• Keine Empfehlung sojabasierter Säuglingsnahrungen zur Allergieprävention, eingeschränkte Empfehlung zur Ther. bei Kuhmilcheiweißallergie (⅓
der Sgl. entwickeln Kreuzallergie). Ggf. Gabe bei streng vegetarischer o. laktose- bzw. galaktosefreier Kost
• Präventiver Effekt verzögerter Beikosteinführung nach 4. LM, Meiden möglicher Nahrungsmittelallergene im 1. Lj. nicht belegt. Regelmäßig Fisch
in Beikost wirkt protektiv
• Luftschadstoffe: keine Exposition ggü. Tabakrauch! Verzicht auf lösungsmittelhaltige Farben u. Lacke in Umgebung des Sgl.; keine feuchten,
schimmelpilzbelasteten Stellen in der Wohnung
• Haustiere: Verzicht auf Katzenhaltung in Familien mit erhöhtem Allergierisiko
• Impfungen: Auch Risikokinder sollen vollständigen Impfschutz (STIKO) erhalten
16.3.7. Rachitisprophylaxe
Mangelnde Zufuhr o. Eigenproduktion (UV-Licht-Mangel) an Vit. D u. gestörte Ca-Resorption können zu Mangelrachitis bes. im 1. u. 2. Lj.
(Skelettwachstum ↑) führen. Dank Prophylaxe selten; gelegentlich bei Kindern unterer sozialer Schichten, evtl. bei stets vollständig verschleierten
Mädchen/F. Vit.-D-Tagesbedarf 100–400 IE.
Klinik der Rachitis Unruhe, Reizbarkeit, Knochenschmerzen, Blässe, Scheitelbeinerweichung, verzögerter Fontanellenschluss, verspäteter Zahndurchbruch,
Auftreibungen an Hand-, Fußgelenken u. Rippen (rachitischer Rosenkranz), Muskelhypotonie. Diagn. u. Ther. durch FA.
Prophylaxe
• Ab 2. Lebenswo. bis Ende 1. Lj. u. 2. Lebenswinterhalbjahr 500 IE Vit. D in Wasser, Tee o. Milch aufgelöst direkt in den Mund (z. B. Vigantoletten
® , in Komb. mit Kariesprophylaxe z. B. D-Fluoretten ® 500), Frühgeborene evtl. höher dosieren
• Jenseits Säuglingsalters gesicherte Vit.-D-Versorgung, wenn Gesicht u. Hände im Frühjahr u. Sommer 2 h/Wo. der Sonne ausgesetzt werden
16.3.8. Kariesprophylaxe
Deutlicher Rückgang Karieshäufigkeit aufgrund prophylaktischer Maßnahmen in den letzten Jahren. Derzeit Karies bei ca. 25 % der Kinder, Jgl. u.
Erw.; lokale Prophylaxe hat inzwischen systemische Prophylaxe weitgehend ersetzt.
Ätiologie der Karies Ungenügende Selbstreinigung des Gebisses durch mangelhaftes Kauen, Vergärung von Nahrungszuckern u. Säureeinwirkung →
Entmineralisierung des Zahnschmelzes, Angriffsfläche für kariogene Bakterien ( Strept. mutans 25.8.1 ). 1 mg Fluorid/l Trinkwasser (s. Schweiz) o.
Prophylaxe (s. u.) bewirken Kariesreduktion um 60 %. D: 80 % des Trinkwassers enthalten < 0,2 mg Fluorid.
Prophylaxe
• Lokal: frühzeitige Zahnpflege ab 1. Milchzahndurchbruch mit Wattestäbchen o. Sgl.-Zahnbürste u. Wasser. Verwendung von Zahnpasten mit 0,05
% Fluoridanteil, sobald Kind sicher ausspucken kann (ca. 4. Lj.); ab 6. Lj. 0,15 % Fluoridanteil, ggf. zusätzlich 1,25 %-Fluoridgel 1 ×/Wo.
Versiegelung mit Fluoridlacken durch Zahnarzt. KH-reiche, klebrige Zwischenmahlzeiten (Süßigkeiten, Limonaden, Fruchtsäfte) meiden
• Systemisch: Fluorid 0,25 mg/d. Nach Zahndurchbruch möglichst lutschen lassen. Beendigung der Gabe, wenn regelmäßig relevante Menge an
fluoridiertem Haushaltssalz verzehrt wird bzw. die Zähne 2 ×/d mit fluoridierter Zahnpasta geputzt werden.
• Sorgfältige Mund- u. Zahnhygiene auch der Eltern. Cave: Kariesübertragung durch Ablecken des Kinderlöffels o. -schnullers
16.3.9. Strumaprophylaxe
16.3.9. Strumaprophylaxe
Jodmangel Weltweit ca. bei 1 Mrd. Menschen Jodmangel . Auch D ist endemisches Jodmangelgebiet. Jodversorgung in letzten J. ↑ (Verwendung von
jodiertem Speisesalz in Privathaushalt, Großküchen u. Lebensmittelherstellung), aber noch Versorgungslücken von ca. 20 % bei Kindern, 30 % bei Jgl. u. Erw.,
50 % bei Schwangeren u. Stillenden. Prävalenz NG-Kropf nur noch < 1 %.
Klinik Jodmangelstruma Lange Zeit symptomlos, Wachstumsverzögerung, Störung der neurolog.-psychischen Entwicklung, erst im fortgeschrittenen
Stadium sichtbare Vergrößerung u. Druckgefühl (diffuse, euthyreote, „juvenile“ Struma), anfangs auch larviert als Konzentrationsschwäche,
Leistungsminderung, depressive Verstimmung. Langfristig regressiv-zystische Veränderungen, Adenome, Verkalkungen, Autonomie ( 17.6 ).
Diagnostik NG-Screening. Anlässlich Schulanfangs-, Berufseingangs-, Schwangeren- u. allg. Gesundheitsvorsorge: SD-Anamnese (familiäre
Strumabelastung), Tastbefund, TSH, ggf. Sono (Normgrenzen 6./13./18. Lj.: 4/8/15 ml; Erw.: F/M bis 18/25 ml). Weiterführende Diagnostik durch FA ( 17.6
).
Prophylaxe Tägl. Jodbedarf: Sgl. 40–80 μg, Kinder bis 10 J. 100–140 μg, bis 13 J. 140–180 μg, bis 15 J. 180–200 μg, Jgl. u. Erw. 200 μg, Schwangere 230
μg, Stillende 260 μg Jodid. Jodzufuhr über Ernährung bei Erw. ca. 120 μg Jodid/d. ( 16.16 ).
• J odiertes Speisesalz (ggf. mit Fluor u. Folsäure 16.3.8 ): Verzehr von ca. 5 g ≈ 100 μg Jodid/d
• Bevorzugung von mit jodiertem Salz hergestellten Lebensmitteln (Brot-, Fleischwaren: Jodsiegel!)
• Regelmäßig Seefisch (2 ×/Wo.), Milch (½ l/d), -produkte. Cave: Algen- o. Seetangprodukte (hoher Jodgehalt)
• Jodtbl. in bestimmten Situationen (z. B. Jodetten ® 100 μg/200 μg/1,5 mg):
– Bedarf ↑: Wachstum, Pubertät (100 μg Jodid/d o. 1,5 mg Jodid/Wo.); Grav., Stillzeit (100-150 μg Jodid/d)
– Gestillte Sgl., wenn Mutter keine Prophylaxe betreibt (50 μg Jodid/d). Säuglingsmilchen enthalten ausreichend Jod
– Bei Verzicht auf Seefisch, Milch, -produkte
– Bei salzarmer Diät (Hypertonie, Nierenerkr., Verwendung von Spezialsalzen)
16.4. Anamnese und Untersuchung
16.4.1. Besonderheiten der Anamnese
Eigenanamnese je nach Alter noch nicht/erschwert möglich, daher gezielte Fragen an betreuende Personen unerlässlich.
Wichtige Fragen
• Beschwerden seit wann? Erstmals? Verlauf?
• Wann zuletzt gegessen, getrunken, geschlafen? Appetit? Stuhlgang, Miktion (Windel zeigen lassen)? Fieber? Spielverhalten?
• Was wurde bereits versucht? Medikamente? Mit welchem Erfolg?
• Vorerkr.? Allergie? Familiär?
• Ähnliches in Umgebung, Kindergarten, Schule?
• Wo u. wann zuletzt unterwegs? Reiserückkehr?
• Impfstatus (Impfausweis zeigen lassen)?
• Letzte Vorsorge (Vorsorgeheft zeigen lassen)?
• Vermutung, Ängste der Eltern? Wenn möglich: Sicht des Kindes?
16.4.2. Besonderheiten der Beobachtung
Geschulte Beobachtung u. Einschätzung des AZ entscheidend.
Was macht das Kind?
• Bewusstseinszustand: Interessierte o. spielende Kinder u. KK, die sich gegen Unters. wehren, sind (noch) nicht schwer krank. Apathie ist
Alarmzeichen (s. u.)!
• Gestik (Geschrei, Tränen): je dramatischer der Lärm, umso undramatischer der Zustand. Zorniges Schreien ist besser als klagendes Wimmern.
• Bewegungsverhalten: Ein auf eigenen Füßen laufendes Kind ist meist in ausreichendem AZ. Ein auf dem Arm der Mutter kauerndes Kind ist krank.
• Trinkverhalten: Sgl., der mehr als eine Mahlzeit auslässt, ist schwer krank.
Unmittelbare Alarmzeichen
• Marmorierte, zyanotische, blassgraue Haut: z. B. Schock, Sepsis, Auskühlung, Hypoglykämie, Anämie, Hypoxämie (Zyanose 16.5.10 )
• Nicht wegdrückbare Hauteinblutungen: z. B. Meningok.-Sepsis ( 16.8.9 )
• Apathie, starrer o. „wegschwimmender“ Blick, seltener Lidschlag, halonierte Augen: z. B. Exsikkose ( 16.5.4 )
• Schonhaltung des Kopfes, Opisthotonus, Lichtscheu, Berührungsempfindlichkeit, Wimmern: z. B. Meningitis ( 16.8.9 ), Enzephalitis ( 16.8.10 )
• Beschleunigte Atemfrequenz, blaue Lippen: z. B. Pneumonie ( 16.6.10 )
• Interkostale Einziehungen: z. B. Krupp-Sy. ( 16.6.5 ), obstruktive Atemwegserkr. ( 16.6.8 )
16.4.3. Besonderheiten der Untersuchung
Durchführung Am besten auf Schoß (KK) o. über Schulter (Sgl.) der Mutter untersuchen. Hände mit warmem Wasser, Instrumente in Handtellern wärmen
(Stethoskop mit Gummiring). Bei Sgl. warmer Untersuchungsplatz (Wärmelampe). Spielerische Einbeziehung des Kindes, Demonstration an Teddy o. sich
selbst. Kind erzählen lassen. Beruhigend erklären, auch wenn nicht alles verstanden wird. Keine falschen Versprechungen! Ankündigen, wenn etwas wehtut.
