Unterbauchlaparo
tomie folgen die ersten OP-Schritte, wie bei der
Hemikolektomie rechts beschrieben. Jedoch wird
das gesamte Kolon inklusive des oberen Rektums
mobilisiert.
55 Alle Arterien, die für die Blutversorgung des Kolonrahmens verantwortlich sind, werden identifiziert
und mit den dazugehörigen Venen zwischen Ligaturen durchtrennt. Je nach Indikation werden Gefäße
stammnah (onkologische Erkrankungen) oder darmnah (Colitis ulcerosa) durchtrennt. Danach wird der
Dünndarm im Bereich des terminalen Ileums mit
einem linearen Cutter abgesetzt.
55 Nach der Entfernung der Schleimhaut aus dem
unteren Rektum (Proktomukosektomie) wird ein
Pouch gebildet. Der Dünndarm wird J-förmig zusammengelegt und mit einem linearen Cutter im Bereich der Doppelwand inzidiert. Dadurch entsteht
ein Reservoir. Diese Ileumschlaufe wird durch den
intakten Sphinkter gezogen und mit der Analhaut
anastomosiert. So entsteht eine pouchanale Anasto
mose. Anschließend erfolgt eine Dichtigkeitskon
trolle.
55 In der Regel wird die Anlage eines Anus praeterna
turalis (s. u.) zur vorübergehenden Schonung des
Pouches durchgeführt.
55 Die Drainageeinlage, Zählkontrolle und der schichtweise Wundverschluss beenden die OP.
Durch das Pouch-Reservoir kann die Stuhlfrequenz deutlich
reduziert werden.
Auch diese OP-Methode ist in minimal-invasiver Technik
möglich.
j
jAnus praeternaturalis
Der Anus praeternaturalis (AP) ist ein operativ angelegter,
künstlicher Darmausgang. Verschiedene Begrifflichkeiten
können Aufschluss über die Beschaffenheit des Stomas (stoma = Mündung, Öffnung) geben, z. B.:
44temporär (vorübergehend),
44protektiv (zum Schutz folgender Darmabschnitte),
7
182
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
44definitiv (endgültig),
44einläufig/endständig (nur oraler Schenkel),
44doppelläufig (bestehend aus oralem und aboralem
Schenkel).
7
öffnet und mit Peritonealklemmen nach Mikulicz
angeklemmt (. Abb. 7.19).
55 Durch eine ausreichende Mobilisation der aus
zuleitenden Darmschlinge kann spannungsfrei der
Durchzug der Darmschlinge mittels Gummizügel
oder des verschlossenen Darmendes an die Haut
oberfläche gelingen. Nach der Zählkontrolle wird zuerst die Laparotomiewunde und die Haut verschlossen. Diese wird vorerst mittels Verband abgedeckt.
Der ausgeleitete Darm wird mittels Fixierungsnähten an der Faszie und der Haut gehalten.
55 Bei der Anlage eines doppelläufigen Stomas wird
häufig ein sog. Reiter verwendet. Dieser besteht
aus einem weichen, aber nicht zu biegsamen Kunststoffrohr. Er wird als ca. 4 cm langer Steg quer unter
die ausgeleitete Schlinge gelegt und mit nicht
resorbierbarer Naht an der Haut fixiert. Ein Reiter
dient u. a. der Fixierung des Stomas an der Bauch
decke und dem Trennen der zwei Darmlumina.
Das Lumen wird eröffnet und die Schleimhautränder an die Haut genäht, sodass kein Darminhalt
unter diese Naht in die Bauchdecke fließen kann
(Gefahr: Wundheilungsstörung!). Wichtig ist hierbei auch, dass das Stoma über dem Hautniveau liegt.
55 Der Unterschied zwischen Dünndarm- und Dickdarmstomata besteht darin, dass es beim Dünndarmstoma
So ist ein protektives, doppelläufiges Stoma z. B. zum Schutz
angelegt und besteht aus zwei Schenkeln. Auch der Ort der
Anlage wird durch Nennung des ausgeleiteten Darmabschnitts mit der zusätzlichen Endung «stoma» deutlich (z. B.
