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coinad

4/6/26

 Anwendung.

2.9.7


Computertomographie


Die Computertomographie ist ein digitales körperliche Fitness und Leistungsfähig­

keit (z. B. im Beruf). Der Nächste fühlt sich gesund, wenn er

keine körperlichen Beschwerden hat. Ein Anderer wiederum

erlebt Gesundheit als Wohlbefinden, als einen Zustand der

Ausgeglichenheit.

Das beeinflusst das subjektive Krankheitserleben. Die

betroffene Person kann Krankheit als Einschränkung ihrer

Leistungsfähigkeit oder des Wohlbefindens erleben. Sie

nimmt Veränderungen der Befindlichkeit (z. B. Stimmung)

oder körperliche Beschwerden (z. B. Hautrötung, Schmerz)

wahr und bewertet sie unweigerlich.

Wie ein Patient die Symptome einschätzt, ist abhängig von

der Ausprägung der Krankheitszeichen (z. B. «starker» oder

«vernichtender Schmerz»), den Persönlichkeitseigenschaften

und dem sozialen Umfeld. Krankheitszeichen können z. B. als

bedrohlich oder beängstigend erlebt werden. Ebenso ist die

Verleugnung von Symptomen möglich.

Die Wahrnehmung und Bewertung von Krankheitszei­

chen hat einen Einfluss darauf, ob die betroffene Person (ärzt­

liche) Hilfe aufsucht. So ist es möglich, dass sich ein lebensbe­

drohlich erkrankter Mensch gesund fühlt. Im Gegensatz dazu

kann eine von Anderen als gesund eingeschätzte Person

Krankheitszeichen bei sich wahrnehmen und diese als Bedro­

hung empfinden. Die Befindlichkeit des Patienten muss nicht

zum medizinischen Befund passen!

>>Wir richten unsere Arbeit im OP nach den subjektiven


Gesundheitsvorstellungen und dem Krankheitserleben

des Patienten aus. Dabei ist es zweitrangig, ob die Krank­

heitszeichen für uns wahrnehmbar sind. Wir akzeptie­

ren, dass der Patient vielleicht eine völlig andere Sicht

der Dinge und der Welt hat als wir.


3.2.1


Krankheitsverarbeitung


Das subjektive Krankheitserleben hat großen Einfluss darauf,

wie ein Patient mit belastenden Momenten im Verlauf einer

Erkrankung umgeht. Die Krankheitsverarbeitung wird in der

Fachsprache als Coping bezeichnet. Im Englischen bedeutet

«to cope with» so viel wie «etwas überwinden» bzw. «etwas

bewältigen». Die Übersetzung ist jedoch missverständlich.

Krankheitsbewältigung lässt sich eher als Überwindung einer

zurückliegenden Erkrankung verstehen. Dagegen umfasst die

Wortbedeutung von Coping sämtliche psychischen Vorgänge

(z. B. Gedanken, Gefühle, Motivationen) und Verhaltenswei­

sen eines Patienten zur Verarbeitung von aktuellen Belas­

tungssituationen.

Es ist daher möglich, dass der Patient seine Situation im

Krankheitsverlauf unterschiedlich bewertet und sich dement­

sprechend verhält. Beispielsweise kann ein Patient vor einer

Operation auf Heilung hoffen und zuversichtlich sein. Er

stimmt dem chirurgischen Eingriff zu. Ist eine Heilung durch

die Operation jedoch nicht möglich, wird der Patient viel­

leicht resignieren. Demzufolge lässt sich Coping grob in akti­

ve und repressive Bewältigung einteilen. Dabei muss die

Krankheitsverarbeitung nicht auf eine Problemlösung ausge­


richtet sein. Die Regulierung von Gefühlen kann ebenso im

Vordergrund stehen («vom Gefühl überwältigt sein»).

Obwohl die Krankheitsverarbeitung von Person zu Person

unterschiedlich ist, reagieren Menschen in belastenden Situa­

tionen mit ähnlichen Verarbeitungsmustern (Copingstrate­

gien). Auf diese haben wir ein besonderes Augenmerk, wenn

wir Patienten im OP fachkundig begleiten und betreuen. Das

Modell der Salutogenese ist dabei besonders hilfreich.

