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coinad

4/6/26

 Krankengymnastische Übungen

sollen die Muskulatur kräftigen und Beeinträchtigungen der

Atmung entgegen wirken. Physikalische Maßnahmen (z. B.

Wärmeanwendungen) ergänzen die Behandlung.

Eine Aufrichtungsoperation kann erwogen werden,

wenn andere Verfahren zur Linderung der schmerzhaften

Beschwerden nicht mehr wirken. Auch bei Lockerungen eines Bewegungssegments (Anderson-Läsion) durch Entzündungsreaktionen ist an eine Operation zu denken, deren Ziel

die Wiederherstellung einer annähernd normalen Form der

Wirbelsäule ist. Eine Verringerung der Schmerzen und eine

Verhinderung von Begleiterkrankungen werden angestrebt.

Die Aufrichtungsoperation ist umfangreich. Bereits die

Lagerung des Patienten auf dem Bauch ist anspruchsvoll und

bedarf vieler Mitarbeiter. Die einzelnen Platten des OP-Tisches werden der Wirbelsäulenverformung des Patienten angepasst. Die Anforderungen, die die Chirurgen für den geplanten Eingriff an die Lagerung stellen, müssen genau mit

denen der Anästhesie abgestimmt werden. Das Operationsgebiet muss gut zugänglich und mit dem Durchleuchtungsgerät darstellbar sein.

Für die operative Korrektur der Wirbelsäule stehen zwei

Vorgehensweisen zur Auswahl. Sind die vorderen Anteile der

Wirbelsäule noch beweglich, werden die Facettengelenke von

mehreren benachbarten Wirbeln V-förmig entfernt (polysegmentale Osteotomie). Dazu reicht ein einziger Zugang

von hinten (dorsal). Über diesen Zugang wird ebenfalls ein

Schrauben-Stab-System eingesetzt. Durch das Zusammendrücken einzelner Schraubenpaare mit einer speziellen Zange

werden die Osteotomien verschlossen. Die vorhandenen Verknöcherungen zwischen den Wirbelvorderkanten brechen

auf. Das Verfahren wird durch eine Fusionsoperation (s. o.)

ergänzt.

Die monosegmentale Osteotomie wird bei stark ausgeprägten Knochenspangen an der vorderen Wirbelsäule angewendet. Dabei wird lediglich ein Bewegungssegment großzügig eröffnet. Ein Wirbel wird bis an die Vorderkante keilförmig eingeschnitten und der Wirbelbogen (Lamina arcus

vertebrae), die Wirbelbogenwurzel (Pedikel) und Bänder

vollständig entfernt (reseziert). Auch die Dornfortsätze der

benachbarten Wirbel werden teilweise abgetragen. Über

Schrauben-Stab-Implantate und Anpassung der Lagerung

des Patienten wird die Osteotomie geschlossen (. Abb. 8.36).

8.8.6


Verletzungen der Wirbelsäule


Verletzungen der Wirbelsäule entstehen häufig durch große

Krafteinwirkungen wie sie z. B. bei Verkehrsunfällen oder

Stürzen entstehen. Die Wirbelsäule kann bei einem Unfall

zusammengestaucht werden, aber auch Zugkräften ausgesetzt

sein. Oft treten diese Kräfte zusammen mit einer starken Beugung, Überstreckung oder Drehung der Wirbelsäule auf. Da-


255

8.8 · Wirbelsäule und degenerative ­Erkrankungen


a


b


c


..Abb. 8.36a–c Schematische Darstellung einer Totalkyphose vor (a)

sowie nach monosegmentaler (b) und multisegmentaler Korrektur (c).

Aus: Metz-Stavenhagen P, Krebs S, Völpel H (2001) Operationsmethoden

zur Behandlung der Totalkyphose bei der Spondylitis ankylosans. Orthopäde: 30: 988–995


durch bricht nicht nur der Knochen des Wirbels, sondern

auch die Bandscheibe und die Haltebänder können zerreißen.

Je nach Ausmaß der geschädigten anatomischen Strukturen

werden Wirbelsäulenverletzungen in stabil oder instabil eingeteilt.

44Eine Verletzung ist stabil, wenn die geschädigten Anteile

der Wirbelsäule in Ruhe und unter Belastung in ihrer

natürlichen Stellung zueinander bleiben. Solche Verletzungen werden konservativ behandelt.

