
diesen Kurs absolviert haben. Diese Person darf nicht in andere Tätigkeiten eingebunden werden, sondern ist nur für
den Aufwachraum zuständig.
21.2
Untersuchungsablauf am Beispiel
einer oberen gastrointestinalen
Blutung
Fallbeispiel
Am Morgen stellt sich Herr Lehmann, ein 65-jähriger
Mann in der Notaufnahme eines Krankenhauses vor. Er
ist blass und kaltschweißig und berichtet dem Arzt,
dass er seit mehreren Tagen müde und abgeschlagen
473
21.2 · Untersuchungsablauf am Beispiel einer oberen gastrointestinalen Blutung
ist. Seit ca. 4 Tagen hat er bei sich Teerstuhl bemerkt.
Die Frage nach Medikamenten zur Blutverdünnung ver
neint er. Jedoch hat er seit einigen Tagen Magenschmer
zen und hat deshalb mehrfach Schmerzmittel zu sich
genommen. Eine Messung des Blutdrucks hat einen sys
tolischen Wert von 108 mm Hg ergeben und der diasto
lische Wert beträgt 59 mm Hg. Die Pulsfrequenz liegt
bei 97. Der Arzt vermutet eine obere gastrointestinale
Blutung und stellt die Indikation zur Gastroskopie.
j
jUrsachen einer oberen gastrointestinalen Blutung
Als eine obere gastrointestinale Blutung wird bezeichnet,
wenn sich die Blutungsquelle oberhalb des Treitz-Bandes befindet. Rund 90% der Blutungen sind im oberen Gastrointestinaltrakt zu finden.
Ursachen dieser Blutungen können sein:
44Duodenalulzera,
44Magenulzera,
44gastroösophageale Varizen,
44gastroduodenale Erosionen,
44Refluxösophagitis,
44Mallory-Weiss-Läsionen,
44Tumoren,
44Angiodysplasien,
44diffuse Blutungen.
Es gibt verschiedene klinische Manifestationen einer GIB
(= gastrointestinale Blutung):
44Hämatemesis: Bluterbrechen, erbrechen von Koageln,
44Hämatinerbrechen: kaffeesatzartiges Erbrechen = hämatinisiertes Blut,
44Meläna: Teerstuhl, übel riechender und schwarz gefärbter
Stuhl,
44Hämatochezie: analer Blut- oder Koagelabgang,
44klinisch, durch den Anstieg der Pulsfrequenz auf über
100 Schläge pro Minute und Absinken des Blutdrucks
auf unter 100 mm Hg (hypovolämischer Schock).
Prinzipiell wird eine Untersuchung entsprechend der Indikationsstellung vorbereitet. Im Rahmen einer Gastroskopie gibt
es ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten.
Einige Beispiele hierfür sind:
44verschiedene Rekanalisationsverfahren,
44verschiedene Mukosektomietechniken,
44Behandlung eines Zenker-Divertikels,
44Anlage von Ernährungssonden,
44Antirefluxtechniken,
44Stenting,
44Fremdkörperentfernung.
j
jVorbereitung des Untersuchungsraums
Zur Vorbereitung der Untersuchung bei einem Verdacht auf
eine obere GIB werden ein großlumiges, therapeutisches Gastroskop an den Videoturm angekoppelt, die Optikspülflasche
und der Absaugschlauch angeschlossen und das Gastroskop
auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft. Ein großlumiges
Endoskop ermöglicht eine intensive Spülung und Absaugung
von Koageln und eventuell vorhandenen Nahrungsresten.
Auch sollte ein Endowasher vorbereitet werden. Dieser ermöglicht eine zusätzliche intensive Spülung bei oft schlechten
Sichtverhältnissen (Gottschalk et al. 2009).
Anschließend wird der Grundtisch für die Gastroskopie
vorbereitet. Dazu gehört:
44Becher mit NaCl-Spüllösung mit einem Entschäumer
zusatz,
4450-ml-Spülspritze zur Applikation von Spülflüssigkeit,
44unsterile Kompressen,
44mit 4%-igem Formalin gefüllte Histologieröhrchen,
44Urease-Schnelltest (zur Helicobacter-pylori-Bestimmung),
442 Biopsiezangen zur Gewebeentnahme,
44Schälchen mit NaCl-Spüllösung zum Neutralisieren der
PE-Zange,
44Beißschutzring mit Fixierband,
44saugfähige Unterlage,
44Gleitgel.