Belastende Unters. zuletzt: Ohr-, Racheninspektion, Genitalunters. Auskultieren, solange Kind noch geduldig o. zwischen den Schreiattacken.
Integument
• Farbe: rosig (normal); karotinbeladen (auch Handteller u. Sohlen, nicht Konjunktiven); ikterisch (auch Konjunktiven 16.5.9 ); zyanotisch (kardial,
pulmonal 16.5.10 ); blassgrau, marmoriert (Zentralisation?)
• Exanthem: wegdrückbar (allergisch, infektiös 16.5.2 ), nicht wegdrückbar (Hauteinblutung, Meningok.-Sepsis 16.8.9 )?
• Turgor: stehenbleibende Hautfalten, trockene Schleimhäute (Exsikkose 16.5.4 ).
• Ekzem: trocken, nässend, krustig, blutig gekratzt, bes. Armbeugen (Neurodermitis 16.9.9 )
• Stiche: Parasiten (Schnaken, Flöhe, Milben, Zecken)? Wanderröte ( 9.3.4 )? Raupendermatitis ( 26.7.3 )?
• Hämatome, Abschürfungen, Verbrennungen: Nicht erklärbar (Misshandlung 16.12 )?
Augen
• Augenkontakt: wird normalerweise erwidert. Starren, „Wegschwimmen“ der Augen sind Alarmzeichen
• Aspekt: halonierte, eingesunkene Augen, seltener Lidschlag (Exsikkose)
• Konjunktivitis: allergisch (Heuschnupfen), infektiös (Virusinfekt, pathognomonisch bei Masern), eitrig (bakt. Inf.)
• Lichtscheu: Konjunktivitis, Meningitis (unzuverlässig)
• Roter Pupillenreflex: beim dir. Hineinleuchten. Nicht bei Katarakt, retrolentaler Fibroplasie
Kopf
• Meningismus: prüfen bei allen unklaren Zuständen, Fieber, Kopfschmerzen. Je jünger das Kind, umso wichtiger, aber auch unzuverlässiger.
Opisthotone Kopfhaltung, bevorzugte Seitenlage, Schmerzen beim Anheben des Kopfes aus Rückenlage ( Abb. 16.4 ) o. beim Berühren von Stirn
u. Knie („Kniekuss“ beim kleinen Kind passiv, beim älteren Kind aktiv). Bis zum Beweis des Gegenteils Hinweis auf ZNS-Inf. (Einweisung, LP)
Abb. 16.4 Untersuchung auf Nackensteifigkeit
[L157]
• Fontanellenspannung: nur in ruhiger, sitzender Position beurteilbar, leichte Pulsationen normal. Spannung u. Niveau ↑ bei Hirndruck, eingesunken
bei Exsikkose ( 16.5.4 ). Fontanellenschluss mit ca. 2 J.; vorzeitig bei Kraniosynostose, Mikrozephalie; verzögert bei Hypothyreose ( 17.6.3 ),
Rachitis ( 16.3.7 ), klaffend bei chron. ↑ Hirndruck
• Otoskopie: bei allen fiebernden Kindern. Zuerst gesundes, dann krankes Ohr. In seitl. Lagerung mit ohrenspiegelhaltender Hand Kopf kurz auf die
Unterlage drücken, um plötzliche Bewegungen zu verhindern. Mit freier Hand beim Sgl. Ohrmuschel nach hinten-unten, beim älteren Kind nach
hinten-oben ziehen. Beim schreienden Kind Trommelfelle oft diffus gerötet, Lichtreflexe erhalten. Otitis media: Rötung („Injektion“ basal o. am
Hammergriff beginnend, Reflexverlust, Trübung, evtl. Vorwölbung). „Grippe-Otitis“: Rötung mit blasigen Auftreibungen ( 16.6.11 )
• NNH: Belüftung u. klin. Relevanz: Siebbein ab ½ J., Kiefer- u. Keilbein ab 3. J., Stirnbein ab 5. J.
• Racheninspektion: Haltung des Kindes ( Abb. 16.5 ). I. d. R. ohne Auslösen des Würgereizes möglich. Nicht bei V. a. Epiglottitis ( 16.6.2 ). DD:
trockene Schleimhäute (Exsikkose 16.5.4 ). Schleimstraßen (Rhinitis 16.6.1 ), Sinusitis ( 16.6.13 ). Weiße Beläge beim Sgl. (Soor 16.9.3 ,
Milchreste wegwischbar). Imponierend große Tonsillen möglich (Entfernung nur bei behinderter Atmung 23.3.2 ). Geröteter Rachenring
(Virusinf.). Rot geschwollene, mit Stippchen o. Belägen belegte Tonsillen (Tonsillitis, Streptok.-Angina 16.8.3 , Mononukleose 9.4.3 )
Abb. 16.5 Racheninspektion. Li Haltung beim Kleinkind, re beim Säugling
[L157]
Hals
• Lk-Status: subokzipital, nuchal (pathognomonisch bei Röteln), prä-, retroaurikulär, submaxillär, seitlicher Hals, auch axillär u. inguinal. Bds.
Schwellung (Inf.), einseitige Schwellung (regionäre Lymphadenitis). Kleine, bes. inguinale Lk bei fast allen Kindern. Cave: maligne Prozesse
(selten)
• SD: Palpation bes. bei Jgl. (Strumaprophylaxe 16.3.9 )
Lunge
• Atemfrequenz: altersentsprechende Normwerte (Wachen/Schlafen): NG (50–60/40–50); 6.–12. Mon. (30–50/22–31); 1.–2. Lj. (30–40/17–23); 2.–4.
Lj. (23–42/16–25); 4.–6. Lj. (19–36/14–23); 6.–8. Lj. (15–30/13–23); 8.–10. Lj. (15–31/14–23); 10.–12. Lj. (15–28/13–19); 12.–14. Lj. (18–26/15–
18)
• Exspirium: länger als Erw.
• Auskultation: Atemgeräusch lauter als Erw. Cave: Bronchialatmen des Sgl. nicht mit Pneumonie verwechseln! Fortgeleitete grobblasige RG häufig
bei verrotzt-verschleimten Kindern (Abhusten, Lageveränderung). Cave: Kleine Segmentpneumonien erfordern sorgfältige Auskultation!
• Perkussion: meist nur orientierend möglich. Bei KK am besten im Sitzen, Mittelfinger auf Dornfortsätze, Ring- u. Zeigefinger perkutieren,
Seitenvergleich
• Einziehungen: epigastrisch bes. beim Sgl. schwer zu beurteilen (Bauchatmer); supraklavikulär, interkostal (Dyspnoe)
Pathologische Lungenbefunde
• Atemfrequenz: ↑ (Pneumonie 16.6.10 )
• Exspiration: verlängert (obstruktive Bronchitis 16.6.8 , Asthma bronchiale 16.6.9 )
• Stridor: inspir. (Krupp-Sy. 16.6.5 ), exspir. (obstruktive Bronchitis 16.6.8 , Asthma bronchiale 16.6.9 )
• RG: fein- bis mittelblasig, feucht, ohrnah (Pneumonie 16.6.10 )
• Atemgeräusch: einseitig o. lokal, abgeschwächt o. verschärft (Aspiration, Fremdkörper 16.6.15 , Atelektase, Erguss, Pneumothorax, Pneumonie
16.6.10 )
• Einziehungen: Krupp-Sy. ( 16.6.5 )
• Überblähung: obstruktive Bronchitis ( 16.6.8 ), Asthma bronchiale ( 16.6.9 )
Herz
• Sinusarrhythmie: ausgeprägte Atemabhängigkeit bei Kindern normal
• Extrasystolen: bis 5 singuläre pro Min. noch normal (supraventrikulär)
• Herzgeräusche: systolisch akzidentell häufig (bes. bei Fieber); diastolisch, hochfrequent, rau ( 10.2.1 , 10.10 )
• Herzinsuff.: Gedeihstörung, Hepatomegalie, Blässe, Zyanose, Schwitzen, Atemnot
• Femoralispulse: ↓ bis fehlend (z. B. Aortenisthmusstenose)
Abdomen
• Inspektion: Bei Sgl. seitlich ausladend, bei KK ventral gebläht? Peristaltik sichtbar? Nässender Nabel (Infektionsquelle)? Hernien?
• Auskultation: Verstärkte Darmgeräusche (Enteritis)? Sonst wie Erw. ( 8.2.1 )
• Abwehrspannung: Beine im Hüftgelenk gebeugt, Arme neben Bauch ausgestreckt, nur mit warmen Händen, bei Schreien Phase des Luftholens
nutzen
• Palpation Leber: bei Sgl. bis 2 cm unter Rippenbogen tastbar
• Palpation Milz: bei tiefer Inspiration u. Gegenlagerung tastbar
• Rektale Unters.: mit kleinem Finger, zuvor Anus inspizieren (Fissur, Prolaps?). Blut am Fingerling: Invagination ( 16.7.7 ), Volvulus ( 16.7.8 )?
Windel-, Genitalbereich
• Windel: Nassgewicht? Feuchtigkeitshof? Wenn trocken, wann zuletzt gewechselt? Wenn länger als 6 h trocken, ausreichende Trinkmenge? Stuhl bei
gestilltem Sgl.: breiig, goldgelb, angenehm riechend. Stuhl bei akuter Enteritis: wässrig, grünlich, übel riechend
• Haut unter Windel: wund, rot (Windeldermatitis 16.9.2 )
• Phimose: bei Sgl. u. KK physiolog., nicht manipulieren!
• Hoden: Torsion (schmerzhaft, imponiert als akutes Skrotum/Abdomen 16.10.4 )? Hydrozele (prall-elastisch, nicht ausdrückbar, pos. Diaphanoskopie
16.10.2 )? Leistenbruch (mit kleinem Finger nach oben „hakeln“)?
• Verletzungen, vaginaler Ausfluss: Missbrauch ( 16.12 )?
Extremitäten
• Inspektion: Abspreizbehinderung ( Abb. 16.6 ), Oberschenkelverkürzung, Faltenasymmetrie, Strampeln eingeschränkt: angeb. Hüftdysplasie? ( 6.5.5
)
Abb. 16.6 Hüftdysplasie re: Abspreizbehinderung, Oberschenkelverkürzung, Faltenasymmetrie
[L157]
Abb. 16.7 Röteln- und Masernexanthem im Vergleich
[L157]
Abb. 16.8 Scharlach. Exanthemausbreitung im zeitlichen Verlauf
[L157]
• Ortolani-Zeichen bei Hüftdysplasie: hör- u. fühlbares Einschnappen Hüfte bei passiver Abduktion u. Außenrotation des in Hüfte u. Knie gebeugten
Beins. Möglichst frühzeitige Diagnose in ersten LT.
• Transientes Hinken: Coxitis fugax („Hüftschnupfen“ 6.5.10)?
