Anwendung.
2.9.7
Computertomographie
Die Computertomographie ist ein digitales körperliche Fitness und Leistungsfähig
keit (z. B. im Beruf). Der Nächste fühlt sich gesund, wenn er
keine körperlichen Beschwerden hat. Ein Anderer wiederum
erlebt Gesundheit als Wohlbefinden, als einen Zustand der
Ausgeglichenheit.
Das beeinflusst das subjektive Krankheitserleben. Die
betroffene Person kann Krankheit als Einschränkung ihrer
Leistungsfähigkeit oder des Wohlbefindens erleben. Sie
nimmt Veränderungen der Befindlichkeit (z. B. Stimmung)
oder körperliche Beschwerden (z. B. Hautrötung, Schmerz)
wahr und bewertet sie unweigerlich.
Wie ein Patient die Symptome einschätzt, ist abhängig von
der Ausprägung der Krankheitszeichen (z. B. «starker» oder
«vernichtender Schmerz»), den Persönlichkeitseigenschaften
und dem sozialen Umfeld. Krankheitszeichen können z. B. als
bedrohlich oder beängstigend erlebt werden. Ebenso ist die
Verleugnung von Symptomen möglich.
Die Wahrnehmung und Bewertung von Krankheitszei
chen hat einen Einfluss darauf, ob die betroffene Person (ärzt
liche) Hilfe aufsucht. So ist es möglich, dass sich ein lebensbe
drohlich erkrankter Mensch gesund fühlt. Im Gegensatz dazu
kann eine von Anderen als gesund eingeschätzte Person
Krankheitszeichen bei sich wahrnehmen und diese als Bedro
hung empfinden. Die Befindlichkeit des Patienten muss nicht
zum medizinischen Befund passen!
>>Wir richten unsere Arbeit im OP nach den subjektiven
Gesundheitsvorstellungen und dem Krankheitserleben
des Patienten aus. Dabei ist es zweitrangig, ob die Krank
heitszeichen für uns wahrnehmbar sind. Wir akzeptie
ren, dass der Patient vielleicht eine völlig andere Sicht
der Dinge und der Welt hat als wir.
3.2.1
Krankheitsverarbeitung
Das subjektive Krankheitserleben hat großen Einfluss darauf,
wie ein Patient mit belastenden Momenten im Verlauf einer
Erkrankung umgeht. Die Krankheitsverarbeitung wird in der
Fachsprache als Coping bezeichnet. Im Englischen bedeutet
«to cope with» so viel wie «etwas überwinden» bzw. «etwas
bewältigen». Die Übersetzung ist jedoch missverständlich.
Krankheitsbewältigung lässt sich eher als Überwindung einer
zurückliegenden Erkrankung verstehen. Dagegen umfasst die
Wortbedeutung von Coping sämtliche psychischen Vorgänge
(z. B. Gedanken, Gefühle, Motivationen) und Verhaltenswei
sen eines Patienten zur Verarbeitung von aktuellen Belas
tungssituationen.
Es ist daher möglich, dass der Patient seine Situation im
Krankheitsverlauf unterschiedlich bewertet und sich dement
sprechend verhält. Beispielsweise kann ein Patient vor einer
Operation auf Heilung hoffen und zuversichtlich sein. Er
stimmt dem chirurgischen Eingriff zu. Ist eine Heilung durch
die Operation jedoch nicht möglich, wird der Patient viel
leicht resignieren. Demzufolge lässt sich Coping grob in akti
ve und repressive Bewältigung einteilen. Dabei muss die
Krankheitsverarbeitung nicht auf eine Problemlösung ausge
richtet sein. Die Regulierung von Gefühlen kann ebenso im
Vordergrund stehen («vom Gefühl überwältigt sein»).
Obwohl die Krankheitsverarbeitung von Person zu Person
unterschiedlich ist, reagieren Menschen in belastenden Situa
tionen mit ähnlichen Verarbeitungsmustern (Copingstrate
gien). Auf diese haben wir ein besonderes Augenmerk, wenn
wir Patienten im OP fachkundig begleiten und betreuen. Das
Modell der Salutogenese ist dabei besonders hilfreich.