44Als instabil werden Verletzungen bezeichnet, bei denen

die geschädigten Wirbelsäulenanteile verschoben sind

und sie nicht durch konservative Maßnahmen in ihre

richtige Lage gebracht und so gehalten werden können.

Diese Verletzungen können zu schweren neurologischen

Schädigungen führen. Deshalb müssen instabile Wirbelsäulenverletzungen operativ behandelt werden.

Zur genauen Beurteilung werden die verschiedenen Verletzungen der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte nach einer bestimmten Ordnung eingeteilt (Klassifikation).


Verletzungen des zweiten Halswirbels (Axis)

Eine häufige Verletzung des zweiten Halswirbels ist eine Fraktur des Zahnfortsatzes (Dens axis). Als instabil gilt ein querverlaufender Bruch des unteren Anteils des Zahnfortsatzes.

Die Densfraktur wird durch das Einbringen von zwei Schrauben versorgt.

j

jDensverschraubung

OP-Ablauf: Densverschraubung

55 Diese Operation wird von vorn (ventral) durchgeführt. Der Patient liegt auf dem Rücken mit angelagerten Armen. Es werden zwei Bildwandler benötigt.


Wir bereiten das Diskusgrundinstrumentarium, eine

Bohrmaschine sowie die Instrumente und Implantate

für die Densverschraubung vor.

55 Vor der sterilen Abdeckung wird durch Zug- und Lagerungstechniken am Kopf des Patienten eine Fehlstellung des Zahnfortsatzes unter Röntgenkontrolle

beseitigt (Reposition).

55 Der Zugang wird – wie bei der Operation zur ventralen Dekompression und Fusion bei einem zervikalen

Bandscheibenleiden (s. o.) – durchgeführt. Jedoch ist

die Schnittführung nach kopfwärts versetzt.

55 Nach Darstellen der unteren Vorderkante des Axis

wird diese mit einem Pfriem angekörnt. Mit einer

kleinen Antriebsmaschine werden zwei scharfe Führungsdrähte eingebracht, die zur Densspitze aufeinander zulaufen. Dieser Operationsschritt wird unter

dauerhafter Durchleuchtung geprüft.

55 Anschließend bestimmt der Operateur mit einer

Messlehre die Schraubenlänge. Über die beiden

Drähte wird jeweils eine Schraube mit hohlem Schaft

eingebracht. Danach werden die Drähte entfernt und

das Operationsergebnis über eine Abschlussaufnahme dokumentiert. Nach dem Spülen der Wunde ist

das Platzieren einer Redon-Drainage üblich.

55 Es folgen die Zählkontrolle und der schichtweise Verschluss des Zugangs durch Naht.


Verletzungen der Wirbelsäule zwischen dem

dritten und siebten Halswirbel

Auf die Wirbelsäule unterhalb des Axis lässt sich ein sog.

Drei-Säulen-Modell anwenden (. Abb. 8.37), dabei ist die

Wirbelsäule in drei Abschnitte gegliedert. Die vordere Säule

besteht aus den Wirbelkörpern, die mittlere Säule wird durch

die Hinterkanten der Wirbelkörper, hinteres Längsband und

Bogenwurzeln gebildet. Als hintere Säule gelten die dorsalen

Abschnitte der Wirbelbögen mit den Dornfortsätzen und

dem Bandapparat.

Betrifft die Verletzung der Wirbelsäule zwei Säulen des

Modells, handelt es sich um eine instabile Verletzung. Aufgrund der großen Beweglichkeit der Halswirbelsäule entstehen häufig instabile Verletzungen mit Zerreißung der Bandscheibe und Haltebänder. Kommt es dabei zu einer Verlagerung von Bandscheibengewebe in Richtung Rückenmark, ist

mit neurologischen Schäden zu rechnen. Störungen des Nervensystems sind auch bei einer gebrochenen und verschobenen Wirbelkörperhinterkante wahrscheinlich. Diese Verletzungen stellen einen Notfall dar und müssen unverzüglich

operiert werden.

Meistens wird an der Halswirbelsäule von vorn operiert

(7 Abschn. 8.8.2, 7 «Ventrale Dekompression und Fusion»). Ist

ein Wirbelkörper zu stark zerstört, wird er entfernt (Korporektomie). Als Wirbelkörperersatz kommen spreizbare Platzhalter (Cages) in Frage. Die entfernten Knochenstücke werden gesammelt und an den Cage angelagert. Bei besonders

schweren Verletzungen der Halswirbelsäule können eine


8


256


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


..Abb. 8.37 3-Säulen-Modell.

