und in
Fäkalien. Dringen Sporen dieses Bakteriums in offene Wun
den, produzieren sie Toxine, die zu einer Atemlähmung
führen.
Als einzig wirksames Mittel gilt die Prophylaxe mittels
eines aktiven Impfstoffs.
Lässt sich in der Ambulanz bei einem verunfallten Patien
ten nicht feststellen, ob eine Immunisierung besteht, ist eine
Simultanimpfung indiziert.
Eine Tetanusprophylaxe gilt nach einer Verletzung, unab
hängig von der Größe der Wunde, als unabdingbar, wenn die
letzte Impfung länger als 5 Jahre zurückliegt.
20.2.8
Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
Einige Medikamente unterliegen dem Betäubungsmittel
gesetz, für diese Arzneien gelten bestimmte Bedingungen,
um Missbrauch zu unterbinden und irreversible Schäden
durch die unkontrollierte Einnahme zu verhindern. Diesem
Gesetz unterliegen Drogen wie Cannabis, Kokain, Heroin
aber auch Medikamente, die wir in den Kliniken benutzen
wie z. B. Morphium, bestimmte Barbiturate, Methadon und
Fentanyl.
Sie sind ausschließlich mit besonderen Rezepten (Betäu
bungsmittelrezept) erhältlich, sind verschreibungspflichtig
und ihr Verbrauch ist auf den Patienten bezogen zu doku
mentieren. Der Besitz ohne die entsprechende Legitimation
ist illegal.
Die Aufbewahrung dieser BTM (Betäubungsmittel) muss
gesondert erfolgen. Sie sind immer in einem verschlossenen
Wertschutzschrank aufzubewahren.
Die Verabreichung der BTM darf der Arzt nur an eine
Pflegekraft delegieren, die besonders geschult ist.
20.2.9
Medikamentenmissbrauch
Immer wieder begegnen uns im Krankenhaus Patienten, die
abhängig von Medikamenten oder Drogen sind. Dabei sind
die Auslöser dieser Abhängigkeit vielfältig. Schmerzustände
über einen langen Zeitraum können zu Abhängigkeit führen,
aber auch psychische Belastungen.
Gerade Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel, die
regelmäßig eingenommen werden, können in eine Abhängig
keit führen, die jedoch nicht immer sofort zu bemerken ist.
Wir unterscheiden zwischen einer Abhängigkeit und dem
Missbrauch.
Missbrauch bedeutet, dass die eingenommenen Dosen oft
im niedrigen Bereich sind und eigentlich eingenommen wer
den, ohne dass eine erkennbare Erkrankung zugrunde liegt.
Diese Patienten sind im Alltag gefährdet, weil sie körperliche
Einschränkungen nach sich ziehen, wie Bewegungs- und
Konzentrationsstörungen, Veränderungen des Sozialverhal
tens etc. Eine körperliche Gefahr besteht in der Belastung des
Magen-Darm-Trakts, der Leber, des Herzmuskels oder der
Nieren etc. durch die Medikamente. Bei Missbrauch von intra
venösen Drogen kann es durch Hygienemängel zu Abszessen,
zu einer Endokarditis (Herzinfektion mit Funktionsein
schränkung), seltener zu einer Sepsis (allgemeine Entzün
dungsreaktion, «Blutvergiftung») kommen. Eine psychische
Beeinträchtigung sind auftretende Stimmungsschwankungen
bis hin zu Depressionen und Apathie mit völliger Interessen
losigkeit am Umfeld.
Als Abhängigkeit bezeichnen wir die Situation, wenn ein
Patient ohne dieses Medikament (oder den Alkohol oder an
dere Drogen) nicht oder nur unter extremen Verlusterschei
nungen leben kann und er zwanghaft nach dem Wirkstoff
verlangt. Eine Verweigerung führt zu physischen und psychi
schen Auswirkungen.
Immer ist bei der Pflege dieser Patienten zu beden
ken, dass die Sucht eine Erkrankung ist, deren Ursache wir
nicht kennen, deren Auswirkungen wir aber behandeln
üssen.
m
Bei einer schwerwiegenden Sucht (bzw. bei schwerem
Missbrauch) muss der Körper unter ärztlicher Aufsicht ent
giftet werden, in der Regel ist eine psychologische Betreuung
dabei unerlässlich. Auch wenn die Sucht vom Patienten über
wunden wird, bleibt eine lebenslange Gefahr des Rückfalls
bestehen.
20
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
460
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 20.2
55 Erläutern Sie kurz die Bedeutung der Begriffe
Placebo und Nocebo.
55 Welche Injektionsarten gibt es? Beschreiben Sie die
subkutane Injektion genauer.
55 Was ist die 5-R-Regel?
55 Wer gibt in Deutschland Empfehlungen zu
Impfungen?
20.3
Grundlagen der Chirurgie
Martina Stegers
20.3.1
Wunden
Eine Wunde ist eine Trennung von Gewebe an äußeren oder
inneren Körperoberflächen, die mit oder ohne Gewebever
lust einhergehen kann. Wunden können von außen durch
Gewalt zugefügt werden oder als Folge einer Erkrankung
entstehen.
