Harnweginfektionen werden
v. a. durch Escherichia coli, Enterokokken und P. aeruginosa
hervorgerufen. Bei den postoperativen Wundinfektionen
(POWI) gibt es Unterschiede je nach Operationsgebiet.
j
jExemplarische Beschreibung des Moduls OP-KISS
Da postoperative Wundinfektionen ein Problem aller opera
tiven Fachrichtungen im Rahmen der nosokomialen Infek
tionen darstellen, konzentriert sich das OP-Modul von KISS
auf Operationen, die häufig vorkommen und bezeichnet die
se als «Indikator-OP».
Jeder ausgewählte Patient wird vor, während und nach
seiner Operation betreut, eine Infektion wird gemäß ihrer
Ausprägung dokumentiert. In den einzelnen OP-Gruppen
kann so eine vergleichbare Infektionsrate dargestellt werden.
Selbstverständlich werden auch die unterschiedlichen Zu
gangswege zugrunde gelegt, da es wichtig ist, ob laparosko
pisch oder «offen» operiert wird.
Um vergleichbare Daten zu erhalten, wird von KISS ein
elektronisches Dokumentationssystem zur Verfügung ge
stellt, das alle teilnehmenden Kliniken nutzen.
>>Harnwegsinfektionen sind die häufigsten nosokomialen
Infektionen, hervorgerufen durch Harnwegkatheter.
Das Risiko einer Infektion steigt mit der Länge der
atheterisierungsdauer.
K
Infektionen der unteren Atemwege sind die zweithäufigsten nosokomialen Infektionen; v. a. die Pneumonie ist her
vorzuheben, weil sie in erheblichem Maße zur Verlängerung
der Verweildauer auf Intensivstationen beiträgt und auch mit
einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist. Beatmete Patien
ten tragen das höchste Infektionsrisiko (beatmungsassoziierte Pneumonie).
Die dritthäufigsten nosokomialen Infektionen sind die
postoperativen Wundinfektionen, die die Krankenhausauf
enthaltsdauer in erheblichem Maße verlängern. Wie oft solch
eine Infektion auftritt, hängt von bestimmten Faktoren ab,
z. B. der Schwere und Dauer der Operation, der Region, in der
die Operation stattfindet, sowie dem Allgemeinzustand des
Patienten.
Die nosokomiale Sepsis tritt vergleichsweise selten auf,
hat in der Regel aber erhebliche Konsequenzen. Risikofakto
ren für ihre Entstehung sind vorübergehend oder dauerhaft
in den Körper implantierte Gefäßkatheter und Portsysteme.
Infektionserreger können sich dort anheften, vermehren und
über den Blutweg im Körper verteilt werden. Deshalb müssen
diese Implantate entfernt werden.
KISS
Um eine zuverlässige Statistik und Vergleichbarkeit von erho
benen Daten sicherzustellen, wurde vom Nationalen Refe
renzzentrum (NRZ) für Krankenhaushygiene ein Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) gegründet. Die
Oberaufsicht hat das RKI.
Dort wurde jeder Operation jeweils ein Risikopunkt zu
geordnet, der sich auf die Wundkontamination, die Operati
onsdauer und den Patienten (gemäß ASA-Score, 7 Kap. 22)
bezieht.
Die Kiss-Datenbank besteht inzwischen aus einer Vielzahl
von Modulen zur differenzierten Erfassung der verschiede
nen Infektionsarten und deren Erreger.
1.1.9
Antibiotika
Entdeckung der Antibiotika
j
jPenicillium notatum
Alexander Fleming gilt als Entdecker des Penicillins. 1928
führte er Experimente mit Staphylokokken durch. Als er
merkte, dass eine Kultur von Schimmelpilzen befallen war,
stellte er fest, dass der Pilzbefall die Staphylokokken verdrängt
oder zerstört hatte. In daraufhin durchgeführten Versuchen
wurde klar, dass der Pilz eine Substanz produzierte, die töd
lich für einige Bakterien war, die jedoch unschädlich für die
menschlichen Leukozyten war. Für diese Entdeckung erhielt
er 1945 den Nobelpreis.
