B. bei keilförmigen
Abrasionsdefekten durch
falsche Putztechnik o. nach
Parodontalbehandlungen
Cave: Durch Schmelzabrasion
größeres Kariesrisiko
KO: kariöse Defekte
Spezielle Zahnpasten gegen empfindliche Zahnhälse
(Versiegeln freiliegender Dentinkanälchen),
Fluoridlack beim Zahnarzt
Zurückhaltung bei Analgetikaverordnung (Ausnahme: kein Zahnarzt verfügbar)! Betroffener Zahn kann vom Zahnarzt unter Analgesie nicht genau
lokalisiert werden. Bereitschaft, Zahnarzt aufzusuchen, nimmt im schmerzfreien Zustand erfahrungsgemäß ab.
25.2.3. Schmerzen nach operativen Eingriffen im Zahnbereich
Wundschmerz
Therapie Analgetikum/Antiphlogistikum (z. B. Ibuprofen 400 2–4 Tbl./d); bei > 2 d andauernden o. zunehmenden Schmerzen Überweisung zum Zahnarzt.
Wundheilungsstörungen
Definition Meist bakt. Inf. des Alveolarknochens nach Zahnextraktion (Dolor post extractionem), am häufigsten im Unterkiefer-Seitenzahnbereich.
Ätiologie Blutkoagel bildet sich nicht (trockene Alveole) o. zerfällt eitrig (→ Ostitis).
Klinik Am 2.–4. postop. Tag starke Wundschmerzen; fötider Geruch; evtl. Lymphadenitis, Temperatur ↑.
Therapie Durch Zahnarzt. Wenn nicht sofort möglich: vorsichtige Wundsäuberung; Spülung mit 3-proz. H 2 O 2
-Lsg.; Einbringen eines Drainagestreifens;
Analgetikaverordnung; antibiotische Ther. nur bei AZ-Verschlechterung o. bei Fokalinf. Cave: künstliche Herzklappen (z. B. Endokarditis, 10.7.1 ).
25.3. Schwellungen im Mundbereich
Schwellungen im Mund- bzw. Gesichtsbereich gehen häufig von Zähnen aus (Abszesse), können sich weit über Mundhöhle hinaus erstrecken (infraorbital,
retropharyngeal) u. erhebliche Ausmaße annehmen. Bei unklarer Ursache Vorstellung Zahnarzt o. FA-ÜW → HNO.
25.3.1. Intraorale Schwellungen
Gingivahyperplasie
Definition Generalisierte o. auf Zahngruppen begrenzte fibröse Verdickung der Gingiva. Blassrosa Farbe u. feste Konsistenz des Zahnfleischs. Prim.
entzündungsfrei u. schmerzlos, evtl. sek. entzündlich verändert.
Ätiologie Medikamentös bedingt durch systemische Langzeitmedikation mit Diphenylhydantoin-, Nifedipin-, Ciclosporin-Präparaten. Bildet sich nach
Absetzen der Medikamente spontan zurück. Selten idiopathisch bedingt. Sorgfältige Anamnese!
Differenzialdiagnose Generalisierte Gingivitis ( 25.4.1 ); Schwangerschaftsgingivitis; M. Wegener ( 18.6.5 ); hyperplastische Gingivitis bei Bluterkr. u.
Diab. mell. ( 17.1 ). Im Vordergrund stehen hier Schmerzen, Rötung u. Zahnfleischbluten.
Epulis
Definition Halbkugelige, benigne, bindegewebige Hyperplasie am Zahnfleischrand im Bereich eines o. mehrerer Zähne. Konsistenz weich bis derb-fibrös,
Farbe dunkelrot bis blassrosa, häufig gestielt, prim. schmerzlos. Meist lange Anamnese (Mon. bis J.), Rezidivneigung.
Ätiologie Chron. lokale Reizfaktoren („Prothesenrandfibrom“); hormonell bedingt („Schwangerschaftsepulis“); idiopathisch.
Differenzialdiagnose Maligner Weichteiltumor; Abszess dentogenen Ursprungs.
Diagnostik und Therapie Sorgfältige Anamnese (vor Kurzem Zahnschmerzen in der Region? Schaukelt Prothese?). Überweisung in Fachklinik zur
operativen Entfernung u. histolog. Unters. Cave: Zahnarzt kann ambulant Diagnose nicht sichern!
