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coinad

4/6/26

 Zugschraubenosteosynthese stabilisiert.

Die Osteosynthese einer Fortsatzfraktur kann mit einer

Zugschraube oder einer Zuggurtung versorgt werden (7 Abschn. 8.1.2). Neben dem Grundinstrumentarium und den

­allgemeinen Knocheninstrumenten bereiten wir entweder

Kleinfragmentinstrumente und -implantate vor oder Drahtund Cerclageinstrumente. Immer brauchen wir eine Bohr­

maschine.

Für die Versorgung einer Fortsatzfraktur (Fraktur des

Processus coracoideus) wird der Patient in halbsitzender


8


220


8


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


Beach-chair-Position gelagert. Nach der Narkoseeinleitung

und der Operationslagerung wird das Operationsgebiet

inkl. Oberarm bis zum Ellenbogen desinfiziert und der

­Patient steril abgedeckt, sodass der Arm intraoperativ beweglich ist.

Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird über

einen vorderen Zugang zum Schultergelenk die Versorgung

mit der Schrauben- oder Zuggurtungsosteosynthese durchgeführt (s. o.).

Nach der Wundspülung mit NaCl und der evtl. Einlage

einer Redon-Drainage erfolgt der schichtweise Verschluss.

Bei Frakturen des Akromions liegt der Hautschnitt in

­Faserrichtung des M. deltoideus über der Fraktur.

Die Muskelfasern werden gespalten und nach der Präparation bis unter die Knochenhaut (subperiostal) wird die

Fraktur dargestellt, reponiert und in der Regel mit einer Zuggurtungsosteosynthese versorgt.

Der Patient bekommt nach der Operation einen GilchristVerband für mehrere Tage angelegt, um die betreffende Seite

zu schonen und darf bei komplikationslosem Verlauf das

Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen.

8.2.3


Akromioklavikulargelenk

­(Schultereckgelenk)


Das Akromioklavikulargelenk ist die gelenkige Verbindung

zwischen der Klavikula und dem Akromion, es liegt am seitlichen oberen Ende der Schulter. Die Gelenkkapsel des Akromioklavikulargelenks (kurz: ACG) wird durch verschiedene

Bänder verstärkt, die eine Luxation unter Belastung verhindern.

Durch Sturz auf die Schulterhöhe kann es zu einer Überdehnung oder einem Riss des Kapsel-Band-Apparats am lateralen Ende der Klavikula kommen. Der Patient klagt dann

über eingeschränkte, schmerzhafte Beweglichkeit der betroffenen Schulter sowie Druckschmerzhaftigkeit. Über dem

Schultergelenk ist eine Vorwölbung zu erkennen, die durch

den Hochstand des lateralen Klavikulaendes entsteht. Das ist

das sog. Klaviertastenphänomen, weil bei Druck auf das

hochstehende Klavikulaende dieses in die korrekte Stellung

reponiert und beim Loslassen wieder in die Luxationsstellung

zurückspringt (. Abb. 8.11). Hochstand und Klaviertastenphänomen hängen vom Grad der Luxation ab.

Je nach Schweregrad und Ausmaß der Instabilität werden

die Verletzung meist nach Tossy I–III oder Rockwood I–VI

eingeteilt.

Einteilung nach Tossy:

44Tossy I: Die Gelenkkapsel ist überdehnt, ggf. teilweise

zerrissen. Im Röntgen ist keine eindeutige Dislokation

erkennbar.

44Tossy II: Die Kapsel des AC-Gelenks ist zerrissen. Die

korakoklaviculären Bänder sind gedehnt. Im Röntgen ist

ein Höhertreten der lateralen Klavikula um eine halbe

Schaftbreite erkennbar.

44Tossy III: Ruptur der korakoklavikulären Bänder, Höhertreten der lateralen Klavikula um eine Schaftbreite.


Mechanismus


..Abb. 8.11 Typische Versetzung der beiden Hauptfragmente bei

­einer Klavikulafraktur im mittleren Drittel durch Muskelzug. Aus: Weigel B,

Nerlich ML (2011) Praxisbuch Unfallchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg

New York


Einteilung nach Rockwood:

44Tossy I–III entsprechen Rockwood I–III.

