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coinad

4/6/26

 radiologisches

Schnittbildverfahren und erzeugt Querschnittsbilder des

durchstrahlten Objekts. Hierzu wird eine Röntgenröhre in

einer Kreisbahn um den auf dem Untersuchungstisch liegenden Patienten bewegt. Gegenüber der Röhre befindet sich ein

Detektorsystem als Bildempfänger, das sich ebenfalls mit der

Röhre um den Patienten bewegt. Die Röntgenröhre und das

Detektorsystem sind neben weiteren elektronischen Bauteilen

in einem ringartigen Gehäuse, der Gantry, untergebracht. Der

Untersuchungstisch mit dem dort gelagerten Patienten bewegt sich während der Aufnahme kontinuierlich oder schrittweise durch diesen Ring.

Die vom Detektor registrierten Signale werden in einem

Bildrechner zu Schichtaufnahmen verarbeitet. Die heutigen

Geräte können zahlreiche Schichten simultan aufnehmen.

Die meisten im Einsatz befindlichen Mehrschicht-CT-Systeme erfassen 64 oder 128 Schichten von 0,5–0,75 mm Schichtdicke. Aus diesen sehr dünnen Schichten werden für die dia-


gnostische Betrachtung meist 3–5 mm dicke Schichten fusioniert. Auf Grund der sehr feinen, primären Schichtdicke gelingt es trotz der transversalen Aufnahmerichtung problemlos

Bildrekonstruktionen in sagittaler oder koronarer Orientierung anzufertigen. Mit geeigneter Software lassen sich auch

eindrucksvolle dreidimensionale Rekonstruktionen des untersuchten Körpers anfertigen, die eine sehr genaue anatomische Orientierung ermöglichen.

Die Untersuchung dauert bei den modernen Mehrschichtsystemen nur noch wenige Sekunden für die Abtastung von Thorax oder Abdomen. Die hohe Detailgenauigkeit

der Aufnahmen und die schnelle unkomplizierte Untersuchungsdurchführung haben die Computertomographie zur

zentralen radiologischen Methode werden lassen, die insbesondere in der Notfalldiagnostik aber auch in vielen anderen

Indikationen eingesetzt wird. Im Vergleich mit der konventionellen Projektionsradiographie ist die Empfindlichkeit der

CT in der Darstellung pathologischer Veränderungen deutlich höher.

Durch die intravenöse Injektion eines jodhaltigen Röntgenkontrastmittels lassen sich nichtinvasiv Gefäße darstellen

und die Durchblutung von Organen und Tumoren beurteilen.

Nachteil der CT ist die relativ hohe Strahlenexposition für den

Patienten. Je nach Untersuchung und untersuchtem Organ

liegt die Strahlenbelastung um den Faktor 20–100 über derjenigen der vergleichbaren Röntgenaufnahme. Somit ist die

Indikation zur CT besonders eng zu stellen, aufgrund des sehr

hohen Informationsgehalts ist die Computertomographie

aber aus dem klinischen Alltag nicht wegzudenken.

2.9.8


Magnetresonanztomographie


Die Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie) ist ein komplexes Schnittbildverfahren, welches auf der

sog. Kernresonanz beruht. Der zu untersuchende Patient wird

im MRT einem sehr starken Magnetfeld ausgesetzt, welches

im Körper zur Ausrichtung magnetischer Dipole führt. Die

Geräte besitzen meist einen ringförmigen tunnelartigen Magneten, in dessen Tunnel (Bohrung) der Patient auf einem

Untersuchungstisch liegend in das Magnetfeld eingebracht

wird. Durch Einstrahlung von Hochfrequenzimpulsen mit

der spezifischen Resonanzfrequenz der Dipole im Körper

werden diese angeregt und nach Abschalten des Impulses

wird die aufgenommene Energie wieder abgestrahlt und kann

von empfindlichen Antennen (Empfangsspule), die dicht am

Patienten angebracht sind, aufgezeichnet werden.

