bezeichnet. Die Therapie kann
die Symptomatik der Aids-Erkrankung hinauszögern und
lindern, jedoch kann sie die Viren nicht vollständig aus dem
Körper entfernen.
Schutzmaßnahmen im Rahmen von HIV-Infektionen
Bei der Behandlung von HIV-Infizierten und Aids-Patienten ist die Beachtung anerkannter Regeln der Hygiene
unerlässlich. Da häufig die HIV-Infektion eines Patienten
nicht bekannt ist, müssen vorbeugende Schutzmaßnahmen immer angewendet werden.
55 Bei allen Tätigkeiten, bei denen ein Kontakt mit
virushaltigen Körperflüssigkeiten (Blut, Sekrete)
möglich ist, müssen Schutzhandschuhe getragen
werden.
55 Wo blutkontaminierte Aerosole entstehen können,
sind ein mehrlagiger Mund-Nasen-Schutz und eine
Schutzbrille zu benutzen.
55 Alle scharfen oder spitzen Gegenstände, die mit
Blut oder Körperflüssigkeiten verunreinigt sein können, müssen ohne Gefährdung Dritter sicher entsorgt werden.
>>Zur Prophylaxe des HCV und des HIV muss allein auf
diese Schutz- und Hygienemaßnahmen verwiesen werden. Eine aktive Immunisierung steht nicht zur Verfügung!
1
12
1
Kapitel 1 · Hygiene
Entsprechende Hinweise sind z. B. in der «Richtlinie über
ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen aus Einrichtun
gen des Gesundheitsdienstes» und «Hygienische Maßnah
men zur Verhütung der Übertragung von HIV im Kranken
haus» enthalten.
1.1.3
Pilze
Aufbau und Einteilung
Pilze sind viel höher organisiert und komplexer als Bakte
rien; so besitzen sie einen richtigen Zellkern, d. h. sie gehören
zu den Eukaryonten, wie auch Pflanzen, Tiere und der
Mensch.
Pilze sind extrem an Umweltbedingungen anpassungs
fähig. Die Pilzzelle ist von einer fetthaltigen Membran und
einer dicken, starren Wand aus Kohlenhydraten und Eiwei
ßen umgeben.
Im Prinzip bilden Pilze zwei Grundformen aus: die Hyphe
und die Sprosszelle (Blastospore).
44Die Hyphe ist ein einzelner Pilzfaden, von denen man
che sich zu einem geflochtenen Gebilde vereinigen, das
dann als Myzel bezeichnet wird.
44Der Begriff «Spore» hat bei den Pilzen zwei Bedeutungen:
55Die Tochterzellen, die sich bei den Hefepilzen durch
Sprossbildung aus der Mutterzelle entwickeln und
55die Dauerformen, die für die Verbreitung der Pilze
wichtig sind auch bei widrigen äußeren Umständen
überleben (diese Sporen sind aber gegenüber Umwelt
einflüssen viel weniger resistent als Bakteriensporen,
sie werden bereits bei Temperaturen unter 100°C ver
nichtet).
Die exakte botanische Einteilung der etwa 1.000.000 bekann
ten Pilze ist sehr kompliziert (. Abb. 1.2).
Von Medizinern werden die Pilze aus praktischen Grün
den in drei Gruppen eingeteilt:
44Die Dermatophyten (Hautpilze), welche die Haut,
Haare und Nägel befallen (z. B. Trichophyton)
44die Hefe- oder Sprosspilze (z. B. Candida) und
44die Schimmelpilze (z. B. Aspergillus).
Gesundheitsschäden durch Pilze
Pilze können beim Menschen verschiedene Gesundheitsschä
den hervorrufen.
Allergische Reaktionen wie z. B. Asthma, Heuschnupfen
oder Konjunktivitis, werden durch Pilzantigene verursacht.
Intoxikation, bekannt sind die Vergiftungen z. B. mit dem
Knollenblätterpilz, Nahrungsmittelvergiftungen aufgrund
von Mutterkorn im Getreide und Mehl. Sie sorgten in frühe
ren Zeiten für verheerende Epidemien.