26,249,158,239,179,86,71,62,234,64,178,143:Peklqp+h7UcxR1GxF99OT3/TyzlmY/jxN3cyUnkoSsiT+6Lp19I/9C/MzPagGlHR1aM2XyuKS/R+lMDvhjFOxJgFFPdTgGbZxwq/sMhT+wuxkmadc+rXQXtSE6A/KHfEp9+u1Q8nag
16.6. Krankheitsbilder der Atemwege
16.6.1. Unkomplizierter Atemwegsinfekt
Synonyme Akute respir. Erkr. ( ARE), grippaler Inf., unkomplizierte Atemwegsinf., common cold.
Infekte oberer Luftwege sind häufigste akute Erkr. im Kindesalter: 90 % viral, 10 % prim. o. sek. bakt. bedingt. Bis zu 8 Inf. pro J. gelten im
Kindergartenalter als normal (erhöhte Exposition). Mit Reifung des Immunsystems werden Krankheitserscheinungen schwächer u. seltener. 9-Jährige
erkranken durchschnittlich 3- bis 4-mal, 12-Jährige 1- bis 2-mal pro J. IKZ ½–3 d. Dauer selten > 10 d. Risikofaktoren („infektanfälliges Kind“): Stillen <
1 Mon., Passivrauchen.
Klinik Rhinitis, Pharyngitis, Laryngitis, Tracheitis, Bronchitis u. deren (absteigende) Komb. aufgrund enger örtlichen Nachbarschaft. I. d. R. unkomplizierter
Verlauf („banal“) mit allenfalls leichter AZ-Einschränkung, erhöhte Temperatur höchstens 5–7 d.
Diagnostik Schwierige Abgrenzung viraler von bakt. Inf.: erfolgt klinisch (Err.-Diagn. aus Sputum ungenau, teuer, zeitaufwendig).
• Zeichen primär bakt. Inf.: schwerer Verlauf, hohe Temperatur > 3–4 d, grün-gelblicher Auswurf, Leukozytose
• Zeichen bakt. Superinf.: erneuter Fieberanstieg, eitriger Auswurf, Leukozytose
Komplikationen Tonsillitis, Otitis, Sinusitis, Einengung der Atemwege (Krupp-Sy., obstruktive Bronchitis, Asthma), Entzündungsausbreitung auf tiefe
Atemwege (Bronchiolitis, Pneumonie), bakt. Superinf. o. Chronifizierung.
Basistherapie bei unkompliziertem Infekt Körperl. Schonung (Bettruhe nicht erzwingen), Ruhe u. viel Schlaf, ausreichend Flüssigkeit (Tee), leichte Kost
(fettarm), ggf. Antipyrese ( 16.15.1 ). Gelbliche Verfärbung Nasensekret o. Sputum bei Abklingen des Inf. häufig, keine spez. Ther. erforderlich. Cave:
Dampfinhalationen (Verbrühungen). Ätherische Öle nicht bei Kindern < 2 J. (Laryngospasmus)! Wirksamkeit von pflanzlichen o. bakt. Immunstimulanzien ist
nicht belegt.
Prophylaxe Allg. Hygieneregeln beachten, Hände waschen, engen Kontakt zu erkrankten Kindern meiden, Impfungen komplettieren (Influenza, Pneumok.,
Pertussis).
16.6.2. Rhinitis
Synonyme Schnupfen, Coryza.
Klinik „Laufende“, verstopfte Nase, Niesen, Augentränen, Lichtscheu, gerötete, geschwollene Schleimhäute, kurzzeitige Temperaturerhöhung; weißliches,
gegen Ende gelbliches Nasensekret. I. d. R. selbstlimitierend, Dauer 7–10 d. Bei Sgl. auch Trinkschwäche, Unruhe, Fieber. Sgl. atmen i. d. R. nur durch Nase → u. U. AZ ⇊ mit Apnoeanfällen u. Zyanose.
Differenzialdiagnose Bei Chronifizierung (> 10 d): allergische Rhinitis (Heuschnupfen 23.5.1 ), Sinusitis ( 16.6.13 ), Adenoide, Fremdkörper,
Nasentropfenabusus, Immunmangel, Tbc, konnatale Syphilis (selten).
Komplikationen Superinf. (eitriges, fötides Nasensekret; meist Strepto- o. Staphylok.), Sinusitis, Otitis media.
Therapie Ausreichende Trinkmenge. Bei Sgl. mit verstopfter Nase Nasenspülung, Absaugen des Nasensekrets (0,9 % NaCl in Pipettenflasche, NUKNasensauger), Nasenspray auf Meersalzbasis (z. B. Rhinomer ® ); abschwellende Nasentr. nur zurückhaltend ( 16.15.4 ). Antibiotika sind bei einer Dauer von <
10 d i. d. R. nicht indiziert. Fieberhafte Superinf. bei Sgl.: Penicillin (Streptok., z. B. InfectoBicillin ® ), ggf. Cephalosporin (Staphylok., z. B. InfectoCef ® ).
Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .
16.6.3. Pharyngitis
23.3.2 .
16.6.4. Laryngitis
23.4.1 .
16.6.5. Krupp-Syndrom (Krupp, Epiglottitis)
Definition Entzündliche Kehlkopfenge mit vorwiegend inspir. Stridor u. Atemnot. Bezeichnung Pseudokrupp (zur Unterscheidung vom „echten“ Krupp bei
Diphtherie) nicht mehr sachgerecht, aber umgangssprachlich noch üblich.
Ätiologie
• Krupp (stenosierende subglottische Laryngotracheobronchitis; häufig, Tab. 16.8 ): (Virus-)Inf. (Infektkrupp) o. unspez. Faktoren (spasmodischer
Krupp); „Umweltfaktoren“ spielen kleine, aber nachweisbare Rolle. Bei rezid. Krupp lokale Disposition; Übergang in Asthma möglich
Tab. 16.8 Differenzialdiagnose des Krupp- Syndroms
Krupp Epiglottitis
Anamnese oft Atemwegsinfekt keine Hinweise
Beginn langsam (nachts oft akut) stürmisch (innerhalb von Stunden)
Allgemeinzustand wenig beeinträchtigt schwer beeinträchtigt
Fieber mäßig hoch (> 38 °C)
Stridor inspiratorisch inspiratorisch (exspiratorisch „Karcheln“)
Stimme heiser, aphonisch leise, kloßig
Husten bellend nicht bellend o. fehlend
Schluckstörung nein ausgeprägt
Speichelfluss nein ausgeprägt (vorgeschobenes Kinn)
Haltung im Bett liegend sitzend (vornübergebeugt)
Alter (J.) (½) 1–3 (4) (2) 3–6 (7), auch Erw.
Tageszeit meist abends, nachts ganztags
Jahreszeit meist Herbst, Winter ganzjährig
Rezidive häufig selten
Mortalität (unbehandelt) gering 50 %
Krupp Epiglottitis
• Epiglottitis (akut stenosierende phlegmonöse supraglottische Laryngitis, Tab. 16.8 ): Hib-Inf., selten andere Bakterien. Lebensbedrohlich,
Gefährdung oft verschleiert! Seit Hib-Impfung selten
• Sonstige: Masern, Mononukleose, allergisches Ödem, Verätzung, Verbrühung, retropharyngealer Abszess, Kehlkopfdiphtherie („echter“ Krupp)
• Fremdkörperaspiration ( 16.6.15 )
• Glottisödem: Nahrungsmittel-, Insektengiftallergie
Diagnostik Rechtzeitige Unterscheidung von vitaler Bedeutung.
Therapie
• Je nach Schweregrad ( Tab. 16.9 )
Tab. 16.9 Therapie der Atemnot bei Krupp-Syndrom nach Schweregrad
Grad Symptome Therapie
I Heiserkeit, bellender Husten Kühle, feuchte Luft, Beruhigung
1
, ggf. Sedierung
2
II Zusätzlich: inspir. Stridor Zusätzlich: Dexamethason oral bzw. Predniso(lo)n rektal u./o. Adrenalin inhalativ
3
III
zusätzlich: Atemnot, Einziehungen, Unruhe,
Tachykardie
Zusätzlich: 2–4 l O 2
/Min. via Nasensonde, Klinikeinweisung mit notärztl.
Begleitung
4
IV
Zusätzlich: Erstickungsgefahr, Zyanose, grau-fahles
Hautkolorit, Somnolenz, Hypotonie, Bradykardie
6
Zusätzlich: assistierte O 2
-Maskenüberdruckbeatmung
5
, ggf. Herzdruckmassage,
möglichst keine Nottracheotomie, sofortiger Transport unter notärztl. Begleitung
1 Verschlimmerung durch Stress, daher keine Hektik, keine unnötigen Manipulationen. Zuspruch, Kind hochnehmen, herumtragen lassen, nicht von Mutter trennen
(med. Ind. zur stat. Mitaufnahme eines Elternteils)
2 Nur in Ausnahmefällen im Stadium I o. II ( cave: Erschöpfung): Diazepam rektal, Sgl. 2,5–5 mg, KK 5–10 mg (z. B. Diazepam Desitin ® rectal tube 5/10 mg)
3 Dexamethason oral 0,15 mg/kg KG (z. B. InfectoDexaKrupp ® 2 mg/5 ml Saft) o. i. m. ( cave: belastend). Alternativ Prednison 100 mg rektal (z.B. Rectodelt ® ).
Adrenalin inhalativ (z. B. InfectoKrupp ® Inhal 1-2 ml per InfectoPharm Taschenvernebler)
4 Maske vor Mund u. Nase halten, nicht auf Gesicht pressen (erzeugt Angst)
5 Trotz inspir. Enge bleibt Exspiration lange unbehindert. Ist Kind erschöpft, Unterstützung der Einatmung durch assistierte Überdruckbeatmung mit Maske u.
Beutel, ohne dass Intubation erforderlich (nur als Ultima Ratio, nur durch Geübte, stat.). Intubation bei Krupp selten nötig, bei Epiglottitis problematisch, aber nötig
6 Stridor bei langsamerer Atmung wieder leise. Cave: Fehleinschätzung
• V. a. Epiglottitis: sofortige Klinikeinweisung unter notärztl. Begleitung, auch wenn noch keine Atemnot. Rachen nicht inspizieren, da dies
zusätzlicher Reiz für reflektorischen Atemstillstand! Nicht zum Liegen zwingen
• Bei Krupp: Eltern auf Rezidiv vorbereiten (häufig in darauffolgender Nacht); Glukokortikoide prophylaktisch verordnen
16.6.6. Bronchitis
Häufigste akute Atemwegserkr. bei KK (90 % viral) meist im Gefolge einer Rhinopharyngitis o. komb. (Laryngotracheobronchitis, Sinubronchitis);
mehrmals pro J., bevorzugt in kalter Jahreszeit.
Klinik Anfangs meist Schnupfen u. trockener Reizhusten, evtl. retrosternale Schmerzen, ggf. leichtes Fieber für wenige d; dann produktiver Husten mit
weißlichem Auswurf, bei bakt. Superinf. gelb-grünlich. Bei Sgl. u. disponierten Kindern nach dem Husten Erbrechen u. Bauchweh.
