Koagulopathie
KI: Lebererkr. mit
Koagulopathie
KI: Lebererkr. mit
Koagulopathie
KI: Lebererkr.
mit
Koagulopathie
HWZ ca. 6,5 d
12–14 h; bei
Nierenfunktionsstörung
verlängert; regelmäßige
Einnahme nötig
7–11 h,
regelmäßige
Einnahme nötig
12 h; regelmäßige
Einnahme nötig
10–14 h
Wirkeintritt Nach 2–3 d Nach ca. 2 h Nach ca. 2–4 h Nach 3–4 h Nach 1–2 h
Präoperative Vorbereitung
5–6 d vor OP
absetzen, evtl.
Bridging mit
Heparin
2–5 d vorher absetzen; akute
Eingriffe verschieben bis mind.
12 h nach letzter Dosis
Mind. 24–48 h
vorher absetzen
Mind. 24–48 h vorher
absetzen
Mind. 24 h
vorher absetzen
Normalisierung der Gerinnung
nach Absetzen
Nach 7–10 d, hängt
von Vit.-K-Gabe u.
Leberfunktion ab
Nach 12 h bis mehreren d, je
nach Nierenfunktion
Nach 12 h bis
mehreren d, je
nach
Nierenfunktion
Nach 12 h bis
mehreren d, je nach
Nierenfunktion
(aus: Leitfaden der AkDÄ: Empfehlungen zum Einsatz der neuen Antikoagulanzien (2012); Fachinformationen)
33.2.3. Glukokortikosteroid-Therapie
33.2.3. Glukokortikosteroid-Therapie
Substanzauswahl
• Oral: Zur Entzündungshemmung bei oraler Medikation Prednisolon einsetzen, potentere Glukokortikosteroide bieten keine Vorteile. Steroide mit
stärkerer mineralokortikoider Wirkung vermeiden.
• Lokal: Bei lokaler Applikation hochpotente Steroide (z. B. Betamethason) bevorzugen, auf optimale Darreichungsform (Tr., Gel, Creme) achten.
Zur Hautther. überwiegend Hydrokortison sinnvoll, v. a. um Schäden bei Überdosierung zu minimieren.
• Inhalativ: hochpotente Steroide über Dosieraerosole. Cave: bei hohen inhalativen Dos. auch systemische Wirkung inkl. Osteoporosegefahr.
Übersicht Glukokortikosteroid-Ther. Tab. 33.9 .
Tab. 33.9 Übersicht Glukokortikosteroid-Therapie
Substanz Handelsname ® (z. B.) Biol. HWZ (h) Glukokort. Potenz Mineralokort. Potenz Cushing-Schwellendosis (mg)
Glukokortikosteroide
Hydrokortison
Kortison
Ebenol ® -Creme 1 %
Hydrocortison GALEN ® 10 mg Tbl.
8–12 1 1 30
Prednison
Prednisolon
Decortin ®
Decortin H ®
12–36 4 0,6 7,5
Methylprednisolon
Fluocortolon
Triamcinolon
Urbason ®
Ultralan ®
Volon A ®
12–36 5 – 6
Dexamethason Fortecortin ® 36–72 30 – 1,5
Betamethason
Betnesol ®
Celestan ®
36–72 35 – 1
Mineralokortikoide
Fludrokortison Astonin H
® 8–12 10 125 –
Behandlungsschema (Beispiel) Abfangen eines entzündlichen Schubs unter Erhaltungsther. (z. B. bei Asthma bronchiale, rheumatoider Arthritis, Colitis
ulcerosa, u. a.) mit Prednisolon:
• 1. Phase: 3 Tbl. à 20 mg
• 2. Phase: 2 Tbl. à 20 mg
• 3. Phase: 1 Tbl. à 20 mg
• 4. Phase: ½ Tbl. à 20 mg
Danach zur Erhaltungsdosis unterhalb der Cushing-Schwelle zurückkehren! Höhe der Anfangsdos. u. Dauer der jeweiligen Stoßtherapie richten sich nach
Art u. Verlauf der Erkr.
