werden 5-mm-, 10-mm- oder ggf. 12-mm-Trokare
vorbereitet. Zur Präparation von Strukturen kann neben den
herkömmlichen laparoskopischen Instrumenten auch ein
Gewebe durchtrennendes und blutstillendes Gerät mittels
Ultraschall zum Einsatz kommen. Zur Netzfixation werden
Clipapplikatoren mit den dazugehörenden Clips aus Metall
oder resorbierbarem Material vorbereitet. Alternativ kann auch
ein Fibrinkleber zur Fixation des Netzes zum Einsatz kommen.
Bei der TEP wird in der Regel ein Ballon-DissektionsTrokar benötigt.
Nach der Durchführung der Hautdesinfektion, dem sterilen Abdecken und dem Anschließen der benötigten Kabel an
den Endoskopieturm und das HF-Gerät erfolgt das TeamTime-Out.
OP-Ablauf: Transabdominale präperitoneale Hernioplastik (TAPP)
55 Für eine geplante transabdominale präperitoneale
Hernioplastik (TAPP) erfolgt ein periumbilikaler (um
den Bauchnabel) Hautschnitt von 1 cm. Nach Einbringen der Veress-Kanüle wird das Pneumoperitoneum
in standardisierter Technik angelegt und der 10-mmTrokar, durch den die Optik eingeführt wird, eingebracht. Bei Voroperationen kann der Optiktrokar
auch über eine Minilaparotomie eingebracht werden.
Nach Inspektion der Bauchhöhle werden unter Sicht
zwei weitere Arbeitstrokare lateral des M. rectus abdominis auf Nabelhöhe platziert: auf der Hernien
seite ein 10- bzw. 12-mm-Trokar, auf der Gegenseite
ein 5-mm-Trokar.
55 Das Peritoneum wird bogenförmig oberhalb der
Bruchpforte zwischen der medialen Umschlagfalte
des Bauchfells (plica umbilicalis medialis) bis einige
Zentimeter lateral des inneren Leistenrings inzidiert.
Mittels Schere oder Dissektor wird medial der epi
gastrischen Gefäße zwischen Blase und Rektushinterwand eine sorgfältige Präparation bis zum Cooper-
Ligament durchgeführt.
55 Nach Darstellung der Symphyse wird das Peritoneum
mit dem Bruchsack stumpf von den epigastrischen
Gefäßen, dem Ductus deferens und den Samenstranggefäßen abpräpariert.
55 Das Kunststoffnetz wird aufgerollt und über den
12-mm-Trokar eingebracht. Mittels Fasszangen wird
es so platziert, dass es alle Bruchpforten abdeckt.
Bei doppelseitigen Hernien wird das zweite Netz in
gleicher Weise eingeführt.
55 Das Netz wird spannungsfrei eingebracht und kann
mit wenigen Clips v. a. medial und ventral an dem
Cooper-Ligament fixiert werden.
55 Das Peritoneum muss mit fortlaufender endoskopischer Naht oder Clips sicher verschlossen werden,
um Darmadhäsionen zu vermeiden.
55 Unter Sicht werden die Trokare entfernt, das CO2 abgelassen und die Inzisionen verschlossen.
j
jTotale extraperitoneale Plastik (TEP)
Im Gegensatz zur TAPP wird bei der TEP als wesentlicher
Schritt über einen Dilatator oder mittels konventioneller oder
endoskopischer Instrumente sowie der Optik selbst ein präperitonealer Raum geschaffen (vgl. 7 Kap. 12, . Abb. 12.15).
OP-Ablauf: Totale extraperitoneale Plastik (TEP)
55 Nach der Inzision neben oder unterhalb des Nabels
von ca. 1 cm wird das subkutane Gewebe mittels
Langenbeck-Haken auseinandergedrängt bis die
Faszie bzw. das vordere Blatt der Rektusscheide zu
sehen ist. Diese wird inzidiert und mit dem Langenbeck-Haken wird die Rektusmuskulatur ventral an
gehoben.
