• Blasen- u. Mastdarmstörungen
• Progrediente Paresen
Relative Indikation:
• Funktionell relevante Paresen (individuell unterschiedlich: Bei einem Sportler kann auch eine leichte Fußsenkerparese bedeutsam sein), insb. bei
fehlender Rückbildungstendenz innerhalb von 3 Wo. (gute Prognose: BSV < ⅓ des Spinalkanals, primär weiter Spinalkanal)
• Therapieresistente Schmerzen nach mind. 12-wöchiger konsequenter konservativer Ther. u. Nachweis eines die Sympt. eindeutig erklärenden BSV
DD zervikale/lumbale Radikulopathien Tab. 21.33 .
Tab. 21.33 Differenzialdiagnose zervikale/lumbale Radikulopathie
Diagnose Klinik u. Diagnostik Therapie
Herpes zoster mit
postherpetischer
Neuralgie ( 26.4.2 )
Zoster-Effloreszenzen
Seltener mit Paresen einhergehend, oft BWS-Bereich
VZV-Serologie pos., LP: entzündliches Liquorsy.
Zur Therapie der Schmerzen: Gabapentin (Gabalich ® 300–2.400
mg), Amitriptylin (Amitriptylin neuraxpharm ® 25–75 mg/d),
Tramadol (Tramadolor ® 100 bis max. 600 mg/d), Pregabalin (z.
B. Lyrica ® 75–300 mg)
Neuroborreliose mit
Meningoradikulitis
(Bannwarth-Sy., 21.5.2 )
Erythema migrans in der Anamnese
Polyradikuläres Sy. mit nächtlichen Schmerzen
LP: entzündliches Liquorsy.
Borrelienserologie aus Serum u. Liquor
2–3 Wo. antibiotische Ther. i. v., z. B. mit Ceftriaxon (2 g/d)
Knöchern bedingte
radikuläre Sy. durch
Einengung der Foramina
u./o. des Spinalkanals
Oft v. a. zervikal (primär engere Verhältnisse) mit
Zervikal-/Lumbalsy.
Rö-HWS: degenerative Veränderungen mit osteophytären
Ausziehungen, enger Spinalkanal, Spondylose,
Höhenminderung der Zwischenwirbelräume
CT, MRT, ggf. Panmyelografie
Oft langwierigere/schwierigere Behandlung
Konservativ: 21.9.1
Operativ: zurückhaltend, nur bei unzureichender
Schmerzkontrolle, wenn häufig rezid., möglichst
monoradikulär, Nachweis einer eindeutigen Ursache im
CT/MRT
Lumbale Spinalstenose (
6.1 )
Claudicatio spinalis, Schmerzen beim längeren
Gehen/Stehen, Schmerzen in Hyperlordose, oft
polyradikulär u./o. bds. neurolog. Sympt.
MRT, EMG, NLG
Kons. Ther. (s. o.). Nur bei therapieresistenten Schmerzen o.
progredienten neurolog. Ausfällen operative Dekompression
Zervikale Spinalstenose (
6.1 )
Zervikalsy. mit o. ohne mono-/polyradikulären Sy., meist
bds.
Bei Myelopathie: chron. progredient o. akut nach
Bagatelltrauma: spastisch-ataktische Gangstörung,
Faszikulationen, Parästhesien der Hände, radikuläre
Schmerzen, Blasen-, Mastdarmstörungen
MRT, SEP, EMG, MEP
Kons. Ther., nur bei langfristig therapieresistenten Schmerzen o.
progredienten neurolog. Ausfällen operative Dekompression
Bei Myelopathie: stat. Einweisung: operative Dekompression (bei
akuten Verschlechterungen meist im Intervall). Ggf.
Kortikosteroide: Dexamethason (Dexa ct ® i. v./oral) bei V. a.
Ödem
Intraspinale Tumoren
(Neurinom, Meningeom,
Ependymom)
Langsam progrediente Schmerzen u. neurolog. Ausfälle
MRT mit KM
Chir. Dekompression, Entfernung
Palliativ: Methylprednisolon, Bestrahlung
Diab. Radikulopathie (
17.1 )
V. a. thorakale u. lumbale Nervenwurzeln als Mono- o.
Polyradikulopathie
Gute BZ-Einstellung, PT
Chron. unspez.
Rückenschmerzen, sehr
häufig ( 6.1 )
Lumbago mit o. ohne pseudoradikuläre Ausstrahlung ins
Bein (back pain > leg pain), keine neurolog.