Leitlinien für die Glukokortikosteroid-Pharmakotherapie
• Geringste mineralokortikoide Wirkung bevorzugen
• Kurz wirksame Präparate bevorzugen (HWZ 12–36 h)
• Keine Depotpräparate i. m. (Gefahr der Atrophie des M. gluteus; Kunstfehler)
• Prim. topische Ther. (inhalativ, intraartikulär, Haut, rektal), wenn möglich
• Bei oraler Medikation: immer morgens vor 8 Uhr systemisch geben (zirkadiane Rhythmik)
• Höher dosierte Stoßther. ist kurzzeitig problemlos: Bei Gabe unter 2 Wo., z. B. bei asthmoider Bronchitis kein Ausschleichen nötig (z. B.
Prednisolon 20 mg 1. Wo.: 1–0–0, 2. Wo.: ½–0–0, dann absetzen)
• Nach Langzeitther.: immer ausschleichend dosieren. Hierbei stufenweise vorgehen: z. B. Dosisreduktion in 2,5- bis 5-mg-Schritten
Prednisolonäquivalent alle 1–2 Wo. Auf Zeichen einer NNR-Insuff. achten (Muskelschwäche, Hypotonie, Inappetenz), meist ist endogener
Regelkreis noch intakt. Bei V. a. NNR-Insuff.: Kortisol i. S., endokrinolog. Abklärung, Reduktion in kleineren Schritten, z. B. 0,5–1 mg
Prednisolonäquivalent alle 2–4 Wo. o. Gabe von z. B. 30 mg Hydrokortison, ggf. FA-ÜW → Endokrinologie
• Bei Langzeitther.: kleinste wirksame Dosierung wählen; auf UAW achten: RR-Messung, BZ u. Serum-E’lyte bestimmen; Infekthäufung,
Magenulzera, Osteoporose, FA-ÜW → → Augenheilkunde
33.2.4. Herzglykoside
Häufiges Problem, das zu unnötigen Krankenhausaufnahmen führt: Kumulation des renal eliminierten Digoxins bei Senioren durch altersbedingte Reduktion
der Nierenfunktion. Sinnvolle Präventivstrategie: Digitoxin statt Digoxin einsetzen, da Digitoxin hepatisch eliminiert wird (Ausnahme: Leberinsuff.).
33.2.5. Psychopharmaka, Benzodiazepine, Antidepressiva, Sedativa
Vor jeder Verordnung: unbedingt genaue psychiatrische Diagnose stellen!
Kooperation mit Psychiatern zur Langzeitmitbehandlung der Pat. In der HA-Praxis auf möglichst wenige Präparate beschränken, die man gut kennt ( Tab.
33.10 ). Oft ist es sinnvoller, die Dosierung zu modifizieren als die Substanz zu wechseln.
Tab. 33.10 Beispiel für hausärztliche Auswahl von Psychopharmaka
Wirkstoffgruppe Wirkstoffwahl
Antipsychotikum, schwach potent (vorwiegend sedierend) Promethazin
Antipsychotikum, hoch potent (vorwiegend antipsychotisch) Haloperidol (bei Dyskinesien: plus Biperiden)
Benzodiazepin, mittlere HWZ (cave: Sturzgefahr, Hangover) Temazepam, Oxazepam
Nicht-Benzodiazepin-Hypnotika für Kurzzeittherapie Zopiclon
Trizyklische Antidepressiva (TZA) vom Amitriptylin-Typ (v. a. sedierend, anxiolytisch) Amitriptylin
TZA vom Imipramin-Typ (v. a. stimmungsaufhellend) Trimipramin
SSRI Fluoxetin
SSNRI Citalopram
Phytopharmakon gegen Depression Johanniskraut (Dosierung u. Präparation beachten)
SSRI: selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren; SSNRI: selektive Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren
Suizidgefahr bei Antidepressiva anfangs erhöht.
Volle Wirkung bei Antidepressiva erst nach ca. 3 Wo. KI u. UAW beachten; Kontrollen von EKG u. E’lyten bei einigen Substanzen nötig, WW über
Leberstoffwechsel beachten!
