Hautinfektionen sind ebenfalls eine Kontraindikation
für eine Injektion.
j
jDurchführung
Nachdem das Medikament aufgezogen und die Spritze mit
einer neuen Kanüle zur Injektion versehen wurde, wird das
Areal für die Injektion vorbereitet. Die Haut wird mit einem
Hautdesinfektionsmittel desinfiziert, die Einwirkzeit beachtet
(s. hausinternen Standard). Nun wird mit der einen Hand
eine Hautfalte gebildet mit der anderen die Nadel schnell ein
gestochen.
Parallel dazu wird der Patient über jeden Schritt aufge
klärt.
Das Medikament wird langsam injiziert, indem der Kol
ben der Spritze gedrückt wird. Danach wird die Nadel schnell
entfernt, die andere Hand lässt die Hautfalte los. Die Einstich
stelle wird ggf. mit einem Wundpflaster versorgt, die ge
brauchte Kanüle in dem entsprechenden Behältnis entsorgt
(7 Abschn. 30.4).
Intramuskuläre Injektion (i.m.)
20
Um den Wirkungseintritt schneller als bei einer s.c.-Injektion
zu erhalten und größere Volumina geben zu können, kann
das Medikament in einen Muskel des Skeletts injiziert wer
den. Oft wird die i.m.-Injektion im M. glutaeus medius vor
genommen. Wird hier der Hygienestandard nicht eingehal
ten, kann es in der Muskulatur zu einem Abszess kommen,
der schwer therapierbar ist und den Patienten stark belastet.
Die Gefahr der Nervenschädigung ist nicht zu unterschätzen,
deshalb dürfen nur ausgebildete Mitarbeiter diese Injektion
durchführen.
Gerade in der Ambulanz werden häufig i.m.-Injektionen
durchgeführt, die Tetanusimpfung ist eine davon. Besonders
ist hier zu beachten, dass nach dem Einstechen der Kanüle
zuerst der Kolben angezogen werden muss, um zu aspirieren.
Dadurch wird ausgeschlossen, in ein Gefäß punktiert zu
haben. Hat man Blut aspiriert, muss der Vorgang der Injek
tion sofort abgebrochen werden. Es darf dann keine Injektion
erfolgen. Hat man kein Blut aspiriert, erfolgt die Medikamen
tengabe sehr langsam. Ölige Medikamente oder größere
Medikamentenmengen können schmerzen.
Wie bei jeder Injektion und anderen medizinischen Maß
nahmen muss der Patient ausdrücklich zustimmen.
Wird der M. glutaeus rechts gewählt, liegt der Patient in
linker Seitenlage, das obere Bein angewinkelt. Mit der linken
gespreizten Hand tastet der Mitarbeiter die Spina iliaca ante
rior superior (der Zeigefinger liegt auf dem Darmbeinsta
chel), das Darmbein (der Mittelfinger tastet die Eminentia
cristae iliaca anterior) und der Handballen wird auf dem Tro
chanter major abgelegt. Zeige- und Mittelfinger bilden so ein
großes V, in die Spitze dieses Bereiches wird nach der Haut
desinfektion und der entsprechenden Einwirkzeit injiziert.
Die Kanüle geht senkrecht in den Körper hinein. So ist die
Verletzungsgefahr des N. ischiadicus gering.
In den Oberschenkelmuskel kann ebenfalls injiziert wer
den. Dazu wird der seitliche Oberschenkel vorn gewählt, in
dem gedachten Bereich zwischen Hosenseiten- und Mittelnaht.
Im Oberarm kann in den M. deltoideus injiziert werden,
der in der Mitte des Oberarmes ca. 5 cm unterhalb der Schul
ter liegt. Wird die Tetanusimpfung (s. u.) durchgeführt emp
fiehlt die «Ständige Impfkommission – STIKO» wegen besse
rer Wirksamkeit die Injektion in den Oberarm.
Intravenöse Injektion (i.v.)
Eine Injektion in eine Vene ist eine ärztliche Tätigkeit, das
Medikament wird durch den Blutkreislauf sofort im Organis
mus transportiert und wirkt deshalb sehr schnell.
Nicht zu verwechseln ist eine i.v.-Injektion mit einer Infu
sion, bei der eine größere Menge Flüssigkeit (mehr als 20 ml)
über eine Venenverweilkanüle und ein Infusionssystem über
einen längeren Zeitraum infundiert werden. Auch in eine lie
gende Verweilkanüle können i.v. Medikamente appliziert
werden, auch das ist eine ärztliche Tätigkeit.
20.2.3
Stellen der Arzneimittel
Insbesondere in der Notfallaufnahme gehört zu den Auf
gaben der OTA u. a. das Richten und Verabreichen von
Medikamenten. Aber auch während der täglichen Arbeit
in der OP- und Endoskopieabteilung muss das Wissen über
die Medikamente und deren Verabreichung jederzeit ab
rufbar sein.
Grundvoraussetzungen für das Bereitstellen von Medika
menten sind Sauberkeit, Übersichtlichkeit und Ordnung am
Arbeitsplatz und im Arzneimittelschrank. Zur sicheren Be
reitstellung von Arzneimitteln gehören die absolute Konzen
tration auf die Tätigkeit und die Eigenkontrolle. Für die
Eigenkontrolle sollten folgende 5 Fragen beantwortet werden:
44Habe ich das richtige Medikament vorbereitet?