Wunden können nach verschiedenen Gesichtspunkten
unterteilt werden:
44nach der Entstehung,
44nach der Lokalisation,
44nach der Keimbelastung,
44nach der Heilungsdauer
Differenzierung nach der Entstehung
j
jMechanische Wunden
44Schnittwunden entstehen durch scharfe, schneidende
20
Gegenstände (z. B. Skalpell) und haben glatte, leicht
klaffende Wundränder. Sie bluten meist stark und heilen
in der Regel primär bei chirurgischer Wundversorgung.
Hierzu zählen die Operationswunden.
44Platzwunden entwickeln sich durch stumpfe Gewalt,
die zur ausgeprägten Zerstörung verschiedener Haut
schichten führen kann. Die Wundränder sind unregel
mäßig. Platzwunden heilen schlecht, die Wundränder
müssen meist ausgeschnitten werden.
44Bei Schürfwunden sind oberflächliche Hautschichten
betroffen. Diese Wunden bluten diffus, sind schmerzhaft
und oft stark verschmutzt. Sie heilen nach einer gründli
chen Wundreinigung unter Schorf ab. Eine Sonderform
der Schürfwunde ist die Ablederung (Décollement).
Dabei werden größere Hautareale von den tiefer liegen
den Weichteilschichten (Muskelfaszien) getrennt.
44Eine Stichwunde entsteht nach Gewalteinwirkung durch
einen spitzen Gegenstand (z. B. Messer). Von außen ist
der entstandene Schaden oft aufgrund der kleinen, glatt
randigen Öffnung nicht zu erkennen. Diese Wunden
können in der Tiefe stark bluten und neigen zu Infek
tionen.
44Stumpfe Gewalteinwirkung kann Quetschwunden her
vorrufen, die sich durch ausgedehnte Gewebezerstörun
gen, unregelmäßige Wundränder und auch tiefe Wund
taschen auszeichnen.
44Risswunden entstehen durch Gewalteinwirkung unter
schiedlich scharfer Gegenstände (z. B. Stacheldraht),
bluten stark und sind sehr infektionsgefährdet. Die
Wundränder sind häufig zerfetzt, unscharf begrenzt
und müssen meist ausgeschnitten werden. Risswunden
können auch in Kombination mit Quetschwunden
auftreten (Quetsch-Riss-Wunden).
44Bei einer Skalpierungsverletzung wird die Kopfschwar
te durch stumpfe oder scharfe Gewalt teilweise abgeris
sen und nach genauer Untersuchung primär reimplan
tiert.
44Eine Amputation ist die Abtrennung einer Gliedmaße,
verursacht durch scharfe Gewalt oder stumpfes Ausbzw. Abreißen des Körperteils.
44Bisswunden bilden sich durch Tier- oder Menschen
bisse und sind dadurch bakteriell kontaminiert. Es han
delt sich bei diesen Wunden um eine Kombination aus
Stich- und Risswunde, die Wundränder sind gequetscht.
Zur Therapie gehören eine gründliche Wundreinigung
und wegen der hohen Infektionsgefahr eine Antibiotika
gabe.
44Bei einer Schusswunde ist die Gewebezerstörung ab
hängig von der Art, Geschwindigkeit und Größe des ein
dringenden Geschosses. Die Eintrittsstelle ist meist
klein; tritt das Projektil wieder aus, ist das Gewebe dort
erheblich zerstört.
j
jThermische Wunden
44Verbrennungen/Verbrühungen: Entstehen durch Einwir
kung von Wärme oder Hitze von über 42°C, durch heiße
Gegenstände/Feuer oder heiße Flüssigkeiten/Wasser
dampf.
44Erfrierungen: Schwere Gewebsschädigung, die ent
steht, wenn ein Körperteil zu lange der Kälte ausgesetzt
wird, betroffen sind meistens Nase, Ohren, Zehen und
Finger.
44Stromverletzungen: Seltene, jedoch gefährliche Unfall
geschehen, bei denen elektrischer Strom durch den
Körper fließt.
j
jChemische Wunden (Verätzungen)
44Hervorgerufen durch Laugen oder Säuren.
44Betroffen sind v. a. Haut, Augen sowie bei peroralen Ver
ätzungen Mund, Speiseröhre und Magen.
j
jAktinische Wunden
44Entstehen durch Strahleneinwirkung wie z. B. bei einer
Bestrahlung. Sie können Veränderungen in der chemi
schen Struktur der Zellbestandteile hervorrufen, die zu
einem Absterben von Gewebe führen.
j
jIatrogene Wunden
44Durch den Arzt verursachte Wunden, die nach operati
ven Eingriffen oder durch diagnostische bzw. therapeuti
sche Zwecke entstehen können.
461
20.3 · Grundlagen der Chirurgie
Differenzierung nach der Lokalisation
44Bei offenen Wunden liegt eine Gewebezerstörung der
Hautoberfläche mit oder ohne Verletzung der darunter
liegenden Weichteile und Knochen vor.
44Geschlossene Wunden sind gekennzeichnet durch Gewe
bedurchtrennungen an inneren Organen und Geweben
bei intakter Haut (z. B. auch Prellungen mit Bluterguss).
Differenzierung nach der Keimbelastung
44Aseptische Wunden werden nach chirurgischen Eingrif
fen mit Naht verschlossen, heilen in der Regel primär und
weisen keine Zeichen von Wundheilungsstörungen auf.
44Kontaminierte oder potenziell kontaminierte Wunden
sind mit Keimen besiedelte Wunden, die nicht infiziert
sind (alle offen behandelten Wunden, solange keine An
zeichen von Infektion vorliegen).
