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4/3/26

  Bilddaten aus MRT oder CT werden in das Naviga­

tionssystem eingelesen.

Dann werden diese Daten durch den sog. Matching-Prozess mit dem auf dem OP-Tisch liegenden Patienten abgeglichen, sodass das Navigationssystem jeden Punkt im Opera­

tionssitus im Bilddatensatz wiederfindet und auf dem Monitor anzeigt. Hierzu werden die chirurgischen Instrumente

und ggf. der Patient mit Markerkugeln markiert. Das Navigationssystem kann dann die chirurgischen Instrumente oder

Implantate über die Kamera (Infrarot) wahrnehmen und die

Lokalisation der Instrumente zusammen mit den Bilddaten

auf dem Navigationsbildschirm für den Chirurgen in Echtzeit

darstellen.

Das Navigationssystem im Auto funktioniert ähnlich. Die

angefertigte Bildgebung entspricht den«Landkarten» des

­Navigationssystems im Auto, und der GPS-Satellit entspricht

der Kombination aus LED-Marker und Kamera.

Die Indikationen für die Computernavigation sind vielfältig (7 Abschn. 2.5.1).

Vorteile der Anwendung eines Navigationssystems sind:

44Unterstützung und Ergänzung der räumlichen Vorstellung des Chirurgen,

44Verringerung der intraoperativen Strahlenbelastung, da

der Bildwandler seltener, ggf. gar nicht eingesetzt werden

muss,

44kleinere chirurgische Zugänge,

44Erhöhung der Präzision, z. B. bei der Implantatplatzierung.


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.4


55 Welche Eigenschaften von Laserstrahlung nutzt man

in der Medizin?

55 In welchen Bereichen der Medizin kann ein Laser zum

Einsatz kommen?

55 Wie wird ein Operationssaal gekennzeichnet, in dem

ein Laser verwendet wird?

55 Welche Schutzmaßnahmen müssen ergriffen werden,

wenn mit Laserstrahlen gearbeitet wird?


2.5


Computergestützte Chirurgie –

­Navigation und Robotik


Lisa Wiechmann, Conny Fachinger

Lernziel

55 Die Auszubildenden kennen die Wirkungsweisen der

zur Anwendung kommenden OP-Navigationssysteme

und können diese unter Beachtung der geltenden Sicherheitsvorschriften sachgerecht anwenden bzw. zur Anwendung vorbereiten.


Navigationssysteme operieren nicht selbstständig, ersetzen

also nicht den Chirurgen, sondern unterstützen den Chirur-


2.5.1


Einsatzgebiete


j

jTraumatologie/Orthopädie


In der Traumatologie und Orthopädie kann die Navigation

eingesetzt werden zur Unterstützung der Implantation von:

44künstlichen Hüft-, Kniegelenken,

44Kreuzbandplastiken,

44Pedikelschrauben,

44ISG-Verschraubungen (ISG = Iliosakralgelenk).

In der Endoprothetik des Kniegelenks kann der Operateur die

Schnittebenen der Osteotomien mit dem Navigationssystem

überprüfen, um so die Lage des Implantats zu optimieren.

>>Je genauer ein Implantat in der Belastungsachse liegt,


desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer frühzeitigen Lockerung.


Die neueste Entwicklung in diesem Bereich ist ein auf den

«iPod Touch» abgestimmtes Navigationssystem der Firma

«BrainLab», das sogenannte «Dash Navi».

Der iPod dient hierbei zugleich als Monitor, Messinstrument und Schaltfläche. Infrarotkugeln, die am iPod wie auch

an Messinstrumenten angebracht sind, werden an Resek­


2


50


2


Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte


tionsschnittblöcken sowie an den bereits resezierten Flächen

positioniert. Durch ein Durchbewegen des zu operierenden

Gelenks werden genaue Angaben über Beinlänge und VagusValgus-Stellung am iPod angegeben, um eine präzise Resek­

tion und im weiteren Verlauf eine korrektere Implantatpositionierung zu gewährleisten.

In der Kreuzbandchirurgie dient die Navigation der genaueren Bestimmung der Ansatzpunkte für das Transplantat, die beim alleineinigen Blick durch das Arthroskop vor

allem für den Anfänger unter Umständen schwer zu erkennen

sind.