Auffälligkeiten
1. Aktivierende Krankengymnastik
2. Zurückhaltender Einsatz akuter/klassischer Schmerzmittel,
sondern Thymoleptika: Amitriptylin (z. B. Amitriptylin
neuraxpharm ® bis 75 mg ret. abends)
3. Ggf. psychosomatische Behandlung
4. Vermeidung von OP durch fälschliche Überbewertung
normaler degenerativer Veränderungen in der Bildgebung
Andere
• Orthopädisch: Koxarthrose, Koxitis ( 6.5 ), Tendomyalgie, osteoporotische Wirbelkörperfrakturen, Spondylolisthesis, M. Bechterew ( 18.5.2 ),
Spondylodiszitis
• Periphere Nervenläsionen ( 21.10.1 ):
– C7: Karpaltunnelsyndrom (TSR o. B.)
– C8: Ulnarisläsion (oft nur Hand betroffen) u. untere Armplexusläsion
– L5: N.-peroneus-Läsion (DD meist durch EMG/NLG)
• Neuralgische Schulteramyotrophie
• Degenerative Muskelerkr., Störungen des Muskeltonus (z. B. M. Parkinson) mit therapierefraktären Lumbalgien, Zervikobrachialgien
21.9.2. Postnukleotomiesyndrom
Synonym Failed Back Surgery Syndrome (FBSS).
Definition Nach Bandscheiben-OP neu aufgetretene o. noch anhaltende Schmerzen mit sensiblen u./o. motorischen Ausfällen o. pseudoradikulärer Sympt.
Ätiologie
• Sofort nach OP: falsche OP-Ind., unvollständige operative Ausräumung, OP in falscher Höhe, übersehene knöcherne Engstellen, übersehener
Prolaps in anderem Segment o. bilateraler Prolaps, intraop. Verletzung einer Nervenwurzel, Dura- o. Kaudaverletzungen
• Mit verzögertem Auftreten: Rezidivvorfall, lokale Narbenbildung, Prolaps einer anderen Etage, Verletzung o. Arthrose der Wirbelgelenke, Wundinf., somatoforme Störung, psychosoziale u. iatrogene Faktoren mit erhöhtem Chronifizierungspotenzial (Leitlinie DGN): Beschwerdedauer,
Rentenwunsch, Ausmaß subjektiver Beeinträchtigung, mangelnde Aufklärung über Gutartigkeit, überbewertete bildgebende Diagnostik, langer
Einsatz von Analgetika, lokaler Infiltration, Krankschreibung sowie fehlende Behandlung psychiatrischer Komorbidität
Diagnostik Ausführliche Anamnese (psychosoziale Faktoren) u. Ganzkörperstatus; ggf. FA-ÜW → Neurologie o. Neurochirurgie, möglichst zum Operateur.
Therapie
• Möglichst konservativ: physikalische Ther. mit Wärmeanwendungen, TENS ( 27.2.4 ), Analgesie ( 27.2 ), KG, Rückenschule, Bewegungsther.,
psychosomatische Ther.
• Operativ nur in Ausnahmefällen (eindeutig nachgewiesene Nervenwurzelkompression)
Pat. immer aufklären, dass Reoperation ungünstigere Prognose als Erstoperation hat.
21.10. Periphere Nervenläsionen
21.10.1. Allgemeines
Schädigung peripherer Nerven, meist durch Komb. aus mechanischen (traumatisch, Engpasssy.) u. tox. Mechanismen (Diab. mell., Alkohol, Urämie, Isoniazid,
Vincristin, Hydralazin). Häufige periphere Nervenläsionen Tab. 21.34 .
Tab. 21.34 Häufige periphere Nervenläsionen
Nerv/Plexus Klinik Ätiologie
Plexus brachialis
Brachialgien ulnar in Unterarm u. Hand, verstärkt bei Elevation des
Arms u. beim Tragen von Lasten:
• Obere Armplexusparese: Schlaffe, atrophische Lähmung der
Schulter- u. Armmuskulatur (v. a. Supinatoren u. Abduktoren). Arm
hängt in Innenrotationsstellung, BSR fehlt meist. Evtl.
Sensibilitätsstörungen
• Untere Armplexusparese: motorische u. sensible Ausfälle der Hand;
v. a. Parese der langen Fingerbeuger u. kleinen Handmuskeln
• Schultertrauma
• Sy. der oberen Thoraxapertur (Halsrippe u. Ä.)
• Tumorinfiltration
• Zusätzlich Schlafstellung mit erhobenem Arm
• Neuralgische Schulteramyotrophie
R. profundus
des N. radialis
(SupinatorlogenSy.)
