parenterale Er
nährung), deshalb wird immer wieder auf die unverzichtbare
vorbeugende Grundimmunisierung (Tetanusschutzimpfung)
gedrängt (7 Kap. 19).
Clostridium botulinum verursacht eine Lebensmittelvergiftung, meist nach Aufnahme mangelhaft konservierter
Speisen (Konservendosen, Einweckgläser). Das hitzestabile
Botulinumtoxin ist das stärkste bakterielle Gift und führt zu
einer schlaffen Lähmung der Muskulatur, wobei die Schluck
muskulatur und die Augenmuskulatur zuerst betroffen sind.
Nur eine frühzeitige Gabe von Antiserum (passive Impfung)
kann die Ausbreitung des Gifts bis zu den motorischen End
platten verhindern. (Letalität 25–70%).
Der Gasbrand, hervorgerufen durch Clostridium perfingens, kann exogen oder endogen entstehen.
44Endogener Gasbrand: Gefährdet sind Patienten mit
perforierendem Kolonkarzinom, nach Bauchoperatio
nen sowie Patienten mit Diabetes mellitus mit Durch
blutungsstörungen der Füße.
44Exogener Gasbrand: Risiken sind tiefe, erdverschmutzte
Wunden, Nekrosen, Muskelwunden und Schussverlet
zungen.
Nach einer kurzen Inkubationszeit (5–48 Std.) kommt es u. a.
durch Gasbildung (CO2) im Muskelgewebe zu massiven
Spannungsschmerzen, es entstehen Knistergeräusche wie das
«Knirschen von Schnee» und ein rasch voranschreitender Ge
webezerfall. Wichtig ist eine schnelle chirurgische Therapie
mit großzügiger Wundtoilette und Öffnung des Infektions
gebiets, um mehr Sauerstoff zuzuführen (Anaerobier werden
durch Sauerstoff in der Vermehrung gestört!) Wenn erforder
lich, muss eine Amputation durchgeführt werden. Unterstüt
zend erfolgt eine hochdosierte Antibiotikatherapie.
Dennoch sterben auch bei adäquater Therapie viele Pa
tienten innerhalb weniger Stunden.
Insgesamt handelt es sich aber um ein in Deutschland sehr
seltenes Krankheitsbild. Bei den Bazillusarten handelt es sich
um aerobe Sporenbildner. Nur zwei Spezies dieser Gruppe
sind für den Menschen ein Krankheitserreger. Der Bazillus
cereus verursacht Wund- und Lebensmittelinfektionen.
Der Bazillus anthracis kommt natürlicherweise im Erdboden
vor und gilt als Milzbranderreger. Die Milzbranderkrankung
wurde bei obduzierten Schafen und Rindern entdeckt. Die
Milz war stark entzündlich vergrößert und wies eine dunkle
Farbe auf (Anthrax = Kohle).
Aktualität besitzen die Milzbranderreger jedoch aus mili
tärischen Gründen («Biowaffe»).
j
jGramnegative Stäbchen
Auch diese Gruppe umfasst zahlreiche Gattungen. Drei wich
tige Vertreter, auch in Bezug auf nosokomiale Infektionen
sind:
44Escherichia coli: Dieser Keim gehört zur Normalflora
des Dickdarms. Gelangt er aus dem Darm z. B. durch
fäkale Verunreinigungen in andere Körperregionen, so
kann er Infektionen verursachen. Er gilt als häufigster
Erreger von Harnwegsinfektionen (endogen und exogen).
44Klebsiella pneumoniae: Dieser Keim gehört ebenfalls
zur Dickdarmflora des Menschen. Er kann sich durch
Bildung einer Schleimkapsel vor einer raschen Zerstö
rung durch körpereigene Abwehrzellen schützen und
kann Entzündungen der Gallen- und der Harnblase
sowie Wundinfektionen verursachen.
44Pseudomonas aeruginosa: Dieser Wasserkeim ist so
wohl in natürlichen Feuchtzonen (Oberflächenwasser,
Boden) als auch in Nassbereichen von z. B. Krankenhäu
sern (Befeuchtungssysteme, Leitungswasser, Abflüsse)
weit verbreitet.
j
jNicht durch Gramfärbung nachweisbare Erreger
Der Erreger der Tuberkulose beim Menschen ist das Mycobacterium tuberculosis. Zur mikroskopischen Darstellung
wird eine Spezialfärbung (Ziehl-Neelsen-Färbung) benötigt;
die so gefärbten Stäbchen lassen sich dann nicht einmal durch
die Anwendung von Säure entfärben (säurefeste Stäbchen).