Unter dem Aspekt der Salutogenese achten wir nicht nur
auf persönliche Faktoren (z. B. Ängstlichkeit), sondern auch
auf das soziale Umfeld der betroffenen Person. Aus diesem
Zusammenhang kann dann erkannt werden, welche Ressour
cen der Patient hat, um mit Stressoren und krankmachenden
Risikofaktoren umzugehen.
Das Kohärenzgefühl hat dabei einen besonderen Stellen
wert. Ein stark ausgeprägtes Kohärenzgefühl hilft dem Pati
enten, in belastenden Situationen passende Copingstrategien
auszuwählen. Das geht oft einher mit einer aktiven Bewälti
gung. Die betroffene Person mit einem stark ausgeprägten
Kohärenzgefühl nimmt eine belastende Situation (z. B. Ein
schleusung in den OP) eher als lösbare Herausforderung
wahr. Sie ist auch in der Lage, über Gefühle zu sprechen und
Hilfsangebote anzunehmen.
3.2.2
Angst vor einer Operation
Trotzdem haben viele Patienten Angst vor einer Operation.
Konkreter sind das z. B. die Angst vor einem Behandlungsfeh
ler oder die Angst vor einer Wundinfektion. Außerdem ängs
tigt viele Patienten die Vorstellung Schmerzen zu erleiden
oder während der Operation aus der Narkose aufzuwachen.
Das Krankenhaus ist eine Umgebung, in der Ängste ver
stärkt werden. Gründe hierfür sind z. B. die räumlichen Ge
gebenheiten oder die Abhängigkeit von fremden Menschen.
Unsere Aufgabe besteht darin, den Patienten in seiner beson
deren Situation wahrzunehmen und auf seine Fragen sowie
Bedürfnisse einzugehen. Situativ angemessene Gespräche
(7 Abschn. 24.1) und die Anerkennung seiner Gefühle kön
nen für den Patienten hilfreich sein.
>>Der Patient benötigt eine Situation im Funktions
bereich, die von dem Gefühl der Sicherheit und des
Vertrauens geprägt sein muss, denn eine Operation
ist immer ein Eingriff in die Privatsphäre und in den
Körper.
Die Patientenschleuse ist die Grenze, ab der plötzlich alles
anders ist. Nicht einmal die Gesichter der Menschen sind
unter dem Mund-Nasen-Schutz erkennbar. Der Weg auf dem
Operationstisch in den Narkoseeinleitungsraum ist von
Ängsten begleitet – was nun kommt, ist dem Patienten fremd.
>>Deshalb muss immer erklärt werden, was geschieht,
dabei muss auf die Reaktion des Patienten geachtet
werden, um hinreichend darauf reagieren zu können.
Unverständnis und Angst sind häufig in der Mimik
erkennbar.
75
3.2 · Subjektives Erleben von Gesundheit und Krankheit
Die Umgebung muss ruhig sein, die Türen sind geschlossen,
die Kommunikation gewährleistet sein – dazu gehört ggf. ein
Dolmetscher.
3.2.3
Wahrnehmen und Beobachten
Mit unseren Sinnesorganen können wir Personen oder Ge
genstände aus unserer Umgebung wahrnehmen. Das ist mög
lich, indem Rezeptorzellen der Sinnesorgane physikalische
Reize (z. B. Schallwellen) aufnehmen, die dann in neuronale
Signale umgewandelt über Nervenbahnen an das Gehirn wei
tergeleitet werden. Dort erfolgen die Verarbeitung der neuro
nalen Signale und die Verknüpfung der Sinnesempfindungen
mit Gefühlen und Erfahrungen. Personen oder Gegenstände
in der Umgebung werden als diese erkannt und bewertet. Der
gesamte Vorgang von der Aufnahme des Sinnesreizes bis zur
Bewertung wird als sensorische Wahrnehmung bezeichnet.
Unsere Wahrnehmung ist beeinflussbar. Wirkt über einen
längeren Zeitraum ein gleichbleibender Reiz auf uns ein, er
folgt eine Anpassung der Sinnesorgane. Wir nehmen den Reiz
weniger wahr, reagieren weniger empfindlich auf ihn. Diese
Eigenschaft der Sinnesorgane wird als sensorische Adapta
tion bezeichnet.