55 Mit einem Stieltupfer (laparoskopisch) wird auf dem
hinteren Blatt der Rektusscheide stumpf in Richtung
Symphyse eingegangen. Anschließend wird in die
gleiche Richtung der Dilatator unter Sicht und Tasten
bis zum Tuberculum pubicum vorgeschoben. Dieser
wird mit Blasebalg und Raumluft entfaltet. So wird
das Gewebe auseinandergedrängt und ein künstlicher präperitonealer Raum geschaffen.
7
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
154
7
55 Nun wird der Dilatator gegen einen Ballontrokar ausgetauscht. In der Mitte zwischen Nabel und Symphyse
wird ein 5-mm-Trokar mit Gewinde, um einen sicheren Halt zu gewährleisten, eingebracht. Über diesen
Trokar wird mittels Schere oder Dissektor stumpf die
laterale Dissektion ergänzt. Etwa 2 cm neben der
Spina iliaca wird der 10- oder 12-mm-Trokar eingebracht.
55 Es erfolgen die gleichen präparatorischen Schritte
wie bei der TAPP (s. o.), der Bruchsack wird in diesem
Fall in Richtung Bauchraum abgedrängt. Das eng zusammengerollte Netz wird mittels Dissektor eingebracht, mit Fasszangen ausgebreitet und so platziert,
dass die Bruchpforte vollständig überdeckt ist. Wird
das Netz nicht mit Clips fixiert, muss unter Sicht das
Gas langsam abgelassen werden, damit so die korrekte Netzposition bis zum Kontakt mit dem Peritoneum beobachtet werden kann.
55 Bei einer doppelseitigen Hernie können meistens die
Trokare bleiben, über den in der Mittelinie platzierten Trokar wird ein präperitonealer Raum zur anderen Seite geschaffen.
55 Die Entfernung der Trokare sowie die Versorgung der
Trokarinzisionen werden wie bei der TAPP-Technik
beschrieben durchgeführt.
j
jHerniotomie bei inkarzierierter Hernie
Die inkarzerierte Hernie bedeutet eine Einklemmung des
Bruchinhalts, die zur Nekrose führen kann.
Meist wird über eine Herniolaparotomie die Externusaponeurose gespalten, der D. spermatikus und der Bruchsack wie
üblich dargestellt, der Bruchsack wird freipräpariert. Das Peritoneum wird eröffnet und der Bruchsackinhalt kann beurteilt werden. Entweder kann er reponiert werden oder es müssen Anteile, die sich nicht erholt haben, z. B. Darm oder Netz,
nach der Versorgung der Bruchpforte, über eine gesonderte
Laparotomie reseziert werden. Manchmal kann dies auch
über die Bruchpforte geschehen.
>>Für die gesonderte Laparotomie halten wir das Zusatz-
instrumentarium sowie ein Sperrer-System bereit.
Leistenbruch bei Frauen
Ein Leistenbruch bei der Frau ist sehr selten anzutreffen. Dabei handelt es sich fast immer um eine indirekte Hernie. Der
Bruchsack liegt oberhalb des Leistenbands. Das operative
Verfahren entspricht dem Vorgehen beim Mann.
7.2.2
Schenkelhernie (hernia femoralis)
Schenkelhernien treten überwiegend bei Frauen auf und sind
immer erworben. Sie finden sich unterhalb des Leistenbands
häufig medial der A. und der V. femoralis und haben oft eine
sehr kleine Bruchpforte. Die Inkarzeration als Komplikation
einer Schenkelhernie ist wegen der bedrängten anatomischen
Verhältnisse in der Region recht häufig. Das operative Vorgehen entspricht im Wesentlichen der offenen Hernioplastik bei
einem Leistenbruch.
Bei kleinen Hernien ist es oft ausreichend, die Bruchlücke
mit einem nichtresorbierbaren Faden einzuengen. Hierbei
muss beachtet werden, dass der Blutfluss der V. femoralis dabei ungestört bleibt. Anderenfalls ist die Implantation eines
Kunststoffnetzes möglich.
