Personelle Strukturen – 445
Aufgaben der Notaufnahme – 446
Stufenkonzept der Notfallbehandlung – 447
Aufnahme und Ersteinschätzung/Triagierung – 448
20.2
Allgemeine Arzneimittellehre
20.2.1
20.2.2
20.2.3
20.2.4
20.2.5
20.2.6
20.2.7
20.2.8
20.2.9
Begriffsbestimmung – 449
Darreichungsformen von Arzneimitteln – 450
Stellen der Arzneimittel – 452
Lagerung von Arzneimitteln – 453
Nebenwirkung der Medikamentenapplikation – 454
Pharmakokinetik und Pharmakodynamik – 455
Arzneimittelwirkung – 455
Betäubungsmittelgesetz (BtMG) – 459
Medikamentenmissbrauch – 459
20.3
Grundlagen der Chirurgie
20.3.1
20.3.2
Wunden – 460
Verbandlehre – 462
20.4
Anatomie und Physiologie des Blutes
Literatur
– 444
– 449
– 460
– 466
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_20
– 464
20
444
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
Lernziele
55 Die Auszubildenden können bei der speziellen Ablauf
organisation in einer Ambulanz/Notfallaufnahme mitwir
ken und die Patienten in der Ambulanz/Notfallaufnahme
fachkundig aufnehmen, begleiten und betreuen. Sie
können bei der Versorgung von Patienten in der Ambu
lanz/Notfallaufnahme fachkundig assistieren.
55 Sie sind mit den Routineabläufen der Patientenversor
gung, Verwaltung und Materiallogistik vertraut.
55 Zudem kennen die die Wirkungen und Nebenwirkungen
der geläufigen Medikamente und wissen, wie diese
Medikamente verabreicht werden und wie sie die
Wirkungen bzw. Nebenwirkungen bei den Patienten
beobachten und wahrnehmen können.
55 Sie kennen die Vorschriften des Betäubungsmittel
gesetztes und dessen ausführende Bestimmungen.
55 Die Auszubildenden können auf Anordnung subkutane
und intramuskuläre Injektionen selbstständig durch
führen sowie
55 Infusionen, Punktionen, intravenöse Injektionen, intra
arterielle Injektionen fachgerecht vorbereiten und
bei der Durchführung dieser Maßnahmen mitwirken.
55 Sie können Wunden fachgerecht versorgen bzw. bei
der Versorgung assistieren. Sie können aseptische Wund
verbände, Stützverbände, Schutzverbände und immo
bilisierende Verbände (Kunststoff/Gips/Schienen) anle
gen bzw. bei der Anlage assistieren.
20.1
Zentrale Notaufnahme
Maret Auerbach, Robert Buder, Jochen Kircheis
20
Die Notaufnahmen bilden die klassische Schnittstelle zwi
schen ambulanter und stationärer Versorgung. Fast alle medi
zinischen Fachdisziplinen sind hier vertreten und arbeiten
entsprechend zusammen.
Für den Begriff der Notaufnahme werden oft Synonyme
verwendet. In einigen Kliniken spricht man von Rettungs
stellen, Notfallambulanz, dem Notfallzentrum oder der Ersten
Hilfe. Auch wenn überall erste Patientenversorgungen statt
finden, gibt es einige klinikinterne Unterschiede. Notauf
nahme ist demnach nicht gleich Notaufnahme.
Die Zentralisierung der Patientenbehandlung in einer
möglichst zentralen Notaufnahme ist die erforderliche und
erstrebenswerte Organisationsform vieler Kliniken. Grund
dafür sind die gesetzlich induzierten Aufweichungen von
ambulanten und stationären Sektoren und die dadurch ent
stehenden unterschiedlichen Behandlungsformen sowie der
konsekutive Anstieg von Fallzahlen. In einigen deutschen
Kliniken werden derzeit bereits Zentrale Notaufnahmen
(ZNA) betrieben. Sie sind gemeinsame Anlaufstelle für Not
fallpatienten aller Fachdisziplinen sowie rettungsdienstlich
versorgten Notfallpatienten, die nicht auf Intensivstationen
oder in spezielle Fachbereiche eingewiesen werden. Zu den
Fachdisziplinen gehören u. a.: Chirurgie, Innere Medizin,
Neurologie, HNO, Augenheilkunde, Urologie usw.
Ausgenommen von der ZNA und gesondert aufgeführt
sind eigenständige Kindernotaufnahmen sowie gynäkologi
sche Ambulanzen. Durch die ZNA wird eine hohe medizini
sche und pflegerische Qualität der Notfallversorgung auf
effiziente Weise sichergestellt. Die Strukturen und Prozesse
sind so gestaltet, dass eine effektive, zeitsparende Versorgung
und hohe Zufriedenheit der Patienten sowie ihrer Angehöri
gen sichergestellt werden kann. Dennoch gibt es nach wie vor
viele kleinere, eigenständige, den Fachdisziplinen zugeord
nete Notaufnahmen innerhalb der Kliniken. Diese werden
mehr oder weniger als interdisziplinär betriebene Funktions
einheiten bezeichnet und in Zukunft weiterhin häufiger zu
finden sein.