Unter dem Aspekt der Salutogenese achten wir nicht nur

auf persönliche Faktoren (z. B. Ängstlichkeit), sondern auch

auf das soziale Umfeld der betroffenen Person. Aus diesem

Zusammenhang kann dann erkannt werden, welche Ressour­

cen der Patient hat, um mit Stressoren und krankmachenden

Risikofaktoren umzugehen.

Das Kohärenzgefühl hat dabei einen besonderen Stellen­

wert. Ein stark ausgeprägtes Kohärenzgefühl hilft dem Pati­

enten, in belastenden Situationen passende Copingstrategien

auszuwählen. Das geht oft einher mit einer aktiven Bewälti­

gung. Die betroffene Person mit einem stark ausgeprägten

Kohärenzgefühl nimmt eine belastende Situation (z. B. Ein­

schleusung in den OP) eher als lösbare Herausforderung

wahr. Sie ist auch in der Lage, über Gefühle zu sprechen und

Hilfsangebote anzunehmen.

3.2.2


Angst vor einer Operation


Trotzdem haben viele Patienten Angst vor einer Operation.

Konkreter sind das z. B. die Angst vor einem Behandlungs­feh­

ler oder die Angst vor einer Wundinfektion. Außerdem ängs­

tigt viele Patienten die Vorstellung Schmerzen zu erleiden

oder während der Operation aus der Narkose aufzu­wachen.

Das Krankenhaus ist eine Umgebung, in der Ängste ver­

stärkt werden. Gründe hierfür sind z. B. die räumlichen Ge­

gebenheiten oder die Abhängigkeit von fremden Menschen.

Unsere Aufgabe besteht darin, den Patienten in seiner beson­

deren Situation wahrzunehmen und auf seine Fragen sowie

Bedürfnisse einzugehen. Situativ angemessene Gespräche

(7 Abschn. 24.1) und die Anerkennung seiner Gefühle kön­

nen für den Patienten hilfreich sein.

>>Der Patient benötigt eine Situation im Funktions­


bereich, die von dem Gefühl der Sicherheit und des

Vertrauens geprägt sein muss, denn eine Operation

ist immer ein Eingriff in die Privatsphäre und in den

Körper.


Die Patientenschleuse ist die Grenze, ab der plötzlich alles

anders ist. Nicht einmal die Gesichter der Menschen sind

­unter dem Mund-Nasen-Schutz erkennbar. Der Weg auf dem

Operationstisch in den Narkoseeinleitungsraum ist von

Ängsten begleitet – was nun kommt, ist dem Patienten fremd.

>>Deshalb muss immer erklärt werden, was geschieht,


dabei muss auf die Reaktion des Patienten geachtet

werden, um hinreichend darauf reagieren zu können.

Unverständnis und Angst sind häufig in der Mimik

­erkennbar.


75

3.2 · Subjektives Erleben von Gesundheit und Krankheit


Die Umgebung muss ruhig sein, die Türen sind geschlossen,

die Kommunikation gewährleistet sein – dazu gehört ggf. ein

Dolmetscher.

3.2.3


Wahrnehmen und Beobachten


Mit unseren Sinnesorganen können wir Personen oder Ge­

genstände aus unserer Umgebung wahrnehmen. Das ist mög­

lich, indem Rezeptorzellen der Sinnesorgane physikalische

Reize (z. B. Schallwellen) aufnehmen, die dann in neuronale

Signale umgewandelt über Nervenbahnen an das Gehirn wei­

tergeleitet werden. Dort erfolgen die Verarbeitung der neuro­

nalen Signale und die Verknüpfung der Sinnesempfindungen

mit Gefühlen und Erfahrungen. Personen oder Gegenstände

in der Umgebung werden als diese erkannt und bewertet. Der

gesamte Vorgang von der Aufnahme des Sinnesreizes bis zur

Bewertung wird als sensorische Wahrnehmung bezeichnet.

Unsere Wahrnehmung ist beeinflussbar. Wirkt über einen

längeren Zeitraum ein gleichbleibender Reiz auf uns ein, er­

folgt eine Anpassung der Sinnesorgane. Wir nehmen den Reiz

weniger wahr, reagieren weniger empfindlich auf ihn. Diese

Eigenschaft der Sinnesorgane wird als sensorische Adapta­

tion bezeichnet.