Unterschiedliche Anregungstechniken erzeugen eine große Zahl an Bildkontrasten, was eine sehr genaue Analyse von

Gewebeparametern erlaubt. Die MRT ist das Verfahren mit

dem höchsten Weichteilkontrast und ist insbesondere in der

Diagnostik des Hirns eingesetzt, liefert aber auch sehr gute

Bilder von inneren Organen und eignet sich exzellent für die

Untersuchung von Muskeln, Bändern und Gelenken.

Als Verfahren ohne ionisierende Strahlung ist die MRT

ohne Patientengefährdung, sofern einige Sicherheitsregeln

beachtet werden, einsetzbar. Das sehr starke Magnetfeld zieht


69

2.9 · Röntgendiagnostik


magnetisierbare Metalle mit großer Kraft an, sodass Metallteile (Rollstuhl, Bett, Infusionspumpe) nicht in den Unter­

suchungsraum gebracht werden dürfen. Der Patient darf

­keine magnetisierbaren Metallteile (Granatsplitter, Piercings)

haben.

Viele medizinische Implantate (Osteosynthesematerial,

Stents, Herzklappen) sind MR-kompatibel, d. h. sie können

dem Magnetfeld ausgesetzt werden, ohne den Patienten zu

schädigen oder selber beschädigt zu werden. Selbst Herzschrittmacher sind mittlerweile als MR-kompatible Systeme

erhältlich. Da anderseits zahlreiche implantierte Systeme

­weiterhin nicht MR-tauglich sind, muss im Einzelfall geklärt

werden, ob eine MR-Untersuchung möglich ist.

2.9.9


Sonographie


Die Sonographie ist ein digitales Schnittbildverfahren und

beruht auf der Aussendung von Schallwellen im nicht hörbaren Ultraschallspektrum in das zu untersuchende Gewebe

und dem Empfang der im Gewebe reflektierten Schallwellen

(Echo).

Schallwellen sind mechanische Schwingungen und breiten sich im Gewebe aus. Trifft der Schall beim Durchtritt

durch das Gewebe auf Grenzflächen von Gewebearten mit

unterschiedlicher Schallleitungsfähigkeit, werden die Schallwellen je nach lokalen Gegebenheiten reflektiert, gebrochen,

absorbiert oder gestreut. Dies ist die Grundlage für die Bildentstehung.

Über einen Schallkopf, der auf das zu untersuchende Gewebe aufgesetzt wird, werden Schallwellen in das Gewebe

ausgesendet. Damit die Schallwellen ungehindert ohne

Grenzflächen in das Gewebe eindringen können, wird zwischen Schallkopf und Haut ein wasserhaltiges Gel aufgetragen. Der Schallkopf ist gleichzeitig Sender und Empfänger.

Die im Gewebe veränderten und reflektierten Schallwellen

werden am Schallkopf wieder registriert.

Die am Echo erkennbare Veränderung der Stärke (Amplitude) der ausgesandten Schallwelle gibt ebenso wie die Reflexion (Laufzeit der Schallwelle im Gewebe bis zur Rückkehr

an den Schallkopf) Informationen über das durchstrahlte

Gewebe. Aussendung, Empfang und Bildberechnung erfolgen so schnell, dass mehr als 20 Bilder pro Sekunde erzeugt

werden und das Bild am Monitor die Gegebenheiten in der

untersuchten Region in Echtzeit darstellen. Die Sonographie

ist durch die hohe zeitliche Auflösung sehr gut zur Darstellung von Bewegung geeignet und wird intensiv in der Herzdiagnostik (Echokardiographie) genutzt. Durch spezielle

Techniken (Doppler- oder Farbduplexsonographie) ist es

möglich, mittels Sonographie fließendes Blut darzustellen

und Blutflussgeschwindigkeiten zu messen.

Die Sonographie ist ohne relevante Nebenwirkungen und

kann daher großzügig eingesetzt werden. Als kostengünstige,

aussagekräftige und schnell verfügbare Bildgebungsmethode

ist sie besonders in der Diagnostik von inneren Organen eingesetzt, eignet sich aber auch sehr gut für die Darstellungen

von Muskeln, Gelenken und als Farbduplexsonographie für


Gefäßuntersuchungen. Nachteil ist Abhängigkeit von einem

erfahrenen Untersucher. Neben qualitativ hochwertigen Geräten existieren auch sehr handliche tragbare Geräte, die unkompliziert am Patientenbett eingesetzt werden können.

