, das sind Lebewesen, in denen sich Zwischenstadien der
Parasiten entwickeln.
Als Endwirte werden die Lebewesen bezeichnet, in denen
sich die erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Parasiten ausbil
den. Bei manchen Würmern werden vom Endwirt Eier aus
geschieden, die erst nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in
der freien Natur und unter bestimmten Bedingungen infek
tionsfähig werden.
Parasitenerkrankungen, die durch blutsaugende Insekten
übertragen werden, sind für den Menschen nicht ansteckend.
Diese Patienten müssen nicht isoliert werden. Bei Wurmer
krankungen ist es jedoch notwendig, bestimmte Hygienevor
15
1.1 · Allgemeine Hygiene
gaben einzuhalten. Das Risiko seuchenhafter Ausbreitung
von Parasitenerkrankungen ist im Vergleich zu Erkrankun
gen, die durch Bakterien und Viren über Schmierkontakte
oder Tröpfcheninfektion direkt von Mensch zu Mensch über
tragen werden, deutlich geringer.
Protozoen
j
jMalaria
Malaria («mal aria», schlechte Luft) ist weltweit verbreitet und
kann durch vier verschiedene Plasmodiumarten hervorgeru
fen werden. Die Übertragung erfolgt über die weibliche Anophelesmücke, die Erreger entwickeln sich dann im Wirts
organismus.
Bis zum Auftreten der Plasmodien im Blut vergeht etwa
eine Woche. Die klassischen Malariasymptome sind Schüttel
frost, kurz anhaltendes Fieber bis 41°C, Kopf- und Glieder
schmerzen, Hepatosplenomegalie mit Ikterus und Anämie.
Unmittelbare Todesursachen sind Pneumonie, Schock oder
Hirnschädigung.
Die Diagnostik erfolgt durch den Nachweis von Malaria
parasiten im Blut.
Das benötigte Malariamedikament muss auf den Erreger
typ ausgerichtet sein, bestenfalls ist das Resistenzspektrum
bekannt. Deshalb ist für die medikamentöse Malariaprophy
laxe die genaue Kenntnis der gegenwärtigen Resistenzlage im
Reisegebiet notwendig.
Da eine 100%ig wirksame medikamentöse Prophylaxe
nicht möglich ist, ist die wichtigste Vorsorge die Verhütung
eines Moskitostichs (Kleidung, Insektenschutzmittel, Moski
tonetz).
j
jToxoplasmose
Der Erreger der Toxoplasmose ist ebenfalls eine Protozoe
und heißt Toxoplasma gondii. Die Toxoplasmose ist weit ver
breitet. In den meisten Fällen handelt es sich um eine lebens
lange latente Infektion ohne klinische Bedeutung. Bedeutsam
wird sie erst, wenn die Infektion während einer Schwanger
schaft in den Organismus gelangt oder wenn eine Immun
schwäche besteht. Als ausscheidende Infektionsquelle gilt die
Katze.
Die Erreger werden überwiegend indirekt übertragen,
z. B. über verschmutztes Fallobst, ungenügend gereinigte Erd
beeren oder sonstige Schmutzkontaminationen mit kontami
nierter Erde. Da auch andere Tiere (Schweine, Rinder) die
Oozysten (Ei-artiges Stadium der Protozoe) der Toxoplasmen
mit der Nahrung aufnehmen, gelangen während des Vermeh
rungszyklus die Parasiten in die glatte Muskulatur und kön
nen da ein Leben lang verbleiben. Der Verzehr von ungenü
gend erhitzten Fleisch- und Wurstwaren ist deshalb ein be
deutsamer Infektionsweg!
Die Infektion bleibt in aller Regel unbemerkt. In der
quergestreiften Muskulatur, im Herzmuskel oder – wahr
scheinlich am häufigsten – im Gehirn kommt es zu einem
kleinen, meist lebenslang fortbestehenden Absiedlungsherd
mit Toxoplasmen. Selten kommt es bei Beginn der Infektion
zu einer meist milden Erkrankung (Lymphknotenschwel
lung).
