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coinad

4/12/26

 Nasennebenhöhlenoperation zu Liquorfluss aus der Nase kommen, wenn die

Orbitawand verletzt wurde. Diese sog. Liquorfistel muss

dann in einer Folgeoperation verschlossen werden.

14.2.3


Septumdeviation


Bei einer Septumdeviation handelt sich um eine Verbiegung

der Nasenscheidewand, die nur operativ behandelt wird,

wenn die Nasenatmung behindert ist und die Nebenhöhlen

nicht richtig belüftet werden. Die Septumdeviation ist ent­

weder angeboren, erworben durch ein Trauma, aber auch

durch gestörtes Wachstum. Die Septumkorrektur (s. Übersicht sowie . Abb. 14.10 und . Abb. 14.11) wird oft kom­

biniert mit einer Kappung der mittleren Nasenmuscheln

(Konchotomie).


..Abb. 14.11 Nasenschere. (Mit freundlicher Genehmigung der

Fa. Aesculap AG)


Als Komplikation kann es hier zu einem Septumhämatom

(Einblutung zwischen Perichondrium/Knorpel oder zwischen

Periost/Knochen), aber auch zur Nachblutung kommen.

14.2.4


Fraktur


j

jNasenbeinreposition

Septumkorrektur


14


55 Der Patient liegt in Rückenlage mit leicht rekliniertem Kopf, eine halbsitzende Position ist ebenfalls

möglich. Die Blutstillung erfolgt in der Regel mittels

bipolarer Koagulation. Wir benötigen eine Ab­deckung

nach Hausstandard, Grundinstrumente, eine bipolare

bajonettgebogene Koagulationspin­zette, Nasenspekula verschiedener Größen, eine ­Nasenschere, ein

Raspatorium nach Freer (Elevato­rium-Raspatorium,

. Abb. 14.10), schmale Meißel

mit einem kleinen Metallhammer, abschwellende

­Lösung und armierte Spitztupfer zum Einlegen in

die Nase. Der Operateur trägt eine Stirnlampe.

55 Vor der eigentlichen Operation werden mit adstringierenden (gefäßverengenden) Medikamenten getränkte Spitztupfer in die Nase eingelegt, damit die

Schleimhaut abschwillt.

55 Nach der Desinfektion, dem Abdecken des OP-Gebiets und dem standardisierten Team-Time-Out wird

der Schnitt mit einem kleinen Skalpell im Nasenvorhof ausgeführt.

55 Von der Septumvorderkante aus wird das Septum mit

dem Freer von der Schleimhaut und Knorpel abgelöst. Die Begradigung des Septums erfolgt durch Abmeißelung des knöchernen Sporns oder durch gezielte Resektion des verbogenen Knorpels. Die entnommenen Knorpelanteile werden reimplantiert. Falls

notwendig werden die hyperplastischen Nasenmuscheln mit einer Nasenschere (. Abb. 14.11) ­gekürzt.

55 Der Schnitt wird mit feinem Nahtmaterial verschlossen und beide Nasenhaupthöhlen mit einer Salbentamponade versorgt.


Bei einer Fraktur der verknöcherten knorpeligen (z. B. durch

Faustschlag), oder seltener der knöchernen Strukturen (z. B.

durch scharfkantige Verletzungen oder Verkehrsunfälle)

muss die Nase möglichst umgehend wieder gerichtet werden

durch eine Nasenbeinreposition. Bei seitlichen Deformationen kann die Nase häufig mit dem Daumen reponiert werden.

Bei Impressionsfrakturen (die Nase ist eingesunken) kommt

ein Elevatorium oder eine Repositionszange (RedressementZange, . Abb. 14.12) zum Einsatz.


..Abb. 14.12 Nasenrepositionszange nach Cottle-Walsham. (Mit

freundlicher Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


367

14.2 · Nase und Nasennebenhöhlen


Nach dem Abschwellen der Nasenschleimhaut wird die

Zange beidseits in die Nasenöffnungen eingeführt und der

frakturierte (gebrochene) Knochen angehoben. Anschließend wird die Nase zur Stützung beidseits austamponiert und

mit einem Nasengips oder einer Schiene versorgt.

14.2.5


Epistaxis (Nasenbluten)


Nasenbluten entsteht häufig durch Ruptur (Zerreißung) eines

oder mehrerer Gefäße des Locus Kiesselbachii, traumatisch

bei Fraktur des Nasenbeins, bei Schädelbasisfrakturen, bei

Nebenhöhlenfrakturen, aber auch bei Septumpolypen. Wenn

konservative Maßnahmen wie kalte Halsumschläge, Nasenflügel für mehrere Minuten zusammendrücken, Aufrecht­

sitzen und Ausschneuzen versagen, müssen invasive (eingreifende) Maßnahmen ergriffen werden.

44Eine Elektrokoagulation: Mit der bipolaren Pinzette

oder einem Laser wird das betroffene Blutgefäß verschorft.

44Eine vordere Tamponade: Ein mit Salbe getränkter

­Gazestreifen, der fortlaufend von hinten nach vorn die

Nase ausfüllt. Dies muss beidseits ausgeführt werden,

um ausreichenden Druck zu erreichen.

44Ein Ballonkatheter: Mit einem aufblasbaren Silikon­

katheter wird Druck auf die blutende Schleimhautstelle

ausgeübt. Diese Methode ist weniger aufwändig als

eine hintere Tamponade und viel angenehmer für die

­Patienten.

