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coinad

4/12/26

 Schädel-Hirn-Trauma (SHT)


Mit der Diagnose Schädel-Hirn-Trauma (SHT) werden ver­

schiedene Verletzungen des Schädels mit Hirnbeteiligung

umschrieben. Wir unterteilen das Schädel-Hirn-Trauma in:

44gedecktes Schädel-Hirn-Trauma, dann ist die Dura von

der Verletzung nicht betroffen,

44offenes Schädel-Hirn-Trauma, wenn Haut, Knochen

und Dura gleichzeitig eine Verletzung aufweisen.


15


Schädel-Hirn-Traumen entstehen durch Gewalteinwirkun­

gen auf den Schädel und sind eine häufige Verletzung bei

Stürzen und Unfällen.

Der Patient fällt auf durch Symptome wie eine Bewusst­

seinsstörung, evtl. mit zunehmender Eintrübung, Bewusst­

losigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Gleichgewichtsstö­

rungen, teilweise plötzliches Schielen oder eine Pupillendiffe­

renz (unterschiedlich große Pupillen), Krämpfe oder andere

neurologische Ausfallerscheinungen, Übelkeit und Erbrechen

sowie Erinnerungslücken (Amnesie). Als besondere Alarm­

zeichen gelten die Bewusstseinsstörung und die Pupillen­

differenz (Anisokorie), sie können ein Hinweis auf eine Blu­

tung im Schädelinneren sein.

Zur Diagnostik wird ein Röntgenbild des Schädels und

eine Computertomographie Auskunft über das Ausmaß und

die Einordnung des Traumas geben.

Im Zusammenhang mit Gewalteinwirkungen auf den

Kopf kann es zu intrakraniellen Blutungen kommen. Wir

­unterscheiden bei Blutungen im Kopf die epidurale von der

subduralen Blutung. Die Ansammlung von Blut in Körper­

höhlen wird umgangssprachlich Bluterguss genannt. Wir

sprechen von einem Hämatom.


Epidurales Hämatom

Beim epiduralen Hämatom befindet sich die Blutung zwi­

schen Knochen und Dura (. Abb. 15.4).

j

jKraniotomie


Das epidurale Hämatom wird über eine Kraniotomie entfernt,

die Kompression beseitigt und die Blutung gestillt (s. Über­


..Abb. 15.4 Raumfordernde Wirkung eines epiduralen Hämatoms

auf die Hirnstrukturen (schematisierter Längsschnitt auf Höhe von Tentoriumschlitz und Foramen occipitale magnum).1 lokale Wirkung auf

die ipsilaterale Großhirnhemisphäre mit druckbedingter Ischämie, Verschiebung des Seitenventrikels unter die Falx cerebri zur Gegenseite.

2 Herniation des medialen Temporallappens zwischen Tentoriumrand

und Mittelhirn mit Druck- und Ischämiewirkung auf dasselbe sowie auf

den gleichseitigen N. oculomotorius. 3 Tiefertreten des ganzen Stammhirns durch supratentoriell stark erhöhten, intrakraniellen Druck, Funk­

tionsstörung und Schädigung von Mittelhirn; später Einklemmung des

tieferen Stammhirns im Foramen occipitale magnum. Aus: Siewert JR,

Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New

York


379

15.2 · Krankheitsbilder


sicht und . Abb. 15.5, . Abb. 15.6, . Abb. 15.7, . Abb. 15.8,

. Abb. 15.9, . Abb. 15.10). Die Operation muss als Notfallope­

ration angemeldet werden, da sich das Blut zwischen Knochen

und harter Hirnhaut nicht gut verteilen kann und es sehr

schnell zu Kompressionserscheinungen kommt und der Hirn­

druck sich erhöht.

>>Gefürchtete Komplikationen von intrakraniellen Blu-


tungen sind irreversible Hirnschädigungen durch eine

zu lange Kompression des Hirngewebes.


OP-Ablauf: Kraniotomie

55 Für jede Kopfoperation benötigen wir neben Grundund Knocheninstrumenten die Spezialinstrumente,

mit denen der knöcherne Schädel eröffnet werden

kann, sowie Mikroinstrumente, mit denen unter

­mikroskopischer Sicht am Gehirn operiert wird. Wir

bereiten eine große Metallschüssel zum Wärmen

der Spüllösung vor. Für die operative Behandlung

von Aneurysmen oder Hirntumoren benötigen wir

zusätzlich ein Selbsthaltesystem mit Hirnspateln.