44Rockwood IV: Es besteht eine zusätzliche Instabilität der

Klavikula und Dislokation nach dorsal durch teilweise

Ablösung der Deltotrapezoidfaszie.

44Rockwood V: Eine komplette Zerreißung der Delto­

trapezoidfaszie mit massivem Hochstand des lateralen

Klavikulaendes.

44Rockwood VI: Die laterale Klavikula verhakt unter dem

Processus coracoideus (sehr selten).

Die Diagnose wird mittels Röntgen und Sonographie gestellt,

um das Ausmaß der Ablösung der Deltotrapezoidfaszie von

der Klavikula festzustellen.

Ab Typ III wird eine operative Versorgung vorgezogen. Es

stehen mehrere Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung:

44eine temporäre Arthrodese mit Zuggurtung,

44eine Hakenplatte,

44die Naht der Bänder und eine Verstärkung mit einer

­synthetischen resorbierbaren Kordel,

44Verschraubung nach Bosworth, dabei wird eine Spongiosaschraube durch die Klavikula in das Korakoid

­eingebracht, zusätzlich wird eine Bandnaht gesetzt,

44Zuggurtungsosteosynthese.

j

jZuggurtungsosteosynthese am ACG

OP-Ablauf: Zuggurtungsosteosynthese am ACG

55 Die häufigste Versorgungsform ist die Zuggurtung.

Dafür benötigen wir neben dem Grundinstrumentarium allgemeine Knocheninstrumente sowie Draht-/

Cerclageinstrumente (. Abb. 8.1) und eine Bohr­

maschine. Repositionszangen liegen bereit, um das

Repositionsergebnis vorübergehend zu sichern.


221

8.2 · Schulter


55 Das Röntgengerät steht bereit, Monitor und C-Bogen

auf der gegenüberliegenden Seite der Verletzung.

Der Patient wird in der Beach-chair-Lagerung positioniert.

55 Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung wird nach dem standardisierten Team-TimeOut über einen S-förmigen Hautschnitt über dem

­Akromion und der Klavikula das Gelenk freipräpariert

und die Stümpfe des Lig. coracoclaviculare dargestellt.

55 U-Nähte (z. B. Polydioxanon, monofil, resorbierbar)

werden vorgelegt, aber noch nicht geknotet.

55 Eingeschlagene Kapselreste müssen aus dem Ge­

lenkspalt entfernt werden, häufig kommt dafür ein

«Zahnarzthäkchen» zum Einsatz. Mit einem 2-mmBohrer wird ein queres Loch durch die Klavikula gebohrt, durch das der Cerclagedraht durchgezogen

wird.

55 Die Klavikula wird mit einer Repositionszange reponiert und ein dicker Kirschner-Draht (∅ 2 mm) wird

vom Akromion in die Klavikula eingebohrt, um

­diesen wird in einer Achtertour ein Cerclagedraht

­gelegt.

55 Mit einem Drahtspanngerät oder einer Flach­

zange wird der Draht angezogen, die Cerclageenden und Kirschner-Drähte werden mit dem Sei­

tenschneider gekürzt und mit der Spitzzange um­

gebogen. Die Drahtenden werden dem Knochen

­angelegt.

55 Nun werden die zuvor gelegten U-Nähte geknüpft

und gekürzt, die Gelenkkapsel genäht, eine RedonDrainage eingelegt und die Wunde schichtweise

­verschlossen.

55 Der Patient bekommt einen Gilchrist-Verband

­an­gelegt, um die Schulter ruhigzustellen und zu

schonen.


8.2.4


Riss der Rotatorenmanschette


Die Rotatorenmanschette besteht aus Sehnen und Muskeln.

Sie liegt unter der Schultergürtelmuskulatur und legt sich

kappenförmig über den Oberarmkopf und stabilisiert diesen

in der Gelenkpfanne.

Risse der Rotatorenmanschette sind häufig verschleiß­

bedingt. Der Patient klagt über Schmerzen und Funktionsverlust des Arms, er kann den Arm nicht mehr vollständig

abduzieren (anheben) und nach außen rotieren.

Durch klinische Untersuchung, Ultraschall oder Kernspintomographie wird die Diagnose gestellt.

Liegt ein Riss der Rotatorenmanschette vor, können die

Sehnen operativ refixiert werden.

j

jNaht der Rotatorenmanschette


Das Instrumentarium zeigt (. Abb. 8.12).