44Hintere Tamponade (Bellocq-Tamponade): Bei arte­

riellen Blutungen aus den hinteren Nasenpartien und

bei Blutungen aus dem Nasen-Rachen-Raum wird diese

Tamponade in Intubationsnarkose gelegt.

!!Cave


Bei einer Tamponade besteht die Gefahr, dass die Tamponade in den Nasenrachen rutscht, der Patient sich

­daran verschluckt oder im schlimmsten Fall daran er­

sticken kann.


14.2.6


Missbildungen


Formfehler der äußeren Nase sind angeboren, nach Traumen

oder spezifischen Entzündungen erworben. Sie behindern

häufig die Nasenatmung, daher ist eine operative Korrektur

nicht nur aus kosmetischen Gründen indiziert. Eine funk­

tionelle Rhinoplastik bei der die äußere und die innere Nase

einschließlich des Septums korrigiert werden, ist hier die

OP-Methode der Wahl. Höcker werden mit schmalen

Meißeln abgetragen, das knöcherne und knorpelige Nasen­

gerüst verschmälert oder unterfüttert z. T. auch mit autologen

(körpereigenen) Transplantaten aus der knorpeligen Rippe

oder aus Septumanteilen.


14.2.7


Fremdkörper


Fremdkörper in der Nase, dem Ohr aber auch in den Luftund Speisewegen kommen bei Kindern häufig vor, bei Erwachsenen seltener. Es handelt sich oft um Spielzeug (Kugeln,

Perlen, Münzen, Papier), aber auch um Lebensmittel (Erbsen,

Erdnüsse). Die Fremdkörper werden mit geeigneten Instrumenten (Küretten, Häkchen etc.) entfernt. Je nach Lokalisa­

tion muss der Eingriff in Narkose durchgeführt werden, v. a.

bei Fremdkörpern in Luft- und Speiseröhre, da hier die

­Entfernung über eine Spiegelung der Luft- oder Speiseröhre

(­Tracheobronchoskopie/Ösophagoskopie) mit starren Instrumenten durchgeführt wird.

14.2.8


Frakturen


Gesichtsschädelverletzungen erfordern eine genaue Erhebung der Anamnese sowie eine bildgebende Diagnostik wie

Röntgenaufnahmen und Computertomographie. Sie werden

in Mittelgesichtsfrakturen, frontobasale Frakturen und Unterkieferfrakturen unterschieden. Je nach Lokalisation erfordern sie keine oder sehr zeitaufwändige operative Eingriffe,

dann müssen die Bruchstücke mit Platten und Schrauben

reponiert und fixiert werden. Diese Operationen werden

auch von den Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen durchgeführt

(7 Kap. 13).

14.2.9


Tumoren


Tumoren werden in gutartige und bösartige Geschwulste

­unterschieden. Im Bereich der Nase ist das Rhinophym

(Knollen-/Kartoffelnase) zu nennen, es handelt sich um eine

benigne (gutartige) knollige Wucherung der Talgdrüsen der

Haut und der knorpeligen Nase mit Gefäßerweiterungen und

Bindegewebsvermehrung. Die Hautverdickungen können

mit einem flachen Messer oder dem CO2-Laser abgetragen/

abgeschält werden.

Osteome sind gutartige gestielte Knochentumoren die vorwiegend in der Stirnhöhle auftreten, bei Beschwerden ­können

sie z. B. über einen endonasalen oder auch einen offenen Eingriff entfernt werden.

Im Bereich der äußeren Nase finden sich Basaliome (lokal

zerstörend wachsend, ohne zu streuen), Plattenepithelkarzinome (Spinaliome) und seltener Sarkome und Melanome.

Die Diagnose wird durch eine Probeexzision bestätigt, nach

der Tumorentfernung ist häufig ein wiederherstellender Eingriff, z. B. durch Schwenklappen nötig.

Im Bereich von Nasenhaupt- und Nebenhöhlen treten

P

­ apillome (Präkanzerose, kann maligne entarten), aber auch

Karzinome (Plattenepithelkarzinome/Adenokarzinome) auf.

Die Diagnose wird auch hier durch eine Probeexzision ge­

sichert. Die Ausdehnung des Eingriffs und der operative

­Zugangsweg werden je nach Ausdehnung und Lokalisation

des Tumors gewählt.


14


368


Kapitel 14 · HNO-Heilkunde


14.3


Rachenraum


Der Rachen besteht aus drei Etagen:

44Nasopharynx (Nasenrachen, Epipharynx), er ist nach

vorn über die Choane zur Nase offen. Am Rachendach

und der hinteren oberen Pharynxwand sitzt die Rachenmandel (Adenoide). Seitlich befinden sich die Öffnungen der Eustachi-Röhre, die den Rachen mit dem Mittelohr verbindet.

44 Oropharynx (Mundrachen, Mesopharynx), er reicht

vom Zäpfchen (Uvula) bis zum Rand des Kehldeckels

(Epiglottis). In ihm liegen zwischen den Gaumenbögen

die Gaumenmandeln (Tonsillen).

44 Hypopharynx (Kehlkopfrachen, Laryngopharynx,

Schlund), er umfasst den Raum von der Epiglottis (Kehldeckel) bis zum Ösophagusmund (Speiseröhreneingang). Er steht mit dem Kehlkopfeingang in Verbindung.

