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3/29/26

 Reduktionsdiät in der Praxis Reduktion Energiezufuhr ausgehend vom normalen Bedarf:

Normaler täglicher Energiebedarf pro kg KG

• Leichte körperl. Arbeit: ca. 32 kcal

• Mittelschwere Arbeit: ca. 37 kcal

• Schwere Arbeit: 40–48 kcal

• Ther. der Wahl (entsprechend der Empfehlung der Dt. Ges. für Ernährung): energiereduzierte Mischkost, v. a. Gemüse, Salate, Obst,

Vollkornteigwaren. Vorteile ggü. anderen Diätformen: bessere Langzeiterfolge, NW ↓, amb. möglich

• Energiezufuhr 1.000–2.000 kcal/d, davon ca. 20–30 % Eiweiß (hohe Wertigkeit), 30–40 % Fett (ungesättigte Fettsäuren ↑), 30–40 % KH (niedriger

glykämischer Index)

Aussagen der aktuellen S3-Leitlinie zu kommerziellen interdisziplinären Adipositas-Therapieprogrammen

• Adipositas Grad I u. II: M. O. B. I. L. I. S- (mittlerer Gew.-verlust 5 kg ♀ u. 5,9 kg ♂), Bodymed ® -Programm (mittlerer Gew.-verlust 9,8 kg)

• Adipositas Grad III: Optifast ® -Programm (m eist in ersten 3 Mon. Formula-Ernährung mit ca. 950 kcal, anschließend 3-monatige Phase mit

kalorienreduzierter Mischkost mit 1.000–1.500 kcal; begleitend verhaltensther./diätetische Schulung, bewegungsther. Anleitung, ärztl. Betreuung.

Kosten ca. € 3.000. Dropout-Rate 42 %)

• Empfehlung DGE-Programm „Ich nehme ab“, AOK-Programm „Abnehmen mit Genuss“ allenfalls zur Ther. Adipositas Grad I. Eingeschränkte

Empfehlung „WeightWatchers“-Programm zur Ther. Adipositas Grad I (geringe langfristige Gewichtsred., hohe Dropout-Rate)

Weitere Therapieformen

• Alternative Kostformen ( 17.5.3 )

• Operative Ther.: sog. bariatrische Chirurgie (Schlauchmagen, Magenband, -bypass). Ind.: BMI > 40 o. BMI > 30 mit Komorbiditäten (v. a. schwer

einstellbarem metab. Sy.). Erreichbare KG-Reduktion ca. 20–32 %

• Medikamentöse Ther. ( cave: Budget!): gemäß Leitlinien erst nach Absolvierung eines mind. 3-monatigen Basisprogramms (Schulung bzgl. Diät,

Motivation zur körperl. Bewegung, Verhaltensther.) indiziert. Hemmung pankreatischer Lipasen durch Orlistat (z. B. Xenical ® ) → Resorption

Nahrungsfette ↓. Ind.: komplementär bei BMI > 30 kg/m 2

. NW: Flatus, Fettstühle, Stuhldrang. KI: MAS, Cholestase, Grav., Stillzeit. WW: Nicht

gleichzeitig mit Fibraten, Acarbose, Biguaniden, Ciclosporin, Warfarin o. a. Antikoagulanzien, Amiodaron, Anorektika verordnen. Dosisreduktion

von Pravastatin (erhöhte NW-Rate!). Dos.: 3 × 120 mg/d zu den Hauptmahlzeiten. Cave: in niedriger Dos. frei verkäuflich. Erhebliche NW,

fraglicher langfristiger Nutzen.

Erhebliche individuelle Unterschiede im Ther.-Ansprechen. Medikation absetzen, wenn KG-Reduktion < 2 kg im 1. Mon.

Therapieüberwachung

• Vor Ther.: körperl. Unters. (Herz, Lunge, Leber, Niere), Labor (GGT, GOT, GPT, Krea, Urinstatus)

• Während Ther.: wöchentlich Serumkalium, Krea, Urinstatus, GGT, GPT, GOT. Tägl. Pat.-Selbstkontrolle: Gew., ausreichendes Urinvolumen (2 l/d)

Prognose Unabhängig von Kostform nur bei 10–20 % der Pat. langjährige Gewichtsabnahme.

17.5.3. Alternative Kostformen

Viele in der Laienpresse angepriesene Diäten. Unkritische Durchführung häufig sowohl von Gesunden als auch von Kranken. Gefahr der Mangelversorgung v.

a. bei Kindern nicht unterschätzen.