Fallbeispiel

Sie sind an der Einschleusung eines pflegebedürftigen

Patienten beteiligt, der kurz zuvor massiv Stuhlgang

­abgeführt hat. Beim Betreten der Patientenschleuse

­nehmen Sie einen starken, fauligen Geruch wahr. Mögli­

cherweise empfinden Sie Ekel und fragen sich, ob die

­anderen Mitarbeiter ähnlich geruchsempfindlich sind.

Trotzdem unterstützen Sie die Kollegen bei der Körper­

reinigung des Patienten. Danach fällt Ihnen plötzlich

auf, dass Sie den Geruch der Ausscheidung kaum mehr

wahrnehmen.


Wir können unsere Wahrnehmung aber auch durch Auf­

merksamkeit gezielt steuern. Wir wenden uns Personen

oder Gegenständen aus unserer Umgebung bewusst zu, wir


beobachten sie.


Für eine fachkundige Begleitung und Betreuung der Pati­

enten im OP ist eine genaue Krankenbeobachtung unerläss­

lich. Eine geplante Beobachtung ist eine Möglichkeit, neben

dem OP-Plan, der Krankenakte oder einem Gespräch sich

über den Patienten und den bevorstehenden Eingriff zu infor­

mieren. Indem wir den Patienten u. a. beobachten, können

wir seine individuellen physischen und psychischen Bedürf­

nisse und Ressourcen erkennen und unser berufliches Han­

deln entsprechend ausrichten.

Die Krankenbeobachtung erfolgt nicht nur mit den Au­

gen, auch mit den anderen Sinnesorganen können wir gezielt

Informationen über den Patienten ermitteln (. Tab. 3.2; s. a.

Dietz 1994).

Neben der gezielten Steuerung der Wahrnehmung durch

Aufmerksamkeit gibt es weitere Faktoren, die die Bewertung


..Tab. 3.2 Beobachtung des Patienten mit mehreren Sinnes­

organen (vgl. Dietz, 1994)

Sinnesorgan


Beobachtungsbeispiele


Auge


Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Hautfarbe


Ohr


Atemgeräusche, Klang der Stimme


Nase


Ausscheidungen, Wundsekrete


Haut (Hand)


Hautbeschaffenheit, Körpertemperatur


unserer Sinnesempfindungen, häufig unbewusst, beeinflus­

sen. Das Wohlbefinden, die Motivation, die gegenwärtige

Stimmung und die Erfahrungen, die ein Mensch im Lauf sei­

nes Lebens gemacht hat, haben einen Einfluss darauf, wie wir

Personen oder Gegenstände aus unserer Umgebung wahr­

nehmen.

Die Einstellung (z. B. Gedanken und Gefühle) gegenüber

einer Person oder Gegenständen ist darüber hinaus sozial

und kulturell bedingt, u. a. durch Erziehung.

Im Krankenhausbetrieb müssen wir uns der vielfältigen

Einflussfaktoren bewusst sein. Das Wahrnehmen der eigenen

Stimmung und eine geplante Krankenbeobachtung sind

wichtig, damit wir negative Gefühle und Vorurteile zum

Nachteil des Patienten in die Betreuung bzw. Begleitung nicht

einfließen lassen.

Die Patientenbetreuung und -begleitung im OP wird

durch Teamarbeit gewährleistet. Als Mitglieder eines Teams

bzw. einer sozialen Gruppe erfüllen wir gesellschaftliche

­Erwartungen an unser Verhalten, wir sind Träger sozialer

Rollen (7 Kap. 26). Diese Verhaltenserwartungen wie auch

gruppendynamische Prozesse (z. B. Gruppenzwang) verän­

dern die Art und Weise, wie wir eine Person wahrnehmen.

In diesem Zusammenhang sprechen wir von sozialer Wahr­

nehmung.

Soziale Rollen erleichtern im Alltag die Wahrnehmung

einer Person. Menschen, die aufgrund einer Erkrankung ope­

riert werden müssen oder sich deshalb im Krankenhaus be­

finden, nehmen wir in der Regel in ihrer Krankenrolle, als

Patienten, wahr. Wir erwarten vom Erkrankten ein bestimm­

tes Rollenverhalten, z. B. die kooperative Mitwirkung am Be­

handlungsprozess (Compliance).