Wichtig zu erwähnen ist der Waldeyer-Rachenring, es handelt sich um eine Ansammlung von lymphatischem Gewebe,

das sich in den Rachen- und Gaumenmandeln, am Zungengrund sowie in den Seitensträngen der Rachenhinterwand

findet. Er dient der Infektabwehr.

14.3.1


Rachenmandelwucherungen


Im Bereich des Rachens sind die Entfernung der Rachen- und/

oder Gaumenmandeln häufig durchgeführte operative Eingriffe. Die Adenotomie (AT; s. Übersicht und . Abb. 14.13) ist


14


die operative Abtragung der gewucherten Rachenmandel, sie

wird durchgeführt bei Behinderung der Nasenatmung durch

eine Hyperplasie und bei Schallleitungsschwerhörigkeit durch

Verlegung der Tubenostien (Öffnung der Eustachi-Röhre).

Die Patienten sind meist Kinder, sie leiden unter einer erschwerten Nasenatmung, haben häufig Schnupfen, schlafen

dadurch schlecht und schnarchen. Zusätzlich sind sie meist in

der Sprachentwicklung verzögert.

Adenotomie

55 Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Die

­Patienten werden in Rückenlage mit leicht überstrecktem Kopf gelagert. Wir benötigen für diesen

Eingriff einen Mundsperrer, einen Zungenspatel,

Beckmann-Ringmesser (. Abb. 14.13) in verschiedenen Größen, grobe Pinzetten, einen Kehlkopfspiegel,

Nasenzügel und für die Blutstillung eine bipolare

­Pinzette.

55 Der Mundsperrer nach Kilner-Doughty wird eingesetzt, er drückt die Zunge nach unten und fixiert den

Tubus. Bevor die vergrößerte Rachenmandel mit

­einem Beckmann-Ringmesser abgetragen wird,

schaut sich der Operateur mit dem Kehlkopfspiegel

den Situs an, insbesondere die Lage der Tubenostien,

um diese nicht zu verletzen.

55 Das Blut wird abgesaugt und armierte Tupfer in die

Wunde eingebracht, dies reicht häufig für eine Blutstillung aus. Bei Bedarf können blutende Gefäße mit

der bipolaren Pinzette koaguliert werden.

55 Das Zählen der Tupfer und die Dokumentation des

Zählstands sind obligat. Nach Entfernen des Mundsperrers und einer Inspektion der Mundhöhle ist der

Eingriff beendet.


14.3.2


Tonsillitis


Die akute Tonsillitis (Angina) wird meist von Streptokokken

hervorgerufen, sie wird konservativ mit fiebersenkenden

­Medikamenten, Halsspülungen, Bettruhe und Penicillin behandelt. Kehren die Infekte immer wieder, sprechen wir

von einer chronischen Tonsillitis. Streptokokken (7 Kap. 1)

­können Rheuma, Nierenerkrankungen aber auch funktio­

nelle Herzerkrankungen hervorrufen. Deshalb sollten die

Gaumenmandeln entfernt werden. Manchmal entsteht auch

ein Peritonsillarabszess, dieser wird punktiert und danach

die Tonsillen entfernt. Bei Kindern kann auch eine Kappung

der Tonsillen z. B. mit dem Laser durchgeführt werden, damit

noch ausreichend lymphatisches Gewebe zur Infektabwehr

zur Verfügung steht.

Die Tonsillektomie ist in der folgenden Übersicht dar­

gestellt (s. a. . Abb. 14.14, . Abb. 14.15, . Abb. 14.16,

. Abb. 14.17).

..Abb. 14.13 Ringmesser nach Beckmann. (Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


369

14.3 · Rachenraum


Tonsillektomie

55 Die Tonsillektomie (TE) kann in Lokalanästhesie in

halbsitzender Position oder in Vollnarkose in Rückenlage mit rekliniertem Kopf durchgeführt werden.

­Dabei werden die Gaumenmandeln aus ihrer Kapsel

herausgeschält.

55 Wir benötigen für diesen Eingriff einen Mundsperrer,

einen Zungenspatel, ein Raspatorium nach Henke

(. Abb. 14.14), eine Tonsillenschere nach Good

(. Abb. 14.15), Tonsillenschnürer nach Brünings

(. Abb. 14.16), eine Tonsillenfasszange nach ­Blohmke

(. Abb. 14.17), einen Korbsauger nach Yankauer, eine

bipolare Pinzette und armierte Tupfer. Sollte die Operation in Lokalanästhesie durchgeführt werden, be­

nötigen wir zusätzlich eine Spritze mit einer langen

dünnen Kanüle und ein Anästhetikum; dies hat häufig

einen Adrenalinzusatz, um gleichzeitig eine Gefäß­

verengung zu erreichen.

55 Nach Einsetzen des Mundsperrers – bei Patienten

in Lokalanästhesie wird ein handgehaltener Zungen­

spatel verwendet – wird eine Tonsille mit einer

­groben Pinzette gefasst, aus ihrem Bett luxiert und

am vorderen Gaumenbogen mit der Schere inzidiert

(eingeschnitten). Die Tonsille wird nun abwechselnd

mit Schere und dem Henke-Raspatorium aus ihrer

Kapsel geschält. Mit dem Tonsillenschnürer wird sie

vom Zungengrund abgetrennt.

