Bilddaten aus MRT oder CT werden in das Naviga
tionssystem eingelesen.
Dann werden diese Daten durch den sog. Matching-Prozess mit dem auf dem OP-Tisch liegenden Patienten abgeglichen, sodass das Navigationssystem jeden Punkt im Opera
tionssitus im Bilddatensatz wiederfindet und auf dem Monitor anzeigt. Hierzu werden die chirurgischen Instrumente
und ggf. der Patient mit Markerkugeln markiert. Das Navigationssystem kann dann die chirurgischen Instrumente oder
Implantate über die Kamera (Infrarot) wahrnehmen und die
Lokalisation der Instrumente zusammen mit den Bilddaten
auf dem Navigationsbildschirm für den Chirurgen in Echtzeit
darstellen.
Das Navigationssystem im Auto funktioniert ähnlich. Die
angefertigte Bildgebung entspricht den«Landkarten» des
Navigationssystems im Auto, und der GPS-Satellit entspricht
der Kombination aus LED-Marker und Kamera.
Die Indikationen für die Computernavigation sind vielfältig (7 Abschn. 2.5.1).
Vorteile der Anwendung eines Navigationssystems sind:
44Unterstützung und Ergänzung der räumlichen Vorstellung des Chirurgen,
44Verringerung der intraoperativen Strahlenbelastung, da
der Bildwandler seltener, ggf. gar nicht eingesetzt werden
muss,
44kleinere chirurgische Zugänge,
44Erhöhung der Präzision, z. B. bei der Implantatplatzierung.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.4
55 Welche Eigenschaften von Laserstrahlung nutzt man
in der Medizin?
55 In welchen Bereichen der Medizin kann ein Laser zum
Einsatz kommen?
55 Wie wird ein Operationssaal gekennzeichnet, in dem
ein Laser verwendet wird?
55 Welche Schutzmaßnahmen müssen ergriffen werden,
wenn mit Laserstrahlen gearbeitet wird?
2.5
Computergestützte Chirurgie –
Navigation und Robotik
Lisa Wiechmann, Conny Fachinger
Lernziel
55 Die Auszubildenden kennen die Wirkungsweisen der
zur Anwendung kommenden OP-Navigationssysteme
und können diese unter Beachtung der geltenden Sicherheitsvorschriften sachgerecht anwenden bzw. zur Anwendung vorbereiten.
Navigationssysteme operieren nicht selbstständig, ersetzen
also nicht den Chirurgen, sondern unterstützen den Chirur-
2.5.1
Einsatzgebiete
j
jTraumatologie/Orthopädie
In der Traumatologie und Orthopädie kann die Navigation
eingesetzt werden zur Unterstützung der Implantation von:
44künstlichen Hüft-, Kniegelenken,
44Kreuzbandplastiken,
44Pedikelschrauben,
44ISG-Verschraubungen (ISG = Iliosakralgelenk).
In der Endoprothetik des Kniegelenks kann der Operateur die
Schnittebenen der Osteotomien mit dem Navigationssystem
überprüfen, um so die Lage des Implantats zu optimieren.
>>Je genauer ein Implantat in der Belastungsachse liegt,
desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer frühzeitigen Lockerung.
Die neueste Entwicklung in diesem Bereich ist ein auf den
«iPod Touch» abgestimmtes Navigationssystem der Firma
«BrainLab», das sogenannte «Dash Navi».
Der iPod dient hierbei zugleich als Monitor, Messinstrument und Schaltfläche. Infrarotkugeln, die am iPod wie auch
an Messinstrumenten angebracht sind, werden an Resek
2
50
2
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
tionsschnittblöcken sowie an den bereits resezierten Flächen
positioniert. Durch ein Durchbewegen des zu operierenden
Gelenks werden genaue Angaben über Beinlänge und VagusValgus-Stellung am iPod angegeben, um eine präzise Resek
tion und im weiteren Verlauf eine korrektere Implantatpositionierung zu gewährleisten.
In der Kreuzbandchirurgie dient die Navigation der genaueren Bestimmung der Ansatzpunkte für das Transplantat, die beim alleineinigen Blick durch das Arthroskop vor
allem für den Anfänger unter Umständen schwer zu erkennen
sind.