Aus: Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen

Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg

New York


vordere mittlere

Säule

Säule


hintere

Säule

hinteres Längsband

Lig. interspinale

Lig. supraspinale


Bandscheibe


vorderes

Längsband


8

Gelenkkapsel


Wirbelkörperentfernung mit Ersatz von vorn und eine

­Druckentlastung sowie Stabilisierung mit einem SchraubenStab-System von hinten in einer Operation nacheinander

durchgeführt werden.


Verletzungen der Brust- und Lendenwirbelsäule

Die häufigsten Brüche der Wirbelsäule treten am Übergang

von der Brust- zur Lendenwirbelsäule auf.

j

jPerkutane Instrumentation


Bei einfachen, instabilen Wirbelkörperbrüchen ist eine sog.

perkutane Instrumentation von hinten ausreichend. Perkutane Instrumentation bedeutet, dass sich ein spezielles Schrauben-Stab-System unter Röntgenkontrolle über kleinste Hautschnitte in den Körper einbringen lässt.

OP-Ablauf: Perkutane Instrumentation

55 Die perkutane Instrumentation wird in Bauchlage

(7 Abschn. 4.5.2, Abb. 4.3) des Patienten durch­

geführt. Ein Ausgleichen der Fehlstellung durch

den Wirbelbruch erfolgt häufig bereits durch die

­Lagerung. Für die Operation werden zwei Bildwandler benötigt, auch der Einsatz eines Navigations­

geräts ist möglich. Wir bereiten das Grundinstru­

mentarium, die Instrumente und Implantate für die

perkutane Instrumentation und ggf. einen Hammer

vor.

55 Zur Operationsvorbereitung erfolgt die Höhenlokalisation mit dem Bildwandler, der so eingestellt wird,

dass er gerade zum verletzten Wirbelsäulenabschnitt


steht, sodass die Endplatten der Wirbelkörper im

Durchleuchtungsbild eine Linie ergeben. Die Wirbelbogenwurzeln (pediculus arcus vertebrae) zeigen

sich in der Aufsicht gleichmäßig oval und entfernt

von den Wirbelkörperseitbegrenzungen.

55 Nach der Hautdesinfektion und der sterilen Abdeckung kann nach dem Team-Time-Out der Hautschnitt erfolgen. Mit dem Schnitt werden gleichzeitig

Unterhaut und Faszie durchtrennt.

55 Anschließend wird eine große Nadel mit einem

­T-Handgriff (Jamshidi-Nadel) durch die Wirbelbogenwurzel in den Wirbelkörper eingebracht. Die richtige

Lage der Nadel zeigt das Durchleuchtungsbild. Nun

kann das Innenteil (Mandrin) der Nadel entfernt und

durch einen Führungsdraht ersetzt werden. Anschließend entfernt der Operateur auch die Nadelhülse

und schiebt über den Draht ineinander gesteckte

Hülsen, sog. Dilatatoren. Die äußere Hülse des Dila­

tationsinstruments weitet den Zugang und eignet

sich als Arbeitskanal. Durch diesen und über den

Draht geführt wird das Schraubenlager mit einem

hohlen Gewindeschneider vorbereitet.

55 Auch die Pedikelschrauben sind im Schaft ausgehöhlt (kanüliert) und lassen sich über den Draht in

den Wirbel implantieren. Vorher müssen jedoch

­Verlängerungshülsen an die Schraubenköpfe angebracht werden. Die Verlängerungshülsen dienen

als Führung beim Einbringen der Längsstäbe in das

U-förmige Profil der Schraubenköpfe. Mit Hilfe einer

Messlehre wurde zuvor die Länge der Stäbe bestimmt. Die richtige Lage der Stäbe in den Schrauben­


257

8.8 · Wirbelsäule und degenerative ­Erkrankungen


köpfen dokumentieren wir mit einem Durchleuchtungsbild.

55 Mit speziellen Zangen können die Verlängerungs­

hülsen zusammengedrückt werden, um eine Aufrichtung der vorderen Säule zu erreichen.

55 Anschließend erfolgt das Eindrehen von Madenschrauben, die im Inneren der U-förmigen Schraubenköpfe greifen. Damit sind die Implantate winkelstabil verbunden.

