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25.7. Orale Funktionsstörungen

25.7.1. Kiefergelenkbeschwerden

Kieferklemme

Definition Ein- o. beidseitige Beeinträchtigung der Mundöffnung. Unterschiedliche Behinderungsgrade von leicht eingeschränkter Mundöffnung bis hin zur

völligen Einschränkung der Mundöffnung.

Ätiologie Häufige Ursache entzündlich-reflektorisch bei sog. Dentitio difficilis (Infiltrat u. Abszess, ausgehend von dem die Weisheitszähne umgebenden Weichgewebe), bei Mumps, Osteomyelitis, Spritzeninf., posttraumatischer Entzündung; Tetanusinf. (Frühsymptom; 9.2.3 ); Tumorfolge (v. a. Parotistumoren);

Folge narbiger Veränderungen der Muskulatur (posttraumatisch, nach Radiatio); arthrogen: Arthritis, Funktionsstörung/kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

/Myoarthropathie.

Therapie I. d. R. durch Zahnarzt, Kieferchirurgen o. in Fachklinik.

Luxation der Kiefergelenke

Definition Ein- o. beidseitiges Gleiten von Gelenkköpfchen u. Discus articularis über das Tuberculum articulare u. elastische Fixation bei der Mundöffnung.

Oft rezid. Kann habituell werden.

Ätiologie Erstmalig nach extremer Mundöffnung (Gähnen, Biss in Brötchen o. Apfel, Zahnarztbesuch); bei Myoarthropathien o. CMD; bei Epilepsie;

Tumoren des Kiefergelenks; psychogen; posttraumatisch.

Klinik Der Unterkiefer ist gesperrt u. einseitig o. symmetrisch (doppelseitige Luxation) nach vorn verschoben. Kein Lippenschluss möglich. Bei

erstmaligem Auftreten äußerst schmerzhafte Verkrampfungen in der Wangen- u. Schläfenregion. Bei habituellen Formen geringe o. keine Schmerzen.

Subluxation: Beim Mundschluss gleitet das Gelenkköpfchen von selbst mit terminalem Gelenkknacken zurück.

Therapie Beide Daumen auf untere Zahnreihe legen. Unterkiefer kräftig nach unten vorn drücken. Sobald der Unterkiefer dem Druck nachgibt, kräftig nach

unten hinten drücken (Handgriff nach Hippokrates). Gelingt meist, sonst FA-ÜW → Kieferchirurgie, auch Chirother.

Funktionsabhängige Geräusche im Kiefergelenk

Definition Knack- u. Reibegeräusche bei Unterkieferbewegungen.

Ätiologie Arthrosen; Myoarthropathien o. CMD; Tumoren; Subluxation; Trauma, z. B. Kondylenkopffraktur.

Therapie Durch Zahnarzt, ggf. in Kooperation mit Physiotherapeuten, Kieferorthopäden u./o. Kieferchirurgen; nach Ausschluss von Tumoren u. ohne

Beschwerden i. d. R. nicht erforderlich.

Funktionsschmerz, Myoarthropathie

Synonyme Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Myoarthropathie.

Definition Funktionelles Schmerzsy.

Ätiologie Gestörtes Zusammenspiel verschiedener Anteile des Kauapparats (Muskeln, Gelenke, Okklusion), psych. Kogenese, bei parafunktionellem

Gebrauch des Kauapparats (Knirschen, Pressen).

Schmerzen bestehen oftmals auch, wenn der Unterkiefer nicht bewegt wird.

Klinik Unterschiedliche, oft diffuse Schmerzen in Ruhe u. Bewegung, oft generalisiert im Bereich einer o. beider Gesichts- o. Kopfhälften, Stirn, Orbita,

Schläfe, Wange, Ohr, Mastoid, Nacken u. Schulter, oft als Zahn- o. Kieferschmerz angegeben, oftmals auch nur als Unwohlgefühl beschrieben; Zungen- o.