Intraorale Exostose
Definition Relativ selten; meist bei älteren Menschen. Gutartige, harte, schmerzlose Vorwölbung, i. d. R. entlang Gaumensutur (Torus palatinus) o. an
Unterkieferinnenfläche in der Region der Prämolaren (Torus mandibularis).
Differenzialdiagnose Maligne Tumoren des Kieferknochens (im fortgeschrittenen Stadium Schmerzen, Parästhesien).
Therapie FA-ÜW → Kieferchirurgie o. in Fachklinik zur differenzialdiagn. Abklärung.
Intraoraler Abszess
Ätiologie In über 90 % d. F. odontogen (apikale o. marginale Parodontitis, infizierte Zysten o. Wurzelreste); selten eitrige Sinusitiden, sek. infizierte Tumoren,
entzündliche Speicheldrüsenerkr. o. Verletzungen.
Odontogene Abszesse breiten sich zunächst an der Wurzelspitze (klopfende Dauerzahnschmerzen ohne Schwellung der Weichteile) u. dann in knöcherner
Umgebung des Zahns aus (zunehmende, nicht mehr genau zu lokalisierende Schmerzen, im Liegen schlimmer; evtl. Rötung der Schleimhaut). Ohne Ther.
Durchbruch des entzündlichen Exsudats durch den Knochen u. Ansammlung unter dem Periost (starke, pulssynchrone Schmerzen, schmerzhafte Vorwölbung
der Mundschleimhaut, perifokales Begleitödem, Körpertemperatur ↑ bis zu 40 °C). Bei Durchbruch in Weichteile: Abszedierung.
Klinik Anamnese über Stunden bis Tage. Nach Weichteildurchbruch oft nachlassender Schmerz; fluktuierende Schwellung mit perifokalem intra- u.
extraoralem Begleitödem; evtl. Schluckbeschwerden u. Kieferklemme; bei Ausbreitung in benachbarte Logen Fieber, regionäre Lk-Schwellung u. reduzierter
AZ mit Fieber 38–40 °C.
Komplikationen Phlegmonöse Ausbreitung in umliegende Weichteile u. Logen, Sepsis, Osteomyelitis des Kieferknochens, Fistelbildung.
Differenzialdiagnose Entzündungen u. Tumoren der Speicheldrüsen, Zyanose u. Schwellung der Mundschleimhaut durch venöse Abflussbehinderung (V.
cava sup.) infolge von Tumoren (v. a. Bronchial-Ca, 12.8.2 ).
Therapie Sofortige FA-ÜW/Klinikeinweisung → Kieferchirurgie o. HNO. Ggf. bei kleinen submukösen Abszessen orales Penicillin (z. B. Augmentin ® , 3
× 1 Tbl./d). Bei ausgedehnten Abszessen mit extraoralen Schwellungen, eingeschränktem AZ u. Ausbreitungsgefahr Klinikeinweisung zur i. v. Antibiose.
Wärme vermeiden; so weit wie möglich weiterhin gute Mundpflege, evtl. unterstützend mit Mundspüllsg., z. B. Chlorhexamed ® , Meridol ® med CHX 0,2 %.
Chronisch-eitrige Entzündungen im Mund- u. Kieferbereich (v. a. chron. apikale Parodontitis, oft lange unbemerkt) können Ausgangsherde für
Fokalinf. sein. Krankheiten, die möglicherweise fokal bedingt sind (z. B. Endokarditis, Nephritis), erfordern gründliche Überprüfung (Kariesdiagn.,
Vitalitätsprobe, Rö) u. Sanierung aller erkrankten Zähne. Pat. mit bekannten fokalbedingten Vorerkr. müssen vor zahnärztl. Eingriffen antibiotisch
abgedeckt werden.
Erkr. der Kopfspeicheldrüsen ( 23.8 ).
Plattenepithelkarzinom
Häufigster Tumor der Mundhöhle (über 90 %); entsteht i. d. R. auf dem Boden einer präkanzerösen Leukoplakie ( 25.5.1 ).
Ätiologie Alkohol, Tabak, chron. Candidiasis ( 25.5.1 ), immunolog. Veränderungen (Cofaktoren).