Gelangen die Oozysten allerdings erstmalig (d. h. bei
noch fehlender Immunität) während einer Schwangerschaft
in den Organismus, können sie auf das Kind übergehen und
zu angeborener Toxoplasmose führen. Bei 50% aller Schwan
geren, die sich infizieren (0,2–0,8% aller Schwangerschaften),
kommt es zur Infektion des Fötus. Bei voller Ausprägung stellt
die angeborene Toxoplasmose ein sehr schweres Krankheits
bild dar. Es bestehen intrazerebrale Verkalkungen, Hydroze
phalus, Netzhautentzündung, Taubheit, geistige Retardie
rung. Die Untersuchung auf Immunität gegen Toxoplasmen
ist Bestandteil der Schwangerenvorsorgeuntersuchungen. Ist
die Schwangere zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung nicht
immun, werden während der weiteren Schwangerschaft re
gelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt.
Eine Infektion bzw. Durchseuchung mit Toxoplasma gon
dii kann nur serologisch nachgewiesen werden.
Die latenten Toxoplasmoseinfektionen werden bei Men
schen mit einem gesunden Immunsystem niemals behandelt,
da die Behandlung die intakte lebenslange Immunität stören
würde. Die frische Toxoplasmoseinfektion wird lediglich in
der Schwangerschaft medikamentös behandelt. Da eine ange
borene Toxoplasmose hierdurch sicher und gefahrlos verhin
dert werden kann, gilt eine frische Toxoplasmoseinfektion
während der Schwangerschaft nicht als medizinische Indika
tion für einen Schwangerschaftsabbruch.
>>Die konnatale Toxoplasmose ist eine der wichtigsten
konnatalen Infektionen und daher nach Infektionsschutzgesetz meldepflichtig!
Helminthen (Würmer)
Viele Wurmarten schädigen ihren Wirt in den meisten Fällen
nicht, sondern lassen sich nur von ihm ernähren.
Obwohl grundsätzlich jede Wurmart beim Menschen zu
Komplikationen führen kann, besitzen nur einige wenige eine
klinische Bedeutung, weil sie häufig zu ernsten Komplikatio
nen führen.
j
jSpulwurmbefall (Ascaris lumbricoides)
Die Spulwürmer sind weltweit die häufigsten Parasiten. Weib
liche Spulwürmer erreichen eine Länge von 40 cm, männliche
werden bis zu 25 cm groß. Die Übertragung erfolgt durch
pflanzliche Nahrung, v. a. durch Salat, der mit ausgereiften
Wurmeiern aus menschlichen Fäkalien kontaminiert ist (sog.
«Kopfdüngung»); die Eier halten sich in der freien Natur sehr
lange. Nach Aufnahme schlüpfen im oberen Darmtrakt die
jungen Larven, durchbohren die Darmwand, finden An
schluss an das venöse Blutsystem und gelangen über die Leber
bis in die Lunge. Für diesen Weg benötigen sie 4–7 Tage
(. Abb. 1.3). Anschließend wandern sie über die oberen Luft
wege, den Rachen und die Speiseröhre wieder in den MagenDarm-Trakt. Dort entwickeln sie sich zu erwachsenen Wür
mern und paaren sich. Die Weibchen legen einige Zeit nach
der Paarung Eier ab, die mit dem Stuhl ins Freie gelangen. Im
Ei entwickeln sich die Larven und werden so infektionsfähig.
Durch den Ferntourismus werden hin und wieder Spul
würmer auch bei uns gesehen (Spontanabgang aus dem Anus
1
16
Kapitel 1 · Hygiene
1
orale Aufnahme
embryoniertes Ei
mit L1-Larve
(infektiös)
L4
L2
eosinophiles
Lungeninfiltrat
(Löffler)
D
ü
n
n
d
a
r
m
Eosinophilie
Gallengang
(Obstruktion)
Kolik
Larvenentwicklung
(bei 25°C: 3 Wochen)
Spulwürmer anderer
Endwirte (Toxocara canis,
Toxocara cati) finden
nicht den Ausgang Lunge
Larva migrans visceralis
Penetration
Peritonitis
hohe Wurmlast:
Obstruktion
Kopfdüngung
Ei (ca. 200.000/d)
fäkale Ausscheidung
..Abb. 1.3
Ascaris lumbricoides: Pathogenese der Askariasis. Aus: Schaps (2008) Das Zweite kompakt. Springer, Berlin Heidelberg New York
oder Wurmerbrechen), unser Abwassersystem schützt uns
hier im Westen vor einer Ausbreitung.
Meist ist der Befall mit Spulwürmern asymptomatisch.
Krankheitsbilder, die bei massivem Wurmbefall oder durch
Wurmwanderung entstehen können sind Darmverschluss
und Stauungsikterus (Einwanderung in den Gallengang).
