Tremor, Nystagmus, Verschwommensehen,
Ataxie, Müdigkeit, Gingivahyperplasie,
Hypertrichose, bulbäre Dysarthrie, PNP, Akne
s. Carbamazepin
Lamotrigin
(z. B. Lamotrigin ct ® )
100–400 in 2–3
ED, Wo. 1–4
langsame
Aufdosierung
Allergische Reaktionen, Hautausschläge,
Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen,
Doppelbilder, depressive Reaktionen
Enzyminduktion durch
verschiedene Antiepileptika
beschleunigt Abbau,
Valproinsäure hemmt
Abbau
Gabapentin
(z. B. Gabapentin ratiopharm ® )
900–3.600
u. a. Müdigkeit, Schwindel, Ataxie, Nystagmus.
Häufigere BZ-Kontrollen bei Diabetikern
erforderlich
Verstärkung der
zentralsedierenden Wirkung
von Alkohol u. sedierenden
Pharmaka
Zonisamid
(z. B. Zonegran ® )
200–500 in 1–2
ED
Allergien (Sulfonamid-Verwandtschaft),
Agitiertheit, Verwirrtheit, Ataxie, Diplopie,
Nierensteine
Abfall der Konz. bei
Komedikation mit
Enzyminduktoren
Pregabalin
(z. B. Lyrica ® ) Add-on
300–600 in 2
ED
Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Ataxie,
Nystagmus, Myoklonien, Ödeme
Keine Interaktion
Oxcarbazepin
(z. B. Oxcarbazepin ct ® )
900–2.400 in 3
ED
Hautausschläge, Hyponatriämie, Kopfschmerzen,
Übelkeit, Erbrechen, Doppelbilder, depressive
Reaktionen
WW mit Antiepileptika
gering, WW mit
hormonellen Kontrazeptiva
Escarbazepin
(Zebinix ® )
Add-on für fokale Anfälle 2009
400–1.200 mg
1 ×/d
Müdigkeit, Schwindel, Hyponatriämie,
Herzrhythmusstör. (PR Intervall)
WW mit hormonellen
Kontrazeptiva, Statinen,
Phenytoin u. a.
Levetiracetam
(z. B. Keppra ® )
1.000–3.000 in
2 ED
Asthenie, Somnolenz, Kopfschmerzen, Übelkeit,
Erbrechen, Doppelbilder, depressive Reaktionen,
Verhaltensauffälligkeiten/Aggressivität
KI: Überempfindlichkeit
gegen Pyrrolidon-Derivate
Brivaracetam
(Briviact ® ) Add-on für fokale Anfälle
01/2016
50–200 in 2
ED
Nachfolger von Levetiracetam, NW s. dort
Deutlicher Warnhinweis Suizidalität
Dosisanpassung bei
Leberinsuff.
Valproinsäure
Cave: Rote-Hand-Brief 12/2014: wg.
Fehlbildungsrisiko für Mädchen/Frauen
im gebärfähigen Alter nur Reservemed.
Ggf. spez. Risikoaufklärung/Formulare
notwendig!
750–2.000 in
1–2 ED ret., in
3–4 ED
unretardiert
Gewichtszunahme, Haarausfall, Tremor (mit
Betablocker zu behandeln!), Leberschäden, selten
Koagulopathien, Thrombozytopenie, Leberkoma
(1 : 500 bei Kindern), Valproat-Enzephalopathie
Erhöht die Plasma-Konz.
von Phenobarbital,
Lamotrigin, kein Einfluss
auf die „Pille“
Topiramat
(z. B. Topamax ® )
100–400 in 2
ED
Parästhesien, Gewichtsabnahme, Schwindel,
kognitive Beeinträchtigung, Wesensänderung,
Nierensteine
Steigerung der PhenytoinKonz., Versagen der „Pille“
Clobazam
(Zusatzpräparat zu anderen Antiepileptika)
10(–40) Müdigkeit, Gereiztheit, Verschwommensehen,
Verlangsamung, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen
( 33.2.5 ) Benzodiazepine
Lacosamid
(z. B. Vimpat ® )
Add-on für fokale Anfälle, Zulassung als
Monother. beantragt für 2016
100–400 in 2
ED
Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit
u. Doppeltsehen
In Komb. mit
Carbamazepin, Lamotrigin,
Pregabalin kardiale
Reizleitungsstörungen
möglich
∗ Individuelle Aufdosierung bis zur Nebenwirkungsgrenze
Prognose Bis 40 % Rezidive innerhalb von 3 J.