55 Die Verlängerungshülsen werden entfernt. Nach der

Spülung der Wunden und schichtweiser Naht werden

sterile Wundpflaster geklebt.


j

jWiederherstellung der vorderen Säule mit

­Korporektomie


Schwere, instabile Wirbelkörperbrüche bedürfen zusätzlich

der Wiederherstellung der vorderen Säule mit Wirbelkörperentfernung (Korporektomie) und Ersatz durch einen spreizbaren Cage.

Bei schweren, instabilen Wirbelkörperbrüchen ist es erforderlich, den Wirbelkörper zu entfernen und durch einen

Platzhalter zu ersetzen. Um an die Wirbelsäule zu gelangen,

wird von vorn durch den Brustkorb operiert. Die Operation

kann in Seiten- oder Bauchlage (. Abb. 8.38, . Abb. 8.39)

durchgeführt werden. Durch ein Aufspalten des Zwerchfells

ist sogar eine Entfernung des ersten Lendenwirbels über diesen Zugang möglich.


1. Operateur

2. Assistent

3. Instrumentant

..Abb. 8.39 Schematische Darstellung der Personengruppierung, intra­

operativ. Aus: Shousha M, Quack V (2015) Ventrale Zugänge zur Wirbelsäu-


..Abb. 8.38 Patient in Bauchlagerung. Aus: Shousha M, Quack V

(2015) Ventrale Zugänge zur Wirbelsäule. In: Lüring C, Tingart M (Hrsg)

Operative Zugangswege in Orthopädie und Unfallchirurgie. Springer,

Berlin Heidelberg New York


Für eine Wirbelkörperentfernung von vorn muss der Zugang zur Wirbelsäule nicht so groß sein wie bei der vorderen

Korrekturoperation einer Skoliose (7 Abschn. 8.8.4 7 «Korrekturspondylodese über einen transthorakalen Zugang»). Es

reicht ein kleiner seitlicher Zugang zwischen den Rippen

­(Minithorakotomie). Dies ist nur durch den Einsatz einer Art

Videokamera (Thorakoskop, 7 Abschn. 10.2) machbar. Die

Beatmung wird mit einem Doppellumentubus durchgeführt,

mit dem die Lungenflügel unabhängig voneinander belüftet

werden können. Wenn der Brustkorb eröffnet wird, wird der

Lungenflügel auf dieser Seite aus der Beatmung genommen

und fällt in sich zusammen, so entsteht ein großer, übersichtlicher Raum.


4. Anästhesist

5. Abdeckung

6. Monitor

le. In: Lüring C, Tingart M (Hrsg) Operative Zugangswege in Orthopädie

und Unfallchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York


8


258


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


OP-Ablauf: Wirbelkörperentfernung und Ersatz über

einen thorakoskopisch assistierten Zugang


8


55 Für diese Operation bereiten wir Grundinstrumen­

tarium, lange Zusatzinstrumente, Instrumente und

Implantate für einen spreizbaren Cage oder ein

­Plattensystem sowie ein Sperrersystem vor. Der Bildwandler steht bereit.

55 Nach der Hautdesinfektion, der sterilen Abdeckung

und dem standardisierten Team-Time-Out werden

nacheinander zwei Hautschnitte gesetzt, einer für die

Kamera und ein zweiter für den Arbeitszugang.

55 Nach der Durchtrennung der Zwischenrippenmuskeln folgt das Einsetzen eines Sperrers. Zum Schutz

der großen Blutgefäße platziert der Operateur einen

biegbaren Spatel an der Vorderseite der Wirbel­

säule.

55 Die Bandscheiben ober- und unterhalb des verletzten Wirbelkörpers werden zur Orientierung mit

­langen Drähten unter Durchleuchtung markiert.

Das Brustfell vor der Wirbelsäule wird eröffnet und

stumpf abgeschoben. Die Segmentgefäße werden

mit einer Overholt-Klemme und Ligatur, mit Clips

oder Umstechung unterbunden und durchtrennt.

55 Die Bandscheiben des verletzten Wirbelsäulenabschnitts werden mit einem Skalpell eingeschnitten

und mit Fasszangen entfernt. Dann wird die Seitenwand des gebrochenen Wirbelkörpers mit einem

Meißel eröffnet, das Knochengewebe mit Stanzen

und Fasszangen entfernt.

55 Der Knochen muss für die Möglichkeit einer späteren

Verwendung in einer Schüssel – mit einer feuchten

Kompresse abgedeckt – aufbewahrt werden.