44Ist es das Medikament für den richtigen Patienten?
44Hat das Medikament die richtige Dosierung bzw.
Konzentration?
44Wie soll das Medikament verabreicht werden (richtige
Applikation)?
44Wann soll das Medikament gegeben werden?
453
20.2 · Allgemeine Arzneimittellehre
5-R-Regel
Beim Richten der Arzneimittelist die «5-R-Regel»
beachten:
55 Richtiges Arzneimittel
55 Richtiger Patient
55 Richtige Dosierung bzw. Konzentration
55 Richtige Applikation
55 Richtiger Zeitpunkt
Medikamente greifen in den Organismus ein. Sie beein
flussen die Funktionen des menschlichen Körpers und
können deren Empfindungen verändern. Verwechselungen
stellen schwerwiegende Fehler und Gefahren für den Pa
tienten dar. Aus diesem Grund muss bei jeglicher Unsicher
heit Rücksprache mit der erfahrenen OTA, dem Arzt oder
der Apotheke genommen werden. Beim Fehlen von Dosie
rungsangaben s ollte immer der verordnende Arzt kontak
tiert werden.
20.2.4
Lagerung von Arzneimitteln
Die Aufbewahrung von Arzneimitteln sollte gewährleisten,
dass die Qualität der Medikamente nicht beeinträchtigt wird,
Verwechselungen vermieden werden und die Entnahme
durch Unbefugte nicht möglich ist.
Bei der Lagerung sind Arzneimittel Umwelteinflüssen
ausgesetzt. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftsauerstoff,
Licht und Mikroorganismen oder mechanische Vorgänge
(z. B. Schütteln während des Transports) können die Quali
tät der Arzneimittel ungünstig beeinflussen. Je länger ein
Medikament den Umwelteinflüssen ausgesetzt wird, umso
größer ist die Gefahr, dass es Schaden annimmt. Aus die
sem Grund sollten die Medikamentenvorräte klein gehalten
werden.
Des Weiteren müssen Hinweise zur Lagerung, z. B. «kühl
lagern», die auf der Verpackung und in Gebrauchsinforma
tion angegebenen werden, befolgt werden. Bei Arzneimitteln
bei denen keine speziellen Angaben gemacht werden, ist da
von auszugehen, dass diese bei Raumtemperatur gelagert wer
den können.
Im Allgemeinen gelten folgende Temperaturangaben zur
Lagerung von Medikamenten:
44Raumtemperatur: 15–25°C.
44Kühllagerung: 8–15°C.
44Sehr kühle Lagerung: 2–8°C.
44Tiefkühllagerung unter –20°C.
Im Allgemeinen sollten bei der Arzneimittellagerung die fol
genden Hinweise beachtet werden.
Allgemeine Hinweise zur Lagerung
von Arzneimitteln
55 Vorgeschriebene Lagerbedingungen müssen ge
währleistet werden (Temperatur, Lichtschutz, Schutz
vor Feuchtigkeit usw.).
55 Arzneimittel, die vor Lichteinflüssen geschützt wer
den sollen, werden vom Hersteller in braune Gefäße
gefüllt. Ist das nicht der Fall (z. B. Aminosäure-Infu
sionslösung), müssen sie in einem Umkarton oder
dunkel gelagert werden.
55 Vor Feuchtigkeit zu schützende Arzneimittel sind in
dicht schließenden Gefäßen aufzubewahren.
55 Feuergefährliche Flüssigkeiten wie Ether, Aceton,
Benzin usw. dürfen nur in verschließbaren Gefäßen
und nicht in der Nähe einer Heizvorrichtung gela
gert werden.
55 Arzneimittel sollen grundsätzlich in den für die Arz
neimittel vorgesehenen Schränken aufbewahrt wer
den. Auch Medikamentenkühlschränke dürfen nur
für die Lagerung von Medikamenten und nicht zu
sätzlich für Lebensmittel benutzt werden (Gefahr der
Verunreinigung mit Mikroorganismen).
55 Arzneimittel müssen in den Originalverpackungen
aufbewahrt werden. Das Umpacken z. B. in Sichtver
packungen – sog. Blister – ist aus mehreren Gründen
nicht erlaubt. Zum einen kann es leicht zu Verwech
selungen kommen, zum anderen ist das Umfüllen
bzw. Umpacken von Arzneimitteln juristisch nur dem
Hersteller erlaubt und bedarf einer Sondergenehmi
gung.
55 Arzneimittel-Beipackzettel müssen bis zum Aufbrau
chen am Arzneimittel verbleiben.
55 Chargennummer und Verfalldatum müssen auf allen
(auch auf angebrochenen Verpackungen) Arznei
mitteln sichtbar sein. Bei Medikamenten, die aus
Mehrdosisbehältnissen entnommen werden, muss
auf der angebrochenen Verpackung zusätzlich das
Anbruchdatum aufgeschrieben werden. Die Vorge
hensweise ist für das Berechnen der Aufbrauchfris
ten, insbesondere bei flüssigen Medikamenten,
wichtig (. Tab. 20.6).
..Tab. 20.6 Aufbrauchfristen einiger Arzneiformen.