2.9.10


Nuklearmedizin


In der nuklearmedizinischen Diagnostik werden Isotope (radioaktive Atome, Radionuklide) eingesetzt, die in sehr kleinen Mengen in den menschlichen Stoffwechsel eingeschleust

werden, um die Funktion von Organen zu prüfen und Stoffwechselvorgänge sichtbar zu machen. Nach Verabreichung

des Radionuklids tritt durch den Zerfall der Isotope

γ-Strahlung aus dem Körper aus. Mit einer Gammakamera

wird die Strahlung gemessen. Spezielle Blendensysteme (Kollimatoren) sorgen dafür, dass nur senkrecht auf den Detektor

auftreffende Strahlen zur Bilderzeugung beitragen, sodass

sich die Ausgangspunkte der γ-Strahlen im Körper exakt bestimmen lassen.

Die nuklearmedizinische Diagnostik ist vorwiegend

Funktionsdiagnostik und liefert im Vergleich zu den Röntgenverfahren nur sehr schlechte anatomische Details. Die

bildliche Darstellung der Aktivität der Nuklide im Körper ist

das Szintigramm. Im chirurgisch-operativen Umfeld hat die

Szintigraphie erst in den letzten Jahren durch das Konzept des

Wächterlymphknotens (Sentinel-Lymphknoten) größere

Bedeutung erlangt. Als Wächterlymphknoten wird der

Lymphknoten bezeichnet, der im Abflussgebiet der Lymphflüssigkeit eines bösartigen Tumors an erster Stelle liegt

(7 Kap. 11). Ist dieser Lymphknoten bereits von Tumorzellen

befallen, so finden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch

weitere Metastasen in der Umgebung. Ist der Wächterlymphknoten tumorfrei, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass weitere Lymphknotenmetastasen vorliegen, und die Lymphabflussgebiete müssen nicht radikal entfernt werden. Daher

kommt dem Status des Wächterlymphknoten (befallen oder

nicht befallen) große Bedeutung in der Entscheidung über

das Ausmaß der operativen Therapie des Tumors zu.

Der Wächterlymphknoten muss dafür zuverlässig identifiziert, herausoperiert und histologisch untersucht werden.

Durch die Lymphabflussszintigraphie kann der erste Lymphknoten im Abflussgebiet eines Tumors grob lokalisiert werden und durch eine Messsonde auf der Haut exakt nachgewiesen werden. Die Haut mit dem darunter liegenden Lymphknoten wird markiert und es kann dann gezielt operiert werden. Die Wächterlymphknotenmarkierung und -biopsie wird

insbesondere beim Brustkrebs, dem malignen Melanom und

dem Prostatakarzinom eingesetzt, kann aber auch bei anderen Tumoren (Vulvakarzinom, Peniskarzinom) sinnvoll sein.

Durch die sehr geringen injizierten Aktivitäten ist die

Strahlenexposition für den Patienten mit 0,5–1,5 mSv eher

gering. Für den Operateur oder das OP-Personal ist mit einer

je nach Abstand und Aufenthaltszeit variablen aber geringen

Strahlenbelastung im Bereich um 0,2–9 µSv zu rechnen.

Die nuklearmedizinischen Verfahren stehen nicht in Konkurrenz zu den anatomisch viel exakteren radiologischen


2


70


2


Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte


Verfahren, sondern ergänzen und erweitern die diagnostischen Möglichkeiten durch Informationen zur Funktion,

Durchblutung oder Rezeptorendichte. So lasst sich z. B. durch

eine Schilddrüsenszintigraphie ein Knoten nachweisen, der

eine erhöhte (heißer Knoten) oder erniedrigte (kalter Knoten) Stoffwechselaktivität hat (7 Kap. 7). Die Ultraschall­

untersuchung kann das zugrundeliegende Gewebe (solides

Material, Zyste) differenzieren, gibt aber zum Stoffwechsel

keine Informationen. Erst die Kombination beider Methoden

erlaubt in vielen Fällen eine sichere Interpretation der Be­

funde.