33.2.6. Biologicals
Bio- bzw. gentechnologisch hergestellte Proteine, die eine neue Generation von Medikamenten darstellen. Diese Eiweißstoffe ähneln körpereigenen
Substanzen, sodass sie über verschiedene Regulationsmechanismen fördernd o. hemmend den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Mithilfe von Biologicals
versucht man gezielter, in immunpath. Prozesse einzugreifen, als es mit herkömmlichen Behandlungen möglich ist. Zunehmend Einsatz zur Ther.
verschiedener immunolog. Erkr. wie rheumatoider Arthritis u. M. Crohn, aber auch als Zytostatika bei malignen Erkr. u. zur Prophylaxe von
Transplantatabstoßungen.
Ind. u. Therapiebegleitung üblicherweise über jeweilige Spezialisten; Allgemeinmediziner soll wg. hausärztl. Gesamtbetreuung u. möglicher WW, UAW,
Infektgefahr etc. informiert sein. Langzeitstudien (Karzinomrisiken?) fehlen oft!
Gemeinsam mit neueren Chemotherapeutika sind Biologicals für Kostensteigerungen bei Arzneimitteln verantwortlich. Beispiele:
• Bei Lymphomen u. rheumatoider Arthritis: z. B. Adalimumab (Humira ® ), Infliximab (Remicade ® ): TNF-alpha-Ak. Infliximab (MabThera ® ):
blockiert CD20+ B-Zellen → antientzündliche Wirkung. Ind: follikuläres Lymphom mit o. ohne Komb. mit Chemother., CD20+ diffuses
großzelliges B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom in Komb. mit Chemother., CLL in Komb. mit Chemother., rheumatoide Arthritis. Zulassungshinweise
beachten.
• Bei Karzinomen: z. B. Cetuximab (Erbitux ® ): monoklonaler Ak gegen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR). Ind.: EGRFexprimierende metastasierende kolorektale Karzinome (in Komb. mit Irinotecan).
33.2.7. Antibiotika
Grundprinzipien
• Antibiotika sind keine Antipyretika: Fieber allein ist keine Ind.
• Empirische Antibiotika nach Kenntnis des typischen Erregerspektrums, ggf. Besonderheiten im lokalen Labor abfragen.
• Keimisolierung anstreben, wenn komplizierte Situation (z. B. erneuter HWI nach invasivem Eingriff o. mangelndes Ansprechen nach 3–4 d).
• Statt Lokalantibiotika sind lokal wirkende Antiseptika fast immer sinnvoller.
• Mikroskopische Präparate (Sputum, Punktat, Urin etc.) geben oft am schnellsten Hinweise auf Erregerspektrum: Auf ÜW entsprechend Sofortbefund
anfordern, falls im Kooperationslabor keine Routine.
• Pat. informieren, dass auch bei gezielter Antibiotika-Gabe meist 2–3 d zur Entfieberung vergehen; meist ist Gabe 3–5 d bis nach Entfieberung
ausreichend.
• Klassische, gut bekannte Präparate ggü. neuesten Substanzen bevorzugen, da diese oft nur bei Spezialind. sinnvoll sind.
• Allergien vor Gabe ausschließen; anamnestisch angegebene Penicillinallergien sind häufig keine, ggf. testen; WW mit Dauermedikation beachten.
• Dosisanpassung bei Nieren- u. Leberinsuff.
• Die Feststellung einer Empfindlichkeit im Antibiogramm heißt nicht, dass die Substanz auch wirksam sein muss. Bis zu 20 % treten falsch pos. o.
falsch neg. Ergebnisse auf, daher unbedingt typisches Erregerspektrum mit abdecken.
Häufigste Ursachen für fehlendes Ansprechen einer Antibiotika-Ther. nach 3–4 d:
• Falsche Substanz
• Substanz erreicht Infektionsort nicht (z. B. Liquor)
• Falscher Erreger (Viren, Pilze)
• Abszess
• Drug Fever
• Fremdkörper inkl. infizierter Zugänge u. Katheter
Indikationen Empirische Antibiotika-Ther.: Auswahlkriterium ist das wahrscheinlichste Erregerspektrum für Pat. u. Inf. (Details s. entsprechende Kapitel).