Ist der Einsatz einer Neuronavigation (NENA) (7 Abschn. 2.5) geplant, stellen wir die Instrumente dazu

bereit.

55 Das Operationsmikroskop wird im Vorfeld für die

­geplante Operation eingestellt, die Okulare für den

Operateur vorbereitet (7 Abschn. 2.6), danach wird

mit Hilfe des Saalassistenten das Mikroskop steril

­bezogen.

55 Des Weiteren kann ein Sonographiegerät benötigt

werden, der Schallkopf wird steril bezogen. Das Gerät

kann mit der NENA und dem Mikroskop verbunden

werden, die Daten werden dann abgeglichen.

55 Bei einer Kopfoperation sitzt der Operateur auf

­einem speziellen Lehnstuhl. Dieser ist fahrbar und

kann elektrisch eingestellt werden. Der Assistent

sitzt ebenfalls, in der Regel auf einem einfachen

­OP-Stuhl mit Lehne. Die Stühle werden steril be­

zogen.

55 Der neurochirurgische Eingriff am Kopf wird meistens in Rückenlage (7 Abschn. 4.2, 4.5) des Patienten

durchgeführt. Um am Kopf operieren zu können,

muss der Patient sehr ruhig liegen, denn Mikrobewegungen des Kopfes können intraoperativ zu Zerstörungen wichtiger Gehirnareale führen. Deshalb wird

der Kopf des Patienten in einer 3-Punkt-Klemme

­fixiert, der sog. Mayfield-Klemme (. Abb. 15.5). Dafür

liegt der Patient in tiefer Narkose und die Klemme

wird mit drei sterilen spitzen «Dornen» bestückt, die

sich beim Zusammendrücken des Bügels in den

Schädelknochen bohren. Der Bügel wird mit dem am

OP-Tisch fixierten Gestell verschraubt. In dieser Position bleibt der Kopf des Patienten während der gesamten Operation.

55 Die Kopfbehaarung im OP-Gebiet wird mit einem

Haarclipper gekürzt.


55 Es folgt die Hautdesinfektion mit einem geeigneten

Antiseptikum. Dabei ist zu beachten, dass kein alkoholisches Desinfektionsmittel in den äußeren Gehörgang sowie in die Augen läuft.

55 Bei der sterilen Abdeckung ist zu beachten, dass der

Intubationsbereich so abgeklebt wird, dass der Anästhesist im Notfall den Tubus erreichen kann, ohne

das OP-Gebiet zu kontaminieren. Da während der OP

viel gespült wird, um das Gehirn nicht austrocknen

zu lassen, haben die Abdecksysteme einen großen

Auffangbeutel integriert, der die ablaufende Flüssigkeit auffängt.

55 Nach dem Platzieren der sterilen Abdecktücher und

der Abgabe der Kabel für die bipolare Koagulation

und des Saugerschlauchs erfolgt die Durchführung

eines standardisierten Team-Time-Outs.

55 Der Hautschnitt wird gerade oder bogenförmig über

dem lokalisierten Befund durchgeführt. Die Kopfschwarte blutet stark, sodass sie mit Klemmen oder

Klammern komprimiert wird. Dafür kommen gebogene Klemmen nach Dandy und Kopfschwartenklemmen zum Einsatz (. Abb. 15.6). Die Blutung an

den Wundrändern kann aber auch mit bipolarer

­Koagulation gestillt werden.

55 Das Periost des Schädelknochens wird mit einem

­Skalpell eingeschnitten und mit einem breiten Raspatorium gelöst. Es folgt die Eröffnung des Schädels

durch ein oder zwei Bohrlöcher mittels eines elek­

trisch oder druckluftbetriebenen High-Speed-Bohrers,

der mit einem Trepan bestückt ist (. Abb. 15.7). Dieser

Trepan ist so konstruiert, dass er sofort seine Umdrehungen stoppt, wenn das zu bohrende Gewebe keinen

Widerstand mehr bietet, dann ist die Dura erreicht.

55 Mit einem Nervenhäkchen oder Dissektor prüft der

Neurochirurg, ob Verwachsungen zwischen Dura

­mater und Schädelknochen bestehen.