Mundbrennen. DD: dentogener Schmerz, z. B. infolge Pulpitis, Spannungskopfschmerz, Migräne, Somatisierungsstörung.

Oftmals jahrelange Anamnese mit verschiedenen Aufbissbehelfen, Prothesen, Kronen o. Brücken, Psychopharmaka, Materialaustausch wg. angeblicher

Unverträglichkeit o. angeblicher Intox., Extraktionen ohne Linderung, unergiebige psychosomatische Behandlungsansätze.

Diagnostik Ausschluss von Tumoren, neurolog. u. psychiatrischen Erkr., odontogenen Entzündungen u. Traumata. Druckdolenz u. Verhärtung der

Kaumuskulatur, bes. M. temporalis u. M. masseter; Druckdolenz der Kiefergelenke von lateral o. von dorsal (Finger in den äußeren Gehörgang) bei

geschlossenem Mund u. sich schließendem Mund; Abweichung des Unterkiefers bei Mundöffnung (Deviation, Deflexion); Asymmetrie des Ausmaßes der

Seitwärtsbewegung des Unterkiefers; Schmerzen beim Zusammenpressen der Zähne; Instabilität der Okklusion (Differenz der zahngeführten Kontaktposition

u. der durch Muskeln u. Gelenke geführten Kontaktposition); Schmerzen bei den genannten Bewegungen; Gelenkgeräusche; Verlagerung der

Gelenkscheibe(n) (Discus) bei Mundöffnung; flächige Abnutzungsmuster auf natürlichen u. künstlichen Zähnen (Schlifffacetten); Zungenimpressionen;

abgenutzter Zahnersatz, neuer mangelhafter Zahnersatz mit unzureichender Abstützung (Infraokklusion).

Röntgenolog.: zahnärztl. Panoramaaufnahme, ggf. Asymmetrie der Kondylenkopfhöhe o. der Ramushöhe; ggf. exostotische Veränderungen der Kompakta

im Bereich des Kieferwinkels; Erweiterung der Parodontalspalten.

Ausführliche Anamnese ist wichtig; oftmals sind nur einzelne Befunde erhebbar.

Therapie Aufbissbehelf ( Aufbissschiene) gem. den erhobenen Befunden; ggf. physikalische Maßnahmen, PT, pharmakol. Schmerzther., Stressbewältigung.

Beschwerdelinderung sollte nach ca. 6 Wo. erreicht sein, andernfalls Reevaluation der Diagn. auf der Grundlage erneuter Befunderhebung u. ggf. Revision der

Behandlungsmittel.

• Beschwerdepersistenz trotz Aufbissschiene ist kein diagnostisches Ausschlusskriterium! Diskrepanz von Befund u. Befinden sollte nicht vorschnell

eine psychosomatische Diagnose veranlassen.

• Gefahr der Chronifizierung (Behandlungserfolg immer schwieriger, je länger Beschwerden bestehen).

Unterkieferdeviationen

Definition Einseitige Abweichung des Unterkiefers während der Öffnungsbewegung des Unterkiefers mit Rückkehr in die Medianebene (Deviation) o. ohne

Rückkehr zur Medianebene (Deflexion) bei max. Mundöffnung.

Ätiologie Myoarthropathie/CMD, Arthritis (Abweichung zur gesunden Seite), Trauma (Abweichung zur betroffenen Seite), Tumor.

Therapie Abhängig von der Ursache: Facharzt, Klinik, Zahnarzt.

Alle Funktionsstörungen sollten überwiesen werden, um die Diagnose zu sichern u. den Behandlungsbedarf zu bestimmen.

25.7.2. Xerostomie

Definition Funktionsstörung der Speicheldrüsen mit abnormer Mundtrockenheit.

Ätiologie

• Sialadenose : medikamentös (Antidepressiva, Antihistaminika, Atropin); hormonell (Diab. mell., Hypothyreose); neurogen (Stress, endogene

Depression); metab. (Mangelkrankheiten; Plummer-Vinson-Sy., 19.3 ), v. a. bei Eisenmangel (Zungenbrennen u. -rötung, Schleimhautatrophie u. -

anämie, Dysphagie, Xerostomie u. Mundwinkelrhagaden). Cave: Plummer-Vinson- Sy. ist eine Präkanzerose!