(Nach Jelinek 2016)
Arzneimittel
Aufbrauchfrist
Lagerung
Augensalben
4 Wochen
Kühlschrank
Augentropfen
4–6 Wochen
Kühlschrank
Nasentropfen
4 Wochen
Kühlschrank
Insuline
4 Wochen
Raumtemperatur
AntibiotikaTrockensäfte
14 Tage
Kühlschrank
20
454
20.2.5
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
Nebenwirkung
der Medikamentenapplikation
Nebenwirkungen sind die unerwünschten Wirkungen von
Arzneimitteln. Arzneimittel dienen bekanntlich der Heilung,
Linderung oder Verhütung von Krankheiten. Sie verringern
also den Schmerz, senken das Fieber, den Blutdruck, die er
höhten Fettwerte, beruhigen usw. Dies sind die erwünschten
Wirkungen der Arzneimittel. Jedoch hat ein Arzneimittel
ohne jede unerwünschte Wirkung oft auch keine gewünschte
Wirkung. Anders ausgedrückt: keine Wirkung ohne Neben
wirkung!
Die Nebenwirkungen können eingeteilt werden in:
44toxische Nebenwirkungen,
44allergische Nebenwirkungen,
44Nebenwirkungen durch photosensibilisierte Wirkstoffe,
44Nebenwirkungen in der Schwangerschaft und während
der Stillzeit.
Toxische Nebenwirkungen
Bei den toxischen Nebenwirkungen schädigt der Wirkstoff
bestimmte Körperbereiche (z. B. Organe, Gewebe). Diese Ne
benwirkungen sind abhängig von der Dosis. Beispiele für die
toxischen Nebenwirkungen sind:
44die Schädigung der Niere durch z. B. Gentamycin,
44die Schädigung des Magen-Darm-Trakts durch
z. B. Indometacin,
44die Schädigung des ZNS durch z. B. Neuroleptika,
44die Schädigung des Innenohrs durch z. B. Streptomycin,
44die Schädigung der Haut durch z. B. Glukokotikoide
und
44die Schädigung des Magens durch z. B. Aspirin.
Allergische Nebenwirkungen
Im Gegensatz zu den toxischen Nebenwirkungen sind die al
lergischen Nebenwirkungen nicht von der Dosis abhängig.
Allergische Nebenwirkungen gehören zu den häufigsten Ne
benwirkungen. Die Bandbreite der Schädigung ist groß und
erstreckt sich vom harmlosen Hautauschlag bis zum anaphy
laktischen Schock. Weitere Schädigungen durch die allergi
schen Nebenwirkungen sind u. a. Blutdrucksenkung, Haut
rötung, Kopfschmerzen, Schwellungen, Ödeme, Anschwellen
der Bronchien, tränende Augen, Heuschnupfen. Bekanntestes
Beispiel ist die Penicillin-Allergie.
20
Nebenwirkungen durch photosensibilisierte
Wirkstoffe
Bei den Nebenwirkungen, die zu einer Photosensibilisierung
führen, kommt es durch Arzneimittel zu einer gesteigerten
Lichtempfindlichkeit der Haut. In diesen Fällen können be
reits normale UV-Dosen einen starken Sonnenbrand aus
lösen. Die Stärke des Sonnenbrandes ist dabei abhängig
von der Höhe der UV-Strahlung und von der Konzentration
des photosensibilisierenden Wirkstoffes. Beispiele für photo
sensibilisierende Wirkstoffe sind in . Tab. 20.7 aufgeführt.
Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte während
der Anwendung von photosensibilisierenden Arzneimitteln
..Tab. 20.7
Photosensibilisierende Wirkstoffe
Arzneimittelname
Arzneimittelgruppe
Flurosemid, Triameteren
Diuretika
Captopsil, Nifedipin
Antihypertonika
Amitriptylin, Haloperidol
Psychopharmaka
Doxycilin, Ciprofloxazin
Antibiotika
auf Sonnenstrahlung und auf Solariumbesuche verzichtet
werden.
Nebenwirkungen in der Schwangerschaft
und während der Stillzeit
Contergan ist das Arzneimittel, das die bekannteste Neben
wirkung in der Schwangerschaft verursacht hat. Contergan
(ein Schlaf- und Beruhigungsmittel) wurde von Schwangeren
eingenommen. Die geborenen Kinder kamen mit u. a. Fehl
bildungen der Extremitäten zur Welt.
Viele Arzneimittel können die Blut-Plazenta-Schranke
und die Blut-Milch-Schranke überwinden. Mögliche Schä
den, die bei einem Embryo durch die von der Mutter einge
nommenen Medikamente ausgelöst werden können, sind
Extremitätenfehlbildungen, Herzfehler, Schäden am Hirn.
Mögliche Schäden bei einem Fetus sind Sehschäden, Herzfeh
ler und geistige Behinderung. Die Übersicht listet einige Arz
neimittel auf, die in der Schwangerschaft schädlich und eini
ge, die unschädlich sind.
Beispiele für Schwangerschaft schädigende und
unschädliche Arzneimittel
55 Beispiele für in der Schwangerschaft schädliche
Arzneimittel
–– ASS
–– ACE-Hemmer
–– Benzodiazepine
–– Cortikoide
–– Zytostatika
–– Tetracykline
55 Beispiele für in der Schwangerschaft unschädliche
Arzneimittel
–– Paracetamol
–– Insulin
–– Betablocker
–– Antazida
Häufigkeit von Nebenwirkungen
Die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Nebenwirkungen
auftreten, ist in jedem Beipackzettel durch die Angaben zur
Häufigkeit vermerkt (. Tab. 20.8). Die Bandbreite für die
Häufigkeit des Auftretens bestimmter Nebenwirkungen
reicht von «sehr häufig» bis zu «Häufigkeit unbekannt».