55 Von den Endplatten der benachbarten Wirbelkörper

entfernt der Operateur das verbliebene, knorpelige

Gewebe.

55 Der Wirbelkörperersatz wird mit dem aufbewahrten

Knochenmaterial befüllt, eingebracht und den Erfordernissen angepasst. Im Anschluss an die Platzierung

des Implantats erfolgt eine Durchleuchtungskontrolle

in zwei Ebenen.

55 Der Operateur verschließt das Brustfell durch Naht

mit einem resorbierbaren Faden. Es folgt die Entfernung des Sperrers und der Kamera. Die zusammengefallene Lungenseite wird wiederbeatmet, eine

Bülau-Drainage in den Brustkorb gelegt und an der

Haut fixiert. Der Verschluss der Wunde erfolgt durch

schichtweise Naht.


Wirbelkörperbrüche unterhalb des ersten Lendenwirbels, bei

denen eine Operation von vorn notwendig ist, werden über

einen retroperitonealen Zugang (Lumbotomie) in Seitenlage

versorgt. Auch hierbei ist eine perkutane Instrumentation von

hinten (dorsal) nötig.


a


b

..Abb. 8.40a, b Aufrichtung der a Kyphose (Ballon) und b Verstärkung

des osteoporotischen Wirbelkörpers durch Einspritzen von Knochenzement

(Kyphoplastie). Aus: Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie.

Springer, Berlin Heidelberg New York


Wirbelkörperbrüche durch Knochenschwund

Von Wirbelkörperbrüchen, die durch große Krafteinwirkung

verursacht werden, unterscheiden wir die, die durch Knochenschwund (Osteoporose) entstehen. Für einen Bruch des

Wirbelkörpers reichen dann nur geringe Krafteinwirkungen

(z. B. Anheben der vollen Einkaufstasche) aus. Es kommt zum

Einsinken der Endplatte und zur Bildung eines Keilwirbels

(Wirbelkompressionsfraktur).

Diese Wirbelkörperbrüche können durch eine wenig gewebsverletzende Ballon-Kyphoplastie (. Abb. 8.40) versorgt

werden. Über einen Ballonkatheter wird der Wirbelkörper

wieder aufgerichtet und die verbliebenen Knochenbälkchen

verdichtet. Dazu werden beidseits Nadeln über die Wirbelbo-


259

Literatur


genwurzel in den Wirbelkörper eingebracht. Darüber werden

zwei Ballons platziert. Unter der Durchleuchtung werden die

Ballons im gebrochenen Wirbelkörper aufgedehnt. Nach der

Aufrichtung des Wirbelkörpers werden die Ballons entfernt

und der entstandene Raum mit Knochenzement aufgefüllt.

Dieser Operationsschritt erfolgt unter ständiger Durchleuchtungskontrolle. Die Nadeln werden anschließend entfernt und auf die Einstiche sterile Wundpflaster geklebt.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 8.8


55 Wir unterscheiden bei einem Bandscheibenleiden die

Protrusion von dem Prolaps. Erklären Sie bitte diese

Begriffe.

55 Was bedeutet der Begriff «Spondylodese»?

55 Wofür steht die Abkürzung PLIF?


Literatur

Appell HJ, Stang-Voss C (2008) Funktionelle Anatomie, Grundlagen

sportlicher Leistung und Bewegung. Springer, Berlin Heidelberg

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Aschemann D (2009) OP-Lagerungen für Fachpersonal. Springer, Berlin

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Fritsch E (2013) Wirbelsäule. In: Kohn D, Pohlemann T (Hrsg) Operationsatlas für die orthopädisch-unfallchirurgische Weiterbildung, 2. Aufl.

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Grifka J, Krämer J (2007) Orthopädie Unfallchirurgie, 8. Aufl. Springer,

Berlin Heidelberg New York

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Heidelberg New York

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zur Behandlung der Totalkyphose bei der Spondylitis ankylosans.

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In: C. Lüring, M. Tingart (Hrsg.), Operative Zugangswege in Orthopädie und Unfallchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York

Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer, Berlin

­Heidelberg New York

Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl.

