– SD-Palpation: unauffällig bis vergrößert
– Perkussion/Auskultation des Herzens: Bradykardie, Kardiomegalie
– Reflexstatus: verlangsamter ASR
• Labor:
– TSH basal ↑ (Ausnahme: sek. Hypothyreose, dabei TSH basal ↓, 17.6.1 ), fT 3 u. fT 4 ↓ o. bei latenter Hypothyreose noch im
Normbereich
– Ggf. BSG, Diff-BB u. Ak-Bestimmung bei V. a. auf Hashimoto-Thyreoiditis ( 17.6.6 )
– Hypothyreosetyp. Laborparameter: GOT, LDH, CK, LDL-Chol u. TG ↑, Anämie, Leuko- u. Thrombopenie
• Obligat SD-Sono u. EKG (Niedervoltage)
• Bei Knoten: FA-ÜW zur Szinti u. ggf. Feinnadelpunktion
Vorgehen bei zufällig entdecktem erhöhtem TSH basal:
• Symptome einer Hypothyreose?
• Kontrolle leicht erhöhter TSH-Werte
• TSH 2 × erhöht o. Sympt. → fT 3
- u. fT 4
-Bestimmung, SD-Ak (TPO-Ak)
Differenzialdiagnose Häufigste Fehldiagnose: Altersdepression, bes. bei mono- o. oligosympt. Verlauf. Cave: Bei etwa 3–10 % aller depressiven Pat.
Hypothyreose!
Therapie
Indikation zur Substitutionstherapie bei latenter Hypothyreose
• Grundsätzlich: Behandelt wird eine Erkr., kein Laborwert: erst Ätiologie klären! Ausnahme: bestimmte Konstellationen in Grav.
• Pat. < 70 Lj. (> 70. Lj, nur wenn TSH basal > 10 mU/ml), in Grav. u. bei Kinderwunsch
• Immer individuell
• Ind. für Hormonther.: prim. Hypothyreose. Bei sek. Genese vor Substitutionsther. Ausgleich der NNR-Insuff. ( 17.7 )
• NW: zu Beginn u. bei hohen Dosen geringe Hyperthyreose-Sympt. ( 17.6.2 ) möglich, deshalb enge Ind.-Stellung bei KHK u. bei HRST.
Verlängerte Prothrombinzeit bei gleichzeitiger Einnahme oraler Antikoagulanzien
• Dos.: 100–200 µg T 4
tägl. (1,5–2 µg/kg KG/d), z. B. L-Thyroxin-CT
® o. L-Thyroxin ® AL. Bei älteren Pat. mit kardialen Begleiterkr. o. lange
bestehender Hypothyreose einschleichende Dos. mit 12,5 µg T 4
tägl.
• Laborkontrollen: anfangs alle 6–8 Wo., später alle 12 Mon. T 4
-Bestimmung 24 h nach der letzten Einnahme
• Ziel: TSH basal 0,5–2 mU/l bei Pat. < 70 J, bei Pat. > 70 J. TSH basal 4–6 mU/l u. U. ausreichend
Hypothyreotes Koma
• Klin.: Hypothyreosesympt. verstärkt, Somnolenz bis Koma; Hypothermie, Hypoglykämie, Hypoventilation, Krampfanfälle
• Erstmaßnahmen: Vitalfunktionen sichern ( 3.4 ), BZ-Stix (evtl. Glukosegabe p. o. o. als Infusion, z. B. Glukose 40 %), Wärmflasche u. Decken;
sofortige Klinikeinweisung
17.6.4. Schilddrüsenautonomie
Definition Autonomie mit euthyreoter, latent hyperthyreoter o. manifest hyperthyreoter Funktionslage möglich. Hyperthyreose-Inzidenz bei nachgewiesener
Autonomie mit Euthyreose: 5 %/J.
Klassifikation der funktionellen Autonomie:
• Disseminiert: diffuse Verteilung der autonomen Zellen über die SD (50 %)
• Unifokal (frühere Bezeichnung: autonomes Adenom): ein Knoten mit autonomen Zellen (20 %)
• Multifokal: mehrere Knoten mit autonomen Zellen (30 %)
Klinik Meist keine subjektiven Beschwerden. Selbst bei Hyperthyreose ( 17.6.2 ) nur wenige Hinweise: Tachyarrhythmie, Gewichtsverlust o.