33.2.8. Evidenzbasierte Phytotherapie
Phytopharmaka sind i. d. R. deutlich schlechter untersucht als synthetisch hergestellte Arzneimittel. Dennoch werden sie gern u. häufig von Pat. angewendet u.
von Ärzten verordnet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einsatz oft bei chron. Beschwerden, für die die Schulmedizin keine Heilung o. keine einfache Antwort
hat (z. B. Arthrose); oft wird fälschlicherweise angenommen, dass ein „pflanzliches“ o. „natürliches Mittel“ sicherer, harmloser u. mit weniger UAW
verbunden sei.
• Phytotherapie sollte möglichst evidenzbasiert sein.
• Phytotherapeutika ohne Wirknachweis nicht anstelle von evidenzbasierter Standardtherapie bevorzugen.
• Keine Phytotherapeutika mit alkoholhaltigem Lösungsmittel für Schwangere, Stillende, Hirngeschädigte, Kinder, Epileptiker, Alkoholiker, Pat. mit
Leberparenchymschaden.
• Vorsicht in Schwangerschaft u. Stillzeit, da meist keine Studien vorliegen!
Differenzierte Beratung durch den Arzt ist auch bei Phytopharmaka sinnvoll ( Tab. 33.11 ).
Tab. 33.11 Vorgehen für Patientenberatungen über Phytopharmaka
Produktqualität Wirksamkeit Sicherheit Klinische Empfehlung
vorhanden und nachgewiesen und nachgewiesen empfehlen
unsicher oder unsicher oder unsicher beraten, zur Vorsicht mahnen
fehlend oder ineffektiv oder unsicher abraten
Herausforderung ist die Informationsbeschaffung; in den letzten Jahren zunehmend auch evidenzbasierte Studien zur Komplementärmedizin, z. B.
antidepressive Wirkung von manchen Johanniskrautzubereitungen nachgewiesen (WW 33.4.3 ).
Hinweis für Literaturrecherchen: komplementärmed. Datenbank des National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) 33.5.2 .
33.3. Sondersituationen
33.3.1. Arzneimittel in der Schwangerschaft
Embryo o. Fetus werden durch jede Arzneimittelther. in der Schwangerschaft „unbeabsichtigt“ mitbehandelt. Dieser „zusätzliche Pat.“ erfordert eine bes.
strenge Indikationsstellung.
Grundsätzliches Schädigung des Embryos o. Fetus hängt von 5 Faktoren ab:
1. Art, Dosierung, Applikationsform des Arzneimittels (übliche Dosis-Wirkungs-Beziehungen gelten)
2. Genotyp des Kindes (leider unbekannt, trotzdem bedeutsam)
3. Entwicklungsstadium des Embryos zum Zeitpunkt der Behandlung
4. Wirkmechanismus des embryotoxischen Stoffs
5. Verlaufsform der jeweiligen Schädigung (breites Spektrum: Reparatur von Defekten mit Normalentwicklung, Organfehlbildung, Wachstumshemmung, Störungen einzelner Organfunktionen, Absterben des Embryos, Tumorentwicklung, Keimzellmutationen mit Folgen für die
übernächste Generation)
Physiologische Grundprinzipien
• Medikamente erreichen in der fetalen Plazenta 20–80 % der mütterlichen Konz.
• Wg. niedriger Molekularmasse passieren die meisten Arzneimittel leicht die Plazenta (fettlösliche Substanzen noch besser als wasserlösliche).
• Nierengängige Arzneimittel reichern sich bei intaktem fetalem Kreislauf im Fruchtwasser an; Embryo kann diese nur durch Schlucken in den
fetomaternalen Kreislauf zurückbringen (Konz. im Fruchtwasser wird z. B. bei der HIV-Prophylaxe mit Zidovudin pos. genutzt).
• ZNS-Schädigungen möglich wg. unzureichend entwickelter Blut-Hirn-Schranke u. bes. starker ZNS-Perfusion.
Regeln für Arzneimittelverordnungen bei Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere
• Frauen im gebärfähigen Alter wg. der Möglichkeit einer Frühschwangerschaft immer nach möglicher Schwangerschaft fragen. Im Zweifelsfall:
unbedenkliche Arzneimittel o. erst Schwangerschaftstest.