Als Antibiotikum werden Medikamente bezeichnet, die
gezielt gegen bestimmte Mikroorganismen, in diesem Fall ge
gen Bakterien eingesetzt werden. Als Überbegriff steht der
Begriff «Antiinfektiva», dazu gehören auch die Medikamente
gegen Viren und Pilze.
Unterschiedliche Antibiotika lassen sich nach ihren Wir
kungsmechanismen unterscheiden: Antibiotika hemmen das
Wachstum der Mikroorganismen (sie wirken bakterio
statisch) oder sie töten sie ab (sie wirken bakterizid). Dazu
haben sie verschiedene Angriffsmöglichkeiten auf den Mikro
organismus. Trotzdem gelingt es manchen Bakterien, gegen
den Wirkstoff eine Resistenz (Widerstandsfähigkeit) zu ent
wickeln. Da gibt es zum einen die natürliche Resistenz, auch
als primäre Resistenz bezeichnet und zum anderen die er
worbene, die sekundäre Resistenz.
Resistenz
Begriffsbestimmung
Unter einer Antibiotikaresistenz versteht man die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegen Antibiotika. Die Behandlung mit Antibiotika führt nicht zum Absterben
bzw. der Wachstumshemmung der Bakterien!
23
1.1 · Allgemeine Hygiene
j
jPrimäre Resistenz
Manche Bakterien haben eine genetische Grundsubstanz, die
sie unempfindlich gegen manche Antibiotika sein lässt. Diese
Resistenzen sind bekannt und dementsprechend werden bei
manchen Infektionen einige Antibiotika nicht eingesetzt.
j
jSekundäre Resistenz
Bakterien haben durch Genmutationen oder Übertragung
eine Widerstandsfähigkeit erworben. Bei Mutationen ist dies
zufällig entstanden. Bei Übertragungen können Bakterien
sich aktiv untereinander genetische Informationen weiter
geben.
Da sich Bakterien schnell vermehren, ist die Wahrschein
lichkeit für eine Mutation recht hoch. Die Resistenzentwick
lung der Bakterien ist sozusagen eine «Evolution im Zeit
raffer», denn hier zeigt sich ganz schnell, wie eine Verände
rung im Erbgut eine bessere Überlebenschance bieten kann.
Eine Multiresistenz bei Bakterien ist eine Unempfindlich
keit gegen mehrere Antibiotika verschiedener Klassen. Multi
resistente Keime sind problematisch und oftmals Auslöser
von Krankenhausinfektionen. Beispiele dafür sind
44MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus),
44VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) und
44MRGN (multiresistente gramnegative Erreger).
Bei den sog. MRGN handelt es sich häufig um Keime der
natürlichen menschlichen Darmflora, wie beispielsweise
Escherichia coli.
Begriffsbestimmung
Bei Bakterienstämmen, bei denen die in der Klinik
standardmäßig eingesetzten Antibiotika wirkungslos
sind, spricht man von einer Panresistenz.
Solche Entwicklungen werden durch häufigen und zu kurzen
Einsatz von Antibiotika gefördert. Ebenfalls problematisch ist
sicherlich auch, dass in der Massentierhaltung prophylaktisch
Antibiotika dem Tierfutter zugemischt werden.
Auf der ganzen Welt haben sich Bakterienstämme ent
wickelt, die Resistenzen gegen ein oder mehrere Antibiotika
aufweisen. Hier müssen besondere hygienische und thera
peutische Gesichtspunkte beachtet werden.
j
jResistenzmechanismen
Um sich der Vernichtung durch Antibiotika zu widersetzen,
haben Bakterien bestimmte Mechanismen entwickelt:
k
kProduktion antibiotikaabbauender Enzyme
Enzyme wie die Penicillinase und die Cephalosporinase zer
stören bestimmte Moleküle (den Betalaktamring) des Anti
biotikums. Dieser Mechanismus wirkt vor allem gegen Beta
laktamantibiotika. Eine besondere Form dieses Abwehrme
chanismus stellen die Extended-spectrum-Betalaktamasen
(ESBL) dar. Diese können auch Betalaktamantibiotika spalten,
die resistent gegen die üblichen Enzyme sind, wie z. B. Mono
bactame. Produziert werden diese ESBL häufig von gramne
gativen Darmbakterien wie Escherichia coli, Klebsiella,
Enterobacter oder Serratia.