Bei der Verschraubung von Sakrumfrakturen kann das
Navigationssystem zur Positionierung der K-Drähte für kanülierte Schrauben verwendet werden. Der besondere Vorteil
der Navigation besteht hier darin, dass es deutlich leichter
und sicherer ist, die Bohrdrähte an den sensiblen Strukturen
vorbei (Neuroforamen, Spinalkanal, Bandscheibe) sicher in
die Wirbelkörper des Kreuzbeins zu positionieren.
..Abb. 2.8
Pointer mit LED-Markerkugeln
..Abb. 2.9
Infrarotkamera
j
jNeurochirurgie
Einen weiteren großen Einsatzbereich bietet die Neurochi
rurgie. Bei Operationen am Gehirn, z. B. bei der Entfernung
von Tumoren wie Meningeomen, Gliomen oder Missbildungen von Hirngewebe helfen Navigationssysteme unterstützend, indem sie intraoperativ die exakte Lagebestimmung
eines Tumors erleichtern und dadurch die Schonung nicht
erkrankten Gewebes ermöglichen.
Die sog. Neuronavigation – NENA – hat ihren Ursprung in
der Stereotaxie,bei der ein Zielführungssystem Röntgenstrahlen oder Sonden an einen definierten Bezirk des Gehirns
bringt, um z. B. den Morbus Parkinson oder chronische
Schmerzen zu behandeln.
Bestehend aus Halterung, Rundbügel und Führungssonden kam dieses System auch für Punktionen kleinerer Tumoren zum Einsatz. Aus diesen Gewebestücken kann der Pathologe durch eine Schnellschnittuntersuchung die Tumorart
und den Schweregrad der Erkrankung bestimmen.
Die heute eingesetzten NENA-Systeme bestehen aus e inem
Zeigestab (Pointer, . Abb. 2.8), einer Workstation (Naviga
tionscomputer), die mit wichtigen Patientendaten geladen
wird, und zwei Infrarotkameras (. Abb. 2.9).
Dafür wird der Kopf des Patienten nach der Narkose und
der Operationslagerung in der 3-Punkt-Mayfield-Halterung
(7 Kap. 15) wird mit dem Zeigestab (Pointer, . Abb. 2.8) abgetastet. Auf dem Pointer befestigt sind 2 LED-Markerkugeln.
Die Kamera der Neuronavigation nimmt die Reflexionen der
Kugeln auf. Dadurch erkennt die Workstation den Pointer
und kann die Position millimetergenau in die Anatomie
des Kopfes einbauen. Durch das Zusammenfügen mit den
CT-/MRT-Bildern kommt es zu einem dreidimensionalen
Bild auf dem Monitor, das es zulässt, eine konkrete Aussage
zur Lage des Tumors zu treffen. Nun kann der genaue Zugangsweg bestimmt und die Größe der Kraniotomie eingegrenzt werden.
Intraoperativ bestätigt die Anwendung des Pointers, dass
die Instrumente sich im korrekten Areal des Gehirns befinden und zeigt die Grenzen des Tumors auf. Folgeschäden
einer Gehirnoperation, wie z. B. Lähmungen oder Gedächtnisschäden können so minimiert werden.
Computernavigationssysteme stehen für Qualität und zuverlässige Arbeitsabläufe. Um diese Qualität aufrecht zu erhalten, müssen die Mitarbeiter an allen Geräten geschult werden, wie das MPG (7 Abschn. 2.1) es fordert.
2.5.2
Roboter-assistierte Chirurgie
In der klinischen Routine werden Robotersysteme gegen
wärtig u. a. in der Urologie («DaVinci-System» Fa. Intuitive
Surgical) eingesetzt.
Das «Da Vinci-System» wird vorwiegend bei der radi
kalen Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie), bösartigen Blasentumoren sowie Nierentumoren verwendet.
Früher war für diese Operationen ein großer medialer Unterbauchschnitt nötig, durch die Etablierung der minimal-invasiven Chirurgie (MIC) werden nur noch kleine Hautschnitte
erforderlich. Das Robotersystem unterstützt diese Operation
noch durch extrem feine Präparationsmöglichkeiten.
Das «Da Vinci-System» besteht aus zwei großen Hauptkonsolen, der Kontrollkonsole und einem fahrbaren Stativ.
Durch die Verbindung der zwei Hauptkomponenten erhält
der Operateur vergrößerte Bilder des Operationsgebiets und
die 3D-Darstellung erleichtert die Durchführung der Operationsschritte sowie die Orientierung. In der Konsole befinden
sich Joystick-Arme, über die die Hand- und Fingerbewegungen des Operateurs präzise auf die Operationsinstrumente im
Situs übertragen werden.