• Bei Langzeitbehandlung mit Medikamenten mit embryotoxischem Potenzial wie Antiepileptika u. Cumarinen: sichere Kontrazeption bzw. bei
Kinderwunsch rechtzeitiges Umstellen der Medikation.
• Die „Pille“ kann durch die hepatische Enzyminduktion unwirksam werden, z. B. durch Antiepileptika, Johanniskraut.
• Bei Umstellung von klassischen zu atypischen Antipsychotika: Wegfall der antikonzeptiv wirkenden Hyperprolaktinämie: ungewollte
Schwangerschaften möglich.
• Behandlung von Schwangeren nur mit nichtembryotoxischen Arzneimitteln, die seit Jahren bekannt sind.
• Möglichst nur Monotherapie.
• So niedrig wie möglich dosieren!
• Falls pharmakologisch möglich: lieber mehrfach niedrigere Dosierungen, um Spitzenkonz. gering zu halten.
• Immer nichtmedikamentöse Behandlungsoptionen in Betracht ziehen.
• Manche Erkr. sind selbst ein Risiko für die Schwangerschaft (z. B. Asthma bronchiale, Hypertonie), sodass notwendige Therapien nicht unterlassen
werden dürfen.
Informationen sind erhältlich: In jeder Fachinfo, in der Roten Liste u. bei den Beratungsstellen des European Network of Teratology Information Services
(ENTIS):
• Pharmakovigilanz- u. Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Spandauer Damm 130, Haus 10, 14050
Berlin, Tel: 030–30308111; Fax: 030–30308122, E-Mail: mail@embryotox.de ; www.embryotox.de
• Krankenhaus St. Elisabeth, Elisabethenstr. 17, 88212 Ravensburg, Tel: 0751–872799, Fax: 0751–872798, E-Mail; paulus@reprotox.de ;
www.reprotox.de
Therapie häufiger Erkrankungen in der Schwangerschaft
Bei der Auswahl von Wirkstoffen innerhalb einer Wirkstoffgruppe sollten „ältere“ Wirkstoffe bevorzugt werden, soweit dies vom Wirkungs- u. UAWProfil vertretbar ist: durch längeren Beobachtungszeitraum ist eine bessere Risikoabschätzung möglich!
Folgende Hinweise ( Tab. 33.12 ) dienen zur Orientierung, Einzelfallprüfung notwendig: Substitution durch ähnliche Wirkstoffe ist problematisch (!) u.
sollte auf jeden Fall vorher geprüft werden.
Tab. 33.12 Therapie häufiger Erkrankungen in der Schwangerschaft
Erkrankung/Wirkstoffgruppe Therapie in der Schwangerschaft
Antibiotika
• Penicilline sind Mittel der 1. Wahl (nach Keimspektrum)
• Cephalosporine, bevorzugt länger bekannte Substanzen wie Cefalexin u. Cefuroxim
• Ursachenbehandlung
• Nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Wadenwickel
Asthma
• Salbutamol (Mittel der 1. Wahl); auch andere Sympathomimetika nach Asthma-Stufenplan (am Ende der
Schwangerschaft: Absprache mit Gyn wg. möglicher Wehenhemmung)
• Inhalierbare Glukokortikosteroide nach Asthmastufenplan, bevorzugt Budesonid, da am besten untersucht; systemische
Glukokortikosteroide, wenn nötig, rasch reduzieren u. Geburtshelfer wg. möglicher Stoffwechselwirkungen beim NG
informieren
Depression
• Sorgfältige Abwägung, ob depressive Reaktion (Episode) o. endogene Depression
• Stützende Maßnahmen: Psychother., soziale Maßnahmen
• Nur wenn nötig, Medikamente in Absprache mit Gyn u. Psychiater: TZA o. SSRI möglichst als Monotherapie, wobei
Amitriptylin, Desipramin, Imipramin, Nortriptylin bzw. Sertralin u. Citalopram am besten untersucht u. zu bevorzugen
sind
• Monitoring von Serumkonz. sinnvoll
Emesis u. Hyperemesis
gravidarum
In D derzeit kein Mittel, das für diese Ind. zugelassen ist. Meclozin, das Antiemetikum der 1. Wahl, ist in D nicht mehr
erhältlich. Laut www.embryotox .de: Doxylamin ist derzeit in D das Mittel der Wahl, jedoch nur als Schlafmittel
verfügbar. Alternativen: Dimenhydrinat (z. B. Vomex A
® ), Diphenhydramin (als Schlafmittel verfügbar, z. B. Sediat ®
Tbl.). Alternativen: Pyridoxin, Ingwer, Metoclopramid ( cave: extrapyramidalmotorische Effekte)
Fieber
• Ursachenklärung
• Flüssigkeitszufuhr
• Paracetamol ist Medikament der Wahl
Heparine/Antikoagulation
• Heparine, auch niedermolekulare, bei entsprechender Ind.