Bei der Verschraubung von Sakrumfrakturen kann das

Navigationssystem zur Positionierung der K-Drähte für kanülierte Schrauben verwendet werden. Der besondere Vorteil

der Navigation besteht hier darin, dass es deutlich leichter

und sicherer ist, die Bohrdrähte an den sensiblen Strukturen

vorbei (Neuroforamen, Spinalkanal, Bandscheibe) sicher in

die Wirbelkörper des Kreuzbeins zu positionieren.


..Abb. 2.8


Pointer mit LED-Markerkugeln


..Abb. 2.9


Infrarotkamera


j

jNeurochirurgie


Einen weiteren großen Einsatzbereich bietet die Neurochi­

rurgie. Bei Operationen am Gehirn, z. B. bei der Entfernung

von Tumoren wie Meningeomen, Gliomen oder Missbildungen von Hirngewebe helfen Navigationssysteme unterstützend, indem sie intraoperativ die exakte Lagebestimmung

eines Tumors erleichtern und dadurch die Schonung nicht

erkrankten Gewebes ermöglichen.

Die sog. Neuronavigation – NENA – hat ihren Ursprung in

der Stereotaxie,bei der ein Zielführungssystem Röntgenstrahlen oder Sonden an einen definierten Bezirk des Gehirns

bringt, um z. B. den Morbus Parkinson oder chronische

Schmerzen zu behandeln.

Bestehend aus Halterung, Rundbügel und Führungssonden kam dieses System auch für Punktionen kleinerer Tumoren zum Einsatz. Aus diesen Gewebestücken kann der Pathologe durch eine Schnellschnittuntersuchung die Tumorart

und den Schweregrad der Erkrankung bestimmen.

Die heute eingesetzten NENA-Systeme bestehen aus e­ inem

Zeigestab (Pointer, . Abb. 2.8), einer Workstation (Naviga­

tionscomputer), die mit wichtigen Patientendaten geladen

wird, und zwei Infrarotkameras (. Abb. 2.9).

Dafür wird der Kopf des Patienten nach der Narkose und

der Operationslagerung in der 3-Punkt-Mayfield-Halterung

(7 Kap. 15) wird mit dem Zeigestab (Pointer, . Abb. 2.8) abgetastet. Auf dem Pointer befestigt sind 2 LED-Markerkugeln.

Die Kamera der Neuronavigation nimmt die Reflexionen der

Kugeln auf. Dadurch erkennt die Workstation den Pointer

und kann die Position millimetergenau in die Anatomie

des Kopfes einbauen. Durch das Zusammenfügen mit den

CT-/MRT-Bildern kommt es zu einem dreidimensionalen

Bild auf dem Monitor, das es zulässt, eine konkrete Aussage

zur Lage des Tumors zu treffen. Nun kann der genaue Zugangsweg bestimmt und die Größe der Kraniotomie eingegrenzt werden.

Intraoperativ bestätigt die Anwendung des Pointers, dass

die Instrumente sich im korrekten Areal des Gehirns befinden und zeigt die Grenzen des Tumors auf. Folgeschäden


­einer Gehirnoperation, wie z. B. Lähmungen oder Gedächtnisschäden können so minimiert werden.

Computernavigationssysteme stehen für Qualität und zuverlässige Arbeitsabläufe. Um diese Qualität aufrecht zu erhalten, müssen die Mitarbeiter an allen Geräten geschult werden, wie das MPG (7 Abschn. 2.1) es fordert.

2.5.2


Roboter-assistierte Chirurgie


In der klinischen Routine werden Robotersysteme gegen­

wärtig u. a. in der Urologie («DaVinci-System» Fa. Intuitive

Surgical) eingesetzt.

Das «Da Vinci-System» wird vorwiegend bei der radi­

kalen Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie), bösartigen Blasentumoren sowie Nierentumoren verwendet.

Früher war für diese Operationen ein großer medialer Unterbauchschnitt nötig, durch die Etablierung der minimal-invasiven Chirurgie (MIC) werden nur noch kleine Hautschnitte

erforderlich. Das Robotersystem unterstützt diese Operation

noch durch extrem feine Präparationsmöglichkeiten.

Das «Da Vinci-System» besteht aus zwei großen Hauptkonsolen, der Kontrollkonsole und einem fahrbaren Stativ.

Durch die Verbindung der zwei Hauptkomponenten erhält

der Operateur vergrößerte Bilder des Operationsgebiets und

die 3D-Darstellung erleichtert die Durchführung der Operationsschritte sowie die Orientierung. In der Konsole befinden

sich Joystick-Arme, über die die Hand- und Fingerbewegungen des Operateurs präzise auf die Operationsinstrumente im

Situs übertragen werden.


