wand die Fusion von Vakuole und Lysosom und kann
sich so in den Makrophagen vermehren. Legionellen
finden sich weltweit in Erd- und Gewässerproben
und gelten als Infektionsquelle für den Menschen in
Klimaanlagen, Kühltürmen und Warmwasserleitun
gen mit nicht ausreichend erhitztem Wasser (<70 C).
So kann dieser Keim auch die Ursache nosokomialer
Infektionen (7 Abschn. 1.1.8) sein.
44Die Bildung von Enzymen:
55Ein Bakterium produziert bestimmte Eiweißstoffe,
um Substanzen des Wirtes zu spalten; beispiels
weise Hämolysin zum Auflösen von Erythrozyten,
Koagulase zur Verklumpung von Plasma oder
H
yaluronidasen zur Zersetzung von Gewebe.
Veränderung bakterieller Gene
Manche Bakterien sind zur Aufnahme, Neukombination und
Austausch von genetischem Material fähig, dadurch konnten
sie sich ständig wechselnden Gegebenheiten anpassen. Diese
Mechanismen können auch die Pathogenität und die Antibio
tikaresistenz nachhaltig verändern.
7
1.1 · Allgemeine Hygiene
44Transformation: Bakterienstämme nehmen freie DNAMoleküle aus zugrunde gegangenen Bakterienzellen in
sich auf, bauen diese in ihr Chromosom ein und gewin
nen damit neue Eigenschaften.
44Transduktion: Werden Bakterien von Viren befallen,
bewirken bestimmte Viren (Bakteriophagen) eine Über
tragung von Erbinformationen bei Bakterien.
44Konjugation: Manche Bakterien können einen sog.
Pilus bilden. Das ist eine kleine Röhre, der als Sexpilus
bezeichnet wird. Damit kann genetisches Material
weitergegeben werden, z. B. die Möglichkeit der Anti
biotikaresistenz.
44Spontanmutation: Erbinformationen von Bakterien
können sich im Rahmen der Zellteilungen verändern.
Diese Veränderungen sind zum größten Teil auf zufällige
Fehler bei der Verdoppelung (Replikation) der DNA zu
rück zu führen.
Infektion und Kolonisation
Es entsteht eine Infektion, wenn Erreger über eine Eintrittspforte in einen Organismus eindringen können. Das kann
über Tröpfchen in der Luft (Husten und Niesen), über Blut
oder Blutprodukte (Operationsinstrumente, Stichverletzun
gen) oder direkten Kontakt (mangelhafte Händehygiene, Se
xualverkehr) geschehen. Im Organismus vermehren sich die
Krankheitserreger und rufen eine Abwehrreaktion hervor, oft
eine Entzündung oder eine Antikörperbildung.
Wenn Mikroorganismen der Normalflora, z. B. durch
Veränderungen der Abwehrlage oder durch medizinische
Maßnahmen in sterile Bereiche des menschlichen Organis
mus vordringen, können sie dort Infektionen hervorrufen.
Diese Infektion wird dann als endogen (von innen) bezeich
net, im Gegensatz zur exogenen Infektion, die durch von
außen kommende, wirtsfremde, Mikroorganismen verur
sacht wird.
Anders zu betrachten ist die sog. Kolonisation (Besied
lung). Krankheitserreger können den Menschen besiedeln
ohne dass es zu einer Infektion kommt, weil die Erreger nicht
in das Gewebe eindringen. So sind Krankenhausmitarbeiter
häufig mit dem Eitererreger Staphylococcus aureus besiedelt
oder intubierte Patienten mit dem Keim Pseudomonas aeru
ginosa kolonisiert.
Die Mikroorganismen der Normalflora werden insgesamt
auch als residente Flora, die kolonisierenden Mikroorganis
men insgesamt auch als transiente Flora bezeichnet.
>>Um eine Infektion entstehen zu lassen bedarf es immer
zwei Faktoren:
55 Exposition: Kontakt mit dem Erreger,
55 Disposion: die individuelle Abwehrlage.
Mikroorganismen, die nur bei einer besonderen Abwehrlage
(Abwehrschwäche), nicht jedoch bei einem gesunden Men
schen eine Infektion verursachen, werden als Opportunisten
oder fakultativ pathogene Erreger bezeichnet. In den letz
ten Jahren nahmen Infektionen bei abwehrgeschwächten Pa
tienten, z. B. Patienten mit Diabetes, Tumorerkrankungen
oder HIV durch solche opportunistischenErreger zu.