55 Das Bohrloch kann ggf. mit einer Knochenstanze erweitert werden. Die Bohrmaschine wird inzwischen

umgerüstet und ein Kraniotom (Säge) eingesetzt

(. Abb. 15.8). Darüber wird ein Duraschutz geschraubt,

der während des Sägevorgangs die harte Hirnhaut

schont. Alle Manipulationen am Knochen erfolgen

unter ständiger Spülung, um Nekrosenbildung durch

die Drehgeschwindigkeit des Bohrers zu vermeiden.

55 Das rund ausgesägte Knochenstück wird mit Hilfe

­eines Elevatoriums oder Dissektors angehoben und

entfernt. Der Instrumentant legt das Knochenstück

in ein Gefäß mit Ringerlösung, wo es bis zur Replantation am Ende des Eingriffs abgedeckt verbleibt.

55 Blutungen aus dem spongiösen Knochen im OP-Situs

können mit Knochenwachs gestillt werden. Dieses

­industriell hergestellte Wachs lässt sich am besten

benutzen, wenn es vorher weich geknetet ist. An der

Spitze eines Dissektors platziert, lässt sich das Wachs

gut an den Knochen modellieren.


15


380


15


Kapitel 15 · Neurochirurgie


55 Jetzt kommt das Mikroskop zum Einsatz. Nun verändern sich die Gegebenheiten im Operationssaal. Das

Deckenlicht wird gedimmt und die OP-Leuchten ausgeschaltet. Es folgt der Wechsel vom Knocheninstrumentarium zu den Mikroinstrumenten. Diese haben

in der Regel eine Bajonettform, damit die Hände des

Operateurs nicht dessen Sicht auf den OP-Situs unter

dem Mikroskop behindern.

55 Der Saugeransatz wird gegen einen feineren gewechselt, das Selbsthaltesystem mit Hirnspateln vorbereitet.

55 Die Blutstillung erfolgt ausschließlich bipolar. Zur

Tamponade von Blutungen am Gehirn werden Wattestreifen und -tupfer benutzt, die sog. Hirnwatte, die

mit einem langen Faden armiert ist. Hirnwatte ist fusselfrei und in unterschiedlichen Größen bereitgelegt.

Falls erforderlich, schneiden wir mit einer Materialschere die Größe der Hirnwatte zurecht. Wir reichen

die Wattestreifen feucht mit einer Pinzette direkt in

den Ausschnitt des Mikroskops, damit der Operateur

nicht von der Vergrößerung wegschauen muss.

55 Die gesamte Instrumentation erfolgt nun so, dass

­Instrumente zart abgenommen und angereicht werden, ohne an den Patienten oder den Sauger im Situs

anzustoßen.

55 Die Dura wird mit einem Skalpell, feinen chirurgischen

Pinzetten und einer Schere kreuzförmig oder der

Rundung des ausgesägten Deckels entsprechend eröffnet. Das Anlegen von Duranähten mit einem

nichtresorbierbaren, geflochtenen Faden (z. B. Polyester in der Stärke 4-0) erleichtert den Duraverschluss am Ende der Operation. Das Gehirn liegt

nun frei.

55 Anschließend erfolgt das Absaugen eines Hämatoms

oder eine weitere Präparation zum diagnostizierten

Befund. Mit Hilfe von selbsthaltenden Hirnspateln

kann das präparierte Hirngewebe beiseite gehalten

und der pathologische Befund (z.B. Aneurysma oder

Tumor; s. u.) dargestellt werden.

55 Ist die Blutung gestillt, der Tumor entfernt oder das

Aneurysma geclippt (7 Abschn. 15.2.2), wird der

Schädel verschlossen.

55 Es folgt die Demontage der selbsthaltenden Hirnspatel. Die Dura wird durch Naht verschlossen.

55 Manchmal haftet die Dura bei der Schädeleröffnung

am Knochen, sodass sie zerreißt. Dann ist es vor dem

knöchernen Schädelverschluss nötig, eine Duraplastik mit Fremdmaterial durchzuführen, um den Abfluss von Liquor zu verhindern. Dazu kann Dura aus

einer PTFE-Faser (Goretex-Dura) eingenäht werden,

häufiger wird ein resorbierbares, synthetisches Material aus Polidioxanon gewählt (Handelsname: Tachosil), das innerhalb weniger Monate durch die Einsprossung von Gewebe eine bindegewebige körpereigene Schicht bildet. Tachosil wird feucht angereicht


und auf den Duradefekt aufgelegt. Es verschließt den

Bereich liquordicht.