Bei akutem erstem Anfall : stat. Notfalleinweisung, da möglicherweise akute, lebensbedrohliche Gehirnerkr. vorliegt (z. B. SVT), am besten mit
Dokumentation der Vorerkr., Vormedikation, Fremdanamnese, des postiktalen Zustands (Paresen, Verletzungen).
Wiederholte Anfälle
Anamnese
• Anfallsfrequenz, Anfallsformen, Auslöser
• Medikamentenanamnese, Verträglichkeit
• Anfallshäufung: Therapieumstellung, unregelmäßige Medikamenteneinnahme (bewusst o. bei Erbrechen, Diarrhöen), Compliance, neue Auslöser
• Psychosoziale Anamnese, Arbeitsplatz, Depression, Schlafstörungen
Klinik
Klassifikation
Bisherige Epilepsieklassifikation von 1981 ist umstritten, da Trennung der Anfallsformen klin. oft schwierig u. die Zuordnung ätiologisch oft wenig
aussagekräftig, wird aber weiterhin verwendet.
Klassifikation epileptischer Anfälle
(Kurzfassung nach Commission on Classification of the International League against Epilepsy, 1981)
I.
Fokale u. fokal beginnende Anfälle
A
.
Einfache fokale Anfälle (Bewusstsein nicht gestört)
1
. Mit motorischen Sympt. (inkl. Jackson-Anfälle)
2
. Mit somatosensorischen o. spez. sensorischen Sympt. wie Kribbeln, Lichtblitzen, Klingeln
3
. Mit autonomen Sympt. wie Erbrechen, Inkontinenz, Blässe, Schwitzen, Erröten
4
. Mit psychischen Sympt. (mit dysphasischen, dysmnestischen, kognitiven u. affektiven Sympt., aber ohne Bewusstseinsstörung; sehr selten)
B
.
Komplexe fokale Anfälle ( Syn. psychomotorische Anfälle, dyskognitive Anfälle) mit Störungen des Bewusstseins, manchmal Beginn als
einfacher fokaler Anfall
1
.
Einfacher fokaler Anfall, mit nachfolgender Störung des Bewusstseins
2
. Mit einer Bewusstseinsstörung zu Beginn
C
.
Fokale Anfälle, die sich zu generalisierten Anfällen, z. B. tonisch-klonischen Anfällen (Grand-Mal) entwickeln
II.
Generalisierte Anfälle (konvulsiv o. nichtkonvulsiv)
A
.
Absencen
1
.
Typische Absencen
2
.
Atypische Absencen
B
. Myoklonische Anfälle (inkl. Impulsiv-Petit-Mal)
C
.
Klonische Anfälle
D
. Tonische Anfälle
E
.
Tonisch-klonische Anfälle (Grand-Mal)
F. Atonische Anfälle (inkl. Komb. von B u. F als myoklonisch-astatische Anfälle)
II
I.
Unklassifizierbare epileptische Anfälle, auch wg. unvollständiger Daten
Klinisch wichtige Muster nach der alten Klassifikation
Einfache fokale Anfälle Leitsympt.: kein Bewusstseinsverlust, keine Amnesie, motorische Sympt. unilateral, begrenzt.
• Meist sympt., evtl. „kryptogene“ Epilepsie (keine Ursache im cMRT, EEG)
• Sympt. nach betroffener Gehirnregion:
– Motorischer Kortex mit Speech Arrest, fokaler tonisch-klonischer Entäußerung des Gesichts, Hand, Bein, Blickdeviation nach
kontralateral („schaut vom Herd weg“), evtl. mit Ausbreitung nach proximal (march of convolution, Jackson-Anfall), postiktale Paresen
(Todt-Paresen) möglich
– Sensibler Kortex: kontralateral sensible Reizsympt. wie Parästhesien, Kälte, evtl. Schmerzen
– Frontallappen: komplexe Bewegungsmuster mit Versivbewegung („Fechterstellung“) nach kontralateral, Antriebsstörung
(„hypomotorisch“), Fehldiagnose psychogene Anfälle
– Parietallappen: Scheinbewegung mit Drehschwindel
– Okzipitallappen: Skotome, Hemianopsie, Flackern, visuelle Halluzinationen im kontralateralen Gesichtsfeld
Komplex-fokale Anfälle Leitsympt.: quantitative o. qualitative Bewusstseinsstörung, Amnesie.
