Diese wird mit einer Fasszange ausgeräumt
und freie Bandscheibensequester werden entfernt.
Die knöchernen Randzacken werden abgefräst, bis
die ventrale Dura vollständig freiliegt.
55 Bei diesem OP-Verfahren werden die der Bandscheibe
benachbarten Wirbel zur besseren Stabilität der Halswirbelsäule miteinander verblockt (fusioniert). Dazu
setzt der Chirurg einen Cage (aus Titan oder PEEK =
Poly-Äther-Äther-Keton; . Abb. 8.27) in den Zwischen
wirbelraum. Der Cage dient dann als Platzhalter, um
die ursprüngliche Höhe des Zwischenwirbelraums zu
erhalten. Vor dem Einsetzen des Implantats kann dieses mit Knochenmaterial des Patienten oder Fremd
spongiosa aufgefüllt werden. Abschließend erfolgt
eine Lagekontrolle des Cages mit dem Bildwandler.
55 Nach dem Entfernen sämtlicher Sperrer wird lediglich das subkutane Gewebe mit einem resorbierbaren Faden genäht. Die Oberhaut wird zusätzlich mit
zugaufnehmenden Pflastern verschlossen.
247
8.8 · Wirbelsäule und degenerative Erkrankungen
..Abb. 8.24 Reklinierte Lagerung des Kopfes. Aus: Krettek C, Aschemann D (2005) Lagerungstechniken im Operationsbereich. Springer,
Berlin Heidelberg New York
..Abb. 8.27
lap AG)
PEEK-Cage. (Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Aescu
j
jForaminotomie von dorsal
Alternativ zum operativen Vorgehen von ventral ist eine
Foraminotomie von dorsal möglich. Bei dieser Operation
wird das Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale) mit
einer Knochenstanze eröffnet. Damit ist eine knöcherne Einengung beseitigt, und der Bandscheibenvorfall kann entfernt
werden.
Lumbaler Bandscheibenvorfall/lumbale Spinal
kanalstenose
..Abb. 8.25 Stanze nach Sypert. (Mit freundlicher Genehmigung der
Fa. Aesculap AG)
Bei einem lumbalen Bandscheibenvorfall oder einer lumbalen Spinalkanalstenose wird ein mikrochirurgisches Vorgehen von dorsal als operative Therapie gewählt. Ziel der Maßnahme ist die Entlastung der bedrängten neuralen Strukturen
mit möglichst geringer Muskelablösung durch den Zugang.
Es wird Schmerzfreiheit und die Beseitigung der neurologischen Symptome (z. B. Missempfindungen in den Beinen,
Blasen- bzw. Stuhlentleerungsstörungen) angestrebt. Dieser
Eingriff wird in Bauchlage auf einer Wilson-Bank durchgeführt (7 Abschn. 4.5.2, . Abb. 4.3).
j
jMirkochirurgische Dekompression und Nukleotomie
(Vorgehen s. Übersicht; Instrumentarium . Abb. 8.28, . Abb.
8.29, . Abb. 8.30, . Abb. 8.31)
OP-Ablauf: Mirkochirurgische Dekompression und
Nukleotomie bei lumbalem Bandscheibenvorfall
..Abb. 8.26 Caspar-Spreizer. (Mit freundlicher Genehmigung der
Fa. Aesculap AG)
Bei geringer Degeneration im zervikalen Bewegungssegment kann die Implantation einer Bandscheibenprothese erwogen werden. Bei der Operationstechnik ist dann auf den
Verzicht der High-Speed-Fräse zu achten, da der beim Fräsen
entstehende Knochenstaub die Funktion der Prothese beeinträchtigt.
55 Wir bereiten neben dem Diskusgrundinstrumenta
rium auch Mikroinstrumente (Schere, Dissektor,
Nervenhaken) vor, die Blutstillung erfolgt bipolar.
Die High-Speed-Bohrmaschine mit Rosenbohransätzen und Diamantfräsen liegt bereit (. Abb. 8.28),
das Mikroskop wird steril bezogen, der Bildwandler
(C-Bogen) steht bereit.
55 Die erste Höhenlokalisation erfolgt vor dem Hautschnitt und der sterilen Abdeckung nach dem stan-
8
Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie
248
8
dardisierten Team-Time-Out. Nun kann die Hautdesinfektion erfolgen und nach der sterilen Vier-TuchAbdeckung der Schnitt zwischen den beiden Dornfortsätzen über dem betroffenen Befund gesetzt
werden.
