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3/7/26

 


Synonyme Glutensensible Enteropathie , einheimische Sprue (Erw.).

Definition Autoimmunerkr.; Dünndarmüberempfindlichkeit bzgl. Klebereiweiß Gluten aus Weizen, Hafer, Gerste, Roggen. Zottenatrophie,

Fettsäuremalabsorption. Symptomatisch 2–3 Mon. nach Beginn Getreidebeikost, i. d. R. frühes KK-Alter. Oligosympt. Formen evtl. jahrelang unerkannt.

Klinik Gedeihstörung, chron. Durchfälle (massige, fettglänzende, übel riechende Stühle), geblähter Bauch, Appetitlosigkeit, Eisenmangelanämie, sekundäre

Rachitis, Erbrechen nach Aufnahme von v. a. Grieß- o. Vollkornbrei, Misslaunigkeit. Bei älteren Kindern oft nur Kleinwuchs.

Diagnostik Gliadin-, Endomysium-, Gewebstransglutaminase-Ak, Dünndarmbiopsie, Beschwerdefreiheit unter glutenfreier Diät.

Differenzialdiagnose KH-Malabsorption, Kuhmilcheiweißallergie, Immundefizienz, tropische Sprue.

Therapie Streng glutenfreie Diät ( 8.5.1 ), i. d. R. lebenslang. Mais, Reis u. Hirse werden vertragen. Cave: versteckte Glutenquellen (Empfehlungen der Dt.

Zöliakie-Gesellschaft 16.16 ).

Komplikationen Osteoporose, GIT-Tumoren.

Prophylaxe Ak-Bestimmung bei symptomlosen Geschwistern.

16.8. Infektiöse „Kinderkrankheiten“

16.8.1. Überblick

Tab. 16.13 Charakteristika exanthematischer Erkrankungen bei typischem Verlauf

Masern ( 16.8.2 ) Röteln ( 16.8.3 ) Scharlach ( 16.8.4 )

Prädilektionsalter Jgl., Erw. (Impflücken) Jgl., Erw. (Impflücken) SK (3.–15. Lj.)

Inkubation 8–12 d 2–3 Wo. 2–5 d

Prodromi 4 d 2 d –

Rachenbefund

Enanthem, Koplik-Flecken, zeitlich vor

Exanthem

Enanthem, punktförmige Blutungen an

Uvula

düsterrotes Enanthem an

Rachenhinterwand u. weichem

Gaumen, „Himbeerzunge“

Masern ( 16.8.2 ) Röteln ( 16.8.3 ) Scharlach ( 16.8.4 )

Exanthem

stark gerötet, großfleckig bis 1 cm,

erhaben, unregelmäßig geformt,

konfluierend

blassrot, mittelfleckig bis 3 mm, leicht

erhaben, nicht konfluierend

feinfleckig, bis 1 mm, dicht

stehend, oft flüchtig, samtartig

Beginn retroaurikulär retroaurikulär Arm- u. Leistenbeugen

Ausbreitung

zentrifugal über Stamm u. Extremitäten.

Verschwindet in der Reihenfolge des

Auftretens ( Abb. 16.7 )

zentrifugal über Stamm u. Extremitäten.

Verschwindet in der Reihenfolge des

Auftretens ( Abb. 16.7 )

zentrifugal über Hals, Stamm u.

Streckseiten der Extremitäten

wechselnd ( Abb. 16.8 )

Dauer 4–7 d 1–3 d

unter Antibiotika-Ther. 1–2 d,

sonst 1–2 Wo.

Fieber hoch, bis 41 °C, 2-gipflig mäßig, bis 38 °C

hoch, um 40 °C, plötzlicher

Beginn

Begleitbefunde Husten, Lichtscheu, Konjunktivitis nuchale Lymphadenitis

Pharyngotonsillitis,

„Himbeerzunge“, blasses

Munddreieck

KO

Otitis media, Masernkrupp, Enzephalitis,

Bronchopneumonie

Embryopathie, Enzephalitis

Endokarditis, GN, rheumatisches

Fieber, Chorea minor

Immunität lebenslang, auch nach Mitigierung lebenslang; nach Impfung: 10–18 J.

vermutlich lebenslang, typen-,

toxinspez.

Infektiosität 5 d vor bis 4 d nach Exanthemausbruch 7 d vor bis 7 d nach Exanthemausbruch

Fieberanstieg bis 2 d nach

Antibiose; sonst mind. 3 Wo.

Wiederzulassung zu

Gemeinschaftseinrichtungen

1 Wo. nach Exanthemausbruch möglich,

jedoch nur bei gutem AZ

1 Wo. nach Exanthemausbruch möglich

nach 2 d zuverlässiger AntibiotikaTher., sonst erst nach mind. 3 Wo.

Windpocken ( 16.8.5 ) Ringelröteln ( 16.8.6 ) Dreitagefieber ( 16.8.7 )

Prädilektionsalter KK, SK KK, SK Sgl., KK (bis 3. Lj.)

Inkubation 10–21 d 4–14 d 5–15 d

Prodromi selten, 1–2 d selten, 1–2 d –

Rachenbefund

vereinzelte Bläschen am Gaumen geringe katarrhalische Erscheinungen

geringe katarrhalische

Erscheinungen

Windpocken ( 16.8.5 ) Ringelröteln ( 16.8.6 ) Dreitagefieber ( 16.8.7 )

Exanthem

blassrote, rund-ovale, bis 5 mm große

Flecken, Papeln, Bläschen, Pusteln,

Krusten

schmetterlingsförmig an Wangen; sonst:

girlandenähnlich konfluierend

zartrot, feinfleckig

Beginn überall Wangen stammbetont

Ausbreitung

in Schüben, auch Kopfhaut u.

Schleimhäute; nicht an Handtellern,

Fußsohlen

Streckseiten der Extremitäten, Gesäß spärlich Gesicht, Extremitäten

Dauer 7–14 d, schubweise ca. 10 d, sehr variabel einige h

Fieber mäßig, bis 38 °C gering hoch, bis 41 °C für 3 d

Begleitbefunde starker Juckreiz selten Juckreiz

Fieberabfall bei

Exanthemausbruch

KO Superinf., Enzephalitis, Prä-, Perinatalinf. Hydrops fetalis, aplastische Krise Fieberkrampf

Immunität

lebenslang; Reaktivierung als Herpes

zoster

vermutlich lebenslang lebenslang

Infektiosität

2 d vor erstem bis 5 d nach letztem

Schub

2–12 d nach Inf. bis Exanthemausbruch vermutlich während Fieberphase

Wiederzulassung zu

Gemeinschaftseinrichtungen

nach Verkrustung bzw. Schorfabfall nach Exanthemausbruch möglich nach Abklingen der akuten Erkr.

Masern ( 16.8.2 ) Röteln ( 16.8.3 ) Scharlach ( 16.8.4 )

Erw.: Erwachsene; Jgl.: Jugendliche; KK: Kleinkinder; SK = Schulkinder

16.8.2. Masern

Synonym Morbilli.

Tröpfchen-Inf. (Husten, Niesen, Sprechen) mit Masernvirus. Hoch kontagiös (fast 100 %). Nestschutz durch mütterliche Ak bis zum 5.–12. LM. Bis

Impfeinführung v. a. Kinder betroffen (natürliche Durchseuchung bis zum 6. Lj. > 95 %), heute zunehmend nicht geimpfte Jgl. u. Erw. mit oft atyp.,

schwerem Krankheitsverlauf (Durchimpfungsrate 80–90 %). IKZ bis Exanthemausbruch 8–12 d.

Klinik ( Tab. 16.13 ).

• Prodromi (4 d): 1. Fieberschub bis 39 °C, Atemwegskatarrh, Koplik-Flecken an Wangenschleimhaut in Höhe der Molaren (salzkornartige weiße

Stippchen mit gerötetem Hof), evtl. Kopf- u. Bauchschmerzen mit Obstipation („Pseudoappendizitis“) o. Durchfall. Kurzzeitige Entfieberung nach

3 d.

• 2. Fieberschub bis 41 °C, Verstärkung der Krankheitserscheinungen, Konjunktivitis (Lichtscheu), Rhinitis, Pharyngolaryngitis, Tracheobronchitis

mit trockenem Reizhusten, typisches Maserngesicht („verrotzt, verheult, verschwollen“), Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, Exanthem: stark

gerötet, großfleckig bis 1 cm, erhaben, unregelmäßig geformt, konfluierend, evtl. hämorrhagisch; beginnt retroaurikulär, steigt symmetrisch über

Kopf, Stamm zu Extremitäten ab. Rückbildung in gleicher Folge; nach Abblassen kleieartige Hautschuppung möglich. Anhaltende Infektanfälligkeit

für ca. 6 Wo. Lebenslange Immunität.

Diagnostik I. d. R. klinisch. Serolog. Bestätigung (IgM-AK) zur epidemiolog. Erfassung. Verdacht u. Erkr. meldepflichtig.

Therapie

• Bettruhe in belüftetem, abgedunkeltem Zimmer. Bei hohem Fieber o. beeinträchtigtem AZ: Antipyrese ( 16.15.1 ). Absonderung bis 4 d nach

Exanthembeginn. Genügend lange Erholungsphase, um KO zu vermeiden.

• Otitis media, Bronchopneumonie: frühzeitige Antibiotika-Ther. ( 16.6.11 , 16.6.10 ).

• Krupp-Sy., Enzephalitis, toxischer Verlauf: Klinikeinweisung.

Prophylaxe

• Aktive Impfung im Alter von 11–14 u. 15–23 Mon., Abstand 6 (mind. 4) Wo., vorzugsweise mit MMR(V)-Lebendimpfstoff (z. B. Priorix[-Tetra] ®

), 9.2.3 .

• Bei mögl. Masernkontakt (Gemeinschaftseinrichtungen) Impfung evtl. bis zum 9. LM vorziehen. Bei noch früherer Impfung ist Nichtangehen wg.

mütterlicher Ak wahrscheinlich. 2. Impfung dann im Alter von 12 Mon.

• Impfmasern (bis 5 %): Ca. 10 d nach Impfung mäßiges Fieber, flüchtiges Exanthem, respir. Sympt., selten Thrombozytopenie, nichtinfektiös.

• Riegelungsimpfung bei Nicht- o. nur Einmalgeimpften möglichst innerhalb von 3 d nach Kontakt (Inkubationsimpfung).

• Passive Immunisierung (abwehrgeschwächte, seroneg. Personen mit hohem KO-Risiko): 0,2–0,5 ml/kg i. m. o. 1–2 ml/kg i. v. Immunglobulin (z. B.