Ileo-stoma, Kolo-stoma, Transverso-stoma …). Meist ist ein
doppelläufig angelegter AP als vorübergehender Ausgang geplant und dient zur Schonung der dahinterliegenden Anastomose. Dieser wird im Allgemeinen nach drei Monaten bzw.
nach Ausheilung der Anastomose zurückverlegt.
Ein endständig angelegter AP ersetzt den natürlichen
Darmausgang.
OP-Ablauf: Anus praeternaturalis
55 Um ein Stoma anzulegen, wird vor dem Verschluss
der Laparotomiewunde die Durchtrittstelle des auszuleitenden Darmteils in der Bauchwand vorbereitet.
Dazu wird die Haut mit einer Kocher-Klemme angeklemmt und hochgezogen. Über die Exzision eines
Haut-Weichteil-Zylinders (2–3 cm) wird schichtweise
der Bauch eröffnet. Das Peritoneum wird mit zwei
chirurgischen Pinzetten gefasst, mit einer Schere er-
..Abb. 7.19a, b Stomaanlage. a Haut
exzision. b Kreuzförmige Spaltung der
Rektusfaszie. Aus: Fürst A, Liebig-Hörl G
(2013) Stomaanlage und Stomarückver
lagerung. In: Jauch KW, Mutschler W,
Hoffmann JN, Kanz KG (Hrsg) Chirurgie
Basisweiterbildung. Springer, Berlin
Heidelberg New York
a
b
183
7.7 · Proktologie
wichtiger ist, dass die ausgeleiteten Darmschlingen
weiter über dem Bauchdeckenniveau liegen. So kann
bei der Stomapflege die AP-Platte exakter am Hautrand platziert werden und der Darminhalt besser in den
Auffangbeutel fließen. Die Gefahr, dass Ausscheidungs
sekrete mit der Haut in Kontakt kommen und diese
durch die Enzyme des Dünndarms gereizt und geschädigt wird, wird minimiert. Bei Dickdarmstomata
ist nur eine leichte Erhabenheit wichtig, da der ausgeleitete Stuhl fester ist, außerdem sind Dickdarmsekrete
nicht so aggressiv zur Haut. Aber auch hier ist eine
exakte Anlage der Platte mit Auffangbeutel wichtig.
55 Eine weitere Methode ist die reiterlose Anlage. Hierbei werden beide Darmschenkel mittels Haltefäden
an der Bauchdecke fixiert. Nach konzentrischer,
querer Eröffnung des Darmlumens wird dann die eröffnete, oral gerichtete Schlinge weit ausgestülpt
und an der Haut fixiert. Somit entsteht eine natürliche Erhabenheit des Stomas über dem Bauchdeckenniveau. Durch das Weglassen des Reiters wird die
Stomapflege erleichtert, da die AP-Platte besser angepasst werden kann.
55 Nachdem der neuangelegte AP mit Platte und Auffangbeutel versorgt ist, erfolgt ein erneutes Anbringen
des sauberen Verbandes an der Laparotomiewunde.
Bei jeder AP-Anlage ist darauf zu achten, dass die genaue anatomische Lage der Darmschlingen im Bauchraum berücksichtigt und eingehalten wird. Es besteht sonst die Gefahr von
Abknickungen oder Strangulationen.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.6
55 Was versteht man unter dem Begriff «Ileus»? Welche
Formen sind Ihnen bekannt?
55 Was ist ein «Anus praeternaturalis»? Welche Formen
kennen Sie? Wann wird ein AP angelegt?
55 Wir unterscheiden 2 Formen von Darmklemmen.
Welche? Wann werden die Modelle eingesetzt?
55 Welche Alternativen für die Operationslagerung kennen Sie, wenn eine Hemikolektomie geplant ist?
7.7
extrem schmerzhaft. In dem Analbereich liegen viele Drüsenausführungsgänge, wenn diese verstopfen, kommt es zu
bszess- oder Fistelbildungen.
A
Der Schließmuskel besteht aus dem inneren Muskel, der
immer zusammengezogen ist (M. sphincter ani internus) und
dem äußeren Muskel (M. sphincter ani externus), der willkürlich gesteuert wird.