55 Die Faszie entlang der Dornfortsätze wird mit einer
Präparierschere durchtrennt, das Raspatorium löst
die Muskulatur vom Knochen. Durch den Einsatz eines Wundsperrers nach Williams (. Abb. 8.29) kann
der Situs übersichtlich dargestellt werden.
55 Unter dem Mikroskop werden bei Bedarf Teile der
beiden Wirbelbögen mit der Fräse oder einer Stanze
abgetragen, bis die Übersicht gut ist. Nun wird noch
einmal die lokalisierte Höhe des Befunds mit einem
Instrument markiert und mit dem Bildwandler dargestellt und dokumentiert. Mit dem Mikroinstrumentarium wird die Nervenwurzel dargestellt und vom Assistenten mit einem Wurzelhaken (. Abb. 8.30) beiseite gehalten.
55 Der Bandscheibenvorfall kann nun dargestellt werden und mit Rongeuren (. Abb. 8.31) entfernt werden. Zum Abschluss wird das Bandscheibenfach ausgespült, nach einer Blutstillung erfolgt der schichtweise Wundverschluss durch Naht.
..Abb. 8.28
Rosenbohransätze für eine High-Speed-Bohrmaschine
..Abb. 8.29
Laminektomiesperrer nach Williams
Pseudospondylolisthesis, degeneratives
Wirbelgleiten
Bei erheblich fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen im Bewegungssegment ist eine Lockerung der Bandscheibe möglich. Dabei gleitet der Wirbel auf der darunter liegenden Bandscheibe nach vorn (Ventrolisthesis). Nachfolgend
kann sich eine Spinalkanalstenose entwickeln. Es besteht jedoch keine Unterbrechung des Gelenkfortsatzes, deshalb
sprechen wir beim degenerativen Wirbelgleiten von einer
Pseudospondylolisthesis.
8.8.3
Deformitäten/Fehlbildungen
..Abb. 8.30 Wurzelhaken nach Krayenbühl
Spondylolyse/Spondylolisthesis
Die Spondylolyse bezeichnet eine knöcherne Unterbrechung
des Wirbelbogenansatzes und führt zu einer Instabilität im
Bewegungssegment. Dadurch gleitet der Wirbelkörper mit
den Bogenwurzeln (Pedikel), den oberen Gelenkfortsätzen,
Querfortsätzen und der darüber liegenden Wirbelsäule nach
bauchwärts (ventral). Der Wirbelbogen mit den unteren Gelenkfortsätzen und dem Dornfortsatz bleibt in seiner anatomischen Lage. Häufig tritt diese Erkrankung am Übergang
von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein (Sakrum) auf. Je
nach Fortschritt des Wirbelgleitens werden vier Schweregrade unterschieden. Rutscht der Wirbelkörper komplett über
den darunterliegenden Wirbelsäulenabschnitt, sprechen wir
von einer Spondyloptose.
Versagen die konservativen Behandlungsmaßnahmen,
kann eine chirurgische Therapie durch eine Versteifungsope-
..Abb. 8.31
Rongeur
249
8.8 · Wirbelsäule und degenerative Erkrankungen
j
jStabilisierung mittels Fixateur interne/SchraubenStab-Implantaten an der Brust- und Lendenwirbel
säule
OP-Ablauf: Stabilisierung der Wirbelsäule mittels
Fixateur interne/Schrauben-Stab-Implantat
..Abb. 8.32 Schrauben-Stab-System, S4 Spinal System. (Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Aesculap AG)
ration erwogen werden. Dabei wird mit Schrauben-Stab-Implantaten der Gleitwirbel in seine ursprüngliche Position gebracht (reponiert). Die abgenutzte Bandscheibe wird entfernt
und der Zwischenwirbelraum durch Knochenmaterial aus
dem Beckenkamm des Patienten aufgefüllt (Spondylodese).
Damit ist die Stabilität im Bewegungssegment wiederhergestellt.
Bei vielen wirbelsäulenchirurgischen Operationen wird
ein Fixateur interne oder ein Schrauben-Stab-System
(. Abb. 8.32) implantiert. Der Unterschied liegt in den
Schrauben. Schanz-Schrauben werden wie bei einem Fixateur externe (7 Abschn. 8.1.2) auch bei einem Fixateur interne
verwendet. Die Schanz-Schrauben werden jedoch beim Fixateur interne gekürzt, damit sie nicht über das Hautniveau
inausragen.
h
Bei einem Schrauben-Stab-System kommen sog. Pedikelschrauben zum Einsatz. Ihr Schraubenkopf hat ein U-förmiges Profil, der als Lager für den Stab (Längsträger) dient.