51
2.6 · OP-Mikroskop
Der Operateur sitzt an einer Konsole, dazu muss er sich
keiner chirurgischen Händedesinfektion unterziehen, denn
am Patienten selbst bringen die Assistenten die Trokare und
die Arbeitsinstrumente ein und befestigen diese an den drei
interaktiven Armen des Roboters.
Das OP-Personal muss mit diesem System vertraut sein,
um die Vorbereitungen treffen zu können, die einzelnen
Arme des Systems steril zu beziehen und die Instrumente zu
verbinden.
Das System führt jede Bewegung des Operateurs präzise
aus und gleicht physiologische Abweichungen, die manuell
nicht zu vermeiden sind, aus. Die Handbewegungen werden
präzisiert und so eine höhere Qualität der Operationstechnik
erreicht.
2.5.3
Praktische Anwendung
Bei allen Navigationssystemen müssen Sicherheitsregeln und
Schutzmaßnahmen erfolgen. Im Operationssaal werden die
Komponenten des Navigationssystems so positioniert, dass
sie gut zu bedienen sind, die Bildschirme für das Team gut
einsehbar sind und ggf. ein Sterilbezug bereit liegt, der eine
Bedienung der Systeme durch das OP-Team erlaubt.
Des Weiteren muss das Navigationsgerät so positioniert
werden können, dass das Sichtfeld der Kameras des Naviga
tionssystems nicht eingeschränkt ist, sodass alle Komponenten (Patient, chirurgische Instrumente) zu jedem Zeitpunkt
für das System sichtbar sind.
Vorbereitung
Steht das Gerät in der richtigen Position, werden alle Netzstecker angeschlossen. Manchmal ist es sinnvoll, die einzelnen
Kabel zu beschriften oder farblich zu kodieren, v. a. wenn die
Navigation noch mit dem Mikroskop und der Sonographiestation verbunden werden muss.
Der Hauptschalter der Navigation wird aktiviert und das
Gerät hochgefahren. Die Patientendaten müssen korrekt eingegeben werden, um die gesammelten Daten ggfs. zu archivieren und keinesfalls eine Verwechslung zu provozieren.
Die Kameras der Navigation brauchen jederzeit eine freie
Sicht auf die Navigationsinstrumente, um erkennen können,
wo sich der Operateur befindet. Die Markerkugeln müssen
sicher und fest auf den Instrumenten befestigt sein. Einstellungen oder Korrekturen werden in Absprache mit dem Operateur vorgenommen.
Nachbereitung
Nach dem Gebrauch der Navigation müssen Bilder oder Videos gespeichert werden, wenn möglich werden die Aufnahmen versendet. Zum Ende des Eingriffs wird das System korrekt heruntergefahren und am Hauptschalter deaktiviert. Die
Reinigung des Geräts erfolgt nach Vorschrift, die Bildschirme
werden gesondert gereinigt. Vor dem Transport werden gepolsterte Schutzfolien über die Monitore und die Kameras gezogen.
Reparaturen, Änderung oder Wartungsarbeiten dürfen
nur durch autorisiertes Personal durchgeführt werden.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.5
55 Welche Vorteile bietet die Nutzung eines Navigationssystems für eine Operation?
55 Woraus bestehen die heute eingesetzten NENA-Systeme?
2.6
OP-Mikroskop
Stefan Flender, Alexander von Kajdacsy
Lernziel
55 Die Auszubildenden kennen die Wirkungsweisen der zur
Anwendung kommenden OP-Mikroskope und können
diese sachgerecht anwenden bzw. zur Anwendung vorbereiten.
Operationsmikroskope werden in verschiedenen Variationen
angeboten: vom einfachen Operationsmikroskop, welches
lediglich einen vergrößerten Blick auf das Operationsgebiet
liefert, bis zum ultramodernen High-End-Mikroskop, welches eine Vielzahl an Funktionen vereint. Weder Neurochi
rurgie, Handchirurgie noch Ophtalmologie, um nur einige
Fachgebiete zu nennen, können auf den Einsatz von Opera
tionsmikroskopen verzichten. In viel zu feinen Strukturen
bewegen sich die Operateure, die oftmals in kürzester Zeit
Entscheidungen fällen müssen, die massive Konsequenzen
für die Patienten haben können. Hier kann das Operationsmikroskop als Entscheidungshilfe dienen.