Klinik Entstehungszeit Mon. bis J. Erhebliche Variationen von Lokalisation, Aussehen, Ausdehnung des Tumors. Prädilektionsstellen: Mundboden,
Unterkiefer-Alveolarfortsatz, Zunge, Unterlippe, Wangenschleimhaut. Meist derbe, zur Umgebung unscharf abgegrenzte Geschwulst, häufig mit fibrinösem
Belag o. kraterförmigem Ulkus; im fortgeschrittenen Stadium Schmerzen, Neigung zu Spontanblutungen u. Superinf., evtl. Sensibilitätsstörungen; bei
Übergreifen auf den Knochen Kaufunktion ↓ u. path. Zahnlockerungen.
Cave: Rasche Volumenzunahme einer länger bestehenden Geschwulst u. Sensibilitätsausfall: V. a. maligne Entartung!
Differenzialdiagnose Andere Knochen- u. Weichteiltumoren; traumatische Ulzera (z. B. Prothesendruckulzera); entzündliche Veränderungen. Cave:
Nichtheilende Ulzerationen dürfen max. 2 Wo. kons. behandelt werden, bei verzögerter Abheilung V. a. Malignität.
Therapie Nach sorgfältiger Anamnese u. Diagn. (Palpation, Unters. der regionären Hals-Lk) sofortige Klinikeinweisung, ggf. nach amb. Vorstellung in
Fachklinik. Auf keinen Fall Probeexzision!
Grundsätzlich können alle mesenchymalen Tumoren im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich vorkommen. Wesentlich für die Verlaufsprognose der Erkr. ist
die Früherkennung.
25.3.2. Extraorale Schwellungen
Abszess
Definition Ausbreitung ei triger Entzündungen in Logen u. Spatien des Gesichtsschädels.
Klinik Rötung u. ödematöse Schwellung der Gesichtsweichteile. Je nach Ausdehnung u. Lokalisation reduzierter AZ, Temperatur ↑, regionäre Lk ↑.
„Rüssellippe“, Lidödem u. starke Schmerzen beim Fossa-canina-Abszess. Kieferklemme u. nicht tastbarer Unterkieferrand bei perimandibulärem Abszess.
Differenzialdiagnose Postop. Ödem; periorales angioneurotisches Quincke-Ödem als Folge einer allergischen Reaktion.
Therapie Sofortige FA-ÜW, ggf. in Fachklinik. Cave: Bei Rötung u. Verhärtung des medialen Augenwinkels V. a. Thrombophlebitis der V. angularis!
Parotitis epidemica
Sorgfältige Mundpflege empfehlen zur Vermeidung sek. aszendierender Entzündungen der übrigen Speicheldrüsen!
Naturheilkundliche Therapieempfehlung Phytotherapie ( 23.3 ).
• Homöopathie: Lymphdiaral ® Basistropfen/Aktivtabletten ( 16.5.2 , 11.5.1 )
• Lokale Umschläge: Lymphdiaral ® DS Salbe. Ind.: akute/chron. Erkr. Lymphgefäß-, Lk-System, Lymphabfluss-/-Zirkulationsstörungen. KI: Grav.,
Stillzeit. Dos.: 1–3 ×/d aufbringen u. einreiben, jeweils 2–3 cm Salbenstrang zunächst im Lk- u. Lymphabflussbereich (Hals, Leiste), dann im
Bereich der Beschwerden; Kinder 7–12 J. nicht mehr als ⅔ der Erw.-Dosis.
Schwellungen regionärer Halslymphknoten
(s. auch 23.1.7 ). In erster Linie entzündlich bedingt.
Ätiologie Bakt. Inf. (Tonsillitis, Laryngopharyngitis, Scharlach, Pyodermien u. a.)/odontogen.
Klinik Lk schmerzhaft, weich, nicht miteinander verbacken.
Differenzialdiagnose Metastasen von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich (Plattenepithelkarzinome, maligne Melanome); prim. Lk-Tumoren. Bei malignen
Tumoren o. Tumormetastasen: Indolente Lk-Verhärtung; oft mit dem Gewebe verbacken.
Naturheilkundliche Therapieempfehlung Homöopathie: Lymphomyosot ® Tr., Lymphdiaral ® Basistr./Aktivtabletten/DS Salbe ( 16.5.2 ).
Tumoren
• Benigne/maligne Tumoren der Haut: häufigster epithelialer Tumor der Haut: Basaliom (65 %; 26.10.4 )
• Knochen- u. Weichteiltumoren: Grundsätzlich jede extraorale Auftreibung in Kopf-Hals-Region umgehend abklären, ggf. Überweisung in
Fachklinik (HNO, Zahn-Mund-Kiefer). Anamnese: Entstehungszeitraum (schnelles Wachstum evtl. Hinweis auf Malignität)? Schmerzen?