Indem wir davon ausgehen, dass ein Patient erkrankt ist,

ordnen wir ihm eine Kategorie zu. Darüber hinaus können

wir einen Patienten nach äußeren Merkmalen (z. B. Alter,

­Geschlecht, Hautfarbe) und bestimmten Persönlichkeits­

eigenschaften (z. B. Zuversichtlichkeit, Ängstlichkeit) kate­

gorisieren.

Im Alltag erfolgt die Zuordnung einer Person zu einer

bestimmten Kategorie häufig, ohne dass wir darüber nach­

denken. Beeinflusst durch subjektive Erfahrungen schließen

wir von einem beobachteten Verhalten auf die Persönlich­

keitsmerkmale eines Menschen. Wir lassen uns in der Perso­

nenwahrnehmung durch eine sog. implizite Persönlichkeits­

theorie leiten. Die subjektiven Annahmen über eine Person

können fehlerhaft sein.


3


3


76


Kapitel 3 · Patienten fachkundig begleiten und betreuen


3.3


Persönlichkeitstheorien


Das Verhalten eines Menschen wird häufig mit Persönlich­

keitseigenschaften beschrieben, so ist beispielsweise der eine

Mensch gesellig und temperamentvoll, ein Anderer hingegen

eher zurückhaltend und ruhig. Wir neigen dazu, Menschen

zu charakterisieren, um ihr Verhalten auf der Grundlage von

subjektiven Erfahrungen vorauszusagen. Diese Erklärungs­

versuche werden als Alltagstheorien oder Alltagspsychologie

bezeichnet.

Im Gegensatz dazu erforschen u. a. Psychologen Persön­

lichkeitseigenschaften mit wissenschaftlichen Methoden. Die

so gewonnenen Erkenntnisse und nachvollziehbaren Aussa­

gen können zu Persönlichkeitstheorien zusammengefasst

werden. Diese sind durch verschiedene Grundannahmen und

Forschungsansätze voneinander abgrenzbar.

3.3.1


Grundlagen der Tiefenpsychologie


Nach Sigmund Freud (1856–1939) ist der Mensch durch sei­

ne biologischen Triebe geleitet. Verinnerlichte soziale Zwänge

hindern einen Menschen jedoch daran, seine Triebe auszule­

ben. Aus diesem Spannungsverhältnis entwickelt sich die Per­

sönlichkeit eines Menschen. Freud ging davon aus, dass die

Verdrängung von unerwünschten Trieben in das Unbewusste

das Verhalten beeinflusst. Er gliederte die Psyche in drei Teile.

Als «Es» bezeichnet Freud das Unbewusste, das «Ich» steht für

das Bewusstsein und das Gewissen nannte er «Über-Ich».

Mit den beiden letztgenannten Instanzen können unbe­

wusste Vorgänge verarbeitet und verändert werden. Daraus

entwickelte Freud als Therapiekonzept die Psychoanalyse.

3.3.2


Grundlagen der humanistischen

­Psychologie


Vertreter der humanistischen Psychologie berücksichtigen in

ihren Persönlichkeitstheorien die psychischen Entwicklungs­

möglichkeiten. Ein bekannter Vertreter der humanistischen

Theorie ist Abraham Maslow. Er ging davon aus, dass ein

Mensch nach Selbstverwirklichung strebt. Zuvor müssen je­

doch physiologische und psychologische Bedürfnisse wie z. B.

Hunger oder Sicherheit erfüllt sein.

Ein weiterer Vertreter dieser Theorie ist Carl Rogers

(1902–1987), der davon ausgeht, dass jedes Individuum sich

selbst steuern und begreifen kann, sodass jeder Mensch ein

Resultat seiner eigenen Gedanken und Wahrnehmungen ist

und seine eigene Wertschätzung somit beeinflussen kann.

Einflüsse von außen können jedoch dazu führen, dass man­

che Wahrnehmungen nicht in das eigene «Selbst» passen und

das Gleichgewicht durcheinanderbringen. Negative Gefühle

wie Angst oder Herabsetzung des Selbstwertgefühls können

die Folge sein.