• Meist sympt., als Temporallappenepilepsie auch oft kryptogen
• Sympt. abhängig von der betroffenen Gehirnregion (Temporallappen, Parietallappen, Frontallappen), typ. Aura (epigastrisch aufsteigendes
Übelkeitsgefühl, psychisch [dreamy state, déjà vu, jamais vu]), gefolgt von Bewusstseinsänderungen, einige Reaktionen bleiben erhalten, komplexe
stereotype Bewegungsmuster: „automotorisch“, orale Automatismen (Schmatzen, Nesteln), vegetativ: Mydriasis, Harndrang, Speichelfluss, längere
Reorientierungsphase
Generalisierte Epilepsie Leitsympt. : immer Bewusstseinsverlust, Amnesie, bilaterale motorische Sympt.
• Absence-Epilepsie: Bewusstseinsstörung für wenige Sek. mit hoher Frequenz (evtl. > 100 ×/d), ggf. mit Blickdeviation nach oben, Myoklonien der
Lider, orale Automatismen. Manifestation 4.–14. Lj., aufgeweckte, lebhafte Kinder, oft nur als „Träumer“ bezeichnet, später Übergang in GrandMal-Epilepsie möglich, generell jedoch gute Prognose
• Juvenile myoklonische Epilepsie: einzelne bis Salven bilateraler Myoklonien der oberen Extremität, bes. morgens (unwillkürliches Wegschleudern
der Kaffeetasse), Dauer 2–3 Sek., Auslöser: Alkohol, Schlafentzug. Komb. mit Grand-Mal möglich. Gute Prognose
• Grand-Mal-Epilepsie: Plötzlicher Bewusstseinsverlust, ggf. Initialschrei (oft nur Stöhnen), meist offene, „verdrehte“ Augen (Blickdeviation nach
oben), fehlende Pupillenreaktion, tonische Phase (mit Apnoe, Zyanose des Gesichts, Dauer: Sekunden), klonische Phase (rhythmisch, bilateral), ggf.
mit Schaum vor dem Mund, lateraler Zungenbiss, Enuresis, Enkopresis, postiktal: Desorientiertheit, Schlaf, schwere Atmung
Diagnostik
• Bei sympt. Epilepsie u. Anfallshäufung, Rezidiv nach langer Anfallsfreiheit, FA-ÜW u. ggf. Wdh. der zerebralen Bildgebung
• Monitoring der NW ( Tab. 21.28 ): Labor (BB, Krea, Transaminasen, E’lyte) zu Beginn wöchentlich, später ½-jährlich ausreichend
• Serumspiegel-Konz.: Ind.: Compliance-Kontrolle, Anfallshäufung, Änderung der Begleitmedikation/Polymedikation, Intoxikationsverdacht,
Anpassung der Dosierung postpartal wg. oft erhöhter Konzentrationen
Therapie
Hausärztliche Beratung/Begleitung
Allgemein
• Aufklärung über Gefahren u. Risiken, z. B. Extremsportarten, Baden, gefährliche Maschinen am Arbeitsplatz, Gerüstbauer, Gabelstapel-/Lkw- u.
Busfahrer
• Meidung von Auslösern: regelmäßige Lebensführung mit regelmäßigem Schlaf, Meidung von Alkohol, ggf. Umsetzen einer Medikation,
individuelle Auslöser, z. B. Stroboskop
• Regelmäßige Einnahme von Medikamenten
• Anfallskalender empfehlen
• Bei schweren Formen: Verletzungsschutz durch Kopf-, Hüftprotektoren; Rezept zur Genehmigung durch KK ausstellen
• Beachtung von Begleiterkr./-beschwerden: Depression (mind. 50 %), Suizidalität, Hyposexualität u. erektile Dysfunktion (50 % bei
Temporallappenepilepsie), Psychosen, Persönlichkeitsveränderungen, Demenz. Integratives Behandlungskonzept mit Neurologen, Psychiater,
sozialen Einrichtungen, Selbsthilfegruppen, Vermeidung von psychischer u. physischer Über-, aber auch Unterforderung (soziale Integration
fördern, schulische u. berufliche Ausbildung)
Epilepsie und Schwangerschaft
• Epilepsie u. Antiepileptika-Ther. sind keine KI für geplante Grav.; engmaschige Überwachung u. gute Aufklärung durch Neurologen, Gynäkologen
u. HA ist bes. zur Sicherung der Compliance notwendig.