Sensibilitätsstörungen (Hinweis auf destruktiv wachsende Tumoren)? Andere Grunderkr. o. Tumoren (Metastasen)? DD: Abszesse, Lymphadenitis
( 23.7.2 u. 19.4 )
25.4. Orale Blutungen
Orale Blutungen am häufigsten beim Zähneputzen (entzündetes Zahnfleisch) u. nach Zahnextraktionen; Ausmaß wird oft von Pat. überschätzt. Bei starken
Blutungen unbekannter Ursache u./o. ohne Therapiemöglichkeiten sterilen Tupfer auf Blutungsquelle pressen u. ÜB → Zahnarzt, Oralchirurgie o. Einweisung
Fachklinik.
25.4.1. Zahnfleischentzündungen
Klinik Zahnfleischbluten beim Zähneputzen o. spontan; Zahnfleisch stark gerötet u. evtl. geschwollen; keine bis mäßige Schmerzen beim Putzen. Vorkommen
auch chron.
Ätiologie Grundlegende Ursachen sind die Plaqueakkumulation u. Konkremente bei mangelhafter Mundhygiene! Sek. aufgepfropfte Inf. bei hormonell
bedingten Gingivahyperplasien (z. B. Schwangerschaftsgingivitis). Hämorrhagische Diathesen ( 19.1.3 ), Antikoagulanzien-Ther. ( 33.2.2 ), Missbrauch von
ASS-Präparaten. Reduzierte Immunabwehr (AIDS, Tumoren, Diab. mell. u. a.). Symptom bei Vit.-C-Mangel (Skorbut).
Komplikationen Ausbreitung der Entzündung auf den Zahnhalteapparat (Parodontitis) mit Abbau des Alveolarknochens u. den Spätsymptomen
Zahnwanderungen u. -lockerungen.
Therapie Durch Zahnarzt: professionelle Zahnreinigung (supragingivale Zahnstein- u. Belagsentfernung), evtl. Parodontitisbehandlung (subgingivale
Konkrement- u. Belagsentfernung) u. Mundpflegeanleitung.
25.4.2. Blutungen nach operativen Eingriffen
Frühblutung
Definition Mehrere Stunden nach dem operativen Eingriff (meist nach Zahnextraktion ) infolge einer reaktiven Hyperämie der Gefäße beim Nachlassen der
LA. KO: Mundbodenhämatom (Verlegung der Atemwege, Infektionsgefahr).
Therapie Bei starken Blutungen Puls u. RR überprüfen. Hämorrhagische Diathesen ( 19.1.3 ) u. Antikoagulanzien-Ther. ( 33.2.2 ) ausschließen. Sterile
Kompresse mit Vaseline imprägnieren u. 20–30 Min. fest aufbeißen lassen. Steht die Blutung nicht, zum Zahnarzt schicken; bei schwerem Blutverlust
Schockprophylaxe bzw. -behandlung ( 3.4.1 ) u. sofortige Klinikeinweisung in Fachklinik. Falls Zahnarzt nicht erreichbar, Annähern der Wundränder, Naht mit
Fäden der Stärke 4.
Spätblutung
Definition Einige Tage nach dem operativen Eingriff als Folge eines infektiösen Zerfalls von Gefäßthromben.
Therapie Durch Zahnarzt. Ein dichter Wundverschluss ist kontraindiziert! Druckverband mit steriler Kompresse (s. o.), extraorale Kühlung.
25.5. Veränderungen der Mundschleimhaut
Grundsätzlich bei allen oralen Schleimhautveränderungen, bei denen V. a. eine Präkanzerose, ein Carcinoma in situ o. ein invasives Ca besteht, umgehend
Klinikeinweisung/FA-ÜW → HNO, Zahn-Mund-Kiefer-Chirurgie. Nicht mit kons. Therapieversuchen Zeit verlieren. Die Biopsie soll am Ort der späteren Weiterbehandlung erfolgen.
Bei oralen Effloreszenzen immer berücksichtigen, dass viele dermatolog. u. systemische Erkr. prim. o. nur in der Mundhöhle auftreten. Mehr als ⅓ der
kutanen Paraneoplasien treten im Kopf-Hals-Bereich auf!