7.2.3
Nabelhernie (hernia umbilicalis)
Die Nabelhernie entsteht im Erwachsenenalter häufig durch
eine Schwächung der Bauchdecke durch Alter und erhöhten
abdominalen Druck (z. B bei Adipositas). Sie ist die zweithäufigste Hernienform beim Erwachsenen. Die Bruchpforte bildet der Anulus umbilicalis, der sog. Nabelring. Durch diese
Faszienlücke, die sich ausweitet, können Bauchhöhleninhalte
austreten. Das Risiko einer Inkarzeration liegt im Verlauf bei
etwa 30%, daher sollten Nabelhernien grundsätzlich operativ
versorgt werden.
Bei kleinen Hernien werden nur die Faszienränder dargestellt und die Lücke quer mit nicht resorbierbaren Einzelknopfnähten verschlossen. Der Bauchnabel wird mit einer
Naht an die Faszie refixiert (OP nach Spitzy).
Bei größeren Hernien wird für einen spannungsfreien
Verschluss ein Kunststoffnetz verwendet. Der größere
Bruchsack wird dargestellt, reseziert und das Peritoneum verschlossen. Das eingebrachte Netz wird platziert und mit
nichtresorbierbaren Nähten fixiert. Die Faszienränder werden dargestellt und verschlossen, der Nabel wird refixiert.
7.2.4
Epigastrische Hernie
Die epigastrische Hernie ist ein Bruch in der Mittelinie des
Oberbauchs oberhalb des Nabels. Die Bruchpforte entsteht in
der Linea alba, einem Sehnenstreifen, der von der Sehnenhaut
der seitlichen Bauchmuskeln gebildet wird. Der Bruch kann
Teile des großen Netzes, in seltenen Fällen auch Dünndarmanteile enthalten.
Die epigastrische Hernie ist meist sicht- oder tastbar und
entsteht durch erhöhten Bauchinnendruck bei z. B. chronischem Husten oder starkem Pressen infolge von Verstopfung.
Sie kommt bei Männern und Frauen gleichermaßen vor.
Für die Operation einer epigastrischen Hernie werden
neben dem Grundinstrumentarium ggf. Allis-Klemmen
(. Abb. 7.3) sowie ein Laparotomiesieb benötigt. Als Zusatzmaterialien werden verschiedene resorbierbare und nichtresorbierbare Nähte, in Einzelfällen auch ein Kunststoffnetz
vorbereitet.
155
7.3 · Ösophagus
..Abb. 7.3 Allis-Klemme. (Mit freundlicher Genehmigung der
Fa. Aesculap AG)
7.2.5
Narbenhernie
Narbenhernien sind mit durchschnittlich 10% eine häufige
Spätkomplikation in der Viszeralchirurgie. Meistens werden
die Hernien im ersten postoperativen Jahr auffällig. Sie entstehen durch vorbelastetes Gewebe, durch Stoffwechselerkrankungen oder Adipositas. Infektionen oder ungeeignete
Nahttechniken beim Faszienverschluss spielen ebenfalls eine
Rolle bei der Entstehung.
Die Dringlichkeit der Operation einer Narbenhernie wird
durch Größenzunahme, Einklemmung oder kosmetische
Gründe bestimmt.
Für die Operation der Narbenhernie wird der Patient in
Rückenlage mit leichter Überstreckung auf einem geraden
Operationstisch positioniert.
Neben dem Grundinstrumentarium werden Laparotomieinstrumente vorbereitet. Resorbierbare Kunststoffnetze
sowie resorbierbare und nichtresorbierbare Nahtmaterialien
liegen bereit.
Eine komplette Eröffnung der Narbe mit deren Exzision
ist wichtig, um mögliche weitere kleinere Brüche (sog. Gitterbrüche) nicht zu übersehen. Während der Präparation des
Bruchsacks und der Darstellung der Faszienränder werden
mögliche insuffiziente Faszienanteile reseziert. Der Bruchsack
wird eröffnet, reponiert und abgetragen.
Für die spannungsfreie Reparation der Bruchpforte eignen sich verschiedene Operationsverfahren:
takten Bruchrändern fixiert werden. Der Kontakt zur Darmoberfläche muss, um späteren Verwachsungen entgegenzuwirken, vermieden werden.
