Reduktionsdiät in der Praxis Reduktion Energiezufuhr ausgehend vom normalen Bedarf:
Normaler täglicher Energiebedarf pro kg KG
• Leichte körperl. Arbeit: ca. 32 kcal
• Mittelschwere Arbeit: ca. 37 kcal
• Schwere Arbeit: 40–48 kcal
• Ther. der Wahl (entsprechend der Empfehlung der Dt. Ges. für Ernährung): energiereduzierte Mischkost, v. a. Gemüse, Salate, Obst,
Vollkornteigwaren. Vorteile ggü. anderen Diätformen: bessere Langzeiterfolge, NW ↓, amb. möglich
• Energiezufuhr 1.000–2.000 kcal/d, davon ca. 20–30 % Eiweiß (hohe Wertigkeit), 30–40 % Fett (ungesättigte Fettsäuren ↑), 30–40 % KH (niedriger
glykämischer Index)
Aussagen der aktuellen S3-Leitlinie zu kommerziellen interdisziplinären Adipositas-Therapieprogrammen
• Adipositas Grad I u. II: M. O. B. I. L. I. S- (mittlerer Gew.-verlust 5 kg ♀ u. 5,9 kg ♂), Bodymed ® -Programm (mittlerer Gew.-verlust 9,8 kg)
• Adipositas Grad III: Optifast ® -Programm (m eist in ersten 3 Mon. Formula-Ernährung mit ca. 950 kcal, anschließend 3-monatige Phase mit
kalorienreduzierter Mischkost mit 1.000–1.500 kcal; begleitend verhaltensther./diätetische Schulung, bewegungsther. Anleitung, ärztl. Betreuung.
Kosten ca. € 3.000. Dropout-Rate 42 %)
• Empfehlung DGE-Programm „Ich nehme ab“, AOK-Programm „Abnehmen mit Genuss“ allenfalls zur Ther. Adipositas Grad I. Eingeschränkte
Empfehlung „WeightWatchers“-Programm zur Ther. Adipositas Grad I (geringe langfristige Gewichtsred., hohe Dropout-Rate)
Weitere Therapieformen
• Alternative Kostformen ( 17.5.3 )
• Operative Ther.: sog. bariatrische Chirurgie (Schlauchmagen, Magenband, -bypass). Ind.: BMI > 40 o. BMI > 30 mit Komorbiditäten (v. a. schwer
einstellbarem metab. Sy.). Erreichbare KG-Reduktion ca. 20–32 %
• Medikamentöse Ther. ( cave: Budget!): gemäß Leitlinien erst nach Absolvierung eines mind. 3-monatigen Basisprogramms (Schulung bzgl. Diät,
Motivation zur körperl. Bewegung, Verhaltensther.) indiziert. Hemmung pankreatischer Lipasen durch Orlistat (z. B. Xenical ® ) → Resorption
Nahrungsfette ↓. Ind.: komplementär bei BMI > 30 kg/m 2
. NW: Flatus, Fettstühle, Stuhldrang. KI: MAS, Cholestase, Grav., Stillzeit. WW: Nicht
gleichzeitig mit Fibraten, Acarbose, Biguaniden, Ciclosporin, Warfarin o. a. Antikoagulanzien, Amiodaron, Anorektika verordnen. Dosisreduktion
von Pravastatin (erhöhte NW-Rate!). Dos.: 3 × 120 mg/d zu den Hauptmahlzeiten. Cave: in niedriger Dos. frei verkäuflich. Erhebliche NW,
fraglicher langfristiger Nutzen.
Erhebliche individuelle Unterschiede im Ther.-Ansprechen. Medikation absetzen, wenn KG-Reduktion < 2 kg im 1. Mon.
Therapieüberwachung
• Vor Ther.: körperl. Unters. (Herz, Lunge, Leber, Niere), Labor (GGT, GOT, GPT, Krea, Urinstatus)
• Während Ther.: wöchentlich Serumkalium, Krea, Urinstatus, GGT, GPT, GOT. Tägl. Pat.-Selbstkontrolle: Gew., ausreichendes Urinvolumen (2 l/d)
Prognose Unabhängig von Kostform nur bei 10–20 % der Pat. langjährige Gewichtsabnahme.
17.5.3. Alternative Kostformen
Viele in der Laienpresse angepriesene Diäten. Unkritische Durchführung häufig sowohl von Gesunden als auch von Kranken. Gefahr der Mangelversorgung v.
a. bei Kindern nicht unterschätzen.