Darstellung, Anzüchtung und Bestimmung
von Bakterien
j
jDas mikroskopische Präparat
Ein mikroskopisches Präparat wird direkt vom menschlichen
Probematerial (z. B. Eiter, Sputum, Liquor), aber auch von
Bakterienkolonien hergestellt. Durch Anfärben der Präparate
nach Gram können die Bakterien unter dem Mikroskop sicht
bar gemacht werden (Gramfärbung).
Für einige Bakterienarten wie den Tuberkuloseerreger,
gibt es jedoch spezielle Färbemethoden, da die Gramfärbung
hier nicht aussagefähig ist (s. u.).
Im klinischen Probematerial lassen sich die typischen
Bakterienformen (Stäbchen und Kokken) und deren Anord
nung (Haufen, Ketten etc.) feststellen, sodass das Grampräpa
rat bereits eine vorläufige Diagnose ermöglichen kann (z. B.
gramnegative Diplokokken im Liquorpunktat bei Verdacht
auf eitrige Meningitis). So kann eine Behandlung mit einem
geeigneten Antibiotikum unverzüglich begonnen werden.
j
jAnzüchten von Bakterien auf Nährböden
Seit Robert Koch werden klinisch-bakteriologische Untersu
chungsmaterialien auf festen, sterilen Nährböden in sog. Pe
trischalen ausgestrichen. Der Vorteil dieser Methode liegt
darin, dass die Bakterien zu sichtbaren Kolonien heranwach
sen und nachfolgend durch gezielte Untersuchung identifi
ziert werden können.
Neben festen Nährböden werden auch flüssige Medien
(Bouillon) eingesetzt, die sich zur Anreicherung von Mikro
organismen eignen. Die Bouillon wird bei Keimwachstum
trüb und wird anschließend wiederum zur Herstellung von
Reinkulturen auf Nährböden ausgestrichen.
j
jBiochemische Testungen zur Bestimmung der
Bakterienart
Nach der Einteilung in gramnegative und grampositive Bak
terien werden die unterschiedlichen Stoffwechselleistungen
überprüft, um festzustellen, ob das isolierte Bakterium ange
botene Substanzen abbauen kann oder bestimmte Stoffwech
selprodukte synthetisiert. Dazu wird Bakterienmaterial einer
Einzelkolonie auf verschiedene Nährböden übertragen, de
nen Stoffe (z. B. bestimmte Arten von Zucker) zugegeben wer
den. Zur Sichtbarmachung dieser chemischen Vorgänge wer
den Farbindikatoren eingesetzt. Durch den Umschlag des
Indikators ist zu erkennen, ob dieser Stoff abgebaut worden
ist, d. h. ob aus Zucker Säure entstanden ist. Durch den Abbau
bzw. Nichtabbau entsteht ein bestimmtes Farbmuster, aus
dem auf die Art des Erregers geschlossen werden kann, das
gab diesen Tests den Namen «bunte Reihen». Zur Bestim
mung von Erregergruppen gibt es industriell vorgefertigte
Diagnostik-Kits.
j
jBestimmung der Empfindlichkeit gegenüber
Antibiotika
Bei allen Erregern im Untersuchungsmaterial, denen eine
krankmachende Bedeutung beigemessen wird, wird in der
Regel die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Antibiotika
geprüft. Eine Möglichkeit bietet hier der sog. «Agardiffu
1
8
1
Kapitel 1 · Hygiene
sionstest». Dazu wird Nährbouillon mit dem zu testenden
Bakterium auf einem festen Nährboden gleichmäßig ausge
strichen und Antibiotikablättchen auf den Festnährboden
aufgebracht. Nach einer Bebrütung für 12 Stunden bei 36 °C
im Brutschrank kann festgestellt werden, inwieweit das Bak
terium in seinem Wachstum durch die Antibiotikablättchen
und die daraus ausgetretenen Testantibiotika gehemmt wur
de. Ist das Bakterium gegen das Antibiotikum auf einem der
Papierblättchen resistent (widerstandsfähig), wächst es an das
Blättchen heran. Ist der Keim dagegen empfindlich, kann er
nur bis zu einem gewissen Abstand zu dem Papierblättchen
wachsen. Es entsteht ein sog. «Hemmhof». Die Resistenztes
tung gibt wichtige Hinweise für die Auswahl eines wirksamen
Antibiotikums. Zudem gibt die statistische Auswertung der
Testergebnisse Auskunft über die Entwicklung und Verbrei
tung resistenter Bakterien.