Man unterscheidet je nach Position des Netzes verschiedene Einlegetechniken:
44Bei der Onlay-Technik wird das Netz auf die Faszie gelegt. Dies verlangt grundsätzlich eine stabile Naht der
Muskelaponeurose. Ist dies nicht gegeben, bildet sich in
der Muskulatur eine Hernie aus, die dann früher oder
später am Rand des Kunststoffnetzes in Erscheinung
tritt.
44Von einer Inlay-Technik sprechen wir, wenn das Netz
zwischen dem vorderen und hinteren Blatt der Rektusscheide eingebracht wird. Auch hier kann das Verankern
im Gewebe problematisch sein und später zu Rezidiven
führen.
44Die sog. Sublay-Technik setzt sich aufgrund niedriger
Rezidivraten immer mehr durch. Das Netz wird im präperitonealen Raum auf dem hinteren Blatt der Rektusscheide und der Faszia transversalis platziert. Durch den
Bauchinnendruck werden nur wenige Nähte benötigt,
um das Netz zu fixieren. Lediglich bei größeren Muskeloder Fasziendefekten muss das Netz fest verankert werden. Bei dieser Implantation muss immer auf ein intaktes Peritoneum geachtet werden, um einen Kontakt zwischen Fremdmaterial und Darm zu vermeiden.
Der schichtweise Bauchdeckenverschluss beendet den Eingriff.
Grundsätzlich kann die Operation auch minimal-invasiv
durchgeführt werden. Hierbei muss allerdings Netzmaterial
verwendet werden, das Kontakt mit dem Darm haben darf,
weil es nicht zu Verwachsungen führt (z. B. Physiomesh, Proceed).
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.2
55 Was bereiten Sie für eine Hernioplastik nach Lichtenstein vor? Beschreiben Sie kurz den Operationsverlauf.
55 Welche endoskopischen Versorgungen einer Leistenhernie kennen Sie?
55 Wodurch unterscheiden sich die Begriffe «Gleithernie»
und «symptomatische Hernie»?
j
jStoß-auf-Stoß-Naht bei tragfesten Nahträndern
Eine primäre Narbenhernie unter 4 cm kann konventionell in
direkter Nahttechnik verschlossen werden. In der Regel wird
mit einem monofilen, nichtresorbierbaren Faden, in Einzelknopftechnik oder fortlaufend die Naht gelegt, die Muskel
und Faszie ca. 1,5 cm umgreift, um so einen soliden Faszienverschluss zu ermöglichen.
j
jImplantation von Fremdmaterialien
Bei größeren infektfreien Narbenhernien wird vorwiegend
ein nichtresorbierbares Kunststoffnetz eingelegt. Diese haben
den Vorteil, von Narbengewebe durchdrungen zu werden, so
kann sich im Verlauf der Heilung eine feste Narbenplatte bilden. Das implantierte Material muss breitflächig an den in-
7.3
Ösophagus
Candy Agopian, Jens Köpcke
Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein ca. 25 cm langer, dehnbarer Muskelschlauch. Er beginnt auf Höhe des 6. Halswirbels
bzw. des Ringknorpels und führt hinter der Trachea ( Luftröhre)
hinab durch das Diaphragma (Zwerchfell) in den Magen.
Der Ösophagus verläuft durch drei Engstellen: Die erste
und zudem engste Stelle befindet sich im Bereich des Ringknorpels und wird als Ringknorpelenge bezeichnet. In Höhe
der Bifurkation (Aufteilung) der Trachea (Luftröhre) wechselt
7
156
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
die Aorta ihren Verlauf um den Ösophagus herum und verursacht zusammen mit dem linken Hauptbronchus die zweite
Enge, die sog. Aortenenge. Die dritte Enge befindet sich im
Durchtritt des Ösophagus durch das Diaphragma und wird
deshalb als Zwerchfellenge bezeichnet.
Der Wandaufbau von innen nach außen:
44Mukosa mit einer muskeleigenen Schicht (Lamina muscularis mucosae),
44Submukosa mit dem Plexus submucosus und der
44Muscularis mit dem Plexus myentericus.