Kurzzeitdiäten bei Adipositas kontraindiziert. Meist nach kurzfristigem Diäterfolg noch stärkere Gewichtszunahme („Jo-Jo“-Effekt).
Atkins-Diät Eiweiß- u. Fettzufuhr unbeschränkt. KH-Zufuhr ⇊ (1. Wo. 10–15 g KH/d in Form von Sahne u. Salat, dann pro Wo. 5 g KH mehr). Bei
drastischer KH-Reduktion nicht möglich, normale Kalorienmenge nur durch Eiweiß u. Fett zuzuführen. Tägl. Einsparung von ca. 600–800 kcal. Cave: Übelkeit
durch Ketonkörperbildung. Triglyzeride ↑, Chol ↑. Nicht empfehlenswert. Dauererfolge sehr selten.
Bircher-Benner-Diät
• Strenge Form: viel Frisch-/Rohkost, Müsli, Rohsäfte, Nüsse, kalt gepresste Öle, Honig. Nicht als Dauerkost geeignet
• Erweiterte Form: zusätzlich Kartoffeln, Milch, -erzeugnisse (entspricht Laktovegetarismus). Kostzusammenstellung: mind. 50 % ungekochte
Nahrungsmittel. Kein Weißmehl, kein Zucker, jegliche Lebensmitteldenaturierung vermeiden. Bei korrekter Durchführung als Dauerkost geeignet
Diät nach Diamond „Fit for Life“ Mind. 70 % frisches, möglichst unverändertes Obst, Gemüse/Salat, 30 % andere KH, Eiweiß (u. a. Fisch, Fleisch) u.
Fette. Getrennte Aufnahme von Eiweißen u. KH, die nicht aus Gemüse o. Salaten stammen. Nahrungsaufnahme mit Ausnahme von Obst nur von 12:00–20:00
Uhr. Cave: Proteinversorgung.
Dr. Ritter 7-Tage-Körnerkur Enthält 800–1.000 kcal/d. d 1: Weizenschrot, d 2: Hirse, d 3: Hafergrütze, d 4: Naturreis, d 5: Gerstengrütze, d 6:
Dinkelgrütze, d 7: Getreidemischung. Getreide wird mit Obst, Gemüse, Joghurt, Magermilch, Honig, Nüssen, Käse zubereitet. Als
Ernährungsumstellungseinstieg evtl. geeignet, zur Gewichtsreduktion ungeeignet (s. o.).
Evers-Diät Wie Bircher-Benner (erweiterte Form), zusätzlich rohe Eier. Keine Blatt-, Kräuter- u. Stängelgemüse, keine scharfen Gewürze (z. B. Pfeffer,
Salz, Chili), Zucker, Weißmehl. Milchprodukte nur roh. Einsatz v. a. bei MS-Ther., Erfolge in Einzelfällen beschrieben.
Formula-Diäten Industriell hergestellter Mahlzeitenersatz idealerweise auf Molke-, aber auch auf Soja-/Kaseinbasis mit bilanziertem Gehalt an (möglichst
hochwertigem) Eiweiß, KH, essenziellen Fetten, zusätzlich Mineralstoff-, Spurenelement-, Vit.-Substitution. Ind.: BMI > 30, übergewichtsbedingte
RF/Krankheiten, v. a. im Rahmen von Gewichtsreduktionsprogrammen ( 17.5.2 ). Cave: nur mit ther. Gesamtkonzept (Verhaltensther.), engmaschiger ärztl.
Betreuung; Dosisanpassung RR-, BZ-senkender Medikamente. Cave: Qualitätsindikatoren für Mahlzeitenersatz (hochwertige Proteine, mikroverkapselte
Spurenelemente, Aminogramm, Mikronährstoff-/Ballaststoffanteil!).
Glyx-Diät Glyx (≙ glykämischer Index): Insulinanstieg nach Zufuhr von 50 g eines bestimmten Lebensmittels. Diät nach Tab. mit glykämischem Index.
Nahrungsmittel mit niedrigem Glyx empfohlen, z. B. Vollkornbrot, -reis, -nudeln, Hülsenfrüchte, verschiedene Gemüse, Obst. „Verbotene“ Nahrungsmittel
(hoher Glyx): z. B. Zucker, Honig, Schokolade, Eis, Marmelade, Ananas, Bananen u. a. Problem: Glykämischer Index eines Nahrungsmittels allein bedingt
nicht direkt glykämische Antwort. Nahrungsmittelindex ist keine absolute Konstante, sondern ändert sich z. B. durch Zubereitung/Komb. mit Eiweiß.