Schlaflosigkeit. Evtl. lokale Sympt. durch Struma ( 17.6.1 ).
Diagnostik
• Anamnese: Jodexposition? Durchschnittsalter 65 J. ( cave: Bei Pat. < 30 J. u. diffuser Struma gibt es praktisch keine Autonomie)
• Körperl. Unters.: Struma möglich, evtl. Knoten palpabel. Kein „Schwirren“ über der SD ( DD M. Basedow, 17.6.5 )
• Labor: euthyreot (60 %) bis hyperthyreot ( 17.6.2 )
• Sono: Volumenbestimmung ( 17.6.1 , meist Vergrößerung). Echostruktur: homogen, evtl. mit vermehrter Echogenität bei disseminierter Autonomie;
inhomogen mit einem o. mehreren Knoten bei uni- o. multifokaler Autonomie
• FA-ÜW zur quantitativen Szinti, ggf. mit Suppression
Differenzialdiagnose M. Basedow ( 17.6.5 ): bes. bei diffuser Struma ohne endokrine Ophthalmopathie.
Therapie
• Prophylaxe bei nachgewiesener Autonomie: keine Jodexposition
• Thyreostatika: Ind.: erst bei manifester Hyperthyreose zur Vorbereitung auf Radiojodther. bzw. OP. Ausnahme: schlechter AZ des Pat., dann als
Dauerther. erforderlich. NW, KI, Dos.: 17.6.5
• Radiojodther.: Ind.: Mittel der Wahl bei hyperthyreoter Funktionslage, bes. bei unifokaler Autonomie. NW, KI, Durchführung: 17.6.1 . Cave: 1
Wo. vor Radiojodther. Absetzen der Thyreostatika, Therapieversagen geringer
• OP: Ind.: Hyperthyreose bei Grav., lokale mechanische KO o. V. a. Ca. Durchführung: selektive Entfernung des autonomen Gewebes. Postop.
Nachsorge, KO 17.6.1
17.6.5. Morbus Basedow
Definition Multisystemerkr. immunogener Genese bei genetischer Prädisposition. Manifestation v. a. 30.–50. Lj.; F/M = 5 : 1.
Klinik
• Bei jüngeren Pat. typ. Hyperthyreose-Zeichen ( 17.6.2 ), bei älteren Pat. oft atyp. Verlauf mit apathisch-adynamen, kardiovaskulären,
myopathischen Sympt.
• In 60 % endokrine Ophthalmopathie (s. u.)
• In 4 % prätibiales Myxödem : leicht erhabene, rötlich-livide hyperpigmentierte Haut an der Unterschenkelvorderseite
• Zusätzliche Autoimmunerkr. (polyglanduläres Autoimmun-Sy.: PAS) möglich: z. B. Vitiligo ( 26.20 ), atrophische Gastritis ( 8.4.4 ), NNR-Insuff. (
17.7 ), Typ-1-Diab. ( 17.1 )
Diagnostik
• Körperl. Unters.: meist weiche, leicht vergrößerte SD mit auskultatorischem „Schwirren“
• Labor:
– TSH ↓, T 3 u. T 4 ↑ ( cave: in 15 % isolierte T 3
-Erhöhung)
– Bestimmung der TSH-Rezeptor-Ak (Syn. TRAK, in > 95 % pos.), auch in Verlaufskontrolle, > 10 IU/l nach 6 Mon. Remission
unwahrscheinlich → Radiojodther. o. OP
! TRAK nur in Ausnahmefällen bei SD-Autonomie. Mikrosomale Ak gelegentlich auch bei anderen SD-Erkr. u. bei Gesunden in höherem Alter
nachweisbar. Aufgrund hoher Sensitivität von TRAK: SD-Szinti überflüssig
• Sono:
– Volumenbestimmung: geringe Vergrößerung mit Zunahme des Tiefendurchmessers
– Struktur: in 70 % homogen echoarm. Sonderfall bei älteren Pat.: häufig regressive Struma mit inhomogener Struktur
• ÜW zum Endokrinologen bei fokalen Veränderungen in der Sono; ÜW zum Augenarzt bei V. a. endokrine Ophthalmopathie (s. u.)
Differenzialdiagnose Disseminierte Autonomie ( 17.6.4 ).