7
Die Muskulatur im oberen Bereich besteht aus quergestreifter,
im mittleren Anteil besteht sie aus quergestreifter und glatter
Muskulatur und in dem unteren Teil aus glatter Muskulatur,
die in zwei Zugrichtungen angelegt ist. Die innere Schicht
verläuft ringförmig und die Äußere verläuft in Längsrichtung.
Die äußere Muskelschicht ist nicht gleichmäßig stark ausgeprägt. Es gibt muskuläre Schwachstellen (z. B. Laimer-Dreieck
und Killian-Dreieck).
Im oberen Bereich des Ösophagus verbindet lockeres
Bindegewebe den Ösophagus mit Nachbargewebe (sog.
Adventitia), in dem die größeren versorgenden Gefäße, Nervenfaserbündel und Lymphgefäße des Ösophagus verlaufen.
Die Gefäßversorgung der Speiseröhre wird im oberen Abschnitt durch die A. thyreoidea inferior (untere Schilddrüsenarterie), im mittleren Ösophagus durch die Aorta und die
Aa. intercostales (Zwischenrippenarterien) und im abdominalen Bereich durch die A. gastrica sinistra (linke Magen
arterie) gewährleistet.
Über die Vv. oesophageales, V. azygos und V. hemiazygos
fließt das venöse Blut in die V. cava superior (obere Hohl
vene).
Die Innervation der Speiseröhre ist sehr komplex und
wird durch sympathische und parasympathische Nerven
fasern gesteuert, wobei Schluckakt, Drüsensekretion und
Ösophagusperistaltik als ein System funktionieren.
7.3.1
Divertikel
An den genannten muskelschwachen Stellen bildet sich u. U.
bei erhöhtem Druck innerhalb der Speiseröhre eine Ausstülpung (Divertikel) der Schleimhaut. Dabei werden Mukosa
und Submukosa durch die Muskelschicht nach außen gedrückt. Sie werden als Pulsionsdivertikel bezeichnet. Wenn
alle Wandschichten sich nach außen stülpen, wird von einem
Traktionsdivertikel gesprochen.
Am häufigsten entsteht die Ausstülpung der Schleimhaut
als sog. Zenker-Divertikel (. Abb. 7.4) am Killian-Dreieck.
Die Ausbildung dieses Divertikels hängt häufig mit der erhöhten Anspannung des M. cricopharyngeus zusammen. Der
Patient hat u. a. Symptome wie Schluckstörungen oder ein
Fremdkörpergefühl im Hals. Divertikel können sich ent
zünden und eine Perforation (Entstehen eines Lochs) ist möglich. Die Diagnose kann durch eine Ösophagographie mit
Kontrastmittel sowie durch eine starre oder flexible Öso
phagoskopie gestellt werden.
a
b
..Abb. 7.4a, b Zenker-Divertikel. a Anatomie, b typische Lokalisation.
Aus: Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie, mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl.
Springer, Berlin Heidelberg New York
j
jAbtragung eines Zenker-Divertikels
44Bei ausgeprägten Symptomen kann die Entfernung eines
Zenker-Divertikels (Divertikulektomie) notwendig werden. Dazu erfolgt in der Regel ein chirurgischer Eingriff.
Über einen Hautschnitt am Hals wird die Ausstülpung
freipräpariert und anschließend mit einem Klammernahtinstrument von der Speiseröhre abgetrennt. Die
Spaltung des M. cricopharyngeus (Myotomie) ist bei diesem Eingriff möglich.
Als Alternative zur offenen Operation kann auch eine endo
skopische Durchtrennung der Schweidewand (Septotomie)
zwischen dem Ösophaguslumen und dem Divertikel erfolgen.
7.3.2
Refluxösophagitis
Im Normalzustand ist die Speiseröhre durch einen oberen
sowie einen unteren Schließmuskel, der sog. Ösophagus
sphinkter, verschlossen. Nach Beginn des Schluckvorgangs
erschlafft der obere Sphinkter, und Nahrung kann in die
Speiseröhre gelangen. Wellenförmige Bewegungen durch das
Zusammenziehen der längs- und querverlaufenden Muskeln
der Ösophaguswand (Peristaltik) befördern den Speisebrei
weiter. Dieser gelangt durch Entspannung des unteren
Sphinkters in den Magen.