• Perniziöse Anämie: Mundschleimhaut blassfahl; hochrote, scharf abgegrenzte Flecken am Zungenrücken ( 19.3.2 )

• Sialadenitis: infektiös (bakt. 23.8.1 ); radiogen; immunolog.: Sjögren-Sy. mit c. P. u. Conjunctivitis sicca; Sklerodermie; Heerfordt- Sy.: Genese

unbek. Klin.: chron. Parotitis u. Dakryoadenitis, ggf. auch Iridozyklitis, Hirnnervenparesen. Auftreten insb. i. R. einer Sarkoidose. Typ.

Symptomkonstellation: Fieber, Parotitis, Uveitis anterior, Fazialislähmung; Rückstau u. Abflussbehinderung

• Wasser- u. E’lytstörungen: Exsikkose durch Diarrhö; Fieber; Polyurie; chron. Niereninsuff.

• Malignes Lymphom ( 19.4.3 )

Therapie Behandlung der Grunderkr.: symptomatisch.

Eingeschränkte Elimination von Mikroorganismen u. Speiseresten aus der Mundhöhle sowie mangelhafte Pufferung der Gärungssäuren u. ungenügende

Remineralisation des Zahnschmelzes bewirken bei Xerostomie stark erhöhte Kariesaktivität ( 25.8.1 ) mit rascher Zerstörung des Gebisses. Bes. auf

gründliche Mundhygiene u. systematische Fluoridierung ( 25.8.4 ) achten! Die Mundschleimhaut ist auch anfälliger für Pilzinf.

Speicheldiagnostik

Die normale Speichelsekretionsrate beträgt mind. 1 ml/Min. Reduzierter Speichelfluss (Xerostomie bei 0,1 ml/Min.) o. reduzierte Pufferkapazität ergeben

ein erhöhtes Kariesrisiko. Bei der Speicheldiagn. werden die Speichelsekretionsrate, die Pufferkapazität u. die kariesrelevante mikrobiolog.

Zusammensetzung (v. a. Anteil an Streptococcus mutans u. Laktobazillen) untersucht.

25.7.3. Dysästhesien im Mund- u. Gesichtsbereich

Definition Qualitative Sensibilitätsstörung.

Ätiologie

• Zungenbrennen : Lingua geographica (Erosionen der Zungenschleimhaut); „Mangelzunge“ (hochrote, lackartig glatte, firnisartige Zunge) bei

Tumoren, Kachexie, Mangelerkr., Hep. u. Leberzirrhose; Lichen ruber planus ( 26.13 ); Diab. mell. ( 17.1 ); Tbc ( 12.3.6 ); psychosomatisch;

hormonell (Menopause); Verbrennungen/Verätzungen; Syphilis im Tertiärstadium ( 9.8.2 ). Symptom einer Funktionsstörung

• Hypästhesie/Anästhesie: am häufigsten an Unterlippe, Kinn u. Zunge (N. mandibularis): akute Osteomyelitis; alle destruierend wachsenden

Knochen- u. Weichteiltumoren u. Fernmetastasen; Osteoradionekrose; neurogene Verletzungen nach Traumen u. operativen Eingriffen, z. B.

Extraktion der unteren Weisheitszähne

• Hyperästhesie: Herpes zoster ( 26.4.2 ); Trigeminusneuralgie ( 21.10.2 ); selten Neuralgien anderer Gesichtsnerven (N. glossopharyngeus, N.

intermedius)

25.8. Mundhygiene und Prophylaxe

Früher war die Karies mit einer Prävalenz von 99 % in der erwachsenen Bevölkerung die am weitesten verbreitete Zivilisationskrankheit in den

Industrieländern.