j
jSerologische Bestimmungsmethoden
Mit einem serologischen Test werden Antikörper im Serum
und anderen Körperflüssigkeiten (z. B. Liquor) nachgewie
sen, die sich gegen einen besonderen Erreger gebildet haben.
Nach einer Infektion dauert es mehrere Tage, bis der Kör
per eine Antikörperantwort entwickeln kann. Dieser Zeit
raum wird als «diagnostisches Fenster» bezeichnet. Bei einer
HIV-Infektion beträgt dieses Fenster 2–6 Wochen. Die heute
verwendeten Screening-Tests werden bereits 3 Wochen nach
Infektion positiv. Ein weiterer Test (z.B. Western Blot) muss
dann das positive Ergebnis bestätigen.
Diese Antikörper stellen einen Teil der Antwort des Im
munsystems des Körpers auf einen Infektionserreger (Anti
gen) dar. Mit schon bekannten Antikörpern (Antiseren) kann
man das unbekannte Antigen (Bakterium, Virus) reagieren
lassen. Passen Antikörper und Antigen zusammen, kommt es
zu einer Reaktion, die z. B. als Agglutination (Verklumpung)
sichtbar gemacht werden kann (Agglutinationstest).
Weitere serologische Bestimmungsmethoden sind der
Enzym-Immuntest, englisch Enzyme-Linked immunosor
bent Assay (ELISA) oder Enzyme-Immuno-Assay (EIA) ge
nannt.
j
jKeimbestimmung durch direkten Nachweis des
Bakterienchromosoms
Neben biochemischen und serologischen Methoden spielen
molekularbiologische Verfahren eine zunehmende Rolle bei
der Diagnostik von Infektionskrankheiten.
Die Polymerase-Kettenreaktion («polymerase chain reac
tion», PCR) kommt insbesondere bei Virusinfektionen zum
Einsatz. Bei bakteriellen Infektionen wird die PCR bei aus
bleibendem Bakterienwachstum (z. B. bei bereits mit Antibio
tika «anbehandelten» Patienten) verwendet. Mit der PCR
lassen sich sehr kleine Mengen DNS in kurzer Zeit so oft
kopieren, dass sie mit den üblichen Labormethoden unter
sucht und z. B. die Abfolge ihrer Bausteine festgestellt wer
den können. Die ständige Verdopplung von bestimmten
Proteinen wird von den Polymerasen bewirkt. Theoretisch
genügt dafür ein einziges DNS-Molekül. Die PCR ist damit
eine der empfindlichsten biologischen Techniken überhaupt.
Beispiele wichtiger bakterieller Erreger
beim Menschen
j
jGrampositive Kokken
Der Staphylococcus aureus ist ein Kugelbakterium, das in
traubenartigen Haufen gelagert ist. Weil er in der Kultur meist
eine goldgelbe (lat. aureus) Farbe zeigt, bekam er diesen Na
men. Er gilt als ein typischer Erreger eitriger Infektionen wie
z. B. Nagelbettentzündung, Abszessen und postoperative
Wundinfektionen. Der Keim kann aber auch schwere Allge
meininfektionen (Sepsis) verursachen.
Viele Menschen (ca. 30% der Bevölkerung) sind jedoch
«nur» im Nasenvorhof mit S. aureus besiedelt (kolonisiert),
darunter besonders Krankenhauspersonal (bis zu 90%!).
Auch wenn sie selbst nicht erkranken, können sie jedoch v. a.
durch mangelnde Händehygiene den Keim auf Patienten
übertragen, wo er krankmachende Eigenschaften hat. So
kann eine nosokomiale Infektion entstehen (7 Abschn. 1.1.8).