Diagnostik Auskultation anfangs unauffällig, ggf. verschärftes Atemgeräusch; mit Sekretproduktion einhergehend mittel- bis grobblasige, nicht klingende
RG, die nach Abhusten verschwinden, ggf. passager diskretes Giemen u. Brummen. Rö-Thorax nur bei protrahiertem o. schwerem Verlauf o. unklarer Genese.
Nachweis aller wesentlichen Err. mittels Multiplex-PCR aus Rachenspülwasser möglich, aber nicht für Alltag geeignet.
Therapie
• Frischluft, körperl. Schonung, ggf. Antipyrese ( 16.15.1 )
• Antitussiva allenfalls in Anfangsphase bei quälendem Reizhusten vertretbar
• Sekretmobilisierung bei beginnender Sekretproduktion: ausreichend Flüssigkeit; Sekretolytika ( 16.15.2 ): nur begrenzter Effekt, nicht mit
Antitussiva komb. ( cave: Sekretretention, Pneumoniegefahr!); Inhalation mit 0,9-proz. steriler NaCl-Fertiglsg.; ggf. PT
• V. a. bakt. Inf. (keine Besserung nach 3 d, hohes Fieber, eitriger Auswurf, Husten > 1 Wo. o. primär bei gefährdeten Kindern): Antibiotika-Ther.
16.6.10
• Schwerer Verlauf, Nahrungsverweigerung (Sgl., KK) FA-ÜW → Pädiatrie o. KH-Einweisung
Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .
Prognose Ausheilung in 2 Wo., evtl. länger anhaltender Reizhusten.
Komplikationen
• Rezid. Bronchitis: vermutlich Neuinf. mit anderen Virustypen
• Chron. Bronchitis: Husten, Auswurf, grobblasige RG kontinuierlich > 3 Mon. in 2 aufeinanderfolgenden J. Ursachen: „Disposition“, gestörte
Infektabwehr, PNDS (Sekretansammlung im Nasenrachenraum → chron. Reizung dort befindlicher Hustenrezeptoren infolge chron. Sinusitis o.
allerg. Rhinitis), Adenoide, vorausgegangene (Masern, Pertussis) o. persistierende Inf. (Tbc), Fremdkörper, gastroösophagealer Reflux,
Bronchiektasen, Mukoviszidose, Zilienfunktionsstörung, Herzfehler
• Obstruktive Bronchitis ( 16.6.8 ), Asthma ( 16.6.9 )
• Bronchopneumonie: typischerweise erneuter Fieberanstieg ( 16.6.10 )
16.6.7. Bronchiolitis
Definition Im 1. u. 2. Lj. durch (bes. RS-)Viren. Entzündung peripherer Bronchien u. Bronchiolen. Folge: hochgradig lebensbedrohliche, obstruktive
Ventilationsstörung.
Klinik Nach zunächst unkomplizierter Inf. oberer Luftwege (z. B. seröse Rhinitis) o. als KO z. B. bei Masern o. Keuchhusten schwer beeinträchtigter AZ:
Fieber, beschleunigte Atmung, Nasenflügeln, Husten, grau-zyanotisches Hautkolorit, thorakale atemsynchrone Einziehungen, durch Überblähung scheinbare
Hepatomegalie.
Diagnostik Entscheidend ist klin. Aspekt. Auskultation: frühinspir. feinblasige, klingende RG, exspir. Dyspnoe mit Giemen u. Brummen; Atemgeräusch ↓
(je leiser, desto bedrohlicher).
Therapie Sofortige Klinikeinweisung.
Komplikationen Akute Verschlechterung mit Gefahr plötzlicher Apnoe (Letalität 5 %).
Prophylaxe
• Allg.: strenge Hygiene, gründliches Händewaschen, Rauchverbot in Gegenwart des Kindes, Impfung gegen Pneumokok. ( 16.6.10 ), bei RisikoKindern zusätzlich Impfung gegen Influenza (ab 6. Mon. möglich)
• Prophylaxe: Frühgeborene u. Kinder < 2 J. mit bronchopulmonaler Dysplasie o. Herzfehler erhalten während Wintermonaten monoklonale Ak gegen
RSV (Palivizumab, z. B. Synagis ® ). Impfstoffe in Entwicklung
16.6.8. Obstruktive Bronchitis
Trias: Entzündliche Schleimhautschwellung, Schleimproduktion ↑, ab 2. Lj. auch Bronchialmuskelspasmus. Rezid. bei hyperreagibler
Bronchialschleimhaut: meist viraler, seltener allergischer, emotions- o. anstrengungsbedingter Genese. Vorwiegend bei Sgl. u. KK infolge physiolog. Enge
der Atemwege
Klinik Atemnot mit verlängertem Exspirium, exspir. Stridor (pfeifende Atmung), Husten , Auswurf eines zähen, glasigen Schleims. Selten Tachypnoe,
Zyanose o. hohes Fieber. Auch Bauchschmerzen, Erbrechen.
Diagnostik I. d. R. klinisch:
• Auskultation: Giemen, Brummen, fortgeleitete grobblasige RG
• Klopfschall: hypersonor infolge Überblähung
• Rö-Thorax: nicht routinemäßig, aber bei unklarem o. schwerem Verlauf (Ausschluss Pneumonie, Fremdkörperaspiration)
Therapie
• Wie Bronchitis ( 16.6.6 ). Cave: Antitussiva kontraindiziert!
• Zusätzlich Spasmolyse: wie bei Asthma ( 16.6.9 )
• Zusätzlich Entzündungshemmung: wie bei Asthma ( 16.6.9 )
• Bei schwerem Verlauf orale Steroide für einige d (z. B. Prednison 1–2 mg/kg)
Prophylaxe Eingehende Beratung Eltern (Rauchverbot in Gegenwart des Kindes, Ergänzung Impfungen); bei Rezidiven ggf. Milieuwechsel, Klimakur.
Prognose Bei atopischer Disposition Übergang in Asthma in 20 %. Cave: Bei rezid. Verlauf schwierig abzugrenzen, daher sorgfältige Diagn. u. frühzeitige
Ther.
16.6.9. Asthma
Definition Chron. entzündliche Erkr. der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität u. variabler Atemwegsobstruktion. Häufigste chron. Erkr. im
Kindesalter (10 %), Tendenz ↑.
Ätiologie Stärkster prädisponierender Faktor im Kindes- u. Jugendalter ist atopische Disposition. Manifestation zu 70 % im KK-Alter. Unmittelbar auslösend
sind Allergene (allerg. Asthma), Atemwegsinf. (intrinsisches Asthma) u. unspez. Atemwegsreize (früher: extrinsisches Asthma). Mischformen möglich.
Klinik Wiederholte anfallsartige Brustenge u./o. Atemnot mit verlängertem Exspirium v. a. nachts u. in frühen Morgenstunden o. bei körperl./psychischer
Belastung, Husten mit/ohne Auswurf, pfeifendes Atemgeräusch (Giemen). Bei leichterem Verlauf wie obstruktive Bronchitis ( 16.6.8 ). Bei schwerer Atemnot
atemsynchrone thorakale Einziehungen, sitzende Position zur Unterstützung der Atemhilfsmuskulatur, Unfähigkeit, längere Sätze zu sprechen, Angst,
Schweißausbruch. Bei hochgradiger Obstruktion auskultatorisch abgeschwächtes Atemgeräusch ( cave: stumme Lunge). Bei hypoxämiebedingter zerebraler
Dekompensation: Unruhe, Somnolenz, Krampfanfall.
Bei Sgl. u. KK ist rezid. pfeifende Atmung o. nächtlicher Husten oft einziger Hinweis auf Asthma. Dringender Verdacht besteht bei 3 Episoden binnen
6 Mon., Rhinorrhö o. atopischer Veranlagung. ÜW zum allergologisch/pneumologisch tätigen Pädiater zur möglichst frühzeitigen Diagnose.
Diagnostik
• Spirometrie (Fluss-Volumen-Kurve, FEV 1
/FV): Objektivierung der Lufu. Ab 6. Lj. möglich, bei jüngeren Kindern mitarbeitsunabhängige
Bodyplethysmografie
• Reversibilitätstest: bei bestehender Obstruktion Besserung FEV 1 > 15 % nach Inhalation eines kurz wirkenden Beta 2
-Mimetikums (o. 2 × tägl.
Gabe inhalatives Glukokortikoid [ICS] in hoher Dosis mit langsamem Wirkungseintritt binnen 4 Wo.)
• PEF-Variabilitäts-Test: bei normaler Lufu Nachweis bronchialer Hyperreagibilität mittels Provokation (standardisierte Laufbelastung bzw.
Methacholin: Abfall FEV 1 > 10 bzw. 20 %) u./o. Nachweis tageszeitlicher PEF-Variabilität > 20 %. Alternative: Nachweis zirkadianer PEFVariabilität > 20 % über 3–14 d, mind. 4 Messungen/d
• Einteilung nach Schweregraden vor bzw. ohne Ther. ( Tab. 16.10 )
Tab. 16.10 Asthmaschweregrade vor Behandlung (Kinder und Jugendliche)
Schweregrad Symptomatik Lungenfunktion
1 Intermittierend
Intermittierend Husten, leichte Atemnot, symptomfreies Intervall > 2
Mon.
Nur intermittierend obstruktiv, Lufu oft
normal ∗
2
Geringgradig
persistierend
Intervall zwischen Episoden < 2 Mon.
Nur episodisch obstruktiv, Lufu dann path.
∗∗
3 Mittelgradig
persistierend
An mehreren d/Wo., auch nächtliche Sympt. Auch im Intervall obstruktiv, Lufu path. ∗∗
4
Schwergradig
persistierend
Anhaltende tägl. Sympt., häufig auch nachts Auch im Intervall obstruktiv, Lufu path. ∗∗
© Quelle: BÄK, KBV, AWMF [Hrsg.]: NVL Asthma. Langfassung. 2. A., Version 5, S. 87. 16.16 )
∗ FEV 1 > 80 % des Sollwerts, MEF25–75 bzw. MEF50 > 65 %, PEF-Tagesvariabilität < 20 %
∗∗ FEV 1 < 80 % des Sollwerts, MEF25–75 bzw. MEF50 < 65 %, PEF-Tagesvariabilität > 20 %
Allergolog. Stufendiagnostik bei Asthma:
• Atopische Disposition: atopisches Ekzem, Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinokonjunktivitis, Urtikaria selbst o. in Familie?
• Allergieanamnese: Beschwerdebild unter Allergenexposition bzw. -karenz (Pollen? Hausstaubmilben? Tierepithelien? Saisonal? Perennial?)
• Nachweis allergenspez. IgE-vermittelter Sensibilisierung mittels:
– Prick-Hauttest o.