Durch spezielle Methoden wie SPECT (Single Photon

Emission Computed Tomography) oder PET (PositronenEmissions-Tomographie) lassen sich Schnittbilder der Aktivitätsverteilung erstellen, die eine bessere Lokalisationsdia­

gnostik ermöglichen. Durch Hybridsysteme (SPECT-CT,

PET-CT) gelingt es, die funktionelle und Stoffwechselinformation mit der detailgenaueren anatomische Abbildung der

CT in einem Untersuchungsgang simultan zu erfassen und in

einem Fusionsbild sichtbar zu machen. Insbesondere in der

Onkologie gewinnt die PET-CT immer größeren Stellenwert.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.9


55 Warum wird die Röntgenstrahlung auch als i­onisierende

Strahlung bezeichnet?

55 Warum sollte bei der Durchleuchtung eine gepulste

Strahlung eingesetzt werden?

55 Welche Organfunktion sollte vor einer Injektion eines

jodhaltigen Kontrastmittels überprüft werden?

55 Welche Medikamente werden zur Behandlung einer

Kontrastmittelunverträglichkeit eingesetzt?


Literatur

Rosenow D (2013) Neurochirurgie der Wirbelsäule. www.neurochirurgie-­

karlsruhe.de. Letzter Zugriff: 02.01.2014

Vogl TJ, Reith W, Rummeny EJ (2011) Diagnostische und interventionelle

Radiologie. Springer, Berlin Heidelberg New York

Internet

http://www.klsmartin.com/fileadmin/Inhalte/Downloads_Prospekte/

HF-Geraete/akt903_Kramme-Medizintechnik.pdf. Letzter Zugriff:

16.09.2017

http://www.micromed.com/de-DE/kataloge_download_hf- katalog_

nahtmaterial_handversorgung_feinnadeln_videos_flyer_dermato­

logie/. Letzter Zugriff: 16.09.2017

http://www.klsmartin.com/fileadmin/Inhalte/Downloads_Prospekte/

HF-Geraete/Handbuch_HF_2006_DE.pdf. Letzter Zugriff: 16.09.2017


71


Patienten fachkundig begleiten

und betreuen

Jens Köpcke, Margret Liehn


3.1


Definitionen von Gesundheit und Krankheit


3.1.1

3.1.2


Kranksein ist nicht gesund – 72

Entstehung von Gesundheit – 72


3.2


Subjektives Erleben von Gesundheit und Krankheit


3.2.1

3.2.2

3.2.3


Krankheitsverarbeitung – 74

Angst vor einer Operation – 74

Wahrnehmen und Beobachten – 75


3.3


Persönlichkeitstheorien


3.3.1

3.3.2

3.3.3


Grundlagen der Tiefenpsychologie – 76

Grundlagen der humanistischen P

­ sychologie

Grundlagen der Verhaltenstheorie – 76


3.4


Das Kind im Krankenhaus (in der Funktionsabteilung)


3.5


Der Mensch im Alter


3.5.1

3.5.2


Krankheit im Alter – 77

Der alte Mensch als Patient


3.6


Der suizidgefährdete Patient

Literatur


– 72


– 72


– 76


– 76

– 77


– 77


– 77


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_3


– 76


– 76


3


72


Kapitel 3 · Patienten fachkundig begleiten und betreuen


Lernziele


3


55 Die Auszubildenden können Patienten in den Funk­

tionsbereichen fachgerecht betreuen und begleiten.

55 Sie können sich über den Patienten und über bevor­

stehende Eingriffe informieren.

55 Dabei können sie die für die Sicherheit und das Wohlbefin­

den der Patientin/des Patienten relevanten Daten erfassen.

55 Sie nehmen die individuellen psychischen und physischen

Bedürfnisse und Ressourcen des Patienten wahr und

können ihr Verhalten und ihr Handeln entsprechend aus­

richten.

55 Dabei berücksichtigen sie insbesondere altersbezogene,

geschlechtsbezogene und soziokulturelle Aspekte.

55 Sie können ihr Verhalten den wechselnden Erfordernis­

sen kontinuierlich anpassen.