Darüber hinaus kann der Schraubenkopf einer Pedikelschraube in alle Richtungen gedreht und in einem be
stimmten Winkel gekippt werden. Dann sprechen wir von
einer polyaxialen Pedikelschraube. Im Gegensatz dazu
gibt es auch monoaxiale Pedikelschrauben, die aus einem
Guss sind und folglich keinen beweglichen Schraubenkopf
haben. Schrauben-Stab-Systeme sind eine Weiterentwicklung des Fixateurs interne. Deshalb werden sie im Sprach
gebrauch auch fälschlicherweise als Fixateur interne be
zeichnet.
Das Stabilisierungsprinzip ist unabhängig von den Implantaten. Die Schrauben werden über die Wirbelbogen
wurzeln (transpedikulär) in die Wirbelkörper eingebracht
und winkelstabil mit jeweils einem Stab auf der linken und
rechten Seite des Dornfortsatzes längs zur Wirbelsäule verbunden.
55 Für diese geplante Operation wird der Patient in
Bauchlage (7 Abschn. 4.5.2, 7 Abb. 4.3) auf einer
Wilson-Bank oder auf Rollenkissen mit abgesenkten
Beinen gelagert. Dadurch wird die Lendenlordose
ausgeglichen. Wir bereiten das Diskusgrundinstrumentarium und zusätzlich das Knocheninstrumentarium vor. Außerdem werden die Instrumente und
Implantate des Schrauben-Stab-Systems und ggf.
Wirbelsäulensperrer vorbereitet. Die Blutstillung erfolgt bipolar. Einen Bildwandler steht bereit, bei
Bedarf wird die Operation durch eine Navigation
(7 Abschn. 2.5) unterstützt.
55 Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Ab
deckung erfolgt ein standardisiertes Team-TimeOut.
55 Der Hautschnitt liegt über dem betroffenen Wirbelsäulenabschnitt, ggf. wird eine Durchleuchtung zur
Höhenlokalisation hinzugezogen. Der Hautschnitt
liegt mittig über den Dornfortsätzen, Wundspreizer
erleichtern die weitere Präparation durch die Unterhaut (Subkutis) und beidseits entlang der Dornfortsätze mit Hilfe des Diathermiemessers bis auf den
Wirbelbogen (Lamina arcus vertebrae). Anschließend
wird die Rückenmuskulatur (M. erector spinae) mit
Tamponadestreifen oder Kompressen und einem
Raspatorium (nach Cobb) von den Wirbelbögen abgelöst. Die Wundspreizer werden gegen größere
Wundsperrer ausgetauscht.
55 Nun lassen sich die kleinen Zwischenwirbelgelenke
darstellen. Auftretende Blutungen werden mit einer
bipolaren Pinzette gestillt (koaguliert). Bevor die Bogenwurzeln (Pedikel) mit Schrauben besetzt werden
(das nennen wir auch instrumentieren), kann eine
erneute Höhenkontrolle erforderlich werden. Danach
wird der Eintrittspunkt der Schraube ermittelt und
die Kortikalis mit einer Knochenzange (nach Luer)
präpariert.
55 Es folgt das Ankörnen des Pedikels mit einem Pfriem.
Die weitere Präparation der Wirbel kann unterschiedlich durchgeführt werden.
55 Das Bohren eines Schraubenlochs in den Wirbelkörper mit einem Spiralbohrer und Bohrmaschine ist
möglich. Eine Alternative dazu ist die Durchführung
eines Gewindeschnitts in den Pedikel von Hand.
Anschließend wird die Schraube transpedikulär in
den Wirbelkörper eingebracht. Alle zu besetzenden
Bogenwurzeln werden entsprechend instrumentiert.
Die korrekte Lage der Schrauben wird mit dem Bildwandler geprüft.
8
250
Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie
55 Häufig erfolgt nun die Präparation zur Spondylodese
oder Osteotomie (s. u.). Danach wird die Stablänge
ermittelt. Die Stäbe werden kurzzeitig mit Fixationsschrauben, sog. Madenschrauben, leicht in die
Schraubenköpfe geklemmt. Ein Auseinanderdrücken
(Distraktion) oder umgekehrt ein Zusammendrücken
(Kompression) der Schraubenköpfe mit einem entsprechenden Instrument zur Erreichung eines Korrek
turziels (z. B. Reposition) ist noch möglich. Abschließend wird die Madenschraube mit einem Drehmoment
schlüssel und einem Gegenhalter endgültig festgezogen.