Parallel zur Vorbereitung der medizinisch-technischen
Geräte und der Materialien für die Notfalluntersuchung erfolgt die Vorbereitung zur Sedierung.
j
jBlutstillungsverfahren
Zur Behandlung einer oberen GIB stehen verschiedene Blutstillungsverfahren zur Verfügung, die nach Befundsichtung
gewählt werden.
k
kAdrenalinunterspritzung
Die Unterspritzung bei einer GIB ist eine technisch einfache,
schnell anwendbare Methode zur Blutstillung. Die Adrenalin
unterspritzung hat eine vasokonstriktive Wirkung. Darüber
hinaus kommt es zur mechanischen Kompression durch die
Flüssigkeitsmenge, die injiziert wird.
Folgende Materialien müssen für dieses Blutstillungsverfahren bereitgelegt werden:
44Einweg-Sklerosierungsnadel (für die Adrenalinunterspritzung sollte eine Sklerosierungsnadel mit einem
Kanülendurchmesser von 0,5–0,7 mm gewählt werden),
44Ampullen mit Adrenalin (Suprarenin),
44Ampullen mit NaCl 0,9%,
4410-ml-Spritzen mit Luer-Lock-Ansatz,
44Kanülen zum Aufziehen,
44unsterile Kompressen.
Zur Vorbereitung des Eingriffs wird das Adrenalin mit der
Kochsalzlösung 1:10.0000 oder 1:20.000 verdünnt auf die bereitgelegte 10-ml-Spritze aufgezogen. Nach endoskopischer
Sichtung der blutenden Läsion wird die Sklerosierungsnadel
über den Arbeitskanal vorgeschoben. Auf Kommando des
Untersuchers wird die Nadel ausgefahren und das Gemisch
unter Ansage der Menge injiziert.
21
474
Kapitel 21 · Endoskopie
k
kÖsophagusvarizenligatur
Bei diesem Verfahren werden Krampfadern der Speiseröhre
mittels Gummibändern abgebunden. Auf dem Markt sind
verschiedene Sets mit 3–10 Gummiringen verfügbar, sodass
es möglich ist, das Set entsprechend dem Befund zu wählen.
Der Grundaufbau der zur Verfügung stehenden Ligatursets ist ähnlich und besteht aus
44Handgriff,
44Auslöseschnur zum Lösen des Gummirings,
44Zylinder mit vorgeladenen Gummiringen,
44Ladekatheter,
44Spüladapter.
Nach Sichtung der Blutung wird das Gastroskop entfernt und
das Ligaturset auf das Gerät montiert. Vor dem Einführen
wird das Distalende des Gastroskops mittels Gleitgel gleit
fähig gemacht. Nach Lokalisation der Varize wird der Zylinder auf die Schleimhaut aufgesetzt und die Varize so lang
angesaugt, bis sie den gesamten Zylinder ausfüllt. Die Frei
setzung des Gummirings erfolgt anschließend durch die
Drehung des Rades am Handgriff um 180°.
k
kBlutstillung mittels Haemoclip
Die Clipapplikation zählt zu den mechanischen Blutstillungsverfahren. Es ist ein sehr effektives Verfahren und wird immer
dann eingesetzt, wenn es technisch möglich ist. Schwierig
ist die Applikation im Bereich der Bulbusspitze, da dort wenig
Platz ist. Auch in Inversion des Gastroskops ist das Setzen
eines Clips oft nicht möglich. Auch für dieses Blutstillungsverfahren gibt es verschiedene Systeme auf dem Markt. Prinzipiell wird hier zwischen Einweg- und Mehrwegapplikatoren unterschieden. Einwegapplikatoren haben einen vorgeladenen Clip. Für den Mehrwegapplikator stehen Clips mit
einer Länge von 4–8 mm und Öffnungswinkeln von 90–135°
zur Verfügung. Bei einigen Einwegsystemen lässt sich der
Clip öffnen und schließen. Dies ermöglicht eine Repositionierung.
Folgendes Material wird benötigt:
44Clipapplikator,
44Clips verschiedener Größe oder
44Einwegclipapplikatoren in verschiedenen Größen.
Wurde die Blutungsstelle lokalisiert, wird der Clipapplikator
vorgeschoben und auf Kommando ausgefahren. Anschließend positioniert der Untersucher den Clipapplikator direkt
auf die Blutungsstelle, und auf Ansage wird der Clip abgeschossen.