Bei Fehlfunktion des unteren Ösophagusspinkters kann
Mageninhalt zurück in die Speiseröhre treten. Im Erwachsenenalter entsteht durch diesen gastroösophagealen Reflux
oftmals eine Entzündung, die sog. Ösophagitis. Die Patienten
stoßen sauer auf und klagen über Sodbrennen. Eine langanhaltende Refluxösophagitis kann die Entstehung eines
Ösophaguskarzinoms begünstigen.
Das Ausmaß einer Refluxösophagitis lässt sich in vier Stadien unterteilen:
157
7.3 · Ösophagus
44In Stadium I ist eine oberflächliche Schleimhautveränderung vorhanden.
44In Stadium II sind bereits längs zusammenfließende
Läsionen sichtbar.
44Im Stadium III verlaufen die Läsionen bereits zirkulär und
44im Stadium IV sind Komplikationen wie Stenosen und
Ulzera vorhanden.
vativen Behandlung erreicht wird. Als Operation kommt
dann eine Fundoplicatio mit Hiatoplastik (7 Abschn. 7.4.1)
in Betracht.
7.3.3
Ösophagustumoren
In der Speiseröhre können sowohl benigne als auch maligne
Tumoren auftreten.
Zu den gutartigen Tumoren zählen Leiomyome, entero
gene Zysten, Adenome, Hamartome, Lipome und Fibrome.
Bei der Hälfte aller Patienten mit gutartiger Neubildung von
Gewebe ist der Tumor symptomlos, sonst bestehen Dysphagie und Schmerzen.
Zu den diagnostischen Maßnahmen gehört u. a. eine Endo
skopie (7 Kap. 21).
Die Therapie der Refluxösophagitis beginnt konservativ
(z. B. mit einem Medikament, das die Magensäureausschüttung hemmt). Die chirurgische Therapie ist bei Patienten erforderlich, wenn keine Beschwerdefreiheit mit einer konser-
Lymphabfluss
Zervikaler
Ösophagus
1
III
suprabifurkal
Thorakaler
Ösophagus
III
2
infrabifurkal
I
I
Diaphragma
Terminaler
Ösophagus
III
3
a
Lymphknoten Truncus coeliacus
b
I
I
Primärtumor
II
III
III
III
II
I
Primärtumor
I
III
II
I
III
II
II
I
I
III
I
III
c
..Abb. 7.5a–c Ösopaguskarzinom. a Schematische Darstellung des
Lymphabflusses des Ösophagus. b, c Lymphknotenkompartments beim
Ösophaguskarzinom. Lokalisation des Primärtumors infrabifurkal (b) und
suprabifurkal (c). Aus: Siewert JR, Rothmund M, Schumpelick V (2010)
Praxis der Viszeralchirurgie Onkologische Chirurgie, 3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
7
158
7
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
Unterschieden wird zwischen intramuralen (innerhalb
der Wand der Speiseröhre) und intraluminalen (im Lumen
der Speiseröhre) Tumoren. Männer sind doppelt so häufig
betroffen wie Frauen.
Maligne Tumoren treten im unteren oder mittleren Drittel des Ösophagus auf.
Das Ösopghaguskarzinom ist ein Sammelbegriff für alle
epithelialen bösartigen Neubildungen im Ösophagus, wir unterscheiden zwischen Plattenepithel- und Adenokarzinomen.
Wenn möglich, ist die chirurgische Entfernung anzustreben.
Typisch für das Ösophaguskarzinom ist die frühe lymphogene Metastasierung, bedingt durch sehr gute lymphatische
Versorgung der Ösophaguswand (. Abb. 7.5). Die Metastasierung über die Blutbahn erfolgt proximal über die Vv. thyreoideae, V. azygos oder V. hemiazygos in die V. cava superior.