Therapie
Sympt. Ther. mit Thyreostatika für 12 Mon.:
• Ind.: Erstther. bei kleiner Struma ohne mechanische KO o. V. a. Ca
• NW: Hautreaktionen, GIT-Beschwerden, Arthralgien, Myalgien, dosisabhängig Leberschäden, Thrombozytopenie u. Agranulozytose (alle 2–4 Wo.
Diff-BB). Schwerwiegende NW meist bei älteren Pat. (NW sind dosisabhängig: bei 10 mg Thiamazol < 10 %, bei 60 mg/d > 30 %)
• Dos.: z. B. Thiamazol initial: 10–20 mg/d. Ausnahmen: bei schwerem Verlauf u. vorangegangener Jodexposition höhere Dos. mit ggf. gleichzeitiger
Betablocker-Ther. Erhaltungsdosis nach Erreichen der Euthyreose: 2,5–10 mg/d
Nach Absetzen der Behandlung in etwa 50 % d. F. mit einem Hyperthyreose-Rezidiv. Nikotin erhöht Rezidivrisiko. TRAK-Bestimmung > 10 IU/l 6
Mon. nach Diagnosestellung: Remission unwahrscheinlich u. eher OP/Radiojodtherapie nötig.
Radiojodtherapie: Ind.: Verfahren der Wahl bei Rezidiven unter sympt. Ther. mit Thyreostatika, wenn keine KI bestehen u. bes. bei gering vergrößerten
Strumen. Voraussetzung: vorherige Euthyreoseeinstellung. KI, NW, Durchführung 17.6.1 .
Operative Therapie: Ind.: große knotige Strumen o. V. a. Ca. Voraussetzung: vorherige Euthyreoseeinstellung. OP-Verfahren: entweder annähernde
Totalresektion (Rest < 2 ml) o. totale Thyreoidektomie. KO, Nachsorge 17.6.1 .
Endokrine Ophthalmopathie
Definition Autoimmunerkr.: zu 90 % mit M. Basedow assoziiert, > 90 % mit hyperthyreoter Stoffwechsellage.
Klinik Druckgefühl hinter den Augen, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Fremdkörpergefühl, vermehrtes Tränen, Verschwommensehen, Exophthalmus
meist bds. Evtl. gleichzeitig Hyperthyreose-Sympt. ( 17.6.2 ) u. palpable Struma. Cave: Häufiges frühes Zeichen ist eine Schwellung der lateralen
Augenbrauen.
Klassifikation des Augenbefunds nach Schweregraden
• Grad I: Oberlidretraktion (beim Blick geradeaus ist die Sklera über dem oberen Hornhautrand zu sehen: Dalrymple- Zeichen), Konvergenzschwäche
(Möbius- Zeichen), seltener Lidschlag ( Stellwag-Zeichen), Zurückbleiben des Oberlids beim Blick nach unten ( Graefe-Zeichen)
• Grad II: Konjunktivitis, Lidschwellungen
• Grad III: Exophthalmus
• Grad IV: Augenmuskellähmungen, Doppelbilder
• Grad V: Hornhauterosionen
• Grad VI: Gesichtsfeldausfälle bis Erblindung
Diagnostik ÜW zum Augenarzt; Hyperthyreose-Diagn. ( 17.6.2 ).
Therapie In interdisziplinärem Augenzentrum:
• Thyreostatische Ther. der Hyperthyreose (wie bei M. Basedow, s. o.). Cave: Hypothyreose meiden, da Orbitopathie ↑
• Zusätzliche Ther. hängt vom Schweregrad ab:
– Grad I u. II: getönte Brillen, nächtliche Kopfhochlagerung, nachts Augensalbe
– Grad III–V: systemische Kortikoidmedikation u./o. Strahlenther.
– Grad V–VI: endonasale Dekompressions-OP der Orbita
• Cave: Bei milder endokriner Ophthalmopathie verbessern 200 µg Natriumselenit die Lebensqualität (z. B. Cefasel ® , Selenase ® )
Prognose In 30 % d. F. Besserung, in 10 % Verschlechterung, in 60 % keine Änderung.
17.6.6. Thyreoiditiden
Übersicht Tab. 17.10 .
Tab. 17.10 Thyreoiditiden im Vergleich
Akute Thyreoiditis
Akute/subakute Thyreoiditis (de
Quervain)
Chronisch-lymphozytäre
Thyreoiditis (Hashimoto)
Ätiologie Meist bakt. Entzündung Fragliche Virusgenese Autoimmunerkr.