Nach Ansicht der humanistischen Psychologen ist jeder

Mensch bestrebt, sein positives Selbst- und Weltbild zu er­

halten.


3.3.3


Grundlagen der Verhaltenstheorie


Der Begründer der Verhaltenstheorie (Behaviorismus) John

Watson vertrat die Ansicht, dass ausschließlich die experi­


mentelle Untersuchung von beobachtbarem Verhalten zu

wissenschaftlichen Erkenntnissen führt. Ausgangspunkt sei­

ner Überlegungen sind die Versuche von Iwan Petrowitsch

Pawlow (1849–1936), der mit seinem Hundeexperiment be­

wies, dass eine Konditionierung bei Lebewesen möglich ist.

John Watson geht davon aus, dass ein Mensch sein Ver­

halten erlernt, indem er auf Umweltreize reagiert. Die Per­

sönlichkeit ist nach Watson ein System aus erlernten Ge­

wohnheiten.

3.4


Das Kind im Krankenhaus

(in der Funktionsabteilung)


Die Besonderheiten der Betreuung eines Kindes sind in dem

Kapitel der Kinderchirurgie angesprochen (7 Kap. 18). Gera­

de die kompetente Betreuung eines Kindes ist anspruchsvoll.

Hinzu kommt hier noch die Betreuung der Eltern, deren An­

wesenheit in der Patientenschleuse bei kleinen Kindern (ca.

bis 6 Jahre) selbstverständlich sein sollte.

Den Kindern, wie auch den Eltern muss die Angst genom­

men werden, das gelingt leichter, wenn der Fokus des Um­

gangs auf das Kind gelegt wird. Hier muss das Alter und die

Entwicklung des Kindes bedacht werden, damit eine Kom­

munikation möglich ist. Dabei darf nicht vergessen werden,

dass Kinder sehr gute Beobachter sind und Mimik und Gestik

sehr gut interpretieren können.

Jede einzelne Maßnahme muss dem Kind erklärt werden,

damit die vorhandenen Ängste nicht verstärkt werden. Jedes

Kind ist sich auf seiner Ebene seiner Erkrankung bewusst

und muss deshalb in die gesamte Therapie mit einbezogen

werden.

Es hat wenig Sinn, einem Kind zu erklären, dass die ge­

planten Maßnahmen keine Schmerzen bereiten werden,

wenn das Gegenteil zu erwarten ist. Kinder können Wahrheit

und Lüge unterscheiden und sind dann bei ihrem folgenden

Klinikaufenthalt geprägt durch ggf. falsche Aussagen. «Lü­

gen» minimieren das Vertrauen in die Pflegekräfte und die

Ärzte und machen den Krankenhausaufenthalt noch bedroh­

licher.

3.5


Der Mensch im Alter


Wir haben aufgrund der demographischen Entwicklung im­

mer mehr ältere Patienten im OP zu versorgen. Das stellt be­

sondere Herausforderungen an jeden einzelnen Mitarbeiter.

Neben der Erkrankung, wegen der der alte Mensch im OP ist,

können vielfältige andere Probleme vorhanden sein, auf die

wir eingehen müssen.

«Alter» hat viele Facetten. Es ist nicht nur die Einschrän­

kung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Wahrneh­

mungsfähigkeit. Auch die soziale Rolle in der Gesellschaft


77

Literatur


verändert sich mit Auswirkungen auf die psychische Situation

des Menschen.

Alte Menschen sind in ihrer körperlichen Beweglichkeit

langsamer, sie hören und sehen schlechter, das allgemeine

Reaktionsvermögen lässt nach. Manchmal ist der Unterschied

zwischen der Erkrankung und altersbedingten Einschrän­

kungen fließend. Gleichzeitig sind wir im OP angehalten,

schnell zu arbeiten, die Wechselzeiten zu bedenken und mit

den vorhandenen Personalressourcen auszukommen. Beides

ist manchmal nicht in Einklang zu bringen, kann Probleme

bereiten.

3.5.1


Krankheit im Alter


Das Altern erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder

Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erkranken oder einen Unfall

zu erleiden. Die Morbidität (Erkrankungshäufigkeit) nimmt

zu, ebenso die Mortalität (Sterblichkeitsrate).