– IgE-Ak (RAST) gegen Inhalations-, bei KK auch gegen Nahrungsmittelallergene
• Ggf. Provokationstest (nasal, bronchial) zum Beweis der klin. Relevanz des Allergens; nur beim Spezialisten bzw. in Klinik
Therapie Entscheidend ist Mitarbeit von Kind u. Eltern, daher ausführliche Aufklärung. Therapieplan für Bedarfs-, Langzeitmedikation u.
nichtmedikamentöse Maßnahmen. Ther.-Anpassung richtet sich nach jeweiligem Grad der Asthmakontrolle ( Tab. 12.7 ). Regel: Reduziere, wenn möglich.
Intensiviere wenn nötig! Wenn über 3 Mon. stabil: Dosisreduktionsversuch Langzeitmedikation, Kontrolle nach 4 Wo. Verschlimmerung: Ther. intensivieren
entsprechend Stufenschema ( Tab. 16.11 ). Akutther. im Asthmaanfall Tab. 16.12 . Jede Maßnahme besprechen u. üben, insb. Inhalationstechniken.
Therapieerfolg immer wieder überprüfen: Peak-Flow-Protokoll, Funktionstests in regelmäßigen Abständen, Notfallplan! Ziel ist Beschwerdefreiheit, um
normale Lebensführung u. normales Lungenwachstum zu gewährleisten.
Tab. 16.11 Stufenschema zur Pharmakotherapie des Asthmas bei Kindern und Jugendlichen
Stufe Bedarfsmedikamente Langzeittherapeutika
1
RABA u./o. Ipratropiumbromid
–
2 ICS (niedrig dosiert) o. LTRA
3 ICS (mittel dosiert) o. ICS (niedrig bis mittel dosiert) + LTRA o. LABA
4 ICS (hoch dosiert) o. ICS (mittel bis hoch dosiert) + LTRA + LABA
5 zusätzlich: orale Kortikosteroide (möglichst niedrig dosiert); nur bei Ind. Retard-Theophyllin o. Omalizumab
© Quelle: BÄK, KBV, AWMF [Hrsg.]: NVL Asthma. Langfassung. 2. Aufl., Version 5, S. 33. 16.15 )
Tab. 16.12 Akuttherapie im Asthmaanfall bei Kindern und Jugendlichen
Schweregrad Klinik Therapie
Leicht bis
mittelschwer
(mind. 1
Kriterium
erfüllt)
• Unvermögen, längeren Satz
während eines Atemzugs zu
vollenden
• Gebrauch der akzessorischen
Atemmuskulatur
• AF < 30/Min.
• HF < 120/Min.
• PEF ∗∗50–80 % des Bestwertes
∗
• 2–4 Hübe eines SABA ∗, alle 20 (max. alle 10) Min.
• Evtl. 2–3 l/Min. O 2 über Maske o. Nasensonde (Ziel: S a O 2 > 92 %)
• Evtl. 1–2 mg/kg KG Prednisolon oral
• Sitzende Haltung, Arme abgestützt, dosierte Lippenbremse
• Bei unzureichendem Ansprechen nach 15 Min.: Einweisung, sitzender Transport
• Besserung muss eingetreten sein, bevor der Arzt den Pat. verlässt
Schwer bis
lebensbedrohlich
• Unfähig zu sprechen o. Nahrung
aufzunehmen
• sitzende Haltung, Arme
abgestützt
• AF > 5 J. > 30/Min., 2–5 J. >
40/Min.
• HF > 5 J. > 120/Min., 2–5 J. >
130/Min.
• PEF ∗∗< 50 % des Bestwerts
• S a O 2 < 90 % unter Raumluft
• 2–4 Hübe eines SABA ∗, alle 20 (max. alle 10) Min.
• 2–3 l/Min. O 2 über Nasensonde
• 1–2 mg/kg KG Prednisolon oral, i. v. o. 100 mg rektal ∗∗∗
• Sitzende Haltung, Arme abgestützt, dosierte Lippenbremse
• Bei ausbleibender Besserung, Erschöpfung, flacher Atmung, stummer Lunge, Zyanose,
Rhythmusstörung, Bradykardie, Verwirrtheit: umgehende Klinikeinweisung mit
Notarztbegleitung!
AF: Atemfrequenz; HF: Herzfrequenz
© Quelle: BÄK, KBV, AWMF [Hrsg.]: NVL Asthma. Langfassung. 2. A., Version 5, S. 51. 16.16 )
∗ SABA: Kurz wirkendes Beta
2
-Sympathomimetikum (z. B. Sultanol ® Dosieraerosol), Gabe über Spacer. Falls nötig, vor o. während Transport: 10–20 Tr. Sultanol ®
Inhalationslsg. in 1 ml NaCl über Vernebler alle 20 Min. (20 Tr. ≈ 1 ml Inhalationslsg. ≈ 5 mg Salbutamol; 1 ml Fertiginhalat ≈ 0,5 mg Salbutamol). Cave: Tachykardie. Ggf.
zusätzlich mit Ipratropiumbromid
∗∗ PEF-Manöver nur bei geschultem Kind/Jgl. sinnvoll
∗∗∗ z. B. Rectodelt ® 100 mg
• Pharmakotherapie:
– Bedarfsmedikamente: inhalativ rasch wirkende Beta 2
-Sympathomimetika (RABA) Fenoterol, Salbutamol, Terbutalin, Formoterol
(zusätzlich lang wirkend) bei Bedarf zur Kupierung von Atemnotepisoden o. vor körperl. Belastung (z. B. Sultanol ® -Aerosol 1–2
Hübe). Bei Unverträglichkeit alternativ das Anticholinergikum Ipratropiumbromid (z. B. Atrovent ® N Dosieraerosol). Ggf. nur bei bes.
Ind. rasch wirkende Theophyllin-Tr. (Solosin ® -Tr.)
– Langzeittherapeutika: inhalative Kortikosteroide (ICS) zur Entzündungshemmung entsprechend Symptomschweregrad. Ferner inhalativ
lang wirkende Beta 2
-Sympathomimetika (LABA): Formoterol, Salmeterol u./o. Leukotrien-Rezeptor-Antagonist (LTRA) Montelukast
(Singulair ® mini/junior, MonteluBronch ® ). Nur in begründeten Fällen: systemische Kortikosteroide, monoklonaler Ak Omalizumab,
retardiertes Theophyllin, orale LABA
– Inhalationstechniken: Gesichtsmaske nur so lange, bis Kind durch Mundstück eines Spacers atmen kann. Bis Alter von 5 J.
Treibgasdosieraerosole mit Spacer bevorzugen
• Kalkulierte Antibiotika-Ther. ( 16.6.10 ) bei bakt. Superinf.: purulenter Auswurf, Fieber, ausbleibende Besserung, Atemnot > 1 d
• Allergenspez. subkutane Immunther. (SCIT) nur bei bes. Ind. u. nicht bei Kindern < 5 J. (Ausnahme: Insektengiftallergie)
• Wirksamkeit naturheilkundlicher o. alternativer Methoden bislang nicht belegt. Cave: Verschleppung einer frühzeitigen u. ausreichenden Ther.!
Nichtmedikamentöse Maßnahmen 12.5.7 .
Prophylaxe
• Infektprophylaxe, Impfungen ergänzen (Influenza, Pneumok., Pertussis), unspez. Reize: Rauchverbot im Haus; auf Katzenhaltung verzichten,
Schimmelpilzwachstum, Luftschadstoffe (Möbel, Malerarbeiten) reduzieren; Verhinderung von Übergewicht; Kfz-Emissionsexposition reduzieren.
Hundehaltung nicht mit höherem Allergierisiko assoziiert
• Sog. unspez. Immunmodulation kann vor Entwicklung atopischer Erkr. schützen: Aufwachsen auf Bauernhof, Kindertagesstätte in ersten 2 Lj.,
höhere Anzahl älterer Geschwister
• Vorsicht mit ASS u. Betablockern
• Physio-, Atem-, ggf. Psychother., Klimakuren, Selbsthilfegruppen, Asthmasport
• Bei allergischer Genese Versuch Allergenkarenz. Bei Staubmilbenallergie organische Bettmaterialien ersetzen, Plastikumhüllung Matratzen, lüften
(Milben benötigen > 50 % Luftfeuchte), Akarazide umstritten, Spieltiere > 24 h einfrieren, Teppichböden umstritten; Berufsberatung.
Hyposensibilisierung, wenn indiziert
16.6.10. Pneumonie
Im Sgl.- o. KK-Alter überwiegen amb. erw. virale Bronchopneumonien im Gefolge eines Infekts der oberen Luftwege (RS-, Adeno-, Para-,
Influenzaviren): Entzündung der Bronchialwand greift auf Alveolen über, bakt. Superinf. kann folgen. Seltener ist die prim. bakt. Pneumonie, die reife
Immunantwort voraussetzt, daher erst im Vorschul- u. Schulalter auftritt.
Erregerspektrum bakt. Pneumonien
• Meist Pneumok., Haem. infl., Moraxella catarrhales, selten Staphylok.
• Ab dem Schulalter Zunahme von atyp. Pneumonien (Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen) mit protrahiertem Verlauf, geringen klin. Zeichen
• Weitere Formen: Aspirationspneumonie ( 16.6.15 ), prim. abszedierende Pneumonie (Staphylok., 1. Lj.), interstitielle Pneumonie bei
Immunsuppression (Pneumocystis, Candida), eosinophile Pneumonie (Parasiten)
Klinik AZ ↓, Husten, Atemfrequenz ↑, Nasenflügelatmung, Atemnot mit interkostalen Einziehungen, Fieber (kann bei Sgl. fehlen), zentrale Zyanose (bei
Sgl. auch Blässe), bei Begleitpleuritis endexspir. „anstoßende“ stöhnende Atmung, Brust- o. Bauchschmerzen, geblähtes Abdomen („Pneumoniebauch“),
weißlicher bis rostbrauner Auswurf (wird oft verschluckt).
Diagnostik Auskultation, Perkussion: Knistern, ohrnahe, feinblasige RG, lokale Dämpfung (bei KK u. Sgl. selten zu erheben, manchmal nur verstärktes
Bronchialatmen); ggf. Rö-Thorax. Err.-Nachweis schwierig, meist nicht erforderlich. Bei bakt. Genese deutliche, sonst nur geringe Leukozytose,
Linksverschiebung, CRP-Erhöhung.
Differenzialdiagnose Meningitis ( 16.8.9 ), Sepsis, Appendizitis ( 16.7.9 ), Tbc.
Therapie Bei zuverlässigen Eltern u. regelmäßigen Hausbesuchen amb. möglich (nicht bei ausgeprägter Dyspnoe, O 2
-Bedarf o. Sgl. < ½ J.):
• Kühle, feuchte Frischluft; ggf. Antipyrese ( cave: Temperaturanstieg um 1 °C erhöht O 2
-Bedarf um 10 %!)
• Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper (keine Bauchlage bei Sgl.), häufig umlagern
• Sekretmobilisierung: Reichlich Flüssigkeit in kleinen Portionen anbieten, Inhalation mit 0,9 % NaCl, PT ab 3. Krankheitstag. Sekretolytika ( 16.15.2
) umstritten; ggf. Spasmolytika bei Obstruktion
• Antitussiva nur zu Beginn bei unproduktivem Reizhusten o. schmerzhafter Begleitpleuritis vertretbar; cave: Sekretretention
• Bei hohem Fieber bzw. erneutem Fieberanstieg (V. a. bakt. Genese) nach Err.-Wahrscheinlichkeit kalkulierte antibiotische Ther.:
– Amoxicillin (z. B. Infectomox ® Saft), ggf. mit Beta-Laktamase-Hemmer (z. B. Augmentan ® ), alternativ gegen Staphylok. wirksames
Oralcephalosporin der 2. Generation (z. B. Elobact ® Trockensaft). Cave: Pneumok.-Penicillinresistenz hierzulande (noch) selten (< 5
%), in Nachbarländern bis 60 %
– Bei Nichtansprechen innerhalb 2–3 d Überprüfung Antibiotikawahl, ggf. Komb. mit o. Umsetzen auf Makrolid (Erythro-, Clarithro- o.
Azithromycin, z. B. Infectomycin ® Saft) o. Doxycyclin (nicht < 9 J.). Ther.-Beginn mit Makrolid (bislang bei Kindern > 5. Lj.) wird
nicht mehr generell wg. Makrolidresistenz der Pneumok. (regional bis 30 %) empfohlen, Ausnahme: Mykoplasmen-Epidemie
– Behandlungsdauer 3–5 d über Entfieberung u. AZ-Besserung hinaus, bei atyp. Pneumonien 2–3 Wo.
Klinikeinweisung bei verzögertem, schwerem Verlauf o. ungünstigen häuslichen Gegebenheiten. Risikofaktoren: schlechter sozialer Status, hohe
Geschwisterzahl, niedriges Geburtsgewicht, Passivrauchen.
Komplikationen Herzinsuff. (Trinkschwäche, Schwitzen, Ödeme, Hepatosplenomegalie), Meningitis (regelmäßige Kontrollen!).
Prognose Bei amb. erw. Pneumonien meist gut.
Prophylaxe Impfung im Alter von 2, 4, 11–14 Mon. (2+1-Schema) mit 13-valentem Pneumok.-Konjugatimpfstoff (z. B. Prevenar ® ). Ist
Grundimmunisierung nicht erfolgt, bei gefährdeten KK (Grunderkr., Immunschwäche) vom vollendeten 2. bis 5. Lj. Impfung mit Konjugatimpfstoff nachholen
u. daran (mit Abstand von mind. 2 Mon.) eine Impfung mit 23-valentem Polysaccharid-Impfstoff (z. B. Pneumovax ® ) anschließen; weitere Auffrischungen
alle 3 J., bei Kindern > 10 J. alle 6 J. Ziel: Schutz vor invasiven Pneumokok.-Inf.; ggf. Influenza-Impfung, da Influenza Wegbereiter einer Pneumokok.-Inf.
Hib-Impfung schützt leider nicht vor Inf. mit nichtbekapselten Hib-Stämmen, die Ursache einer Pneumonie sein können.
16.6.11. Otitis media
Synonym Mittelohrentzündung ( 23.6.4 ).
Definition Akute Otitis media ist einer der häufigsten Beratungsanlässe zwischen ½ u. 6 J. meist während o. infolge akuter Atemwegsinf. Abzugrenzen von
Otitis media mit Erguss ohne Entzündungszeichen (Seromukotympanon 16.6.12 ).
Bei chron. Otitis media unterscheiden: Schleimhauteiterung mit zentralem u. Knocheneiterung mit randständigem Trommelfelldefekt. Aus Letzterer kann
Cholesteatom entstehen, das im Kindesalter bes. schnell u. destruierend wächst.
Klinik der akuten Otitis media Kind ist zuvor erhöht reizbar, unruhig, abgeschlagen, greift nach dem Ohr, hat ggf. Bauchweh. Dann Ohrenschmerzen,
Hörminderung (ab 4. Lj. mitteilbar), Fieber. Schlagartige Besserung der Ohrenschmerzen bei Trommelfellperforation. Bei älteren Kindern Sympt. geringer,
Fieber kann fehlen. V. a. Mastoiditis, wenn Sympt. > 2–3 Wo.
Diagnostik Otoskopie: Rötung, Trübung, Reflexverlust Trommelfell. Blutblasen bei Influenza (Grippeotitis). Bei Erguss ggf. sichtbare Spiegelbildung,
vorgewölbtes o. perforiertes Trommelfell. Hörprüfung. Bei schwerem Krankheitsbild FA-ÜW zur Parazentese u. Err.-Nachweis. Rö bei KO.
Differenzialdiagnose Trommelfellrötung durch Schreien.
Therapie DEGAM-Leitlinie „Ohrenschmerzen“: 16.16 .
• Abschwellende Nasentr. max. 5–10 d ( 16.15.4 )
• Analgetisch, fiebersenkend (Paracetamol bzw. Ibuprofen 16.15.1 )
• Antibiotika-Ther. nicht generell, jedoch wenn < ½ J., ausgeprägte o. bds. Sympt., hohes Fieber, Erbrechen, Grundkrankheit, Risikofaktoren.
Entscheidet man sich gegen ein Antibiotikum, nach 1–2 d neu prüfen u. entscheiden. Bis dahin bzw. Kinder > 2 J.: Schonung,
Flüssigkeitssubstitution, Elternaufklärung (Kooperation!, Rezept in Reserve). Amoxicillin ist Mittel der Wahl (z. B. InfectoMox ® ). Wenn nach 2–3
d keine Besserung: Amoxicillin plus Beta-Laktamase-Hemmer (z. B. Augmentan ® ), Cephalosporin (z. B. InfectoCef ® ) o. Makrolid
(Erythromycin, z. B. Infectomycin ® )
• Keine Lokalantibiotika, Ohrentr. o. Watte in Gehörgang
• Rezid. Otitis media: FA-ÜW. In begründeten Fällen 6 Mon. Prophylaxe mit 2 × 10 mg/kg KG Amoxicillin tägl., Pneumok.-Impfung. Adenotomie
• Chron. Otitis media: FA-ÜW. Schleimhauteiterung: tägl. Ohrreinigung, lokale u. i. v. Ther. mit Antibiotikum. Knocheneiterung: Antibiotikum i. v.,
OP
Prophylaxe Impfung gegen Pneumokok. ( 16.6.10 ). Ggf. Impfung gegen Influenza als Wegbereiter.
Prognose I. d. R. gut. Bei Ergusspersistenz mögliche Spracherwerbsverzögerung infolge Schallleitungsschwerhörigkeit. Daher sorgfältige Diagn. u. Ther.
Komplikationen Persistenz des Ergusses, Rezidive, Chronifizierung, Ausbreitung der Inf.: Mastoiditis, Labyrinthitis, Fazialisparese, Meningitis (meist
inadäquate Antibiose!).
16.6.12. Seromukotympanon
Synonyme Otitis media mit Erguss , Leimohr , Tubenkatarrh.
Definition Seromuköser Mittelohrerguss leimartiger Konsistenz bei Dysfunktion o. mechanischer Verlegung der Tube. Eigenständig o. infolge akuter Otitis
media. Häufige Erkr. bis zum Schulalter. Hohe Spontanheilung (80 %) nach unterschiedlich langer Dauer. Oft Zufallsbefund.
Klinik Hörminderung (oft nicht bemerkt!). Druck-, Völlegefühl, Rauschen im Ohr. Kein Fieber, keine Schmerzen, keine Zeichen einer akuten Inf.
Diagnostik Otoskopisch keine Entzündungszeichen (keine Rötung), ggf. retrahiertes Trommelfell (Hammergriffverkürzung). Trommelfellbeweglichkeit ↓.
Abgeflachtes Tympanogramm. Hörschwelle ↑.
Differenzialdiagnose Erguss bei akuter, rezid. o. chron. Otitis media (Entzündungszeichen!).
Therapie
• Belüftung Mittelohr: Luftballon mit Nase aufblasen (z. B. Otovent ® ), Valsalva-Versuch, Tubendurchblasung („Politzern“)
• Antibiotika-Ther. ( 16.6.11 ), wenn Z. n. nicht antibiotisch behandelter akuter Otitis media. Keine Sekretolytika. Antihistaminika, Kortikosteroide
nur bei allerg. Genese
• Kontrollen, um persistierende von flüchtigen Ergüssen zu unterscheiden
Wenn > 3 Mon. u. Schallleitungsstörung > 30 dB:
• Paukenröhrchen (zurückhaltend). Entfernung nach spätestens 1 J.
• Adenotomie
Komplikationen Trommelfellveränderung (Adhäsion, Atelektase). Entwicklungsstörung infolge Hörminderung (sorgfältige Nachbeobachtung!).
16.6.13. Sinusitis
Belüftung u. klin. Relevanz der NNH: Siebbein ab 6 Mon., Kiefer- u. Keilbein ab 3. Lj., Stirnbein ab 5. Lj.
Synonyme Rhinosinusitis, NNH-Entzündung ( 23.5.2 ).
Definition Durch Schleimhautödem NNH-Abfluss- u. Belüftungsstörung, Sekretstau, bakt. (selten mykotische) Superinf. Meist akute Begleitsinusitis infolge
fortgeleiteter Rhinitis viraler o. allerg. Genese. Disposition zu chron. Sinusitis bei anatomischen Varianten, Rachenmandelhyperplasie, Atopie,
Immunschwäche, Mukoviszidose. Sinubronchiales Sy. bei gleichzeitiger chron. Bronchitis. DEGAM-Leitlinie „Rhinosinusitis“: 16.16 .
Klinik
• Akute Sinusitis: undulierende Gesichtsschmerzen (Stirn, Wangen, Nasenwurzel, retroorbital), verstärkt beim Bücken o. Husten. Krankheitsgefühl,
Fieber. „Verstopfte o. laufende“ Nase u./o. Husten > 10 d, Mundgeruch
• Bakt. Superinf.: eitriges Nasensekret > 1 Wo., schwer abgrenzbar
• Allerg. Sinusitis: wässriges Nasensekret, Niesreiz, Konjunktivitis, asthmoider Husten, saisonale Anhängigkeit
• Chron. Sinusitis (> 2 Mon.): variabler u. unspezifischer, ggf. nur Krankheitsgefühl
Diagnostik Schleimstraßen an Rachenhinterwand u. in Nasengängen. Klopf-, Druckempfindlichkeit über den Sinus (bes. an NAP). Sono, Endoskopie mit
Abstrich, Rö-Übersicht (erst ab 7. Lj. aussagekräftig). Allergolog. Diagn., CT o. MRT (bei chron. Sinusitis o. KO).
Differenzialdiagnose Zilienfunktionsstörung, Rhinitis medicamentosa, Schleimhautschädigung durch exogene Noxen (Stäube, Dämpfe), Fremdkörper,
Polypen, Tumoren.