OP-Ablauf: Naht der Rotatorenmanschette

55 Dafür bereiten wir neben dem Grund- und dem

­allgemeinen Knocheninstrumentarium eine Bohr­

maschine mit Fräsen sowie eine Haltenaht, evtl.

­einen Fadenanker vor (. Abb. 8.12).

55 Das Röntgengerät steht mit dem Monitor und dem

C-Bogen auf der gegenüberliegenden Seite der Verletzung, der Röntgenschutz des Patienten und des

Personals ist gewährleistet.

55 Der Patient wird nach der Narkoseeinleitung in eine

Beach-chair-Lagerung gebracht. Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung kann nach dem

standardisierten Team-Time-Out die Refixation der

Rotatorenmanschette beginnen.

55 Ein ca. 6 cm langer Hautschnitt wird vom Vorderrand

des vorderen lateralen Akromionecks nach distal

­geführt, die Deltoideusmuskulatur wird stumpf auseinandergedrängt und ca. 1 cm des Deltoideusan­

satzes am vorderen äußeren Akromioneck abgelöst.

Nach der Längsspaltung der Bursa subacromialis

kann ein schmaler Hohmann-Hebel unter das Akromion geführt und am dorsalen Rand verhakt werden.

In ca. 45° zu diesem Hohmann-Hebel werden mit

­einem geraden Meißel das vordere äußere Eck und

die vordere Kante des Akromions nach dorsal abgemeißelt (Akromionplastik).

55 Die Rotatorenmanschette wird dargestellt, mit

einer Haltenaht gefasst und sowohl unter- als auch

oberhalb der Manschette weit nach hinten, teils

stumpf, teils scharf, mobilisiert. Lässt sich die Sehne

gut bis zum Tuberculum majus verlagern, wird oberhalb des Tuberkels eine Knochennut von ca. 2 cm

Länge, 3 mm Breite und 5 mm Tiefe gefräst. In dieser Knochennut können Fadenanker implantiert

­werden.

55 Mit den am Fadenanker angehefteten Fäden wird

die Rotatorenmanschette gefasst und in die Knochen­

nut gezogen.

55 Eine Redon-Drainage wird eingelegt, die Bursa sub­

acromialis genäht, der Deltoideus am Akromion

­refixiert und die Wunde schichtweise verschlossen.

55 Der Patient bekommt für einen kurzen Zeitraum

­einen Gilchrist-Verband angelegt.


8.2.5


Humeruskopf/-halsfraktur

­(Oberarmkopf)


Der Humeruskopf und dessen Hals gehören zum körpernahen Anteil des Oberarms. Er besitzt mehrere Knochenvorsprünge für den Ansatz verschiedener Oberarmmuskeln:

44Das Tuberculum majus (großer Knochenhöcker), das

lateral des Humeruskopfs liegt. Folgende Muskeln setzen

mit ihren Sehnen hier an: M. supraspinatus, M. infra­

spinatus und M. teres minor.


8


222


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


Ankerhalter, vorderes Ende


1

Fadenanker armiert mit resorbierbarem Faden (PDS 1 USP)


Bohrstoppvorrichtung


2

Kanülierter Schraubenhalter mit Bohrstoppvorrichtung


3


Faßund Bohrzange


8

Knotenschieber


4


..Abb. 8.12 Instrumentarium zur Insertation von Fadenankern (Fa. Arthrex). Aus: Kohn D, Pohlemann T, Fritsch E (2010) Operationsatlas für die


orthopädisch-unfallchirurgische Weiterbildung. Springer, Berlin Heidelberg New York


44Tuberculum minus (kleiner Knochenhöcker), das

­medial des Humeruskopfs liegt und der Sehne des

M. subscapularis als Ansatz dient.


44eine winkelstabile Plattenosteosynthese,

44eine Osteosynthese mit perkutan einbrachten KirschnerDrähten oder kanülierten Schrauben,

44die Implantation einer Humeruskopfendoprothese

bei drohender oder bestehender Kopfnekrose

(7 Abschn. 8.4.5).


Die erwähnten Muskeln mit ihren Sehnen gehören zu der sog.