455
20.2 · Allgemeine Arzneimittellehre
..Tab. 20.8 Häufigkeitsangaben von Nebenwirkungen von
Arzneimitteln
Angaben zur Häufigkeit von Nebenwirkungen
Sehr häufig
Mehr als 1 Behandelter von 10
Häufig
1 bis 10 Behandelte von 100
Gelegentlich
1 bis 10 Behandelte von 1000
Selten
1 bis 10 Behandelte von 10.000
Sehr selten
Weniger als 1 Behandelter von 10.000
Häufigkeit nicht
bekannt
Häufigkeit auf dert Grundlage der ver
fügbaren Daten nicht abschätzbar
Neben Ärzten und Apothekern sollten auch OTAs
die bei Patienten beobachteten Nebenwirkungen melden. Zu
ständig dafür ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Me
dizinprodukte, Abteilung Pharmakovigilanz, Kurt-GeorgKiesinger-Allee 3 in 53175 Bonn (www.bfarm.de).
Meldung
20.2.6
Pharmakokinetik
und Pharmakodynamik
Medikamente wirken an Oberflächenstrukturen der Zellen,
den «Rezeptoren». Rezeptoren übermitteln körpereigene Sig
nale durch Hormone oder Neurotransmitter. Medikamente
wirken über die Rezeptoren auf die Zelle ein, dabei kann eine
Zelle viele unterschiedliche Rezeptoren haben, die jeweils
eigene Reaktionen auslösen; dafür muss eine ausreichende
Konzentration des Medikaments am Rezeptor vorhanden
sein. Inhalationsanästhetika wirken wahrscheinlich nicht di
rekt auf Rezeptoren, sondern lagern sich in die Zellmembran
ein und verändern so die Funktion der Rezeptoren.
20.2.7
Arzneimittelwirkung
Arzneimittel mit Wirkung am Nervensystem
Medikamente, die am Nervensystem wirken gibt es in vielfäl
tiger Ausführung. Sie wirken entweder auf den Sympathikus
oder auf das parasympathische System. Beispielhaft seien hier
einige genannt.
j
jNeuroleptika
44Handelsnamen: z. B. Haldol (INN-Name: Haloperidol),
Melleril (INN-Name: Thioridazin).
44Indikation: beruhigendes Medikament bei Psychosen.
44Wirkung: Beruhigung bei Wahnvorstellungen oder
Angstpsychosen durch Hemmung der Anbindung von
Dopamin.
44Nebenwirkungen: Bewegungshemmung oder spontanen
unkontrollierbare Bewegungen wie Zittern.
44Applikation: In der Notaufnahme meist intravenös, je
doch auch als orales und intramuskulär zu injizierendes
Medikament erhältlich.
j
jBenzodiazepine
44Handelsname: Valium (INN-Name: Diazepam), Dormi
cum (INN-Name: Midazolam)
44Indikation: Gern als Prämedikation vor einer Operation,
akut bei epileptischem Anfall als Krampflöser, in der
Kinderambulanz als rektal zu applizierendes Medika
ment (Rektiole). Zur symptomatischen Behandlung von
akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und
Angstzuständen. Zur Behandlung von Zuständen beim
erhöhten Muskeltonus (z. B. bei Alkohol- und Drogen
abhängigkeit).
44Wirkung: beruhigend, angstlösend und krampfmindernd.
44Eigenschaften: starker Gewöhnungseffekt bis zu Abhän
gigkeit. Bei langfristigen Therapien führt das rasche
Absetzten zu starken körperlichen und psychischen Ent
zugserscheinungen. Löst eine retrograde Amnesie aus.
44Nebenwirkungen: Atemdepression bis zu Apnoe, Atemund/oder Herzstillstand
44Applikation: Tropfen, Tabletten, Injektionslösung,
Rektiole.
j
jNarkotika
44Handelsname: Disoprivan (INN-Name: Propofol).
44Indikation:
55Zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose
bei Erwachsenen und Kindern über 1 Monat.
55Zur Sedierung bei chirurgischen und diagnostischen
Maßnahmen.
44Wirkung: Wirkt nur hypnotisch und nicht analgetisch,
hat eine euphorisierende Wirkung.
44Eigenschaften: Lipophil, passiert die Blut-PlazentaSchranke und kann das Ungeborene schädigen.
44Nebenwirkungen: Abhängig von der Dosis. Es können
Blutdruckabfall und Atemdepression auftreten. Auf
grund der euphorisierenden Wirkung Herabsetzung
der sexuellen Hemmschwelle.
Arzneimittel mit Wirkung auf das
Herz-Kreislauf-System
Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben die unterschiedlichsten
Ursachen. Hier werden nur einige wenige Medikamente vor
gestellt.
j
jAdrenalin
Ein körpereigenes Hormon, das in dem Nebennierenmark
gebildet wird und als «Stresshormon» bekannt ist.
44Handelsname: Suprarenin (INN-Name: Adrenalin).