3.1


Definitionen von Gesundheit

und Krankheit


Jede Krankheit hat ihre Symptome und voraussichtliche Ent­

wicklung, aber jeder Mensch empfindet Gesundheit wie auch

Krankheit anders. Um adäquat auf den einzelnen Patienten

eingehen zu können, müssen wir einige Definitionen kennen,

die uns in der Praxis helfen, eine ungewohnte Situation ein­

schätzen zu können.

Es gibt viele Definitionen von Gesundheit und Krankheit,

wichtig ist der Ausgangspunkt der Erklärung. Sicherlich be­

schreibt der Patient seine Situation im OP anders als wir,

die dort arbeiten. Damit sind bereits zwei wichtige Ausgangs­

punkte für die Erklärung von Gesundheit und Krankheit be­

stimmt:

44das Erleben, Wahrnehmen und Bewerten durch die be­

troffene Person und

44das Beobachten, Erkennen, Deuten, Bestimmen durch

Menschen, die in der Medizin oder im Gesundheits­

wesen arbeiten.

Darüber hinaus ist das Erleben oder das Deuten von Gesund­

heit und Krankheit geprägt durch gesellschaftliche Bedin­

gungen, die uns helfen, Zustände des Gesund- oder Krank­

seins zu erklären.

Die verschiedenen Ausgangspunkte werden auch als Be­

zugssysteme bezeichnet.

3.1.1


Kranksein ist nicht gesund


In der Medizin wird Krankheit häufig als das Gegenteil von

Gesundsein definiert. Eine Krankheit ist durch das Auftreten

von Beschwerden (Symptomen) gekennzeichnet. Diese lassen

sich eindeutig auf Ursachen zurückführen (Kausalitätsprin­

zip). Als Ursachen gelten z. B. die Fehlfunktion eines Organs,

die Störung des biologischen Gleichgewichts oder die Abwei­

chung von einem Normwert. Die sog. Pathogenese (Entste­

hung einer Erkrankung) beschreibt den gesamten Verlauf

­einer Krankheit von der Entstehung bis zum Erscheinungs­


bild. Ob eine Krankheit vorliegt, wird über ein methodisches

Vorgehen (z. B. Aufnahmegespräch, körperliche Untersu­

chung, bildgebende Verfahren) ermittelt. Danach legt sich der

Arzt auf eine Diagnose (griech. = Entscheidung) fest. Der

Patient ist entweder krank oder gesund.

Umgekehrt bedeutet Gesundheit nach dieser Definition

das Fehlen von krankhaften Veränderungen des Körpers.

Manchmal ist es nicht möglich, genau zu bestimmen, ob

eine Person gesund oder krank ist. Dann kann es hilfreich sein,

neben körperlichen Ursachen auch psychische und soziale

Einflüsse bei der Krankheitsentstehung zu berücksich­tigen.

3.1.2


Entstehung von Gesundheit


Wie entsteht Gesundheit? Diese Frage hat der Soziologe

­Aaron Antonovsky wissenschaftlich untersucht. Aus seinen

Forschungsergebnissen entwickelte er das Modell der Saluto­

genese (Entstehung von Gesundheit). Er verzichtete je­

doch darauf, ein Gesundheitsideal zu definieren. Vielmehr

beschreibt A. Antonovsky Schutzfaktoren (generalisierte

Widerstandsressourcen), die für die Gesundheitserhaltung

wichtig sind. Im Mittelpunkt seines Modells steht das sog.

Kohärenzgefühl. Darunter versteht er die grundlegende Ein­

stellung eines Menschen zum Leben, welches als sinnvoll,

versteh- und beherrschbar gedeutet wird.

Außerdem betont A. Antonovsky die Fähigkeit des Men­

schen, Stress auslösende Anforderungen (Stressoren) bewäl­

tigen zu können (Coping). Stressoren bezeichnet er auch als

Spannungszustände. Die erfolgreiche Bewältigung der Anfor­

derungen wirkt gesundheitserhaltend.

Nach A. Antonovsky ist die erfolgreiche Bewältigung von

Anforderungen nicht ständig möglich. Stressige und als be­

lastend empfundene Situationen sind Normalzustände. Er

geht davon aus, dass Störungen des (biologischen) Gleichge­

wichts, also eine gefährdete Gesundheit, eine Grundbedin­

gung menschlichen Lebens ist. Die Erhaltung und Wieder­

herstellung von Gesundheit muss fortwährend geschaffen

werden. Daraus ergibt sich, dass der Mensch nie ganz krank

oder ganz gesund ist.