Die Tuberkulose ist weltweit verbreitet und gehört neben
HIV/AIDS und Malaria zu den häufigsten Infektionskrank
heiten.
Menschen, die an einer offenen Lungentuberkulose er
krankt sind, können die Infektion weitergeben. Von einer offe
nen (infektiösen) Lungentuberkulose sprechen wir, wenn
der Krankheitsherd Anschluss an die Luftwege hat und so
die infektiösen Erreger über Aerosole beim Husten an die
Umwelt abgegeben und von anderen aufgenommen werden
können.
Die Zeit zwischen der Infektion mit dem Erreger und
einer Erkrankung, die sog. Inkubationszeit, beträgt ca.
1
10
1
Kapitel 1 · Hygiene
6–8 Wochen. Trotzdem kann es nach Jahrzehnten noch
zu einer Infektion kommen, wenn das Immunsystem ge
schwächt ist.
Tuberkulose wird mit einer Kombination von Medika
menten behandelt. Sofort nach der Diagnosestellung müssen
Erkrankte isoliert und therapiert werden. Tbc ist gemäß
IfSG § 6 Abs. 1 eine meldepflichtige Erkrankung.
Obwohl die Erkrankung in Deutschland und anderen In
dustriestaaten seltener geworden ist, stellt sie insbesondere
für Beschäftigte im Gesundheitsdienst ein Risiko dar. Deshalb
wird bei Mitarbeitern im Krankenhaus der sog. Tuberkulin
test durchgeführt. Nach der Mendel-Mantoux-Methode wird
ein Bestandteil des abgetöteten Erregers, das Tuberkulin, in
kleinsten Mengen in die Haut gespritzt. Eine Schwellung mit
Rötung um die Injektionsstelle weist auf eine Infektion oder
eine durchgeführte Impfung hin. Ein negatives Tuberkulose
testergebnis schließt eine Erkrankung jedoch nicht aus.
Seit einiger Zeit gibt es ein anderes Testverfahren, das in
einer Blutprobe einen immunologischen Stoff nachweisen
kann, der auf eine Infektion mit Tbc-Erregern hinweist.
Aber auch die Röntgendiagnostik wird immer noch dia
gnostisch und therapeutisch sinnvoll eingesetzt.
1.1.2
Viren
Aufbau und Formen
Im Aufbau unterscheiden sich Viren von anderen Krank
heitserregern durch eine Reihe von Eigenschaften:
44sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel
44sie können sich nicht eigenständig vermehren
44sie haben keine Zellstruktur, sondern bestehen aus einer
Nukleinsäure als Träger der genetischen Information
(entweder DNA oder RNA), aus einer als Kapsid be
zeichneten Ummantelung aus Proteinen (unbehüllte
Viren) und ggfs. aus einer äußeren Hülle, die von einer
Lipiddoppelschicht gebildet wird (behüllte Viren).
Viren sind mit einem Durchmesser von 18 nm bis zu Quader
formen vom 250×350 nm deutlich kleiner als Bakterien und
im Lichtmikroskop (Auflösungsvermögen ca. 300 nm) in der
Regel nicht sichtbar.
Weil sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, benutzen sie
zur Vermehrung ihre Wirtszelle. Sie heften sich an deren
Zellwand (Adsorption), dringen in die Zelle ein (Penetration)
und legen das genetische Material frei (Uncoating). Die Erb
substanz des Virus wird in die Wirtszelle eingebaut, das Virus
vermehrt sich in der Zelle und kann in dem Körper freigesetzt
werden.
Bei der Freisetzung kann die Wirtszelle absterben, oder sie
überlebt und schleust permanent Viren in den Körper ein.
Einige Viren können die Entartung der befallenen Wirtszelle
zur Tumorzelle auslösen. Außerhalb der Wirtszelle existiert
das Virus als infektiöses Viruspartikel (Virion) ohne Stoff
wechselaktivität. Die Stabilität der Virionen in der Umwelt
weist große Unterschiede auf und kann zwischen wenigen
Stunden und mehreren Wochen liegen.