Der erste Einsatz eines OP-Mikroskops erfolgte in der
Neurochirurgie in den USA 1957 durch den Neurochirurgen
Theodore Kurze. In Deutschland setzte der Neurochirurg
Friedrich Loew das Mikroskop erstmals 1963 in der Bandscheibenchirurgie ein.
Mit den Mikroskopen von damals haben die heutigen
OP-Mikroskope wenig gemeinsam. Vielmehr handelt es
sich heutzutage um ultramoderne Hightech-Geräte, die
nicht nur einen vergrößernden Blick auf das Operationsgebiet gewährleisten, sondern z. B. folgende Funktionen haben
k önnen:
44präsentationsfähige Videoaufzeichnung und -archivierung sowie
44Screenshot-Archivierung durch MultiVision-Daten
spiegelung und Patientendatenarchivierung,
44fluoreszenzgestützte Tumorresektion und Angiographie
(intraoperative Diagnostik),
44Benutzerfreundlichkeit,
44Autofokus- sowie Laser-Fokussierhilfe,
44automatische Funktionen wie AutoBalance und AutoDrape,
44Netzwerkfähigkeit durch DICOM-Schnittstelle.
Neben fest installierten Deckenmikroskopen gibt es hauptsächlich transportable Mikroskope, die jeweils aus dem Haupt
körper (Stativ) und dem Mikroskop bestehen (. Abb. 2.10).
Der Hauptkörper des Mikroskops beinhaltet oftmals die
Software und einen Monitor mit Touchscreen (. Abb. 2.11),
2
52
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
2
..Abb. 2.10
Operationsmikroskop
worüber sich verschiedene Funktionen des Mikroskops
steuern lassen, wie z. B.
44Lichteinstellung,
44Patientendatenerfassung,
44AutoDrape- und AutoBalancefunktion,
44Umschaltung der Beobachter (Face-to-Face, Left-Right),
44Videoaufzeichnung, Standbild und Screenshotspeicherung,
44Umschaltung auf Vollbildmodus.
2.6.1
Funktionen des Operationsmikroskops
Durch die Vergrößerung (manche Mikroskope erreichen eine
bis zu 40-fache Vergrößerung) bietet ein Mikroskop die Möglichkeit, die Inzisionen sehr viel kleiner zu halten, das hochauflösende Bild zeigt das Operationsfeld klar, hell und deutlich, die Ausleuchtung ist optimal und kann jederzeit vom
Operateur verändert werden. Die intraoperative Handhabung
kann einfach und schnell über das Mikroskop oder einen angeschlossenen Fußschalter erfolgen.
Über die Handgriffe (Joysticks) ist es dem Chirurgen
möglich, intraoperativ und im sterilen Rahmen auf jede
Funktion des Mikroskops zuzugreifen. Über die an den
Handgriffen installierten Knöpfe und Hebel kann z. B. die
Lichtintensität, Fokus, Zoom etc. eingestellt oder vom Weißlicht-Modus in den Infrarot- oder Fluoreszenzmodus gewechselt werden.
Zudem kann das Mikroskop durch austauschbare Komponenten der jeweiligen Operation individuell angepasst
werden. So kann z. B. der seitliche Beobachter (Tubus) an der
Gegenseite angebracht werden, je nach Positionierung des
Assistenten. Für Operationen in sitzender Position kann das
Brückenverbindungsstück des frontalen Beobachters entfernt werden, um den Winkel des Mikroskops weiter zu
erhöhen und den Abstand zum Operationsfeld zu ver
ringern.
..Abb. 2.11 Touchscreen
Das Ansaugsystem des Mikroskops (AutoDrape) saugt die
verbliebene Luft nach dem sterilen Beziehen des Mikroskops
aus dem Bezug, damit sich dieser möglichst eng an das
Mikroskop anlegt. Die Luft muss also nicht manuell aus dem
Mikroskopbezug herausgepresst werden, und intraoperativ
behindert kein luftgefüllter oder hängender Bezug den In
strumentierenden, Operateur oder Assistenten.
Um die Okulare der einzelnen Beobachter komfortabel
für Brillenträger oder Nichtbrillenträger, sprich für deren erforderliche Dioptrien einzustellen, werden in der Vorbereitung die Okulare hinein- oder herausgedreht. Ein hinterlegter
Plan der Einstellung der einzelnen der Operateure erleichtert
die Vorbereitung.