44Zu den septischen Wunden zählen alle Wunden, die
eine Infektion aufweisen (z. B. eröffnete Eiterherde,
Abszesse).
Differenzierung nach der Heilungsdauer
44Akute Wunden treten plötzlich auf (z. B. alle Unfallwun
den) und heilen zügig ab.
44Zu den chronischen Wunden zählen alle Wunden
die unter fach- und sachgerechter Therapie nach acht
Wochen keine Tendenz zur Heilung zeigen.
Wundheilung
Alle physiologischen Vorgänge zum Verschluss der Wunde
und zur Regeneration des zerstörten Gewebes zählen zur
Wundheilung.
j
jPrimäre Wundheilung
Die Wunde heilt unter minimaler Narbenbildung und weit
gehender Wiederherstellung der normalen Strukturen ab.
Diese Form der Wundheilung ist der Normalfall bei gut
durchbluteten, keimfreien oder keimarmen Wunden mit glat
ten, sauberen Wundrändern, die fast lückenlos aneinander
liegen (z. B. die meisten Operationswunden oder sofort chi
rurgisch versorgte, saubere Schnittwunden).
Die Wundheilung gliedert sich in drei Phasen:
44Exsudative Phase (dauert ca. 4 Tage an)
55In den ersten Stunden erfolgt eine mechanische Reini
gung der Wunde durch Ausschwemmen von Zell
trümmern und Bakterien (Wundsekretion). Die Wun
de füllt sich mit Blut und verklebt durch die Gerin
nungsvorgänge. Abwehrzellen (Makrophagen) wan
dern aus den Gefäßen in die Wunde ein und b
auen
Fremdkörper und abgestorbene Gewebeteile ab.
44Proliferative Phase (dauert ca. 10 Tage an)
55Kapillargefäße und Bindegewebszellen, hauptsächlich
Fibroblasten, sprossen von den Wundrändern her
ins Wundbett ein – es bildet sich gefäßreiches Granu
lationsgewebe. Nach ca. einer Woche beginnen die
Bindegewebszellen Kollagen aufzubauen.
55Das Gewebe ist gekörnt, feucht, glänzend und rot ge
färbt.
44Reparative Phase (kann bis zu 1 Jahr andauern)
55Das Granulationsgewebe wird zellärmer, die Anzahl
der Kollagenfasern nimmt zu. Durch Ausreifung der
Kollagenfasern verkürzen diese sich und führen zur
Wundkontraktion. Aus der umgebenden Haut wan
dern Epithelzellen ein und bedecken die Wundober
fläche. Dadurch entsteht eine feste, belastbare Narbe,
die durch blass rosafarbenes Gewebe erkennbar ist.
j
jSekundäre Wundheilung
Darunter ist eine verzögerte Wundheilung unter ausgedehn
ter Narbenbildung bei auseinander klaffenden Wundrändern
zu verstehen. Die Wunde kann bakteriell kontaminiert sein.
Hierzu zählen auch primär «saubere» Wunden, die nicht in
nerhalb der ersten 6–8 Stunden chirurgisch versorgt worden
sind. Diese werden wegen der Gefahr einer Infektion in der
Tiefe der Wunde nicht primär verschlossen, sondern bleiben
offen.
Bei diesen Wunden setzt die Heilung vom tiefsten Punkt
der Wunde aus ein.
Die Phasen der sekundären Wundheilung entsprechen
denen der primären Wundheilung. Die Entzündungsreaktion
ist jedoch stärker, es bildet sich viel mehr Granulationsgewebe
und es kann mehrere Wochen dauern, bis der Defekt über
brückt ist.
Wundbehandlung
Zur einer Wundbehandlung gehören die Beurteilung, Reini
gung und Versorgung von Wunden. Eine chirurgische Wund
versorgung
44ist dann notwendig, wenn eine gute Wundheilung ohne
Behandlung (Intervention) nicht garantiert werden kann
und
44dient der Vorbeugung von Komplikationen wie Wund
heilungsstörungen, Narbenbildung und Infektionen.
Phasen der chirurgischen Wundversorgung
55 Wundrevision
–– Inspektion der Wunde bezüglich Ausdehnung,
Tiefe, Kontamination, Verschmutzung, Fremd
körper, Begleitverletzungen
55 Wundreinigung oder -toilette
–– lokale Spülung, mechanische Wundreinigung,
–– evtl. Débridement (Entfernung von stark ver
schmutztem oder schlecht durchblutetem Gewe
be) oder totale Ausschneidung des Wundareals,
inklusive des Wundgrunds
55 Wundverschluss
–– primär bei glatten, gut durchbluteten Wunden
(z. B. durch Einzelknopfnaht)
j
jSchritte der chirurgischen Wundversorgung
44Desinfektion, ggfs. Rasur des Wundgebiets,
44Lokalanästhesie,
44Abdeckung der Umgebung,
44Inspektion der Wunde,
20
462
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
44Exzision der Wundränder,
44Blutstillung,
44Spülung,
44Wundverschluss,
44Verband, ggfs. Ruhigstellung,
44Überprüfung des Tetanusimpfstatus,
44ggf. antibiotische Therapie.
Wundinfektion
Eine Wundinfektion entsteht durch den Eintritt von Mikro
organismen (meist Bakterien) in eine Wunde mit den charak
teristischen Zeichen einer lokalen Entzündung.