»» Das Aufgaben- und Leistungsspektrum der Notaufnah
men besteht v. a. in der Sichtung (Beurteilung der Er
krankungs- und Verletzungsschwere), zeitnaher Diagnos
tik und Einleitung einer Initialtherapie. Schließlich die
Zuordnung zu einer Fachrichtung im Haus bei stationä
ren Patienten oder Abschluss der Therapie mit Empfeh
lungen zur Weiterbehandlung bei ambulanten Patienten.
(Aus: http://www.gn-netzwerk.de/inhalt-Was_ist_eine_
zentrale_Notaufnahme_-66-0-110.html; Letzter Zugriff
12.07.2017)
Die Notaufnahme ist aus ökonomischer Sicht sinnvoll und
auch im Sinne der kompetenten Versorgung das Aushänge
schild der Klinik. Denn hier entsteht für viele Patienten und
auch ihre Angehörigen der erste und wichtigste Kontakt.
20.1.1
Der erste Eindruck zählt
Es gibt nur wenige Dinge, die bei Patienten einen derart nach
haltig negativen Eindruck hinterlassen, wie der Umstand, in
Krisensituationen nicht adäquat und empathisch versorgt
worden zu sein. Die fachliche und soziale Kompetenz der
Mitarbeiter jeder Notaufnahme sollte sich dadurch zeigen,
dass Patienten und deren Angehörige eine korrekte und
freundliche Ansprache erhalten. Außerdem sollte die Vermit
lung eindeutiger und zielfördernder Informationen im Mit
telpunkt stehen. Die empathische und kongruente Kommu
nikation mit dem Patienten sollte vordergründig sein.
Doch leider werden solche Dinge viel zu oft vernachläs
sigt. Oft bekommen Angehörige und Patienten den Eindruck,
dass es in den Notaufnahmen hektisch abläuft, was häufig mit
einer schlechten Organisation gleichgestellt wird. Dies ist al
lerdings dem Umstand geschuldet, dass viele Patientenversor
gungen nicht planbar sind und daraus sich dieses Bild für
den Laien ergeben kann. Aus diesem Umstand resultieren
zunehmend längere Wartezeiten, in denen der Patient sich
evtl. allein und zurückgelassen fühlt. An dieser Stelle kann die
nötige Kommunikation (s. 7 Kap. 24) und Aufklärung durch
das Personal dem Patienten helfen.
Der Patient ist dank Medien und Internetpräsenz aufge
klärt, kritisch und kommt bereits mit Erwartungen in die Kli
nik. Manche Patienten mit chronischen Erkrankungen wissen
besser über Ihre Erkrankung Bescheid, als der Arzt. Stimmen
445
20.1 · Zentrale Notaufnahme
dann die eigenen Erkenntnisse mit der Realität nicht überein,
macht sich ein Defizit in der Versorgungsqualität bemerk
bar und das Vertrauen in die medizinische Kompetenz wird
egativ belastet.
n
20.1.2
Räumliche Voraussetzungen
Das Wichtigste ist die zentrale Lage der Notaufnahme, um
durch kurze Anbindungswege einen ungehemmten Fluss der
ablaufenden Prozesse gewährleisten zu können.
Dabei geht es um klinikinterne Schnittstellen wie die In
tensivstation, OP-Trakt, aber auch die unterschiedlichen
Funktionsdiagnostik-Abteilungen. Alles sollte auf kürzestem
Weg erreichbar sein. Klinikexterne Schnittstellen betreffen
den Zugang zur Notaufnahme. Wichtig ist es, optimale Vor
aussetzungen zu schaffen für die Anfahrt der Rettungsdienst
fahrzeuge sowie die direkte Patientenanfahrt für gehfähige
oder rollstuhlfahrende Patienten.
Zu der baulichen Voraussetzung gehört v. a. die Isolier
einheit. Sie ist heute aus keiner zentralen Notaufnahme
mehr wegzudenken. Patienten mit entsprechender Verdachts
diagnose oder bereits bestehender Diagnose einer übertrag
baren Krankheit sind unbedingt frühzeitig zu isolieren.
Das Besondere an dieser Einheit ist, dass es hier eine ab
geschlossene Schleuse mit ggf. separatem Zugang von außen
gibt. Somit können andere Patienten rechtzeitig vor infektiö
sem Kontakt bewahrt werden.
Die Raumordnung gibt im Einzelnen lediglich vor, dass
eine ausreichende Fläche zum Arbeiten und Bewegen ge
währleistet sein muss. Zu berücksichtigen sind die verschie
denen diagnostischen und therapeutischen Notfallmaßnah
men. Es ist dafür zu sorgen, dass in der unmittelbaren Nähe
eine Röntgendiagnostik zu Verfügung steht.
Fußböden und Wandflächen müssen fugendicht, ab
waschbar und mit anerkannten Desinfektionsmitteln und
-verfahren zu reinigen sein. Ebenfalls müssen sämtliche
Oberflächen der Einrichtungsgegenstände und technischen
Geräte die Fähigkeit der leichten Reinigung und Desinfektion
aufweisen.