Infektion: Pilze sind wenig aggressiv; sie warten auf eine
günstige Gelegenheit, wenn der Körper abwehrgeschwächt
ist. Nahezu alle Organe , auch die Haut, können von Pilzen
befallen werden.
Spezielle Mykologie
j
jDermatophyten (Hautpilze)
Dermatophyten sind auf der Haut und den Hautanhangsge
bilden zu finden, weil sie sich auf Keratin spezialisiert haben.
Keratin ist hauptsächlich in den abgestorbenen, verhornten
Hautschichten und in Nägeln und Haaren zu finden. Nur bei
einer ausgeprägten Abwehrschwäche kann eine Ausbreitung
im Körper erfolgen. Die Infektionsquelle ist entweder die
Erde (geophile Pilze), ein Tier (zoophile Pilze) oder ein
Mensch (anthropophile Pilze). Pilze können durch den direk
ten Kontakt aber auch indirekt durch kontaminierte Gegen
stände (Kämme), Flächen (Schwimmbad)) und Utensilien
(Handtücher) übertragen werden.
Je nach Lokalisation des Pilzbefalls sprechen Dermatolo
gen von einer Tinea capitis (Kopf), Tinea corporis (Körper
stamm), Tinea pedis (Fuß) etc. Der Fußpilz ist eine der häu
figsten Volkskrankheiten und zeigt sich als Infektion der Zwi
schenzehenräume und als Nagelmykose.
Die Therapie der Dermatomykosen ist oft langwierig und
erfordert vom Patienten viel Disziplin und Mitarbeit. Oft wird
eine Kombination von Methoden und Medikamenten einge
setzt. Zunächst kann eine mechanische Abtragung der stark
befallenen Teile die Pilzmasse reduzieren und den Zutritt der
Medikamente erleichtern. Die antimykotischen Mittel kön
nen dann lokal aufgetragen werden. Nach systemischer Gabe
werden sie durch den Blutkreislauf an den Infektionsherd
herangetragen. Oft ist beides notwendig.
j
jHefepilze
In der Natur gibt es viele, sehr verschiedene Hefepilze; dem
Menschen gefährlich werden allerdings nur wenige. Die wich
tigste Rolle spielt hier der Candida albicans.
Bei gesunden Menschen sind Hefepilze in geringer Zahl
auf der Haut, auf den Schleimhäuten, der vaginalen Flora und
v. a. im Darm, eine Kolonisation mit Candida ist normal.
Nur wenn z. B. nach einer Antibiotikatherapie die bakte
rielle «Konkurrenz» verschwunden ist, können diese Pilze
sich massiv vermehren. Hefepilze können auch von außen,
z. B. durch medizinisches Personal oder über Lebensmittel
übertragen werden.
Eine Besiedlung der Haut mit Hefepilzen hat an sich kei
nen Krankheitswert. Wenn aber die Haut und Schleimhaut
geschädigt sind, z. B. durch Verbrennungen, Bestrahlung oder
Zytostatika, bei Diabetes oder durch feuchte Kammern kön
nen einige Pilze diese Barriere überwinden, in den Körper
eindringen und lokal eine Infektion auslösen. Auf der Haut
und den Schleimhäuten sind sie durch einen dichten weiß
lichen «Pilz-Rasen» auf einem entzündeten Untergrund zu
diagnostizieren. Dies wird als Soor bezeichnet.
In der weiblichen Scheide drängen die Laktobazillen die
Pilze zurück; ist jedoch die normale Scheidenflora gestört,
kommt es zur massiven Vermehrung und zu einem entzündli
chen Reiz, der sich als Fluor vaginalis (entzündlicher Ausfluss)
bemerkbar macht (wobei hier auch bestimmte Bakterien, z. B.
Gardnerella, und Protozoen, z. B. Trichomonas, beteiligt sind).