Lokal sind die typischen Zeichen einer Entzündung zu
erkennen:
44Rötung (rubor),
44Erwärmung (calor),
44Schwellung (tumor),
44Schmerz (dolor),
44Funktionsstörung (functio laesa).
Bei einer generalisierten Infektion können Symptome wie
Fieber, Schüttelfrost und Tachykardie auftreten.
j
jLokalisierte chirurgische Infektionen
Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung in einer
neu gebildeten Gewebshöhle und entsteht durch Einschmel
zungen des Gewebes. Die Reaktion kann durch verschiedene
Bakterien hervorgerufen werden, die oft zur normalen Haut
flora gehören und durch (auch kleinste) Verletzungen in die
Haut eindringen.
Eine Form des Abszesses ist das Furunkel. Dabei handelt
es sich um die eitrige Entzündung eines Haarfollikels mit dem
umgebenden Gewebe – meist hervorgerufen durch eine
Infektion mit dem Erreger Staphylococcus aureus. Sind meh
rere benachbarte Haarfollikel betroffen, handelt es sich um
ein Karbunkel.
Ein Erysipel ist eine akute phlegmonöse Entzündung der
Haut. Durch hämolysierende Streptokokken entsteht die
typische intensiv flammende Rötung. Sie ist flächenhaft abge
grenzt und tritt in Verbindung mit lokaler Überwärmung und
Druckschmerz auf. Begleitet wird das Erysipel oft von Schüt
telfrost, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl.
j
jTetanus (Wundstarrkrampf)
20
Tetanus ist eine lokale bakterielle Infektion, die durch das
Toxin (Substanzen, die den Stoffwechsel eines Organismus
stören und diesen somit schädigen) des Tetanus-Bakteriums
(Clostridium tetani) hervorgerufen wird. Bei infizierten
Menschen führt dies zu Lähmungen und Krämpfen der quer
gestreiften Muskulatur. Im Verlauf der Erkrankung können
die Patienten nicht mehr sprechen und die Atmung setzt aus.
Die Letalität liegt zwischen 30–50%.
Der Tetanus-Erreger tritt weltweit auf und ist praktisch
überall vorhanden. Er befindet sich in Böden und gelangt
über Wunden in den Körper. Menschen können sich über fast
jede Art von Verletzung infizieren – auch durch kleine Wun
den und Kratzer.
Die Erkrankung ist dank der konsequenten Impfung
der Bevölkerung in den Industrieländern relativ selten. So
werden jedes Jahr in Deutschland nur ca. 10–20 Fälle ge
meldet.
Die Tetanusimpfung ist eine Impfung mit einem sog.
Totimpfstoff, dieser Impfstoff (Tetanol) besteht aus dem ab
geschwächten Gift des Tetanus-Bakteriums.
Für Ungeimpfte, die sich verletzt haben oder Kontakt zu
Tetanuskranken hatten, gibt es auch eine passive Impfung
(Tetagam). Sie besteht aus fertigen Antikörpern, die aus
menschlichem Blut gewonnen werden. Damit lässt sich der
Ausbruch der Erkrankung verhindern oder zumindest ab
schwächen.
Der Impfstoff wird intramuskulär gespritzt (7 Abschn.
20.2.2).
j
jGasbrand
Beim Gasbrand handelt es sich um eine lebensbedrohliche
Infektion mit Gasbildung und ausgedehnter Gewebezerstö
rung. Zurückzuführen ist der Gasbrand ist auf eine Infektion
mit Clostridien, insbesondere Clostridium perfringens, ein
stäbchenförmiges Bakterium.
Das Gebiet um die Wunde schwillt stark an, in der Extre
mität bildet sich ein Wundödem. Der infizierte Bereich ver
färbt sich rot-braun; unter der Haut bilden sich flüssigkeitsge
füllte Blasen. Das betroffene Wundareal knistert bei Berüh
rung durch die Freisetzung der gebildeten Gase. Die Wunde
ist stark schmerzhaft und stinkt verfault. Die Infektion kann
auf das umgebende gesunde Muskelgewebe übergehen und es
zerstören.
Zu den Therapiemaßnahmen bei Gasbrand gehört in der
Regel, dass das infizierte Gewebe chirurgisch entfernt wird.
Gleichzeitig erhält der Patient Antibiotika.
20.3.2
Verbandlehre
Verbandstoffe sind Produkte auf Fasergrundlage, die dazu
dienen,
44Wunden abzudecken und zu schützen,
44Sekrete aufzusaugen,
44Blutungen zu stillen und
44Körperteile zu stützen.
>>Welche Verbandstoffe für die Versorgung verwendet
werden, hängt von der Lokalisation, der Art und dem
Zustand der Wunde ab.
Kompressen werden als Wundauflage verwendet. Sie können
überschüssiges Wundsekret aufsaugen und verhindern, dass
die Wunde mit den restlichen verwendeten Verbandmitteln
verklebt. Für eine Kompresse werden mehrere Gazeschichten
(fein- bis grobmaschiges Baumwollgewebe) übereinander
gelegt.
Kompressen sind sowohl steril als auch unsteril erhältlich.