55 In der Regel wird zum Schädelverschluss das anfangs entnommene Knochenstück wieder eingesetzt.

Bestenfalls wird das Knochenstück mit vorgefertigten Metallplättchen (z. B. CranioFix, Fa. Aesculap,

. Abb. 15.9, . Abb. 15.10) am Schädel befestigt.

55 Nach dem schichtweisen Wundverschluss wird ein

zirkulärer Kopfverband angelegt.

55 Ist nach der Operation eine Hirnschwellung vorhanden oder zu erwarten, wird auf das Einsetzen des

Knochendeckels verzichtet. Dieser wird dann steril

eingefroren, um dem Patienten in einer zweiten

­Sitzung nach dem Abschwellen des Gehirns wieder

eingesetzt zu werden.


15.2.2


Aneurysma


Ein Aneurysma bezeichnet eine sackförmige Erweiterung

­eines arteriellen Blutgefäßes. Ein geplatztes Aneurysma führt

zu einer Hirnblutung.

Angeborene oder erworbene Wandveränderungen der

Blutgefäße führen durch den hohen Druck im arteriellen Ge­

fäßbereich zu Erweiterungen der Gefäßwand. Häufig wissen

und merken die Patienten davon nichts, denn solange ein

­Aneurysma nicht platzt, ist es symptomlos. Wenn das Aneu­

rysma jedoch plötzlich rupturiert, treten, je nach Lage des

Aneurysmas, verschiedene Symptome auf. Das können nur

leichte Kopfschmerzen sein, die jedoch bis in eine Bewusst­

losigkeit mit neurologischen Ausfallerscheinungen führen

können.

Zur Diagnostik wird neben dem klinischen Befund (Art

und Stärke der Symptome) eine Angiographie (röntgenologi­

sche Darstellung des Gefäßsystems), eine CT und/oder eine

MRT durchgeführt.


..Abb. 15.5


Mayfield-Halterung


381

15.2 · Krankheitsbilder


..Abb. 15.6 Kopfschwartenklemmen,

­Skalpfixsystem. (Mit freundlicher Genehmigung

der Fa. Aesculap AG)


..Abb. 15.7 Trepan in einer Bohrmaschine.

..Abb. 15.9 CranioFix-Implantate. (Mit

freundlicher Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


..Abb. 15.8 Kraniotom in einer Bohrmaschine, mit aufgesetztem ­Duraschutz


15


Kapitel 15 · Neurochirurgie


382


..Abb. 15.10 CranioFix-Instrument mit Implantat. (Mit freundlicher

Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


15


Die Therapie beginnt mit der Aufrechterhaltung der

­Vitalfunktionen (Atmung, Kreislauf, Temperaturregelung,

Stoffwechselvorgänge), das Hauptziel muss jedoch sein, das

Aneurysma auszuschalten. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

44Die Operation: Dabei wird das Aneurysma über eine

Kraniotomie (7 Abschn. 15.2.1) mit Metallclips aus dem

Versorgungsgebiet genommen (Aneurysmaclipping,

. Abb. 15.11).

44Das Coiling: der endovasale Verschluss des Aneurysmas

in der radiologischen Abteilung. Dabei wird ein Katheter

über die Leiste bis zum Hirnaneurysma vorgeschoben,

dann im Aneurysma eine (oder mehrere) Platin­spi­rale(n)

platziert, die dafür sorgt, dass das Blut im Aneurysma

thrombosiert und so ein Blutfluss in dem Bereich nicht

mehr möglich ist.

>>Bei einem Aneurysmaclipping besteht immer die Ge-


fahr einer Ruptur. Deshalb halten wir einen zweiten

Sauger einsatzbereit. Ein Clip ist im Applikator eingespannt, der sofort gesetzt werden könnte.


Befürchtete Komplikationen eines Aneurysmas sind ein

Schlaganfall, erneute Blutungen oder eine nicht beherrsch­

bare Ruptur.