• Frühzeitige Verschreibung von Folsäure 5 mg/d. Zuverlässige, regelmäßige Medikamenteneinnahme ist zur Anfallsprophylaxe während der Grav.
bes. wichtig. Cave: Bradykardie u. fetale Asphyxie während eines Anfalls (O 2
-Gabe).
• Antiepileptika-Serumkonzentrationen können während der Grav. sinken, ggf. Spiegelbestimmungen u. Dosisanpassung. Konzentrationen steigen bei
der Mutter nach der Entbindung wieder an, daher auf Intoxikationszeichen achten, ggf. Dosis reduzieren!
• Kinder von Müttern, die Antiepileptika einnehmen, haben ein höheres Risiko für Fehlbildungen, v. a. Herzfehler, Lippen-, Kiefer- u. Gaumenspalten,
Skelettanomalien, Fehlbildungen des Gehirns u. des Neuralrohrs, als Kinder von Müttern ohne Antiepileptika-Einnahme, v. a. unter Valproinsäure
> 1.000 mg. Bei niedrig dosierten Monotherapien erscheint das Risiko kaum erhöht. Cave: Rote-Hand-Brief für Valproinsäure 12/2014: wg.
Fehlbildungsrisiko für Mädchen/Frauen im gebärfähigen Alter nur Reservemed. Ggf. spez. Risikoaufklärung/Formulare notwendig!. Bei
Kinderwunsch i. d. R. keine geeignete Therapie!
• Epilepsierisiko bei Kindern epileptischer Eltern ist um den Faktor 3–7 erhöht.
• Sinnvoller Schutz des Babys (insb. bei hohem Anfallsrisiko eines Elternteils): möglichst bodennah wickeln u. füttern, Baby nicht allein baden, ggf.
Kinderwagen mit automatischer Bremsvorrichtung.
Kontrazeption Keine Wirksamkeitsminderung von oralen Kontrazeptiva durch: Valproinsäure, Lamotrigin, Benzodiazepine, Gabapentin, Levetiracetam.
Trotzdem Pat. über mangelnde genaue Daten aufklären. Aber insb. beim Auftreten von Zwischenblutungen kann auch bei diesen Antiepileptika eine nicht
ausreichende Kontrazeption bestehen. Umgekehrt können auch hormonelle Kontrazeptiva zur Verringerung der Serumspiegel von einigen Antiepileptika (z. B.
Lamotrigin) führen.
Kraftfahrtauglichkeit s. Kasten in 21.8.2 .
Medikamentöse Therapie
• Anfallsprophylaxe: Ziel ist Anfallsfreiheit o. zumindest, soweit möglich, Reduktion, Verbesserung der Lebensqualität, Beginn mit Monotherapie,
Aufdosierung bis zur NW-Grenze (etwa 50 % anfallsfrei), ggf. Wechsel auf andere Mono- o. Add-on-Ther. mit 2. Wirkstoff (etwa weitere 15 %
anfallsfrei) ( Tab. 21.29 ).
Tab. 21.29 Typische medikamentöse Therapie abhängig von Epilepsiesyndromen
Anfallsform 1. Wahl 2. Wahl 3. Wahl
Fokale Anfälle Lamotrigin, Levetiracetam
Valproinsäure, Topiramat, Carbamazepin, Oxcarbazepin,
Gabapentin, Pregabalin (Add-on), Zonisamid
Phenytoin
Generalisierte Epilepsie
Grand-Mal-Epilepsie
Valproinsäure bei Männern
Bei Frauen/Mädchen im gebärfähigen
Alter: Lamotrigin.
Lamotrigin, Topiramat, Levetiracetam
Phenobarbital
Absencen Ethosuximid, Lamotrigin
Juvenile
myoklonische
Epilepsie
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