Tumorsyndrome mit oraler Manifestation
• Peutz-Jeghers-Sy.: kleinflächige Haut- u. Schleimhautveränderungen (Erstsymptom!), Dünndarmpolypen
• Gardner-Sy.: multiple Hauttumoren, Osteome der Gesichts- u. Kieferknochen, Zahnretentionen, multiple Kolonpolypen
• Neurofibromatose: multiple Neurofibrome u. hellbraune Pigmentierungen an Haut u. Schleimhäuten
25.5.1. Weiße Schleimhautveränderungen
Leukoplakie
Häufigste Präkanzerose in der Mundhöhle (s. auch 23.3.4 ).
Ätiologie Cofaktoren Tabak, Alkohol, schlechte Mundhygiene, chron.-mechanische Irritationen, virusbedingte Schleimhautveränderungen, beruflich
bedingte Schwermetallexposition. Auftreten verstärkt ab dem 40. Lj. M sind häufiger betroffen als F.
Klinik Weiße, nicht abwischbare (DD Candidamykose!) Flecken der Mundschleimhaut, v. a. an der Wangenschleimhaut u. am inneren Mundwinkel.
Prognostisch ungünstig sind Lokalisationen am Zungenrand u. am Mundboden. Beträchtliche Variationen hinsichtlich Größe u. Oberflächenbeschaffenheit
sowie der Tendenz zur malignen Entartung:
• Planhomogene Leukoplakie (Leucoplacia simplex): gleichmäßig glatte, weißliche Fläche. Geringe Tendenz zu maligner Transformation; günstige
Prognose
• Nichthomogene Leukoplakie: unregelmäßig erhabene, verruköse o. noduläre Oberfläche, teilweise in Verbindung mit der ebenfalls präkanzerösen
roten Erythroplakie. Histologie: Hyper- u. Parakeratosen; Dysplasien der Epithelzellen u. entzündliche Infiltrate in der Submukosa; Basalmembran
im Gegensatz zum invasiven Ca intakt. Bei hochgradiger Dysplasie liegt ein intraepitheliales Ca (Carcinoma in situ; Sonderform: M. Bowen) vor,
das innerhalb von 5 J. sicher zum invasiven Tumor entartet. Cave: Ca. 10 % der Leukoplakien sind (steigend mit dem Dysplasiegrad) mit Candida -
Inf. (s. u.) assoziiert! Risikoindikator!
Differenzialdiagnose Hyperkeratose durch mechanische Reizung (Morsicatio buccarum); Nikotinstomatitis (verhornte weißliche Papeln mit zentraler
punktförmiger Rötung am Gaumen bei starken Rauchern); Lichen ruber planus ( 26.13 ); Lupus erythematodes ( 18.6.2 ); Candidamykose ( 26.6.5 ).
Therapie Beseitigung von Noxen u. Risikofaktoren anstreben. FA-ÜW → HNO o. Dermatologie o. in Fachklinik. Dort histolog. Beurteilung des
Dysplasiegrades.
Candidamykose
Definition (Soor, s. auch 26.6.5 ). Pilzinf. der Mundschleimhaut durch Candida albicans.
Ätiologie Prädisponierende Faktoren: schlechte Mundhygiene, lokale Reizfaktoren (Prothesen), Schleimhauterkr., Dentitio difficilis, Resistenzschwäche
infolge systemischer Erkr. (AIDS, Diab. mell., Leukämien, Agranulozytose, Tbc, Ca), Begleitsympt. bei Bestrahlung u. Behandlung mit Zytostatika,
Immunsuppressiva, Kortikosteroiden u. Antibiotika. Cave: chron. orale Soorinf. als Tumorsymptom!
Klinik Weißliche, leicht abwischbare Beläge ( DD: Leukoplakie!) auf gerötetem Grund an Zunge, Gaumen u. Wangenschleimhaut; bei schlechter
Abwehrlage Ausbreitung auf gesamte Mundschleimhaut u. Pharynx. Beim Abstreifen entstehen Blutungen u. Erosionen. Brennende Schmerzen u. Juckreiz. Bei
Manifestation an den Mundwinkeln (Cheilitis angularis, Mundwinkelrhagade, Perlèche) rissige Mundwinkel mit gelblichen Krusten u. Schmerzen bei der
Mundöffnung.