k
kVeränderung der Zielstruktur
Der Angriffspunkt eines Antibiotikums an oder in der Bak
terienzelle wird verändert, sodass es wirkungslos wird.
k
kVeränderung der Membranpermeabilität
Die Zellmembran wird so verändert, dass es dem Antibioti
kum unmöglich wird, sie zu durchdringen.
k
kPenicillinbindungsproteine
Einige Bakterien wie z. B. MRSA (Methicillin-resistenter
Staphylococcus aureus) zerstören die Antibiotika vor Zell
kontakt nicht, sondern führen den Wirkungsverlust durch die
Veränderung entsprechender Bindungsstrukturen ihrer Zell
wand (Penicillinbindungsproteine) herbei.
k
kEfflux-Pumpen
In der Zytoplasmamembran befindliche Proteine beför
dern die eingedrungenen Antibiotika wieder aus der Zelle
(«Pumpen»).
j
jVermeidung von Resistenzentwicklung
Um in Zukunft die Ausbreitung von Resistenzen und Resis
tenzbildung einzudämmen, müssen verschiedene Maßnah
men ergriffen werden. Dazu bedarf es der Weitergabe der
Daten hinsichtlich resistenter Stämme, einer überlegten An
tibiotikagabe und der Mitarbeit des Patienten und des Perso
nals (Compliance).
Die Beachtung folgender Grundregeln kann zur Verringe
rung/Verlangsamung von Resistenzentwicklungen beitragen:
44Auswahl eines spezifischen Antibiotikums anhand eines
Antibiogramms, das dem Patienten, dem Erreger und
dem Infektionsort gerecht wird,
44Vermeidung übermäßig langer Therapien,
44Einsatz von neuen hochwirksamen Substanzen nur bei
lebensbedrohlichen Fällen oder bei besonderen Indika
tionen.
Im Krankenhaus und anderen Einrichtungen des Gesund
heitswesens ist auf Patienten zu achten, bei deren Einlieferung
schon der Verdacht besteht, mit einem multiresistenten Keim
besiedelt zu sein. Im Fall von MRSA kann ein gezieltes Scree
ning (jeder eingelieferte Patient wird einem Schnelltest unter
zogen), die mögliche Sanierung von MRSA-Patienten, die
Weitergabe dieser Information und das Einhalten der erar
beiteten Hygienerichtlinien helfen, diese Entwicklung zu
bremsen.
Das pflegerische Personal muss nicht in regelmäßigen Ab
ständen auf MRSA getestet werden. Ist jedoch eine Besied
lung bekannt, muss eine Sanierung durchgeführt werden, und
der betroffene Mitarbeiter darf bis zum Abschluss der Be
handlung nicht an Operationen teilnehmen (Gerichtsurteil
BGH 20.03.2007 Az.: VI ZR 158/06)
1
24
1
Kapitel 1 · Hygiene
Multiresistente Erreger (MRE) im OP
Steht ein MRE-Patient für einen operativen Eingriff auf dem
Programm, kann im Vorfeld abgeklärt werden, ob eine peri
operative Antibiotikaprophylaxe für diesen speziellen Keim
sinnvoll ist.
Für die Einordnung dieses Patienten in den Operations
plan hat die KRINKO Regeln erstellt. Danach werden MREPatienten am Ende des Operationsprogramms einbestellt,
oder – wenn vorhanden – in einer septischen Operationsein
heit behandelt.
Bei primär aseptischen Eingriffen (z. B. Einsatz einer
Endoprothese) ist zu bedenken, dass die hygienische Situa
tion in einem Operationssaal zum Ende des OP–Programms
sich verschlechtert. Deshalb können Patienten mit solch einer
Indikation an den Anfang eines Programmes gestellt werden,
allerdings ist im Anschluss der Saal umfassend zu desinfi
zieren.