Durch gezielte Prophylaxemaßnahmen (Mundhygiene, Ernährung u. Fluoridierung von Zahnpasten) konnte die Inzidenz von kariösen Läsionen in den

letzten Jahren deutlich gesenkt werden.

Viele Prophylaxemaßnahmen (z. B. die Verabreichung von Fluoridtabletten bei Kindern o. das Putzen der Zähne unmittelbar nach einer Mahlzeit)

können heute nicht mehr empfohlen werden, da durch falsch durchgeführte Prophylaxe Schäden gesetzt werden können. Cave: Fluorose o. Putzschäden.

25.8.1. Plaquebildung und Kariesentstehung

Speichel ermöglicht der bakt. Mischflora (ökolog. Gleichgewicht) nur ein begrenztes Wachstum. Vermehrte Substratzufuhr, v. a. in Form kurzkettiger KH

(Zucker), fördert eine explosionsartige Vermehrung der kariogenen Bakterien Streptococcus mutans u. Lactobacillus.

Plaque ist festhaftender bakt. Zahnbelag, der sich mit Wasser nicht abspülen lässt. Die Plaquebildung beginnt mit der Bildung des exogenen

Schmelzoberhäutchens (Pellicel). Dieses besteht aus hochpolymeren Zuckern u. Eiweißkörpern des Speichels. Auf diesem Schmelzoberhäutchen kommt es zur

Haftung u. kolonienartigen Vermehrung der Bakterienstämme. Bei fehlender o. unzureichender Mundhygiene breitet sich der weißliche Zahnbelag großflächig

aus u. wird dicker. Die in der mikrobiellen Flora der Plaque vorhandenen Bakterien sind säuretolerant u. teilweise in der Lage, durch Vergärung des

Nahrungszuckers Säuren zu produzieren. Bei einem Säureanstieg auf pH 5,7–5,4 überwiegen die demineralisierenden Vorgänge am Zahn ggü. den

remineralisierenden Einflüssen durch den Speichel: Der Zahnschmelz beginnt, zunächst reversibel, zu entkalken. Dominiert der Mineralverlust über längere

Zeit, entstehen kreidig-weiße Flecken ( white spots) als Vorstadien kariöser Läsionen. Durch sorgfältige Mundhygiene ( 25.8.2 ) u. Einschränkung des

Zuckerkonsums sowie durch Fluoridanwendung ( 25.8.4 ) ist der Vorgang reversibel. Die Zeitspanne von der Initialkaries bis zum kariösen Defekt ist sehr

unterschiedlich u. kann insb. bei Kindern mit noch unreifem Zahnschmelz extrem kurz sein (2–3 Mon.).

Das Kariesrisiko bei Kindern wird durch Übertragung von S. mutans durch Eltern o. Bezugspersonen erhöht. Übertragungswege sind z. B. vorheriges

In-den-Mund-Nehmen des Schnullers o. der Trinkflasche, Essen vom selben Löffel o. Küssen. Eltern müssen auch bei sich selbst auf gute Mundpflege

achten!

25.8.2. Erosionen (Säureschäden)

Verlust von Zahnhartsubstanz durch dir. Kontakt mit Säuren (Magensäure bei Bulimia nervosa o. Reflux, Softdrinks, Fruchtsäfte, stark säurehaltige

Nahrungsmittel) ohne Beteiligung von Mikroorganismen. Verursachen erst im Spätstadium Probleme, wenn Dentin freiliegt (→ Schmerzen,

Temperaturempfindlichkeit). Problematik durch heutige Ernährungsgewohnheiten stark zunehmend, kann bereits Jgl. betreffen.