Rotatorenmanschette (7 Abschn. 8.2.4). Die wichtigen Nerven in diesem Bereich sind der N. axillaris und der Plexus

(Nervengeflecht) brachialis.


Bei Frakturen unterscheiden wir zwischen der Humeruskopffraktur und der subkapitalen Humerusfraktur, einer

Fraktur direkt unterhalb des Kopfs. Frakturen des Hume­

ruskopfs/-halses entstehen durch direkten Sturz auf die

Schulter oder den ausgestreckten Arm. Sie gehören zu

den häufigsten Verletzungen, insbesondere bei alten Menschen.

Symptome sind lokal geschwollene Weichteile, Schmerzen, Schonhaltung und Bewegungseinschränkung. Durch

Schäden an benachbarten Nervenstrukturen kann es zu

­Sensibilitäts- und Motorikstörungen kommen.

Die Diagnose wird anhand einer Röntgenaufnahme gestellt.

Bei Trümmerbrüchen ist eine anatomiegerechte Rekon­

struktion des Kopfs oft nicht mehr möglich. Es stehen mehrere operative Versorgungsmöglichkeiten zur Auswahl:


j

jWinkelstabile Plattenosteosynthese einer Humerushalsfraktur

OP-Ablauf: Winkelstabile Plattenosteosynthese

­einer Humerushalsfraktur

55 Die häufigste Versorgung erfolgt mit einer anatomisch vorgeformten LC-Platte. Dafür benötigen wir

neben dem Grund- und allgemeinen Knochenin­

strumentarium die Kleinfragmentinstrumente und

-implantate sowie eine Bohrmaschine.

55 Intraoperativ wird der Bildwandler (C-Bogen) be­

nötigt.

55 Nach der Narkoseeinleitung wird der Patient in die

Beach-chair-Lagerung gebracht, danach wird das

Operationsgebiet inkl. Oberarm bis zum Ellenbogen

desinfiziert und der Patient steril abgedeckt, der


223

8.3 · Obere Extremität


Obere Extremität


8.3

­betroffene Arm ist frei beweglich. Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird der Hautschnitt, beginnend unter dem Akromioklavikulargelenk, bogenförmig der Muskelfurche folgend, gesetzt. Nach dem

Aufspalten der Muskelfasern des M. deltoideus bis

zur Fraktur können die Frakturfragmente reponiert

und mit Kirschner-Drähten fixiert werden. Das Repositionsergebnis wird mit dem Bildwandler kontrolliert.

55 Evtl. müssen die Knochenhöcker mit Hilfe von Nähten provisorisch reponiert werden. Dann wird die erforderliche Plattenlänge gewählt und das vorgese­

hene Zielgerät an der Platte montiert.

55 Die Position der Platte wird bestimmt, indem ein

Kirschner-Draht in das oberste Loch des Zielgeräts

so eingeführt wird, dass der Draht auf die proximale

Gelenkfläche zielt. Über das Zielgerät werden die

Schraubenpositionen bestimmt. Die Schraubenlöcher werden mit einem Spiralbohrer vorgebohrt, die

Länge der Schrauben mit dem Tiefenmessgerät bestimmt.

55 Beim Eindrehen der Verriegelungsschrauben wird ein

Drehmomentbegrenzer benutzt, der verhindert, dass

durch zu hohe Drehzahl der Bohrmaschine der

Schraubenkopf beschädigt wird. Dadurch würde die

Implantatentfernung erschwert, da der Sechskantschraubendreher den Schraubenkopf nicht mehr

fassen könnte.

55 Nach der Entfernung des Zielgeräts werden am distalen Ende der Platte die Löcher über eine LCP-Führungsbüchse, die in die distalen Plattenlöcher eingeschraubt wird, vorgebohrt. Nach der Längenbestimmung werden die gewählten Verriegelungsschrauben eingedreht. Die Osteosynthese wird mit dem

Bildwandler überprüft. Nach der Wundspülung mit

NaCl und der evtl. Einlage einer Redon-Drainage erfolgt der schichtweise Verschluss.

55 Zur Ruhigstellung bekommt der Patient einen

­Gilchrist-Verband angelegt.