3.5.2


Der alte Mensch als Patient


Im OP ist es wichtig zu wissen, welches die altersbedingten

Einschränkungen eines Patienten sind, neben der Erkran­

kung, die operiert werden soll.

Aber gerade die Begleiterkrankungen fordern ein Höchst­

maß an Anforderungen. Benötigt der Patient ein Hörgerät?

Kann er ohne Brille sehen? Hat er diese Hilfsmittel dabei? Hat

er chronische Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen,

die sich auf die intraoperative Lagerung auswirken? Liegt ein

Diabetes oder eine Arteriosklerose vor, die die Entstehung

eines Dekubitus fördern? Alte Menschen haben eine herabge­

setzte Immunabwehr. Ist es unbedingt nötig, einen Dauerka­

theter zu legen? Kann ggf. darauf verzichtet werden, um keine

Harnweginfektion zu provozieren? Hat der Patient eine Os­

teoporose oder Endoprothesen? Beides wirkt sich auf die La­

gerung aus. Leidet der Patient an einer Demenz und ist des­

halb desorientiert, verwirrt oder über die Maßen ängstlich?

All diese Fragen ziehen eine besondere Betreuung nach

sich. Vielleicht kann der Lagerungsstandard nicht eingehalten

werden oder wir benötigen mehrere Mitarbeiter für die Ein­

schleusung. Alle vom Standard abweichenden Maßnahmen

müssen dokumentiert werden.

Verwirrte Menschen werden häufig ruhiger, wenn ein

Körperkontakt hergestellt wird, z. B. wird die Hand gehalten

oder die Wange gestreichelt. Es ist zu fordern, die Zeit- und

Mitarbeiterressourcen auf das Patientenklientel abzustimmen

und jeden einzelnen Patienten so zu betreuen, wie er es be­

nötigt.


3.6


Der suizidgefährdete Patient


Eine Besonderheit der Betreuung erfordert der suizidgefähr­

dete Patient, bzw. der, der einen Suizid überlebte und deshalb

im OP behandelt wird. Die Einstellung zum «Selbstmord» ist

sehr unterschiedlich und von religiösen und kulturellen Wer­

ten geprägt.

Gleichgültig, wie der Mitarbeiter zu diesem Thema steht,

ist die professionelle Betreuung für jeden Patienten zu fordern

und zu leisten.

>>Dass kein Patient im OP allein gelassen wird, ist eine


Forderung, der immer Rechnung getragen werden

muss, die jedoch bei suizidgefährdeten Patienten noch

einen anderen Stellenwert erhält.

??Fragen zur Wiederholung zu 7 Kap. 3


55 Welche drei Ausgangspunkte gibt es, um Gesundheit

und Krankheit zu erklären?

55 Was ist unter dem Begriff «Kausalitätsprinzip» zu ver­

stehen?

55 Was bedeutet Kohärenzgefühl und warum steht

es im Mittelpunkt von A. Antonowskys Konzept der

Salutogenese?

55 Welche Fähigkeit des Menschen wird in den Persön­

lichkeitstheorien der humanistischen Psychologie

besonders berücksichtigt?


Literatur

Beise U, Heimes S, Schwarz W (Hrsg) (2013) Gesundheits- und Krankheits­

lehre, 3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York

Bruns W (2013) Gesundheitsförderung durch soziale Netzwerke:

­Möglichkeiten und Restriktionen. Springer, Heidelberg Berlin

Dietz C (1994) Krankenbeobachtung. Springer, Berlin Heidelberg New

York

Hornung R, Lächler J (1999) Psychologisches und soziologisches Grund­

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heim

Kabus M, Niethammer D (2009) Anamnese, Untersuchungstechniken,

Umgang mit Patienten und Eltern, psychosoziale Betreuung

schwerst­kranker und sterbender Kinder. In: Speer CP, Gahr M (Hrsg)

Pädia­trie. 3. Aufl. Springer, Heidelberg Berlin

Maurer Y (2006) Der ganzheitliche Ansatz in der Psychotherapie. 2. Aufl.

Springer, Wien New York

Rober Koch-Institut – RKI (2009) Gesundheit und Krankheit im Alter.

Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. http://www.

rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichter­


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