Wenn sich die Infektabwehr erholt, geht auch die Pilz
infektion zurück. Die Therapie erfolgt mit Antimykotika.
13
1.1 · Allgemeine Hygiene
Mykosen
im DHS-System
Dermatophyten
Hefen
Schimmelpilze
Epidermophyton floccosum,
Trichophyton,
Mikrosporum
Candida albicans,
Cryptococcus neoformans
Pityriasis versicolor
Aspergillus,
Histoplasma capsulatum
Infektionen von Haut,
Haaren und Nägel
Soor, Kryptokokkose,
Systemmykose
Bronchopulmonale
Aspergillose, auffälliges
Röntgenbild bei V.a. Risikofaktoren wie Agranulozytose,
Diabetes etc.
Nachweis von Hyphen im Direktpräparart; Material im Randbereich
einer Entzündung entnehmen!
Schleimhautabstriche aus Rachen,
Ösophagus, Vagina etc.
Übliche Transportmedien
Üliche Transportmedien,
bei Direktpräparat (Aspergillom)
schnellstmöglich einsenden
..Abb. 1.2
Mindmap: Übersicht der Pilze. Aus: Schaps (2008) Das Zweite kompakt. Springer, Berlin Heidelberg New York
j
jCryptococcus neoformans
Von den vielen Kryptokokkusarten ist nur der Cryptococcus
neoformans für den Menschen gefährlich. Die Pilze leben auf
Pflanzen; wenn Vögel die Samen fressen, gelangen die Pilze in
den Vogelkot, wo sie sich vermehren können. Wenn z. B. Tau
benkot eintrocknet, können die Pilze mit Staub übertragen
werden. Beim Abwehrgeschwächten (häufig AIDS-Patienten)
befällt der Erreger zunächst die Lunge. Von dort aus streut der
Pilz in andere Organe, hauptsächlich ins ZNS. Es entsteht dort
eine Meningoenzephalitis.
Krankheitserregend für den Menschen ist allein die Spe
zies Cryptococcus neoformans.
1
14
1
Kapitel 1 · Hygiene
j
jSchimmelpilze
Wichtigster Vertreter des für Menschen gefährlichen Schim
melpilzes ist der Aspergillus fumigatus. Schimmelpilze kom
men in unserer Umwelt reichlich vor. Sie produzieren Gifte
(Mykotoxine) und lösen Allergien aus. Die aerogene Übertra
gung (durch feinste Tröpfchen) steht bei den Schimmelpilzen
im Vordergrund. Bei beatmeten Patienten kann eine geschä
digte Bronchialschleimhaut mit Schimmelpilzen besiedelt
sein. Von dort dringen dann die Pilze tief ins Gewebe ein. Sie
können im Körper streuen und verschiedene Organe wie
Lunge, Leber und Hirn befallen. Die Infektionen mit Schim
melpilzen sind klinisch nicht sehr charakteristisch und wer
den häufig erst spät erkannt. Die bildgebenden Verfahren
wie Röntgen, CT und Ultraschall können wichtige Hinweise
geben.
Diagnostik bei Pilzinfektionen
Der typische Geruch von Pilzen ist schon mit einer empfind
lichen Nase zu bemerken. So können z. B. Hunde speziell auf
diesen Geruch abgerichtet werden. Entscheidend für die
exakte Diagnose ist die Pilzkultur. Im Vergleich zu den Bak
terien wachsen und vermehren sich Pilze jedoch langsam.
Die exakte Typisierung erfolgt bei Sprosspilzen meist
durch Mikromorphologie oder durch Biochemie, wofür kom
merzielle Kits zur Verfügung stehen. Insgesamt ist diese Typi
sierung recht zuverlässig.
Die Beurteilung von Schimmelpilzkulturen ist schwierig,
da diese sich oftmals nur ganz wenig voneinander unter
scheiden.
Therapie von Pilzinfektionen
Zur Therapie von Pilzinfektionen werden die sog. Antimykotika eingesetzt. Im Vergleich zur Zahl der Antibiotika ist die
Anzahl der eingesetzten Antimykotika relativ überschaubar.