Bevor Beschwerden wie anale Schmerzen oder unwillkürlicher Stuhlabgang (Inkontinenz) durch einen Arzt behandelt
werden, befragt dieser den Patienten u. a. zu seinen Stuhlgewohnheiten (Anamnese). Danach folgt eine körperliche Untersuchung, für die eine Steinschnittlage (SSL) erforderlich
sein kann. Wenn ein Befund erhoben wird, wird die Angabe
der Lokalisation entsprechend dem Ziffernblatt einer Uhr angegeben (12 Uhr, 3 Uhr, 6 Uhr, 9 Uhr). Häufig sieht der untersuchende Arzt schon ohne Hilfsmittel Veränderungen um
den Anus wie Falten (Marisken), Hämorrhoiden oder einen
Vorfall des Anal- oder Rekumkanals (Prolaps). Um weitere
Diagnostik durchzuführen, erfolgt eine rektale digitale (mit
dem Finger) Untersuchung, die Aussagen über die Länge des
Analkanals und Veränderungen der Schleimhaut machen
lässt.
Wenn die Diagnostik weiter in den Darmkanal hinein
durchgeführt werden soll, muss eine Spiegelung vorgenommen werden. Je nach Höhe der Spiegelung sprechen wir von
einer Proktoskopie oder einer Rektoskopie. Die Proktoskopie
erlaubt eine Untersuchung des Analkanals sowie des unteren
Abschnitts des Rektums und kann ohne Betäubung durchgeführt werden. Zur Rektoskopie liegt der Patient auf einem
Steinschnitttisch oder auf einem geraden Tisch auf der linken
Seite. Ein Rektoskop ist starr, ca. 30 cm lang und hat einen
Durchmesser von 2–3 cm (. Abb. 7.20). Die Einführung kann
trotz der Benutzung von Gleitgel schmerzhaft sein. Da an
dem Rektoskop eine Lichtquelle, eine Optik und eine Möglichkeit, Luft zu insufflieren angebracht ist, kann die Schleimhaut begutachtet werden. Bei Bedarf muss der Darm erweitert, bzw. entfaltet werden, dafür wird Luft in den Darm gepumpt. Ggf. werden Proben entnommen, um eine histologische Untersuchung durchzuführen.
Beispielhaft werden hier einige Krankheitsbilder der
Proktologie beschrieben. Vielfach werden die vorbereitenden
Proktologie
Jens Köpcke, Margret Liehn
Das Fach der Proktologie ist in der Regel in den Bereich der
Viszeralchirurgie integriert. Es beschäftigt sich mit den Erkrankungen des Enddarms (Rektum), des Analkanals und des
Sphinktersystems (Schließmuskel).
Das Rektum ist ca. 14–16 cm lang, liegt dem Steißbein
und dem Kreuzbein an und geht in den Analkanal über. Die
Rektumschleimhaut endet an der Linea dentata, dort beginnt
die sehr empfindliche Analhaut. Deshalb sind Eingriffe,
die an der Analhaut durchgeführt werden, für den Patienten
..Abb. 7.20
Rektoskop
7
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
184
Untersuchungen in der Ambulanz durchgeführt oder im OP,
als Vorbereitung auf die geplante Operation. In Narkose und
unter Relaxation ist eine Spiegelung des Enddarmes wesentlich einfacher, schneller und für den Patienten schmerzfrei.
7.7.1
7
Hämorrhoiden
Oberhalb des Schließmuskels liegt ein Geflecht aus Venen
und Arterien, das zusätzlich den Darmausgang verschließt.
Das sind eigentlich schon Hämorrhoiden, die jedoch physiologisch sind. Erst wenn dieses Geflecht aufgrund von Stauungen oder Erschlaffung des Bindegewebes sich erweitert und
dann nach unten sinkt, spricht man vom Hämorrhoidalleiden. Als Ursache wird auch das starke Pressen bei der Defäkation und/oder beim Geburtsvorgang genannt. Die auftretenden Beschwerden, wie Schmerz, Blutungen und extremer
Juckreiz und das Vorfallen der Hämorrhoiden während der
Stuhlentleerung sind therapiebedürftig. Das Leiden wird in
vier Stadien eingeteilt, die das Ausmaß der Erkrankung differenzieren.