S. aureus kann auch auf unbelebten Flächen problemlos
drei bis sechs Wochen überleben, deshalb kann er jederzeit
z. B. mit den Händen aufgenommen und weiterverbreitet
werden.
Der Staphylococcus epidermidis gehört als weitere Sta
phylokokkenart zur Normalflora der Haut und ist weniger
virulent als der S. aureus. Dennoch gilt er gerade im Kranken
haus als Erreger nosokomialer Infektionen, denn er kann
durch die Bildung eines Biofilms an Plastikmaterialien (z. B.
venöse Katheter, Plastikkomponenten von Gelenkprothesen)
anhaften. Diese Biofilmbildung schützt den Keim auch vor
dem Zugriff durch Antibiotika, deshalb bleibt bei einer Sepsis
oft nur die Entfernung des Plastikmaterials, um therapeutisch
eingreifen zu können.
Der Chirurg Theodor Billroth sah 1874 erstmalig in Prä
paraten von Wundeiterungen Erreger, denen er wegen ihrer
Ähnlichkeit mit aufgereihten Perlen den Namen «Streptokokken» gab.
Streptokokkeninfektionen des Rachens gehören zu den
häufigsten Infektionskrankheiten (Angina).
Der Streptokokkus pyogenes (A-Streptokokken) kann
außerdem für ca. 60% aller Pyodermien – v. a. Impetigo kon
tagiosa, Erysipel und Phlegmone – verantwortlich gemacht
werden. Der Keim wird bevorzugt von Mensch zu Mensch
weitergegeben, z. B. durch das Einatmen von erregerhaltigem
Aerosol (Tröpfcheninfektion). Auch auf Gegenständen ver
mögen diese Keime eine Zeitlang zu überleben. A-Strepto
kokken sind in der Lage, über eine Antigen-Antikörper-
Reaktion sog. Nach- oder Folgeerkrankungen wie die akute
Glomerulonephritis oder das rheumatische Fieber auszu
lösen.
Enterokokken gehören zur Normalflora des menschli
chen Darms. Sie können Infektionen verursachen (z. B. Chole
cystitis, Peritonitis, Zystitis), wenn sie in andere Körper
regionen gelangen.
j
jGramnegative Kokken
Neisseria gonorrhoeae ist der Erreger der Geschlechts
krankheit Gonorrrhoe (Tripper), einer auch heute noch welt
weit verbreiteten Geschlechtskrankheit. Der Keim stirbt in
9
1.1 · Allgemeine Hygiene
der Außenwelt schnell ab und wird nahezu ausschließlich
durch Geschlechtsverkehr übertragen.
Neisseria meningitides ist ein häufiger Erreger der eitri
gen Hirnhautentzündung (Menigitis). Die Übertragung er
folgt durch Tröpfcheninfektion.
j
jGrampositive Stäbchen
Clostridien sind obligat anaerobe Bakterien und in der Lage,
bei ungünstigen Umweltbedingungen Sporen zu bilden. Es
gibt etwa 100 Clostridienarten, sie kommen überall in der
Umwelt, v. a. im Erdboden, vor. Arten wie Clostridium per
fringens und Clostridium difficile können zur Normalflora
des menschlichen Darmes gerechnet werden. Neben diesen
beiden können die üblicherweise pathogenen Arten Clostridium tetani und Clostridium botulinum beim Menschen
lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen (Tetanus bzw.
Botulismus).
Der Tetanuserreger (Clostridium tetani) kommt als Spo
re im Erdboden vor. Zur Übertragung kommt es, wenn Spo
ren durch eine Bagatellverletzung eindringen. Typisch sind
Verletzungen durch Holzsplitter, rostige Nägel, Rosendornen,
aber auch Kratz-, Schürf- und Bisswunden. Da die Erreger
kaum lokale Entzündungszeichen verursachen, können sich
die Bakterien im Wundbereich vermehren. Sie bilden durch
ihre Vermehrung im Gewebe ein hochwirksames Exotoxin,
das zu einer spastischen Lähmung der motorischen Muskula
tur führt. Nach wie vor ist eine Tetanusinfektion extrem
schwer zu therapieren (Relaxation, Narkose,
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