Zunächst wächst ein bösartiger Tumor in der Speiseröhre
symptomlos. Später treten Schluckstörungen (Dysphagie)
und ein Druckgefühl unter dem Brustbein (Glomusgefühl)
auf. Heiserkeit ist ein Indiz für die Infiltration des N. recurrens und Husten für die Infiltration der Trachea. Im Spätstadium kommen Tumorkachexie (Abmagerung) und Schmerzen (durch Infiltration des Mediastinums) hinzu.
Nur durch eine radikale Entfernung des tumortragenden
Abschnittes der Speiseröhre mit den dazugehörigen Lymphknoten kann bei einem Ösophaguskarzinom eine dauerhafte
Heilung erzielt werden. Die operative Therapie wird bei fortgeschrittenen Tumoren durch Chemotherapie und Radiatio
unterstützt (neoadjuvante Radiochemotherapie). Dabei gelingt es, Tumoren zu verkleinern und die Grenzen der Operabilität zu erweitern.
Ist eine radikale Operation nicht möglich, wird die Radiochemotherapie als Hauptbehandlung angewendet. Dazu wird
versucht, die Durchgängigkeit der Speiseröhre aufrechtzuerhalten, entweder mit einem Platzhalter (Tubus, Stent) oder
durch die Verkleinerung der Tumormasse (Laser, Argonplasmakoagulation).
Die Art der Ösophagusresektion (Teilentfernung der
Speiseröhre), was den Zugang, das Ausmaß der Lymphknotenausräumung und die Methode der Wiederherstellung des
Speisegangs anbelangt, ist sehr stark von der Lage des Tumors
abhängig. Tumoren am unteren Ende der Speiseröhre können
über die Bauchhöhle entfernt werden (transabdominelle Ösophagusresektion). Bei Tumoren im mittleren und oberen Ösophagusdrittel kommt meistens ein 2-Höhleneingriff in Frage
(abdomino[rechts]thorakale Ösophagusresektion). Der resezierte Teil des Ösophagus wird in der Regel durch einen Hochzug des Magens ersetzt.
Zur Diagnose werden über eine Endoskopie Biopsien entnommen, um das Ausmaß der Krebserkrankung zu sichern.
Hat der Tumor schon Kontakt zur Trachea oder/und dem
Bronchialsystem, ist eine chirurgische Therapie kritisch zu
überdenken. Zur Abklärung der Lagebeziehungen wird eine
CT durchgeführt, aber auch die klassische Breischluck-Röntgenuntersuchung gibt Aufschluss über z. B. vorhandene Fistelgänge.
j
jAbdomino(rechts)thorakale Ösophagusresektion
Die subtotale Entfernung des Ösophagus wird in der Regel
von rechts über einen abdominalen und einen thorakalen Zugang durchgeführt. Bei der Operation wird der entfernte Abschnitt der Speiseröhre durch Hochzug eines Magenschlauchs
ersetzt, dabei kann ein Teil der Präparation endoskopisch
durchgeführt werden.
OP-Ablauf: Ösophagusresektion
55 Zu Beginn der Operation liegt der Patient in Rückenlage. Intraoperativ erfolgt eine Umlagerung auf die
linke Seite des Patienten. Wir benötigen deshalb ein
weiteres Set mit sterilen Abdecktüchern.
55 Für eine Ösophagusresektion ist ein umfangreiches
Instrumentarium erforderlich. Wir bereiten das
Grund-, Laparotomie-, Gefäß- und Thoraxinstrumentarium vor. Außerdem brauchen wir ein Rahmen
system bzw. verschiedene Sperrer, eine große Metallschüssel zum Wärmen der Spüllösung sowie verschiedene Klammernahtinstrumente.
55 Für den Fall, dass ein Teil der Operation minimal-invasiv durchgeführt werden soll, halten wir die Materia
lien, Instrumente und Geräte für ein laparoskopisches
Vorgehen bereit.
55 Der Patient wird mit einem Doppellumentubus in
tubiert, damit jederzeit die eine Seite der Lunge aus
der Beatmung genommen werden kann.
55 Nach der Hautdesinfektion, der sterilen Abdeckung
und dem standardisierten Team-Time-Out kann der
Zugang zur Bauchhöhle über eine mediane Längsoder quere Oberbauchlaparotomie erfolgen.