Klinik
Erhebliche Lokalsympt.: Schmerzen,
Druckempfindlichkeit, Schluckbeschwerden, LkSchwellung, Fieber, lokale Überwärmung. KO:
Mediastinitis
Meist einseitige, derbe SD-Schwellung mit
starkem Druckschmerz, Müdigkeit,
Abgeschlagenheit, Fieber; derber
Tastbefund
Zu Beginn Beschwerdefreiheit,
ggf. leichte Struma; später
Hypothyreose-Zeichen ( 17.6.3
)
Diagnostik
• Labor
BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose mit Linksverschiebung.
Euthyreose, selten Hyperthyreose
BSG-Beschleunigung, Leukos normal, CRP
↑. Häufig initiale Hyperthyreose, gefolgt
von Hypothyreose
Euthyreose bis Hypothyreose.
Anti-TPO-Ak > 90 % pos.
• Sonografie Unscharf begrenzte, echoarme Bezirke Echoarme konfluierende Areale
Variables Volumen (↑, ↓),
homogen, echoarme Struktur
• Szintigrafie,
Feinnadelpunktion
Feinnadelpunktion (bakteriolog. Unters. des
Aspirats)
Bei typ. Klinik nicht nötig Nur in unklaren Fällen
Therapie
Antibiotikum entsprechend dem bakteriolog.
Ergebnis, meist Klinikeinweisung
Antiphlogistika-Gabe. Nach 3–6 Mon.
spontane Abheilung. In schweren Fällen
Glukokortikosteroide
Hormonsubstitution bei
Hypothyreose
Bei allen Thyreoiditiden transiente Hyperthyreose u. transiente o. permanente Hypothyreose möglich.
17.6.7. Schilddrüsenkarzinom
Bei M 3,5 Fälle/100.000, bei F 8,7/100.000 in D (2010). Inzidenz ↑. Prognose relativ günstig.
Klinik Unspez., wie bei Struma ( 17.6.1 ). Schluckbeschwerden u. Heiserkeit sind Spätsympt. Klassifikation Tab. 17.11 . Cave: papilläres Ca auch bei Jgl. u.
jungen Erw.
Tab. 17.11 Klassifikation der Schilddrüsenkarzinome (Differenzierte Ca: papilläre und follikuläre SD-Ca)
Histologische Einteilung 10-JÜR
Differenziert
• papillär (60
%) Metastasierung meist lymphogen (zervikale Lk) 90 %
• follikulär (30
%) Meist hämatogene Metastasen (Lunge, Knochen)
95 % (minimal
invasives), 50 % (breit
invasives)
Undifferenziert
(anaplastisch, 5
%)
Metastasierung hämato- u. lymphogen < 10 % 5-JÜR
Medullär (5 %)
Ca der calcitoninbildenden C-Zellen, in 20 % familiär gehäuft. Evtl. komb. mit Phäochromozytom,
Hyperparathyreoidismus. Vorwiegend lymphogene Metastasen
50 %
Sonstige z. B. malignes Lymphom, Plattenepithel-Ca, Metastasen (10–20 %) je nach Grunderkr.
TNM-Klassifikation (UICC 2010)
T N/M
T1 Tumor ≤ 2 cm N0:
Kein Anhalt für
regionäre LkMetastasen
T2 Tumor > 2 cm ≤ 4 cm N1:
Regionäre LkMetastasen
T3
Tumor > 4 cm, begrenzt auf SD o.
minimale extrathyreoidale Ausbreitung
M0: Keine Fernmetastasen
T4a
Ausbreitung in subkutanes Weichgewebe,
Larynx, Trachea, Ös. o. N. recurrens M1: Fernmetastasen
T4b
Ausbreitung prävertebrale Faszie,
mediastinale Gefäße o. Umschluss Aorta
Diagnostik
• Anamnese: meist unauffällig. Maligne Erkr. in Kindheit o. Jugend mit Bestrahlung des Halses? C-Zell-Ca in der Familie? Rasche Zunahme des
Halsumfangs?
• Körperl. Unters.: wie bei Struma ( 17.6.1 ), bes. auf solitäre SD-Knoten, Schluckverschieblichkeit der SD, Hals-Lk, Heiserkeit u. Horner-Sy. (
17.6.1 ) achten
• SD-Sono Tab. 17.9
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