25.8.3. Mundhygiene und Reinigung von Zahnersatz

Hilfsmittel und Techniken

• Zahnbürste: Synthetisch hergestellte abgerundete Borsten empfehlen (Naturborsten quellen: Bakterienretention; Zahnfleischverletzungen durch

nicht abgerundete Borsten). Borsten in weicher bis mittlerer Stärke verwenden, nach operativen Eingriffen o. Verletzungen in der Mundhöhle

Zahnbürste mit weichen Borsten. Kurzkopfzahnbürsten (2–2,5 cm Länge u. 3–4 Borstenreihen Breite) für den Einsatz in beengten Bereichen (z. B.

distale Fläche endständiger Molaren). Zahnbürsten erneuern, wenn sich die Borsten nach außen zu biegen beginnen, spätestens nach 3 Mon. Die

elektrische Zahnbürste ist bes. bei mangelhafter Feinmotorik sinnvoll (Behinderte, Kinder). Zahnbürsten sind nicht ausreichend für die Reinigung

der Zahnzwischenräume geeignet (s. Zahnseide).

• Zahnpaste: Soll wirksamen Fluoridzusatz ( 25.8.4 ) enthalten, der pH-Wert soll im leicht sauren Bereich liegen (z. B. Elmex ® pH 5,5, Meridol ® pH

5). Für Kinder < 6. Lj. Fluoridgehalt 250–500 ppm empfehlen. Bei Verfärbungen der Zähne ( 25.6 ) keine stark abrasiven Zahnpasten o. Zahnpasten

mit Aufheller benutzen. Pat. mit Abrasionen (z. B. Zahnhalsdefekte) können „niedrig abrasive“ Zahnpasten benutzen. Ursachenklärung, ggf.

Entfernung von Belägen, Zahnstein u. Verfärbungen durch den Zahnarzt.

• Zahnputztechnik: Es gibt mehrere anerkannte Putztechniken (vom Zahnarzt beraten lassen). Entscheidend ist, systematisch u. gründlich den

Zahnfleischrand u. alle Zahnflächen „von rot nach weiß“ zu putzen, ohne die Zahnhartsubstanz zu schädigen, z. B. Vermeidung keilförmiger

Defekte am Zahnhals durch Abrasionen von Schmelz u. Dentin. Auch elektrische Zahnbürsten müssen zusätzlich zur Eigenbewegung vom

Zahnfleisch zu den Zähnen geführt werden. Nach Anwendung von fluoridierten Zahnpasten nur ausspucken, aber nicht spülen, um die Einwirkzeit

des Fluorids zu verlängern. Um Putzschäden zu vermeiden, sollte man nicht unmittelbar nach dem Essen saurer Speisen die Zähne putzen, sondern

mindestens 30, besser 60 Min. mit der Reinigung warten. Direkt nach dem Essen stattdessen nur den Mund ausspülen!

• Munddusche: zusätzliches Hilfsmittel bei der Entfernung von losen Speiseresten u. zur Spülung von prothetischen Versorgungen u.

kieferorthopädischen Apparaten. Nicht ausreichend zur Entfernung der festhaftenden Plaque. Bei Vorhandensein von Zahnfleischtaschen kann es

bei Anwendung der Munddusche zu einer Bakteriämie kommen. In diesen Fällen ist von der Anwendung der Munddusche abzuraten.

• Zahnseide: für die Reinigung der Interdentalräume. Ungewachste o. leicht gewachste Zahnseide empfehlen (fächert beim Gebrauch auf, dadurch

größere Reinigungsfläche). Ca. 50 cm Zahnseide um die Mittelfinger wickeln, mit Daumen u. Zeigefingern den Mittelteil (ca. 2 cm) auf Spannung

halten u. über den Kontaktpunkt zweier Zähne in den Zahnzwischenraum einführen. Mit Auf-und-ab-Bewegungen die Seitenflächen der Zähne

reinigen. Durch Auf- u. Abwickeln in beiden Händen für jeden Zahnzwischenraum ein neues Stück Zahnseide verwenden. Für prothetische o.

kieferorthopädische Versorgungen „Superfloss“-Zahnseide mit verstärktem Ende u. dickem Mittelteil verwenden. Zahnseide nicht mehrmals

gebrauchen!

• Interdentalbürstchen: Bei weit offenen Zahnzwischenräumen, z. B. nach parodontalchir. Eingriffen u. bei prothetischen Versorgungen, z. B.