Diese Komplikationen machen eine chirurgische Interven
tion notwendig. Ein komplikationsloser Spulwurmbefall kann
17
1.1 · Allgemeine Hygiene
medikamentös behandelt werden. Wurmbefall wird durch
den Nachweis der Würmer im Stuhl diagnostiziert.
j
jEchinokokkosen
Echinokokken sind Bandwürmer. Von humanmedizinischer
Bedeutung sind Echinococcus granulosus (Hundeband
wurm) und Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm)!
Hat ein Hund (Hauptwirt) Fleisch gefressen, das Finnen
(ein Larvenstadium des Wurms) enthielt, produzieren diese
Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Wurden diese
Eier vom Menschen aufgenommen, löst sich die Eihülle im
Magen auf, und die sog. «Sechshakenlarven» schlüpfen aus.
Nachdem sie die Darmwand durchbohrt haben, gelangen sie
über die Pfortader in die Leber. Die Hydatide des E. granulo
sus wächst verdrängend, die des E. multilocularis besteht aus
vielen sich vermehrenden Blasen. Von der Leber aus können
Hydatiden in den großen Kreislauf gelangen und in nahezu
allen Organen (z. B. Lunge, Gehirn, Nieren) auftreten. Die
Erkrankungen sind meldepflichtig.
Die Symptome sind uncharakteristisch und treten oft erst
Jahre nach der Infektion auf.
Ziel der operativen Therapie ist es, unter Vermeidung in
traoperativer Streuung die Hyatide vollständig zu entfernen.
Anthropoden (Ektoparasiten)
Die Arthropoden gehören zum Tierstamm der Gliedertiere.
Sie beinhalten als artenreichste Klassen die Arachnida (Spin
nentiere) und Hexapoda (Insekten)!
Antropoden können den Menschen direkt schädigen
durch Gift oder Parasitismus sowie indirekt durch die Über
tragung von Infektionserregern oder das Auslösen allergi
scher Reaktionen. Da sie von außen parasitieren, werden
durch sie hervorgerufene Krankheitsbilder meistens in der
Dermatologie behandelt. Häufig ist die Stichreaktion mit
Juckreiz verbunden. Bei einigen Arten allerdings wird der
Stich nicht bemerkt – so z. B. der Stich von Zecken oder auch
von Anophelesmücken.
Bei einigen Arten, wie z. B. den Läusen und der Krätze, ist
eine direkte Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch von Be
deutung.
1.1.5
Insekten
Läuse, (Wanzen, Mücken, Fliegen)
Bei den Läusen unterscheiden wir Kopflaus, Kleiderlaus und
Scham-oder Filzlaus. Sie sind 1–4 mm groß und dadurch mit
dem bloßen Auge erkennbar.
Kopfläuse treten auch bei uns häufiger auf, v. a. in Betreu
ungseinrichtungen für Kinder. Kleiderläuse dagegen sind zu
letzt im 2. Weltkrieg verbreitet gewesen und hatten als wich
tigster Überträger des Fleckfiebers (eine gefährliche Rickett
siose) eine große Bedeutung.
Schamläuse sind weltweit verbreitet und werden fast nur
beim Geschlechtsverkehr übertragen.
Bei einem Befall mit Kopfläusen besteht in der Regel ein
lästiger Juckreiz. Ein Kopflausbefall ist leicht an den sog. Nis
sen (Eiern) zu erkennen, die im Gegensatz zu Kopfhautschup
pen fest am Haar haften. Die Läuse selbst befinden sich häufig
an den Haarschäften über der Kopfhaut.
Die Behandlung erfolgt mit Präparaten auf der Basis von
Pyrethrum, Permethrin oder Lindan. Nissen werden zusätz
lich mit verdünntem Essig und einem Nissenkamm entfernt.
Engere Kontaktpersonen sollten stets untersucht und bei Be
darf (festgestelltem Befall) mitbehandelt werden (Schulklas
sen, Spielkameraden, Familienangehörige).
Beim Befall mit Kleiderläusen befinden sich die Nissen in
der Kleidung, meist in Bereichen von Stoffnähten und Falten.
Ein häufiger Kleiderwechsel und das Auskochen, heißes Bü
geln bzw. die «Entwesung» der befallenen Kleidung sind um
gehend erforderlich.