Kurzzeitdiäten bei Adipositas kontraindiziert. Meist nach kurzfristigem Diäterfolg noch stärkere Gewichtszunahme („Jo-Jo“-Effekt).

Atkins-Diät Eiweiß- u. Fettzufuhr unbeschränkt. KH-Zufuhr ⇊ (1. Wo. 10–15 g KH/d in Form von Sahne u. Salat, dann pro Wo. 5 g KH mehr). Bei

drastischer KH-Reduktion nicht möglich, normale Kalorienmenge nur durch Eiweiß u. Fett zuzuführen. Tägl. Einsparung von ca. 600–800 kcal. Cave: Übelkeit

durch Ketonkörperbildung. Triglyzeride ↑, Chol ↑. Nicht empfehlenswert. Dauererfolge sehr selten.

Bircher-Benner-Diät

• Strenge Form: viel Frisch-/Rohkost, Müsli, Rohsäfte, Nüsse, kalt gepresste Öle, Honig. Nicht als Dauerkost geeignet

• Erweiterte Form: zusätzlich Kartoffeln, Milch, -erzeugnisse (entspricht Laktovegetarismus). Kostzusammenstellung: mind. 50 % ungekochte

Nahrungsmittel. Kein Weißmehl, kein Zucker, jegliche Lebensmitteldenaturierung vermeiden. Bei korrekter Durchführung als Dauerkost geeignet

Diät nach Diamond „Fit for Life“ Mind. 70 % frisches, möglichst unverändertes Obst, Gemüse/Salat, 30 % andere KH, Eiweiß (u. a. Fisch, Fleisch) u.

Fette. Getrennte Aufnahme von Eiweißen u. KH, die nicht aus Gemüse o. Salaten stammen. Nahrungsaufnahme mit Ausnahme von Obst nur von 12:00–20:00

Uhr. Cave: Proteinversorgung.

Dr. Ritter 7-Tage-Körnerkur Enthält 800–1.000 kcal/d. d 1: Weizenschrot, d 2: Hirse, d 3: Hafergrütze, d 4: Naturreis, d 5: Gerstengrütze, d 6:

Dinkelgrütze, d 7: Getreidemischung. Getreide wird mit Obst, Gemüse, Joghurt, Magermilch, Honig, Nüssen, Käse zubereitet. Als

Ernährungsumstellungseinstieg evtl. geeignet, zur Gewichtsreduktion ungeeignet (s. o.).

Evers-Diät Wie Bircher-Benner (erweiterte Form), zusätzlich rohe Eier. Keine Blatt-, Kräuter- u. Stängelgemüse, keine scharfen Gewürze (z. B. Pfeffer,

Salz, Chili), Zucker, Weißmehl. Milchprodukte nur roh. Einsatz v. a. bei MS-Ther., Erfolge in Einzelfällen beschrieben.

Formula-Diäten Industriell hergestellter Mahlzeitenersatz idealerweise auf Molke-, aber auch auf Soja-/Kaseinbasis mit bilanziertem Gehalt an (möglichst

hochwertigem) Eiweiß, KH, essenziellen Fetten, zusätzlich Mineralstoff-, Spurenelement-, Vit.-Substitution. Ind.: BMI > 30, übergewichtsbedingte

RF/Krankheiten, v. a. im Rahmen von Gewichtsreduktionsprogrammen ( 17.5.2 ). Cave: nur mit ther. Gesamtkonzept (Verhaltensther.), engmaschiger ärztl.

Betreuung; Dosisanpassung RR-, BZ-senkender Medikamente. Cave: Qualitätsindikatoren für Mahlzeitenersatz (hochwertige Proteine, mikroverkapselte

Spurenelemente, Aminogramm, Mikronährstoff-/Ballaststoffanteil!).

Glyx-Diät Glyx (≙ glykämischer Index): Insulinanstieg nach Zufuhr von 50 g eines bestimmten Lebensmittels. Diät nach Tab. mit glykämischem Index.

Nahrungsmittel mit niedrigem Glyx empfohlen, z. B. Vollkornbrot, -reis, -nudeln, Hülsenfrüchte, verschiedene Gemüse, Obst. „Verbotene“ Nahrungsmittel

(hoher Glyx): z. B. Zucker, Honig, Schokolade, Eis, Marmelade, Ananas, Bananen u. a. Problem: Glykämischer Index eines Nahrungsmittels allein bedingt

nicht direkt glykämische Antwort. Nahrungsmittelindex ist keine absolute Konstante, sondern ändert sich z. B. durch Zubereitung/Komb. mit Eiweiß.