55 In das Tonsillenbett wird passager (vorübergehend)

ein armierter Tupfer zur Kompression eingelegt, dann

erfolgt das gleiche Vorgehen auf der kontralateralen

(gegenüberliegenden) Seite. Noch blutende Gefäße

werden mit der bipolaren Pinzette koaguliert, falls

die Blutstillung unzureichend erscheint, kann eine

Umstechung erfolgen.

55 Mit der Entfernung des Mundsperrers ist die Opera­

tion beendet.


..Abb. 14.14 Raspatorium nach Henke. (Mit freundlicher Geneh­

migung der Fa. Aesculap AG)


Die Tonsillen werden immer seitengetrennt zur histologischen Untersuchung gegeben, da im Fall eines Malignomverdachts die Seitenlokalisation von enormer Wichtigkeit ist.

Die Tonsillektomie kann auch mit anderen Methoden wie

dem CO2-Laser, dem Ultraschallskalpell oder dem Coblator

(mittels Radiofrequenzen wird weiches Gewebe abgetragen)

durchgeführt werden.

Als Komplikation ist die Nachblutung zu nennen. Sie tritt

zumeist am OP-Tag oder am 1. postoperativen Tag auf, aber

auch um den 10. postoperativen Tag kann eine Blutung auftreten, da sich zu diesem Zeitpunkt die Wundbeläge lösen.

>>Eine Tonsillennachblutung ist meist sehr heftig, gilt als


absoluter Notfall und sollte sofort chirurgisch versorgt

werden.


..Abb. 14.15 Tonsillenschere nach Good. (Mit freundlicher Geneh­

migung der Fa. Aesculap AG)


14


370


Kapitel 14 · HNO-Heilkunde


..Abb. 14.17 Tonsillenfasszange nach Blohmke. (Mit freundlicher

­Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


Mundhöhle und dem Rachen häufig zu finden. Rauchen und

Alkoholmissbrauch begünstigen das Wachstum. Operative

Eingriffe sind meist sehr invasiv, beeinträchtigen das äußere

Aussehen der Patienten und erfordern oft plastisch-rekon­

struktive Eingriffe.


14


..Abb. 14.16 Tonsillenschnürer nach Brünings. (Mit freundlicher

­Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


14.3.3


Verletzungen


Zu Verletzungen im Mund- und Rachenbereich kommt es

meist durch Unfälle (Auto- und Radunfälle, Pfählungsverletzungen, wenn Gegenstände im Mund den Rachen verletzen),

Verbrühungen und Verätzungen (Kinder trinken z. B. Putzmittel, Erwachsene trinken Säure in suizidaler Absicht),

aber auch durch Verschlucken von Gegenständen. Je nach

Schwere der Verletzung müssen unterschiedliche Behandlungsmethoden in Erwägung gezogen werden. Bei Pfählungsverletzungen z. B. Nähen der Wunde, bei Verbrühungen/

Ver­ätzungen eine Ösophagoskopie/Tracheobronchoskopie

(Spiegelung von Speise- und Luftröhre) mit evtl. Spülung und

Absaugung der verschluckten Flüssigkeiten, aber auch Entfernung verschluckter Gegenstände mit entsprechenden Greifinstrumenten.

14.3.4


Tumoren


Gutartige Tumoren sind selten, bösartige Tumoren, wie

Platten­epithelkarzinome und Adenokarzinome sind in der


14.4


Kehlkopf


Der Kehlkopf liegt etwa in der Höhe des fünften Halswirbels,

er wird aus Schildknorpel und Ringknorpel gebildet und

sitzt der Trachea auf. Das Zungenbein liegt oberhalb und ist

mit einer Membran am Schildknorpel befestigt. Die beiden

Stimmbänder ziehen rechts und links von den Stellknorpeln

aus zur Vorderkante des Schildknorpels (. Abb. 14.18).

Der Raum dazwischen wird als Stimmritze bezeichnet. Der

N. laryngeus inferior (auch N. recurrens genannt, er übernimmt die Stimmbandinnervation) und der N. laryngeus

­superior übernehmen gemeinsam die nervale Versorgung

des Larynx (Kehlkopf), sie sind Äste des N. vagus.

Der Kehldeckel (Epiglottis) verschließt bei Reizen reflektorisch den Kehlkopfeingang, beim Schlucken drückt die

Zunge die Epiglottis nach unten verschließt somit die Luftröhre und den Eingang in die Speiseröhre.

14.4.1


Fremdkörper, Diagnostik


j

jStützlaryngoskopie


Fehlbildungen, Tumoren und Fremdkörper kommen auch im

Bereich des Kehlkopfes vor und erfordern eine direkte Be-


371

14.4 · Kehlkopf


Epiglottis

Zungenbein

N. laryngeus

superior

A. laryngea

superior


Membrana

thyreohyoidea

Eminentia

laryngea


Schildknorpel

Aryknorpel


Lig. cricothyroideum

M. cricothyroideus


Ringknorpel

Trachealspange

a


rechts


links


Epiglottis

Taschenfalte


55 Der Patient wird in Rückenlage mit leicht angeho­

benem Kopfteil und rekliniertem Kopf gelagert. Eine

sterile Abdeckung ist nicht notwendig.

55 Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird

der Zahnschutz eingesetzt, ein starres Laryngoskop

nach Kleinsasser oder Negus eingebracht und mit

­einer Kaltlichtquelle verbunden. Die Sicht auf den

Kehlkopf wird eingestellt und das Laryngoskop mit

der Bruststütze fixiert.