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 8.2


55 Erklären Sie den Begriff «Klaviertastenphänomen».

55 Was bereiten Sie für eine geplante Naht der Rotatorenmanschette vor?


Olga Aßmann

8.3.1


Humeruskopf- und Humerusschaftfrakturen


Frakturen am Humerusschaft entstehen oft bei osteoporotisch veränderten Knochen durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm oder durch direkte Gewalteinwirkung wie z. B.

einen Schlag.

j

jMarknagelung des Humerus


Zur Versorgung von Schaftrakturen eignen sich Marknägel

(. Abb. 8.13), die von proximal (antegrad) oder distal (retrograd) eingebracht werden können. Bei der Versorgung mit

einer Platte wäre die Gefahr der Verletzung des N. radialis zu

hoch.

OP-Ablauf: Marknagelung des Humerus

55 Für die antegrade Versorgung mit einem Marknagel

benötigen wir neben dem Grundinstrumentarium

die speziellen Instrumente für die Humerusnagelung,

je nachdem, welches System gewählt, bzw. im OP

vorhanden ist. Wir bereiten eine große Bohrmaschine

und ggf. Bohrwellen für den Markraum vor.

55 Während der Operation wird geröntgt, deshalb ist

auf den Strahlenschutz zu achten. Nachdem der Pa­

tient in die Beach-chair-Lagerung gebracht wurde,

erfolgt die Hautdesinfektion, die sterile Abdeckung

und das standardisierte Team-Time-Out.

55 Der Hautschnitt verläuft ca. 8 cm seitlich der Schulterhöhe, der M. deltoideus wird gespalten und der

Schleimbeutel dargestellt. Das Tuberculum majus

wird ertastet und der M. supraspinatus identifiziert,

um den Ansatzpunkt für den Pfriem zu bestimmen.

55 Nach der Eröffnung des Nageleintrittpunkts mit dem

Pfriem wird der Führungsspieß (bei der aufgebohrten Methode mit aufgesteckter Olive, damit die

Bohrköpfe nicht im Markraum hängen bleiben) unter

Bildwandlerkontrolle durch den kanülierten Pfriem in

den Metaphysenbereich vorgeschoben. Die Aufbohrung des Markraums erfolgt in 0,5-mm-Schritten, bis

ein Kortikaliskontakt erreicht ist. Dann wird der Führungsspieß mit Olive über ein Teflonrohr gegen einen

ohne Olive gewechselt.

55 Bei der unaufgebohrten Technik (meist bei osteo­

porotisch veränderten Knochen und kurzen Humerus­

nägeln) wird der Marknagel über den Führungsspieß

ohne Olive eingebracht.

55 Die Länge und Breite des Nagels wird über die vorhandene Röntgenschablone und das Lineal bestimmt.

55 Der Nagel wird mit der Humerusnagelhalteschraube

und dem Schraubendreher am Zielgerät befestigt


8


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


224


und der Nagel durch den Eintrittspunkt über den

Frakturspalt bis zur gewünschten Position eingebracht.

55 Die proximale Verriegelung wird mit Verrieglungsschrauben unter Verwendung des Zielgeräts und der

Bohrführungshülse, die distale Verriegelung «Freihand» erreicht.

55 Nach dem Entfernen des Zielgeräts und Einbringen

der Endkappe auf den Nagel kann nach der Röntgenkontrolle der schichtweise Wundverschluss den Eingriff beenden.


8.3.2


8


Epikondylenfraktur


Als Epikondylen werden die Knochenvorsprünge des dis­

talen Humerus bezeichnet, sie liegen innen (medial) und

außen (lateral). Zwischen diesen Epikondylen liegt die Gelenkfläche für das Ellbogengelenk. Eine Epikondylenfraktur

entsteht durch direkten Sturz auf den Ellbogen. Da es sich

um eine Gelenkfraktur handelt, muss sie operativ versorgt

werden.

j

jOsteosynthese einer Epikondylenfraktur

OP-Ablauf: Osteosynthese einer Epikondylenfraktur

55 Dafür bereiten wir neben dem Grund- und dem allgemeinen Knocheninstrumentarium die Kleinfragmentinstrumente und -implantate, Draht- und Cerclageinstrumente sowie eine Bohrmaschine mit Sägeansatz vor. Bänder zum Anschlingen des N. ulnaris

liegen bereit.

55 Das Röntgengerät steht mit Monitor und C-Bogen

auf der Seite der Fraktur.