Aus dem Saal werden präoperativ alle Gegenstände und
Medizinprodukte entfernt, die für diesen Eingriff nicht benö
tigt werden. Es ist sinnvoll, einen Mitarbeiter vor der Saaltür
zu positionieren, der bei Bedarf Materialien bereitstellt (sog.
Außenspringer). Im OP-Saal sollten sich nur die für den Ein
griff unbedingt notwendigen Mitarbeiter aufhalten.
Während der Operation werden alle Maßnahmen ergrif
fen, die sonst auch üblich sind. Auch die Mitarbeiter, die
nicht die sterile Schutzkleidung tragen, sollten jedoch einen
Schutzkittel anlegen, den sie vor Verlassen des Saales wieder
ablegen.
Vor freigesetzten Infektionserregern während der Narko
seausleitung, z. B. durch das Husten des Patienten, schützen
sich die Mitarbeiter durch einen Mund-und-Nasenschutz
und das Tragen einer Schutzbrille.
Der entstehende Abfall kann wie üblich entsorgt werden.
Die Saaldesinfektion wird umfassend durchgeführt, das
Reinigungspersonal ist entsprechend geschult. Die Einwirk
zeit der benutzten Desinfektionsmittel ist unbedingt einzu
halten, das bedeutet in diesem Fall, dass der OP-Saal nach
vollständigem Abtrocknen des Desinfektionsmittels wieder
benutzbar ist. In jeder Abteilung des Krankenhauses gibt es
spezifische Pläne, die jedem Mitarbeiter Regeln an die Hand
geben, nach denen er bei bestimmten Infektionen verfahren
kann.
Dazu gibt es gesetzliche Grundlagen:
Das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz,
IfSG) 01.01.2001; zuletzt geändert durch Art. 5 Abs. 2 G v.
20.04.2013 I 868.
Zweck des Infektionsschutzgesetzes ist es (§ 1):
»» … übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre
Weiterverbreitung zu verhindern …
Das bedeutet, hier werden Prävention und Kontrolle nosoko
mialer Infektionen in mehreren Vorschriften geregelt, weil
deren Zunahme sowie die Antibiotikaresistenzen mancher
Bakterienstämme medizinische, wirtschaftliche und epide
miologische Konsequenzen erfordern.
Das Robert Koch-Institut hat gemäß des Infektionsschutz
gesetzes (§ 23 (1) IfsG) eine Kommission für Krankenhaus
hygiene und Infektionsprävention eingerichtet (KRINKO;
aktuelle Empfehlungen unter www.rki.de), die Empfehlungen
zur Prävention nosokomialer Infektionen erteilt. Diese Emp
fehlungen werden ständig an die neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnisse angepasst und so praktikabel wie möglich for
muliert.
Die Krankenhäuser müssen diese Empfehlungen bei ihren
Präventionsmaßnahmen zugrunde legen.
Aber auch die einzelnen Bundesländer haben Landesver
ordnungen, in denen verankert ist, welche Maßnahmen zur
Verhütung, Erkennung, Erfassung und Bekämpfung von
nosokomialen Infektionen und Krankheitserregern mit Resis
tenzen zu treffen sind. In diesen Verordnungen wird geregelt
44was bei einem Bau und der Einrichtung von Kliniken
zu bedenken ist
44wer mit welcher Qualifikation in der Hygienekommis
sion vertreten sein muss
44wie das Personal geschult sein soll, um Prävention zu
betreiben u.v.m.
1.1.10
Hygienemanagement
Das Hygienemanagement in den Kliniken wird durch die
Hygienekommission organisiert. Diese Kommission formu
liert die Arbeitsanweisungen für die einzelnen Abteilungen
und Bereiche des Krankenhauses in Form von Hygiene- und
Desinfektionsplänen.
>>Der Hygieneplan hat den Stellenwert einer Dienst
anweisung und ist für jeden Mitarbeiter verbindlich.