Brücken o. Stegen. Vor Gebrauch anfeuchten; ohne Zahnpaste die Zahnzwischenräume mit Hin-und-her-Bewegungen reinigen.

• Zahnpflegekaugummi: Wirkung nicht in Langzeitstudien bewiesen; auf jeden Fall Alkalisierung u. bessere Spülung des Mundraums durch

vermehrte Speichelbildung.

• Mundspüllösungen: Wirksam sind entzündungs- u. plaquehemmende Lsg. auf Chlorhexidindigluconat- (z. B. Chlorhexamed-Fluid ® ) o. auf

Hexetidin-Basis (z. B. Hexoral ® ) bei einer Anwendung bis zu 3 Wo. Cave: Verfärbungen, Geschmacksalterationen. Zur Unterstützung der

Mundpflege bei stark entzündlichen Zahnfleischveränderungen u. bei eingeschränkter Mundhygienefähigkeit (z. B. nach OP). Empfehlenswert mit

zusätzlichem Fluoridanteil ( 25.8.4 ). Wenn keine Zahnbürste zur Verfügung steht, zumindest gründlich den Mund mit Wasser spülen (schützt nicht

vor Plaque).

Die frühere Empfehlung des Zähneputzens nach jeder Mahlzeit ist heute abzulehnen, da es zu massiven Putzschäden kommen kann.

Die heutige Empfehlung ist bei Kindern 2 ×/d (vor dem Frühstück u. vor dem Zubettgehen), bei Erw. mit geringem Kariesrisiko sollte die Plaqueentfernung

1 ×/d u. bei Erw. mit höherem Kariesrisiko 2 ×/d (wie bei Kindern) durchgeführt werden. Zur Selbstkontrolle der Zahnpflege erythrosinhaltige

Plaquefärbetabletten (z. B. Curasept ® PCA 223 Plaque-Färbetabletten) empfehlen.

Viele Zahnarztpraxen bieten „Individualprophylaxe-Programme“ mit speziell geschultem Personal an, d. h. gezielte individuelle Anleitung u. Motivation zur

Mundpflege. Sie sind keine Leistung der GKV. Regelmäßige zahnärztl. Vorsorge erhöht bei entsprechendem Nachweis die Festzuschüsse zum Zahnersatz.

Reinigung und Handhabung von herausnehmbarem Zahnersatz

• Reinigung: Zahnersatz nach jeder Mahlzeit unter fließendem Wasser über einem mit Wasser gefüllten Handwaschbecken (sonst Bruchgefahr beim

Herunterfallen) gründlich mit Zahnbürste u. Zahnpaste o. Seife reinigen. Reinigungstabletten nur ergänzend anwenden. Bei Ablagerung

mineralisierter (harter) Beläge auf dem Zahnersatz: Reinigung mit Ultraschallgeräten durch den Zahnarzt. Nach jeder Mahlzeit zusätzlich Reinigung

des Munds durch Spülen mit Wasser. Wenn die Prothese nicht getragen wird, in einem Glas mit Wasser aufbewahren.

• Druckstellen: oft einige Tage nach Neueingliederung. Sofort zum Zahnarzt schicken; Zahnersatz bis dahin tragen lassen (durch die Rötung der

Schleimhaut an den Druckstellen kann der Zahnarzt die störenden Stellen am Zahnersatz gezielt beseitigen).

• Zahnersatz passt nicht mehr: Oft durch altersbedingte Knochenatrophie. Prothesenhaftmittel nicht o. nur als kurzzeitige Notlösung anwenden.

Unterfütterung der Prothese durch Zahnarzt

25.8.4. Fissurenversiegelung

Prophylaktische Maßnahme bei schwer zu reinigenden tiefen Fissuren von Risikopat. zur Vermeidung von Fissurenkaries. Dabei werden die Fissuren der

Molaren u. teilweise der Prämolaren mit einem Kunststoffversiegler aufgefüllt u. bieten somit keine Retentionsstellen mehr für Bakterien u. Plaque. Bei

Risikopat. sollte die Versiegelung der Zähne möglichst bald nach ihrem Durchbruch stattfinden. Die Retention des Versiegelungsmaterials wird durch die

fissurennahe Anätzung des Schmelzes mit 35-proz. Phosphorsäure erreicht.