Hämorrhoiden der Stadien 2–3 lassen sich oft dadurch
therapieren, dass ein Gummiband um den Gefäßknoten eng
angezogen wird und so die Durchblutung unterbricht. Nach
kurzer Zeit (2–4 Tage) fallen die Knoten und mit ihnen die
Gummibänder ab. Eine weitere Methode ist die Verödung
(Sklerosierung) der Hämorrhoiden durch Einspritzung (Injektion) eines Arzneimittels. Beide Methoden werden selten
im OP durchgeführt, da keine Narkose nötig ist.
Bei der operativen Therapie, die ab Stadium 3 häufig nötig
wird, unterscheiden wir die segmentale von der zirkulären
Operation.
j
jSegmentale Eingriffe
Diese Verfahren, benannt nach Milligan-Morgan oder Fer
guson kommen ab Stadium 3 zur Anwendung.
OP-Ablauf: Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan bzw. Ferguson
55 Dazu wird der Patient in Narkose oder Spinalanästhesie in eine Steinschnittlage gebracht. Die Beine müssen angehoben sein, damit ein optimaler Zugang
zum Anusbereich gegeben ist. Sollte mit monopolarem Strom gearbeitet werden, muss die neutrale Elektrode an einem Oberschenkel positioniert werden.
55 Wir benötigen nur wenig Grundinstrumentarium und
einen Analspreizer (. Abb. 7.21), evtl. wird eine Rektoskopie durchgeführt.
55 Bei der Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan
werden die großen Hämorrhoidalknoten angeklemmt, vom inneren Schließmuskel abpräpariert
und oberhalb der Linea dentata abgetrennt. Die
dazugehörigen Arterien und Venen werden ligiert,
ebenfalls der Knoten, wenn die Präparation abgeschlossen ist.
55 Bei der Hämorrhoidektomie nach Ferguson ist die
Vorbereitung der Instrumente und des Patienten
identisch, die Präparation und die Abtragung wie
oben beschrieben, jedoch wird am Außenrand des
Analkanals das Anoderm fortlaufend mit resorbier
baren Nähten vernäht.
j
jZirkuläre Verfahren
Hier gibt es verschiedene Verfahren, wie die Hämorrhoidektomie nach Longo oder Whitehead.
OP-Ablauf: Hämorrhoidektomie nach Longo bzw.
Whitehead
55 Diese Eingriffe werden ebenfalls in Narkose durchgeführt, auch hier liegt der Patient auf einem Steinschnitttisch. Die Instrumente sind identisch, hinzu
kommt jedoch noch ein Dilatator zum Weiten des
Analkanals, ein Anoskop und eine Tabakbeutelnaht
sowie ein zirkulärer Stapler (7 Kap. 4, 7 Abb. 4.25).
55 Zuerst werden die Hämorrhoidalknoten in den
Analkanal zurückgedrückt und oberhalb der Linea
dentata mit Hilfe eines Endoskops eine zirkuläre Tabakbeutelnaht (monofil) gelegt und angeklemmt.
Die Naht wird submukös gestochen. Ein zirkulärer
Stapler wird mit Gleitgel versehen und vorsichtig unter rotierenden Bewegungen eingeführt, die vorgelegte Naht wird um den Dorn gelegt und geknotet.
Der Stapler wird ausgelöst und entfernt. Damit ist die
Mukosa und die Submukosa wie eine Manschette
aus dem Rektumanteil entfernt und das verbliebene
Hämorrhoidengewebe wieder an seinem physiolo
gischen Ausgangspunkt.
55 Die ausgestanzten Ringe im Stapler werden begutachtet und die Blutstillung kontrolliert.
55 Nach der Rücklage der Beine auf gerade Beinplatten und Entfernung der Goepel-Stützen kann der
Patient extubiert und in den Aufwachraum gebracht
werden.