44Indikationen:
55In Schocksituationen kann Adrenalin den Blutdruck
anheben, bei Herz-Kreislauf-Stillstand regt es das
Herz wieder an.
55Da Adrenalin erweiternd auf die Bronchien wirkt,
kann es bei Asthmaanfällen gegeben werden.
55Als Antiallergikum wird es bei anaphylaktischem
Schock eingesetzt.
55Als Zusatzstoff in Lokalanästhetika wirkt es vasokon
stringierend (Gefäße ziehen sich zusammen), dadurch
20
456
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
blutet es bei dem Eingriff weniger und das Lokal
anästhetikum wirkt länger, weil es durch die vermin
derte Durchblutung langsamer abtransportiert wird.
Lokalanästhetika mit Adrenalin dürfen nicht zur
Anästhesie an Fingern oder Zehen eingesetzt wer
den, die Durchblutung kann so stark vermindert wer
den, dass es zu Nekrosen (Absterben von Gewebe)
kommt.
44Kontraindikation: Bei Patienten mit einer Herzinsuffi
zienz oder Hypertonus muss Adrenalin mit besonderer
Vorsicht und nur unter direkter ärztlicher Kontrolle ge
geben werden.
44Wirkung: Adrenalin wirkt auf das Herz-Kreislauf-Sys
tem, kann Gefäße weit- oder engstellen, somit den Blut
druck regulieren, es erweitert die Bronchien. Da es eben
falls die Histaminwirkung vermindert, kann es als Anti
allergikum eingesetzt werden.
44Applikation: Kann ebenso subkutan wie auch intramus
kulär und intravenös injiziert werden.
j
jBetablocker
44Handelsname: Concor (INN-Name: Bisioprolol),
Beloc (INN-Name: Metoprolol).
44Indikation: Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt,
Angina pectoris, Glaukom.
44Kontraindikation: Asthma bronchiale, Bradykardie,
Hypoglykämie.
44Wirkung: Verminderung der Herzfrequenz, Herab
setzung des Augeninnendrucks. Betablocker blockieren
die Wirkung von Adrenalin. Adrenalin verengt bekannt
lich die Gefäße und weitet die Bronchialgefäße. Durch
die Gabe von Betablockern weiten sich die Blutgefäße,
die Bronchialgefäße verengen sich.
44Nebenwirkungen: Blutdruckabfall, periphere Durchblu
tungsstörungen, Verstärkung einer Asthmaerkrankung.
44Applikation: Tabletten, Augentropfen, Injektionen.
j
jAtropin
20
Atropin wird u. a. aus der Tollkirsche gewonnen.
44Handelsname: Dysurgal (INN-Name: Atropin)
44Indikation: verlangsamter Herzschlag (Bradykardie),
Hyperhidrose. In der Notfallmedizin ggf. bei der Reani
mation.
44Kontraindikation: Glaukom, Hypertonus (nicht als Not
fallmedikament), Arteriosklerose.
44Wirkung: Parasympatolytisch, deshalb u. a. Abnahme
des Speichelflusses, Verminderung des Schwitzens,
Weitstellung der Bronchien.
44Nebenwirkungen: Reizbarkeit, Mundtrockenheit,
Erhöhung des Augeninnendrucks, Lichtempfindlichkeit,
Tachykardie (beschleunigter Herzschlag).
44Applikation: Tropfen, Augentropfen, Injektionen.
j
jACE-Hemmer
ACE steht für Angiotensin-Converting-Enzym, ein körper
eigener Stoff. Angiotensin-Converting-Enzym führt im Kör
per zu der stärksten blutdrucksteigernden Reaktion.
44Handelsname: Lopirin (INN-Name Captopril).
44Indikation: Herzinsuffizienz, Nierenschutz bei Hyper
tonie und Diabetes mellitus, Hypertonie.
44Kontraindikation: Nierenarterienstenose, Schwanger
schaft.
44Wirkung: Erweiterung der Blutgefäße, somit Senken
des Blutdrucks, Verminderung der Nierendurchblu
tung.
44Nebenwirkungen: Nierenfunktionsstörungen, Blutdruck
abfall.
44Applikation: Tabletten (oral), Injektionen.
j
jAntiarrhythmika
Eine vielfältige Gruppe von Arzneimitteln, die bei Herzrhyth
musstörungen eingesetzt werden (z. B. Betablocker).
j
jKalziumantagonisten
Diese Medikamente verhindern, dass Kalziumionen sich in
den Muskelzellen anreichern.
44Handelsname: Adalat (INN-Name: Nifedipin).
44Indikation: Hypertonus, Herzrhythmusstörungen aber
auch Angina-pektoris-Anfälle.
44Wirkung: Erweiterung der Blutgefäße, krampflösend bei
Gefäßspasmen.
44Nebenwirkungen: Ödembildung, Bradykardie.
44Applikation: Tabletten, sublingual, Injektionen.
Arzneimittel mit Wirkung auf die Niere
und das Herz-Kreislauf-System
j
jDiuretika
44Handelsname: Lasix (INN-Name: Furosemid).
44Indikation: Bluthochdruck, Ödeme, Glaukom,
Vergiftungen.
44Wirkung: Sie steigern die Wasser- und Salzausscheidung
über die Niere. Die Verringerung der Flüssigkeitsmenge
im Gefäßsystem minimiert den Druck in den Arterien
und senkt so den Blutdruck. Zu bedenken ist bei länger
fristiger Anwendung der Mineralstoffhaushalt des
Patienten.