55 Der obere Tracheaanteil, die Stimmbänder und die

Stellknorpel des Kehlkopfs können nun mit dem

OP-Mikroskop betrachtet werden. Mit Fasszange,

Doppellöffel und Scheren können Proben für eine

histologische Untersuchung entnommen werden.

Das Ergebnis dient der Diagnosesicherung. Die

­Proben müssen korrekt gekennzeichnet und mit ihrer

Entnahmestelle bezeichnet werden.

55 Blutungen werden mit adstringierenden Medikamen­

ten auf einem Watteträger oder mittels monopolarer

Koagulation (Verödung) versorgt. Das Laryngoskop

wird entfernt und der Eingriff ist beendet.


Stimmband

aryepiglott. Falte

Aryknorpel

b


Tracheavorderwand


Recessus piriformis


..Abb. 14.18a, b Kehlkopf. a Knorpelgerüst, Membranen, äußere

­Muskulatur, Zungenbein. b Blick in das Kehlkopfinnere. (Aus: Boenninghaus HG, Lennarz T (2007) Hals-Nasen-Ohrenheilkunde für Studierende

der Medizin, 13. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York)


trachtung des Larynx mittels einer Stützautoskopie/Laryngoskopie (. Abb. 14.19). Der Kehlkopf wird über ein starres


Laryngoskop, das auf der Brust des Patienten abgestützt wird

unter Verwendung des OP-Mikroskops durchgeführt und bei

Bedarf ein Befund mikrochirurgisch abgetragen oder Fremdkörper entfernt.

Stützautoskopie/Laryngoskopie

55 Wir benötigen für diesen Eingriff starre Laryngo­

skope in verschiedenen Durchmessern und unterschiedlichen Längen mit montierbarem Lichtleitstab

und Kaltlichtkabel, einen Zahnschutz für die Zähne

des Oberkiefers, einen Laryngoskophalter mit Bruststütze, verschiedene Fasszangen (Doppellöffel, gezahnte Fasszangen), verschiedene Scheren (gerade,

links- und rechtsgebogen), lange Watteträger,

ein G

­ efäß für adstringierende (gefäßverengende)

Medikamente für die Blutstillung, einen langen

Saugansatz, ein OP-Mikroskop mit der Brennweite

400 mm, einen Endoskopieturm mit Kaltlichtquelle

und HF-Gerät sowie ggf. eine monopolare Hand­

elektrode.


14.4.2


Kehlkopftumor


j

jLaryngektomie


Je nach Lokalisation und Ausprägung eines Tumors muss der

Kehlkopf entfernt werden. Bei diesem sehr invasiven Eingriff wird der Kehlkopf einschließlich des Zungenbeins vom

Hypopharynx und der oberen Trachea abgesetzt. Luft- und

Speisewege werden voneinander getrennt, das Pharynxstoma

verschlossen und der Stumpf der Trachea als Tracheostoma

in die Halshaut eingenäht. Für die Patienten bedeutet diese

Operation, dass sie bis zur Wundheilung über eine sog.

­Trachealkanüle atmen und nicht mehr sprechen können. Verständigen können sie sich zunächst über Schreiben und später

durch Erlernen einer Ersatzsprache:

44Ösophagusersatzstimme: Heruntergeschluckte Luft

wird hochgerülpst, der Stimmklang entsteht dabei am

engen Ösophagusmund (Pseudoepiglottis).

44Stimmprothesen: Ventile die in den Hypopharynxschlauch eingesetzt werden und eine Verbindung zur

Tracheahinterwand herstellen. Durch sie kann Luft in

das Ansatzrohr gepresst werden.

44Elektronische Sprechhilfe: Kleiner Tongenerator mit

Batterien und einer vibrierenden Platte, er wird auf den

Mundboden oder den äußeren Hals aufgesetzt.

j

jNeck-Dissektion


Nach einer Laryngektomie aber auch bei anderen Tumoren

im Kopf-Halsbereich ist eine Neck-Dissektion (Entfernung

der Halslymphknoten) erforderlich. Je nach Tumorstadium

muss sie einseitig oder beidseits durchgeführt werden. Das

Ausmaß dieser Operation ist abhängig von der Lokalisation

und der Ausdehnung der Grunderkrankung und kann von


14


372


Kapitel 14 · HNO-Heilkunde


..Abb. 14.19 Prinzip einer

­Stützautoskopie. Aus: Boenninghaus

HG, Lennarz T (2012) Hals-NasenOhren­heilkunde für Studierende

der Medizin, 14. Aufl. Springer, Berlin

Heidelberg New York


90


a


b


14

c


der Schädelbasis bis zur Klavikula (Schlüsselbein) reichen.

Wir unterscheiden:

44Radikale Neck-Dissektion: Lymphknotenausräumung mit umgebendem Fett sowie der Resektion vom

N. accessorius, des M. sternocleidomastoideus, der

V. jugularis interna, der Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse) und evtl. der A. carotis externa.

44Funktionelle Neck-Dissektion: Entfernung der Lymphknoten mit umgebendem Fett- und Bindegewebe.

44Selektiv modifizierte Neck-Dissektion: Entfernung

der Lymphknoten je nach Staging.

j

jTracheotomie


Der Luftröhrenschnitt ist häufig eine Notfallmaßnahme, aus

diesem Grund sollten die Instrumente und das Vorgehen bekannt sein.