55 Anschließend findet eine Exploration des Situs statt.
Mögliche Verwachsungen des Darms werden gelöst.
Es folgt die Mobilisation des linken Leberlappens,
nun kann die Platzierung eines Leberhakens erfolgen, um die Leber beiseite zu halten.
55 Nach Durchtrennung des Omentum minus wird
die rechte Seite der Stelle, an der die Speiseröhre
durch das Zwerchfell tritt (Hiatus oesophageus),
sichtbar. Oberhalb der Durchtrittstelle wird das
Bauchfell bogenförmig eröffnet, die weitere Präparation des Zwerchfells findet mit Overholt-Klemmen
und Umstechungsligaturen statt.
55 Nach Anschlingen des Ösophagus mit Gummizügeln
beginnt die Skelettierung an der großen Magenkurvatur. Hierzu ist eine Durchtrennung des Lig. gastrocolicum nötig. Das große Netz wird vom Kolon
entfernt und die Bursa omentalis durch das Hochschlagen des Magens eröffnet.
55 Die Lymphknoten oberhalb der Bauchspeicheldrüse
und diejenigen um den Truncus coeliacus können
mit einer langen Allis-Klemme (. Abb. 7.3) entfernt
werden. Nach einer Entfernung erfolgt die Abgabe
der Lymphknoten zur histologischen Untersuchung.
Der Instrumentant benennt die einzelnen Präparate
159
7.3 · Ösophagus
und der Springer achtet auf die korrekte Beschriftung der Transportgefäße sowie des Begleitscheins
(7 Abschn. 4.9.1).
55 Die Magenarterien (Aa. gastricae dextra et sinistra)
werden mit einer feinen Overholt-Klemme unterfahren und dicht an den Abgängen aus der A. hepatica
communis bzw. dem Truncus coeliacus ligiert und abgesetzt. Die vollständige Mobilisation des Magens erfolgt nach der Präparation der Milzarterie und der kleinen Kurvatur mit Entfernung weiterer Lymphknoten.
55 Nach Abschluss der Präparation wird mit einem linearen Klammernahtinstrument (und mehreren Nach
ladeeinheiten) aus dem Magen ein Schlauch gebildet
(. Abb. 7.6). Dazu kann der Magen mit einer Organ
fasszange (z. B. nach Duval, . Abb. 7.7) gefasst und
angespannt werden.
55 Eine Übernähung der Klammernaht mit resorbier
barem Nahtmaterial der Stärke 3-0 ist möglich. Der
Magenschlauch wird mit monofilen, resorbierbaren
Fäden (z. B. der Stärke 2-0) an das geplante Resektat
genäht und ist so für den Hochzug an den Ösophagusstumpf vorbereitet.
55 Es folgen die Spülung der Bauchhöhle, die Zähl
kontrolle, der Bauchdeckenverschluss und der sterile
Wundverband.
55 Vor der Hautnaht entfernt der Instrumentant seine
Instrumentier- und Beistelltische, um das Instrumentarium steril zu halten.
55 Nach der Umlagerung des Patienten auf die linke
Seite, der Hautdesinfektion des OP-Gebietes und
dem sterilen Abdecken erfolgt der Zugang über eine
seitliche Thorakotomie (7 Abschn. 10.2) im 4.–6. ICR
(Interkostalraum).
55 Weil die Pleura mediastinalis im Rahmen der En-blocResektion mit entfernt wird, muss hier im Bereich
des Perikards (Herzbeutels) und neben dem rechten
Hauptbronchus eine Inzision gelegt werden. Mit
einer langen Präparierschere oder einem Ultraschallinstrument wird das Fettgewebe mit Lymphknoten
im Mediastinum von der Aorta abpräpariert. Häufig
ist die Durchtrennung der V. azygos erforderlich.
Die Verwendung eines Klammernahtinstruments ist
möglich.
55 Die Speiseröhre wird von der Aorta freipräpariert, mit
einem Overholt unterfahren und mit kräftigen Gummizügeln angeschlungen. Die von der Aorta abgehenden Gefäße werden unterbunden und
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