Weigel B, Nerlich ML (Hrsg) (2011) Praxisbuch Unfallchirurgie. Springer,

Berlin Heidelberg New York

Weigel B et al. (2011) Hüfte und Oberschenkel. In: Weigel B, Nerlich ML

(Hrsg) (2011) Praxisbuch Unfallchirurgie, Springer, Berlin Heidelberg

New York, Kap 9

Internet

www.harms-spinesurgery.com


8


261


Handchirurgie

Sabine Schwenkner, Gabi Walura


9.1


Besonderheiten


– 262


9.1.1


Betäubungsarten


– 262


9.2


Erkrankungen


– 263


9.2.1

9.2.2

9.2.3

9.2.4

9.2.5


Infektionen – 263

Dupuytren-Kontraktur – 264

Nervenkompressionssyndrome

Karpaltunnelsyndrom – 264

Ganglion – 265


9.3


Tumoren


9.3.1

9.3.2

9.3.3

9.3.4


Knochentumoren – 265

Tumoren des Gefäßsystems – 265

Nerventumoren – 265

Haut- und Weichteiltumoren – 266


9.4


Verletzungen


9.4.1

9.4.2

9.4.3

9.4.4

9.4.5

9.4.6


Sehnenverletzungen – 266

Nervenverletzungen – 267

Gefäßverletzungen – 268

Frakturen – 268

Amputationsverletzung – 269

Thermische Verletzungen – 270


Literatur


– 264


– 265


– 266


– 270


© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch

https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_9


9


262


Kapitel 9 · Handchirurgie


Lernziele

55 Die Auszubildenden verstehen die Abläufe der typischen

operativen Diagnostik- und Behandlungsverfahren in

der Handchirurgie und sind in der Lage, diese Eingriffe

vorzu­bereiten und sie vorausschauend und situations­

gerecht zu instrumentieren.

55 Sie verschaffen sich einen Überblick über die Krank­

heitsbilder in der Handchirurgie, deren Ursachen, Klinik,

Dia­gnostik- und Behandlungsverfahren sowie über

­mögliche Komplikationen.

55 Sie erarbeiten sich Kenntnisse der anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Gegebenheiten

und der speziellen Mikrobiologie. Sie kennen die Medika­

mente, die im Rahmen dieser Verfahren häufig eingesetzt werden. Die Auszubildenden können das Grund­

instru­men­ta­rium, die speziellen Instrumente, Geräte und

Materialien, die bei Operationen in der Handchirurgie zur

Anwendung kommen, auswählen, diese Instrumente fachund sachgerecht einsetzen und deren Wirkung erklären.


9


Die Handchirurgie widmet sich den Fehlbildungen, Erkrankungen und Verletzungen der Hand. Dazu gehören gut- und

bösartige Neubildungen, Arthrosen, Nervenkompressionssyndrome, aber auch unfallbedingte Verletzungen wie Frakturen und Weichteilverletzungen, diese evtl. mit Sehnen-,

Nerven- und/oder Gefäßbeteiligung.

9.1


Besonderheiten


Handchirurgische Patienten werden oft in Regionalanästhesie operiert. Sie sind wach und brauchen daher besondere

Zuwendung durch das OP-Team. Auch beim wachen Patienten erfolgt die Kontrolle der Vitalzeichen (EKG; Blutdruck,

Pulsoxymeter). Der Patient liegt in Rückenlage auf dem Operationstisch. An diesem wird ein Handtisch an der zu operierenden Seite angebracht, damit der Arm bequem ausgelagert

werden kann (. Abb. 9.1).

Handoperationen werden fast immer in Blutsperre oder

Blutleere (7 Abschn. 2.7) vorgenommen. Dadurch sind die

feinen Strukturen der Hand intraoperativ besser zu erkennen

(7 Abschn. 2.7). Vor jeder Operation findet die Team-TimeOut-Checkliste Beachtung und wird vom gesamten OP-Team

gemeinsam besprochen.

Der Operateur sitzt seinem Assistenten gegenüber, jeweils

auf einer Seite des Handtischs. Häufig übernimmt die instrumentierende Pflegekraft die Assistenz. Die Desinfektion wird

mit einem farblosen Desinfektionsmittel durchgeführt. Dadurch ist bei postoperativer Kontrolle die Durchblutung der

Hand besser zu erkennen. Die sterile Abdeckung erfolgt in

der Regel mit einer 1-Tuch-Loch-Abdeckung, die über die zu

operierende Hand gezogen wird und den gesamten Körper

des Patienten abdeckt, die Hand jedoch freilässt.