Therapie
• Akute Sinusitis: Nasenspülung mit hyperosmolarer NaCl-Lsg. (1 TL auf 1 Glas Wasser), abschwellende Nasensprays max. 10 d ( 16.15.4 ),
Inhalation mit Thymian- o. Kamillenextrakt (nicht Menthol o. Kampfer < 2 J., nicht bei V. a. hyperreagibles Schleimhautsystem), Rotlicht ( cave:
Schutzbrille!), Antiphlogistika (z. B. Ibuprofen 16.15.1 ). Bakt. Superinf.: Amoxicillin ± Beta-Laktamase-Hemmer (z. B. Augmentan ® ),
Cephalosporin (z. B. InfectoCef ® ), Makrolide nicht primär (Pneumok.-Resistenz)
• Allergische Sinusitis: Antihistaminika, kortikoidhaltige Nasensprays, ggf. spezif. Immunther. (Hyposensibilisierung)
• Chron. Sinusitis: FA-ÜW zur Drainage, ggf. endonasale OP, Adenotomie
Komplikationen PNDS ( 16.6.6 ), Orbitalphlegmone ( cave: Schwellung des inneren Lidwinkels u. der Augenlider, Doppelbilder), Stirnbeinosteomyelitis,
Sinusthrombose, Meningitis.
16.6.14. Mukoviszidose
Synonym Zystische Fibrose (CF, 1:3300).
Definition Autosomal-rezessive Erkr. mit gestörter Ausscheidung von Drüsensekreten. Alle Organe mit Schleimdrüsen können betroffen sein, v. a. aber
Lunge u. Pankreas.
Klinik 10 % manifestieren sich unmittelbar postpartal (Mekoniumileus); häufig schwer verlaufende, rezid. (obstruktive) Atemwegsinf. mit zähem Auswurf u.
chron. Husten. Besiedlung mit P. aeruginosa von wesentlicher Bedeutung. Fettige, massige, unverdaute, zähe Stühle; rezid. Darmvorfälle, Gedeihstörung (
16.5.8 ), Diab. mell. als Spätkomplikation.
Diagnostik NG-Screening (in D seit Sept. 2016 NG-Screening bei U1; Bestimmung immunreaktives Trypsinogen (IRT) auf Filterkarte für
Stoffwechselscreening 16.6 ). Schweißtest (einfach u. schmerzlos). Regelmäßige Vorstellung in spezialisierten Zentren:
• Lufu
• Bakteriolog. Analyse Sputum o. tiefer Rachenabstrich zur Früherkennung von Exazerbationen
• Gewichtskontrolle (Stillstand: unzureichende Enzymsubstitution, chron.-pulmonale Inf.?), HbA 1c (Früherkennung Diab. mell.),
Leberwerte/Gerinnung (Zirrhose?)
Therapie Betreuung durch HA, FA Pädiatrie, Pneumologie, Gastroenterologie; Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychologen, CF-Zentrum:
• Gezielte u. frühzeitige Antibiotika-Ther. bei Exazerbationen insb. durch P. aeruginosa
• Sekretolyse: ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr, Inhalationen, Mukolytika (z. B. N-Acetylcystein)
• Sekretmobilisation durch PT, Atemther., Bewegung, Sport
• Kalorienreiche Kost mit hohem Eiweißanteil. Enzymsubstitution bei Verdauungsinsuff. (z. B. Kreon ® , Panzytrat ® )
• Spez. Hygienemaßnahmen, Ergänzung Impfungen (Pneumok., Influenza, Pertussis), Schulungen in Reha-Einrichtungen.
Prognose Lebenserwartung derzeit bis mittleres Erw.-Alter. Neue Therapiekonzepte zur Schleimverflüssigung sowie Impfung gegen P. aeruginosa in
Erprobung; erfolgversprechende Ergebnisse mit Gentherapie. Bei Kinderwunsch der Eltern humangenetische Beratung.
16.6.15. Fremdkörperaspiration
Häufigkeitsgipfel: 2. u. 3. Lj.; Sgl. meist nur, wenn sie von Geschwistern gefüttert werden; ältere Kinder v. a. bei neurolog. Erkr. Aspirationsgefahr ↑, wenn
Kind mit Nahrung im Mund läuft u. fällt o. erschrickt. Gegenstände u. Nahrungsmittel mit glatter Oberfläche werden leichter aspiriert, weiche u. klebrige
rutschen eher in Ös. Häufigste Fremdkörper im Bronchialsystem: Erdnüsse, Bonbons, Perlen u. Knöpfe, rohe Karotten- u. Apfelstücke.
Klinik Nicht immer eindeutige Anamnese: aus Wohlbefinden heraus plötzlich einsetzender (starker) Husten u. Würgereiz, danach je nach Fremdkörperlage
stürmische Entwicklung mit Stridor, Zyanose, Dyspnoe o. baldige „Besserung“ (nach Passage von Kehlkopf u. Trachea). Bei Verkennung: erfolglos behandelte
„plötzliche Bronchitis“ mit Fieber nach einigen d (Aspirationspneumonie).
Diagnostik
• Auskultation: lokalisierter, in- u. exspir. wechselnder Stridor, Giemen, feuchte, grobblasige RG
• Perkussion: bei Ventilmechanismus betroffene Seite hypersonor
• Inspektion: verminderte Atemexkursion der betroffenen Seite
Therapie
• V. a. Fremdkörperaspiration, aber klin. stabiler Zustand: keine unnötigen Manipulationen, Beschränkung auf:
– Klinikeinweisung unter Notarztbegleitung zum Rö-Thorax u. evtl. zur Notfallbronchoskopie; Vater u./o. Mutter fahren mit!
– Bis zum Eintreffen des NAW für ruhige, entspannte Atmosphäre sorgen; Kind soll möglichst sitzen; evtl. O 2
-Gabe
• Bei akuter Erstickungsgefahr (Atemnot, Zyanose, Schweißausbruch, kein Husten, Sprechen, Schreien mehr): Sgl.: 5 Rückenschläge in Hängelage (
Abb. 3.6 ); Kind: 5 Thorax-/Oberbauchkompressionen (Heimlich-Manöver Abb. 3.7 ); Notintubation ( 3.2.4 ), dabei Versuch, Fremdkörper in
tieferen Bronchus zu schieben
Prophylaxe Während des Spielens nicht füttern o. Nahrungsmittel in die Hand geben! In den ersten Lj. keine Nüsse, bes. keine Erdnüsse anbieten. Kleines
Spielzeug (z. B. Knöpfe, Perlen) gehört nicht in Hände von KK.
16.6.16. Plötzlicher Kindstod
Synonyme Krippentod, Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) .
Häufigste Todesursache im 1. Lj. jenseits NG-Periode (meist 2.–4. LM). Ätiol. unbekannt; mögliche lagebedingte Minderdurchblutung des Hirnstamms
bei stark zur Seite gedrehtem Kopf, z. B. in Bauchlage. Meist im Schlaf, häufiger im Winter als im Sommer, unerwartet aus scheinbarer Gesundheit.
Inzidenz nach Aufklärung über Risikofaktoren rückläufig, derzeit in D 0,5/1.000.
Risikofaktoren
• Schlafen in Bauch- u. instabiler Seitenlage, v. a. auf zu weicher Unterlage
• Rauchen der Mutter während Grav.
• Schlafen im Elternbett (v. a. wenn diese Raucher sind)
• Stillverzicht
• Überwärmung (Kleidung, Raumtemperatur)
• Geburtsgewicht < 2.500 g
Verhalten bei SIDS
• Near-SIDS (akute Apnoe, Zyanose, Blässe u. Bradykardie): Diagnostik bzw. Klinikeinweisung zur Beobachtung (Monitoring). Bei akutem Ereignis
Reanimation ( 3.2 )
• Obduktion erforderlich, möglichst mit Zustimmung der Eltern (auch, um Schuldgefühle zu nehmen)
• Psychosoziale Elternbetreuung, Erklärung Obduktionsergebnis, Selbsthilfegruppen
• Monitorüberwachung aller Geschwister im 1. Lj.; Elternunterweisung bzgl. lebensrettender Sofortmaßnahmen beim Sgl.
Prophylaxe Optimale Schlafumgebung ( 16.16 ):
• Feste Matratze; keine zusätzlichen Teile im Bett (z. B. Kissen, Fell)
• Schlafen in Rückenlage im eigenen Bett im elterlichen Schlafzimmer
• Kopf nicht durch Bettdecke zudeckbar (Alternative: z. B. Schlafsack)
• Überwärmung des Sgl. vermeiden; Raumtemperatur ca. 18 °C
• Stillen
• Rauchfreie Umgebung
16.7. Krankheitsbilder des Magen-Darm-Bereichs
16.7.1. Akute Gastroenteritis
Häufigste GIT-Erkr. bei Kindern. Siehe Leitsympt. Erbrechen ( 16.5.3 ), Diarrhö ( 16.5.4 ).
16.7.2. Dreimonatskolik
Definition Meteorismus, v. a. in den ersten 3 LM nach Milchmahlzeiten infolge hoher Schaumstabilität der Milch. Mitverschluckte Luft bleibt im Schaum
gebunden, kann nicht aufgestoßen werden. Nach Beikosteinführung Besserung.
Klinik Krümmen, Anziehen der Beine, Schreien. Hochnehmen u. bäuchlings Über-die-Schulter-Legen beruhigt i. d. R., Flachlegen lässt Sympt. erneut
auftreten.
Therapie Entschäumer Dimeticon 40–60 mg (z. B. sab simplex ® 15 Tr.) pro 100 ml Flaschenmilch bzw. zu Stillbeginn.
Kind tragen u. schaukeln („Fliegergriff“). Fenchel-, Anis-, Kümmeltee (z. B. Sidroga ® ); feuchtwarme Leibwickel. Bauchmassage im Uhrzeigersinn.
16.7.3. Kardiainsuffizienz
Definition Gastroösophagealer Reflux. Physiologisch in ersten 6 Lebenswo., gelegentlich bis zum 6. LM.
Klinik Sgl. lässt kleine Nahrungsmengen (bis 20 ml) aus dem Mund laufen (schlaffes Erbrechen, „Spucken“). Meist keine Gedeihstörung. Cave: Blut- o.
Hämatinbeimengungen weisen auf Refluxösophagitis hin.
Diagnostik Nur bei AZ-Minderung, Gedeihstörung: Rö-Breischluck, Sono, evtl. Szinti („Milch-Scan“), pH-Sonde unterer Ös.
Therapie Häufige kleine Mahlzeiten (8–12 × 20–60 g). Andicken der Nahrung mit pflanzlichem Bindemittel (z. B. 1 % Nestargel ® ). Regelmäßiges
Aufstoßen („Bäuerchen“). Kopfhoch- o. Rechtsseitenlage.
Komplikationen Refluxösophagitis, narbige Stenosierung, Aspiration, Eisenmangelanämie, Apnoeanfälle beim Sgl.
16.7.4. Pylorushypertrophie
Definition Magenentleerungsstörung durch Spasmus u. Hypertrophie der Magenausgangsmuskulatur. Folge: Pylorusstenose. Typischerweise in 3. Lebenswo.
beginnend. 0,3 % aller NG, ♂ 5 × häufiger betroffen; familiäre Disposition.