Differenzialdiagnose Fibrinbeläge u. Plaque bei schlechter Mundhygiene u. geschwächter Abwehrlage; Plaques muqueuses bei Syphilis II ( 9.8.2 );
präkanzeröse Leukoplakie (s. o.).
Therapie Nach Klärung der Ursache für den Pilzbefall: Mundspülungen mit Nystatin (z. B. Moronal ® -Suspension 4–6 × 1 ml/d), Amphotericin B (z. B.
Ampho-Moronal ® -Suspension 4 × 1 ml/d) o. z. B. Daktar ® -, Lederlind ® Mundgel 4 ×/d.
Lichen planus ( 26.13 ).
25.5.2. Pigmentierte Mundschleimhautveränderungen
Melanose und Melanoplakie
Definition Pigmentierung der Schleimhaut durch gestörte Melaninproduktion. Keine Präkanzerose!
Ätiologie Vererbt bei dunkelhäutigen Menschen; assoziiert mit M. Addison o. intestinaler Polypose (Peutz-Jeghers-Sy.: orale u. periorale Pigmentierungen).
Klinik Fleckige o. diffuse, hell- bis tiefbraune Verfärbung im Vestibulum, an Wangenschleimhaut, Gaumen u. am Lippenrot.
Differenzialdiagnose Exogene Pigmentierungen (s. u.); Nävus ( 26.10.2 ); malignes Melanom ( 26.10.3 ); Albright-Sy. (polyostotische fibröse Dysplasie mit
Pigmentanomalien u. endokrinen Störungen); Zunge isoliert: schwarze Haarzunge (Hypertrophie u. Hyperkeratose der Papillae filiformes der Zunge mit bakt.
Besiedelung).
Therapie FA-ÜW → Dermatologie/HNO o. in Fachklinik zur Diagnosesicherung schicken. Grunderkr. abklären.
Weitere Pigmentierung der Mundschleimhaut
• Acanthosis nigricans ( 26.21.1 )
• Hämochromatose ( 8.7.2 )
• Nävus ( 26.10.2 )
• Malignes Melanom ( 26.10.3 )
• Exogene Pigmentierung:
– Amalgam- u. Silbertätowierung : relativ häufig durch zahnärztl. Ther. Klin.: blauschwarze punktförmige Verfärbungen am Zahnfleisch.
DD ggü. endogenen Pigmentierungen röntgenolog. (Verschattung) o. histolog. Ther.: ( 25.9 )
– Chron. Intox. durch Blei, Quecksilber o. Wismut (s. auch 30.2.3 ): heute selten. Blaugrauer bis schwarzer Saum am Zahnfleischrand,
seltener an Gaumen u. Zunge. Starker Speichelfluss; Metallgeschmack. Ther.: FA-ÜW → Dermatologie o. HNO o. in Fachklinik
schicken. BK ausschließen.
25.5.3. Bläschenförmige Mundschleimhautveränderungen
Virale Erkrankungen
Herpes-simplex-Virus
Erstinf. verläuft klin. inapparent o. als schwere Allgemeinerkr. (meist im Kindesalter) mit Fieber u. Lk-Schwellung.
Phytother.: Melisse (Melissa of icinalis), z. B. Lomaherpan ® Creme. Dos.: 2–4 ×/d pro cm 2 Hautfläche 1–2 mm bzw. 10–20 mg Creme auftragen.
Akute Gingivostomatitis herpetica Multiple schmerzhafte Bläschen der Mundschleimhaut, Mundgeruch, Blutungsneigung u. starker Speichelfluss.
Phytother.: Kamille (z. B. Kamillosan ® Konzentrat), Salbei (z. B. Salviathymol ® N Lsg.), 23.3 .
Chron. rezid. Herpes labialis ( 26.4.1 ). Gruppiert stehende, schmerzhafte Bläschen auf gerötetem Grund an der Haut-Schleimhaut-Grenze der Lippen,
Juckreiz, Brennen u. Spannungsgefühl; spontane Abheilung nach 8–10 d. Ther.: bei schweren Verlaufsformen der Erstinf. umgehend FA-ÜW → Dermatologie
o. in Fachklinik schicken; bei Herpes labialis äußerlich Aciclovir (z. B. Aciclobeta ® Creme).
Varicella-Zoster-Virus
Varizellen Erstinf. als Varizellen (Windpocken, 16.7.4 ): Orales Enanthem geht oft den dermalen Erscheinungen voraus. An Gaumen, Zahnfleisch u. Lippen
leicht platzende, nicht schmerzhafte Bläschen auf hochrotem Grund.