Beriglobin ® ) verhindern bis zum 3. d Ausbruch, mitigieren bis zum 6. d nach Kontakt den Krankheitsverlauf.

• Weltweite Eliminierung bis 2015 geplant, auf 2020 verschoben (WHO).

Komplikationen

• Bronchopneumonie, Otitis media, Masernkrupp (insgesamt 10–20 %).

• Bakterielle Superinf., Tbc-Aktivierung infolge Resistenzminderung.

• Toxischer Verlauf (selten): stark reduzierter AZ, Hyperpyrexie, Somnolenz, Krämpfe.

• Enzephalitis 0,1 %: erneuter Fieberanstieg, Eintrübung, Krämpfe, Letalität 15 %, Defektheilung 30 % (Krampfleiden, Intelligenz-,

Konzentrationsstörungen).

• Weiße Masern (ohne Exanthem) bei T-Zell-Defekt; Riesenzellpneumonie.

• Subakut sklerosierende Panenzephalitis: mögliche Spätfolge nach 6–8 J. mit infauster Prognose.

Prognose Letalität 0,05 %, in Entwicklungsländern 5 % (günstiger bei Vit.-A-Gabe), erhöhte Komplikationsrate mit zunehmendem Alter.

16.8.3. Röteln

Synonyme Rubeola, Rubella.

Tröpfcheninf. mit Röteln-Virus. Kontagiosität bei flüchtigem Kontakt 20 %, bei Haushaltskontakt 80 %. V. a. nicht geimpfte ältere Kinder u. junge Erw.

Abortive Verläufe in 50 %. IKZ 2–3 Wo.

Klinik ( Tab. 16.13 ).

• Katarrhalische Prodromi für 2 d; dann druckempfindliche, weiche Lk-Schwellung typischerweise nuchal, retroaurikulär

• Exanthem für 3 d: blassrot, mittelfleckig bis 3 mm Ø, leicht erhaben, teils dicht stehend, nicht konfluierend, oft flüchtig u. diskret, bei Lampenlicht

kaum sichtbar. Beginn retroaurikulär, rasche Ausbreitung über Gesicht, Hals, Stamm u. gelegentlich Extremitäten. Keine Schuppung. Leichte allg.

Krankheitserscheinungen, mäßiges Fieber bis 38 °C, evtl. Arthralgien (Jgl., Erw.). Prognose gut

Diagnostik Klin. oft unsicher, daher Immunstatus gefährdeter/nicht vollständig geimpfter Personen (Schwangere, Abwehrgeschwächte, Personal

Kindergemeinschaftseinrichtungen) serolog. klären: IgM-Ak-Nachweis (ab 3. d nach Kontakt) o. 4-facher HAH-Titeranstieg im Verlauf von 1–3 Wo.;

Immunität: HAH ≥ 1 : 32 o. ELISA-IgG ≥ 15 IU/ml (Kontrolle bei Kinderwunsch). Erkr. seit 2011 meldepflichtig.

Therapie Symptomatisch, meist nicht erforderlich. Auf mögliche Gefährdung Schwangerer hinweisen! Kausale Therapie existiert nicht.

Komplikationen

• Arthralgien/Arthritiden (Jgl., Erw., v. a. ♀)

• Konnatales Rötelnsy . (Rötelnembryopathie ) bei Inf. während Frühschwangerschaft bis 18. SSW. Schweregrad abhängig vom Gestationsalter.

Klassische Trias (Gregg-Sy .) betrifft Herz (offener Ductus arteriosus), Augen (Katarakt), Ohren (Innenohrtaubheit). Drohende Rötelnembryopathie

ist med. Ind. für Abruptio. Ca. 3 % der Frauen im gebärfähigen Alter seronegativ. Pro Jahr werden 1–2 Rötelnembryopathien gemeldet, tatsächliche

Zahl liegt vermutlich höher

• Enzephalitis (selten), Panenzephalitis (sehr selten)

Prophylaxe

• Aktive Impfung im Alter von 11–14 u. 15–23 Mon., Abstand 6 (mind. 4) Wo., vorzugsweise mit MMR(V)-Lebendimpfstoff (z. B. Priorix[-Tetra] ®

). Jungen sind nicht von Röteln-Komponente auszunehmen! Frühere Impfung ab 9. LM möglich (bei Aufnahme in eine Kindereinrichtung

indiziert), Erfolg wg. mütterlicher Ak nicht garantiert. 2. Impfung dann zu Beginn 2. Lj.

• Ist nur 1 Impfung dokumentiert, frühzeitig 2. Impfung nachholen (auch nach Röteln-Erkr., die nicht serolog. gesichert wurde), um Immunitätslücken

zu schließen (bis 5 %). Keine Altersbegrenzung

• Sind 2 Impfungen dokumentiert, wird seit 2011 serolog. Kontrolle bei Frauen im gebärfähigen Alter u. bei Kinderwunsch nicht mehr empfohlen

• Grav. zum Impfzeitpunkt u. folgende 3 Mon. ausschließen. Versehentliche Impfung keine Ind. für Abruptio (durch Impfvirus verursachte

Embryopathie bislang nicht bekannt)

• Nach Exposition Kinder, Jgl., Personen der Schwangeren- o. Kinderbetreuung, die nicht o. nur 1 × geimpft sind, möglichst binnen 3 d impfen.

Dadurch Unterbrechung möglicher Infektionsketten (Riegelungsimpfung). Passive Immunisierung mit polyvalentem Immunglobulin innerhalb 7 d

nach Rötelnkontakt bzw. bis 2. Exanthemtag des Erkrankten möglich, allerdings kein 100-proz. Schutz. Spezielles Röteln-Hyperimmunglobulin in

D nicht mehr im Handel.

16.8.4. Streptokokken-A-Angina, Scharlach

Synonym Scarlatina.

Definition Tröpfcheninf. (durch Streptok.-Träger mit aktiver Pharyngotonsillitis), seltener Kontaktinf. (kontaminierte Nahrungsmittel, Gegenstände) mit

phageninfizierten GAS, die erythrogenes Exotoxin (3 antigene Varianten) produzieren. Trotz hoher Kontagiosität (bes. in Gemeinschaftseinrichtungen) geringe

Manifestation (10 %); v. a. SK, selten Sgl., Erw. Blande Verläufe zahlreich, erst retrospektiv an Hautschuppung erkennbar. Bei Immunität gegen das Toxin ist

Angina alleiniges Symptom. Mehrfacherkr. möglich, entweder durch Streptok. eines anderen Serotyps (80 verschiedene) o. durch Reinf. (selten). Erwerb

vermutlich lebenslanger typen- u. toxinspez. Immunität, daher Streptok.-Inf. 80 × (darunter 3 × Scharlach) möglich. IKZ 2–4 d.

Klinik ( Tab. 16.13 ).

• Streptok.-A-Angina (Pharyngotonsillitis ): im SK-Alter häufig (in 40 % 1 ×/J.). Gerötete, geschwollene Tonsillen, ggf. mit stippchenförmigen o.

konfluierenden, wegwischbaren Belägen. Schluckbeschwerden; schmerzhafte Hals-Lk-Schwellung; Fieber.

• Scharlach: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber um 40 °C, ggf. Erbrechen, Schluckbeschwerden, Hals-, Kopf-, Glieder-, Bauchschmerzen,

Schüttelfrost. Düsterrotes Enanthem Rachenhinterwand u. weicher Gaumen, harter Gaumen bleibt frei. Pharyngotonsillitis wie oben. Weißlich

belegte Zunge. Mundwinkelrhagaden. Intensive, diffuse Wangenrötung, periorale Blässe. Nach 1–2 d feinfleckiges, dicht stehendes, blass- bis

hochrotes Exanthem, oft flüchtig. Beginnt an Arm- u. Leistenbeugen, breitet sich über Hals, Stamm, Extremitäten-Streckseiten aus. Haut: samtartig

rau, subikterisch, gelegentlich Petechien (Rumpel-Leede-Test pos. 19.1.3 ). Nach Abstoßung der Beläge imponiert gerötete Zunge mit verdickten

Papillen (Himbeerzunge). Unter Antibiotika-Ther. Entfieberung nach 1–2 d (sonst bis zu 3 Wo.), Exanthem-Abblassung u. nach 1 –2 Wo.

kleieartige, grob lamellöse Hautschuppung an Handtellern u. Fußsohlen.

• Folgeerkr. nach 1–3 Wo. Latenz: Endokarditis, GN, rheumatisches Fieber, Chorea minor (selten). Mögliche Hautmitreaktionen: Erythema

nodosum, Erythema anulare.

Diagnostik

• Schnelltest (z. B. Equate Strep-A-Test ® ). Beurteilung nach 10 Min., bei neg. Ausfall nicht aussagekräftig.

• Rachenabstrichkultur auf Blutagar- o. Selektivnährboden, Beurteilung nach 1 d.

Differenzialdiagnose Virale (Adenoviren), bakt. Anginen, Mononukleose ( 9.4.3 ), Diphtherie ( 9.3.7 ), Kawasaki-Krankheit.

Therapie

• Antibiose: Penicillin V p. o. 100.000 IE/kg KG in 2 bzw. 3 ED für 7 (früher 10) d (z. B. InfectoBicillin ® bzw. Infectocillin ® ) o. orales

Cephalosporin der 2. Gen. für 5 d (z. B. Infectocef ® ). Beendet rasch Infektiosität, verhindert KO, Folgeerkr. Cave: Therapieabbruch nach

Symptombesserung vermutlich häufigster Grund für Therapieversagen. Weitere Alternativen: Makrolide unter Beachtung der lokalen Resistenz, z.

B. bei Penicillinunverträglichkeit, in Sonderfällen auch Clindamycin

• Antipyrese ( 16.15.1 ). Bettruhe, solange Fieber besteht

Ausschluss Folgeerkr. nach 3 Wo., bes. bei inkonsequent durchgeführter Antibiotika-Ther.: Auskultation, RR, Urinstatus, Gelenkstatus, ggf. EKG.

Prophylaxe

• Absonderung bis 24 h nach Beginn Antibiotika-Ther., unbehandelt ca. 3 Wo. bis Abklingen der Krankheitserscheinungen. Wiederzulassung zu

Gemeinschaftseinrichtungen bei Beschwerdefreiheit u. gewissenhafter Fortführung der Antibiotika-Ther.; Abstrichkontrolle auf Keimsanierung

nicht aussagekräftig

• Antibiotische Mitbehandlung von Kontaktpersonen mit Rachensympt. (erkrankungsverdächtig) u. pos. Diagn., ferner bei erhöhtem Rezidivrisiko

nach Folgeerkr.