Wichtig sind Waschbecken, möglichst ohne Überlauf, da
mit sich dort keine Keime bilden können. Der Wasserstrahl
darf nicht direkt in die Abflussöffnung gerichtet sein.
Darüber hinaus sollte der Anfahrtsweg der Rettungs- und
Krankentransportwagen sinnvoll bedacht sein, sodass mit
den Notfallpatienten lediglich eine möglichst kurze Distanz
zurückgelegt werden muss.
Viele Notaufnahmen verfügen über eine Zufahrtsschleuse.
Das heißt, dass es eine regengeschützte Halle für die Fahr
zeuge der Notfallrettung gibt, die direkt mit der Notaufnahme
verbunden ist.
20.1.3
Personelle Strukturen
Der Ablauf in einer Notaufnahme ist neben technischen Vor
gängen in erster Linie vom Personal geprägt. In einer optima
len Versorgungsstruktur im Sinne der ZNA, mit Aufnahmeund Funktionsdiagnostikbereich, sind folgende differenzierte
Disziplinen anzutreffen.
Ärztlicher Dienst
Die ZNA sollte stets durch je einen Facharzt für Innere Medi
zin, Chirurgie, Anästhesie oder Allgemeinmedizin besetzt
sein. Auch Ärzte anderer Fachgebiete wie etwa Neurologie
sind je nach Ausrichtung des Krankenhauses als Leitung einer
zentralen Notaufnahme denkbar. Über einen kurzen Zeit
raum sollte eine strukturierte ärztliche Ausbildung in klini
scher Notfallmedizin absolviert werden, denn aufgrund der
Komplexität der medizinischen und organisatorischen Auf
gaben ist eine eigenständige ärztliche Leitung eine zwingende
Notwendigkeit, um der wachsenden Bedeutung zentraler
Notaufnahmen gerecht zu werden.
Neben der eigentlichen Leitungsfunktion benötigt der
ärztliche Leiter ein umfassendes Kostenbewusstsein und das
nötige Fingerspitzengefühl im personellen als auch materiel
lem Management.
Die ärztlichen Mitarbeiter sind mit den allgemeinen ver
sorgenden Strukturen verflochten und beschäftigen sich von
der Aufnahme im Sinne der Anamnese, der körperlichen
Untersuchung, eines Ruhe-EKG, Blutentnahme, Initialthera
pie usw. über die Funktionsdiagnostik bis hin zu kleinen oder
notfallmäßigen operativen Eingriffen.
Zum Bereich der Funktionsdiagnostik zählen Aufgaben
wie Echokardiographie, Endoskopie, Doppler-/Duplexsono
graphie sowie radiologische Untersuchungen jeglicher Art
einschließlich Computertomographie und Kernspinuntersu
chungen.
Sinnvollerweise bleiben der Aufnahmebereich und die
Funktionsdiagnostik dabei strukturell vernetzt, um eine kon
tinuierliche Versorgung des Patienten zu ermöglichen.
Zusätzlich zu den medizinischen Versorgungspflichten
kommen seit Einführung des fallpauschalisierten Entgelt
systems zunehmende Dokumentationsanforderungen auf die
Ärzte zu. Sie erstrecken sich von der Planung der Behandlung
über den Aufnahmeprozess bis hin zum Entlassungs- oder
Verlegungsprozess. Dafür gibt es eine Reihe vorgefertigter
und erforderlicher Dokumente.
Pflegerisches Personal
Auch dieser Bereich muss durch eine eigene Leitung geführt
werden.
Analog zum ärztlichen Sektor erstreckt sich das Tätig
keitsfeld der Pflege ebenfalls über Aufnahme- und Funktions
diagnostik. Zusätzlich verfügt das Pflegepersonal über eine
umfangreichere Basisausbildung in der Durchführung admi
nistrativer Aufgaben, die insbesondere für diesen Pflege
bereich von hoher Relevanz ist.
Eine Trennung dieser beiden Tätigkeitsfelder ist hier
ebenso wenig erwünscht wie sinnvoll, wenn es um die kom
petente Versorgung des Patienten geht.
Nichtärztliches Personal in der Ausbildung wird sich wei
testgehend mit den Grundlagen und Basisaufgaben in diesem
Bereich beschäftigen. Dies gilt v. a. für angehende Gesund
20
446
Kapitel 20 · Ambulanz bzw. Notfallaufnahme
»Clinical Pathways« setzt Standards für Behandlungsprozesse
Heute
Reduktion von Pfaden durch
Evidenz basierte Medizin
Aunswahl eines
kostenoptimalen Pfades
Behandlung B
Behandlung B
Behandlung A
Behandlung B
Diagnose
»x«
Behandlung C
Diagnose
»x«
Diagnose
»x«
Behandlung D
Behandlung E
Behandlung E
Effektivität
Effizienz
RWI
Quelle: ADMED-Analyse
..Abb. 20.1
Schematische Darstellung zur Erstellung eines Behandlungsprozesses. (Adaptiert nach ADMED)
heits- und Krankenpfleger, operationstechnische Assistenten
(OTA) und Notfallsanitäter.
Administration
20
ESSEN
ADMED
In diesem Bereich sind neben
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