Die GKV übernimmt die Kosten für die Fissurenversiegelung am 1. u. 2. bleibenden Molar zwischen dem 6. u. 18. Lj. (in Österreich bis 20. Lj.).

25.8.5. Fluoridierung

Im physiolog. Zustand steht der Verlust an Kalziumhydroxylapatit bei der Demineralisation durch Säuren im dynamischen Gleichgewicht mit der

Remineralisation durch Ionen aus dem Speichel. Fluoride beschleunigen die Remineralisation u. erhöhen die Stabilität des Kristallgefüges im Schmelz, indem

sie die Hydroxylgruppe des Apatits ersetzen. Das so entstehende Fluorhydroxylapatit ist wesentlich säureresistenter. Fluoride haben zudem eine

stoffwechselhemmende Wirkung auf die Bakterien im Zahnbelag.

Systemische Fluoridanwendung

• Tablettenfluoridierung: Von der systemischen Fluoridverabreichung bei Kindern wird heute abgeraten, sobald sie in der Lage sind, 2 ×/d die Zähne

mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta zu putzen ( 16.3.8 ), da die systemische Wirkung auf die Kariesreduktion unbedeutend ist, es auf der anderen

Seite aber bei Überdosierung leicht zur Fluorose des Zahnschmelzes kommen kann.

• Trinkwasserfluoridierung: Zur Kariesverhütung muss der Fluoridgehalt des Trinkwassers zwischen 0,7 u. 1,2 ppm liegen. Die Anreicherung des

Trinkwassers mit Fluorid ist kostengünstig u. effektiv, im Hinblick auf andere schädigende Auswirkungen jedoch umstritten u. deshalb in D nicht

eingeführt. Ethischer Terminus: „Zwangsmedikation“.

• Speisesalzfluoridierung: individuell einsetzbar u. noch kostengünstiger, jedoch zur alleinigen Kariesprophylaxe nicht ausreichend.

Lokale Fluoridanwendung

• Fluoridzahnpasten: Die in Zahnpasten am häufigsten vorkommenden Fluoridverbindungen sind Natriummonofluorphosphat, Aminfluoride sowie –

am wirksamsten – Komb. von Na-Fluorid u. Amin-/Zinnfluorid in einer Konz. von 0,1–0,15 % u. bei Kinderzahnpasten von 0,025–0,05 % (250–

500 ppm, Gefahr durch Verschlucken, s. u.!).

• Mundspüllösungen: Die Konz. der Fluoridverbindungen beträgt meist 0,2 %. Eine Komb. aus Aminfluorid u. Zinnfluorid (z. B. Meridol ® ) wirkt

kariesprophylaktisch u. entzündungshemmend.

• Fluoridhaltige Lacke u. Gele: enthalten 10- bis 25-mal höhere Fluoridkonz. als Zahnpasten. Bei den Gelen genügt 1 Anwendung pro Wo. (z. B.

Elmex ® Gelee). Die höher konzentrierten Lacke werden nur indikationsbedingt u. lokal dosiert in der zahnärztl. Praxis eingesetzt.

Bei Überdosierung von Fluorid (z. B. dauerndes Verschlucken des Gels bei Kindern o. > 3–5 mg/d) kann es zur Dentalfluorose ( 25.6 ) o. auch zu

Vergiftungen mit Nierenschädigung kommen.

25.9. Amalgamproblematik

S. auch 30.2.3 . Amalgam besteht aus Quecksilber u. der Feilung einer Legierung im Verhältnis 1 : 1. Die Legierung besteht aus ca. 65 % Silber, 17 % Zinn, 8–

13 % Kupfer sowie Zink u. Quecksilber. Durch Entwicklung der Gamma-2-freien Silberamalgame (die Gamma-2-Phase ist eine leicht korrodierende

Quecksilber-Zinn-Verbindung) wurden ein verbesserter Randschluss der Füllungen, höhere mechanische Werte u. eine höhere Korrosionsbeständigkeit des

Amalgams erreicht.