Wir unterscheiden:
44Mull- oder Vlieskompressen, die Wundsekret aufneh
men können oder zur Polsterung dienen,
463
20.3 · Grundlagen der Chirurgie
44Saugkompressen, die mit einem saugstarken Kern aus
gestattet sind und große Mengen Wundsekret aufsaugen
können,
44Salbenkompressen, mit einer Salbe beschichtete Wund
gaze, die nicht nur ein Verkleben der Wunde mit dem
restlichen Verband verhindert, sondern auch zu einem
besseren Wundmilieu beitragen und die Wundränder
pflegen kann.
Binden und Verbände
55 Mullbinden eignen sich zur Befestigung von Wund
auflagen, wie z. B. Salbenkompressen.
55 Fixierbinden können zur Anlage von fixierenden Ver
bänden, als Stützverband bei Verstauchungen oder
als stabiler Überzug bei Cast- und Gipsverbänden
verwendet werden.
55 Schlauch- und Netzverbände werden dort ange
wendet, wo entweder ein häufiger Wechsel der
Wundauflage notwendig ist oder die Wunde auf
grund ihrer Lokalisation mit anderen Verbandstoffen
nur schwer zu verbinden ist. Schlauchverbände sind
durchgehend gestrickt, sehr dehnbar und nachgie
big. Netzverbände sind grobmaschig gestrickt sind
und gewähren dadurch einen sehr straffen Sitz. Beide
Arten werden meist als Rollenware angeboten – so
mit ist ein Zuschneiden möglich.
55 Pflaster können universell eingesetzt werden (z. B.
zur Versorgung von Bagatellverletzungen, wie z. B.
Schürfwunden, oder auch zur Abdeckung von Ein
stichstellen nach Blutentnahmen). Sie sind mit den
unterschiedlichsten Eigenschaften (z. B. wasserabwei
send, hypoallergen oder heilungsfördernd) erhältlich
und können sowohl steril als auch unsteril sein.
dern, nennt man auch interaktive Verbände. Sie können eine
thermische Isolierung des Wundbetts gewährleisten und schüt
zen die Haut durch eine wasserundurchlässige Oberfläche (Ok
klusivverbände) zusätzlich vor der äußeren Umgebung.
j
jStützverband
Zu den Stützverbänden zählen Verbände aus Geweben un
terschiedlicher Elastizität und Festigkeit, die Gelenke, Bänder,
Sehnen und Muskeln stabilisieren. Diese kommen als elasti
sche Verbände, Tape-Verbände oder feste Gipsverbände zum
Einsatz.
Zur Ruhigstellung eines Gelenks oder einer Extremität
gibt es Verbände aus Gips oder Kunststoff (auch Kunststoff
cast), sog. Hartverbände. Gipsverbände werden v. a. bei Ver
letzungen des Bewegungsapparats angelegt. Neben der Be
handlung von Knochenbrüchen (konservative Behandlung
bei nicht dislozierten Frakturen) werden ruhigstellende Ver
bände auch zur Schmerzlinderung, z. B. nach Zerrungen und
Prellungen, oder nach Operationen an Extremitäten, z. B. bei
Bänder- und Sehnenverletzungen, angewendet.
Ein Gipsverband kann einen Teil der Extremität als sog.
Schiene umfassen oder die ganze Gliedmaße zirkulär um
schließen. Wird ein solcher zirkulärer Gips wie eine Hülse
um die Extremität angebracht, sprechen wir von einem
G
ipstutor.
Es gibt auch vorgefertigte oder nach Maß angefertigte
Schienenverbände, sog. Orthesen, die den betroffenen Kör
perteil, die unteren und oberen Extremitäten sowie den
Rumpfbereich, führen, korrigieren, stützen und entlasten
können. Orthesen sind vielfältig einsetzbar und sind aner
kannte medizinische Hilfsmittel.
>>Der Umgang mit Verbänden muss geübt werden, um
dem Patienten beim Anlegen keinen zusätzlichen
Schaden zuzuführen.
Verbandtechniken
k
kAnlage eines Gipsverbands
Zu den Aufgaben eines Wundverbands gehören:
44Schutz vor mechanischen Einflüssen, Fremdkörpern und
Eindringen von Krankheitserregern,
44Verhindern von Austrocknung und Auskühlung,
44Ruhigstellung (z. B. zur Schmerzlinderung und zum
Stützen von Gelenken),
44Sekretaufnahme,
44Kompression zur Blutstillung, Thromboseprophylaxe,
Lymphdrainage und zur Prophylaxe von Schwellungen,
44Applikation von Arzneimitteln.
Die Anlage eines Gipsverbandes erfolgt in der Regel, wenn die
Extremität in einer physiologischen Stellung (Funktionsstel
lung) steht. Immer ist die Stellung eines Gelenks ärztlich zu
kontrollieren. Wichtig ist, die Funktionsstellung während des
Gipsens nicht zu verändern, um zu verhindern, dass sich drü
ckende Falten bilden (. Abb. 20.2).
Allgemein besteht ein Hartverband (von innen nach au
ßen) aus einem Unterzug, einer Polsterung und deren Fixie
rung, dem Hartmaterial und ggf. aus einem Überzug. Bei dem
Hartmaterial unterscheiden wir bei einem Gipsverband Gips
binden von Longuetten.
Gipsverbände dürfen nicht direkt auf der Haut angelegt
werden, daher wird zum Hautschutz ein Schlauchverband (s.