21
k
kHistoacrylverklebung von Fundusvarizen
Im Magenfundus werden vorhandene Varizen verklebt, da
hier eine Behandlung mittels Ligatur nicht effektiv ist. Histoacryl ist ein Kunstharz, das sich bei Kontakt mit Blut innerhalb von wenigen Sekunden verfestigt. Dies erfordert ein
sicheres und zügiges Arbeiten. Folgende Materialien müssen
griffbereit sein:
44Histoacryl Ampullen (a 0,5 ml),
44Lipiodol® Ultra-Fluid-Ampullen,
44Aqua-destillata-Ampullen,
442 Sklerosierungsnadeln (Kanülendurchmesser
0,9–1,0 mm),
444×2 ml Spritzen mit Luer-Lock Ansatz,
44Kanülen zum Aufziehen,
441×2 ml Spritze mit Silikonöl,
44unsterile Kompressen.
Um Geräteschäden durch Verklebungen zu vermeiden, müssen der Arbeitskanal und das distale Ende vor Beginn der
Untersuchung mit Silikon eingerieben werden. Histoacryl
und Lipiodol Ultra-Fluid werden in einem Mischungsverhältnis von 1:1 in mehreren Portionen aufgezogen. Lipiodol®
Ultra Fluid ist ein Röntgenkontrastmittel. Es ermöglicht eine
radiologische Darstellung der Fundusvarize.
Nach der endoskopischen Sichtung der Varize wird die
mit Aqua destillata gefüllte Sklerosierungsnadel in das Gas
troskop vorgeführt. Nach dem Ausfahren der Kanüle auf Ansage des Untersuchers erfolgt eine Injektion mit Aqua destillata, um zu prüfen, ob eine intravasale Injektion erfolgt ist
(eine streng intravasale Injektion ist bei diesem Verfahren
notwendig, da es sonst zu schweren Gewebeschädigungen
kommt). Dies zeigt sich durch ein «leichtes Spritzen der Substanz». Anschließend wird das Histoacryl-Lipiodol-Gemisch
zügig injiziert, danach mit 2 ml Aqua dest. nachgespült. Während des Nachspülens entfernt der Untersucher die Kanüle
aus der Varize, sodass diese verplombt wird.
>>Da es bei der Injektion zu ungewollten Verspritzungen
kommen kann und Histoacryl bei Berührung mit Ge
webefeuchtigkeit schnell polymerisiert und aushärtet,
sind Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Alle anwesenden
Personen, einschließlich des Patienten, müssen Schutz
brillen und langärmlige Schutzkleidung tragen.
k
kFibrinverklebung
Hierunter wird eine 2-Komponenten-Verklebung verstanden. Wirkstoffe des Klebers sind Aprotinin, Gerinnungs
faktor XIII, Thrombin und Kalzium. Hergestellt wird der
Kleber aus Blutplasma und unterliegt deshalb dem Transfu
sionsgesetz und ist dokumentationspflichtig. Derzeit gibt es
zwei Anbieter auf dem Markt:
44Tissucol Duo S Immuno (Fa. Baxter) ist tiefgefroren bei
–18⁰C und besteht aus einer Fertigspritze mit Klebeproteinlösung und einer Fertigspritze mit Thrombinlösung.
44Beriplast P Combi-Set (Fa. Behring) wird im Kühlschrank
bei 2–8 °C gelagert und besteht aus 2 Combi-Sets. Set 1
besteht aus einer Flasche mit Fibrinkonzentrat und einer
Flasche mit Aprotininlösung (aus dem Lungengewebe des
Rindes gewonnener Arzneistoff, der die Blutungsneigung
vermindert); Set 2 besteht aus einer Flasche mit Thrombin
und einer Flasche mit Kalziumchloridlösung und Applikationszubehör).
Weiteres Zubehör:
443×2 ml Spritzen,
44Ampullen mit NaCl 0,9%,
475
21.2 · Untersuchungsablauf am Beispiel einer oberen gastrointestinalen Blutung
44Kanülen zum Aufziehen,
44unsterile Kompressen.