7.7.2
Perianale Venenthrombose
Neben dem Darmausgang befinden sich sehr dünnwandige
Venen (Plexus haemorrhoidalis caudalis), in denen Thrombosen entstehen können. Diese Thromben lassen die empfindliche Analschleimhaut anschwellen und sind extrem
schmerzhaft. Selten ist bei diesem Krankheitsbild ein operativer Eingriff nötig, meist genügen konservative Maßnahmen
wie Salben und Stuhlregulierung.
Nur in Ausnahmefällen muss das Blutgerinnsel in Lokalanästhesie oder Vollnarkose operativ entfernt werden. Die
entstehenden Wunden verheilen in ca. 14 Tagen, ohne dass
eine Naht gelegt wird.
185
7.7 · Proktologie
7.7.3
Abszesse und Analfisteln
Analfisteln sind durch Entzündungen entstandene Gänge in
der Analregion. Sie gehen von den Proktodealdrüsen aus,
deren Ausführungsgang in den Analkanal mündet. Durch
Verstopfung des Drüsengangs kommt es zu einer Entzündung
des Drüseninhaltes, so kann sich eine Eiteransammlung
(Abszess) entwickeln. Die Symptome sind Schwellung und
Schmerzen. Der umgebende Analbereich ist meistens überwärmt und gerötet.
Abszesse werden in der Regel operativ in Narkose eröffnet. Dafür liegt der Patient auf einem Steinschnitttisch. Die
Inzisionsstelle muss offen bleiben, damit weiteres Sekret ablaufen kann und ein Rezidiv unwahrscheinlich wird.
Unbehandelt ist eine spontane Entleerung des Abszesses
nach außen möglich. In der Folge kann sich eine Analfistel,
d. h. eine krankhafte Verbindung zwischen Analkanal und
z. B. der Hautoberfläche, ausbilden. Eine Analfistel heilt nicht
spontan aus, sondern muss operiert werden, damit der
Schließmuskel langfristig nicht geschädigt wird.
Parks hat 1976 Abszesse und Fisteln nach ihrem Verlauf
im Sphinkterapparat eingeteilt. Für die Operation ist es immens wichtig zu wissen, wo die Fistel verläuft, entweder über,
in oder unter dem Schließmuskel. Die Diagnosestellung erfolgt durch klinische Untersuchung, eine Endosonographie
und ggf. ein MRT.
Intraoperativ wird der Verlauf des Fistelgangs mit einem
färbenden Medikament (z. B. Toluidinblau) dargestellt. Je
nach Befund ist die Durchführung verschiedener Opera
tionsmethoden möglich. Einerseits kann die Spaltung des
Fistelgangs (Fistulotomie) erfolgen. Anderseits kann die Anal
fistel entlang des Fistelgangs ausgeschnitten werden (Fistel
exzision, Fistulektomie), ohne dabei den Schließmuskel zusätzlich zu schädigen. Zur weiteren Behandlung ist die Markierung der Fistel oder die Drainage der Wunde durch die
Einlage einer Fadenschlinge möglich.
Für die Operationen bereiten wir das Grundinstrumentarium mit kräftigen Haut- und Fadenscheren, feinen Präparierscheren, anatomischen sowie chirurgischen Pinzetten in
verschiedenen Längen und Breiten, gerade und gebogene
Nadelhalter vor. Außerdem benötigen wir eine feine Kopfsonde (z. B. Myrthenblattsonde) und verschiedene scharfe Löffel
sowie unterschiedliche Wundhaken und einen selbsthaltenden Analspreizer (z. B. nach Parks, . Abb. 7.21). Zusätzlich
wird ein Elektrokauter und ein Absaugsystem gebraucht. Darüber hinaus halten wir die Materialien für einen Wundabstrich und die Sicherung des Präparats zur histologischen
Untersuchung bereit.
7.7.4
Analfissuren
Eine akut auftretende Analfissur ist ein kleiner Riss, der längs
vom sensiblen Teil der Analhaut bis zum Anus verläuft. Wird
diese Fissur chronisch sind die inneren Schichten des
M. sphincter ani internus sklerosiert.
..Abb. 7.21
Analspreizer nach Parks
Die Patienten klagen über akut einsetzende Schmerzen
während des Stuhlgangs, die danach lange nicht abklingen.