51

2.6 · OP-Mikroskop


Der Operateur sitzt an einer Konsole, dazu muss er sich

keiner chirurgischen Händedesinfektion unterziehen, denn

am Patienten selbst bringen die Assistenten die Trokare und

die Arbeitsinstrumente ein und befestigen diese an den drei

interaktiven Armen des Roboters.

Das OP-Personal muss mit diesem System vertraut sein,

um die Vorbereitungen treffen zu können, die einzelnen

Arme des Systems steril zu beziehen und die Instrumente zu

verbinden.

Das System führt jede Bewegung des Operateurs präzise

aus und gleicht physiologische Abweichungen, die manuell

nicht zu vermeiden sind, aus. Die Handbewegungen werden

präzisiert und so eine höhere Qualität der Operationstechnik

erreicht.

2.5.3


Praktische Anwendung


Bei allen Navigationssystemen müssen Sicherheitsregeln und

Schutzmaßnahmen erfolgen. Im Operationssaal werden die

Komponenten des Navigationssystems so positioniert, dass

sie gut zu bedienen sind, die Bildschirme für das Team gut

einsehbar sind und ggf. ein Sterilbezug bereit liegt, der eine

Bedienung der Systeme durch das OP-Team erlaubt.

Des Weiteren muss das Navigationsgerät so positioniert

werden können, dass das Sichtfeld der Kameras des Naviga­

tionssystems nicht eingeschränkt ist, sodass alle Komponenten (Patient, chirurgische Instrumente) zu jedem Zeitpunkt

für das System sichtbar sind.


Vorbereitung

Steht das Gerät in der richtigen Position, werden alle Netzstecker angeschlossen. Manchmal ist es sinnvoll, die einzelnen

Kabel zu beschriften oder farblich zu kodieren, v. a. wenn die

Navigation noch mit dem Mikroskop und der Sonographiestation verbunden werden muss.

Der Hauptschalter der Navigation wird aktiviert und das

Gerät hochgefahren. Die Patientendaten müssen korrekt eingegeben werden, um die gesammelten Daten ggfs. zu archivieren und keinesfalls eine Verwechslung zu provozieren.

Die Kameras der Navigation brauchen jederzeit eine freie

Sicht auf die Navigationsinstrumente, um erkennen können,

wo sich der Operateur befindet. Die Markerkugeln müssen

sicher und fest auf den Instrumenten befestigt sein. Einstellungen oder Korrekturen werden in Absprache mit dem Operateur vorgenommen.


Nachbereitung

Nach dem Gebrauch der Navigation müssen Bilder oder Videos gespeichert werden, wenn möglich werden die Aufnahmen versendet. Zum Ende des Eingriffs wird das System korrekt heruntergefahren und am Hauptschalter deaktiviert. Die

Reinigung des Geräts erfolgt nach Vorschrift, die Bildschirme

werden gesondert gereinigt. Vor dem Transport werden gepolsterte Schutzfolien über die Monitore und die Kameras gezogen.

Reparaturen, Änderung oder Wartungsarbeiten dürfen

nur durch autorisiertes Personal durchgeführt werden.


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.5


55 Welche Vorteile bietet die Nutzung eines Navigationssystems für eine Operation?

55 Woraus bestehen die heute eingesetzten NENA-Systeme?


2.6


OP-Mikroskop


Stefan Flender, Alexander von Kajdacsy

Lernziel

55 Die Auszubildenden kennen die Wirkungsweisen der zur

Anwendung kommenden OP-Mikroskope und können

diese sachgerecht anwenden bzw. zur Anwendung vorbereiten.


Operationsmikroskope werden in verschiedenen Variationen

angeboten: vom einfachen Operationsmikroskop, welches

­lediglich einen vergrößerten Blick auf das Operationsgebiet

liefert, bis zum ultramodernen High-End-Mikroskop, welches eine Vielzahl an Funktionen vereint. Weder Neurochi­

rurgie, Handchirurgie noch Ophtalmologie, um nur einige

Fachgebiete zu nennen, können auf den Einsatz von Opera­

tionsmikroskopen verzichten. In viel zu feinen Strukturen

bewegen sich die Operateure, die oftmals in kürzester Zeit

Entscheidungen fällen müssen, die massive Konsequenzen

für die Patienten haben können. Hier kann das Operationsmikroskop als Entscheidungshilfe dienen.