Schmerzen im Bereich der Extensoren der Unterarme. Parese der
Kleinfingerstrecker; im Extremfall partielle Fallhand; Verstärkung bei
Nacht u. bei Supinationsbewegungen
Meist mechanische Schädigung des N. radialis durch
Überlastung, z. B. Pinselarbeiten (Pronation, Supination)
Mittlere
Radialisparese
Typ. Fallhand mit Parese der Fingerextensoren. BR ↓ Meist mechanische Schädigung im Oberarmbereich. Typ. bei
Alkoholintox. u. Einschlafen mit dem Arm über Rückenlehne
N. peroneus
• Profundusparese: Steppergang durch Fallfuß
• Superfizialisparese: Absinken des lateralen Fußrandes,
Sensibilitätsstörungen über lateralem Fußrand
• Druckschädigung des N. peroneus communis am
Fibulaköpfchen durch harte Unterlage (OP-Lagerung),
Verbände, Schienen, Übereinanderschlagen der Knie,
Fibulaköpfchenfraktur
• Ganglien, Zysten als Folge einer Ischiadikusläsion durch
Injektion
N. tibialis
Ausfall aller Flexoren des Fußes u. der Zehen (Fußspitzengang
erschwert, ASR abgeschwächt). Parästhesien u. Sensibilitätsstörungen
der Fußsohle v. a. bei isolierter Läsion der Nn. plantares
(Tarsaltunnelsy.)
• Tibiafrakturen
• Tarsaltunnelsy. durch Kompression im Bereich des
Malleolus medialis unter dem Retinaculum mm. flexorum
21.10.2. Häufig geschädigte Nerven
Idiopathische periphere Fazialisparese
Inzidenz Häufige Erkr. Inzidenz 2 : 5.000 unklarer Ätiol. (entzündlich/parainfektiös?), v. a. im mittleren Lebensalter, M = F. Bis 40 % sympt., DD beachten.
Klinik Meist Entwicklung über 1–2 d mit Asymmetrie der Gesichtszüge, signe de ciel (Wimpern bleiben sichtbar beim Augenschluss), Hyperakusis,
Geschmacksstörung, Lagophthalmus, sicher peripher bei Beteiligung des Stirnasts beim Stirnrunzeln, oft Druckgefühl hinter dem Ohr.
Diagnose
• Übriger neurolog., internistischer Befund unauffällig
• Labor: Entzündungszeichen? Borrelienserologie
• FA-ÜW → Neurologie, Sicherung einer peripheren Fazialisparese durch Messung der Überleitungszeit, EMG: Abschätzung der Prognose:
Denervierung erst nach 6–8 d, ggf. CT mit Dünnschichtung der Schädelbasis bei V. a. Raumforderung, LP zum Ausschluss Neuroborreliose,
Zoster-Neuritis, GBS
• HNO: Beurteilung des Trommelfells: Zosterbläschen?
• Augenarzt: Hornhautschäden?
• Wenn nicht sicher peripher → stat. Einweisung: CT/cMRT z. A. einer Ischämie
Differenzialdiagnose Borreliose ( 21.5.2 ), lymphozytäre Meningitis ( 21.5.1 ), Zoster oticus ( 26.4.2 , 23.6.2 ), Trauma (Felsenbeinfraktur), Raumforderung
Schädelbasis.
Therapie
• Hornhautschutz: Uhrglasverband, Augensalbe
• Fazialisübungen (Krankengymnastik)
• Prednisolon 1–2 mg/kg KG (z. B. Prednisolon ratiopharm ® ), zuletzt Empfehlung von 60 mg für 5 d, anschließend langsam ausschleichen (–10
mg/d) unter Magenschutz (z. B. Pantoprazol 40 mg/d), auf Hypokaliämie u. Thrombose achten. Alternatives Therapieschema: 2 × 25 mg/d für 10 d
• Selten operative Verfahren
Prognose 75 % Ausheilung ohne Therapie – 85 % mit Therapie, 5 % inkomplette Ausheilung. Je früher der Beginn der Steroidtherapie, desto besser, > 72 h
nach Auftreten der Parese ohne Nutzen!
Komplikation Spasmus hemifacialis : hoch synchrone tonisch-klonische Bewegungen aller mimischen Muskeln. Ätiol.: ephaptische Überleitung wie bei
Trigeminusneuralgie. Ther.: Botulinumtoxin, Carbamazepin (200–400 mg/d), Gabapentin (300–3.000 mg/d), ggf. Janetta-OP. Defektheilung mit Synkinesien,
z. B. Augenschluss beim Sprechen.