55 Nach Spülung der Wunde erfolgen die Einlage einer
Redon-Drainage und der schichtweise Wundverschluss.
8
j
jSpondylodese in PLIF-/TLIF-Technik
Bei einer Spondylodese werden zwei oder mehrere Wirbelkörper miteinander versteift (fusioniert). Als Therapieverfahren wird die Fusionsoperation bei vielen unterschiedlichen
Beschwerden und Erkrankungen gewählt, wie z. B. bei degenerativer Instabilität im Bewegungssegment bzw. degenerativem Wirbelgleiten. Auch eine Instabilität oder chronischen
Kreuzschmerzen (Postnukleotomiesyndrom), die nach einer
Operation eines Bandscheibenvorfalls oder einer Spinal
kanalstenose möglich sind, können mit einer Spondylodese
behandelt werden. Nach Verletzungen der Bandscheibe und
Wirbelsäulenbänder nach einem Unfall oder zur Erhaltung
des Operationsergebnisses bei Korrekturoperationen von
Wirbelsäulendeformitäten ist eine Spondylodese durchführbar.
Bei einer Fusionsoperation sind – in Abhängigkeit vom
Versteifungsbereich – verschiedene OP-Techniken möglich:
An der Lendenwirbelsäule werden häufig die Verfahren
PLIF («posterior lumbar interbody fusion») bzw. TLIF («transforaminal lumbar interbody fusion») angewendet. Die Lagerung des Patienten und der Zugang zur Wirbelsäule entsprechen der bei der Implantation von Schrauben-Stab-Systemen
(s. o.). Die beiden OP-Techniken unterscheiden sich in der
Präparation zum Bandscheibenfach.
44PLIF («posterior lumbar interbody fusion»)
55Bei der Spondylodese in PLIF-Technik wird beidseits
vom Dornfortsatz der Raum zwischen zwei Wirbel
bogen, das sog. interlaminäre Fenster eröffnet.
Das gelbe Band (Lig. flavum) wird mit einem Skalpell
eingeschnitten und teilweise mit einer Fasszange
(Rongeur; . Abb. 8.31) entfernt.
55Zur Erweiterung des interlaminären Fensters wird
ein Teil der Wirbelbogen mit einer Knochenstanze
abgetragen. Die Facettengelenke bleiben intakt. Die
Dura und die Nervenwurzel werden sichtbar und
können mit einem Nervenhaken zur Mitte bzw. nach
kranial weggehalten werden. Die Bandscheibe wird
mit einem Skalpell eingeschnitten und mit einer Fass
..Abb. 8.33 Einschlagen und Ausrichten des Original-Cage. Aus:
Fritsch E (2013) Wirbelsäule. In: Kohn D, Pohlemann T (Hrsg) Operationsatlas für die orthopädisch-unfallchirurgische Weiterbildung, 2. Aufl.
Springer, Berlin Heidelberg New York
zange entfernt. Das Gleiche wird auf der Gegenseite
wiederholt. Nun ist das Einsetzen eines Wirbel
spreizers möglich.
55Anschließend wird das verbliebene Gewebe von der
Grund- bzw. Deckplatte der Wirbelkörper entfernt.
Anschließend folgt das Auffüllen des Zwischenwirbelraums mit Knochenmaterial, z. B. aus dem Beckenkamm des Patienten. Häufig werden zusätzlich Titanoder PEEK-Implantate (Cage) zur Sicherung der
Höhe des Zwischenwirbelraums eingesetzt.
44TLIF («transforaminal lumbar interbody fusion»)
55Die TLIF-Operation ermöglicht durch die Entfernung
eines Facettengelenks ein einseitiges Vorgehen.
55Die Instrumente für die Präparation des Bandscheibenfachs sowie die Implantate sind häufig bogenförmig angepasst (. Abb. 8.33).
Möglich ist auch eine Kombination der beiden Operationstechniken.
Neben den Spondylodeseverfahren vom Rücken aus gibt
es auch OP-Techniken von vorn über einen trans- oder retroperitonealen Zugang. Diese OP-Techniken eignen sich besonders für die Spondylodese zwischen dem 5. Lendenwirbel
und dem Kreuzbein. Für die Fusionsoperation von ventral ist
die Abkürzung ALIF («anterior lumbar interbody fusion») gebräuchlich.