Fibrin und Thrombin werden getrennt injiziert. Hierfür stehen verschiedene doppellumige Fibinnadeln zur Verfügung,
bei denen die Möglichkeit besteht, die Substanzen parallel zu
spritzen. Die Kanülen dieser doppellumigen Nadeln verlaufen parallel oder ineinander. Eine weitere Möglichkeit ist das
Injizieren der Substanzen mittels Sklerosierungsnadel, dabei
werden die Substanzen nacheinander gespritzt. Hierfür ist es
notwendig, eine Reihenfolge bei der Verabreichung einzuhalten. Die mit NaCl 0,9% gefüllte Sklerosierungsnadel wird dem
Untersucher angereicht. Auf Kommando wird Fibrinkleber,
dann 2 ml NaCl 0,9%, anschließend das Thrombin und wiederum 2 ml NaCl 0,9% zügig hintereinander injiziert.
k
kArgon-Plasma-Koagulation (APC)
k
kEndoclot
Es handelt sich um ein weiteres Blutstillungsverfahren in Pulverform, welches auf Pflanzenbasis aufgebaut ist. Hier besteht
das Applikationssystem aus einem Katheter, einer Puder-GasMischkammer und dem Puderbehälter. Für die Applikation
wird zusätzlich ein für dieses Verfahren entwickelter externer
Kompressor benötigt (Endoclot, http://endoclot.com/Resource/PHS%20IFU/PHS%20IFU.pdf).
k
kOTSC® (Over-the-Scope-Clipping System)
Hierbei handelt es sich um ein Clipsystem, welches zur endoskopischen Blutstillung, aber auch zum Verschluss von Wandläsionen benutzt wird. Das System besteht aus der Applika
tionskappe mit Zugseil, auf dem der Clip vormontiert ist,
sowie einem Handrad. Da unterschiedliche Clipgrößen und
Zahngeometrien zur Verfügung stehen, ist bei der Wahl
Rücksprache mit dem Untersucher zu halten. Für die Applikation wird das System auf das Endoskop montiert. Nach dem
Einstellen der Läsion wird die Kappe auf die blutende Stelle
aufgesetzt und das Gewebe so lang angesaugt, bis es die gesamte Kappe ausfüllt. Durch das Handrad wird dann der Clip
abgeschossen. Da dies so nicht immer durchführbar ist, kann
ein Anchor (Ankersystem) zum besseren Heranziehen des
Gewebes in die Kappe verwendet werden (InMedi, https://
inmedi.de/produkte/endoskopie-und-bronchoskopie/otscsystem).
Die Argon-Plasma Koagulation zählt zu den thermischen
Verfahren. Hierbei wird Argon-Gas durch hohe Spannung
ionisiert. Es entsteht ein Lichtbogen zwischen der Elektrode
und dem naheliegenden Gewebe. Dadurch wird das Gewebe
oberflächlich koaguliert. Möglichkeiten der Anwendung sind
beispielsweise das Veröden von Gefäßfehlbildungen (Angiodysplasien) und oberflächliche Tumorblutungen. Bei diesem
Verfahren benötigen wir ein Hochfrequenzchirurgiegerät,
das mit einem weiteren Gerät zur Argon-Plasma-Koagulation
(APC) verbunden wird.
Für die Anwendung (Applikation) des Argongases stehen
APC-Sonden mit einem Durchmesser von 1,5–3,2 mm zu
Verfügung. Auch unterscheiden sich die Öffnungen der
APC-Sonden, dementsprechend gibt es eine axiale, laterale
oder zirkumferenzielle (umlaufende) Applikationsrichtung
in Axial, Side Fire oder Circumferential. Die Länge der Sonde
ist in Abhängigkeit der Länge des Endoskops zu wählen.
Für die Anwendung stehen verschiedene Einstellungen am
HF-Chirurgie-Gerät in Abhängigkeit vom Ort der Applika
tion und der möglichen Intensität zur Verfügung. Diese Einstellung ist mit dem Untersucher abzusprechen.
k
kKompressionssonden
k
kHemospray®
k
kELLA Danis Stent™
Hemospray® ist ein proprietäres Mineralstoffpulver, das kontaktlos über ein Aerosol-Applikationssystem verabreicht
wird. Das Pulver wird gesprüht, absorbiert Wasser und stellt
durch seine verklebende (kohäsive und adhäsive) Wirkweise
eine mechanische Barriere über der blutenden Stelle dar. Das
Pulver wird nicht vom Körper aufgenommen und nach
72 Stunden ausgeschieden. Zur Vorbereitung auf die Applikation wird der Katheter an den Handgriff montiert und die
CO2-Kartusche aktiviert. Der Arbeitskanal des Gastroskops
muss anschließend mit Luft durchgeblasen werden, um Blut
oder andere Flüssigkeiten zu entfernen. Ist der Katheter vor
der Blutungsstelle platziert, wird das Ventil geöffnet. Jetzt
kann der Auslöseknopf aktiviert werden. Während dieses
Vorgangs sollte nicht gesaugt werden, und pro Patient sollten
nicht mehr als drei Verpackungen verwendet werden (Cook
Medical, https://www.cookmedical.com/data/resources/
ESC-D23562-DE-F_M3.pdf).