Arzneimittel mit Einfluss auf die
Blutgerinnung
j
jGerinnungshemmer (Antikoagulanzien)
>>Bei unterschiedlichen Erkrankungen muss die Blutge
rinnung vermindert werden, um die Entstehung von
Gerinnseln zu vermeiden. Nur unter genauer ärztlicher
Kontrolle dürfen diese Medikamente angewendet
werden, bei einer Überdosierung kommt es schon
bei Minimaltraumen zu einer nicht kontrollierbaren
Blutung.
44Handelsname: Marcumar (INN-Name: Phenprocoumon).
44Indikation: Herzerkrankungen, Thrombose, Lungen
embolie, Operationen am Herzen und an den Gefäßen,
Zustand nach Implantation mechanischer Herzklappen.
44Kontraindikation: Schwangerschaft, Schädel-Hirn-
Trauma, Magenulzera.
457
20.2 · Allgemeine Arzneimittellehre
44Wirkung: Verzögerung der Blutgerinnung.
44Nebenwirkungen: Blutungsneigung.
44Applikation: Je nach Wirkstoff oral (Cumarin) oder
subkutan bzw. intravenös (Heparin).
Arzneimittel mit Einfluss auf die hormonellen
Regelkreisläufe
Hormonpräparate werden z. B. eingesetzt, wenn der Körper
zu wenig dieser Hormone bildet, oder das hormonbildende
Organ operativ entfernt werden musste. Schilddrüsenhor
mone werden bei entsprechenden Erkrankungen eingesetzt,
hormonelle Unterstützung bei gynäkologischen Erkrankun
gen oder Schwangerschaften, weibliche (Gestagen, Östrogen)
oder männliche (Testosteron) Hormone bei Störungen des
Hormonhaushaltes (z. B. im Klimakterium oder als Karzi
nomtherapie). In der Kinderheilkunde können Wachstums
hormone bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt werden.
j
jKortison
Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennie
renrinde gebildet wird und zu den Glucokortikoiden zählt.
Kortison oder Stoffe mit ähnlicher Wirkung (sog. Kortikoide)
werden auch ohne einen Mangel an Kortison eingesetzt, um
Wirkungen dieser Stoffe zu nutzen (s. u.).
44Handelsnamen: z. B. Fortecortin (INN-Name: Dexame
thason), Decortin (INN-Name: Prednisolon).
44Indikation: Allergische oder entzündliche Erkrankungen
wie Asthma, Rheuma, Hauterkrankungen, Heuschnup
fen, Immunsuppression bei Organtransplantationen.
44Kontraindikation: Diabetes mellitus, Osteoporose.
44Wirkung: Glukokortikoide wirken auf den Stoffwechsel,
das Immunsystem, das zentrale Nervensystem. Sie wir
ken entzündungshemmend, antiallergisch und immun
suppressiv.
44Nebenwirkungen: Fetteinlagerungen (Vollmondgesicht,
Stiernacken), Entstehung von Osteoporose, Anstieg des
Blutzuckerspiegels, Pergamenthaut, Erhöhung des Blut
drucks.
44Applikation: Tabletten, Salben, Augentropfen, Nasen
spray, Injektionen, Dosieraerosole bei Asthmatikern.
Arzneimittel mit Wirkung auf den
Verdauungstrakt
Werden Medikamente eingesetzt, die auf den Verdauungs
trakt wirken sollen, soll entweder eine Bekämpfung von zu
viel Magensäure im Magen, Beruhigung bei Diarrhöe oder
eine Anregung der Peristaltik bei Obstipation erreicht w
erden.
j
jAntazida
44Handelsname: Antra (INN-Name: Omeprazol).
44Indikation: Zur Behandlung von Refluxsymptomen (z. B.
Sodbrennen, Säurerückfluss).
j
jMotilitätshemmende Arzneimittel
44Handelsname: Imodium (INN-Name: Coperamid).
44Indikation: Diarrhö.
44Kontraindikation: Ileus.
44Wirkung: Hemmung der Peristaltik/Darmentleerung.
44Nebenwirkungen: Mineralstoffwechselstörungen,
Flüssigkeitsverlust.
44Applikation: Tropfen, Saft, Konzentrat, Klistier.
j
jLaxanzien (Abführmittel)
44Handelsname: Bifiteral (INN-Name: Lactulose).
44Indikation: Darmreinigung vor Koloskopie, Obstipa
tion.
44Kontraindikation: bei Langzeiteinnahme entgleist der
Mineralstoffwechsel.
Arzneimittel mit Wirkung auf den
Respirationstrakt
Bei Asthma sind die Luftwege durch die Muskulatur der
Bronchien und der kleineren Luftwege, der Bronchiolen, ver
engt. Zusätzlich können die Atemwege durch Schleim verlegt
oder verengt sein. Antiasthmatische Medikamente sollen die
verengten Luftwege wieder erweitern.
Es kommen hauptsächlich 3 Medikamentengruppen zum
Einsatz: Kortikoide (z. B. Kortison; s. o.), Methylxanthine und
Betarezeptoragonisten (Betamimetika).
44Indikation: Asthma bronchiale, Asthma cardiale.