Fallbeispiel
Sie sind an der Einschleusung eines pflegebedürftigen
Patienten beteiligt, der kurz zuvor massiv Stuhlgang
abgeführt hat. Beim Betreten der Patientenschleuse
nehmen Sie einen starken, fauligen Geruch wahr. Mögli
cherweise empfinden Sie Ekel und fragen sich, ob die
anderen Mitarbeiter ähnlich geruchsempfindlich sind.
Trotzdem unterstützen Sie die Kollegen bei der Körper
reinigung des Patienten. Danach fällt Ihnen plötzlich
auf, dass Sie den Geruch der Ausscheidung kaum mehr
wahrnehmen.
Wir können unsere Wahrnehmung aber auch durch Auf
merksamkeit gezielt steuern. Wir wenden uns Personen
oder Gegenständen aus unserer Umgebung bewusst zu, wir
beobachten sie.
Für eine fachkundige Begleitung und Betreuung der Pati
enten im OP ist eine genaue Krankenbeobachtung unerläss
lich. Eine geplante Beobachtung ist eine Möglichkeit, neben
dem OP-Plan, der Krankenakte oder einem Gespräch sich
über den Patienten und den bevorstehenden Eingriff zu infor
mieren. Indem wir den Patienten u. a. beobachten, können
wir seine individuellen physischen und psychischen Bedürf
nisse und Ressourcen erkennen und unser berufliches Han
deln entsprechend ausrichten.
Die Krankenbeobachtung erfolgt nicht nur mit den Au
gen, auch mit den anderen Sinnesorganen können wir gezielt
Informationen über den Patienten ermitteln (. Tab. 3.2; s. a.
Dietz 1994).
Neben der gezielten Steuerung der Wahrnehmung durch
Aufmerksamkeit gibt es weitere Faktoren, die die Bewertung
..Tab. 3.2 Beobachtung des Patienten mit mehreren Sinnes
organen (vgl. Dietz, 1994)
Sinnesorgan
Beobachtungsbeispiele
Auge
Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Hautfarbe
Ohr
Atemgeräusche, Klang der Stimme
Nase
Ausscheidungen, Wundsekrete
Haut (Hand)
Hautbeschaffenheit, Körpertemperatur
unserer Sinnesempfindungen, häufig unbewusst, beeinflus
sen. Das Wohlbefinden, die Motivation, die gegenwärtige
Stimmung und die Erfahrungen, die ein Mensch im Lauf sei
nes Lebens gemacht hat, haben einen Einfluss darauf, wie wir
Personen oder Gegenstände aus unserer Umgebung wahr
nehmen.
Die Einstellung (z. B. Gedanken und Gefühle) gegenüber
einer Person oder Gegenständen ist darüber hinaus sozial
und kulturell bedingt, u. a. durch Erziehung.
Im Krankenhausbetrieb müssen wir uns der vielfältigen
Einflussfaktoren bewusst sein. Das Wahrnehmen der eigenen
Stimmung und eine geplante Krankenbeobachtung sind
wichtig, damit wir negative Gefühle und Vorurteile zum
Nachteil des Patienten in die Betreuung bzw. Begleitung nicht
einfließen lassen.
Die Patientenbetreuung und -begleitung im OP wird
durch Teamarbeit gewährleistet. Als Mitglieder eines Teams
bzw. einer sozialen Gruppe erfüllen wir gesellschaftliche
Erwartungen an unser Verhalten, wir sind Träger sozialer
Rollen (7 Kap. 26). Diese Verhaltenserwartungen wie auch
gruppendynamische Prozesse (z. B. Gruppenzwang) verän
dern die Art und Weise, wie wir eine Person wahrnehmen.
In diesem Zusammenhang sprechen wir von sozialer Wahr
nehmung.
Soziale Rollen erleichtern im Alltag die Wahrnehmung
einer Person. Menschen, die aufgrund einer Erkrankung ope
riert werden müssen oder sich deshalb im Krankenhaus be
finden, nehmen wir in der Regel in ihrer Krankenrolle, als
Patienten, wahr. Wir erwarten vom Erkrankten ein bestimm
tes Rollenverhalten, z. B. die kooperative Mitwirkung am Be
handlungsprozess (Compliance).