Während in der Bakteriologie der Bestimmung der Antibio
tikaempfindlichkeit eine entscheidende Rolle zukommt, muss
die Empfindlichkeit gegenüber einem Antimykotikum nicht
routinemäßig geprüft werden. Wichtig bei der Behandlung
von Pilzinfektionen ist, dass negative Begleitumstände, wie
Abwehrschwäche oder Hautdefekte, behoben werden, um
den Pilzen die Lebensgrundlage zu entziehen. Die Behand
lung von Pilzinfektionen ist jedoch langwierig und schwierig.
Prävention von Pilzinfektionen
Weil die Behandlung von fortgeschrittenen Pilzinfektionen
sehr schwierig ist, kommt der Prävention eine umso größere
Bedeutung zu.
Da Pilze in der Umwelt überall vorhanden sind und viele
Pilzarten über die Luft verbreitet werden, müssen Menschen
mit einem herabgesetzten Immunsystem besonders abge
schirmt werden. Hochrisikopatienten müssen in Räumen mit
RLT-Anlagen (7 Abschn. 2.1) untergebracht werden. Da auch
an den Fasern von Straßenkleidung sehr viele Pilzsporen hän
gen, muss auf die Disziplin bezüglich der Handhabung von
Bereichskleidung besonders viel Wert gelegt werden.
Topfblumen sind in Krankenzimmern nicht erlaubt, da
die Blumenerde als Nährboden der Pilze gilt. Eine trockene
Staubentfernung (Tuch oder Besen) würde Staub- und Pilz
sporen aufwirbeln.
Pilze in der Patientenumgebung werden durch eine Flä
chendesinfektion mit VAH (Verbund für angewandte Hygiene)
-gelisteten Desinfektionsmitteln sicher und dauerhaft ent
fernt.
Der Gehalt an Mykotoxinen ist bei den meisten Nah
rungsmitteln unbekannt. Angaben über Analysen fehlen auf
den meisten Lebensmittelverpackungen.
Verschimmelte Nahrung sollten gemieden werden, es ge
nügt nicht, sichtbar befallene Areale zu entfernen. Da die lös
lichen Stoffe in feuchten Nahrungsmitteln gut diffundieren,
gelangen sie schnell vom Ort der Entstehung über weite Dis
tanzen in entfernte Zonen. In trocknen Produkten ist die Aus
breitung erschwert.
Die Exposition gegen Schimmelpilze ist kaum ganz zu
unterbinden. Um allergische Reaktionen zu vermeiden muss
daher zumindest eine quantitative Reduktion angestrebt wer
den. Eine ausreichende Belüftung von Innenräumen ist hier
bei besonders wichtig.
1.1.4
Parasiten
Parasiten sind tierische Schmarotzer, die auf Kosten eines an
deren Lebewesens existieren.
>>Die durch Parasiten verursachten Erkrankungen nennt
man Parasitosen.
In den Formenkreis der Parasiten gehören Einzeller (Proto
zoen) und Vielzeller, zu den Vielzellern gehören Helminthen
(Würmer) und Arthropoden (Gliederfüßer).
Parasitenerkrankungen weisen eine Reihe von Besonder
heiten auf, die sie von bakteriellen Infektionen unterscheiden.
Parasiten sind vermehrt in Entwicklungsländern sowie in tro
pischen und subtropischen Regionen anzutreffen. Sind sie in
den menschlichen Organismus gelangt, durchlaufen sie dort
einen komplizierten Entwicklungszyklus.
Übertragung von Parasiten
Die Übertragung erfolgt bei den meisten Parasitenarten indi
rekt durch Überträger, z. B. über bestimmte blutsaugende
Mücken bei Malaria, über kontaminiertes Wasser oder kon
taminierte Nahrungsmittel. Einige Parasiten, insbesondere
mehrere Wurmarten, benötigen Zwischenwirte zur Übertra
gung
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