• Streptok.-Träger ohne Krankheitszeichen (10–20 % der Bevölkerung) keine Gefahr für sich u. andere

• Nach Folgeerkr. (bes. nach Endokarditis): Penicillin V 2 × 200.000 IE/d o. Benzathinpenicillin 1,2 Mio. IE/Mon. i. m. (z. B. Tardocillin ® ) für

mind. 5 J.

Komplikationen

• Otitis media, Sinusitis, Mastoiditis, Tonsillarabszess, Osteomyelitis, Sepsis, toxisches Schock-Sy. (blauer Scharlach )

• Haut-, Weichteilinf.: Impetigo, Erysipel, nekrotisierende Fasziitis („Killerbakterien“). Wund- z. B. Puerperalscharlach ( cave: Verkürzte IKZ!

Binnen h septischer Verlauf möglich), Erysipel

16.8.5. Windpocken

Synonym Varizellen.

Definition Tröpfchen- u. fraglich „fliegende“ Inf. mit Varicella- Zoster-Virus. Kontagiosität 80 %, Frühdurchseuchung bis 10. Lj. > 90 %; v. a. KK, SK,

zunehmend auch Jgl., Erw. mit dann möglichem schwerem Verlauf. Exazerbation als Herpes zoster (Gürtelrose ) nach jahrelanger Latenz möglich. Herpes

zoster kann Windpocken übertragen. IKZ 10–21 d, meist 14–16 d.

Klinik ( Tab. 16.13 ).

• Selten katarrhalische Prodromi (1–2 d): flüchtiges, leichtes Fieber

• Aufblühen des Exanthems in Schüben zunächst mit feinen rötlichen, 2–5 mm großen Papeln, die sich binnen 1 d in einkammerige, anfangs

wasserklare, dann gelblich-trübe Bläschen umwandeln, bald eintrocknen u. braunschwarze Krusten bilden. Krusten fallen nach einigen d ab,

hinterlassen gelegentlich hypopigmentierte Stellen o. Narben (v. a. durch Kratzeffekte). Alle Stadien nebeneinander („Sternenhimmel“), betroffen

ist gesamte KOF einschließlich behaarter Kopfhaut, bei schweren Verläufen auch Mund- u. Genitalschleimhaut. Starker Juckreiz. Leichtes Fieber.

AZ meist nur (↓). Exanthemdauer: 1–2 Wo. Cave: Bläschenflüssigkeit enthält VZ-Viren (hoch infektiös!)

Diagnostik I. d. R. klinisch. In bes. Fällen serolog.

Differenzialdiagnose Herpes zoster (schmerzhaft, segmentbegrenzt, bei Immunsuppression auch disseminiert; auch in Kindheit möglich). Strophulus

infantum (hauptsächlich Extremitäten, weniger Stamm, selten Gesicht).

Therapie

• Ggf. Antipyrese (Paracetamol 16.15.1 , keine Salicylate!)

• Austrocknen der Bläschen fördern: juckreizstillende Gerbstoffe (z. B. Tannosynt ® Lotio), zinkhaltige Schüttelmixturen (z. B. Anaesthesulf ® ); keine

Salben, keine feuchten Umschläge, keine Bäder

• Starker Juckreiz: Antihistaminikum p. o. (z. B. Fenistil ® , Zyrtec ® )

• Bakt. Superinf.: lokal desinfizierende, antiseptische Lsg. (z. B. Rivanol ® , Betaisodona ® ). Selten systemische Antibiotika-Ther. nötig (staphylok.-

wirksame Cephalosporine, z. B. Infectocef ® )

• Bei eingeschränkter Abwehrlage (s. u.) o. zu erwartendem schwerem Verlauf (> 16. Lj.): frühzeitig Aciclovir (z. B. Zovirax ® ) i. d. R. 30–45

mg/kg/d i. v. (max. 2,5 g/d); in Ausnahmefällen oral 60–80 mg/kg/d (max. 4 × 800 mg/d), ggf. Klinikeinweisung

Kühle Zimmertemperatur (Juckreiz lindernd). Kurze, saubere Fingernägel, evtl. nachts Leinenfäustlinge o. Leibchen, um Aufkratzen der Bläschen zu

verhindern.

Prophylaxe

• Isolierung bis 5 d nach letztem Exanthemschub bzw. bis Verkrustung der Effloreszenzen. Gründlich Hände waschen u. desinfizieren

• Standardimpfung seit 2009 im Alter von 11–14 LM, 1. Dosis bevorzugt monovalent (z. B. Varilrix ® , Varivax ® , s. c.) u. kontralateral zur MMRImpfung (wg. erhöhten Risikos von Fieberkrämpfen), 2. Dosis im Alter von 15–23 LM, vorzugsweise mit einem MMRV-Komb.-Impfstoff (z. B.

Priorix-Tetra ® ). Ungeimpfte/nur einmal geimpfte Kinder/Jgl. ohne Varizellenanamnese mit monovalentem o. vorzugsweise Komb.-Impfstoff

impfen (1 bzw. 2 Dosen), Abstand 6 (mind. 4) Wo.

• Indikationsimpfung: gefährdete seroneg. Personen (Immundefizienz, Neurodermitis, Kinderwunsch), deren seroneg. Kontaktpersonen, Personal im

Gesundheitsdienst/Gemeinschaftseinrichtungen für Vorschulalter. Postexpositionelle Inkubationsimpfung binnen 5 d o. bis 3 d nach

Exanthemausbruch des Indexfalls möglich

• Varicella-Zoster-Immunglobulin (z. B. Varicellon ® 0,2 ml/kg i. m.; Varitect ® 1 ml/kg i. v.) für gefährdete seroneg. Personen bis 96 h nach

Exposition, anschließend Aciclovir (s. o.)

Komplikationen

• Narbenbildung (Superinf. aufgekratzter Bläschen)

• Schwerer protrahierter Verlauf bei eingeschränkter Abwehrlage (Früh-/NG, Immundefizienz, Kortison-Ther.), Hauterkr. (Neurodermitis)

• Zerebellitis (gute Prognose), Enzephalitis (schlechte Prognose), Pneumonie u. a.

• Fetales Varizellen-Sy. in 2 % bei Inf. bis zur 24. SSW: Haut-, Augen-, ZNS-, Skelettanomalien

• Konnatale Varizellen mit bedrohlichem Verlauf für NG bei Erkr. der Mutter 5 d vor bis 2 d nach Geburt (kein Nestschutz)

• Assoziation mit Reye-Sy. (Hepato-, Enzephalopathie; Altersgipfel 5.–14. Lj.) nicht bewiesen. Dennoch: Keine Salicylate zur Antipyrese bei Kindern

u. Jgl.!

16.8.6. Ringelröteln

Synonyme Exanthema infectiosum , 5. (exanthematische) Krankheit

Definition Inf. mit humanem Parvovirus (sehr stabil); Übertragung via Tröpfchen, kontaminierte Hände u. Blut; mittlere Kontagiosität, Durchseuchung bis

Erw.-Alter 60 %. Befällt bevorzugt Erythropoesezellen; v. a. KK, SK; meist blander Verlauf (evtl. katarrhalischer Infekt), bevorzugt im Frühjahr in

Kindergärten u. Grundschulen. Mit Aufblühen des Exanthems Infektiosität vorüber. Vermutlich lebenslange Immunität.

Klinik Keine o. nur geringe Prodromi, dann mäßiges Fieber u. Anämie für 2–5 d ( Tab. 16.13 ). In 20 % für weitere 10 d zunächst hellrotes,

schmetterlingsförmiges Wangenerythem („slapped cheek“), schließlich girlandenförmig konfluierende, bläulich-rote Figuren an Extremitäten-Streckseiten u.

Gesäß, weniger am Stamm. Transiente Arthralgien/Arthritiden kleiner Gelenke v. a. bei jungen ♀.

Diagnostik I. d. R. klinisch; in Zweifelsfällen o. in Grav. serolog.; PCR möglich.

Therapie I. d. R. nicht erforderlich. Immunglobuline bei Immundefizienz.

Prophylaxe Info an Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergarten). Maßnahmen bei Endemien: gründliche Händedesinf. (Seife allein genügt nicht); Kontakt

mit respir. Sekreten vermeiden. Schwangere postexpositionell serolog. auf frische Inf. hin prüfen. Falls pos. → FA-ÜW: engmaschige Sonokontrollen

(Hydrops fetalis?), ggf. intrauterine Bluttransfusion.

Komplikationen

• Inf. während Grav.: diaplazentare Übertragung bis 30 %, Spontanabort infolge Hydrops fetalis (5 %). Fehlbildungen bislang nicht bekannt, daher

keine Ind. Abruptio

• Aplastische Krise (bei hämatolog. Grunderkr. o. schwerem Blutverlust)

• Selten: persistierende Virämie u. Infektiosität (bei Immundefizienz), Anämie, Panzytopenie, Arthritiden u. a.

16.8.7. Dreitagefieber

Synonyme Exanthema subitum , Roseola infantum . 6. exanthemische Krankheit.

Definition Humanes Herpes-Virus (HHV) Typ 6 u. 7, gering kontagiös (vorwiegend Speichel, selten Blut). Durchseuchung bis 3. Lj. fast 100 %. Häufigste

Exanthemkrankheit in diesem Alter, daher oft als Impfreaktion fehlgedeutet. IKZ 5–15 d. Lebenslange Latenz.

Klinik Plötzlicher Beginn, 3–5 d hohes Fieber bis 41 °C, häufig mit Erbrechen u. Durchfall; Meningismus. Unter Entfieberung zartrotes, feinmakulöses,

rötelnähnliches, stammbetontes Exanthem, meist nur für einige h deutlich sichtbar. Geringe katarrhalische Erscheinungen. Prognose gut.

Diagnostik Klinisch. In bes. Fällen serolog.

Therapie Antipyrese ( 16.15.1 ). Fieberkrampfprophylaxe ( 16.5.1 ) bei bestehender Bereitschaft. Cave: ungezielte Antibiotika-Ther. im Fieberstadium →

Fehldiagnose Arzneimittelallergie!

Komplikationen

• Oft Ursache für 1. Krampfanfall (Klinikeinweisung, LP meist normal). Meningoenzephalitis sehr selten

• Assoziation zwischen Reaktivierung u. rheumatischen Erkr. wird diskutiert. Reaktivierung bei Immundefizienz

• Mononukleoseähnliches Krankheitsbild bei älteren Kindern durch HHV 7

16.8.8. Keuchhusten

Synonym Pertussis.

Definition Inf. mit Bordetella pertussis (gramneg.) durch Einatmen keimhaltiger Hustentröpfchen sympt. Pat. über max. 4 m. Hohe Kontagiosität (> 80 %),

größte Infektiosität zu Beginn bis ca. 3 Wo. nach Erkr.-Ausbruch.; v. a. Sgl. u. KK gefährdet, da passive Immunität durch Mutter (Nestschutz) fehlt.