Indem wir davon ausgehen, dass ein Patient erkrankt ist,
ordnen wir ihm eine Kategorie zu. Darüber hinaus können
wir einen Patienten nach äußeren Merkmalen (z. B. Alter,
Geschlecht, Hautfarbe) und bestimmten Persönlichkeits
eigenschaften (z. B. Zuversichtlichkeit, Ängstlichkeit) kate
gorisieren.
Im Alltag erfolgt die Zuordnung einer Person zu einer
bestimmten Kategorie häufig, ohne dass wir darüber nach
denken. Beeinflusst durch subjektive Erfahrungen schließen
wir von einem beobachteten Verhalten auf die Persönlich
keitsmerkmale eines Menschen. Wir lassen uns in der Perso
nenwahrnehmung durch eine sog. implizite Persönlichkeits
theorie leiten. Die subjektiven Annahmen über eine Person
können fehlerhaft sein.
3
3
76
Kapitel 3 · Patienten fachkundig begleiten und betreuen
3.3
Persönlichkeitstheorien
Das Verhalten eines Menschen wird häufig mit Persönlich
keitseigenschaften beschrieben, so ist beispielsweise der eine
Mensch gesellig und temperamentvoll, ein Anderer hingegen
eher zurückhaltend und ruhig. Wir neigen dazu, Menschen
zu charakterisieren, um ihr Verhalten auf der Grundlage von
subjektiven Erfahrungen vorauszusagen. Diese Erklärungs
versuche werden als Alltagstheorien oder Alltagspsychologie
bezeichnet.
Im Gegensatz dazu erforschen u. a. Psychologen Persön
lichkeitseigenschaften mit wissenschaftlichen Methoden. Die
so gewonnenen Erkenntnisse und nachvollziehbaren Aussa
gen können zu Persönlichkeitstheorien zusammengefasst
werden. Diese sind durch verschiedene Grundannahmen und
Forschungsansätze voneinander abgrenzbar.
3.3.1
Grundlagen der Tiefenpsychologie
Nach Sigmund Freud (1856–1939) ist der Mensch durch sei
ne biologischen Triebe geleitet. Verinnerlichte soziale Zwänge
hindern einen Menschen jedoch daran, seine Triebe auszule
ben. Aus diesem Spannungsverhältnis entwickelt sich die Per
sönlichkeit eines Menschen. Freud ging davon aus, dass die
Verdrängung von unerwünschten Trieben in das Unbewusste
das Verhalten beeinflusst. Er gliederte die Psyche in drei Teile.
Als «Es» bezeichnet Freud das Unbewusste, das «Ich» steht für
das Bewusstsein und das Gewissen nannte er «Über-Ich».
Mit den beiden letztgenannten Instanzen können unbe
wusste Vorgänge verarbeitet und verändert werden. Daraus
entwickelte Freud als Therapiekonzept die Psychoanalyse.
3.3.2
Grundlagen der humanistischen
Psychologie
Vertreter der humanistischen Psychologie berücksichtigen in
ihren Persönlichkeitstheorien die psychischen Entwicklungs
möglichkeiten. Ein bekannter Vertreter der humanistischen
Theorie ist Abraham Maslow. Er ging davon aus, dass ein
Mensch nach Selbstverwirklichung strebt. Zuvor müssen je
doch physiologische und psychologische Bedürfnisse wie z. B.
Hunger oder Sicherheit erfüllt sein.
Ein weiterer Vertreter dieser Theorie ist Carl Rogers
(1902–1987), der davon ausgeht, dass jedes Individuum sich
selbst steuern und begreifen kann, sodass jeder Mensch ein
Resultat seiner eigenen Gedanken und Wahrnehmungen ist
und seine eigene Wertschätzung somit beeinflussen kann.
Einflüsse von außen können jedoch dazu führen, dass man
che Wahrnehmungen nicht in das eigene «Selbst» passen und
das Gleichgewicht durcheinanderbringen. Negative Gefühle
wie Angst oder Herabsetzung des Selbstwertgefühls können
die Folge sein.