Die Grundinstrumente sind deutlich feiner als die aus der

Abdominalchirurgie bekannten Instrumente. Hinzu kommen Spezialinstrumente wie Mikroinstrumente für Nervenund Gefäßnähte und Instrumente und Materialien für eine


Osteosynthese (7 Kap. 7 und 7 Kap. 8). Auch die verwendeten

Nahtmaterialien sind sehr fein. Getupft wird, um möglichst

atraumatisch zu arbeiten, mit angefeuchteten Kompressen.

Bei Bedarf muss die Möglichkeit des Röntgens gegeben sein

oder ein Mikroskop (7 Abschn. Kap. 2.6) bereitstehen. Manchmal genügt es, wenn der Operateur eine Lupenbrille trägt.

Postoperativ wird die Hand häufig durch einen Gips

­ruhiggestellt.

9.1.1


Betäubungsarten


Je nach Ausmaß einer Verletzung, aber auch nach Wunsch der

Patienten, wird die Betäubungsart gewählt. Folgende Verfahren werden hauptsächlich angewendet:

44Oberst Leitungsanästhesie: Diese eignet sich für ein­

fache Verletzungen des Mittel- und Endglieds eines

­Fingers. Eine angelegte Fingerblutleere sollte nicht länger

als 30 min dauern.

44 Mittelhandblock: Hier erfolgt durch Umspritzen der

Fingernerven weiter proximal eine Leitungsanästhesie,

die das Grundglied und den Grundgelenkbereich

schmerzfrei macht.

44Medianusblock: Der Mittelnerv (N. medianus) verläuft auf der Beugeseite des Handgelenks zwischen den

Sehnen des Palmaris longus und der Flexor-carpi-­

radialis-Sehne und wird mittels einer Injektion von

­Lokalanästhetikum blockiert.

44Radialisblockade: Die Hautäste des Speichennervs

(N. radialis) am Handgelenk lassen sich durch subkutane

Infiltration ausschalten.

44Ulnarisblockade: Der Ellennerv (N. ulnaris) wird einschließlich seines dorsalen Hautastes blockiert.

44Plexusanästhesie: Die Betäubung des Plexus brachialis

in der Axilla ist eine häufig gewählte Betäubungsform

bei länger dauernden Eingriffen. Hierbei ist der ganze

Arm betäubt und der Druck der Blutleeremanschette

wird besser toleriert.

44Vollnarkose.


..Abb. 9.1


Ein vorbereiteter OP-Tisch mit angebrachtem Handtisch


263

9.2 · Erkrankungen


9.2


Erkrankungen


9.2.1


Infektionen


Infektionen an der Hand beginnen mit den klassischen Zei­

chen Rötung, Schwellung, Schmerz, Erwärmung sowie später


evtl. Funktionseinschränkung. Schwierig ist es, die Ausdehnung in die Tiefe und den Befall von Sehnenscheiden, Gelenken oder Knochen einzuschätzen (. Abb. 9.2). Durch eine

präoperative Röntgenuntersuchung wird deutlich, ob evtl. ein

Fremdkörper vorhanden ist oder eine Knochenbeteiligung

vorliegt.

Oberste Maxime bei der Infektsanierung ist es, möglichst

früh zu handeln. Das gesamte infizierte Gewebe ist zu entfernen. Bei sehr fortgeschrittenen Verläufen müssen eventuell

auch intakte Sehnen entfernt werden, da sich die Infektion

über die Sehnenscheiden weiter ausbreiten könnte.

Der Hautschnitt liegt im Bereich des stärksten Schmerzpunkts. Intraoperativ wird zur Keimbestimmung ein Abstrich

entnommen. Der Infektionsherd wird chirurgisch gesäubert

und gespült. Nach Abstrichentnahme kann mit der i.v.-Antibiotikagabe begonnen werden. Zusätzlich kann auch ein lokal

wirkendes Antibiotikum (Septopalkette) eingebracht werden.

Postoperativ erfolgt zur besseren Wundheilung immer eine

Ruhigstellung der Hand durch Gipsschiene.

>>Infektionen an der Hand dürfen nicht in Lokalanästhe­


sie (in Regionalanästhesie aber schon!) revidiert werden,

um eine Ausbreitung des Erregers zu vermeiden. Die

Wirkung des Lokalanästhetikums kann im infizierten

Gebiet verzögert sein.

!!Cave


Eine Blutsperre (keine Blutleere!) ist zur besseren Über­

sicht unbedingt nötig. Bei der

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