55 Nach der Narkoseeinleitung wird der Patient mit mindestens vier Mitarbeitern in die Bauchlage gebracht.

Der Kopf liegt auf einem Gelring, der Anästhesist

überprüft die Lage des Tubus (7 Abschn. 4.5.2). Vorbereitet wurden drei Rollen, nach dem Drehen liegt

jeweils eine oberhalb der Brust, unter der Hüfte und

unter den Fußgelenken. Fersenpolster werden unterhalb der Kniescheiben positioniert.

55 Das Operationsgebiet wird bis zum Unterarm desinfiziert, nach der sterilen Abdeckung mit separatem Abdecken des Armes wird das Team-Time-Out durchgeführt.

55 Der Hautschnitt über der Fraktur führt rasch zur Freilegung des N. ulnaris, der mit einem Band angeschlungen wird. Das Olekranon wird abgesägt und

mit dem ausgelösten M. triceps hochgeklappt, damit

die Kondylen dargestellt werden können. Die frakturierten Kondylenteile werden zusammengefügt und

mit Kirschner Drähten und Kleinfragmentschrauben

stabilisiert. Die rekonstruierte Kondylenrolle auf bei-


..Abb. 8.13 Proximaler Humerusnagel, distale Verriegelung mit einer

Schraube über einen Zielbügel. (Mit freundlicher Genehmigung der

Fa. Stryker GmbH & Co. KG)


den Seiten des Humerusschafts wird mit vorgeformten Rekonstruktionsplatten fixiert.

55 Nach der Röntgenkontrolle wird die Wunde mit NaCl

gespült und entschieden, ob eine Redon-Drainage

benötigt wird. Der schichtweise Wundverschluss beendet den Eingriff.


8.3.3


Olekranonfraktur


Der Ellbogen ist das körpernahe Ende der Ulna, mit dem dorsal tastbaren Knochenvorsprung, an dem die Sehne des

M. trizeps anhaftet. Zusammen mit dem Capitulum humeri

(distale Gelenkfläche des Humerus) bildet es das Humero­

ulnargelenk. Das Humeroradialgelenk wird zwischen dem

Capitulum humeri und der Gelenkfläche des Radius gebildet.

Die dritte gelenkige Verbindung am Ellbogen ist das Radio­

ulnargelenk, also die Verbindung zwischen Radius und Ulna.

Alle Gelenke zusammen bilden das Ellbogengelenk.

Die wichtigen Nerven, die am Ellbogen verlaufen, sind:

44lateral: Radialisnerv (N. radialis),

44dorsal: Mittelarmnerv (N. medianus),

44medial: Ulnarisnerv (N. ulnaris).

Frakturen entstehen meist durch einen Sturz direkt auf den

Ellbogen. Der Patient klagt über Schmerzen und kann den

betroffenen Ellbogen nicht bewegen. Durch eine Röntgenaufnahme wird die Diagnose gestellt. Diese Frakturen müssen

immer operiert werden, da es sich um Gelenkbrüche handelt.

In den meisten Fällen ist eine Zuggurtungsosteosynthese ausreichend (. Abb. 8.2), bei komplizierten Brüchen kommen

speziell angefertigte winkelstabile Platten zum Einsatz.


225

8.3 · Obere Extremität


j

jZuggurtungsosteosynthese einer Olekranonfraktur

OP-Ablauf: Zuggurtungsosteosynthese einer

­Olekranonfraktur

55 Für eine Versorgung mit einer Zuggurtung bereiten wir neben dem Grund- und dem allgemeinen

­Knocheninstrumentarium Draht-/Cerclageinstru­

mente, mindestens eine Repositionszange sowie

eine ­Bohrmaschine vor. Häufig wird dieser Eingriff

unter ­Verwendung einer Blutsperre durchgeführt

(7 Abschn. 2.7).

55 Bei der Bereitstellung des Röntgengeräts achten

wir darauf, dass Monitor und C-Bogen auf der Frak­

tur­seite stehen und der Strahlenschutz berücksichtigt wird.

55 Nach der Narkoseeinleitung wird der Patient mit

­mindestens vier Mitarbeitern in die Bauchlage

­gebracht und ein kurzer Armtisch angebracht, auf ­

dem der zu operierende Arm abgelegt wird.