Um diese Arbeitsanweisungen zu kommunizieren und die
Mitarbeiter zu beraten, werden Hygienefachpflegekräfte ein
gesetzt. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, darauf zu achten,
dass die Vorgaben des Hygieneplanes im Krankenhaus umge
setzt werden.
Die Hygienefachpflegekräfte gelten als ständiger An
sprechpartner des Personals vor Ort.
Der erstellte Ordner mit dem Hygieneplan muss immer
zugänglich und auf dem neuesten Stand (entsprechend den
Richtlinien des RKI) sein. Jeder Mitarbeiter muss den Inhalt
des Hygieneplanes kennen und danach handeln.
In dieser Verfahrensanweisung ist geregelt:
44wo die Schutzkleidung getragen werden darf und muss,
44wann und womit die hygienische Händedesinfektion
(7 Abschn. 1.1.7) durchzuführen ist,
44bei welchen Maßnahmen Schutzhandschuhe zu tragen
sind,
44wie zu verfahren ist, wenn es zu Verletzungen mit
kontaminierten Materialien gekommen ist.
Des Weiteren wird auf allgemeine Desinfektionsmaßnahmen
hingewiesen:
44welche Desinfektionsmittel wofür einzusetzen sind,
44in welcher Konzentration und
44mit welcher Einwirkzeit.
25
1.2 · Hygienische Arbeitsweisen
Für die Funktionsbereiche gibt es zudem Hinweise bzgl. des
Tragens der Bereichskleidung, des Mund-Nasen-Schutzes
und der Schutzbrillen, Instrumentenaufbereitung und der
Gerätedesinfektion. Zudem ist nachzulesen, welche besonde
ren Maßnahmen bei übertragbaren Krankheiten erforderlich
werden. Diese Hygienepläne sind nicht austauschbar, weil
neben den RKI-Richtlinien die baulichen und speziellen Ge
gebenheiten einer Klinik zugrunde gelegt werden müssen.
Personalschutz in den Funktionsabteilungen
Der spezielle Schutz der Beschäftigten ist in den Vorschriften
des Arbeitsschutzes geregelt. Zu nennen sind hier:
44Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
44die Biostoffverordnung (BiostoffV)
44und die Gefahrstoffverordnung (GefahrstoffV).
Diese Gesetze und Verordnungen legen für die Mitarbeiter
Verfahrens- und Vorgehensweisen fest und beschreiben die
erforderlichen Schutzmaßnahmen.
Spezielle Hinweise zur branchenspezifischen Umsetzung
dieser Vorgaben geben die Regeln der gesetzlichen Unfallver
sicherungsträger. So hat die Berufsgenossenschaft für Ge
sundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) die Technische
Regel Biologische Arbeitsstoffe 250 (TRBA 250) eine, für ihre
Mitglieder bindende, Umsetzungshilfe für die Biostoffverord
nung herausgegeben.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 1.1
55 Erklären Sie den Ablauf der hygienischen Hände
desinfektion.
55 Nennen Sie bitte 4 mögliche Infektionserreger.
55 Was versteht man unter einer nosokomialen Infektion?
55 Was sind Multiresistenzen? Nennen Sie zwei Beispiele
dafür.
1.2
Hygienische Arbeitsweisen
Helena Schulz
Lernziele
55 Die Auszubildenden verstehen die allgemeinen und
speziellen baulichen Gegebenheiten, die auf die Vorbeugung von nosokomialen Infektionen in Funktionsabteilungen ausgerichtet sind, und nutzen diese Gegeben
heiten entsprechend.
55 Sie beherrschen die «Non-touch-Technik» im Umgang
mit Sterilgut.
55 Als instrumentierende Kraft können sie sich nach der
chirurgischen Händedesinfektion steril ankleiden, Instrumentiertische steril abdecken, Sterilgüter fach- und sachgerecht entnehmen und dem Standard entsprechend
auf dem Instrumententisch platzieren.
55 Sie können das sterile Ankleiden der mitwirkenden Steril
personen sicher ausführen, die eingriffsbezogenen
Abdeckungen strukturiert und ablaufsicher durchführen
und die sterilen Tische fach- und sachgerecht platzieren.