Allgemein sind behüllte Viren empfindlicher gegenüber
Umwelteinflüssen (Austrocknung, UV-Strahlung, Wärme,
Desinfektionsmittel) als unbehüllte Viren.
Das (behüllte) Hepatitis-B-Virus kann im angetrockneten
Zustand über eine Woche ansteckend bleiben. Es benötigt zur
Inaktivierung Temperaturen über 80°C und erhöhte Desin
fektionsmittelkonzentrationen. Das (behüllte) HI-Virus kann
außerhalb des Körpers nicht lange überleben. Für den Berufs
alltag der Mitarbeiter im Krankenhaus besteht hauptsächlich
eine Ansteckungsgefahr, wenn das Virus in einer Körperflüs
sigkeit übertragen wird (z. B. durch eine Stichverletzung mit
einer benutzten Nadel oder kontaminiertes OP-Instrumenta
rium). Das (behüllte) Hepatitis-C-Virus ist außerhalb des
menschlichen Körpers ebenfalls relativ umweltlabil. In ange
trocknetem Blut kann es jedoch länger auf Oberflächen über
leben.
!!Cave
Das (unbehüllte) Norovirus bleibt auf unbelebten
Oberflächen bis zu 12 Tagen ansteckungsfähig.
Widerstandsfähigkeit behüllter und unbehüllter
Viren
Der unterschiedlichen Widerstandsfähigkeit behüllter
und unbehüllter Viren wird bei der Bewertung chemischer Desinfektionsverfahren Rechnung getragen.
Der Begriff «viruzid» umfasst ein Wirkungsspektrum
gegenüber unbehüllten und behüllten Viren, während
mit dem Begriff «begrenzt viruzid» nur eine Wirkung
gegenüber behüllten Viren gemeint ist.
Eine Einbettung von Viren in Körperflüssigkeiten (z. B. angetrocknetes Blut) oder andere Substanzen (z. B. Lebensmittel) führt allgemein zu einer erheblichen Verlängerung der Dauer der Infektiosität.
Infektionsverlauf und Therapie
Virusinfektionen können unterschiedliche Verläufe aufwei
sen. Es gibt akute Verlaufsformen, bei denen der Erreger kom
plett aus dem Körper eliminiert wird, wobei eine Immunität
zurückbleibt (z. B. Masern, Hepatitis A). Akute Infektionen
können in chronische Infektionen mit langfristigen Organ
schäden übergehen (z. B. Hepatitis C). Schließlich gibt es In
fektionen, bei denen auf eine akute Phase eine symptomfreie
Phase folgt, die aber unter bestimmten Bedingungen (vorü
bergehende Schwächung des Immunsystems) wieder auffla
ckern können. Klassisches Beispiel ist hier das Varizella-Zoster-Virus mit Windpocken als Ersterkrankung und Gürtel
rose als Folgeerkrankung.
Bei der Diagnostik viraler Infektionen kommen in der
Regel indirekte Verfahren (z. B. ELISA) zur Anwendung. Zur
weiteren Abklärung und zur Typisierung des Virus wird die
PCR benötigt.
Zur spezifischen Therapie von Virusinfektionen steht in
zwischen eine Reihe von antiviralen Chemotherapeutika zur
Verfügung. Bekanntere Wirkstoffe sind der Neuraminidase
11
1.1 · Allgemeine Hygiene
hemmstoff Oseltamavir, der gegen Influenzaviren wirksam ist der ständigen Impfkommission beim RKI (STIKO) empfoh
und der Wirkstoff Aclicovir, der bei bestimmten Herpes- len wird.
Virus-Infektionen angewendet werden kann.
Insbesondere bei Personen mit erhöhtem Hepatitis
risiko muss der Antikörpertiter nach spätestens 10 Jahren
>>Antibiotika sind bei Virusinfektionen nicht wirksam,
überprüft werden. Personen ohne Impfschutz (Ungeimpfte
weil sie sich gegen Strukturen und Stoffwechselvorund sog. Non-Responder) müssen nach Nadelstichverlet
gänge richten, die bei Bakterien, nicht aber bei Viren
zung mit e inem Immunglobulinpräparat passiv immunisiert
vorkommen.
werden.