55 Die Blutsperre wird nach Standard angebracht

(7 Abschn. 2.7). Nach der Hautdesinfektion des

Operationsgebiets bis zum Unterarm wird der

­Pa­tient so abgedeckt, dass der zu operierende Arm

frei beweglich ist. Nach dem standardisierten TeamTime-Out wird der bogenförmige Hautschnitt zur

Radialseite hin, die Olekranonspitze umfahrend,

­gesetzt.

55 Nach der Darstellung der Frakturränder, der Entfernung von Koageln und Geweberesten mit einem

scharfen Löffel oder einem Zahnarzthäkchen, wird

der Frakturspalt ausgespült.

55 Die Fraktur wird mit einem Einzinkerhaken oder einer

Zweipunktzange reponiert. Zwei parallele KirschnerDrähte (∅ 1,6–1,8 mm) werden von der Olekranon­

spitze in die beugeseitige Kortikalis der Ulna gebohrt.

Mit dem 2-mm-Spiralbohrer wird ein Bohrloch (ca.

3 cm distal der Fraktur) quer durch die Ulna gelegt,

der Cerclagedraht durch diesen Bohrkanal gezogen

und mit einer Achtertour um die freien KirschnerDrahtenden unter die Trizepssehne gelegt. Mit dem

Drahtspanner wird der Cerclagedraht angezogen,

verzwirbelt und abgekniffen. Mit der Spitzzange werden die Drähte umgebogen und mit dem Seitenschneider abgeschnitten. Die Kirschner-Drahthaken

werden so gedreht, dass sie die Zuggurtungsschlinge

umfassen. Alle Drahtenden werden dem Knochen

angelegt.

55 Nach dem Spülen mit NaCl und der Einlage einer

­Redon-Drainage beendet der schichtweise Wundverschluss den Eingriff. Der Patient bekommt einen

­Polsterverband und eine dorsale Gipsschiene angelegt.


8.3.4


Ulnaschaft- /Radiusschaftfraktur


Beide Knochen, die Ulna wie auch der Radius, sind Röhrenknochen und miteinander über die Membrana interossea

verbunden. Die Ulna liegt mit ihrer Hinterkante unmittelbar unter der Haut, was ihre Freilegung erheblich erleichtert.

Der Radius hingegen ist weitestgehend von der Streckmuskulatur bedeckt. Der N. radialis wie auch der N. ulnaris verlaufen in enger Nachbarschaft zu den beiden Unterarm­

knochen.

Frakturen entstehen meist durch einen Sturz auf den aus­

gestreckten Arm oder durch direkte Gewalteinwirkung z. B.

einen Schlag. Sie kommen häufig in Kombination vor, dann

sprechen wir von einer Unterarm(schaft)fraktur.

Bei einer Radiusfraktur bzw. Ulnafraktur ist jeweils nur

einer der beiden Knochen gebrochen.

Besondere (und relativ seltene) Frakturen am Unterarm sind die Monteggia-Fraktur (Radiusköpfchenluxation

und Ulnaschaftfraktur) und die Galeazzi-Fraktur (Luxation

des körperfernen Radioulnargelenks und Radiusschaft­

fraktur).

Der Patient klagt über Schmerzen, es ist evtl. eine Fehlstellung des Unterarms erkennbar und eine Krepitation (durch

das Aneinanderreiben der frakturierten Knochenfragmente

entsteht ein schabendes Geräusch) hörbar. Die Diagnose wird

mittels Röntgenaufnahme gestellt.

Beim Erwachsenen werden Frakturen der Ulna und

des Radius mit einer Plattenosteosynthese versorgt, auch

eine Versorgung mit intramedullären, elastischen Gleit­

nägeln ist möglich. Dabei wird der Gleitnagel unter Rönt­

genkontrolle über eine kleine Hautinzision in den Markraum des Knochens hineingeschoben und bewirkt so eine

innere Schienung. Diese Methode wird aber hauptsächlich

bei noch nicht ausgewachsenen Kindern/Jugendlichen angewendet.