Herpes zoster Rezidivinf. als Herpes zoster (Gürtelrose, 9.4.2 u. 26.4.2 ). Paraneoplastisches Sy. bei malignen Lymphomen u. Leukosen.
Allergische Erkrankungen
Toxisches Arzneimittelexanthem Akute pustulöse Erkr. nach Medikamenteneinnahme. Klin.: intraoral große Blasen mit weiß-gelblichem Inhalt, Brennen u.
Juckreiz. Beim Aufplatzen Bildung von blutigen Krusten u. Ulzerationen; Lupus-erythematodes-ähnliche Schleimhautveränderungen ( D D Lupus
erythematodes, 18.6.2 ). KO: Stevens-Johnson-Sy. mit reduziertem AZ u. Temperatur ↑; konzentrische Effloreszenzen. Letalität 1–10 %. Oft postherpetisch.
Ther.: Sofort auslösendes Medikament absetzen. Bei schwerem Krankheitsbild Notfallmaßnahmen wie beim anaphylaktischen Schock: Adrenalin 0,25–1 mg i.
v.; Glukokortikosteroide 100–500 mg i. v.; Antihistaminika, z. B. Tavegil ® 2–4 mg i. v.; evtl. Intubation o. Koniotomie ( 3.4.3 ).
Quincke-Ödem Akute allergische Reaktion auf Medikamente (Penicillinderivate, Lokalanästhetika, Insulin): V. a. periorales Erythem, Ödem u. Urtikaria.
KO: anaphylaktischer Schock, Erstickungsanfälle durch Larynxödem.
Pemphigus vulgaris
Definition Bullös- ulzerierende Autoimmunerkr.
Klinik Fast immer Befall der Mundschleimhaut. Dünnwandige Blasen mit wässrigem bis rötlich-gelbem Inhalt. Die Schleimhaut kann auch ohne vorherige
Blasenbildung durch Reiben abgeschoben werden (charakteristisch!). Großflächige, fetzig begrenzte, schmerzhafte Ulzerationen nach dem Aufplatzen der
Blasen. Mundgeruch u. vermehrter Speichelfluss.
Therapie FA-ÜW → Dermatologie, ggf. Klinikeinweisung; i. d. R. Glukokortikosteroide.
25.5.4. Ulzeröse und aphthöse Mundschleimhautveränderungen
Rezidivierende Aphthen
Häufigste nichtinfektiöse, entzündliche Mundschleimhauterkr.
Klinik Schmerzhafte, linsengroße Erosionen auf erhabenem hochrotem Grund mit gelblich-grauweißem Rand. Vorkommen solitär o. in Gruppen bis zu 6
Aphthen, v. a. an Lippen, Wangenschleimhaut u. Zunge (an nicht über Periost fixierter Schleimhaut). Spontane Abheilung innerhalb von 1–3 Wo. KO: M.
Behçet (maligne Aphthose): generalisierte, manchmal letal endende Form in Verbindung mit genitalen Ulzerationen u. entzündlich destruierenden
Augenveränderungen.
Therapie Symptomatisch. Lokal z. B. Dynexan ® Mundgel (Lidocain). Bei V. a. M. Behçet FA-ÜW → Dermatologie.
Gut wirksam bei Mundschleimhautläsionen ist Sucralfat (z. B. Ulcogant ® Suspension); Aphthe bzw. Ulkus damit betupfen; heilt i. d. R. in 1–2 d ab.
Naturheilkundliche Therapieempfehlung (Phytotherapie) Kamille (z. B. Kamillosan ® Konzentrat), Salbei (z. B. Salviathymol ® N Lsg.), Komb.:
InfectoGingi ® Mundgel; 23.3.1 .
Ulkus
• Traumatisches Ulkus: mechanische Irritation durch psychisch bedingtes o. versehentliches wiederholtes Beißen in die Mundschleimhaut, durch
Prothesendruckstellen, scharfe Kanten von Zähnen o. Zahnersatz u. Verletzungen mit der Zahnbürste. Ther.: Beseitigung der Ursache. Cave: Bei
jedem nicht spontan abheilenden Ulkus besteht V. a. Tumorulkus!