Der erste Einsatz eines OP-Mikroskops erfolgte in der

Neurochirurgie in den USA 1957 durch den Neurochirurgen

Theodore Kurze. In Deutschland setzte der Neurochirurg

Friedrich Loew das Mikroskop erstmals 1963 in der Bandscheibenchirurgie ein.

Mit den Mikroskopen von damals haben die heutigen

­OP-Mikroskope wenig gemeinsam. Vielmehr handelt es

sich heutzutage um ultramoderne Hightech-Geräte, die

nicht nur einen vergrößernden Blick auf das Operationsgebiet ­gewährleisten, sondern z. B. folgende Funktionen haben

k­ önnen:

44präsentationsfähige Videoaufzeichnung und -archivierung sowie

44Screenshot-Archivierung durch MultiVision-Daten­

spiegelung und Patientendatenarchivierung,

44fluoreszenzgestützte Tumorresektion und Angiographie

(intraoperative Diagnostik),

44Benutzerfreundlichkeit,

44Autofokus- sowie Laser-Fokussierhilfe,

44automatische Funktionen wie AutoBalance und AutoDrape,

44Netzwerkfähigkeit durch DICOM-Schnittstelle.

Neben fest installierten Deckenmikroskopen gibt es hauptsächlich transportable Mikroskope, die jeweils aus dem Haupt­

körper (Stativ) und dem Mikroskop bestehen (. Abb. 2.10).

Der Hauptkörper des Mikroskops beinhaltet oftmals die

­Software und einen Monitor mit Touchscreen (. Abb. 2.11),


2


52


Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte


2


..Abb. 2.10


Operationsmikroskop


worüber sich verschiedene Funktionen des Mikroskops

­steuern lassen, wie z. B.

44Lichteinstellung,

44Patientendatenerfassung,

44AutoDrape- und AutoBalancefunktion,

44Umschaltung der Beobachter (Face-to-Face, Left-Right),

44Videoaufzeichnung, Standbild und Screenshotspeicherung,

44Umschaltung auf Vollbildmodus.

2.6.1


Funktionen des Operationsmikroskops


Durch die Vergrößerung (manche Mikroskope erreichen eine

bis zu 40-fache Vergrößerung) bietet ein Mikroskop die Möglichkeit, die Inzisionen sehr viel kleiner zu halten, das hochauflösende Bild zeigt das Operationsfeld klar, hell und deutlich, die Ausleuchtung ist optimal und kann jederzeit vom

Operateur verändert werden. Die intraoperative Handhabung

kann einfach und schnell über das Mikroskop oder einen angeschlossenen Fußschalter erfolgen.

Über die Handgriffe (Joysticks) ist es dem Chirurgen

möglich, intraoperativ und im sterilen Rahmen auf jede

Funktion des Mikroskops zuzugreifen. Über die an den

Handgriffen installierten Knöpfe und Hebel kann z. B. die

Lichtintensität, Fokus, Zoom etc. eingestellt oder vom Weißlicht-Modus in den Infrarot- oder Fluoreszenzmodus gewechselt werden.

Zudem kann das Mikroskop durch austauschbare Komponenten der jeweiligen Operation individuell angepasst

werden. So kann z. B. der seitliche Beobachter (Tubus) an der

Gegenseite angebracht werden, je nach Positionierung des

Assistenten. Für Operationen in sitzender Position kann das

Brückenverbindungsstück des frontalen Beobachters entfernt werden, um den Winkel des Mikroskops weiter zu

­erhöhen und den Abstand zum Operationsfeld zu ver­

ringern.


..Abb. 2.11 Touchscreen


Das Ansaugsystem des Mikroskops (AutoDrape) saugt die

verbliebene Luft nach dem sterilen Beziehen des Mikroskops

aus dem Bezug, damit sich dieser möglichst eng an das

­Mikroskop anlegt. Die Luft muss also nicht manuell aus dem

Mikroskopbezug herausgepresst werden, und intraoperativ

behindert kein luftgefüllter oder hängender Bezug den In­

strumentierenden, Operateur oder Assistenten.

Um die Okulare der einzelnen Beobachter komfortabel

für Brillenträger oder Nichtbrillenträger, sprich für deren erforderliche Dioptrien einzustellen, werden in der Vorbereitung die Okulare hinein- oder herausgedreht. Ein hinterlegter

Plan der Einstellung der einzelnen der Operateure erleichtert

die Vorbereitung.