Häufig sind konservative Maßnahmen zielführend, die Gabe
von Medikamenten, die den Sphinkterdruck minimieren, ist
üblich (z. B. Botox, Nitroglyzerin). Nur wenn diese Maßnahmen nicht greifen, wird ein operativer Eingriff vorgenommen
werden. Hier gibt es unterschiedliche OP-Verfahren.
j
jLaterale subkutane Sphinkterotomie geschlossen
(nach Noteras)
Bei 3 Uhr SSL wird mit einem spitzen Skalpell der innere
Schließmuskel eingeschnitten und so der Muskeltonus gesenkt. Der Finger des Operateurs schont die Analschleimhaut.
Eine Verletzung birgt das Risiko einer entstehenden Fistel.
j
jLaterale subkutane Sphinkterotomie offen (nach
Parks)
Bei 3 Uhr SSL wird der innere Sphinkter dargestellt und bis
zur Fissur durchtrennt. Der Muskeltonus wird gesenkt und
die Inzision kann mit einer Naht verschlossen werden.
Nach kurzer Hautinzision zirkulär bei 3 Uhr SSL wird der
M. sphincter ani internus identifiziert, intersphinktär freigelegt und bis zur gewünschten Höhe durchtrennt. Die Inzision
kann mit einer Naht verschlossen werden.
7.7.5
Sinus pilonidalis
Diese Erkrankung heißt im Volksmund Steißbeinfistel, obwohl sie mit dem Os coccygis nichts zu tun hat. Sie tritt eher
bei jungen Männern als bei Frauen auf. Genau ist nicht bekannt, wie es zu dieser Fistel kommt, aber man nimmt an, dass
Körperhaare in die Haut zwischen den Gesäßfalten wachsen
und dieser Gang sich dann entzündet. Hier kann ein Abszess
entstehen, und in diesen offenen Gang wachsen immer weitere Haare ein, sodass es keine spontane Heilung geben kann.
Durch die Entzündung haben die Patienten Schmerzen
und ständige eitrige Sekretion aus dem Fistelgang. Antibiotikagabe ist nicht zielführend, die Therapie besteht ausschließlich in einer Operation.
7
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
186
OP-Ablauf: Sinus pilonidalis
7
55 In Narkose oder Spinalanästhesie liegt der Patient auf
dem Bauch mit angehobenem Gesäß. Der Fistelgang
wird mit einem spitzen Skalpell ausgeschnitten, vielfach wird stattdessen das HF-Messer bevorzugt.
Bleibt die Wunde offen, kann das Wundsekret gut abfließen, bei großen Wundarealen dauert die Heilung
allerdings sehr lange, deshalb werden große Defekte
durch eine direkte Naht oder eine Hautverschiebeplastik verschlossen.
55 In manchen Fällen wird eine Drainage eingebracht,
die einige Tage verbleibt. Trotzdem kommt es häufig
zu Wundheilungsstörungen oder -verzögerungen,
weil die Nähe zum After Infektionen begünstigt.
7.7.6
Marisken
Bei manchen Menschen entwickeln sich rund um den Analrand im Laufe des Lebens kleine Hautläppchen in unterschiedlicher Ausprägung. Sie sind weich bis derb und können
sehr groß werden.
Kleine Marisken sind unauffällig, können aber ein hygienisches Problem darstellen. In der Regel genügt eine veränderte Analhygiene, um mit Marisken unproblematisch zu leben, selten werden sie so groß, dass sie chirurgisch entfernt
werden müssen, sie werden dann in Lokalanästhesie exzidiert
und die Wunde bleibt offen.
7.7.7
Analtumoren
Tumor heißt im medizinischen Sprachgebrauch «Schwellung», sodass jede Schwellung im Analbereich ein Analtumor
ist. Wir unterscheiden auch hier die gutartigen, die entzündlichen und die bösartigen Tumoren.
Analpolyp
Polypen sind umschriebene Schleimhautwucherungen. Sie
kommen gestielt oder breitbasig vor und wölben sich ins
Darmlumen. Sind sie sehr klein, werden sie vom Patienten
gar nicht bemerkt, erst eine Größenzunahme führt zu Beschwerden.