Beim Befall mit der Schamlaus befinden sich die Nissen
im Bereich der Schambehaarung, mitunter jedoch auch in der
Achselbehaarung sowie an den Augenbrauen. Durch Rasie
ren der betroffenen Bereiche oder eine örtliche Behandlung
mit den entsprechenden Präparaten ist die Behandlung relativ
einfach.
>>Ein gesicherter Kopflausbefall in öffentlichen Gemein-
schaftseinrichtungen (z. B. Schulen, Heimen) ist nach
dem IfSG (Infektionsschuztzgesetz) durch den Leiter
der Einrichtung meldepflichtig!
Spinnentiere (Milben, Zecken)
j
jSkabies (Krätze)
Erreger der Skabies ist eine Milbe, der Sarcoptes scabei. Im
Gegensatz zu anderen Ektoparasiten verbleiben die Erreger in
der Haut, bilden dort Gangsysteme und führen zu einem bun
ten Bild verschieden aussehender, stark juckender Hautreak
tionen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch engen
Hautkontakt oder auch durch kontaminierte Kleidung bzw.
Bettwäsche. Typische Lokalisationen sind die Interdigital
räume der Hände, die Streckseiten der Handgelenke, die Ach
selhöhlen, die Periumbilikalregion und das Genitale. Die
Therapie erfolgt mit Medikamenten wie Lindan, Permithrin,
Benzylbenzoat der Allthrin.
Nach Infektionsschutzgesetz besteht Meldepflicht bei
Auftreten von Skabies in Schulen, Kindergärten und sonsti
gen Gemeinschaftseinrichtungen!
j
jZecken
Nach einem Zeckenbiss kann es um die Bissstelle herum zu
einer Schwellung und Rötung kommen.
Die Zecke sollte mechanisch mit einer Zeckenpinzette
entfernt werden. Dazu wird sie möglichst hautnah an der Ba
sis des Stechapparates erfasst und durch vorsichtiges Ziehen
(nicht Drehen!) entfernt. Zecken sind Überträger einiger
Krankheitserreger.
Die Frühsommermenigoenzephalitis (FSME-Virus)
wird von Zecken auf den Menschen übertragen. Da die
dafür verantwortlichen Viren sich in den Speicheldrüsen der
Zecke vermehren, können sie schon innerhalb weniger
Minuten nach dem Zeckenstich in den Menschen injiziert
werden.
1
18
1
Kapitel 1 · Hygiene
Der Erregernachweis erfolgt mittels PCR aus dem Blut
oder Liquor. Da nach der Infektion eine kausale Therapie
nicht möglich ist, spielt die Impfung in besonderen geografi
schen Gebieten eine Rolle. Die sog. postexpositionelle Pro
phylaxe (PEP) ist nur sinnvoll, wenn sie innerhalb der ersten
48 Stunden nach einem Zeckenbiss appliziert wurde.
Erreger der Lyme-Borreliose sind verschiedene Spezies
des Bakteriums Borrelia. Auch diese Bakterien und damit die
Erkrankung können von Zecken auf den Menschen übertra
gen werden.
Die klinische Symptomatik der Lyme-Borreliose zeigt
häufig Symptome an der Haut, Gelenken, Nervensystem und
Herz. Eine Therapie mit Tetracyclinen ist in der Frühphase
am erfolgreichsten.
1.1.6
Prionen
Prionen sind infektiöse Eiweißpartikel («proteinacious in
fectious particles»), die beim Menschen und bei Säugetieren
in ihrer physiologischen Form (PrPc =zelluläres Prionenpro
tein) v. a. im Nervensystem in geringer Konzentration auch in
anderen Organen, vorkommen und sich durch Veränderung
ihrer Struktur (Fehlfaltung; PrPSc) in unlösliche Komplexe
(Plaques) umwandeln können. PrPSc kann im Sinne einer
Kettenreaktion die Fehlfaltung von PrPc in Gang setzen und
damit Erkrankungen des zentralen Nervensystems verursa
chen. Über die Funktion(en) des natürlichen (zellulären)
Prionproteins gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.
Normalerweise ist PrPc in der Zellmembran, etwa von
Nervenzellen, verankert und zirkuliert zwischen Zelloberflä
che und dem Zellinneren. Fehlgefaltete Moleküle können
nicht abgebaut werden, reichern sich deshalb im Gewebe an
und führen zur Zerstörung der betroffenen Zellen. Es ist nicht
bekannt, welche Faktoren zu einer Umwandlung des zellulä
ren Prionproteins in ein infektiöses Prionprotein führen.