Die AutoBalance-Funktion des Mikroskops sorgt dafür,

dass sich das Mikroskop während der Operation leicht

oder auch nur mit einer Hand über die Joysticks bewegen

lässt. Um diese Funktion zu gewährleisten, muss nach jedem

Start und abgeschlossenem Hochfahren der Software des

­Mikroskops sowie nach jedem Umbau eine Autobalancierung

des gesamten Systems vorgenommen werden. Hier wird

nicht nur die vordere Mikroskopeinheit, sondern ebenfalls der Mikroskoparm ausbalanciert. Wird die AutoBalanceFunktion nicht ausgelöst, besonders nach einem Umbau,

lässt sich das Mikroskop nicht adäquat verwenden, weil es

sehr schwer über die Joysticks zu bewegen ist. Außerdem

kann es zu ernsthaften Schäden am Mikroskop kommen,

weil die Bremsen überbelastet werden, wenn sich Veränderungen der Einstellungen nur mit Kraftaufwand durchführen lassen.

Im neurochirurgischen Betrieb sind folgende Eigenschaften des Operationsmikroskops jedoch sehr bedeutsam:

44Es bietet die Möglichkeiten der fluoreszenzgestützten

Tumorentfernung und der Infrarot-Angiographie.

44Durch die Fluoreszenz ist es möglich, intraoperativ

­Tumorgewebe von gesundem Hirngewebe zu unterscheiden und somit einen Hirntumor zu entfernen, ohne angrenzendes gesundes Gewebe zu verletzen. Dazu wird


53

2.6 · OP-Mikroskop


2.6.2


..Abb. 2.12


Das OP-Mikroskop als Orientierungshilfe (Gehirntumor).


vorher ein entsprechendes Medikament intravenös injiziert, das sich in den Gewebestrukturen unterschiedlich

ablagert.

44Die videogestützte Infrarot-Angiographie dient intraoperativ der Gefäßdarstellung, um den Blutfluss in

­einem Gefäß darstellen zu können. So ist es möglich,

perforierende Arterien mit einem Durchmesser im

­Submillimeterbereich abzubilden. Durch die hohe Genauigkeit beim Erkennen unvollständig abgeklippter

Aneurysmen und unabsichtlich verschlossener Blut­

gefäße ist das Mikroskop ein wichtiger Bestandteil in

der Aneurysmachirurgie (7 Kap. 15).

44Der Operateur kann auf einem speziellen Stuhl sitzen,

der über ein Kabel mit dem Mikroskop verbunden ist,

dadurch sind die Stuhlposition wie auch Funktionen

des Mikroskops über die Fußschalter des Stuhls steuerbar. Des Weiteren hat dieser Stuhl feste Armaufleger,

die ein entspanntes Ablegen der Arme ermöglichen,

um auf kleinstem Raum ohne Ermüdungserscheinungen der Armmuskulatur mit Mikroinstrumenten zu

­arbeiten.

44Mit Navigationssoft-und -hardware kann ein OP-Mikroskop auch als Orientierungshilfe dienen,

44z. B. bei der Lokalisation von Gehirntumoren

(. Abb. 2.12).


Vorbereitung und Einsatz

des Mikroskops


Nach Einschalten des Mikroskops (die Einführung gemäß

MPG für das Mikroskop vorausgesetzt) und einer fehler­

freien Initialisierung können Patientendaten eingegeben werden, um ggf. Bilder oder Videos, die intraoperativ aufgenommen wurden (z. B. Angiographie bei Aneurysmaclipping)

korrekt zu dokumentieren und dem Patienten zuordnen zu

können. Eventuelle Veränderungen, die abweichen von der

Grundeinstellung des Mikroskops, können vorgenommen

werden.

Anschließend werden die Arbeitstuben je nach Operation

positioniert. Dazu muss aus dem Operationsplan klar ersichtlich sein, ob der Assistent rechts oder links vom Operateur

oder gegenüber steht, denn dementsprechend müssen die Arbeitstuben umgebaut werden. Die Okulare werden auf die

Operateure eingestellt. Erst nach vollständiger Montage des

Mikroskops für die Operation kann dieses schließlich via

Auto-Balance-Funktion ausbalanciert werden.