Nach Ansicht der humanistischen Psychologen ist jeder
Mensch bestrebt, sein positives Selbst- und Weltbild zu er
halten.
3.3.3
Grundlagen der Verhaltenstheorie
Der Begründer der Verhaltenstheorie (Behaviorismus) John
Watson vertrat die Ansicht, dass ausschließlich die experi
mentelle Untersuchung von beobachtbarem Verhalten zu
wissenschaftlichen Erkenntnissen führt. Ausgangspunkt sei
ner Überlegungen sind die Versuche von Iwan Petrowitsch
Pawlow (1849–1936), der mit seinem Hundeexperiment be
wies, dass eine Konditionierung bei Lebewesen möglich ist.
John Watson geht davon aus, dass ein Mensch sein Ver
halten erlernt, indem er auf Umweltreize reagiert. Die Per
sönlichkeit ist nach Watson ein System aus erlernten Ge
wohnheiten.
3.4
Das Kind im Krankenhaus
(in der Funktionsabteilung)
Die Besonderheiten der Betreuung eines Kindes sind in dem
Kapitel der Kinderchirurgie angesprochen (7 Kap. 18). Gera
de die kompetente Betreuung eines Kindes ist anspruchsvoll.
Hinzu kommt hier noch die Betreuung der Eltern, deren An
wesenheit in der Patientenschleuse bei kleinen Kindern (ca.
bis 6 Jahre) selbstverständlich sein sollte.
Den Kindern, wie auch den Eltern muss die Angst genom
men werden, das gelingt leichter, wenn der Fokus des Um
gangs auf das Kind gelegt wird. Hier muss das Alter und die
Entwicklung des Kindes bedacht werden, damit eine Kom
munikation möglich ist. Dabei darf nicht vergessen werden,
dass Kinder sehr gute Beobachter sind und Mimik und Gestik
sehr gut interpretieren können.
Jede einzelne Maßnahme muss dem Kind erklärt werden,
damit die vorhandenen Ängste nicht verstärkt werden. Jedes
Kind ist sich auf seiner Ebene seiner Erkrankung bewusst
und muss deshalb in die gesamte Therapie mit einbezogen
werden.
Es hat wenig Sinn, einem Kind zu erklären, dass die ge
planten Maßnahmen keine Schmerzen bereiten werden,
wenn das Gegenteil zu erwarten ist. Kinder können Wahrheit
und Lüge unterscheiden und sind dann bei ihrem folgenden
Klinikaufenthalt geprägt durch ggf. falsche Aussagen. «Lü
gen» minimieren das Vertrauen in die Pflegekräfte und die
Ärzte und machen den Krankenhausaufenthalt noch bedroh
licher.
3.5
Der Mensch im Alter
Wir haben aufgrund der demographischen Entwicklung im
mer mehr ältere Patienten im OP zu versorgen. Das stellt be
sondere Herausforderungen an jeden einzelnen Mitarbeiter.
Neben der Erkrankung, wegen der der alte Mensch im OP ist,
können vielfältige andere Probleme vorhanden sein, auf die
wir eingehen müssen.
«Alter» hat viele Facetten. Es ist nicht nur die Einschrän
kung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Wahrneh
mungsfähigkeit. Auch die soziale Rolle in der Gesellschaft
77
Literatur
verändert sich mit Auswirkungen auf die psychische Situation
des Menschen.
Alte Menschen sind in ihrer körperlichen Beweglichkeit
langsamer, sie hören und sehen schlechter, das allgemeine
Reaktionsvermögen lässt nach. Manchmal ist der Unterschied
zwischen der Erkrankung und altersbedingten Einschrän
kungen fließend. Gleichzeitig sind wir im OP angehalten,
schnell zu arbeiten, die Wechselzeiten zu bedenken und mit
den vorhandenen Personalressourcen auszukommen. Beides
ist manchmal nicht in Einklang zu bringen, kann Probleme
bereiten.
3.5.1
Krankheit im Alter
Das Altern erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder
Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erkranken oder einen Unfall
zu erleiden. Die Morbidität (Erkrankungshäufigkeit) nimmt
zu, ebenso die Mortalität (Sterblichkeitsrate).