Der Patient erhält die allgemeinen Vorbereitungen zur
Operation (körperliche und neurologische Untersuchung,
Labor, EKG, Röntgen Thorax). Röntgenbilder in 2 Ebenen
der Lendenwirbelsäule mit Darstellung des thorakolumbalen
und des lumbosakralen Übergangs werden angefertigt und
ergänzt werden die Aufnahmen durch eine CT und eine MRT
des Wirbelsäulenabschnittes. Eine spezielle Bildgebung der
großen Bauchgefäße und des Rückenmarks können erforderlich werden.
251
8.8 · Wirbelsäule und degenerative Erkrankungen
j
jSpondylodese in ALIF-Technik
(s. Übersicht und . Abb. 8.34)
OP-Ablauf: ALIF-Spondylodese («anterior lumbar
interbody fusion»)
55 Für diese Operation bereiten wir das Diskusgrund
instrumentarium, ein spezielles Hakensystem für die
Wirbelsäulenchirurgie und Titan- oder PEEK-Implantate mit dem dazu gehörigen Einbringinstrumenta
rium vor. Allgemein- und gefäßchirurgisches Zusatzinstrumentarium liegt bereit. Ein Durchleuchtungsgerät wird benötigt.
55 Der Patient wird in Rückenlage operiert, manche
Operateure ziehen es vor, zwischen den Beinen des
Patienten zu stehen. Dann müssen die Beine des
Patienten mit den Beinplatten abgespreizt oder in
Goepel-Stützen gelagert werden. Die Hüft- und
Kniegelenke sind leicht gebeugt (. Abb. 8.34).
55 Bevor die sterile Abdeckung angebracht wird, muss
geprüft werden, ob sich der betreffende Wirbelsäulenabschnitt mit dem Bildwandler darstellen lässt.
55 Die Hautdesinfektion erfolgt großflächig. Die Abdeckung wird mit einem Vier-Tuch-Set (und ggf. Bein
lingen) durchgeführt. Eine mögliche Beckenkammspanentnahme muss bei der Desinfektion und
Abdeckung des Patienten berücksichtigt werden.
55 Nach dem standardisierten Team-Time-Out erfolgt
der Hautschnitt für einen transperitonealen Zugang
quer am Unterbauch (z. B. nach Pfannenstiel;
7 Kap. 7, 7 Abb. 7.1) oder mit einem Längsschnitt
entlang der Mittelinie unterhalb des Bauchnabels.
–– Das Unterhautfettgewebe wird durchtrennt und
die Faszie des Rektusmuskels eröffnet. Die Linea
alba wird längs gespalten.
–– Das Peritoneum wird mit zwei chirurgischen
Pinzetten angehoben und eingeschnitten.
–– Der Darm wird mit einem Stieltupfer beiseite
gehalten.
–– Der Übergang von der Lendenwirbelsäule zum
Kreuzbein ist durch eine Erhebung (Promonto
rium) nach bauchwärts auffindbar.
–– Die Ureteren (Harnleiter) werden aufgesucht,
um sie sicher zu schonen.
–– Das Retroperitoneum wird eröffnet.
–– Die Aufzweigung (Bifurkation) der Bauch- und
Beckengefäße wird dargestellt und die einzelnen Gefäße ggf. mit Bändern oder Latexzügeln
markiert.
55 Alternativ ist ein retroperitonealer Zugang für die
Spondylodese in ALIF-Technik möglich. Der Hautschnitt liegt linksseitig quer- oder längsverlaufend
am Rand des geraden Bauchmuskels (pararektal).
–– Nach Durchtrennung der Unterhaut wird die vordere Faszie des geraden Bauchmuskels stumpf
mit einer Präparierschere gespalten. Der Muskel
kann zur Mitte gedrängt werden und wir sehen
dann den Punkt, an dem die vordere und hintere
Rektusfaszie zusammenlaufen. Die hintere Faszie
wird ebenfalls stumpf gespalten und damit das
Retroperitoneum eröffnet.
–– Der Peritonealsack wird mit Stieltupfern abgeschoben und mit Haken nach medial gehalten.
–– Die epigastrischen Gefäße werden unterbunden
und durchtrennt.
–– Der Ureter wird aufgesucht und ebenso wie der
Psoasmuskel weggehalten.
–– Die Becken-Lenden-Vene (V. iliolumbalis) wird
unterbunden und durchtrennt.
55 Unabhängig vom Zugangsweg wird nach der Gefäßpräparation das Hakensystem eingesetzt und die
Bandscheibe dargestellt. Anschließend überprüft
der Operateur mittels Bildwandler, ob der geplante
Zwischenwirbelraum erreicht ist.