Binden und Verbände.) über die betroffene Extremität gezo
gen. Darauf wird eine Polsterung aus Baumwollwatte ange
bracht. Knochenvorsprünge (Caput fibulae, Epikondylen etc.)
und Nervenpartien sollten extra gepolstert werden, um
Druckstellen zu vermeiden. Wird eine Hand oder ein Fuß
eingegipst, müssen die Zwischenfinger- bzw. Zwischenzehen
räume einzeln gepolstert werden. Schmuck sollte – um Ein
j
jSchutzverband
Ein Schutzverband schützt die Wunde vor äußeren Einflüssen.
Dies kann durch Verwendung von Wundauflagen erreicht
werden. Wundauflagen schützen die Wunde nicht nur vor
Schmutz und Keimen, sie können auch Stöße abdämpfen.
Außerdem beeinflussen sie den Feuchtigkeits- und Tempera
turhaushalt in der Wunde und beschleunigen dadurch ent
scheidend die Neubildung von Epithelgewebe (Reepitheliali
sierung). Wundauflagen, die ein optimales Wundmilieu för
20
464
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
>>Die Zeit, die Gips- oder Castverbände benötigen, um
nach dem Eintauchen zu erhärten, nennt man Abbin
dezeit. Nach dieser Zeit ist der Gips formbeständig.
Die Endfestigkeit zur vollständigen Belastbarkeit wird
erst nach der kompletten Austrocknung erreicht. Dies
dauert bei einem Gips je nach Stärke, Restwassermen
ge und Tauchtemperatur zwischen 12 und 48 Stunden.
Die Endfestigkeit von Kunststoffverbänden wird be
reits nach 30 Minuten erreicht.
Kunststoffcasts gibt es in vielen Farben, das ist gerade bei Kin
dern ein wichtiger Faktor, wenn sie sich die Farbe aussuchen
können.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 20.3
55 Wunden können nach der Belastung mit Keimen ein
geteilt werden. Wie heißen die drei Einteilungen?
55 Was unterscheidet die primäre Wundheilung von der
sekundären?
55 In welche drei Phasen wird die Wundheilung eingeteilt?
55 Welche Aufgaben hat ein Wundverband?
55 Welche Arten von Stützverbänden gibt es?
20.4
Anatomie und Physiologie
des Blutes
Maret Auerbach, Gert Liehn
..Abb. 20.2 Anlegen einer Unterschenkelschiene. (Mit freundlicher
Genehmigung der Fa. Lohmann und Rauscher)
20
schnürungen zu vermeiden – unbedingt entfernt werden,
bunter Nagellack ebenfalls, um die Durchblutung der Extre
mität beurteilen zu können.
Nun wird eine feingekreppte und in Längsrichtung dehn
bare Papierbinde (Krepppapierbinde) zirkulär von distal nach
proximal um die Extremität gewickelt. Diese komprimiert
und fixiert die Polsterung, verhindert ein Durchnässen und
Verschieben der darunterliegenden Schichten und unter
stützt die korrekte Gelenkstellung.
Anschließend werden die Gipsbinden angelegt. Die Bin
den oder Longuetten werden kurz in kaltes Wasser getaucht
und dann ausgedrückt, um feucht anmodelliert zu werden.
In der Regel werden 3–5 Lagen Gips benötigt, um die notwen
dige Stabilität zu erreichen. Jede einzelne Schicht wird mit der
Hand glatt gestrichen.
Um direkten Haut-Gips-Kontakt zu verhindern, über
lappt die Polsterschicht den Gips an den Enden und wird an
schließend um den Gipsrand geschlagen und ggf. mit einem
Überzug, z. B. aus Schlauchverband, fixiert.
Blut ist eine undurchsichtige Flüssigkeit, bestehend aus zellu
lären und frei gelösten Bestandteilen. Die zellulären Bestand
teile sind zum größten Teil rote Blutkörperchen (Erythrozy
ten), des Weiteren weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und
Blutplättchen (Thrombozyten). Der Anteil des Blutes beträgt
beim Erwachsenen ca. 7% des Körpergewichtes, das ent
spricht 4–6 Litern.
Mit dem Blut werden als Trägermedium für den Stoff
wechsel notwendige Substrate zu den Organen transportiert
und im Gegenzug Stoffwechselprodukte entfernt. Dazu ge
hört der Transport von Sauerstoff von den Lungen zu den
Zellen und in der Gegenrichtung das produzierte Kohlen
dioxid, das über die Lungen abgeatmet wird. Weitere Substan
zen sind Glukose, Elektrolyte, etc. Im Körper gebildete Hor
mone werden an die spezifischen Wirkorte transportiert. In
den Muskeln und Organen produzierte Wärme wird aufge
nommen und über die Lungen und die Hautoberfläche abge
geben.
Die Funktion der Körperzellen ist nur unter in engen
Grenzen einzuhaltenden Bedingungen möglich (Homöosta
se). Dazu gehört ein enger pH- (Säure-) und Temperaturbe
reich und die konstante Konzentration verschiedener gelöster
Stoffe. Weitere Organe wie Leber und Nieren greifen in diese
Regelkreise ein. Krankheitserreger, fremde Eiweiße und an
dere Fremdkörper werden durch Antikörper und Abwehrzel
len unschädlich gemacht.