Klinik Zunächst gelegentliches, schließlich nach jeder Mahlzeit schwallartiges Erbrechen im bogenförmigen Strahl („von einer Wand zur anderen“).
Erbrochenes riecht sauer, enthält gelegentlich Hämatin, nie Galle; sichtbare Magenperistaltik, seltene Stühle (Pseudoobstipation), Gedeihstörung, gequältes,
greisenhaftes Aussehen.
Diagnostik Anamnese (Art des Erbrechens?), Prädilektionsalter. Abdomenpalpation (Pylorusolive?). Fütterungsversuch (großer Hunger, peristaltische Wellen, Erbrechen im Schwall ohne Galle). Sono: Kokardenbild, Stase Mageninhalt.
Differenzialdiagnose Hiatushernie, Duodenalatresie, Pancreas anulare, idiopathischer o. reflektorischer Pylorospasmus als funktionelle Erkr. Tipp: Wenn
Sgl. nach dem Erbrechen gierig trinkt, ist Peritonitis o. tief sitzender Ileus weitgehend ausgeschlossen. Adrenogenitales Salzverlustsy.
Therapie
• Ggf. sofortige Klinikeinweisung zur Korrektur des Wasser- u. E’lytdefizits
• OP ist Behandlung der Wahl. Technik: Pyloromyotomie nach Weber-Ramstedt; stat. Behandlungsdauer: 8 d
• Nur bei milder Ausprägung (jenseits 2. LM) kons. Behandlungsversuch (Spasmolyse, häufige kleine Mahlzeiten)
Komplikationen Hypochlorämische metab. Alkalose. Coma pyloricum.
16.7.5. Acetonämisches Erbrechen
Ätiologie Sonderform der Dehydratation durch hartnäckige Brechattacken; typischerweise jenseits des Sgl.-Alters (2.–8. Lj., Häufigkeitsgipfel Vorschulalter)
infolge von Inf., Ernährungsfehlern (Fettexzess, Süßigkeiten, Hungerpause), körperl./psychischer Erregung (neurovegetativ?).
Klinik Zu Beginn allg. Krankheitsgefühl (Übelkeit, Inappetenz, gelegentlich Bauchschmerzen, Kopfschmerzen), dann plötzlich hartnäckige Brechattacken
bis zu 50 ×/d. Im Erbrochenen evtl. Hämatin o. frisches Blut. Obstartiger Foetor ex ore, vertiefte Atmung.
Diagnostik
• Urinstatus: Ketonurie ohne Glukosurie
• BZ-Stick: anfangs Hypo-, später Hyperglykämie
Therapie
• Löffelweise eisgekühlte Flüssigkeit (½ l schwarzer Tee, ½ l Orangensaft, 2 EL Zucker, 1 TL Salz)
• Sedierung: Diazepam (z. B. Diazepam Desitin rectal tube ® 5 mg). Notfalls Phenobarbital, Promethazin i. m. (z. B. Luminal ® , Atosil ® ); 16.15.5
• Antiemetika: Dimenhydrinat (z. B. Vomex A
® -Kinder-Supp.)
• Wenn 24 h symptomfrei, Nahrungsaufbau über gesüßten Obstbrei. Fett (auch Milch) erst nach Abklingen der Acetonurie
• Bei Nichtsistieren des Erbrechens rechtzeitige Klinikeinweisung zur i. v. Ther. mit Glukose 5–10 %; auch in Praxis möglich
Komplikationen Bei Nichtsistieren: Abgeschlagenheit, E’lytentgleisung, metab. Azidose, später Alkalose, Exsikkose, ketonämisches Koma.
Prognose Gut; häufig Rezidive im Abstand von Wo. bis J. möglich.
16.7.6. Nabelhernie
Ätiologie Ungenügender bindegewebiger Verschluss der Durchtrittsstelle der Nabelschnur durch die Bauchwand. Beim NG häufigste Bruchform (10–20 %),
hohe spontane Rückbildungstendenz innerhalb der ersten beiden Lj.
Klinik Tastbare Lücke Nabelgrund o. sichtbare Hautvorwölbung. Manchmal kleiner Netzzipfel in der Lücke tast- u. reponierbar. Netzeinklemmungen
vermutlich für gelegentliche Schmerzen verantwortlich; Darmeinklemmung extrem selten.
Diagnostik Inspektion u. Palpation.
Differenzialdiagnose Lokalbefund eindeutig; bei Beschwerden andere abdom. o. psychosomatische Erkr. ausschließen.
Therapie Dringliche OP nur bei seltener Darminkarzeration. Sgl. mit ausgeprägter Nabelhernie: Therapieversuch mit Nabelbruchpflaster (z. B. Porofix ® ).
Elternaufklärung bzgl. häufiger Spontanrückbildung. Strenge OP-Ind. bei fortbestehender Hernie (bes. bzgl. kosmetischer Ind.). OP-Zeitpunkt: 3.–4. Lj.; amb.
möglich.
16.7.7. Invagination
Definition Einstülpung eines höheren Darmabschnitts in einen tieferen, am häufigsten im Ileozökalbereich; durch Schwellung mechanischer Ileus. Jenseits des
2. Lj. selten.
Ätiologie Im Einzelfall oft unklar. Begünstigend wirken Hyperperistaltik (Enteritis), Lymphadenitis mesenterialis, Polypen, Meckel-Divertikel, Coecum
mobile. Seltene KO nach Rotavirus-Impfung.
Klinik Akuter Beginn mit Schreien bei offensichtlichen, kolikartigen Bauchschmerzen. Prodromal Unruhe, vorausgegangener abdom. o. Atemwegsinfekt;
Erbrechen als Zeichen einer Peritonealreizung, Blut- u. Schleimabgang.
Diagnostik
• AZ ↓, blasses, ängstliches Gesicht, Beine angewinkelt. Palpatorischer Druckschmerz, anfänglich keine Peritonitiszeichen. Invaginationstumor meist
tastbar, v. a. im symptomfreien Intervall. Rektal Blut am Fingerling (späteres, aber sicheres Sympt.).
• Sono (Kokarde), Labor wichtig für DD
• Im Zweifel immer Klinikeinweisung
Differenzialdiagnose Appendizitis, Enterokolitis, Volvulus, Urogenitalerkr.
Therapie Absolute Einweisungsind. schon bei Verdacht; diagn. u. ther. Kolon-Kontrasteinlauf, evtl. operative Reposition/Resektion. Stat. Behandlungsdauer
je nach Schweregrad 2–3 d; postop. 7–10 d.
Auch im symptomfreien Intervall nicht von Entscheidung zur Klinikeinweisung abweichen ( cave Todesfälle durch zu späte Behandlung).
16.7.8. Volvulus
Definition Darmschlingendrehung um Mesenterialstiel, meist als Folge ungenügender Darmanheftung am Retroperitoneum.
Klinik In jedem Alter möglich; akuter Beginn, aber auch chron.-rezid. Verlauf.
• 1. Häufigkeitsgipfel: NG- u. frühes Sgl.-Alter; akuter Beginn, schwer krankes Kind; galliges Erbrechen, geblähtes u. druckschmerzhaftes Abdomen,
auskultatorisch klingende Darmgeräusche/Totenstille; rektal Blut am Fingerling
• 2. Häufigkeitsgipfel: SK; v. a. ♂; meist hypermobiles Sigmoid betroffen (harmlosere Form des Volvulus). Beginn ebenfalls akut mit Schmerzen im li
Mittel- bzw. Unterbauch, Brechreiz häufig, selten Erbrechen. Druckschmerz Sigmaregion ohne peritonitische Abwehrspannung u. ohne
Ausstrahlung, rektal nur weite Ampulle, kein Blut
Diagnostik
• Anamnese: Häufigkeitsgipfel beachten
• Körperl. Unters.; cave: dramatischer Befund beim Sgl., harmlosere Form beim SK
• Sono: Darmkonvolut mit Flüssigkeit im Lumen
• Labor (BB, BSG), Urinstatus (Ausschluss HWI). CKE nur bei chron.-rezid. Verlauf
Differenzialdiagnose Sgl.: Enterokolitis; SK: urolog. Erkr. (Pyelonephritis li), Kolitis (Durchfall, langsamer Beginn).
Therapie
• Absolute Einweisungsind. bei NG u. Sgl. zur sofortigen Laparotomie; stat. Behandlungsdauer 2–3 Wo.
• SK: Klin. Unters. ist oft schon erfolgreiche Ther.: nach rektaler Unters. Beschwerden oft schlagartig verschwunden, sodass überstürzte Einweisung
unnötig (notwendig bei > ½ h andauernden Beschwerden o. Zeichen für akutes Abdomen mit AZ ↓)
16.7.9. Appendizitis
Definition Entzündung Wurmfortsatz über Darmlumen, selten hämatogen . Begünstigend: Stauungen, Fremdkörper, Oxyuren, Kotsteine. Häufigkeitsgipfel 4.–
10. Lj. Jüngere Kinder erkranken seltener, da Appendix kleiner, Lumen weiter ist.
Klinik
• Akut: kurze Anamnese (Stunden), plötzlicher Beginn, Brechreiz, Erbrechen, Obstipation (auch Durchfall), Schmerzen zunächst in Nabelgegend,
dann in re Unterbauch wandernd, subfebrile Temperaturen. Angewinkelte Schonhaltung re Bein, Hinken (Psoasschmerz). Bei peritonitischer
Reizung Oberkörper nach vorn gebeugt, um Bauchdecken zu entspannen
• Subakut o. chron.: lange Anamnese (Mon.), rezid. Schmerzen re Unterbauch, Übelkeit, Obstipation, meist fehlt Abwehrspannung
Diagnostik Im re Unterbauch Druckschmerz, bei perityphlitischem Abszess tastbare Resistenz, kontralateraler Loslassschmerz. Rektal Druckschmerz im
Douglas-Raum (recht verlässlich). Rektal-axilläre Temperaturdifferenz > 0,5 °C u. Leukozytose (wenig verlässlich). Sono. Cave: Jede atyp. Lage kann zu
folgenschweren Fehldiagnosen führen.
Therapie Einweisung zur fachärztl. Klärung, ggf. OP.
Differenzialdiagnose Entzündliche Prozesse intra-/retroperitoneal; bei Kindern auch außerhalb des Bauchraums, jedoch ohne typ. Tastbefund
(Pseudoappendizitis bei Pneumonie, diab. Präkoma, Otitis media, Masern u. a.). Schwierige Abgrenzung zu Nabelkoliken.
Komplikationen Perityphlitischer Abszess, Perforation (je jünger der Pat., desto früher: Fieberanstieg, tastbarer Tumor mit lokaler Abwehrspannung,
vorübergehend lassen Schmerzen nach), Peritonitis, Ileus.
16.7.10. Zöliakie
No comments:
Post a Comment
اكتب تعليق حول الموضوع