• Bei Kinderwunsch: rechtzeitige Umstellung von teratogen wirkenden VKA (Cumarine) auf Heparine
Husten Nur bei sehr starkem trockenem Husten medikamentöse Behandlung nötig: Codein (s. o.)
Hypertonie
• Alpha-Methyldopa ist Mittel der 1. Wahl (z. B. Presinol ® /-mite/-500)
• Mittel der 2. Wahl: Nifedipin; Metoprolol auch möglich, aber fetale Wachstumsrestriktion wird diskutiert (perinatal:
Einfluss auf HF bei Mutter u. Kind beachten, Geburtshelfer informieren)
• Andere Mittel: nach sorgfältiger Abwägung
Hypothyreose bei
Autoimmunthyreoiditis
• Jod wird in Schwangerschaft eingesetzt, auch bei Autoimmunthyreoiditis
• Kontrollen des TSH-Spiegels in jedem Trimenon empfohlen
• Ggf. Mitbehandlung durch Endokrinologen
Impfungen
• Totimpfstoffe (z. B. Influenza, Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hep. A u. B): Schwangerschaft ist keine KI
• Lebendimpfungen (z. B. MMR, Varizellen, Röteln) sind in der Schwangerschaft grundsätzlich kontraindiziert
• Nach Impfung mit Lebendimpfstoff sichere Antikonzeption für 3 Mon. nötig; versehentliche Impfung mit
Lebendimpfstoff in o. kurz vor einer Schwangerschaft ist nach nationalen u. internationalen Empfehlungen keine Ind. zur
Abruptio
Impfungen
• Da maternale IgG auch den Fetus schützen, können bei Sonderind. (z. B. Fernreise) Reiseimpfung durchgeführt werden,
jedoch nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung, ggf. Tropenmediziner hinzuziehen
Insulintherapie
• Humaninsuline sind Mittel der 1. Wahl!
• Bei Typ-1-Diabetes gute Einstellung anstreben!
• Langzeitanaloga: Studienlage unzureichend, umsetzen auf Humaninsulin!
• Wenn Einstellung mit Humaninsulinen schwierig: Analoga möglich, aber Absprache mit Embryonaltoxikologen
Migräne
• Wird in der Schwangerschaft oft besser
• Paracetamol
• Bis 30. SSW auch: Ibuprofen
• Bei schwerer Migräneattacke: Sumatriptan
Obstipation
• 1. Wahl: nicht resorbierbare Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie, indische Flohsamenschalen (Plantago ovata)
• 2. Wahl, wenn nicht ausreichend: Laktulose
• Reserven: Macrogol, Bisacodyl
Refluxbeschwerden/-
ösophagitis
• Antazida, MCP
• Unter den Al-haltigen Antazida sind Magraldrat u. Sucralfat wg. geringerer Al-Resorption zu bevorzugen; wenn nicht
ausreichend: Ranitidin
• Nur bei starker Refluxösophagitis: Omeprazol
Schmerzen
• Ursachenabklärung!
• Paracetamol (1.–3. Trimenon) ist das Mittel der Wahl!
• Nur 1. u. 2. Trimenon: Ibuprofen, Diclofenac (Gefahr: Ductus-arteriosus-Verschluss), ASS nur im 2. Trimenon
• Codein o. Paracetamol/Codein-Komb. ( cave: perinatale Atemdepression)
Epilepsie
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