55 Das vordere Längsband und der Faserring der Bandscheibe werden mit einem Skalpell eingeschnitten,
mit einer Fasszange wird das Gewebe aus dem Zwischenwirbelraum entfernt. Das verbliebene Faserringgewebe an der Grund- bzw. Deckplatte kann mit
einer Kürette oder einem scharfen Löffel entfernt
werden.
55 Nun bestimmt der Operateur mittels Probeplatzhaltern die Größe des Cages. Das Implantat und der Zwischenwirbelraum werden mit Knochenmaterial, z. B.
aus dem Beckenkamm des Patienten, aufgefüllt.
Nach einer Durchleuchtungskontrolle werden sämtliche Bänder/Zügel entfernt und das Bandscheibenfach mit einem Längsbandlappen verschlossen. Das
Einbringen einer Robinson-Drainage ist möglich.
55 Der Entfernung des Hakensystems folgen eine Zählkontrolle der Textilien und Instrumente und der
schichtweise Wundverschluss (Peritoneum, Faszie,
Haut). Der Hautschnitt wird mit einem sterilen
Pflaster bedeckt.
Der trans- oder retroperitoneale Zugang wird auch bei der
Implantation einer lumbalen Bandscheibenprothese gewählt.
Die Präparation des Bandscheibenfachs erfolgt wie bei der
Spondylodese beschrieben. Jedoch werden die Wirbel nicht
miteinander verblockt, sondern eine bewegliche Prothese
wird implantiert. Die Bandscheibenprothese kann jedoch
nicht bei einer starken Degeneration des Bewegungssegments
mit Spondylose und Spondylarthrose eingesetzt werden.
8.8.4
Wirbelkörperdeformitäten
An der Wirbelsäule sind zahlreiche verschiedene Fehlbildungen möglich. Statt der normalen fünf gibt es bei der Lumbalisation einen sechsten Lendenwirbel. Bildet der fünfte Lendenwirbel eine Einheit mit dem Kreuzbein sprechen wir von
8
252
Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie
C-Arm
C-Arm
Monitor
8
Operateur
..Abb. 8.34 Operations-Setup für die modifizierte Steinschnittlage.
Aus: Fritsch E (2013) Wirbelsäule. In: Kohn D, Pohlemann T (Hrsg) Opera-
tionsatlas für die orthopädisch-unfallchirurgische Weiterbildung, 2. Aufl.
Springer, Berlin Heidelberg New York
einer Sakralisation. Wirbelfehlbildungen, z. B. der Halbwirbel oder Keilwirbel, sind durch eine ungleichmäßige Form
gekennzeichnet. Dadurch kann sich nachfolgend eine Wirbelsäulenverkrümmung entwickeln.
Neben der Ursache werden Skoliosen nach dem betroffenen Wirbelsäulenabschnitt in thorakale, thorakolumbale
oder lumbale Skoliosen eingeteilt. Da es häufig zu einer Ausgleichskrümmung anderer Wirbelsäulenabschnitte kommt,
entsteht die typische S-Form der Skoliose (. Abb. 8.35).
Die idiopathische Skoliose entsteht während des Wachstums. Durch die Verkürzung der Weichteile (z. B. Muskeln)
wird die Wirbelsäule ungleichmäßig belastet. Die Wachstumsfugen der Wirbelkörper auf der stärker belasteten Seite
(Konkavseite) werden geschädigt und die Wirbelsäulenverkrümmung bleibt. Die zusätzliche Verdrehung der Wirbelkörper sorgt auf der gegenüberliegenden Seite (Konvexseite)
für den typischen Rippenbuckel. Der gesamte Brustkorb ist
mit der Wirbelsäule verformt. Dadurch kann es zu einer Beeinträchtigung der Atmung kommen. Schmerzen verursacht
eine Skoliose in der Regel nicht.