15.2.3


Hirntumor


Hirntumoren sind Geschwulste, die innerhalb des Gehirns

oder der Hirnhäute entstehen und dort durch ihr Wachstum

verdrängend wirken. Ursächlich ist eine krankhafte Zellver­

mehrung von bestimmten Gewebearten. Deshalb können

Hirntumoren voneinander unterschieden werden:

44neuroepitheliale Tumoren, die vom Hirngewebe aus­

gehen (z. B. Gliome),

44meningeale Tumoren, die u. a. aus Hirnhautgewebe

­entstehen (z. B. Meningeome)

44Tumoren, deren Ursprungsgewebe aus parenchymati­

schen Zellen besteht (z. B. Hypophysenadenome)


..Abb. 15.11 Clipversorgtes Aneurysma der A. cerebri media rechts.

Der Clip sitzt auf dem Hals des Aneurysmas und schließt dieses aus der

Zirkulation. Aus: Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie mit integriertem

Fallquiz, 9. Aufl. Springer, Berlin, Heidelberg New York


>>Gleichgültig, ob die Tumoren in ihrer Histologie bösar-


tig oder gutartig sind, sie wachsen immer verdrängend

und müssen deshalb entfernt werden.


Aufgrund der unterschiedlichen Lokalisation und des variie­

renden Verdrängungsgrads sind die Symptome vielfältig.

Manche Patienten klagen über Kopfschmerzen mit steigen­

der Tendenz, andere haben eine Schlaganfallsymptomatik

wie Halbseitenlähmungen, Sprach- und Gleichgewichtsstö­

rungen.


Gliom

Die am häufigsten auftretenden Gehirntumoren sind Gliome.

Sie gehen primär von Zellen des ZNS aus, der Glia, die das

Stützgewebe eines Nervs bildet.

Die Einteilung in Grad 1–4 klärt die Malignität, wobei

Grad 1 noch keine Anzeichen von Malignität aufweist und

Grad 4 als hochmaligner Tumor erkannt wird.

Zur Diagnostik wird neben der MRT manchmal auch eine

PE (Probeexzision) empfohlen, die dann über die Anlage

­eines Bohrlochs navigiert durchgeführt wird. Ansonsten

muss die Diagnostik das Ausmaß und die Lage sowie die

Raumforderung feststellen, um eine Operationsplanung

durchführen zu können.

Der Patient mit einem Hirntumor wird im Operationssaal

so gelagert, dass eine Trepanation über der Tumorlokalisation

möglich ist. Der Kopf wird in der Mayfield-Klemme fixiert.

Mittels der Neuronavigation (7 Abschn. 2.5) kann prä- und

intraoperativ das Tumorausmaß überprüft werden. Durch

den steril bezogenen Schallkopf kann über die Sonographie

der Tumor dargestellt werden.

Der Tumor wird mit einer Tumorfasszange oder einer

Fass­pinzette (z. B. russisches Modell) entfernt und zur weite­

ren Diagnostik in die Histologie geschickt.


383

15.2 · Krankheitsbilder


15.2.4

Mikroskop


Mikroinstrumente


Spekulum


Bildwandler


Hypophysenadenom


..Abb. 15.12 Transsphenoidale mikrochirurgische Hypophysenoperation. Aus: Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer,

Berlin, Heidelberg New York


Bei dem operativen Eingriff sollte versucht werden, so

­radikal wie möglich den Tumor zu entfernen. Da das oft nicht

möglich ist, kann postoperativ eine Chemotherapie angezeigt

sein.

Jeder Tumor, der nicht vollständig entfernt wird, wächst

weiter (rezidiviert). Je mehr Tumorgewebe entfernt werden

kann, desto länger kann der Patient noch eine beschwerde­

freie Zeit erleben. Dem gegenüber gestellt werden muss, in­

wieweit neurologische Störungen durch die Operation ausge­

löst werden, denn immer wird durch gesundes Hirngewebe

operiert, um den Tumor zu erreichen.


Meningeom

Häufig vorkommende Tumoren in der Neurochirurgie sind

die Meningeome. Sie entstehen aus Zellen der weichen Hirn­

haut. Meningeome können gut-, aber auch bösartig sein, da­

bei sind jüngere Patienten eher an einem malignen Meninge­

om erkrankt. Dieser Tumor wächst verdrängend und kann in

den Schädelknochen einwachsen. Vielfach werden sie erst

spät bemerkt, da sie sehr langsam wachsen und keine Be­

schwerden bereiten. Nach der Diagnose sollten sie operativ

entfernt werden, ein Rezidiv ist eher selten.


Hypophysenadenom

Das Hypophysenadenom nimmt eine Sonderstellung ein. Es

ist meistens eine gutartige Geschwulst der Hirnanhangdrüse.