A. Antonovsky beschreibt Gesundheit und Krankheit als

zusammenhängende Endpunkte. Sie bilden ein Kontinuum.

Ob ein Mensch entweder gesund oder krank ist, muss nicht

mehr entschieden werden. Er ist nun mehr oder weniger ge­

sund bzw. krank (. Abb. 3.1).

Die pathogenetische und salutogenetische Sichtweise von

Beschwerden bzw. Symptomen stellt . Tab. 3.1 gegeneinander

(Stutz u. Buddeberg-Fischer 2004).

3.2


Subjektives Erleben von Gesundheit

und Krankheit


Der Unterschied zwischen Krankheit und Gesundheit muss

nicht eindeutig sein. Auffallend ist jedoch, dass das Fehlen

eines oder mehrerer Faktoren aus dem körperlichen, psychi­

schen oder sozialen Bereich die Gesundheit beeinträchtigen


73

3.2 · Subjektives Erleben von Gesundheit und Krankheit


..Abb. 3.1 Vereinfachte Darstellung des Modells

der Salutogenese nach Antonovsky. Aus: Beise U,

­Heimes S, Schwarz W (2013) Gesundheits- und Krank­

heitslehre. Springer, Berlin Heidelberg New York


..Tab. 3.1 Pathogenetische und salutogenetische Sichtweise von Beschwerden bzw. Symptomen. (Adaptiert nach Stutz u. BuddebergFischer 2004)

Pathogenetische Sichtweise


Salutogenetische Sichtweise


Zentrale Fragen

– Wie entsteht Krankheit?

– Was geht schlecht/falsch?

– Wie kann Krankheit verhindert/gelindert werden?


Zentrale Fragen

– Wie entsteht Gesundheit?

– Wie kann Gesundheit gefördert werden?

– Wie kann Anpassung/Bewältigung verbessert werden?


Abklärung zielt auf

– pathologische Befunde

– Ursachen für Defizite

– Risiken für Krankheiten


Abklärung zielt auf

– (ungenutzte) Funktionen und Fähigkeiten

– Ressourcen

– soziale Determinanten von Gesundheit


Therapie zielt auf

– Ausschaltung/Verminderung krankmachender Ursachen

– Krankheitsbekämpfung

– Akzeptanz verordneter Maßnahmen

– Hilfestellungen im sozialen Bereich


Intervention zielt auf

– Stärkung von Ressourcen und Potenzialen

– Verbesserung von Anpassungs- und Bewältigungsstrategien

– günstige Beeinflussung der Lebenswelten und des sozialen

­Umfeldes


Geeignet für

– Notfallsituationen

– (akute) Krankheiten

– krankheitsspezifische Prävention


Geeignet für

– Gesundheitsförderung

– Rehabilitation chronische Krankheiten

– gesundheitspolitisches Handeln


Zielgruppen

– (akut) Erkrankte

– Personen mit Risiken/Risikoverhalten


Zielgruppen

– Allgemeinbevölkerung

– (chronisch) Erkrankte


kann. Wie schwerwiegend sich dieses Fehlen auswirkt, ist ab­

hängig vom Lebensalter und dem Geschlecht. Der Unter­

schied im Empfinden und Beurteilen von Krankheiten oder

Gesundheitsvorstellungen liegt auch begründet in der kultu­

rellen und sozialen Herkunft. Das alles macht es schwierig,

eine allgemein gültige Definition von Krankheit oder Ge­

sundheit zu erstellen.


Gesundheitsvorstellungen und die Beurteilung von

Krankheit unterliegen einem zeitlichen und gesellschaftli­

chen Wandel. Damit zusammenhängend verändern sich auch

moralische Bewertungen und Ideale (z. B. Gesundheit im

­ lter, Work-Life-Balance).

A

Unter diesen Voraussetzungen ist eine Vielzahl von sub­

jektiven Gesundheitsvorstellungen möglich. Für den Einen


3


Kapitel 3 · Patienten fachkundig begleiten und betreuen


74


3


bedeutet Gesundheit 

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