Karpaltunnelsyndrom (KTS/CTS)
Ätiologie und Lokalisation Häufigste periphere Nervenläsion durch Kompression des N. medianus im Karpaltunnel. F/M = 2 : 1. Meist nach dem 50. Lj.,
aber auch bei Schwangeren, bei Hypothyreose, Diab. mell., Gicht, cP, Amyloidose u. nach Trauma, z. B. „ Handgelenkfraktur“, Akromegalie. Anerkennung als
BK möglich.
In 40–50 % bds., dominante Seite meist stärker betroffen. Proximale Medianusläsionen sind selten.
Klinik Zunächst nächtliche Missempfindungen im Arm u. in der Hand (Kribbeln, Schwellungsgefühl), typisch im Bereich der Beugeseite der Digiti I u. II,
Schmerzausstrahlung bis zur Schulter möglich ( DD Schulterschmerz 6.2.1 ), insb. in der Nacht u. in fixierter Beuge-/Streckstellung/Autofahren, Buch halten).
Später Feinmotorik- u. Gefühlsstörungen, die am Morgen wieder abklingen. Endstadium: permanente Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des N.
medianus ( cave: nie V. Finger), Parese mit Atrophie des Thenarballens, vegetative Störungen (Kältegefühl, Schwitzen, Raynaud-Sympt., trophische
Störungen Haut u. Nägel).
Diagnostik
• Körperl. Unters.: zeigt typ. Störungen der Sensibilität u. Motorik ( Abb. 21.4 , Abb. 21.1 )
• Labordiagnostik: TSH, Nüchternglukose, oGTT, Harnsäure, ggf. Ausschluss rheumatische Erkr.
• Provokationstests: innerhalb von 30–60 Sek. Verstärkung der Parästhesien u. Schmerzen
– Flexions-Kompressions-Test: Ellenbogengelenk gestreckt, in Supination, Flexion im Handgelenk, Untersucher drückt mit Daumen auf
den Karpaltunnel.
– Hoffmann-Tinel-Zeichen. : Beklopfen des N. medianus im Karpaltunnel
– Phalen-Test : bei aufgestütztem Ellbogen Handrücken gegeneinanderdrücken
• Nachweis von Paresen ( Abb. 21.11 , Abb. 21.12 ):
Abb. 21.11 Schwurhand und Flaschenzeichen bei Medianusläsion li
[L157]
Abb. 21.12 Schnelltests zur Funktionsprüfung der Handnerven
[L157]
– Oppositionstest: Pat. berührt mit Daumen kleinen Finger; bei Parese der Thenarmuskulatur kann diese Stellung bei Widerstand nicht
gehalten werden
– Flaschenzeichen : durch Parese des M. abductor pollicis brevis kann eine Flasche nicht mehr bündig umfasst werden
– Schwurhand beim Faustschlussversuch bei proximaler Medianusläsion
• FA-ÜW → Neurologie zur Messung der NLG ( 21.2.2 ) u. zum Ausschluss einer PNP ( 21.10.3 )
Differenzialdiagnose Periphere Durchblutungsstörungen ( 11.3.2 ), pseudoradikuläres ( 6.2 )/radikuläres Sy. C6/C7 ( 21.9 , Tab. 21.30 ), Raynaud-Sy.,
Pronator-teres-Sy. (Kompression des N. medianus unter dem M. pronator teres durch einseitige Belastungen, z. B. Ellenbogenstreckung o. anatomische
Normabweichung), DD Schmerzen in Unterarm/Hand ( 6.5.1 ).
Therapie
• Konservativ bei nächtlichen Missempfindungen ohne neurolog. Ausfälle:
– Manuelle Schonung u. volare Unterarmschiene nachts zur Ruhigstellung des Handgelenks in Mittelstellung. Progn.: vorübergehende
Besserung in 50 %, längerfristig nur in etwa 12 % ( 27.2 , 18.4.2 )
– Evtl. Inj. von Prednisolon (z. B. Predni H injekt ® ) in Karpaltunnelnähe, Wdh. nach ca. 1 Wo.; max. 2–3 ×. Progn.: meist kurzfristige
Besserung, langfristig nur 20–50 % schmerzfrei. Cave: Iatrogene Nervenschädigung; nur bei entsprechender Erfahrung! Alternativ:
Prednisolon 20 mg/d p. o. für 2 Wo., danach 10 mg/d für weitere 2 Wo.