Wichtig ist auch, dass jeder Mitarbeiter weiß, wo das In­

strumentarium aufbewahrt wird. Die benötigten Instrumente, die Abdeckung und alle zu verwendenden Einmalmate­


rialien stehen immer für einen Notfall bereit, da dieser

­Eingriff oft nicht im OP durchgeführt wird, sondern auf der

Intensiv- oder einer peripheren Station.

Eine geplante Tracheotomie wird durchgeführt bei Pa­

tienten, denen eine Langzeitbeatmung bevorsteht. Ein liegender Tubus kann Druckstellen am Nasenseptum, den inneren

Halsweichteilen, dem Gaumen aber auch im Kehlkopf (v. a.

an den Stimmbändern) hervorrufen, die Tracheotomie verhindert dies, da die Trachealkanüle unterhalb der Stimmband­

ebene eingeführt wird.

>>Als Anfänger ist es von Vorteil, geplante Tracheoto­


mien so häufig wie möglich zu instrumentieren, damit

die Abläufe für den Notfall eingeübt werden.


Bei einer Tracheotomie wird die Luftröhre eröffnet, damit

eine Trachealkanüle für die künstliche Beatmung eingesetzt

werden kann.

Trachealkanülen gibt es in vielfältigen Ausführungen, aus

Metall mit herausnehmbarer Innenkanüle, als Sprechkanüle


373

14.4 · Kehlkopf


55 Nun wird die Trachea mit einem Stichskalpell er­

öffnet und mit einer Schere bis über zwei Knorpelspangen erweitert. Das entstehende Fenster wird

durch einige Fäden an der der Haut fixiert (mukokutane Anastomose). Die passende Rügheimer-Kanüle

wird angereicht und wir überprüfen vor dem Einbringen die Blockungsmanschette, indem wir mit einer

Spritze Luft in die Manschette blasen und die Dichtigkeit feststellen. Danach wird die Manschette

­wieder entblockt, angefeuchtet und mit Hilfe eines

Spekulums oder des Dilatators in die Trachea eingeführt, geblockt und an die Beatmung angeschlossen.

55 Das mitgelieferte Band wird durch die vorgefertigten

Ösen der Kanüle gezogen und im Nacken des Patienten befestigt.


..Abb. 14.20 Dilatator nach Laborde. Aus: Liehn M, Lengersdorf B,

Steinmüller L, Döhler JR (2015) OP-Handbuch, 6. Aufl. Springer, ­Berlin

Heidelberg New York


mit Ventil oder aus Kunststoff mit blockbarer Manschette.

Direkt nach der Tracheotomie wird zunächst eine Rüg­heimerKanüle mit blockbarer Manschette eingesetzt, nach der

Wundheilung kann die Kanüle ausgewechselt werden. Wichtig ist, dass die Kanüle dem Durchmesser der Trachea angepasst ist und weder zu kurz noch zu lang ist. Zusätzlich zum

Grundinstrumentarium benötigen wir ein Nasenspekulum

nach Kilian oder einen Dilatator nach Laborde um die K

­ anüle

einzusetzen (. Abb. 14.20).

Tracheotomie

55 Der Eingriff kann in Lokalanästhesie oder in Narkose

durchgeführt werden, der Patient wird dafür in

­Rückenlage mit rekliniertem Kopf gelagert. Die Blutstillung erfolgt in der Regel mit der bipolaren Koagulation, sollte die monopolare Koagulation bevorzugt

werden, muss eine Neutralelektrode angebracht

­werden.

55 Nach der Hautdesinfektion, der sterilen Abdeckung

des OP-Gebiets und dem standardisierten TeamTime-Out wird ein kurzer Kocher-Kragenschnitt oder

ein medianer Längsschnitt durchgeführt.

55 Nach dem Hautschnitt wird das Platysma (oberflächliche Schicht der ventralen Halsmuskulatur) durchtrennt und die Muskulatur, die vor der Trachea liegt,

zur Seite gedrängt. Es wird versucht, den Isthmus

(schmale Gewebsbrücke) der Schilddrüse zu erhalten; dafür wird er mit stumpfen Haken kopfwärts

­gezogen. Nur wenn auf diesem Weg der dritte und

vierte Trachealring nicht freigelegt werden kann,

wird der Isthmus zwischen zwei Klemmen durchtrennt und umstochen. Alle blutenden Gefäße

­werden sorgfältig koaguliert.


Als Komplikation kann es hier zu starken intraoperativen

Blutungen kommen, auch der Ringknorpel oder der N. recurrens können verletzt werden. Postoperativ kann es zu Nachblutungen oder Arrosionsblutungen durch die Kanüle kommen, wenn diese nicht korrekt passt.

!!Cave


Sollte es bei liegender Trachealkanüle zu einer Blutung

kommen, besteht die Gefahr, dass der Patient sein Blut

einatmet und er eine Aspirationspneumonie entwickelt.


Als Spätkomplikation kann es zu einer Trachealstenose (Einengung der Trachea durch Narbenbildung) kommen.

j

jKoniotomie


Dieser Begriff bezeichnet eine notfallmäßige Tracheotomie

als lebensrettende Maßnahme. Sie wird bei lebensbedroh­

licher akuter Atemnot mit Erstickungsgefahr durchgeführt,

z. B. bei allergiebedingter Kehlkopfschwellung (z. B. nach

­Insektenstich), Hindernissen bei der Intubation, Kehlkopffrakturen oder auch Fremdkörpern. In der Regel wird dieser

Eingriff nicht im OP durchgeführt.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 14


55 Was ist unter einer «Tympanoplastik» zu verstehen

und welche Formen werden unterschieden?