Infektionsgefährdung von Beschäftigten
im Gesundheitswesen
j
jHepatitis
Hepatitis-B-Viren (HBV) und Hepatitis-C-Viren (HCV)
können über die Schleimhäute oder Hautverletzungen in den
Blutkreislauf gelangen und auf diesem Wege ihr Zielorgan,
die Leber, erreichen. Durch den Befall der Leberzellen kommt
es zu Funktionsstörungen, u. a. zur Abgabe von Bilirubin in
das Blut, was zum typischen Bild des Ikterus (Gelbsucht)
führt. Durch die Zerstörung der Leberzellen gelangen Leber
enzyme in das Blut, was durch eine Erhöhung der Transami
nasen festgestellt werden kann.
Die Inkubationszeit liegt bei Hepatitis B zwischen 25 und
160 Tagen. Typische Symptome einer akuten Hepatitis sind
Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen,
später dann Ikterus mit Verfärbung der Skleren und der Haut,
dunkel gefärbtem Urin und hellem Stuhl. In seltenen Fällen
kommt es zu einem meist tödlich endenden Leberversagen.
60–70% der akuten HBV-Infektionen verlaufen jedoch ohne
klinische Symptome und hinterlassen eine Immunität. Nur
5–10% der Verläufe münden in einer chronischen Hepatitis
mit Leberzirrhose oder Leberzellkarzinom als Endstadium.
Die Hepatitis B ist – trotz der seit Jahren verfügbaren
Schutzimpfung – wie die Tuberkulose, Hepatitis A und C und
HIV eine wichtige berufsbedingte Infektionskrankheit im
Gesundheitswesen. Genaue Angaben zur Gesamtzahl der
jährlich berufsbedingt erworbenen Hepatitis-B-Erkrankun
gen liegen nicht vor.
Bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und
Wohlfahrtspflege (BGW), bei der etwa 40% der im medizini
schen Bereich Beschäftigten versichert sind, wurden in den
vergangenen Jahren jährlich etwa 100 Verdachtsmeldungen
berufsbedingter Hepatitis-B-Erkrankungen bearbeitet.
Medizinisches Personal muss bei der Behandlung und
Pflege aller Patienten die empfohlenen Schutzmaßnahmen
zur Vermeidung einer Virusübertragung treffen. Zum eige
nen Schutz und dem Schutz anderer werden die Hygienere
geln beachtet, wie sie zur Verhütung einer HIV- oder HBVInfektion empfohlen werden und im Hygieneplan der Klinik
nachgelesen werden können. Bei Kontakt zu Körperflüssig
keiten müssen Schutzhandschuhe getragen werden, Mund
schutz und Schutzbrille sind zu benutzen, wenn erregerhal
tige Tröpfchen (Aerosole) verspritzen können. Scharfe oder
spitze Gegenstände, die mit Blut oder anderen Körperflüssig
keiten in Berührung gekommen sind, müssen sicher entsorgt
werden.
Zur Prophylaxe der HBV steht ein gentechnisch herge
stellter Todimpfstoff zur Verfügung, der in Deutschland von
j
jHIV/Aids
Humane Immundefizienzviren (HIV) sind Ursache der Im
munschwächekrankheit Aids («acquired immuno-deficiency
syndrome», erworbenes Immundefektsyndrom). Der Nach
weis der HIV-Infektion ist gemäß § 7 Abs. 3 des Infektions
schutzgesetzes (IfSG) direkt an das Robert Koch-Institut mel
depflichtig, der Name des Betroffenen wird jedoch nicht mit
angegeben.
Die Übertragung erfolgt durch ungeschützten Ge
schlechtsverkehr mit infizierten Personen, durch gemeinsa
me Benutzung von Injektionsnadeln unter infizierten Dro
genabhängigen, im Gesundheitswesen hauptsächlich durch
Stich- oder Schnittverletzungen.
Das Krankheitsbild Aids mit seinen zahlreichen Infektio
nen manifestiert sich in der Regel erst nach einer langen In
kubationszeit von ungefähr 10 Jahren.
Wohl kaum eine andere Infektionskrankheit hat zu einer
so rasanten Entwicklung von Antiinfektiva beigetragen wie
die HIV-Infektion. Die Therapie wird als hoch aktive antiretrovirale Therapie (HAART)
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