– Diuretika/Lymphdrainage in der Grav./bei Ödemen im Bereich der Hände
• Chir. bei neurolog. Ausfällen nach Indikationsstellung durch Neurologen u. Handchirurgen: Durchtrennung des Retinaculum flexorum möglichst
ulnar offen o. endoskopisch, meist in Leitungsanästhesie. Progn.: in 90 % Schmerzfreiheit u. Rückbildung der Sensibilitätsstörungen binnen 18
Mon.; Rückbildung der motorischen Ausfälle eher selten; schlechte Progn. bei > 1 J. bestehenden Atrophien
• Postop. Nachsorge: durch Operateur
OP-Komplikationen Keloidbildung ( 26.12 ), Sudeck-Dystrophie ( 5.4.4 ).
Nervus-ulnaris-Läsionen
Ätiologie Am häufigsten durch Läsionen am Ellenbogen im Sulcus ulnaris (angeb. Anomalien, Arthrosen, langes Aufstützen z. B. bei Telefonisten o. bei
Bettlägerigen, nach Ellenbogenfraktur), Kubitaltunnelsy. (Kompressionssy. unter dem M. flexor carpi ulnaris), seltener durch chron. Überbeanspruchung
(Radrennfahrer, Polierer) u. Verletzungen im Handbereich (distales N.-ulnaris-Kompressions sy., Loge de Guyon). Auch als Folge von Überlastung (häufige
Ellenbogenbewegungen, z. B. Hacken) mit chron. Mikrotraumatisierung des Nervs.
Klinik Zunächst Parästhesien der ulnaren Finger u. Druckempfindlichkeit des Nervs, dann sensible Ausfälle; später Parese u. Atrophie der kleinen
Handmuskeln. Cave: typ. „Krallenhand“ nur bei hochgradiger Schädigung.
Diagnostik
• Neurolog. Unters.: sensibler Versorgungsbereich des N. ulnaris ( Abb. 21.4 ). Cave: Sensible Ausfälle nur auf der Ulnarseite der
Ringfingerbeugeseite!
• Froment-Zeichen ( Abb. 21.13 ): Bei kräftigem Festhalten eines Blatts Papier mit Daumen u. Zeigefinger muss das Daumenendglied stark gebeugt
werden (M. flexor pollicis longus; Innervation N. medianus). Grund: Lähmung des M. adductor pollicis (Innervation N. ulnaris)
Abb. 21.13 Positives Froment- Zeichen bei Ulnarisläsion li
[L157]
• Atrophie der Mm. interossei
• Palpation der Ulnarisrinne (Luxation des Nervs, gewisse Druckempfindlichkeit ohne Krankheitswert)
• FA-ÜW → Neurologie zur Messung der NLG ( 21.2.2 )
Differenzialdiagnose Untere Lähmung des Plexus brachialis, Schädigung der Wurzeln C8–Th1, Dupuytren-Kontraktur ( 6.5.5 ), ALS.
Therapie
• Konservativ durch Druckentlastung: nächtliche Polsterung des Ellenbogens, evtl. Schienung in leicht flektierter Stellung bei V. a. Beugestellung des
Ellenbogengelenks im Schlaf. Verstellen des Nachttischchens (häufig auf derselben Seite wie Druckschädigung. Grund: Aufliegen des Ellenbogens
im Schlaf); Vermeidung von chron. Überlastung des Ellenbogengelenks
• Operativ bei unbefriedigender kons. Ther. Ventralverlagerung des N. ulnaris, bei Läsion in der Loge de Guyon Spaltung des Lig. carpi palmare
möglich
• Postop. Nachsorge: durch Operateur
Prognose Rasche Besserung von Parästhesien u. Sensibilitätsstörungen; schlechte Prognose v. a. für länger bestehende motorische Ausfälle.
Meralgia paraesthetica
Definition Kompression des N. cutaneus femoris lateralis beim Durchtritt durch die Fascia iliaca, die Fascia lata o. die Sehnenfasern des Leistenbandes. F/M =
1 : 3; in 10 % bds.
Klinik Parästhesien, brennende Schmerzen u. Sensibilitätsstörungen an der Vorder-/Außenseite des Oberschenkels; anfangs nur im Stehen mit Besserung bei
Anbeugen des Beins im Hüftgelenk, später Dauerschmerzen.
Diagnostik
• Neurolog. Unters.: Sensibilitätsstörungen im Versorgungsbereich des N. cutaneus femoris lateralis ( Abb. 21.14 ). „Umgekehrter Lasègue“:
Schmerzverstärkung durch Hyperextension im Hüftgelenk (u. damit Dehnung des Nervs).
Abb. 21.14 Sensible Versorgungsgebiete der Nerven in der Leiste und an der Oberschenkelvorderseite
[A300]
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