Eine Proktoskopie (s. o.) führt zu einer Diagnostik und
Therapieplanung. Einige Polypen zeigen eine größere Entartungsneigung als andere und müssen dann entfernt werden.
Dazu werden sie durch das Proktoskop mit einer Schlinge
oder mittels hochfrequentem Strom abgetragen und histologisch untersucht.
Polypen können im gesamten Darmtrakt entstehen.
Kondylome
Durch eine Infektion mit Papillomviren kann es zu Kondylombildung (Teigwarzen) im Analbereich kommen. Die
Übertragung erfolgt über Haut-Haut-Kontakt beim Sexual-
verkehr. Die Diagnose kann nach der Blickdiagnose über einen Abstrich und den Virennachweis erhärtet werden. Die
Viren haben ein unterschiedliches Risikopotenzial. Da einige
wenige Kondylome zur Entartung neigen, sollten die entstehenden Warzen, die nicht von selbst wieder abheilen oder
große zusammengeballte Warzenareale (Konglomerate) bilden, entfernt werden.
Zur Abtragung eignen sich Laser (7 Abschn. 2.4), kryochirurgische Maßnahmen (Vereisung) oder hochfrequenter
Strom, die mit Lokalanästhesie angewendet werden.
Die Rezidivgefahr ist hoch.
Analkarzinom
Selten kommt es im Analbereich zu einer Krebserkrankung.
Die Patienten haben im Frühstadium Schmerzen, Juckreiz
und Brennen, manchmal auch Blut im Stuhl.
Der Tumor wird bei einer rektalen Tastuntersuchung mit
anschließender Proktoskopie festgestellt und ggf. durch eine
Gewebeprobe histologisch untermauert. Der Krebs entsteht
im Analkanal durch eine Entartung des Plattenepithels und
metastasiert über die Lymphknoten in der Leiste.
Die Ausdehnung wird über MRT, Sonographie und Spiegelungen des Darms festgestellt.
Die Analkarzinome reagieren sehr gut auf Bestrahlung,
deswegen sollen sie nicht immer chirurgisch entfernt werden.
Die Therapie richtet sich nach der Größe und dem Stadium
des Tumors und ist abhängig davon, ob Metastasen nachgewiesen wurden. Nur bei einer sehr späten Diagnose wird der
Enddarm entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt.
7.7.8
Rektumprolaps/Analprolaps
Ist die Analschleimhaut vor dem Anus zu finden, sprechen
wir von einem Analprolaps (Prolaps = Vorfall), zu sehen ist
eine sternförmige Anordnung der Schleimhaut um den Anus.
Ist der Enddarm (Rektum) vor dem äußeren Schließmuskel
zu sehen, sprechen wir von einem Rektumprolaps, alle
Wandschichten des Enddarms sind zu sehen und zu tasten.
Meistens klagen die Patienten im Vorfeld über Hämorrhoiden. Die Patienten bemerken den Vorfall selten durch
Schmerzen, aber sie empfinden Juckreiz, haben Blutungen
und manchmal Stuhlinkontinenz.
Die Diagnose erfolgt durch Ansehen der Analregion in
Steinschnittlage und ggf. muss der Patient husten, damit die
Bauchpresse zum Vorfall führt.
Geht die Erkrankung mit Hämorrhoiden einher erfolgt
die Sanierung wie beschrieben (7 Abschn. 7.7.1). Besteht ausschließlich ein Vorfall, wird dieser manuell reponiert und ggf.
die Schleimhaut fixiert.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 7.7
55 Beschreiben Sie den Unterschied zwischen einer
«Proktoskopie» und einer «Rektoskopie».
55 Welche Verfahren zur Therapie von Hämorrhoiden
sind Ihnen bekannt?
187
7.8 · Leberchirurgie
7.8
Leberchirurgie
Jens Köpcke, Margret Liehn
Im rechten Oberbauch unter dem Zwerchfell liegt die Leber
(Hepar). Bindegewebige Bänder halten sie dort, sog. Ligamente. Die Leber ist ein großer Bestandteil des Gallensystems und das größte parenchymatöse (drüsige) Organ des
menschlichen Körpers –
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