Die Hypophyse liegt in der Sella (Türkensattel) der Schädel­

basis, deshalb lassen sich die meisten Hypophysenadenome

über den Zugang durch die Nase entfernen (. Abb. 15.12).


Hydrozephalus


Ein Hydrozephalus (Wasserkopf) bezeichnet die Erweiterung

der Liquorräume (Ventrikel) durch eine Liquorabflussstö­

rung, die angeboren oder erworben sein kann (7 Kap. 18).

Die Ursachen des angeborenen Hydrozephalus können

angeborene Fehlbildungen sein, durch die die Liquorzirkula­

tion gestört wird. Die Ursachen eines erworbenen Hydro­

zephalus können eine vorangegangene Meningitis, Hirn­

tumoren, eine Toxoplasmose oder intrakranielle Blutungen

sein. Auch eine Störung des Liquorhaushalts oder ­Hirninfarkte

können zu einem Hydrozephalus führen.

Die Symptome sind die Folgen eines zu hohen Hirndrucks

wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Zur Sicherstellung der Diagnose werden eine Computer­

tomographie (CT) und/oder eine Magnetresonanztomogra­

phie (MRT) sowie eine Hirndruckmessung durchgeführt.

Zur Verringerung der Beschwerden oder zum Erreichen

der Beschwerdefreiheit ist bei den meisten Hydrozephaluspa­

tienten die Einlage eines Shunts notwendig. Dieses Schlauch­

system leitet den Liquor aus dem Ventrikel in eine Körper­

höhle ab. Wir können zwischen zwei verschiedenen Ablei­

tungswegen entscheiden. Der übliche Weg ist die Ableitung

des Liquor in den Bauchraum (ventrikuloperitoneale Ablei­

tung) und die andere Möglichkeit ist die Ableitung des Liquor

in den rechten Vorhof des Herzens (ventrikuloatriale Ablei­

tung).

Eine weitere Behandlungsmethode ist eine Zisternosto­

mie/Ventrikulostomie. Hier wird über einen endoskopischen

Eingriff der Liquorabfluss über den 3. Ventrikel in den äuße­

ren Liquorraum gesichert.

Die am meisten gefürchtete Komplikation der Shuntein­

lage ist die Infektionsgefahr beim Legen des Shunts. Ein

Shuntverschluss kommt ebenfalls oft vor.

??Fragen zur Wiederholung zu Kap. 15


55 Welche anatomischen Schichten werden von der

Kopfhaut bis zur Freilegung des Gehirns präpariert?

55 Was ist ein Trepan? Weshalb ist dieses Instrument für

den Einsatz in der Neurochirurgie geeignet?

55 Welche verschiedenen intrakraniellen Blutungen

kennen Sie?

55 Welche besonderen Tupfer zur Blutstillung werden in

der Neurochirurgie verwendet? Was unterscheidet

sie von konventionellen Tupfern?

55 Was ist besonders wichtig, wenn Sie ein Aneurysma­

clipping instrumentieren?


15


384


Kapitel 15 · Neurochirurgie


Literatur

Birbaumer N (2010) Biologische Psychologie. Springer, Berlin Heidelberg

New York, DOI 10.1007/978-3-540-95938-0_5

Liehn M, Steinmüller L, Döhler R (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer,

Berlin Heidelberg New York

Pluntke S (2013) Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst.

Springer, Berlin Heidelberg New York, DOI 10.1007/978-3-64234940-9_4

Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer, Berlin

­Heidelberg New York

Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl.

Springer, Berlin Heidelberg New York

Tillmann BN (2016) Atlas der Anatomie des Menschen. Springer, Berlin

Heidelberg New York, DOI 10.1007/978-3-662-49288-8_2


15


385


Augenheilkunde

(Ophtalmologie)

Brigitte Lengersdorf, Mandy Strzodka


16.1


Anatomie


16.2


Besonderheiten


16.3


Erkrankungen des Auges


16.3.1

16.3.2

16.3.3

16.3.4

16.3.5

16.3.6

16.3.7

16.3.8


Chalazion – 389

Tränenwegverschluss – 389

Hornhauterkrankungen – 390

Katarakt – 390

Glaukom – 391

Netzhautablösung – 391

Schielen (Strabismus) – 391

Intraokularer Tumor – 392


Literatur


– 386

– 388

– 389


– 392


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_16


16


386


Kapitel 16 · Augenheilkunde (Ophtalmologie)


Lernziele

55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen

operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der

Augenheilkunde und sind in der Lage, bei diesen Eingriffen vorausschauend und situationsgerecht zu instrumentieren.