3.5.2
Der alte Mensch als Patient
Im OP ist es wichtig zu wissen, welches die altersbedingten
Einschränkungen eines Patienten sind, neben der Erkran
kung, die operiert werden soll.
Aber gerade die Begleiterkrankungen fordern ein Höchst
maß an Anforderungen. Benötigt der Patient ein Hörgerät?
Kann er ohne Brille sehen? Hat er diese Hilfsmittel dabei? Hat
er chronische Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen,
die sich auf die intraoperative Lagerung auswirken? Liegt ein
Diabetes oder eine Arteriosklerose vor, die die Entstehung
eines Dekubitus fördern? Alte Menschen haben eine herabge
setzte Immunabwehr. Ist es unbedingt nötig, einen Dauerka
theter zu legen? Kann ggf. darauf verzichtet werden, um keine
Harnweginfektion zu provozieren? Hat der Patient eine Os
teoporose oder Endoprothesen? Beides wirkt sich auf die La
gerung aus. Leidet der Patient an einer Demenz und ist des
halb desorientiert, verwirrt oder über die Maßen ängstlich?
All diese Fragen ziehen eine besondere Betreuung nach
sich. Vielleicht kann der Lagerungsstandard nicht eingehalten
werden oder wir benötigen mehrere Mitarbeiter für die Ein
schleusung. Alle vom Standard abweichenden Maßnahmen
müssen dokumentiert werden.
Verwirrte Menschen werden häufig ruhiger, wenn ein
Körperkontakt hergestellt wird, z. B. wird die Hand gehalten
oder die Wange gestreichelt. Es ist zu fordern, die Zeit- und
Mitarbeiterressourcen auf das Patientenklientel abzustimmen
und jeden einzelnen Patienten so zu betreuen, wie er es be
nötigt.
3.6
Der suizidgefährdete Patient
Eine Besonderheit der Betreuung erfordert der suizidgefähr
dete Patient, bzw. der, der einen Suizid überlebte und deshalb
im OP behandelt wird. Die Einstellung zum «Selbstmord» ist
sehr unterschiedlich und von religiösen und kulturellen Wer
ten geprägt.
Gleichgültig, wie der Mitarbeiter zu diesem Thema steht,
ist die professionelle Betreuung für jeden Patienten zu fordern
und zu leisten.
>>Dass kein Patient im OP allein gelassen wird, ist eine
Forderung, der immer Rechnung getragen werden
muss, die jedoch bei suizidgefährdeten Patienten noch
einen anderen Stellenwert erhält.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 3
55 Welche drei Ausgangspunkte gibt es, um Gesundheit
und Krankheit zu erklären?
55 Was ist unter dem Begriff «Kausalitätsprinzip» zu ver
stehen?
55 Was bedeutet Kohärenzgefühl und warum steht
es im Mittelpunkt von A. Antonowskys Konzept der
Salutogenese?
55 Welche Fähigkeit des Menschen wird in den Persön
lichkeitstheorien der humanistischen Psychologie
besonders berücksichtigt?
Literatur
Beise U, Heimes S, Schwarz W (Hrsg) (2013) Gesundheits- und Krankheits
lehre, 3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
Bruns W (2013) Gesundheitsförderung durch soziale Netzwerke:
Möglichkeiten und Restriktionen. Springer, Heidelberg Berlin
Dietz C (1994) Krankenbeobachtung. Springer, Berlin Heidelberg New
York
Hornung R, Lächler J (1999) Psychologisches und soziologisches Grund
wissen für Krankenpflegeberufe. Psychologie Verlags Union, Wein
heim
Kabus M, Niethammer D (2009) Anamnese, Untersuchungstechniken,
Umgang mit Patienten und Eltern, psychosoziale Betreuung
schwerstkranker und sterbender Kinder. In: Speer CP, Gahr M (Hrsg)
Pädiatrie. 3. Aufl. Springer, Heidelberg Berlin
Maurer Y (2006) Der ganzheitliche Ansatz in der Psychotherapie. 2. Aufl.
Springer, Wien New York
Rober Koch-Institut – RKI (2009) Gesundheit und Krankheit im Alter.
Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. http://www.
rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichter
No comments:
Post a Comment
اكتب تعليق حول الموضوع