Verschiebung der Erkr. ins Jugend- u. Erw.-Alter. Immunität nur für 2–12 J., daher Zweiterkr. z. B. infolge Ansteckung durch Enkel möglich („Oma-Husten“).

Ähnliche, i. d. R. leichtere Erkr. durch Bordetella parapertussis.

Klinik IKZ 1–2 Wo., dann typischerweise 3 Stadien:

• Stadium catarrhale (1–2 Wo.): Rhinitis, Konjunktivitis, Heiserkeit, uncharakt. Husten, Temp. (↑)

• Stadium convulsivum (4–6 Wo.): Hustenanfälle v. a. nachts: Nach Inspiration stakkatoartiger Husten, Apnoe, Zyanose, dann juchzende, lang

gezogene Inspiration („Keuchen“), Erbrechen glasigen Schleims, Erschöpfung. Subkonjunktivale, petechiale Blutungen. Hustenanfälle sind durch

Racheninspektion auslösbar, Fieber nur geringfügig o. bei Superinf.

• Stadium decrementi (6–10 Wo.): Husten seltener, evtl. Ausbildung eines „Tics“. Bronchiale Hyperreagibilität für längere Zeit

Atyp. Verläufe: bei Sgl. bradykarde Apnoen (assoziiert mit SIDS 16.6.16 ); bei Erw. länger bestehender Husten (als chron. Bronchitis oft fehlgedeutet).

Diagnostik

• Anamnese: Verdacht bei Husten, der Schlaf durchbricht o. > 2 Wo. (5–20 %).

• Körperl. Unters.: Facies pertussica (müde, gedunsen), Verletzung Zungenbändchen; meist Bronchitiszeichen

• Kultureller Keimnachweis ab IKZ-Ende: tiefer Nasopharynxabstrich mit vorbebrütetem Kalziumalginat-Stieltupfer (über Nase in unteren Nasengang

einführen), Ausstrich u. Transport auf cephalexinhaltigem Kohle-Pferdeblut-Agar (Schutz vor Austrocknung u. Kälte notwendig); Kultur für 3–6 d

beobachten (quecksilbertropfenähnliche Kolonien)

• Dir. Immunfluoreszenz-Test: Antigennachweis im Nasopharynxschleimausstrich durch polyklonale, mit Fluoreszein markierte Ak (unzuverlässig,

vorläufige Diagn. möglich)

• Serologie: ELISA, Miterfassung IgA-Titer zur Unterscheidung Impfung/Inf. notwendig (eindeutig erst im fortgeschrittenen Stadium convulsivum

mit Hustendauer von 3–4 Wo.)

• BB: Leukozytose bis 50.000 mm 3

, relative Lymphozytose > 50 % ab Ende Stadium catarrhale (wenig zuverlässig)

Differenzialdiagnose Mykoplasmen, Adeno-, RS-, Parainfluenza-Viren imitieren klin. Bild oft exakt. Fremdkörper. Mukoviszidose.

Therapie Frühzeitige Antibiotika.-Ther. mit Makroliden (z. B. Azithromycin ® ); 2. Wahl: Roxithro-, Clarithromycin (Evidenzgrad A). Vorteile: Senkung

KO-Rate, rascher Infektionsschutz Kontaktpersonen. Cave: Abkürzung Krankheitsverlauf nur, wenn Antibiotika.-Ther. im Stadium catarrhale beginnt.

• Erkrankter Sgl.: Klinikeinweisung

• Kontaktschutz anfälliger Personen (nicht geimpfte Sgl., KK, alte Menschen), ggf. Chemoprophylaxe (s. o.)

• Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen nach Infektiositätsende frühestens 3 Wo. nach ersten Sympt., bei zuverlässiger Antibiotika.-Ther. nach ca.

5 d

Chance des HA: rechtzeitige prophylaktische Behandlung ungeschützter, anfälliger Kontaktpersonen (nicht geimpfte Sgl. u. KK) u. frühzeitige Behandlung

älterer Kinder/Erw. bei Entwicklung von Atemwegssympt.

Komplikationen Bei Sgl. schwerer Verlauf (Mortalität 2 %) mit Bronchopneumonie (20 %), Apnoen (7 %), kardialen Sympt. (4 %), Krampfanfällen (4 %),

Enzephalopathien (2 %); weitere KO: Otitis media, eitrige Bronchitis.

Prophylaxe

• Frühestmögliche Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 u. 11–14 Mon. mit Komb.-Impfstoff mit azellulärer Pertussiskomponente (aP; z. B.

Infanrix ® hexa). Impfschutz ca. 10 J. Auffrischimpfungen im Alter von 5–6 J. u. 9–14 J.

• Weitere Auffrischimpfungen alle 10 J. mit Komb.-Impfstoffen mit reduzierter Pertussiskomponente (Tdap o. Tdap-IPV, z. B. Covaxis ® , Repevax ®

). Herstellung monovalenter Impfstoffe wurde inzwischen eingestellt

• Frauen mit Kinderwunsch, enge Haushaltskontaktpersonen zu Sgl. u. KK, Personal im Gesundheitswesen/in Gemeinschaftseinrichtungen

vorgezogen impfen (Kokonschutz), falls keine Pertussis-Impfung in letzten 10 J.; kann bereits 4 Wo. nach letzter Tetanus-Impfung erfolgen (keine

erhöhte NW-Rate)

• Erkr. ist meldepflichtig, Info an Gemeinschaftseinrichtungen (IfSG)

16.8.9. Mumps

Synonyme Parotitis epidemica, „Ziegenpeter “.

Definition Tröpfcheninf. durch Mumps-Virus. Hohe Kontagiosität in geschlossenen Räumen, natürliche Durchseuchung bei Schuleintritt 70 %; v. a.

Kinder/Jgl., mit zunehmenden Impfraten auch Erw.; hinterlässt dauerhafte Immunität. Inapparente Verläufe in 50 %. Infektiosität 7 d vor bis 9 d nach

Drüsenschwellung. IKZ 2–3 (4) Wo.

Klinik

• Keine wesentlichen Prodromi, gelegentlich Kaubeschwerden, Kopfschmerzen, mäßiges Fieber (1–2 d)

• Druckempfindliche teigige, nicht scharf abgrenzbare, ein- o. doppelseitige Schwellung vor u. unter dem Ohr (Parotisbereich), gelegentlich auch der

submandibulären Speicheldrüsen; meist steht Ohrläppchen ab; typ. Rötung Speichelgangspapillen an Wangeninnenseite, Kaubeschwerden,

Ohrenschmerzen, Fieber um 38 °C (3–8 d)

Diagnostik I. d. R. klinisch. Bei atyp. Verläufen serolog.; Serum-Amylase ↑. Erkr. meldepflichtig.

Differenzialdiagnose Andere virale Parotitiden, Speichelstein, Lymphadenitis colli, Mononukleose ( 9.4.3 ).

Therapie

• Allgemeinmaßnahmen: Mundhygiene, Antipyrese ( 16.15.1 ), ggf. Bettruhe

• Orchitis: Hochlagerung (Sandkissen, Suspensorium); ggf. Antiphlogistika; Glukokortikoid-Ther. mit FA absprechen

• Meningitis: Klinikeinweisung o. FA-ÜW

• Enzephalitis, Pankreatitis: immer Klinikeinweisung

• Schulbesuch frühestens 9 d nach Beginn der Drüsenschwellung

Prophylaxe Aktive Immunisierung (2 × MMRV, 9.2.2 ). Riegelungsimpfung bei nicht o. einmal geimpften Kindern/Erw. in Gemeinschaftseinrichtungen

möglichst binnen 3 bis max. 5 d nach Exposition. Mumps-Immunglobuline zur passiven Immunisierung nicht verfügbar. Erkr. meldepflichtig (IfSG 9.11 ).

Komplikationen

• Häufig: seröse Meningitis, klin. auffällig bis 10 % (Nackensteife, Kopfschmerz), auch isoliert ohne Parotitis, meist jedoch unbemerkt; gute Prognose

• Häufiger: Pankreatitis (Oberbauchbeschwerden, Erbrechen, Fettstühle)

• Seltener, meist postpubertär: Orchitis (erneuter Fieberanstieg, meist einseitige Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit, Hodenatrophie möglich,

Sterilität ungewöhnlich), Epididymitis, Oophoritis, Mastitis

• Selten: Thyreoiditis, Myelitis, Myokarditis, Arthritis, Nephritis, Uveitis

• Sehr selten: Meningoenzephalitis (Defektheilung in 50 %, Innenohrschwerhörigkeit)

• Inf. im 1. Trimenon: Spontanabort möglich

16.8.10. Meningitis

Synonym Hirnhautentzündung.

Entzündungen des Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis) in keiner Altersstufe so häufig wie im Kindesalter, zählen zu den wichtigsten abwendbar

gefährlichen Verläufen. Frühzeitiges Erkennen entscheidet über vollständige Erholung vs. lebenslange Behinderung. Symptomatik umso weniger

ausgeprägt, je jünger das Kind; erscheint nicht immer akut. Fieber kann fehlen! Cave: Antibiotisch anbehandelte Infekte!

Definition Hämatogene o. fortgeleitete Inf. der weichen Hirnhäute. Differenzierung in bakt. (eitrige, granulozytäre), virale (seröse, lymphozytäre) u. durch

Pilze, Protozoen o. Parasiten ausgelöste Meningitiden.

• Bakt. Meningitis: Häufigkeitsgipfel 1. u. 2. Lj., 60 % bis 18. Lj., meist in Wintermon. Wichtigste Err.: Meningo-, Pneumok., Hib (deutlicher

Rückgang mit Einführung der Hib-Impfung). Sonderformen: Lyme-Borreliose, Tbc (Bild einer lymphozytären Meningitis); NG-Meningitis (anderes

Err.-Spektrum)

• Virale Meningitis: v. a. KK, SK nach vorausgegangenem respir. o. GIT-Inf., selten junge Sgl. Oft 2-gipfliger fieberhafter Verlauf. Err.: Entero-,

Mumps-, seltener Adeno-, (Para)Influenza-, FSME-, Arbo-, HSV-, VZV-Viren. Ätiol. vielfach ungeklärt

Klinik

• Zu Beginn unspez.: Unruhe, Reizbarkeit, reduzierter AZ, Fieber

• Hirndruckzeichen: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz, Überempfindlichkeit auf Berührung, Licht, Geräusch

• Schonhaltung zur Vermeidung schmerzhaften Zugs an Nervenwurzeln: reklinierter Kopf (Opisthotonus), Abstützen hinter dem Gesäß

(Dreifußzeichen)

• Meningok.-Sepsis: Hauteinblutungen (im Niveau der Haut, nicht wegdrückbar, gezackter Rand), blutige Durchfälle, Multiorganversagen

• Beteiligung des Hirnparenchyms: Wesensveränderung, Bewusstseinsstörung (Stupor, Somnolenz, Sopor, Koma), Bewegungsstörungen,

Krampfanfälle, Paresen

• Sgl.: „sieht schlecht aus“, Blässe/Zyanose, Trinkverweigerung, Erbrechen, Atemstörung, schrilles Schreien, Wimmern, gespannte o. vorgewölbte

Fontanelle; Fieber kann fehlen!