8.3.5


Distale Radiusfrakturen


Frakturen am körperfernen (distalen) Unterarmende sind

die häufigsten Frakturen im Kindes- und Erwachsenen­

alter. Radiusfrakturen entstehen durch einen Sturz auf

die ge­streckte oder gebeugte Hand. Die Patienten klagen

über Schmerzen und eine Fehlstellung des Handgelenks

ist sichtbar. Röntgenaufnahmen sichern die klinische Dia­

gnose.

Offene Frakturen mit Weichteilschädigung, begleitenden

Gefäß- und Nervenverletzungen und Frakturen, die geschlossen nicht reponiert werden können, müssen operativ versorgt

werden. Je nach Fraktur ist eine Schraubenosteosynthese,

Plattenosteosynthese oder Versorgung mit Kirschner-Drähten möglich.


8


226


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


j

jPlattenosteosynthese einer distalen Radiusfraktur

OP-Ablauf: Plattenosteosynthese einer distalen

­Radiusfraktur


8


55 Für eine geplante Plattenosteosynthese bereiten wir

neben dem Grund- und dem allgemeinen Knocheninstrumentarium die Kleinfragmentinstrumente und

-implantate sowie eine Bohrmaschine vor.

55 Der C-Bogen steht auf der Seite der Fraktur und der

Monitor auf der gegenüberliegenden.

55 Derr Patient liegt in Rückenlage, der zu operierende

Arm wird auf einen Armtisch gelegt, die Blutsperremanschette wird angelegt. Das Operationsgebiet

wird inkl. der Hand bis zum Oberarm desinfiziert und

der Patient so abgedeckt, dass der Arm beweglich

auf dem Armtisch liegt. Abschließend wird der Arm

durch ein großes Lochtuch geschoben.

55 Zwei Hocker für den Operateur und den Assistenten

werden bezogen, damit die Operation im Sitzen

durchgeführt werden kann. Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird die Blutsperre auf

250 mmHg eingestellt und die Zeit dokumentiert.

55 Der Hautschnitt verläuft palmar (zur Handfläche hin)

entlang der Radialseite, bei der Spaltung der Unterarmfaszie müssen der N. medianus, N. radialis und

die Beugesehnen geschont werden, deshalb werden

sie mit runden Haken (Lidhaken, Roux-Haken) bei­

seite gehalten. Nachdem der Frakturspalt freigelegt

ist, wird er mit einem Zahnarzthäkchen gesäubert

und gespült. Die Fraktur wird reponiert und die passende T-Platte ausgesucht, angelegt und mit einer

Schraube im Gleitloch fixiert. Nach der Röntgenkon­

trolle werden bei korrekter Lage die Plattenlöcher

mit winkelstabilen Schrauben besetzt. Eine erneute

Röntgenkontrolle dokumentiert das Osteosyntheseergebnis.

55 Nach dem Spülen mit NaCl wird eine Redon-Drai­

nage eingelegt und der schichtweise Wundverschluss beendet den Eingriff. Nachdem der Arm gewickelt wurde, wird die Blutsperre geöffnet und

der Patient bekommt zur Ruhigstellung eine Schiene

­angelegt.


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 8.3


55 Was bedeutet der Ausdruck «antegrade Marknagelung»?

55 Mit welchen Implantaten können Humeruskopf­

frakturen operativ versorgt werden?


Becken und Hüftgelenk


8.4


Jens Köpcke, Olga Aßmann, Silke Meister

8.4.1


Beckenfraktur


Beckenfrakturen entstehen meistens durch einen Verkehrsunfall oder einen Sturz aus großer Höhe.

Die Diagnostik beginnt mit einer körperlichen Inspek­

tion, zu sehen sind Hämatome, Rotationsfehlstellungen, oft

ist ein Bein kürzer als das andere. Bei der Untersuchung ist

palpatorisch (zu fühlen) eine Instabilität des Beckens sowie

eine Bewegungseinschränkung des betroffenen Hüftgelenkes

zu tasten. Zur Sicherung der Diagnose werden eine Beckenübersichtsröntgenaufnahme und Spezialaufnahmen (Inletund Outletaufnahmen) sowie eine CT (Computertomographie) angefertigt. Sind starke Blutungen vorhanden, ist eine

Angiographie (Darstellung der Gefäße mittels Kontrastmittel) mit der Möglichkeit der Embolisation (Verschluss des

Gefäßes) angezeigt. Eine Sonographie (Ultraschall) des Abdomen 

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