Die AutoBalance-Funktion des Mikroskops sorgt dafür,
dass sich das Mikroskop während der Operation leicht
oder auch nur mit einer Hand über die Joysticks bewegen
lässt. Um diese Funktion zu gewährleisten, muss nach jedem
Start und abgeschlossenem Hochfahren der Software des
Mikroskops sowie nach jedem Umbau eine Autobalancierung
des gesamten Systems vorgenommen werden. Hier wird
nicht nur die vordere Mikroskopeinheit, sondern ebenfalls der Mikroskoparm ausbalanciert. Wird die AutoBalanceFunktion nicht ausgelöst, besonders nach einem Umbau,
lässt sich das Mikroskop nicht adäquat verwenden, weil es
sehr schwer über die Joysticks zu bewegen ist. Außerdem
kann es zu ernsthaften Schäden am Mikroskop kommen,
weil die Bremsen überbelastet werden, wenn sich Veränderungen der Einstellungen nur mit Kraftaufwand durchführen lassen.
Im neurochirurgischen Betrieb sind folgende Eigenschaften des Operationsmikroskops jedoch sehr bedeutsam:
44Es bietet die Möglichkeiten der fluoreszenzgestützten
Tumorentfernung und der Infrarot-Angiographie.
44Durch die Fluoreszenz ist es möglich, intraoperativ
Tumorgewebe von gesundem Hirngewebe zu unterscheiden und somit einen Hirntumor zu entfernen, ohne angrenzendes gesundes Gewebe zu verletzen. Dazu wird
53
2.6 · OP-Mikroskop
2.6.2
..Abb. 2.12
Das OP-Mikroskop als Orientierungshilfe (Gehirntumor).
vorher ein entsprechendes Medikament intravenös injiziert, das sich in den Gewebestrukturen unterschiedlich
ablagert.
44Die videogestützte Infrarot-Angiographie dient intraoperativ der Gefäßdarstellung, um den Blutfluss in
einem Gefäß darstellen zu können. So ist es möglich,
perforierende Arterien mit einem Durchmesser im
Submillimeterbereich abzubilden. Durch die hohe Genauigkeit beim Erkennen unvollständig abgeklippter
Aneurysmen und unabsichtlich verschlossener Blut
gefäße ist das Mikroskop ein wichtiger Bestandteil in
der Aneurysmachirurgie (7 Kap. 15).
44Der Operateur kann auf einem speziellen Stuhl sitzen,
der über ein Kabel mit dem Mikroskop verbunden ist,
dadurch sind die Stuhlposition wie auch Funktionen
des Mikroskops über die Fußschalter des Stuhls steuerbar. Des Weiteren hat dieser Stuhl feste Armaufleger,
die ein entspanntes Ablegen der Arme ermöglichen,
um auf kleinstem Raum ohne Ermüdungserscheinungen der Armmuskulatur mit Mikroinstrumenten zu
arbeiten.
44Mit Navigationssoft-und -hardware kann ein OP-Mikroskop auch als Orientierungshilfe dienen,
44z. B. bei der Lokalisation von Gehirntumoren
(. Abb. 2.12).
Vorbereitung und Einsatz
des Mikroskops
Nach Einschalten des Mikroskops (die Einführung gemäß
MPG für das Mikroskop vorausgesetzt) und einer fehler
freien Initialisierung können Patientendaten eingegeben werden, um ggf. Bilder oder Videos, die intraoperativ aufgenommen wurden (z. B. Angiographie bei Aneurysmaclipping)
korrekt zu dokumentieren und dem Patienten zuordnen zu
können. Eventuelle Veränderungen, die abweichen von der
Grundeinstellung des Mikroskops, können vorgenommen
werden.
Anschließend werden die Arbeitstuben je nach Operation
positioniert. Dazu muss aus dem Operationsplan klar ersichtlich sein, ob der Assistent rechts oder links vom Operateur
oder gegenüber steht, denn dementsprechend müssen die Arbeitstuben umgebaut werden. Die Okulare werden auf die
Operateure eingestellt. Erst nach vollständiger Montage des
Mikroskops für die Operation kann dieses schließlich via
Auto-Balance-Funktion ausbalanciert werden.