55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Augenheilkunde,

deren Ursachen, Klinik, Diagnostik und Behandlungsverfahren sowie deren typische Komplikationen.

55 Daher erarbeiten sie sich entsprechende Kenntnisse der

anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie.

Sie kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser Verfahren häufig eingesetzt werden.

55 Sie können die notwendigen speziellen operations- und

eingriffsspezifischen Patientenlagerungen allein oder

mit Hilfe von anderen (Operateur) herbeiführen bzw. die

Qualität der Patientenlagerung kontrollieren und ggf.

modifizieren.

55 Die Auszubildenden können das Grundinstrumentarium

und die speziellen Instrumente, Geräte und Materialien,

die bei Operationen in der Augenheilkunde zur Anwendung kommen, auswählen, diese Instrumente fach- und

sachgerecht einsetzen und deren Wirkung erklären.


Bindehaut

(Konjunktiva)


Zonulafasern


Die Augenheilkunde ist eine der ältesten medizinischen Teil­

disziplinen, sie beschäftigt sich mit allen Erkrankungen und

Funktionsstörungen des Sehorgans, seiner Anhangsorgane

sowie des Sehsinns.

16.1


Das Auge gehört zu den Sinnesorganen und besteht aus dem

Augapfel, den Anhangsorganen wie Lider (Palpebrae), Tränen­

apparat und Bindehaut sowie der Sehbahn. Der Augapfel (Bul­

bus oculi) wird funktionell aus lichtbrechenden (Hornhaut,

Linse und Glaskörper) sowie lichtwahrnehmenden Anteilen,

der Sehbahn, gebildet. Der Augapfel liegt geschützt in einer

von den Schädelknochen gebildeten Höhle, der Orbita, und ist

mit einer dreischichtigen Wand über­zogen (. Abb. 16.1).

Wir unterscheiden in den vorderen und den hinteren

Augenabschnitt.

Zum vorderen Augenabschnitt gehören

44die transparente Hornhaut (Kornea), die u. a. das Auge

nach außen schützt,

44die Pupille, durch die das einfallende Licht in das Innere

des Auges geleitet wird,

44die Iris (Regenbogenhaut), die die Farbe des Auges

­wiedergibt,


Ziliarkörper

(Corpus ciliare)


Linse


Augennerv

(N. opticus)


Öffner der

Pupille

(M. dilatator

pupillae)


16


Anatomie


Schließmuskel

der Pupille

(M. sphincter

pupillae)

vordere

Augenkammer

Hornhaut

(Kornea)


Zentralgefäße

der Netzhaut


Regenbogenhaut

(Iris)

äußere Augenhaut

(Tunica fibrosa)

hier: Sklera


hintere

Augenkammer

Ziliarmuskel

innere Augenhaut

(Tunica nervosa)

hier: Retina


..Abb. 16.1 Anatomischer Aufbau des Auges. Der Schnitt führt durch

die Region des blinden Flecks (Austritt der Fasern der N. opticus). Im vorderen Teil des Augapfels ist die Linse durch die Zonulafasern in ihrer


mittlere Augenhaut

(Tunica vasculosa)

hier: Choroidea


Lage befestigt. Die Iris gilt als bewegliche Trennwand zwischen vorderer und hinterer Augenkammer. Aus: Spornitz UM (2010) Anatomie und

Physiologie, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


387

16.1 · Anatomie


44die Linse, die links und rechts über die Zonulafasern mit

dem Ziliarmuskel verbunden ist; dieser Muskel wird

vom Gehirn gesteuert und kann die Linse in ihrer Form

verändern, sodass ein scharfes Sehen ermöglicht wird

(Akkommodation).

Zum hinteren Augenabschnitt zählen

44der Glaskörper (Corpus vitreum), der zu 80% aus Was­

ser sowie Eiweiß- und feinen Bindegewebsfasern besteht,

44die Netzhaut (Retina):

55mit ihren Stäbchen und Zapfen ermöglicht sie das

Farb- und Dämmerungssehen;

55in der Mitte der Netzhaut befindet sich die Makula,

die Stelle des schärfsten Sehens;

55direkt daneben befindet sich der «Blinde Fleck», die

Austrittstelle des Sehnervs.