44Wirkung:
55Kortikoide vermindern die Wirkung von körpereige
nen und körperfremden Substanzen, die eine Ver
engung der Luftwege bewirken; außerdem vermindern
sie Entzündungsreaktionen, die beim Asthma ursäch
lich sind.
55Methylxanthin (z. B. Theophyllin) greift in den Stoff
wechsel der Muskelzellen der Bronchien und Bron
chiolen ein (Phosphodieestherasehemmung) und be
wirkt so eine Erweiterung der Luftwege. Methylxantin
wirkt entzündungshemmend.
55Βetarezeptoragonisten wirken über den β-Rezeptor
an der Oberfläche der Muskelzelle und bewirken über
diesen Signalweg eine Erschlaffung der Zelle, hier
der Bronchialgefäße. Betarezeptoragonisten wirken
entgegengesetzt zu den Betablockern.
44Nebenwirkungen:
55Kortikoide greifen in vielfältiger Weise in den Stoff
wechsel ein und haben, insbesondere bei langer An
wendung, schwere unerwünschte Wirkungen (Unter
drückung des Immunsystems, Blutzuckererhöhung,
Osteoporose etc.). Bei lokaler Therapie (z. B. Dosier
aerosole) sind die Nebenwirkungen bei weitem nicht
so gravierend.
55Methylxanthine haben eine sehr geringe therapeuti
sche Breite, d. h. der Bereich zwischen ausreichender
Wirkung und Vergiftungssymptomen durch Über
dosierung ist gering. Zeichen einer Überdosierung
sind Übelkeit, Unruhe, in schweren Fällen Krampf
anfälle, Tachykardie (schneller Herzschlag), Herz
rhythmusstörungen etc.
55Βetarezeptorenagonisten führen ebenfalls zu Unruhe
und Tachykardie, die Dosis wird durch diese uner
wünschten Wirkungen begrenzt.
20
458
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
44Kontraindikation:
55Bei einer Allergie gegen ein Medikament besteht eine
absolute Kontraindikation.
55Relative Kontraindikationen ergeben sich aus den
Nebenwirkungen. Z. B. bei Diabetikern ist die Blut
zuckererhöhung problematisch, bei Patienten mit
koronarer Herzkrankheit darf die Herzfrequenz nicht
oder nur gering angehoben werden.
44Applikation: Die Gabe ist oral, intravenös oder inhalativ
möglich. Wann immer möglich, sollte die inhalative
Gabe bevorzugt werden, da die Nebenwirkungen dann
vermindert sind. In Notfällen muss allerdings oft mit
einer intravenösen Therapie begonnen werden.
Einsatz und Wirkung von Antibiotika
In der Regel wird der Begriff «Antibiotikum» bei Medika
menten gegen bakterielle Infektionskrankheiten benutzt, es
zählen jedoch auch Medikamente gegen Pilze (Antimykotika)
und Viren (Virostatika) Würmer und andere Parasiten hinzu
(Anti = gegen, bios = Leben).
Da Bakterien in der Lage sind, auf diese Medikamente zu
reagieren, indem sie Resistenzen entwickeln, muss es unter
schiedliche Gruppen mit verschiedenen Wirkungsspektren
geben.
Die Dauer der Antibiotikagabe ist elementar verbunden
mit der Wirkung und der Resistenzentwicklung der Keime.
44Einmalgabe, sog. «Single shot»-Therapie als prophylakti
sche Maßnahme vor Operationen,
443-Tage-Kurzzeittherapie z. B. bei unkomplizierten Harn
wegsinfekten,
447–10 Tage bei Lungenentzündungen,
44Langzeittherapie über Wochen bei einer Sepsis oder
einer chronischen Infektion.
Cephalosporine wirken gegen grampositive Bakterien, Peni
cilline wirken gegen Streptokokken bei z. B. Angina tonsilla
ris, Pneumonien durch Pneumokokken und Tetracykline
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wirken z. B. gegen Legionellen.
44Applikation: oral, intravenös.
44Indikation: lokale oder systemische Therapie bei Infek
tionskrankheiten.
44Wirkung: Die Antibiotika hemmen entweder den Stoff
wechsel der Bakterien und blockieren die Vermehrung,
wirken also bakteriostatisch, oder töten die Bakterien
ab, wirken bakterizid (7 Abschn. 1.1.9).
44Nebenwirkungen: Allergien, unerwünschte Wirkung auf
die physiologische Darmflora, Diarrhö, Pilzinfektionen.
44Resistenz: Wirken die Arzneien nicht mehr auf die ge
wünschte Art und Weise, weil die Bakterienstämme
Abwehrmechanismen gegen den Wirkstoff entwickelt
haben, sprechen wir von Resistenzen (7 Kap. 1), z. B.
MRSA = methicillinresistenter Staphylokokkus aureus.
Eine neuere Nomenklatur bezeichnet diese Erreger als
MRGN (multiresistente gramnegative Erreger). Je nach
Resistenzspektrum wird zwischen MRGN3 und MRGN4
unterschieden, es gelten dann unterschiedliche Isola
tionsmaßnahmen.
Einsatz und Wirkung von Impfstoffen
Impfungen sind in der Medizin eine extrem wichtige Prophy
laxe. Die Impfstoffe sollen den Patienten vor einer anstecken
den Krankheit schützen. Das Robert-Koch-Institut hat eine
Ständige Impfkommission (STIKO) eingerichtet, bei der alle
Informationen zu Impfungen eingeholt werden können.