Hay-Trennkost Trennung von Protein- u. KH-Aufnahme, vorwiegend laktovegetabile Kost (< 100 g Fleisch tägl., 30–60 g Fett tägl., hoher
Ballaststoffgehalt); keine denaturierten Lebensmittel (Zucker, Weißmehl, Konserven). Unausgewogene Lebensmittelauswahl, Enzym- u. Säuretheorie
wissenschaftlich nicht begründet → nicht empfehlenswert.
Heilfasten nach Buchinger (Fahrner, Lützner) 3 Wo. lang Kräutertee, Gemüsebrühe, frisch gepresste Obstsäfte, tägl. 1 l Mineralwasser ohne
Kohlensäure. Regelmäßige Darmentleerung, angepasste Bewegungsther. Nach 3 Wo. stufenweiser Kostaufbau. Ind.: chron. ernährungsbedingte Krankheiten.
Nur an Fachkliniken mit ausgebildeten Fastenärzten. Cave: Muskelabbau → Grundumsatz ↓ → „Jo-Jo“-Effekt!
Hollywood-Diät Eiweißreich, fett-, KH-arm; v. a. magere Eiweißträger (Eier, Fleisch, Schinken, Fisch), Salate (ohne Öl), Obst, Gemüse. Meist nur 1–2
Mahlzeiten/d, z. B. Mittagessen: Rohkostsalat, Abendessen: gekochter Schinken ohne Fettrand in unbegrenzter Menge. Cave: nur für max. 2–3 Wo. auf Pat.- Wunsch.
„Krebsdiäten“ Teilweise widersprüchliche Diätprinzipien (z. B. Diäten nach Warburg, Gerson). Charakt.: Verzicht auf „entwertete“ KH (Zucker, Weißmehl), Milchprodukte, Fett, Fisch u. Fleisch. Stattdessen Vollkornprodukte, Obst-, Gemüsesäfte (mit teils skurrilen Zubereitungsvorschriften). Milchsäure
in kleinen Mengen. Wirksamkeit trotz zahlreicher Studien nicht erwiesen.
Kushi-Diät Makrobiotische Ernährungsform. Geringer Fett-, hoher Ballaststoffgehalt. Nahrungsbestandteile: zur Hälfte Vollgetreide, 30 % Frischgemüse,
15 % Hülsenfrüchte u. Tofu (Sojaeiweiß), 5 % Algengemüse. 1–2 ×/Wo. weißfleischiger Fisch. Geeignete Diätform auf Pat.-Wunsch bei korrekter
Durchführung.
Leberfasten nach Dr. Worm Evidenzbasiert; pos. Studienlage bzgl. Ther. NAFLD, metab. Syndrom; 3 ×/d Formula mit hoch dosierten Ballaststoffen aus
Hafer (Betaglukane + leberwirksame Mikronährstoffe), angelehnt an frühere „Hafertage“ zur Ther. des Diab. mell.; mittags/abends Ergänzung durch
Ballaststoffe aus Gemüse/Salat. Hohe Trinkmenge. Konsequente ärztl. Begleitung, regelmäßige FLI-Bestimmung ( 8.7.3 ).
LOGI-Methode L ow G lycemic and I nsulinemic D iet (Prinzip des niedrigen glykämischen Index) . KH-Reduktion, aufbauend auf Empfehlungen für
übergewichtige Kinder u. Jgl. von David Ludwig (Director Obesity Program, Adipositasambulanz Harvard-Universitätskinderklinik) zur Minderung der
glykämischen Last. In D Modifizierung unter Evidenzkriterien (N. Worm). Ziel: konstant niedrige BZ-Spiegel → Sättigung ↑, Fettverbrennung ↑. Hohe
Eiweiß-, Ballaststoff- u. Wasserzufuhr, niedrige Energiedichte. Aktuell Publikation mehrerer großer internationaler Multicenterstudien mit wissenschaftlichem
Nachweis der Wirksamkeit der LOGI-Methode (z. B. Diogenes-Studie 2010). Diabetes-Weltkongress: beste Ergebnisse bei KH ↓, fettarmer Kost deutlich
überlegen.
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