Die Behandlung der Skoliose sollte noch während des
Wachstums begonnen werden, abhängig vom Alter des Pa
tienten und der Schwere der Krümmung. Zunächst wird konservativ versucht, ein Fortschreiten der Erkrankung durch
krankengymnastische Übungen zu vermindern, die Versorgung mit einem Korsett kann erforderlich werden. Eine Rönt-
Skoliose
Die Skoliose ist eine Erkrankung, bei der es zu einer mehr
oder weniger starren Seitverkrümmung der Wirbelsäule
kommt. Außerdem sind die Wirbelkörper um die eigene Achse verdreht (Rotation), was zu einer spiralförmigen Verwindung der Wirbelsäule führt. In Abhängigkeit von der Ursache
wird die Skoliose in verschiedene Formen wie z. B. osteopathische Skoliose unterschieden. Das Wort vor «Skoliose»
beschreibt die Erkrankung, die zugrunde liegt. In diesem Beispiel handelt es sich um eine Verkrümmung, die durch eine
Knochenerkrankung entsteht. Weitere Formen sind die myopathische Skoliose, die durch eine Muskelerkrankung entsteht und die neuropathische Skoliose, der eine Erkrankung
des Nervensystems zugrunde liegt. Die häufigste Form ist die
idiopathische Skoliose, bei der die Ursache unbekannt ist.
Mädchen erkranken viermal häufiger an einer Skoliose als
Jungen.
253
8.8 · Wirbelsäule und degenerative Erkrankungen
j
jKorrekturspondylodese über einen transthorakalen
Zugang
OP-Ablauf: Korrekturspondylodese über transthorakalen Zugang
a
b
..Abb. 8.35a, b Röntgenaufnahmen einer Skoliose (Lenke-Typ 3)
im a.p.-Strahlengang. a Vor, b nach operativer Aufrichtung. Aus: Grifka J,
Kuster M (2011) Orthopädie und Unfallchirurgie für Praxis, Klinik und
Facharztprüfung.
genaufnahme der ganzen Wirbelsäule von vorn erlaubt Aufschlüsse über die Schwere der Erkrankung. Anhand des Bilds
kann eine spezielle Winkelmessung nach Cobb durchgeführt
werden. Beträgt der ermittelte Winkel mehr als 40°, ist eine
weitere Verkrümmung zu erwarten und eine Operation sinnvoll.
Zur OP-Vorbereitung werden weitere Röntgenbilder der ge
samten Wirbelsäule von der Seite und von vorn unter Seitneigung nach rechts und links (Bending-Aufnahmen), wie auch
eine CT und eine MRT nötig. Neurologische Untersuchungen
und eine Laboruntersuchung des Bluts gehören zur standar
disierten Vorbereitung. Als bester Zeitpunkt für einen opera
tiven Eingriff gilt das Alter kurz vor Ende des Wachstums.
Es stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Eine Korrekturspondylodese von dorsal mit einer Fusion von mehreren Wirbeln und der Implantation eines
Schrauben-Stab-Systems (7 Abschn. 8.8.3) ist möglich. Alternativ dazu und in Abhängigkeit vom Schweregrad der Sko
liose kann eine Korrekturspondylodese auch über einen seitlichen Zugang durch den Brustkorb (laterale Thorakotomie)
erfolgen.
55 Zur Operation wird der Patient in Seitenlage gebracht
(7 Abschn. 4.5.2, Abb. 4.4). Seitenstützen oder eine Vakuummatratze halten den Patienten in seiner Lage. Für
die Operation erhält der Patient einen speziellen Doppellumentubus, mit dem beide Lungenflügel einzeln
belüftet werden können. Der Zugang erfolgt auf der
Seite des Rippenbuckels (Konvexseite).
55 Wir bereiten Grund- und Knocheninstrumente vor.
Außerdem benötigt der Operateur das Thoraxinstrumentarium mit Rippenraspatorium, -schere, -sperrer
und Lungenspatel. Weiterhin stellen wir die Instrumente für die Implantate bereit. Wir überprüfen, ob
alle geplanten Implantate vorrätig sind.
55 Die Hautdesinfektion erfolgt großflächig. Anschließend kleben wir die Vier-Tuch-Abdeckung.
55 Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird der
Hautschnitt entlang der 5., 6. oder 7. Rippe durchgeführt. Die Unterhaut und Muskeln werden durchtrennt.
Mit einem Raspatorium wird die Knochenhaut von der
Rippe abgeschoben und die Rippe mit Hilfe einer Rippenschere oder einer oszillierenden Säge entfernt. Das
Brustfell (Pleura parietalis) erscheint und wird eingeschnitten. Nun wird der sichtbar werdende Lungenflügel aus der Beatmung genommen und fällt in sich zusammen. Der Rippensperrer wird eingesetzt.
55 Das Brustfell vor der Wirbelsäule wird eingeschnitten,
die Segmentgefäße werden sichtbar und sorgfältig
präpariert, unterbunden und durchtrennt. Die Faserringe (Anuli fibrosi) werden eingeschnitten und die
Bandscheiben (Disci intervertebralis) mit einer Fasszange ausgeräumt. Das knorpelige Gewebe der
Grund- und Deckenplatten der Wirbel wird für die
spätere Spondylodese abgetragen.