In der Ambulanz ist es Aufgabe des Arztes, bei Unfällen
auch den Impfschutz bzgl. einer Tetanus-Erkrankung (Wund
starrkrampf) der Verletzten abzuklären. Impfungen wirken
ausschließlich vorbeugend, keinesfalls therapeutisch.
Wir unterscheiden bei Impfungen eine Grundimmunisie
rung und eine Auffrischung. Bei einer korrekten Impfdiszip
lin besteht dann langer Schutz vor einer Infektionskrankheit
(z. B. Tetanus, Keuchhusten, Poliomyelitis, Tuberkulose,
asern etc.)
M
Die Immunisierung erfolgt entweder passiv, indem dem
Patienten funktionsfähige Antikörper injiziert werden, die
dann sofort wirken können, z. B. wenn eine länger dauernde
Immunisierung aufgrund der Verletzung nicht mehr möglich
ist (z. B. Tollwutimpfung nach einem Tierbiss), oder aktiv, bei
dem der Körper selbst Antikörper entwickeln muss, weil ihm
abgeschwächte Krankheitserreger injiziert werden.
Bei den Impfstoffen unterscheiden wir sog. Totimpfstoffe
und Lebendimpfstoffe.
44Totimpfstoffe sind abgetötete Krankheitserreger, oder
Teile der Erreger, die den Körper anregen, Antikörper
gegen die Erkrankung zu bilden, ohne dass die Krank
heit ausbricht. Zur Aufrechterhaltung des dadurch ent
stehenden Impfschutzes wird eine regelmäßige Auffri
schungsimpfung nötig.
44Bei Lebendimpfstoffen werden geringe Mengen der
(meist veränderten) Krankheitserreger injiziert, jedoch
nicht genug, um die Krankheit ausbrechen zu lassen.
Allerdings gibt es in einigen Fällen eine leichte Reaktion,
die der Infektionskrankheit ähnelt. Die Zeit zwischen
der Impfung und der Körperreaktion ist die Inkubations
zeit, danach beginnt der Körper mit der Entwicklung
von Antikörpern.
Werden beide Impfungen, die aktive wie die passive, gleich
zeitig verabreicht, sprechen wir von einer Simultanimpfung.
Dabei ist zu bedenken, dass beide Injektionen an unterschied
lichen Körperteilen, bestenfalls gegenüberliegend, verab
reicht werden müssen. Der Vorteil einer Simultanimpfung
besteht in dem sofortigen Impfschutz durch die passive Im
munisierung und dem Langzeitschutz durch die aktive Im
munisierung. Bei Verletzen, die einen Tetanusschutz benöti
gen und keine Grundimmunisierung haben, wird in der Regel
eine Simultanimpfung durchgeführt.
>>Die meisten Impfstoffe müssen im Kühlschrank bei
ca. 2–6°C aufbewahrt werden, da bei wärmeren Tempe
raturen Lebendimpfstoffe sich vermehren könnten
und somit ihre Wirksamkeit verlieren oder durch zu
große Erregermenge gefährlich werden könnten. Auch
zu tiefe Temperaturen führen zu einem Wirkungsver
lust!
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20.2 · Allgemeine Arzneimittellehre
Deshalb dürfen Impfstoffe erst aus dem Kühlschrank ent
nommen werden, wenn sie definitiv benötigt werden. Eine
Anwärmung der Ampulle in der Hand erspart dem Patienten
das Kältegefühl bei der Injektion, das häufig als Schmerz
i nterpretiert wird.
Bei der Vorbereitung einer Injektion ist zu bedenken, dass
das Aufziehen des Impfstoffs aus der Ampulle mit einer groß
lumigen Kanüle erfolgen soll, um die Bestandteile des Impf
stoffs nicht zu beschädigen. Für die Injektion selbst wird dann
eine kleinere Kanüle benutzt.
Die meisten Impfstoffe werden injiziert, manche können
jedoch auch oral verabreicht werden. Für eine Subkutaninjek
tion kann jede Körperstelle gewählt werden, da jedoch mit
einer lokalen Reaktion (Schmerzen) an der Impfstelle zu
rechnen ist, sollte bei Rechtshändern eher der linke Arm –
und umgekehrt – gewählt werden. Bei intramuskulären Injek
tionen kann der Gesäßmuskel oder der M. deltoideus gewählt
werden (s. o.).
j
jDokumentation
Jede Impfung muss dokumentiert werden, zum einen im
Impfpass des Patienten, zum anderen in der Patientendoku
mentation. Es muss das Datum, der Impfstoff, die Dosis, die
Applikation und die Chargennummer der Ampulle doku
mentiert werden.
Die erforderlichen Zeitabstände der Auffrischungen wer
den vom Hersteller der Impfstoffe angegeben und müssen
den Mitarbeitern jederzeit bekannt, bzw. schnell nachlesbar
sein. Der Patient muss unbedingt darauf hingewiesen w
erden!
j
jBeispiel Tetanus
Der Wundstarrkrampf ist eine lebensbedrohliche Krankheit,
die durch anaerobe Bakterien, Clostridium tetani, hervor
gerufen wird. Dieses Bakterium lebt u. a. in der Erde
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