Natürlich ist ein steriler Bezug des Mikroskops not
wendig. Das Beziehen mit einem speziell für die Art des
Mikroskops erhältlichen Klarsichtbezug bedarf einiger
Übung (. Abb. 2.13) und sollte zuvor unter unsterilen Bedingungen eingeübt werden. Beim Beziehen streift der Instrumentierende den Bezug über das Mikroskopteil, und der
Springer greift von innen in den Bezug (. Abb. 2.13b) und
hilft, indem er den Bezug über den Mikroskoparm zieht und
am Ende mit einem Klebeband fixiert. Die im Bezug des
Mikroskops verbleibende Luft wird vom Mikroskop ab
gesaugt, damit der Bezug so eng wie möglich anliegt (z. B.
AutoDrape-Funktion) und somit das Anstoßen an unsterile
Gegenstände minimiert wird.
Nach der Abdeckung des Operatationsfeldes wird das OPMikroskop schließlich so positioniert, dass einer hindernisfreien Bewegung desselbigen nichts im Wege steht. Intraoperative Einstellungen können vom Operateur via Fußschalter,
Joystick, bei manchen Mikroskopen auch per Mundstück,
vorgenommen werden. Veränderungen am OP-Tisch, z. B.
das Verstellen der Höhe oder der Ebene, machen oft eine Neueinstellung des Mikroskops erforderlich und sollten daher
schon vor Operationsbeginn und Ausrichtung des Mikroskops erledigt sein.
Ist die Operation beendet oder wird das Arbeitsmikroskop nicht mehr benötigt, wird es vorsichtig vom Springer
wieder zurück geschoben und das Licht heruntergefahren,
bevor es ausgeschaltet wird. Der Mikroskopbezug wird entfernt und entsorgt. Findet im Anschluss eine weitere Ope
ration statt, werden die Arbeitstuben je nach Operationsart wieder umgebaut und das Mikroskop erneut über AutoBalance ausbalanciert. Findet keine weitere Operation statt,
wird das Mikroskop wieder in die Transportposition (das
Mikroskop muss im Notfall durch die Türen passen) und falls
nötig die Arbeitstuben wieder in die Grundposition gebracht.
Zum Schutz des Mikroskops wird die Schutzhülle darüber
gezogen.
2
54
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
2
a
b
..Abb. 2.13a, b
Es bedarf einiger Übung: das sterile Beziehen des Operationsmikroskops vor der Operation
..Abb. 2.14 Neurochirurgen bei der Arbeit mit OP Mikroskop: Entfernung eines Gehirntumors
..Abb. 2.15 Die Augen der Operateure verbleiben optimalerweise auf
den Okularen. Die OP Pflegekraft reicht das Instrumentarium mit besonderer Sorgfalt an und nimmt gebrauchte Instrumente ebenso entgegen
Instrumentation unter dem Mikroskop
Aufgrund der extremen Vergrößerung unter dem Mikroskop ist es unerlässlich, die Instrumente blut- und fusselfrei
anzureichen. Dazu werden sie nach jedem Einsatz im Operationsfeld mit einem nicht fusselnden Tuch gesäubert.
Für die feinen Gewebestrukturen ist spezielles Mikro
instrumentarium nötig.
2.6.3
Wird eine Operation mit OP-Mikroskop durchgeführt, so
ist es sinnvoll, dass die Augen von Operateur und Assistent
während der Operation auf den Okularen des Mikroskops
verbleiben, um das OP-Gebiet nicht aus dem Auge zu verlieren (. Abb. 2.15). Damit sich der Operateur nicht bei jedem
Instrumentenwechsel neu orientieren muss, liegt es an der
OP-Pflegekraft/OTA, die Instrumente dem Operateur sicher
in der Hand zu platzieren und auch sicher wieder entgegenzunehmen, damit ein reibungsloser Workflow erreicht wird.
>>Diese Instrumente müssen aufgrund ihrer Feinheit mit
besonderer Vorsicht behandelt werden. Falsche Handhabung kann schnell zum Funktionsverlust oder zum
Defekt führen.
55
2.7 · Blutsperre und Blutleere
zung zur besseren Übersicht des Operationsgebietes oder zur
Verringerung des Blutverlustes sinnvoll ist. Rund um die
Gliedmaße wird dabei kontrollierter Druck auf die Haut und
das darunter liegende Gewebe ausgeübt und auf die Gefäßwände übertragen. Durch einen Druckregler am Tourniquetgerät kann der ausgeübte Manschettendruck auf die Extremität eingestellt werden.
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