Diagnostik

• Meningitis-Zeichen: reflektorischer Widerstand bei passiver Nackenbeugung (Meningismus ); reflektorische Hüft- u. Kniegelenkbeugung bei

Anheben des Kopfes aus Rückenlage (Brudzinski-Zeichen ); Ischiasschmerz bei Anheben der gestreckten Beine (Kernig-Zeichen); Knie können

mit Mund nicht berührt werden (Kniekuss-Zeichen )

• Labor: Liquor (Zytologie, Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Ak, Kultur, PCR), Blut (Kultur, Ak-Serologie, BB, CRP u. a.)

• Nachkontrolle: Hör-, Sehprüfung, EEG (forensisch)

Differenzialdiagnose Hirntumoren, -blutungen, Kollagenosen, „chemische“ Meningitis.

Therapie

• Sofortige Klinikeinweisung! Ausnahme: Mumps-Meningitis bei gutem AZ u. guter Pflege

• Falls Transport > 1–2 h: Cephalosporin i. v. ( cave: Endotoxinschock, Erschwerung Diagn.)

• Nach LP sofortige, bis zum Err.-Nachweis kalkulierte, dann gezielte Antibiotika-Ther. i. v., u. U. zusätzlich Aciclovir. Ggf. Kortison, Antiepileptika,

intensivmed. Maßnahmen

Prophylaxe

• Bakt. Meningitis: Impfung gegen Hib, Pneumo-, Meningok. entsprechend STIKO-Empfehlungen. Grundimmunisierung ab 2. LM: 4 × Dtap-HibIPV-HB-Komb.-Impfstoff (Hexavac ® , Infanrix Hexa ® ) zeitgleich mit 13-valentem Pneumokok.-Konjugatimpfstoff ( 16.6.10 ). Ab 12. LM 1

Dosis Meningok.-C-, bei Ind. 4-valenter ACWY-Konjugatimpfstoff (z. B. Menjugate ® bzw. Nimenrix ® ). Seit 2013 europaweit Impfstoff gegen

Meningok. der Serogruppe B (verursachen ⅔ der Erkr.) ab 2. LM zugelassen (Bexsero ® ): noch nicht Teil der allg. Impfstrategie, jedoch

Empfehlung bei Ind.

• Umgebungsprophylaxe bei dir. Kontakt mit Hib-/Meningok.-Meningitis-Erkrankten (z. B. Rifampicin)

• Virale Meningitis: MMRV-, IPV-Impfung; FSME-Impfung bei Ind.

• Meldepflicht: Erkr., Tod, ggf. Verdacht (IfSG 9.11 )

Prognose Bakt. Meningitis: abhängig von Alter, frühzeitiger Antibiotika-Ther. u. Err.-Spektrum. Letalität bei Meningok. 10 %, Pneumok. 6 %, Hib 3 %.

Virale Meningitis: i. d. R. gut. Neurolog. Spätschäden (bes. Pneumok.-Meningitis): Entwicklungs-, Lern-, Hör-, Sehstörungen, Krampfleiden, Paresen.

Komplikationen Sepsis (Waterhouse-Friderichsen-Sy.: Meningok.-Sepsis mit NNR- Einblutungen, Verbrauchskoagulopathie u. Schock), Hirnabszess

(selten), Hydrozephalus.

16.8.11. Enzephalitis

Definition Entzündung des Hirnparenchyms. Err.: Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen, Parasiten, Prionen. Hämatogene Inf. bei gestörter Blut-Hirn-Schranke,

durch infizierte Monozyten bei intakter Blut-Hirn-Schranke, retrograd über Hirnnerven, penetrierende NNH-, Ohrprozesse. Akute, subakute, chron. Verläufe

(bei Immundefizienz).

Klinik Kopfschmerzen, Fieber, Wesensveränderung, Desorientiertheit, Bewusstseinsstörung (Stupor, Somnolenz, Sopor, Koma), Schwindel, Nystagmus,

Bewegungsstörungen, Krampfanfälle, Paresen.

Diagnostik

• Anamnestisch hinweisend: vorausgegangene/begleitende Sinusitis, Otitis, Endokarditis → Streptok., Staphylok.; Enteritis → Enteroviren; Parotitis → Mumps; Exantheme → Masern, Röteln, Windpocken; Zeckenstich → FSME, Lyme-Borreliose; Tierbiss → Tollwut; Fernreise → Malaria,

Japan-Enzephalitis; Immundefizienz → HIV

• Labor: Liquor (Zytologie, Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Ak, Kultur, PCR), Blut (Kultur, Ak-Serologie, BB, CRP u. a.). Schrankenstörung (LiquorSerum-Quotient). Intrathekale autochthone Ak-Produktion

• MRT, CT, EEG

• Nachkontrolle: EEG, Hör-, Sehprüfung, psycholog. Tests

Differenzialdiagnose Hirntumoren, -blutungen, Stoffwechselerkr., Intox., Reye-Sy.

Therapie

• Sofortige Klinikeinweisung! (s. a. Meningitis 16.8.9 )

• Nach LP sofortige, bis zum Err.-Nachweis kalkulierte, dann gezielte Antibiotika-Ther. i. v., u. U. zusätzlich Aciclovir

• Antipyrese, intensivmed. Versorgung, Hirnödemprophylaxe (Kortison, Antikonvulsiva, Flüssigkeitsbilanzierung)

Prophylaxe Wie Prophylaxe Meningitis ( 16.8.9 )

Prognose Defektheilung 7 % (psychoorganisches Sy., Konzentrationsstörungen, Anfallsleiden 21.8 ), Letalität 3 %.

16.9. Krankheitsbilder der Haut

16.9.1. Seborrhoische Säuglingsdermatitis

Synonym Milchschorf.

Definition Ätiologisch unklare (pilzallergische Reaktion?), in 2.–10. Lebenswo. auftretende, akut entzündliche Hauterkr. (heilt innerhalb weniger Wo./Mon.

von selbst ab).

Klinik Scharf begrenzte, konfluierende Hautrötung mit fettig-gelblichen, festhaftenden Schuppen u. Krusten auf Kopfhaut („Gneis“) u. in Körperfalten

(Hals, Achsel, Windelbereich, Nabel, Kniekehlen). Kein Juckreiz, AZ gut.

Diagnostik Klin. in Zweifelsfällen FA-ÜW.

Differenzialdiagnose

• Atopische Dermatitis (endogenes Ekzem): Beginn erst ab 2. LM, starker Juckreiz, auch Befall von Wangen, Ohrläppchen, Beugeseiten;

Windelbereich ausgespart

• Windeldermatitis ( 16.9.2 )

• Erythrodermia desquamativa („Leiner“): Rötung generalisiert, Durchfall, Fieber. Schweres Krankheitsbild, evtl. tödlicher Ausgang ( 26.1.8 )

Therapie Babybene Gel ® : kurz einwirken lassen, mit Wasser aufemulgieren. Alternativ: Kopfschuppen mit Olivenöl o. 1- bis 2 % Salicylöl lösen.

Kurzfristig fettarme, kortikoidhaltige Externa (z. B. Hydrocortison 0,5 % in DAC-Basiscreme). Danach Schieferölpräparate (z. B. 3–6 % Tumenol in weicher

Zinkpaste). Waschen u. Baden nur mit sauren Syndets (z. B. Dermowas ® , Balneum Hermal ® ). Cave: Präparate mit Teer wg. Karzinogenität umstritten.

Erfolge auch mit Antimykotika (Imidazol-Derivate: z. B. Nizoral ® -Creme). Bei schwerem Krankheitsbild Klinikeinweisung.

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.9.2. Windeldermatitis

Definition Hautirritation durch mikrobielle Zersetzung von Fäzes/Harn unter Luftabschluss (fettende Salben, Einmalwindeln). Schwere rezid. Verläufe: an evtl.

Vernachlässigung denken.

Klinik Rötung, Papeln, Bläschen, Erosionen der „gewölbten“ Areale, Tiefe der Hautfalten bleibt frei (im Gegensatz zu seborrhoischer Dermatitis, Impetigo,

Intertrigo). Oft Soor-Überlagerung, dann auch Befall der Hautfaltennischen, Satellitenherde, randständige Schuppung (u. U. gleichzeitig Mund-/Darmsoor).

Therapie

• Austrocknen: Luftzufuhr (Krabbeln „ohne“, „Flitzen“), trocken föhnen, häufig Windeln wechseln, Mullwindeln benutzen

• Vorsichtig mit Zinköl reinigen, Pflege mit blanden, weichen Zink- o. Titanpasten

• Antimykotikum für einige d, möglichst in Komb. mit Zinkoxid (z. B. Multilind ® Heilsalbe, Mykundex ® Heilsalbe, InfectoSoor ® -Zinksalbe)

• Kortikoide allenfalls kurzfristig zu Beginn zur antiinflammatorischen Ther.

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.9.3. Mundsoor

Definition Sprosspilzbefall (meist Candida albicans) Mundhöhle bei lokaler Vorschädigung o. Abwehrschwäche, bes. bei jungen Sgl.

Klinik Schneeweiße, spritzerartige, konfluierende Beläge (hinterlassen nach Abschaben leicht blutende Erosionen). Cave: Nicht mit Milchresten

verwechseln.

Therapie Lokal: Nystatin 100.000 IE/ml (z. B. Nystatin ® Lederle Tr., Moronal ® -, Candio-Hermal ® -Suspension je 1 ml) nach der Nahrung in den Mund

geben o. Mikonazol-Gel auftragen, haftet länger (z. B. InfectoSoor ® Mundgel, Daktar ® 2 % Mundgel). Cave: Brustwarzen der stillenden Mutter immer

mitbehandeln.

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

Komplikation Nahrungsverweigerung infolge Dysphagie.

16.9.4. Mundfäule

Synonyme Stomatitis aphthosa , Gingivostomatitis herpetica.

Definition Herpes-simplex-Erstinf., Häufigkeitsgipfel 1.–4. Lj. IKZ 2–7 d.