Natürlich ist ein steriler Bezug des Mikroskops not­

wendig. Das Beziehen mit einem speziell für die Art des

Mikroskops erhältlichen Klarsichtbezug bedarf einiger

­

Übung (. Abb. 2.13) und sollte zuvor unter unsterilen Bedingungen eingeübt werden. Beim Beziehen streift der Instrumentierende den Bezug über das Mikroskopteil, und der

Springer greift von innen in den Bezug (. Abb. 2.13b) und

hilft, indem er den Bezug über den Mikroskoparm zieht und

am Ende mit einem Klebeband fixiert. Die im Bezug des

­Mikroskops verbleibende Luft wird vom Mikroskop ab­

gesaugt, damit der Bezug so eng wie möglich anliegt (z. B.

AutoDrape-Funktion) und somit das Anstoßen an unsterile

Gegenstände minimiert wird.

Nach der Abdeckung des Operatationsfeldes wird das OPMikroskop schließlich so positioniert, dass einer hindernisfreien Bewegung desselbigen nichts im Wege steht. Intraoperative Einstellungen können vom Operateur via Fußschalter,

Joystick, bei manchen Mikroskopen auch per Mundstück,

vorgenommen werden. Veränderungen am OP-Tisch, z. B.

das Verstellen der Höhe oder der Ebene, machen oft eine Neueinstellung des Mikroskops erforderlich und sollten daher

schon vor Operationsbeginn und Ausrichtung des Mikroskops erledigt sein.

Ist die Operation beendet oder wird das Arbeitsmikroskop nicht mehr benötigt, wird es vorsichtig vom Springer

wieder zurück geschoben und das Licht heruntergefahren,

bevor es ausgeschaltet wird. Der Mikroskopbezug wird entfernt und entsorgt. Findet im Anschluss eine weitere Ope­

ration statt, werden die Arbeitstuben je nach Operationsart wieder umgebaut und das Mikroskop erneut über AutoBalance ausbalanciert. Findet keine weitere Operation statt,

wird das Mikroskop wieder in die Transportposition (das

Mikroskop muss im Notfall durch die Türen passen) und falls

nötig die Arbeitstuben wieder in die Grundposition gebracht.

Zum Schutz des Mikroskops wird die Schutzhülle darüber

gezogen.


2


54


Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte


2


a


b


..Abb. 2.13a, b


Es bedarf einiger Übung: das sterile Beziehen des Operationsmikroskops vor der Operation


..Abb. 2.14 Neurochirurgen bei der Arbeit mit OP Mikroskop: Entfernung eines Gehirntumors


..Abb. 2.15 Die Augen der Operateure verbleiben optimalerweise auf

den Okularen. Die OP Pflegekraft reicht das Instrumentarium mit besonderer Sorgfalt an und nimmt gebrauchte Instrumente ebenso entgegen


Instrumentation unter dem Mikroskop


Aufgrund der extremen Vergrößerung unter dem Mikroskop ist es unerlässlich, die Instrumente blut- und fusselfrei

anzureichen. Dazu werden sie nach jedem Einsatz im Operationsfeld mit einem nicht fusselnden Tuch gesäubert.

Für die feinen Gewebestrukturen ist spezielles Mikro­

instrumentarium nötig.


2.6.3


Wird eine Operation mit OP-Mikroskop durchgeführt, so

ist es sinnvoll, dass die Augen von Operateur und Assistent

während der Operation auf den Okularen des Mikroskops

verbleiben, um das OP-Gebiet nicht aus dem Auge zu verlieren (. Abb. 2.15). Damit sich der Operateur nicht bei jedem

Instrumentenwechsel neu orientieren muss, liegt es an der

OP-Pflegekraft/OTA, die Instrumente dem Operateur sicher

in der Hand zu platzieren und auch sicher wieder entgegenzunehmen, damit ein reibungsloser Workflow erreicht wird.


>>Diese Instrumente müssen aufgrund ihrer Feinheit mit


besonderer Vorsicht behandelt werden. Falsche Handhabung kann schnell zum Funktionsverlust oder zum

Defekt führen.


55

2.7 · Blutsperre und Blutleere


zung zur besseren Übersicht des Operationsgebietes oder zur

Verringerung des Blutverlustes sinnvoll ist. Rund um die

Gliedmaße wird dabei kontrollierter Druck auf die Haut und

das darunter liegende Gewebe ausgeübt und auf die Gefäßwände übertragen. Durch einen Druckregler am Tourniquetgerät kann der ausgeübte Manschettendruck auf die Extremität eingestellt werden. 

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