Die Blutgerinnung verhindert bei nicht zu großen Verlet
zungen einen schädlichen Blutverlust. Die Gerinnung läuft
465
20.4 · Anatomie und Physiologie des Blutes
..Abb. 20.3
Berlin
Faktoren der Blutgerinnung. Aus: Schmidt R, Lang F, Heckmann M (2010) Physiologie des Menschen, 31. Aufl. Springer, Heidelberg
bei Bedarf in einem Kaskadenprozess über mindestens
13 Stufen ab (. Abb. 20.3).
>>Bei Störung auch nur eines Zwischenschrittes ist die
Blutgerinnung vermindert oder ganz aufgehoben.
Die häufigste Verminderung der Blutgerinnungsfunktion
ist durch Medikamente bedingt – die Behandlung verschiede
ner Erkrankungen erfordert die therapeutische Verminde
rung der Gerinnungsfähigkeit. Die Dosierung der d
afür not
wendigen Medikamente ist nicht immer einfach und es kann
zu Komplikationen kommen. Punktförmige bis großflächige
Einblutungen in die Haut und andere Organe mit entspre
chenden Funktionsstörungen können das Ergebnis sein. Ins
besondere sind intrakranielle (im Kopf lokalisierte) Blutun
gen gefährlich.
Bei Verletzungen großer Blutgefäße und bei manchen
Operationen kommt es unvermeidlich zum Blutverlust. Bis
zu 10% Blutverlust werden vom Erwachsenen ohne Problem
vertragen (bei Säuglingen und insbesondere Neugeborenen
deutlich weniger!). Danach tritt zunehmend eine Verminde
rung des Blutdrucks, eine Tachykardie (beschleunigter Herz
schlag) und eine Bewusstseinsstörung auf. Der Blutvolumen
verlust wird zunächst (bis ca. 20% des Blutvolumens) mit
Elektrolytlösungen wie z. B. Ringerlösung ersetzt. Der Kreis
lauf erholt sich dadurch und die Transportfunktionen sind
noch ausreichend. Plasmaexpander wie z. B. Hydroxyethyl
stärke zur Auffüllung des Blutvolumens können eingesetzt
werden, sind jedoch umstritten wegen möglicher Nierenschä
digung. Bei größeren Blutverlusten (30% und mehr) leidet
zunächst die Kapazität für den O2-Verbrauch, es müssen Ery
throzyten durch Transfusion von Konzentraten ersetzt wer
den. Bei noch weitergehenderem Blutverlust gehen weitere
Funktionen verloren und müssen nach Möglichkeit wieder
hergestellt werden:
20
466
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
44Der pH-Wert des Blutes sinkt («Verdünnungsazidose»),
es muss Natriumbikarbonat infundiert werden.
44Der Verlust von Gerinnungsfaktoren muss ersetzt wer
den durch tiefgefrorenes Frischplasma (FFP).
44Bei starkem Absinken der Thrombozytenzahl werden
Thrombozytenkonzentrate transfundiert. Die verschie
denen Komponenten sollten nach entsprechenden
Laborwerten gesteuert werden (Gerinnungsanalyse),
bei rasantem Blutverlust ist das aber nicht möglich.
Es muss dann schematisch gehandelt werden: Zunächst
2–3 Liter Elektrolytinfusion, dann Erythrozytenkon
zentrate (EK), ab Bedarf von 10 EK weiter im Verhält
nis 1:1 EK und FFP transfundieren.
Die Transfusion von Blutbestandteilen ist mit erheblichen
Risiken behaftet und die Indikation muss in jedem Fall kri
tisch gestellt werden, d. h. Transfusionen sind nach Möglich
keit zu vermeiden. Es können lebensgefährliche Sofort- und
Spätreaktionen auftreten (Kreislauf-Lungen-Versagen etc.).
Die Indikation ist von der aktuellen Situation (z. B. noch akti
ve Blutung), von evtl. Vorerkrankungen des Patienten (z. B.
Herzerkrankungen) und von der Dauer der Operation ab
hängig.
Eine mögliche schematische Regel ist (bei zuvor ausgegli
chenem Blutvolumenverlust):
44Transfusion bei einen Hb-Wert (Hämoglobin-Wert)
unter 6 g/dl (neuere Einheit: 3,726 mmol/l);
44keine Transfusion bei Hb-Wert von 10 g/dl oder darüber.
Zwischen diesen Werten ist es eine individuelle Entschei
dung, in die weitere Kriterien, wie noch vorhandene Tachy
kardie und anderes, einfließen.
Bei Transfusionen ist das Transfusionsgesetz zu beach
ten. Das Transfusionsgesetz soll die beschriebenen Risiken
für Patienten vermindern. Im Transfusionsgesetz ist sehr
detailliert beschrieben wie Blut (und Blutbestandteile) ge
spendet werden darf, wie es gelagert, transportiert, über
geben wird, was und wie dabei zu dokumentieren ist, etc.
Wenn in einem Krankenhaus (oder einer anderen Einrich
tung) Blutbestandteile transfundiert werden, muss eine
Transfusionskommission eingerichtet sein und regelmäßig
tagen; für deren Mitglieder gibt es klare Qualifikationsanfor
derungen.
>>Für jede Einrichtung muss ein Qualitätshandbuch für
20
Transfusionen existieren, in dem für das einzelne Haus
Regelungen für Transfusionstrigger, Transportanfor
derungen etc. festgelegt sind. In den einzelnen Ab
teilungen eines Hauses sorgen Transfusionsbeauftrag
te für die Bekanntheit und Durchdringung der Rege
lungen.