Klinik Hohes Fieber, AZ ↓, Kieferwinkel-Lk ↑, Nahrungsverweigerung. Geschwollene, stark gerötete, bei Berührung leicht blutende Mund- u.

Lippenschleimhaut. Bes. im vorderen Mundhöhlenbereich innerhalb von Stunden schubweise auftretende, gruppierte, 2–10 mm große, ovale Bläschen

(rupturieren spontan, hinterlassen schmerzhafte, weißlich belegte, linsengroße Ulzera mit gerötetem Hof [Aphthen]). Fötider Mundgeruch, Hypersalivation.

Differenzialdiagnose Hand-Fuß-Mund-Exanthem (Coxsackie-A-Inf.): IKZ 3–6 (2–35) d; Halsschmerzen, dann Ulzeration an Pharynx, weichem Gaumen,

Zunge u. Zahnfleisch; an Händen u. Füßen makulopapulöses Exanthem, AZ gut bis (↓). Prognose gut; Ther. sympt.

Therapie Kalte Getränke o. Breie, keine sauren Obstsäfte. Spülung/Pinselung mit Kamillentee, Dexpanthenol (z. B. Bepanthen ® -Lsg.) o. Hexetidin (z. B.

Hexoral ® -Lsg.). Anästhesierende Gele (z. B. InfectoGingi ® , Xylocain ® ) o. Salben (Recessan Salbe ® ); bei älteren Kindern auch Anaesthesin ® -Pastillen vor

Mahlzeiten. In Praxis bewährt: Rp. Hydrocortisonacetat 0,5; Tetracainhydrochlorid 0,5; Dexpanthenol 1,0; Propylenglykol 15,0; Guaj-Azulen 25 %

wasserlöslich 0,024; Salviathymol ® N 4,0; gereinigtes Wasser ad 100,0.

• Stärkere Schmerzen, Fieber: Paracetamol ( 16.15.1 )

• Superinf.: Amoxicillin o. Cephalosporin p. o. (z. B. InfectoMox ® , InfectoCef ® )

• Exsikkose (Nahrungsverweigerung wg. Dysphagie, bes. bei Sgl.): Klinikeinweisung zur Rehydrierung

• Ggf. frühzeitige lokale antivirale Ther. mit Aciclovir (z. B. Zovirax ® Creme)

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

Prophylaxe Schmierinf. vermeiden.

Komplikation

• Nahrungsverweigerung wg. Dysphagie

• Selten schwere Verlaufsform (Aphthoid Pospischill-Feyrter) bei abwehrgeschwächten KK. Ther.: Analgetika, Antiphlogistika, Virustatika; FA-ÜW

Prognose Spontanheilung nach 1–2 Wo., Reinf. mit abgeschwächtem Verlauf.

16.9.5. Mundwinkelrhagaden

Synonyme Angulus infectiosus , Perlèche , Cheilitis angularis , Faulecken.

Definition Schmerzhaft erosive Mundwinkelentzündung infolge Candida- o. Staphylok.-Inf., postinfektiös (z. B. nach Scharlach), bei Diab. mell., atopischer

Diathese, Vit.-B 12

-, Eisenmangel; v. a. im Schulalter.

Therapie

• Behandlung Grunderkr.: BZ-Einstellung, ggf. Vit.-B 12

-, Eisensupplementation

• Nystatin-Paste (z. B. Nystatin ® -Lederle) bzw. Tetracyclin- o. Erythromycin-Salbe (z. B. Aureomycin ® )

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.9.6. Hitzepickel

Synonyme Friesel, Miliaria (M.).

Definition Stau in Schweißdrüsengängen, allergische Hautreaktion auf erhöhte E’lytkonz. des Schweißes bei Wärmeexposition von Sgl. (warme Kleidung,

feuchtwarmes Wetter, Fieber).

Klinik Juckende wasserhelle Bläschen, evtl. mit rotem Hof (M. cristallina) o. rötliche, leicht erhabene Papeln (M. rubra).

Therapie Wärmestau vermeiden (z. B. übermäßige Bekleidung); kühle Luft; wirkstofffreie schweißdurchlässige Externa (z. B. Lotio Zinci; Eucerin cum

aqua 50 %).

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.9.7. Impetigo contagiosa

Synonym Ansteckende Borkenflechte.

Definition Hoch kontagiöse Pyodermie durch Strepto- u./ o. Staphylok., v. a. KK. Häufig sek. nach eitriger Rhinitis, bei endogenem Ekzem, Skabies,

Pediculosis capitis (Impetiginisierung). Übertragung durch Kontakt o. über Kleidung. IKZ 2–10 d (bis mehrere Wo.).

Klinik Eitrige Bläschen, nach Aufplatzen honiggelbe Krusten.

Therapie Frühzeitige lokale (z. B. Fucidine Salbe ® , InfectoPyoderm ® Salbe), bei Generalisierung systemische antibiotische Ther. (Cefaclor, z. B.

Infectocef ® ). Sorgfältige Hautpflege. Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen nach Abheilen aller Effloreszenzen bzw. 1–2 d nach Beginn der

Antibiose. Attest erforderlich.

16.9.8. Sandkastendermatitis

Synonym Juvenile papulöse Dermatitis .

Definition Harmloses Ekzem bei Kindern, die viel im Sandkasten spielen.

Klinik Hautfarbene o. hellere, einzeln o. gruppiert stehende Knötchen an Knien, Ellenbogen o. Handrücken.

Therapie Harnstoffhaltige blande Salben.

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.9.9. Neurodermitis

Synonyme Endogenes , atopisches Ekzem .

Definition Chron.-rezid., stark juckende entzündliche Hauterkr.; multifaktoriell. Beginn meist in Kindheit, aber in jedem Alter möglich. Prävalenz

zunehmend ( 26.8.2 ).

Ätiologie

• Endogene Disposition: trockene Haut, Barrierestörung, abnorme Entzündungsneigung

• Exogene Faktoren: Allergene (Nahrungsmittel, bakt. Antigene, Inhalationsallergene), Inf., irritierende Substanzen (Textilien, z. B. Wolle), Klima,

psychische Faktoren

Klinik Chron. trockene, lichenifizierte (xerotische) Haut, im akuten Stadium nässende Ekzeme, multiple Exkoriationen (meist Juckreiz). Prädilektionsstellen:

Hals, Gesicht, Beugeseiten, bei Sgl., KK auch Streckseiten der Arme. Weißer Dermografismus. Gedoppelte Unterlidfalte, lateral fehlende Augenbrauen,

halonierte Augen. Gleichzeitig/alternierend allergische Rhinokonjunktivitis o. Asthma bronchiale.

Differenzialdiagnose Dyshidrotisches Ekzem, nummuläre Dermatitis, Kontaktdermatitis.

Therapie Individuell, symptomorientiert, stadiengerecht: 1. rückfettende Basispflege, 2. antientzündliche, antibakt. Ther. (bes. bei akutem Schub), 3. Ther.

Juckreiz, 4. Coping-Hilfen, 5. Auslöser meiden. Initial offensive Ther. bei sich ankündigendem Schub!

• Mehrmals/d Pflege mit wirkstofffreien Basispräparaten (z. B. Asche Basis ® , Dermatop Basis ® Creme/Fett-/Salbe), ggf. mit 10 % Borretschöl.

Cremes trocknen eher aus, Salben: wirken okklusiv, feuchtigkeitserhaltend, verstärken aber u. U. Juckreiz. Baden mit Ölen (z. B. Linola ® Fett N

Ölbad, Neuroderm ® Mandelölbad), wenn verträglich. Bei ¼ d. F. ausreichend

• Chron. Ekzem: zusätzlich hydrophobe Triclosan-Creme 1–3 % (z. B. NRF 11.122 Infect. ® ) zur Reduktion der Staph.-aureus- Besiedlung

(Fusidinsäure zurückhaltend, da Resistenzentwicklung möglich), komb. mit zinkhaltigen Externa (z. B. Pantederm ® N Hexal Salbe, Zinksalbe-CT

®

). Im Winter Fettgehalt der Basispflege erhöhen. Harnstoff erst ab 5. Lj.

• Akut nässendes Ekzem (akuter Schub): feucht-wässrige Umschläge mit kühlenden Externa (z. B. Lotio alba aquosa), tanninhaltigen Gerbstoffen (z.

B. Tannosynt ® ), Schwarztee o. Kochsalz. Baden mit Kaliumpermanganat. Topische Antiseptika. Bei generalisierter Manifestation orale Antibiose

für mindestens 1–2 Wo. ( Staph.-aureus- wirksam, z. B. Cefaclor ® )

• Subakutes Stadium (nach 2–3 d): zusätzlich topische Steroide für 2–3 Wo. (Wirkstärken I–II, z. B. Dermatop ® ), 1 ×/d abends (absteigende

Dosierung), nicht intertriginös, möglichst nicht im Gesicht. Kontraindiziert bei florider Inf. der Haut im akuten Stadium

• Topische Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus (Protopic ® ), Pimecrolimus (Elidel ® ): antiinflammatorische Wirkung wie Steroide der Wirkstärken I–

II (verursacht keine Hautatrophien). Bei sorgfältiger Abwägung ab 2. Lj., wenn Steroide über 2 Wo. ohne Erfolg. Begleitender Lichtschutz

notwendig. Cave: nur kurzfristig (bei langfristiger Anwendung kanzerogene Wirkung nicht ausgeschlossen!)

• Juckreiz: feuchte, kühle Umschläge auf zuvor eingecremter Haut, ggf. mit Menthol. Oral: ab vollendetem 2. Lj. Cetirizin (z. B. Cetirizin Stada ®

Saft); ältere Antihistaminika (z. B. Fenistil ® ) nicht regelmäßig, da sedierend. Kratzstopptechniken (nachts Neurodermitis-Overall,

Baumwollhandschuhe)

• Baumwollkleidung (keine Wolle, Etiketten heraustrennen), ggf. silberbeschichtete Spezialunterwäsche (Padycare ® )

• Allergenkarenz: Diät nur bei gesicherter Nahrungsmittelallergie. Überprüfung der klin. Relevanz durch oralen Provokationstest in allergolog.

Zentrum. Bei Sgl. u. KK zunächst nur für 6 Mon. (in diesem Alter noch Toleranzausbildung möglich, 16.3.6 )

• Licht-, Fotosol-Ther.: nicht bei Kindern/Jgl. (Schädigung elastischer Hautfasern, Kanzerogenität)

• Klimather.: Nordsee, Hochgebirge, Totes Meer

• Coping: Schulung (AG Dermatologische Prävention: 16.16 )

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

Komplikationen

• Impetigo contagiosa: frühzeitige antibiotische Ther. ( 26.5.1 )

• Varizellen: prophylaktische Indikationsimpfung, postexpositionelle Inkubationsimpfung bzw. Immunglobuline ( 16.8.4 ); Aciclovir ( 16.8.4 )

• Eczema herpeticatum: frühzeitige Ther. mit Aciclovir (s. o.)