Dabei praktizieren sie rückenschonende Arbeitsweisen.
55 Als «Springer» können die Auszubildenden die benötigten
Sterilgüter so anbieten bzw. bereitstellen, dass diese von der
instrumentierenden Kraft steril entnommen w
erden können.
55 Sie können sich in den Funktionsabteilungen so bewegen,
dass eine unbeabsichtigte Kontamination von sterilen
Medizinprodukten vermieden wird.
55 Sie sind in der Lage, die Durchführung der aseptischen
und antiseptischen Handlungsweisen der Personen, die
in ihrem unmittelbaren Umfeld tätig werden, zu über
wachen und ggf. korrigierend einzugreifen.
55 Die Auszubildenden können die Entsorgung von kontaminierten Instrumenten und Materialien fach- und sachgerecht durchführen.
1.2.1
Bauliche Gegebenheiten in Operations-/
Funktionsabteilungen aus hygienischer
Sicht
Eine Operationsabteilung ist baulich vom übrigen Kranken
haus getrennt und nur über entsprechende Schleusen zugäng
lich. Schleusen trennen verschiedene Arbeitsbereiche vonei
nander, um eine Erregerverschleppung von Bereich zu Be
reich zu vermeiden.
Die Operationsabteilung beinhaltet folgende Räumlich
keiten:
44Personalschleusen,
44Patientenschleusen, die ggf. einen Abstellplatz für reine
und unreine Patientenbetten bieten,
44Operationssäle in unterschiedlicher Anzahl mit ange
gliederten Waschräumen oder einen sich in der Nähe
befindenden Bereich für die Händewaschung und
-desinfektion,
44Je einen Raum für die Narkoseein- und -ausleitung oder
einen vergleichbaren zentral gelegenen Bereich,
44Lagerräume für Sterilgut, Geräte und andere Materialien,
44Materialversorgungsraum,
44Materialentsorgungsraum/Schmutzraum,
44Büroräumlichkeiten,
44Reinigungsraum,
44Personalaufenthaltsraum,
44einen angegliederten oder sich in der Nähe befindenden
Aufwachraum oder -Bereich,
44ggf. Operationssäle für Operationen an infizierten
Organen und Geweben (septische Operationen),
44ggf. Notfallabor,
44ggf. eine Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA), die dem
operativen Bereich angegliedert sein kann.
j
jOperationssäle
Die Operationssäle sind geschlossene Räumlichkeiten, die
über Türen betreten werden, die in der Regel einen Selbst
schließmechanismus besitzen. Bei Türen ohne einen Selbst
schließmechanismus muss das gesamte OP-Team darauf ach
ten, sie geschlossen zu halten.
In einigen Kliniken befindet sich hinter den Operations
sälen ein sog. Sterilflur, auf dem zum einem sterile Tische
1
26
1
Kapitel 1 · Hygiene
vorbereitend gerichtet werden können und zum anderen Ste
rilgut gelagert wird. Sterilflure müssen die gleichen klima
technischen und hygienischen Bedingungen vorweisen wie
Operationssäle, deshalb muss vor dem Betreten des Sterilflurs
ein Mundschutz angelegt werden.
Waschräume oder -bereiche für die Händewaschung und
Desinfektion sind mit einem Händewaschplatz mit fließen
dem warmem und kaltem Wasser ausgestattet. Des Weiteren
enthalten sie Spender für Seife und Desinfektionsmittel, die
z. B. per Ellenbogen- oder Fußbedienung benutzbar sind.
Zum Abtrocknen der Hände werden Einmalhandtücher dem
Handtuchspender entnommen.
j
jMaterialschleuse
Über die Materialschleuse gelangen Ver- und Gebrauchsgüter
sowie Geräte in den OP. Innerhalb der Schleuse werden die
Transportverpackungen von den ankommenden Materialien
entfernt, bevor sie in der OP-Abteilung verteilt werden. Ma
terialien, die keine Transportverpackungen besitzen, müssen
vor dem Verteilen mit einer entsprechenden Desinfektionslö
sung wischdesinfiziert
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