Hay-Trennkost Trennung von Protein- u. KH-Aufnahme, vorwiegend laktovegetabile Kost (< 100 g Fleisch tägl., 30–60 g Fett tägl., hoher

Ballaststoffgehalt); keine denaturierten Lebensmittel (Zucker, Weißmehl, Konserven). Unausgewogene Lebensmittelauswahl, Enzym- u. Säuretheorie

wissenschaftlich nicht begründet → nicht empfehlenswert.

Heilfasten nach Buchinger (Fahrner, Lützner) 3 Wo. lang Kräutertee, Gemüsebrühe, frisch gepresste Obstsäfte, tägl. 1 l Mineralwasser ohne

Kohlensäure. Regelmäßige Darmentleerung, angepasste Bewegungsther. Nach 3 Wo. stufenweiser Kostaufbau. Ind.: chron. ernährungsbedingte Krankheiten.

Nur an Fachkliniken mit ausgebildeten Fastenärzten. Cave: Muskelabbau → Grundumsatz ↓ → „Jo-Jo“-Effekt!

Hollywood-Diät Eiweißreich, fett-, KH-arm; v. a. magere Eiweißträger (Eier, Fleisch, Schinken, Fisch), Salate (ohne Öl), Obst, Gemüse. Meist nur 1–2

Mahlzeiten/d, z. B. Mittagessen: Rohkostsalat, Abendessen: gekochter Schinken ohne Fettrand in unbegrenzter Menge. Cave: nur für max. 2–3 Wo. auf Pat.- Wunsch.

„Krebsdiäten“ Teilweise widersprüchliche Diätprinzipien (z. B. Diäten nach Warburg, Gerson). Charakt.: Verzicht auf „entwertete“ KH (Zucker, Weißmehl), Milchprodukte, Fett, Fisch u. Fleisch. Stattdessen Vollkornprodukte, Obst-, Gemüsesäfte (mit teils skurrilen Zubereitungsvorschriften). Milchsäure

in kleinen Mengen. Wirksamkeit trotz zahlreicher Studien nicht erwiesen.

Kushi-Diät Makrobiotische Ernährungsform. Geringer Fett-, hoher Ballaststoffgehalt. Nahrungsbestandteile: zur Hälfte Vollgetreide, 30 % Frischgemüse,

15 % Hülsenfrüchte u. Tofu (Sojaeiweiß), 5 % Algengemüse. 1–2 ×/Wo. weißfleischiger Fisch. Geeignete Diätform auf Pat.-Wunsch bei korrekter

Durchführung.

Leberfasten nach Dr. Worm Evidenzbasiert; pos. Studienlage bzgl. Ther. NAFLD, metab. Syndrom; 3 ×/d Formula mit hoch dosierten Ballaststoffen aus

Hafer (Betaglukane + leberwirksame Mikronährstoffe), angelehnt an frühere „Hafertage“ zur Ther. des Diab. mell.; mittags/abends Ergänzung durch

Ballaststoffe aus Gemüse/Salat. Hohe Trinkmenge. Konsequente ärztl. Begleitung, regelmäßige FLI-Bestimmung ( 8.7.3 ).

LOGI-Methode L ow G lycemic and I nsulinemic D iet (Prinzip des niedrigen glykämischen Index) . KH-Reduktion, aufbauend auf Empfehlungen für

übergewichtige Kinder u. Jgl. von David Ludwig (Director Obesity Program, Adipositasambulanz Harvard-Universitätskinderklinik) zur Minderung der

glykämischen Last. In D Modifizierung unter Evidenzkriterien (N. Worm). Ziel: konstant niedrige BZ-Spiegel → Sättigung ↑, Fettverbrennung ↑. Hohe

Eiweiß-, Ballaststoff- u. Wasserzufuhr, niedrige Energiedichte. Aktuell Publikation mehrerer großer internationaler Multicenterstudien mit wissenschaftlichem

Nachweis der Wirksamkeit der LOGI-Methode (z. B. Diogenes-Studie 2010). Diabetes-Weltkongress: beste Ergebnisse bei KH ↓, fettarmer Kost deutlich

überlegen.

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