44Die Aderhaut (Chorioidea) mit ihren Blutgefäßen, die

Lederhaut (Sklera) und die Hornhaut (Kornea) bilden

die dreischichtige Wand des Augapfels.

Die vordere und hintere Augenkammer, die durch die Iris

voneinander getrennt sind, enthalten das Kammerwasser, das

in der hinteren Augenkammer vom Ziliarkörper gebildet

wird. Über die Pupillenöffnung wird das Kammerwasser in

die vordere Kammer transportiert und von dort über den

Schlemm-Kanal in das venöse System. Kammerwasserpro­

duktion und -resorption sind normalerweise im Gleichge­

wicht und erhalten den intraokulären Druck (IOD) konstant

bei 12–20 mmHg. Eine dauerhafte Erhöhung des Augenin­

nendrucks kann zum Glaukom (Grüner Star) führen.

Der Tränenapparat, als Anhangsorgan bezeichnet, besteht

aus (. Abb. 16.2):

44Den Tränendrüsen, in denen die Tränenflüssigkeit

­produziert wird und ihren Ausführungsgängen, die die

Tränenflüssigkeit zur Augenoberfläche leiten.

44Den Tränenwegen, gebildet aus den Tränenpünktchen

(Puncta lacrimalis) am inneren Augenwinkel an Oberund Unterlid gelegen, den Tränenkanälchen (Canalicula

lacrimalis), dem Tränensack (Saccus lacrimalis) und

dem Tränen-Nasen-Gang (Ductus nasolacrimalis), der

die Tränenflüssigkeit zur Nasenhöhle leitet.

Bei Erkrankungen, die den Lidschluss verhindern, z. B. bei

einer Fazialisparese, oder die Produktion der Tränenflüssig­

keit beeinflussen, kann das Auge austrocknen oder es kann zu

einem tränenden Auge (Epiphora) kommen. Ein sog. Uhr­

glasverband oder auch künstliche Tränen können das Aus­

trocknen und somit Schäden an der Hornhaut (Kornea) und

der Bindehaut (Konjunktiva) eindämmen, bei einer fehlen­

den Durchgängigkeit der Tränenwege können diese gespült

werden (TWS = Tränenwegspülung).

Die Linse (griech: Phakos) liegt hinter der Pupillenöff­

nung. Sie ist ein stark konvexer, kristallklarer elastischer Kör­

per und bündelt als Sammellinse das durch die Pupille eintre­

tende Licht auf der Hinterseite des Auges, sodass auf der Netz­

haut ein scharfes Bild entsteht. Die Muskelfasern des Ziliar­

körpers regulieren den Krümmungsgrad der Linse, wodurch


..Abb. 16.2 Tränenwegsystem des Auges. Aus: Liehn M, Steinmüller L,

Döhler JR (2011) OP-Handbuch, 5. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New

York


eine bessere Anpassung an das Scharfsehen von Gegenstän­

den in der Ferne gelingt (Akkommodation). Die Brechkraft

der Linse für die Einstellung «scharf sehen in der Ferne» be­

trägt beim gesunden Auge ca. 19 dpt (Dioptrien = Maßeinheit

für die Brechkraft des Auges).

Eine Trübung der Linse unterschiedlichster Ursache heißt

Katarakt (Grauer Star), sie führt zur Verschlechterung der

Sehschärfe, Abblassen des Farbsehens, Verminderung des

Kontrasts sowie zu erhöhter Blendempfindlichkeit. Im ausge­

prägten Stadium der Erkrankung ist die Trübung der Linse

durch die Pupille zu erkennen. Abhilfe schafft hier die Im­

plantation einer Kunstlinse (IOL = intraokular Linse), diese

Operation gehört zu den am häufigsten durchgeführten Ope­

rationen am Auge.

Der Netzhaut (Retina) liegen von innen lichtempfindli­

che Sinneszellen (Fotorezeptoren) an, dort wird das einfallen­

de Licht, nachdem es durch Hornhaut, Linse und Glaskörper

gedrungen ist, in Nervenimpulse umgewandelt und weiterge­

leitet. Eine feste Verbindung der Netzhaut mit ihrer Unterlage

(RPE = retinales Pigmentepithel) gibt es nur im Bereich 

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