55 An der Seitenwand der Wirbelkörper werden Plattenimplantate angeschraubt. Auf den Platten wird ein
Stab befestigt und mit dem Korrekturverfahren begonnen. Dabei wird der Stab mit speziellen Zangen
um seine eigene Achse gedreht und dann ein zweiter
Stab zur zusätzlichen Stabilisierung implantiert.
Mit einer weiteren Zange werden nun die Implantate
näher aneinander gedrückt, um eine normale S-Form
der Wirbelsäule herzustellen. Die Zwischenwirbelräume, aus denen die Bandscheiben entfernt wurden,
werden mit Knochen der entfernten Rippe aufgefüllt.
55 Wenn die Durchleuchtungskontrolle ein zufriedenstellendes Ergebnis aufweist, wird das Brustfell mit
einer Naht verschlossen und eine Thoraxdrainage in
den Brustkorb eingelegt. Der betroffene Lungenflügel wird wieder in die Beatmung mit einbezogen. Die
durchtrennten Muskeln werden zusammengenäht
und die Haut verschlossen.
8
Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie
254
Bei besonders schweren Formen der Skoliose werden die Vorgehensweisen von vorn und hinten kombiniert. Das kann in
einer oder in zwei aufeinander folgenden Operationen geschehen. Vor dem Eingriff ist die Durchführung einer Streckbehandlung mit speziellen orthopädischen Hilfsmitteln möglich.
8.8.5
Entzündliche Erkrankungen
Infektiöse Spondylitis
8
Die infektiöse Spondylitis entsteht, wenn Keime auf dem
Blutweg oder durch einen ärztlichen Eingriff an einen Wirbelkörper gelangen. Die Entzündung zerstört den Wirbelkörper. Häufig ist die Bandscheibe eines Bewegungssegments mit
betroffen, dann sprechen wir von einer Spondylodiszitis. Es
können sich Abszesse bilden, die operativ eröffnet werden
müssen. Der erkrankte Knochen sowie die Bandscheibe müssen entfernt werden. Abhängig vom Allgemeinzustand des
Patienten ist im Anschluss an die operative Behandlung der
Infektion eine Erweiterung des Eingriffs zur Spondylodese
(s. o.) möglich.
Bei einer infektiösen Spondylitis muss der spezielle Keim
nachgewiesen werden, damit eine Tuberkulose ausgeschlossen werden kann.
!!Cave
Falls die Entzündung des Wirbelkörpers durch den Tuberkuloseerreger (Mycobacterium tuberculosis) verursacht wurde, müssen spezielle Hygienerichtlinien beachtet werden.
Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)
Von den infektiösen Spondylitiden abzugrenzen sind entzündliche Veränderungen der Wirbelsäule durch Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Eine dieser Erkrankungen ist die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew).
Sie tritt häufig am Becken zwischen dem Kreuz- und dem
Darmbein (Iliosakralgelenk/Articulatio iliosacralis) und den
Zwischenwirbelgelenken (Facettengelenke/Articulatio zygapophysialis) auf, aber auch andere Gelenke können betroffen
sein.
Die chronische Entzündung führt zu einer Verknöcherung der Iliosakral- und der Facettengelenke. Auch die Längsbänder der Wirbelsäule können verknöchern und Knochenspangen zwischen den Wirbeln bilden. Dadurch kommt es zu
einer zunehmenden Versteifung der Wirbelsäule. Als Folge
nimmt die Knochendichte der Wirbelkörper ab (sekundäre
Osteoporose) und die Form der Wirbelsäule verändert sich.
Die Lendenwirbelsäule ist abgeflacht und die Brustwirbelsäule weist eine starke Rundung auf. Patienten mit einem Morbus
Bechterew sind durch die verminderte Knochendichte besonders anfällig für Wirbelkörperbrüche, die die Formveränderung der Wirbelsäule zusätzlich verstärken.
Bei einem ausgeprägten Buckel sprechen wir von einer
Totalkyphose.
Der Morbus Bechterew verursacht anfänglich Muskel-,
Kreuz- und Gelenkschmerzen, die sich schwer einer Erkran-
kung zuordnen lassen. Die Schmerzen nehmen während der
Entzündungsschübe zu. Auch die Formveränderung und
Überbeanspruchung der Rückenmuskulatur führen vermehrt
zu Schmerzen, die mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandelt werden.
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