Beispielhafter Ablauf einer Konservenanforderung
im OP
55 Die Indikation zur Transfusion wird ärztlich gestellt.
55 Prüfung, ob eine aktuelle Blutgruppenbestimmung
vorliegt. Die Blutgruppenbestimmung muss beim
aktuellen Krankenhausaufenthalt bestimmt worden
sein. Blutgruppenbestimmungen von anderen Insti
tutionen oder früheren Aufenthalten sind ungültig
(es lassen sich Patienten mit Versicherungskarten von
anderen Personen behandeln!).
55 Blutprobenabnahme für das Labor/die Blutbank, für
die Verträglichkeitsprüfung («Kreuzprobe»). Es wird
vom Labor die Verträglichkeit jeder einzelnen Kon
serve für den Patienten geprüft und schriftlich be
scheinigt. Die Prüfung dauert ca. 40 Minuten. Wenn
die Transfusion schneller erfolgen muss, werden die
Konserven «ungekreuzt» angefordert. Es werden
dann Blutgruppenverträgliche Konserven ausgege
ben und die «Kreuzprobe» während der Transfusion
durchgeführt. Sollte sich dann eine Unverträglich
keit zeigen, wird eine Warnung telefonisch weiterge
geben. Die Identitätszuordnung Blutprobe/Patient
wird vom Blut abnehmenden Mitarbeiter schriftlich
dokumentiert.
55 Ggf. Blutprobenabnahme zur Blutgruppenbestim
mung. Wenn keine Blutgruppe vorliegt und die
Bestimmung nicht abgewartet werden kann, wird
das mit allen Blutgruppen kompatible Blut der Blut
gruppe 0/RH negativ transfundiert. Auch hier wird
die Identität schriftlich festgehalten.
55 Anzahl, Art und Dringlichkeit werden in der schrift
lichen Konservenanforderung an die Blutbank ge
geben.
55 Mit dem «Bedside-Test» wird die AB0-Identität direkt
am Patienten noch einmal kontrolliert.
55 Die Konserven werden unter Überwachung trans
fundiert.
55 Reaktionen des Patienten (oder auch das Ausbleiben
von Reaktionen) werden in der Patientenakte und in
einem Bericht für die Blutbank dokumentiert
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 20.4
55 Nennen Sie die zellulären Bestandteile des Blutes.
55 Beschreiben Sie den beispielhaften Ablauf einer Blut
konservenanforderung im OP.
Literatur
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Deutsches Ärzteblatt 102: B44: 2539
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Literatur
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Ärzteblatt 100: B21: 1180
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fallversorgung – gute Konzepte schlecht umgesetzt? Der Notarzt 20:
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gehen verloren. Krankenhausumschau 74: 104
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Jelinek A (2016) Arzneimittellehre für Pflegeberufe, 2. Aufl. Elsevier,
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Mutschler E (2008) Arzneimittelwirkungen: Lehrbuch der Pharmakologie
und Toxikologie, 9. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft,
Stuttgart
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Krankenpflegeberufe. 9. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgeselschaft,
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Strehl E, Speckner, W (Hrsg) (2014) Arzneimittel in der Pflege. Ein Lehr
buch für Krankenpflegekräfte und medizinische Assistenzberufe.
8. Aufl. Govi-Verlag, Eschborn
Internet
http://www.gesetze-im-internet.de/tfg/index.html
https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__2.html
20
469
Endoskopie
Silvia Maeting, Christine Besser
21.1
Endoskopieabteilung
21.1.1
21.1.2
21.1.3
Aufbau eines Untersuchungsraums – 470
Aufbereitungsraum – 471
Die Zentrale Anmeldung – A
dministration/Organisation
und Ablaufsteuerung einer Endoskopieeinheit – 471
Aufwachraum – 472
21.1.4
– 470
21.2
Untersuchungsablauf am Beispiel einer oberen
gastrointestinalen Blutung – 472
21.3
Untersuchungsablauf am Beispiel einer Koloskopie
mit Polypabtragung – 476
Literatur
– 478
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_21
21
470
Kapitel 21 · Endoskopie
Lernziele
55 Die Auszubildenden können bei der speziellen Ablauf
organisation in einer Endoskopieabteilung mitwirken.
55 Sie kennen die Routineabläufe der Patientenversorgung,
Verwaltung und Materiallogistik. Sie können Patienten
in der Endoskopieabteilung fachkundig aufnehmen, be
gleiten und betreuen.
55 Die Auszubildenden kennen den Aufbau und die Funk
tionsweise spezieller Instrumente und Geräte, welche in
der Endoskopie zur Anwendung kommen. Sie können
diese Instrumente und Geräte sach- und fachgerecht an
wenden bzw. zur Anwendung vorbereiten und nachbe
reiten.
55 Zudem kennen sie die Wirkungen und Nebenwirkungen
der geläufigen Medikamente. Sie wissen, wie diese Medi
kamente verabreicht werden und wie sie die Wirkungen
bzw. Nebenwirkungen bei den Patienten beobachten
und wahrnehmen können.
55 Sie können bei der Vorbereitung, Durchführung und
Nachbereitung von diagnostischen und therapeutischen
Maßnahmen in der Endoskopieabteilung assistieren.
21.1
21
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