Die Sengstaken-Blakemore-Sonde und die Linton-NachlasSonde kommen dann zum Einsatz, wenn eine endoskopische
Therapie nicht erfolgreich ist. Die Sengstaken-BlakemoreSonde dient der Komprimierung im oberen Ösophagus
bereich und die Linton-Nachlas-Sonde für distale Ösophagusvarizen und Fundusvarizen. Durch das Befüllen der Ballons mit Raumluft wird eine Kompression erzeugt. Da diese
Kompression zu Drucknekrosen führen kann, sollten die
Sonden spätestens nach 24 Stunden entfernt werden (Lothar
u. Stolecki 2015).
Hierbei handelt es sich um einen selbstexpandierenden, voll
beschichteten Nitinolstent, der auf ein Einführungssystem
geladen ist. Angewendet wird dieser Stent zur Behandlung
von Ösophagusvarizenblutungen und stellt eine Alternative
zu den Kompressionssonden dar. Das Einführungssystem hat
einen Durchmesser von 9,4 mm und eine Standardlänge von
60 cm. Die Gesamtlänge des Stents beträgt 135 mm, der
Durchmesser 25 mm und die Tulpen haben einen Durchmesser von 30 mm. Dieses System ist ohne Endoskopie und ohne
Radiologie platzierbar. Die Entfernung des Stents erfolgt spätestens nach 7 Tagen (Nicolai Medizintechnik, http://www.
nicolai-medizintechnik.de/anweisungen/danisstent.pdf).
j
jVorbereitung des Patienten
Die Kontaktaufnahme mit dem Patienten erfolgt erst unmittelbar vor der Untersuchung. Innerhalb kürzester Zeit müssen
individuelle Probleme des Patienten, aber auch wichtige
21
476
Kapitel 21 · Endoskopie
Informationen zum Gesundheitszustand und zu Sedierungsrisiken erfasst werden. Relevante Daten werden auf einem
standardisierten Pflegedokumentationsbogen festgehalten.
44Größe und Gewicht,
44Allergien,
44Glaukom ja/nein,
44Drogenkonsum,
44Schnarchen, Schlafapnoe,
44Metallimplantate (relevant beim Einsatz von
HF-Chirurgie),
44Herzerkrankungen,
44Lungenerkrankungen,
44andere chronische Erkrankungen,
44blutverdünnende Medikamente.
Zur Vorbereitung des Patienten bei einer oberen gastrointestinalen Blutung gehört die Anlage von 2 großlumigen i.v.-Zugängen und zur Kreislaufstabilisierung sollte eine adäquate
Infusionstherapie erfolgen. Die Überwachung der Vitalparameter (Puls, Sauerstoffsättigung, Blutdruckmessung und evtl.
EKG-Anlage) und die Gabe von O2 sind Grundvoraussetzungen. In Abhängigkeit vom Zustand des Patienten sollte eine
Sedierung durch die Anästhesie in Erwägung gezogen werden.
Für eine geplante Gastroskopie sollte der Patient 6 Stunden nüchtern sein, da sonst, abgesehen von der Beeinträchtigung der Sichtverhältnisse, eine erhöhte Aspirationsgefahr
besteht. Nicht jede Notfallgastroskopie kann 6 Stunden warten und es muss davon ausgegangen werden, dass sich zumindestens Blut und Koagel im Magen befinden. Deshalb wird
der Patient sorgfältig in eine stabile Linksseitenlage gelagert
und die Rachenabsaugung wird bereitgestellt. Zum Schutz
des Patienten werden großzügig saugfähige Unterlagen unter
dessen Kopf gelegt und, da durch den großen Blutverlust auch
ein Wärmeverlust auftritt, ist auf ein gutes Wärmemanagement zu achten und der Patient zumindest gut zuzudecken.
j
jAblauf der Untersuchung
21
Sind alle Vorbereitungsmaßnahmen abgeschlossen, wird dem
Patient der Beißschutzring eingesetzt und am Kopf mittels
Gummiband fixiert. Danach erfolgt die Sedierung des Patienten nach Vorgaben der Leitlinie für Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie. Anschließend wird das Gastroskop
eingeführt und es erfolgt eine vollständige Ösophagus
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