Prophylaxe Muttermilchernährung mind. 4 Mon. Möglichst keine Katzenhaltung, Hunde wahrscheinlich unproblematisch. Verzicht auf Rauchen bereits ab

Grav. Frühzeitige unspez. Immunstimulation kann vor Entwicklung atopischer Erkr. schützen: Aufwachsen auf Bauernhof, Kindertagesstätte in ersten 2 Lj.,

höhere Anzahl älterer Geschwister ( 16.6.9 ).

16.9.10. Mollusca contagiosa

16.9.10. Mollusca contagiosa

Synonym Dellwarzen.

Definition Streng epidermotrope Virusinf., Übertragung durch Schmierinf. IKZ 2–8 Wo.; häufig bei Kindern u. Jgl., bei Neurodermitis u. Immundefizienz.

Klinik Rundliche, zentral gedellte, perlartige, hautfarbene o. rötlich-gelbe papulöse Effloreszenzen, gelegentlich gestielt o. sehr groß, auch in großer Zahl:

Eczema molluscatum. Prädilektion: Gesicht, Hals, Stamm (periaxillär, -genital, -anal), Extremitäten.

Differenzialdiagnose Verruca vulgaris, Verruca plantaris ( 4.4.1 ).

Therapie Bei KK o. ungünstiger Lokalisation: Remission abwarten (Wo. bis Mon.). Bei älteren Kindern mit Aktivitäten (Sport, Schwimmen) wg.

Übertragungsgefahr: Exprimieren mit Eihautpinzette o. Kürettage nach topischer Anästhesie mit Lidocain-Creme bzw. -Pflaster (z. B. EMLA

® ). Evtl.

Versuch mit Kaliumhydroxid-Lsg. (InfectoDell ® ).

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.10. Erkrankungen des Urogenitalbereichs

16.10.1. Vorbemerkung

HWI ( 13.3.2 ) sind das häufigste Krankheitsbild des Urogenitalbereichs bei Kindern, gefolgt von Phimose ( 13.7.1 ).

16.10.2. Hydrozele

Synonym Wasserbruch .

Definition Flüssigkeitsansammlung im Skrotalfach nach „Abstieg“ des Hodens vom Bauchraum in Skrotum durch unvollständigen Verschluss des Proc.

vaginalis peritonei ( Abb. 13.9 ). Falls Darmschlingen hinzutreten: indir. Leistenbruch.

Klinik Palpatorisch prall-elastischer Befund, manchmal ausdrückbar (kommunizierende Hydrozele), schmerzlos.

Diagnostik Diaphanoskopie pos. (heute geringere Bedeutung). Sono.

Differenzialdiagnose Hämato-, Variko-, Spermatozele; Epididymitis (schmerzhaft); indir. Leistenbruch (Inkarzerationsgefahr!); Hodentumor, -torsion (

16.9.3 ).

Therapie Meist spontane Rückbildung, ggf. OP-Ind. (ab 3. Lj.).

16.10.3. Varikozele

Definition Krampfaderartige Erweiterung des venösen Plexus pampiniformis (Krampfaderbruch); 80 % linksseitig ( Abb. 13.9 ); v. a. präpubertäres bis frühes

Erw.-Alter.

Ätiologie Blutabfluss li V. spermatica über Umweg der V. renalis (re: Abfluss direkt in V. cava).

Klinik Im Stehen prall gefüllte Venen betroffener Skrotalhälfte. Missempfindungen, gelegentlich Schmerzen; u. U. Hodenhypotrophie.

Diagnostik Inspektion, Palpation (Pulsation bei Hustenstoß). Sono; ggf. Spermiogramm.

Differenzialdiagnose Sympt. Varikozele bei Abflussbehinderung V. spermatica (z. B. durch Nierentumor).

Therapie Nicht immer behandlungsbedürftig. OP, um Störungen der Spermatogenese zu verhindern.

16.10.4. Hodentorsion

Definition Hodendrehung um Gefäßstiel ( Abb. 13.9 ) infolge plötzlicher Kremasterkontraktion bei anlagebedingt unzureichend in seinen Hüllen fixiertem

Hoden. Bei art. Verlegung ischämischer Infarkt, bei venöser Verlegung hämorrhagische Infarzierung. Prädilektionsalter 1. Lj. sowie (Prä-)Pubertät.

Klinik Akutes Skrotum: plötzlich (häufig nachts) einsetzende heftige Schmerzen, bis in die Leiste ziehend; skrotale Schwellung u. Rötung; Übelkeit,

Erbrechen, beim KK Bauchschmerz u. Nabelkoliken.

Diagnostik Inspektion u. Palpation: typ. Klin. (s. o.). Häufig hochstehender u. quer liegender Hoden. Schmerzverstärkung durch Anheben (Prehn-Zeichen

neg.; DD Epididymitis). Keine Dysurie, kein Fieber. Sono.

Therapie Sofortige Klinikeinweisung (telefonisch ankündigen) zur operativen Detorquierung binnen 4–6 h nach Symptombeginn, später o. im Anschluss

Orchidopexie (auch kontralateraler Hoden).

Prognose In 60 % Hodenerhaltung (je früher Detorquierung, desto besser); sek. Hodenatrophie in 20–70 %.

16.10.5. Epididymitis

Definition Nebenhodenentzündung ( Abb. 13.9 ). Meist kanalikulär fortgeleitete Inf. bei HWI, selten hämato-/ lymphogen (Tbc bei abwehrgeschwächten

Kindern); gelegentlich bei Mumpsorchitis.

Klinik Zunehmende Schmerzen entlang Samenstrang, bis zur Leistenregion ausstrahlend. Nebenhodenschwellung, Skrotalhautrötung. Meist besteht HWI.

Diagnostik

• Nebenhoden induriert, schmerzhaft tastbar, bei ausgeprägtem Befund nicht vom Hoden abgrenzbar. Schmerzen nehmen i. d. R. beim Anheben des

Skrotums ab ( Prehn-Zeichen pos.; DD Hodentorsion)

• Schmerzhafte Nierenlager? Blasenhochstand?

• Sono. Urinstatus inkl. Kultur u. Antibiogramm

Differenzialdiagnose Akut: Hodentorsion 16.10.4 , inkarzerierte Skrotalhernie. Chron.: Hydro-, Variko-, Spermatozele, Skrotalhernie; selten (Neben-

)Hodentumor.

Therapie

• Bei ausgeprägtem Befund, unsicherer DD bzgl. Hodentorsion sofortige Klinikeinweisung

• Antibiose. Antiphlogistika, Bettruhe für einige d

• Nach Abklingen akuter Sympt. Abklärung infektionsbegünstigender, bes. obstruierender Harntraktveränderungen

Komplikationen Chronifizierung, Urosepsis, Infertilität.

16.10.6. Hodenhochstand

Definition Nicht im Skrotum tastbarer Hoden infolge hormonell/anatomisch bedingter Verzögerung des embryonalen „ Abstiegs“ durch Leistenkanal: 20 % der

früh-, 4 % der reifgeborenen Knaben; noch bei 1 % nach dem 3. LM (physiolog. Hochstand). 2 % aller Knaben haben am Ende des 1. Lj. Pendelhoden : Durch

Retraktion des M. cremaster temporäre Verlagerung (Normvariante). Leistenhoden : inguinale Hodenlage. Gleithoden : vor Leistenring liegend, unter

Spannung in Skrotum verschiebbar. Bauchhoden : dauerhaft kein Hoden tastbar (Kryptorchismus ). Fehlende Anlage: kein Testosteronanstieg nach HCG-Test

(Anorchie ).

Diagnostik Vorsichtige Palpation u. Repositionsversuch durch leichten Druck auf innere Fossa iliaca in Richtung Peniswurzel. Unters. im Schneidersitz o.

im Stehen mit warmen Händen in entspannter Atmosphäre. Sono.

Therapie durch FA Ausbleibender Deszensus bis 6. LM. Kons. Therapieversuch:

• HCG i. m. (z. B. Predalon ® ) bzw. LHRH intranasal (z. B. Kryptocur ® ). Erfolg in ca. 20 %. NW: in 1–3 % passagere Penis- u. Hodenvergrößerung,

Pubesbehaarung, aggressives Verhalten

• Falls erfolglos: operative Orchidolyse u. Orchidopexie bis Ende 1. Lj.

Komplikationen Bei bds. Hochstand Fertilität ↓ (Temperaturempfindlichkeit Hodengewebe). Malignitätsrisiko ↑.

16.10.7. Hypospadie

Definition Entwicklungshemmung vorderer Harnröhre mit proximal verlagerter ventraler Mündung: 75 % distal (glandulär, koronar, subkoronar); 25 %

proximal (penil, skrotal, perineal). Ätiol. unklar. In 20 % 2. Familienmitglied betroffen. Assoziiert: Leistenhernie 7 %, Hodenhochstand 5 %, Nieren-,

Harnwegsanomalien.

Diagnostik Orientierende Sono Nieren u. Harnwege; FA-ÜW → Kinderchirurgie, Urologie zur weiteren Diagn.

Therapie Absolute OP-Ind. bei proximaler Hypospadie, relative bei distaler Hypospadie ohne Meatusstenose o. Schaftkrümmung. Verschiedenste OPVerfahren (je nach Befund). Nur an ausgewiesenen Zentren mit entsprechender Erfahrung. Ziel: funktionelle u. kosmetische Rekonstruktion. Günstigster

Zeitpunkt: ½–1. Lj. (2. Lj. ungünstig) bis spätestens Schulalter. Stat. Ther.-Dauer (bei komplikationslosem Verlauf): 10 d. Ausführliche Elternberatung.

16.11. Psychosomatische Krankheitsbilder

16.11.1. Allgemeines

Charakteristisch im Kindesalter:

• Diffuses, häufig wechselndes Beschwerdebild: z. B. Bauch-, Kopfschmerzen, Appetit-, Schlaf-, Verdauungsstörungen

• Zeitliche o. situative Bindung der Beschwerden: vor/in der Schule, vor/nach unangenehmen Situationen, Besserung am Wochenende o. in Ferien

• Suggestive Beeinflussbarkeit durch Zureden, Placebo

• Belastende psychosoziale Situation: konflikthafte Familienkonstellation, Trennung/Verlust Eltern, Schulprobleme u. a.