Verwendung von Amalgam als Füllungsmaterial ist heute trotz guter mechanischer Eigenschaften umstritten. Aufgrund des hohen Quecksilbergehalts steht

Amalgam im Verdacht, Vergiftungserscheinungen auslösen zu können. Allergische Reaktionen sind sicher nachgewiesen, jedoch sehr selten. Problematisch

sind die unzähligen, z. T. widersprüchlichen wissenschaftlichen Unters. zur Toxizität von Amalgam. Gemäß BFArM-Anordnung vom 1.7.1995 darf Amalgam

nicht eingesetzt werden:

• Bei nachgewiesener Amalgamallergie

• Bei schweren Nierenfunktionsstörungen

• In der Grav. u. Stillzeit

• Bei Kindern < 6 J.

Amalgam empfiehlt sich zudem nicht:

• für retrograde Wurzelfüllungen (Amalgamapplikation an der Wurzelspitze zum bakteriendichten Verschluss des Wurzelkanals nach

Wurzelspitzenresektionen),

• außerhalb des kaudrucktragenden Seitenzahnbereichs,

• als Material für Stumpfaufbauten unter Kronen o. Inlays,

• bei okklusalem o. approximalem Kontakt mit vorhandenem gegossenem Zahnersatz.

Alternativen zum Amalgam im kaudrucktragenden Seitenzahnbereich sind Einlagefüllungen (Inlays) aus Goldlegierungen o. aus Keramik. Sie sind jedoch

wesentlich teurer als entsprechende Versorgungen aus plastischen Füllungsmaterialien u. werden nur bei nachgewiesener Amalgamallergie von den

gesetzlichen KK bezuschusst.

Obwohl die Entwicklung druck- u. abriebfester Kunststoffe fortschreitet, sind mehrflächige Kunststofffüllungen im kaudrucktragenden Seitenzahnbereich

nur unter strenger Indikationsstellung angebracht. Das korrekte Legen der Füllungen erfordert große Sorgfalt u. hohen zeitlichen Aufwand. Durch die

Polymerisationsschrumpfung beim Aushärten bilden sich bei nicht korrekter Arbeitsweise leicht Spalten an den Füllungsrändern, die zu Sekundärkaries führen

können.

25.10. Ästhetik u. Geroprothetik

Maßnahmen reichen vom festsitzenden (Inlays, Onlays, Kronen, Brücken) bis zum abnehmbaren (Teilprothese, Totalprothese) Zahnersatz. Konventionelle

Behandlungskonzepte der Prothetik zum Ersatz verloren gegangener Zähne erfahren derzeit durch die Möglichkeiten mithilfe von Implantaten (künstliche

Zahnwurzel aus Titan) einen deutlichen Wandel. Während früher die Verbesserung der Funktion im Vordergrund der prothetischen Maßnahmen stand, werden

heute ästhetische Verbesserungen (Bleichen, Veneers, Vollkeramikrestaurationen) immer wichtiger.

25.10.1. Bleichen von Zähnen (Bleaching)

Immer mehr Menschen wünschen sich hellere Zähne. Diesem Wunsch der Pat. wird durch Bleaching nachgekommen.

Ursachen von Verfärbungen Viele Zähne weisen Verfärbungen auf. Man unterscheidet externe Verfärbungen durch Nikotin o. bestimmte Getränke

(Kaffee, Tee, Rotwein u. a.), interne Verfärbungen (z. B. nach Zahntrauma o. nach einer Wurzelbehandlung), genetisch bedingte sowie durch Medikamente

(Tetrazykline) hervorgerufene Verfärbungen. Die Zähne werden außerdem im Laufe des Lebens dunkler.

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