• Strahlenulkus: unregelmäßig begrenzte Ulzeration mit schmutzig-grauem Belag. Evtl. Superinf. mit Candida albicans. Oft vergesellschaftet mit
Osteoradionekrose, Xerostomie u. multiplen Kariesläsionen.
Syphilis
( 9.8.2 ).
Klinik Orale Manifestationen: Primäraffekt mit schmerzlosen, harten Ulzera an Lippe o. Zungenspitze. Sekundärphase mit hochinfektiösen erhabenen
Erosionen (Plaques muqueuses) u. Ulzerationen der Mundschleimhaut (Ausschlussdiagn.!). Spätsyphilis mit Gewebedestruktionen (Gaumenperforation,
Vernarbung u. Schrumpfung der Zunge) durch Nekrosen mit elastischen Anteilen (Gummen).
Differenzialdiagnose Agranulozytose ( 19.1.5 ), Wegener-Granulomatose ( 18.6.5 ), ANUG ( 25.2.1 ), Leukämien ( 19.4 ), AIDS ( 9.9 ), Tbc ( 12.3.6 ).
25.5.5. Bisphosphonatinduzierte Knochennekrose
Auslöser ist meist ein zahnärztl. o. kieferchir. Eingriff (Zahnextraktion!). Bei Pat. auftretend, die Bisphosphonate erhalten (bei Osteoporose o.
Knochenmetastasen, insb. bei i. v. Verabreichung). Zunehmende Bedeutung; Nekrosen sind den Osteoradionekrosen nach Strahlenther. ähnlich.
25.6. Leitsymptom Zahnverfärbungen und Zahnanomalien
Tab. 25.2 .
Tab. 25.2 Zahnverfärbungen und Zahnanomalien: Differenzialdiagnosen und Vorgehen
Farbe bzw. Aussehen Ätiologie DD Ther., Besonderheiten
Gelbfärbung der Milch- bzw. der
bleibenden Zähne
Tetrazyklin-Gabe im 2. u. 3. Trimenon der Grav. o.
bei Kindern bis zum 5. Lj.
Ab ca. 18. Lj. Überkronung o. Veneers (
25.10 ) möglich
Bräunlich-weiß gefleckter Schmelz
(mottled teeth)
Überfluoridierung, v. a. im 2.–3. Lj.
(Dentalfluorose)
Entkalkungszonen
(s. u.); Karies
Keine (Zähne sind sogar
kariesresistenter); ab ca. 18. Lj.
Überkronung o. Veneers möglich
Weißlich-gelbe bis gräuliche harte o.
weiche Ablagerungen
Weicher Zahnbelag o. Zahnstein (mineralisierter
Zahnbelag)
Keine
Anleitung zur gründlichen
Zahnreinigung; regelmäßige Reinigung u.
Kontrolle (cave Karies u. Parodontitis!)
durch Zahnarzt
Bräunliche Ablagerungen, v. a.
Lingualflächen der
Unterkieferfrontzähne
Verfärbungen durch starken Tee- o. Tabakkonsum
Kariesläsionen,
Zahnstein
Regelmäßige Zahnreinigung (ca. 2 ×/J.)
durch Zahnarzt; sorgfältige Mundhygiene
Kreidig-weiße Flecken (white spots),
oft in der Nähe des Zahnfleischrands
Entkalkungszonen, Initialkaries ( 25.8.1 )
Durch Zahnarzt; regelmäßige
Fluoridierung ( 25.8.4 ) u. sorgfältige
Mundhygiene
Schwarz-gräuliche Verfärbung
Vitalitätsverlust des Zahns durch Karies, Trauma
u. a.
Durchscheinende
Füllungen
Durch Zahnarzt
Zahnoberfläche brüchig, höckrig,
nicht glänzend; bräunlich-fleckige
Färbung meist aller Zähne
Hereditär bedingte unvollständige Schmelzbildung
(Amelogenesis imperfecta)
Spätere Überkronung möglich;
regelmäßige Fluoridierung
(Kariesanfälligkeit groß!)
Symptome wie Amelogenesis
imperfecta (s. o.), v. a. an
Frontzähnen u. an 1. bleibenden
Molaren
Schmelzhypoplasie durch unterschiedliche
Ursachen (u.a. Trauma, Inf.) Schädigung der
Ameloblasten während der Schmelzbildung
Keine
Tonnenförmige Schneidezähne Symptom der spätkongenitalen Lues
Keine; Behandlung der Grunderkr. ( 9.8.2
)
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