55 Warum sind Instrumente für eine Nasenoperation

­bajonett- oder kniegebogen?

55 In welche drei Abschnitte wird der Rachen eingeteilt?

55 Warum müssen Tonsillen nach ihrer Entfernung

­z wingend mit der Seitenlokalisation beschriftet zur

histologischen Untersuchung gegeben werden?

55 Bei einer «Neck-Dissektion» werden, je nach Befund,

unterschiedliche anatomische Strukturen entfernt.

Definieren Sie die verschiedenen Formen der «NeckDissektion».


14


374


Kapitel 14 · HNO-Heilkunde


Literatur

Beise U, Heimes S, Schwarz W (2013) Gesundheits- und Krankheitslehre.

3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York

Boenninghaus HG, Lennarz T (2012) Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

für Studierende der Medizin, 14. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg

New York

Liehn M, Lengersdorf B, Steinmüller L, Döhler JR (2015) OP-Handbuch.

6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York

Reis M (2009) Facharztwissen HNO. Springer, Berlin Heidelberg New York


14


375


Neurochirurgie

Tanja Sadelfeld, Jens Köpcke, Margret Liehn


15.1


Anatomie


15.2


Krankheitsbilder


15.2.1

15.2.2

15.2.3

15.2.4


Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Aneurysma – 380

Hirntumor – 382

Hydrozephalus – 383


Literatur


– 376

– 378

– 378


– 384


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_15


15


376


Kapitel 15 · Neurochirurgie


Lernziele


15.1


55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen

operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in der

Neurochirurgie und sind in der Lage, bei diesen Eingriffen

vorausschauend und situationsgerecht zu instrumentieren.

55 Dazu verschaffen sie sich einen Überblick über die entsprechenden Krankheitsbilder in der Neurochirurgie,

­deren Ursachen, Klinik, Diagnostik- und Behandlungsverfahren und deren typische Komplikationen.

55 Deshalb erarbeiten sie sich entsprechende Kenntnisse

der anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Gegebenheiten und der speziellen Mikrobiologie. Sie kennen die Medikamente, die im Rahmen dieser

Verfahren häufig eingesetzt werden.

55 Sie können die notwendigen speziellen operations- und

eingriffsspezifischen Patientenlagerungen allein oder

mit Hilfe von anderen (Operateur) herbeiführen bzw. die

Qualität der Patientenlagerung kontrollieren.

55 Die Auszubildenden können das Grundinstrumentarium

und die speziellen Instrumente, Geräte und Materialien,

die bei Operationen in der Neurochirurgie zur Anwendung kommen, auswählen, diese Instrumente fach- und

sachgerecht einsetzen und deren Wirkung erklären.


15


Anatomie


Am Schädel (knöchernes Kopfskelett, Kranium) können

Hirnschädel (Schädelkapsel, Neurokranium) und Gesichts­

schädel (Viszerokranium) unterschieden werden.

Der Hirnschädel wird noch einmal in Schädeldach (Schä­

delwölbung, Calvaria) und Schädelbasis (Basis cranii) aufge­

teilt. Der Schädel beinhaltet u. a. das Gehirn, das wir in vier

Bereiche einteilen (. Abb. 15.1):

44Großhirn,

44Zwischenhirn,

44Mittelhirn und

44Kleinhirn.


Bei einem Einsatz in der Neurochirurgie werden Sie Opera­

tionen am Gehirn, dem Rückenmark sowie den Nerven sehen

und begleiten. Da in diesen Bereichen viele sehr kleine wich­

tige Strukturen enthalten sind, werden die operativen Ein­

griffe in der Regel mikrochirurgisch, also unter dem

Operations­mikroskop (7 Abschn. 2.6) durchgeführt. Um re­

lativ schonend am Gehirn operieren zu können, werden sehr

viele technische Geräte zur Unterstützung benötigt. Die Vor­

bereitung und Anwendung darf nur unter Berücksichtigung

der Vor­gaben des MPG erfolgen.

In diesem Kapitel werden nur Operationen am Kopf be­

schrieben, Eingriffe an der Wirbelsäule sind in 7 Abschn. 8.8

beschrieben.


Das Großhirn wird durch eine sog. Längsspalte (Fissura lon­

gitudinalis cerebri) in eine rechte und eine linke Hirn­hälfte

(Hemisphäre) geteilt. Beide Hirnhälften durchziehen jeweils

eine Zentralfurche (Sulcus centralis) und eine seitliche Hirn­

furchte (Sulcus lateralis). Von den Hirnfurchen ausgehend,

können beide Hirnhälften in vier Hirnlappen unterteilt wer­

den (. Abb. 15.2):

44Stirnlappen (Lobus frontalis)

44Scheitellappen (Lobus parietalis)

44Schläfenlappen (Lobus temporalis)

44Hinterhauptlappen (Lobus occipitalis)

Im Gehirn gibt es vier Hohlräume, die Ventrikel. Sie sind

­kleine Höhlen im Gehirn und sind mit Liquor (Gehirn­wasser)

gefüllt. Der 1. und 2. Ventrikel liegen jeweils in der rechten

und linken Großhirnhälfte, deshalb werden sie auch Seiten­

ventrikel genannt. Sie sind untereinander verbunden. Am

Foramen Monroi schließt sich der 3. Ventrikel an, er liegt im

Zwischenhirn. Danach folgt der 4. Ventrikel, der ins Rücken­

mark übergeht. Er hat auch eine Verbindung zu den äußeren

Liquorräumen.