• Auffälligkeiten im psychischen u. sozialen Verhalten: depressiver Rückzug, soziale Anpassungs- u. Kontaktschwierigkeiten, Lernstörungen

Hausärztlicher Algorithmus

• Bei entsprechenden Hinweisen frühzeitig psychosomatischen Aspekt ansprechen. Ist organische Abklärung abgeschlossen, sind Eltern u. Kind meist

weniger zugänglich, neigen zum Bagatellisieren u. Ausblenden.

• Begriffe „psychosomatisch“, „psychisch bedingt“ sorgfältig erläutern. Manche Eltern denken dabei zunächst an simulierte Beschwerden o. an eine

geistige Beeinträchtigung.

• Möglichst von Praxis aus festen Vorstellungstermin bei weiterbehandelnder Einrichtung (Erziehungsberatungsstelle, Kinder- u. Jugendpsychiater,

psycholog. Praxis, schulpsycholog. Dienst) vereinbaren, da bei Eltern oft Schwellenangst.

16.11.2. Enuresis (nocturna)

Definition Nächtliches Einnässen nach 5. Lj. (> 2 ×/Mon.). 15 % aller Kinder, ♂/♀ ≈ 2 : 1. Mit 7 J. noch 10 %, Erw. noch ≤ 2 %. Prim.: trockene Perioden

(max. wenige Wo.). Sek.: nach ½ J. wieder auftretendes regelmäßiges Einnässen.

Auffällige Gleichgültigkeit betroffener Kinder bzgl. Sympt. verbirgt oft erheblichen Leidensdruck (Minderwertigkeitsgefühle, affektive

Unausgeglichenheit, sozialer Rückzug, depressive Verstimmung).

Ätiologie

• Monosympt. Enuresis: 1. Ungleichgewicht zwischen Blasenkapazität u. nächtlicher Urinproduktion (relativer ADH-Mangel). 2. Aufwachstörung bei

fehlender Wahrnehmung voller Blase im Schlaf

• Nicht monosympt. Enuresis mit zusätzlicher Tagessymptomatik, meist komb. mit Blasendysfunktion: organische Faktoren (Detrusorhyperaktivität,

Sphinkter-Detrusor-Dyskoordination), rezid. HWI. Selten: anatomische Anomalien, polyurische Nierenerkr., neurogene Erkr.

• Zu früher Beginn Sauberkeitstraining (bes. entwicklungsretardierte Kinder). Ungeduldige, rigide o. inkonsequente Sauberkeitserziehung

• Sek. Enuresis: situative Belastungen, z. B. familiäre Beziehungsstörung, Vernachlässigung, Geburt Geschwisterkind, Elterntrennung, Kindergarten-,

Schul-, Wohnortwechsel, schulische Überforderung

Bei längerer Symptomdauer evtl. Fixierung. Vom Symptom ausgehende psychische Belastungen nehmen zunehmend Stelle ursprünglich auslösender

Ursachen ein. Eltern leiden mit!

Diagnostik

• Erfragen von Trink-, Miktionsverhalten (Hinweise auf Dysurie, Haltemanöver?), Flüssigkeitsmengen, Miktionen (tagsüber < 4- o. > 7 ×?),

Stuhlgewohnheiten, Obstipation? Ernährung? Tiefer Schlaf, schwere Erweckbarkeit?

• Blasentagebuch (Miktionsprotokoll): 16.16 . Bestimmung Harnausscheidung, Blasenkapazität (altersgerecht?)

• Beginn, Modus Sauberkeitstraining?

• Orientierende körperl. u. neurolog. Unters. einschl. Urinstatus (HWI?), Sono (Blasenwandhypertrophie? Nierenfehlbildung? Restharnbestimmung),

ggf. FA-ÜW zur weiteren Diagn.

Therapie Nach Ausschluss organischer Ursachen:

• Resignation, Schuldgefühle, Schuldzuweisungen bei Kind u. Eltern auflösen. Information über Therapiemöglichkeiten u. Selbstheilungsquote →

Zuversicht ↑, Kooperation ↑

• Keine willkürliche Trinkmengeneinschränkung, aber 75 % der Tagesmenge vor 17:00 Uhr. Vor dem Schlafengehen immer Toilettengang. Nachtlicht

auf Toilette, ggf. Fußschemel bei kleineren Kindern zum sicheren, entspannten Sitzen, Lob, pos. Rückmeldung

Trotz hoher Spontanremissionsrate (15 %/J.) frühzeitige Ther. zur Vermeidung von sek. psychischen Störungen.

• Je nach Verhältnis Harnausscheidung/Blasenkapazität u./o. Präferenz/Möglichkeit der Familie entweder Desmopressin- o. Alarm-Ther. bzw. beides:

– Desmopressin 120–360 μg (z. B. Minirin ® ) als Schmelztbl. 1 h vor dem Schlafengehen u. vor letzter Miktion für 2–6 Wo., u. U. bis 3

Mon. NW: selten Hyponatriämie bzw. Wasserintox. (Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen)

– Alarm-Ther. mit Sensor (z. B. Uriphon ® ): bei Feuchtigkeit akustisches Signal zum Wecken des Kindes. Für 2–3 Mon., bis Kind 14 d

hintereinander trocken. Wirkungsweise u. Handhabung sorgfältig mit Kind u. Eltern besprechen, damit Gerät als Hilfe, nicht als

Strafe/Kontrolle empfunden wird. Erfordert hohe Einsatzbereitschaft! NW: Störung Schlafarchitektur

• Dranginkontinenz: Anticholinergikum Propiverin (z. B. Mictonetten ® ) → Blasenaktivität ↓. NW: Mundtrockenheit

• Nur noch in spez. Fällen trizyklisches Antidepressivum Imipramin durch Experten. NW: kardiotoxisch

Elternselbsthilfe, Leitlinie: 16.16 .

Naturheilkundliche Therapieempfehlung 16.15.6 .

16.11.3. Enkopresis

Definition Einkoten bzw. Beschmutzen der Unterwäsche mit Kot mind. 1 ×/Wo. über mind. 3 Mon. nach 4. Lj. bei sonst altersgerechter Entwicklung. Meist

tagsüber, selten nachts. Prim.: Kind war noch nie über mehrere Wo. sauber. Sek.: regelmäßiges Einkoten nach bereits gelungener Sauberkeitserziehung mit

mind. 6 Mon. symptomfreiem Intervall.

Ätiologie

• Chron. Obstipation (Überlaufenkopresis )

• Aggressive o. regressive Ausdrucksform psychischer Problematik

• Zu früh begonnene, zwanghaft rigide Sauberkeitserziehung

• Ängstliche, gefühlskarge Mütter mit extremen Sauberkeitsbedürfnissen

• Beziehungsarme, überprotektiv-einengende o. leistungsbetont-überfordernde Familienatmosphäre; emotionale Deprivation

Klinik Fast ausschließlich tagsüber. Kinder entwickeln ggü. Sympt. fast völlige Ignoranz, meiden Toilettengang, neigen zu Verstecken schmutziger Wäsche.

Häufig gewohnheitsmäßige Zurückhaltung der Entleerung (sek. Obstipation), z. T. mit paradoxen dünnen Stühlen (Überlaufenkopresis). Psychisch oft

empfindsame, stille u. aggressiv gehemmte Kinder mit fehlender o. protrahiert verlaufender Trotzphase. Bes. ältere Kinder leiden erheblich unter

diskriminierenden Folgen. Bei längerem Verlauf u. gewohnheitsmäßiger Stuhlretention Symptomfixierung: unsichere Wahrnehmung Entleerungsdrang,

unkontrollierte Stuhlentleerung durch nachdrängende Kotmassen; längerfristige Folge: Entwicklung eines sek. Megakolons.

Diagnostik

• Behutsame körperl., neurolog. u. psychosoziale Unters., Abdomen-Sono, ggf. digitale/manometrische Analreflexprüfung; stuhlgefüllte Ampulle

typisch für Überlaufenkopresis

• Psychosoziale (Fremd- u. Eigen-) Anamnese: Familienkonstellation?

Differenzialdiagnose Obstipation mit Überlaufenkopresis ( 8.1.10 ).

Therapie

• Bei bestehender Obstipation initiale Darmentleerung, anschließend Ernährungsumstellung, befristet orale Laxanzien ( 16.5.5 )

• Allg. Maßnahmen: Regelmäßige Toilettengänge nach Mahlzeiten vereinbaren u. durch Belohnung/Lob bekräftigen; angenehme Toilettensituation

herstellen (Fußbänkchen, Lesestoff, Musik), Verlauf u. Erfolg dokumentieren

• Bei Therapieresistenz ÜW → Kinder-/Jugendpsychologie zur Bearbeitung von familiären Strukturen (Ängste der Eltern) u. kindlichen

Persönlichkeitsproblemen (Scham, Schuldgefühle). Spielther., Selbstbehauptungstraining, Familienther.

16.11.4. Hyperkinetisches Syndrom

Synonyme Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung., ADS, ADHS, Zappelphilipp-Sy .

Definition Mögliche fehlerhafte Informationsverarbeitung zw. Frontalhirn u. Basalganglien durch Neurotransmitterstoffwechselstörung (v. a. Dopamin).

Klinik

• Hyperaktivität: motorische Unruhe, ständiges zielloses Bewegungsbedürfnis

• Aufmerksamkeitsstörung: leichte Ablenkbarkeit, Ausdauer ↓, Konzentration ↓

• Impulsivität: affektive Kontrolle ↓, impulsives Verhalten ↑, deutliche Teilleistungsschwächen, Stimmungsschwankungen

Soziale Anpassungsstörung, Hyperaggressivität meist Folge der Leitsymptomatik.

Diagnostik

• Schwangerschafts-, Geburts-, frühkindliche, Familien- u. Sozialanamnese (typ. Kontaktstörungen, z. B. im Kindergarten zu Gleichaltrigen aufgrund

starken Konzentrationsmangels)

• Ausschluss organischer Erkr.: SD-Fehlfunktion? NW antikonvulsive Ther.?

• FA-ÜW: testpsycholog. (Teilleistungsschwächen?), neurolog. Unters. Leitlinien u. Fragebögen: 16.16

Therapie

• Information von Eltern, Schule o. Kindergarten über kindliche Schwierigkeiten. Ziel: Änderung erzieherischer Erwartungen zur kindlichen

Entlastung. Dabei verdeutlichen, dass es sich weder um Folge von Erziehungsmängeln noch um Krankheit handelt, sondern um Normvariante im

Temperament

• Ordnungs-, Strukturkonzepte für Kind (Modifikation Lernumgebung): überschaubare Arbeitseinheiten, wenig Ablenkung. Im Klassenzimmer in 1.

Reihe sitzen

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