Prionenerkrankungen sind übertragbar und werden
als transmissible, spongiforme Enzephalopathien (TSE,
schwammartige Gehirnbereiche) zusammengefasst; sie kom
men bei Mensch und Tier vor.
Wichtigste Prionenerkrankung des Menschen ist die
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK), bei Tieren sind die Tra
berkrankheit der Schafe (Scrapie) und v. a. der Rinderwahn
sinn (bovine spongiforme Enzephalopathie, BSE) von Bedeu
tung. Im Gegensatz zu Scrapie ist die BSE auf den Menschen
übertragbar.
Die Häufigkeit von CJK liegt weltweit bei etwa einem Fall
unter einer Million Menschen. Der Erkrankungsgipfel liegt
bei 65 Jahren, wichtigste klinische Zeichen sind Bewegungs
störungen (Ataxie), Halluzinationen, Verwirrtheit bis zur De
menz und völlige Antriebslosigkeit.
Durch Aufnahme von PrPSc-haltigem Material ist die
CJK von Mensch zu Mensch übertragbar. Ursachen waren in
der Vergangenheit kontaminierte Hormonpräparate und
Hirnhauttransplantate. Die Übertragung kann aber auch
durch chirurgische Instrumente oder durch Transplantate
(Hornhaut) von infizierten Spendern erfolgen. Als Risikoge
webe im Sinne einer nosokomialen Übertragung sind v. a. das
Gehirn, Rückenmark und das Auge anzusehen. Im Falle der
vCJK (Varianten der CJK) gilt die Übertragbarkeit des Erre
gers durch kontaminiertes Fleisch (an BSE erkrankte Rinder)
als gesichert. Eine direkte Übertragung von Mensch zu
Mensch, etwa im Rahmen sozialer Kontakte oder bei pflege
rischen Maßnahmen, gilt als ausgeschlossen.
1.1.7
Infektionen vermeiden
Die Eliminierung von Krankheitserregern und die Unterbre
chung von Infektionsketten zum Schutz von Patienten und
Personal ist eine Aufgabe von besonderer Bedeutung im Ge
sundheitswesen.
Dazu benötigen wir geeignete physikalische und chemi
sche Maßnahmen zur Desinfektion, um eine Verbreitung von
Infektionserregern einzudämmen.
Begriffsbestimmung
Unter dem Begriff Antiseptik (anti = gegen, sepsis =
Fäulnis) werden Maßnahmen zur Abtötung, Inaktivierung oder Reduktion von Mikroorganismen am oder im
lebenden Gewebe zusammengefasst. Wir unterscheiden
zwischen
55 prophylaktischer (vorbeugender) Antiseptik (z. B.
präoperative Hautdesinfektion) und
55 therapeutischer Antiseptik (Behandlung einer infizierten Wunde).
Als Desinfektion (des = gegen, inficere = Infektion) bezeich
nen wir eine gezielte Verminderung bestimmter Mikroorga
nismen durch physikalische oder chemische Prozesse, damit
sie keine Infektionen mehr verursachen können, mit dem
Ziel, eine Infektionskette zu unterbrechen. Eine Waschung
mit Wasser und Seife kann dieses Ziel nicht erreichen!
Der Desinfektionsprozess kann manuell oder maschinell
durchgeführt werden, danach hat sich die Anzahl vermeh
rungsfähiger Mikroorganismen an dem desinfizierten Ge
genstand oder der Haut verringert.
!!Cave
Eine Desinfektionsmaßnahme erzielt keine Keimfreiheit!
Desinfektionsmittel, die am menschlichen Körper angewen
det werden, wie Haut-, Schleimhaut- und Händedesinfek
tionsmittel, dürfen nur benutzt werden, wenn sie durch das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
(BfArM) zugelassen wurden.
Desinfektionsmittel, die der Desinfektion von Medizin
produkten oder deren Zubehör dienen, werden über das Me
dizinproduktegesetz (7 Abschn. 2.1) erfasst.
Flächendesinfektionsmittel, die nicht zur Anwendung am
menschlichen Körper oder für Medizinprodukte bestimmt
sind, unterliegen den Regelungen des Chemikaliengesetzes
und werden durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BauA) freigegeben.
19
1.1 · Allgemeine Hygiene
Für die routinemäßige Desinfektion im Krankenhaus ist
die Liste des VAH (Verbund für angewandte Hygiene) Grund
lage für die Auswahl geeigneter Desinfektionsmittel. Bei be
hördlich angeordneten
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