Der Liquor regelt den Hirninnendruck, hält das Hirn­

volumen aufrecht, schützt das Hirn und die Nerven und ver­


..Abb. 15.1 Aufbau des Gehirns.

Aus: Pluntke S (2013) Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst. Springer, Berlin Heidelberg

New York


Großhirn


Balken


Thalamus


Zwischenhirn


Hypothalamus

Mandelkern


Kleinhirn

Hirnstamm

verlängertes Rückenmark


377

15.1 · Anatomie


..Abb. 15.2 Ansicht der linken Großhirnund Kleinhirnhälfte. Adaptiert nach Tillmann

BN (2016) Atlas der Anatomie des Menschen,

DOI 10.1007/978-3-662-49288-8_2, Springer,

Berlin Heidelberg New York


Zentralfurche

(Sulcus centralis)

Stirnlappen

(Lobus frontalis)


Scheitellappen

(Lobus parietalis)


Seitenfurche

(Sulcus centralis)


Hinterhauptlappen

(Lobus occipitalis)


Schläfenlappen

(Lobus temporalis)

Kleinhirn

(Cerebellum)


..Abb. 15.3 Deckschichten des Gehirns.

Adaptiert nach ­Birbaumer N (2010) Biologische

Psychologie. Springer, Berlin Heidelberg

New York


Spinnengewebshaut

harte Hirnhaut

linke

Großhirnhälfte


Schädeldachknochen

Kopfhaut


Stirnlappen

Schläfenlappen

Kleinhirn

Medulla spinalis


vordere u. hintere

Spinalwurzel

Wirbelkanal


Arachnoidalraum

Dura mater spinalis

Wirbelkörper

Spinalganglion

A. vertebralis


sorgt diese mit Nährstoffen.Wenn wir einen Schädel eröffnen,

erkennen wir die einzelnen Schichten, bis wir auf das Hirn

treffen (. Abb. 15.3):

44Kopfhaut,

44Kopfschwarte mit Muskulatur,

44lockeres Bindegewebe,

44Periost,

44Schädeldachknochen,

44harte Hirnhaut (Dura mater),

44Arachnoidea (Spinnengewebshaut),

44äußerer Liquorraum,


44weiche Hirnhaut (Pia mater),

44Hirn.

Das Gehirn wird über die rechte und linke Halsschlagader

(Aa. carotides) sowie die beiden Wirbelarterien (Aa. verte­

bralis) versorgt. Sie verbinden sich im Hirn zu dem Circulus

arteriosus Willisii. Von ihm gehen weitere Arterien ab, die das

Hirn versorgen.

Der venöse Rückfluss erfolgt über die harte Hirnhaut und

dann über die Halsvene (V. jugularis) in die obere Hohlvene

(V. cava) ins Herz.


15


378


Kapitel 15 · Neurochirurgie


j

jNervensystem


Subdurales Hämatom


Das Nervensystem unterteilen wir in zwei große Bereiche:

44Zentrales Nervensystem (ZNS), dazu gehören das Gehirn

und das Rückenmark. Die Nervenfasern verbinden die

Gehirnzellen mit den Sinnesorganen und den Muskeln.

44Peripheres Nervensystem (PNS), das die Peripherie des

Körpers mit dem Nervensystem verbindet. Das unwill­

kürliche, vegetative Nervensystem überwacht und lenkt

Funktionen der inneren Organe.


Von einem subduralen Hämatom sprechen wir bei einer Blu­

tung zwischen der Dura und der Arachnoidea, es kann chro­

nisch oder akut auftreten. Das chronisch subdurale Hämatom

entwickelt sich langsam, über Wochen bis Monate nach dem

Trauma, das akute tritt sofort nach dem Trauma auf.

Die Behandlung eines akuten subduralen Hämatoms

ist die notfallmäßige bzw. dringliche operative Entfernung

des Blutes, um die Kompression des Gehirns zu beseitigen.

Beim akuten subduralen Hämatom muss die Blutungsquelle

aufgesucht und versorgt werden. Dazu erfolgt die Eröffnung

des Schädels, indem ein Knochenstück ausgesägt wird

(Kranio­tomie), die Dura eröffnet und die Blutung gestillt

wird.

Beim chronischen subduralen Hämatom dagegen reicht

es aus, das Hämatom über ein Bohrloch in den Schädelkno­

chen (Trepanation) zu entfernen. Der Schädelknochen wird

mit einem Trepan (s. u.: OP-Ablauf Kraniotomie) aufgebohrt,

die Dura schlitzförmig eröffnet und das koagulierte Häma­

tom ausgespült.


Das vegetative Nervensystem wird noch mal in zwei Syste­

me eingeteilt:

44den Sympathikus, der anregend und mobilisierend wirkt,

44den Parasympathikus, der bremst und beruhigt.

Zum peripheren Nervensystem gehören 12 paarige Hirnner­

ven, die zu den Kopf- und Rachenorganen führen. Sie haben

sensorische und motorische Aufgaben (z. B. Geruchsemp­

findung oder Zungenbewegung).

15.2


Krankheitsbilder


15.2.1


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