Diese Geräte können an die zentrale
Druckluftversorgung angeschlossen werden.
Muss das Operationsfeld besonders genau eingesehen
werden, z. B. bei Operationen an den Nerven an der Hand,
können selbst geringste Mengen austretendes Blut hinderlich
oder gar störend sein. In solchen Fällen wird mit einer Blutleere gearbeitet. Mit einer Gummibinde, einer sog. EsmarchBinde, oder einer Rollmanschette wird der Arm oder das Bein
vor dem Schließen der Blutsperre ausgewickelt, um das in den
Extremitäten befindliche Restblut zu entfernen.
Operative Eingriffe in Blutspeere oder Blutleere bieten
viele Vorteile, können aber auch Nachteile haben.
j
jVorteile für den Einsatz von Blutsperren und
Blutleeren
..Abb. 2.16
Instrumententray für Mikroinstrumente
Für die Wiederaufbereitung von Mikroinstrumenten werden
diese in speziellen Trays abgelegt, in denen sie der ZSVA zugeführt werden (. Abb. 2.16).
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.6
55 Was bewirkt die AutoBalance-Funktion am OP-Mikroskop?
55 Welche wichtigen Funktionen eines OP-Mikroskops
neben der Vergrößerung kennen Sie?
2.7
Blutsperre und Blutleere
Martina Stegers, Anett Gudat
Lernziel
55 Die Auszubildenden können mit den dafür vorgesehenen Geräten und Materialien sach- und fachgerecht eine
Blutspeere oder eine Blutleere durchführen.
Mit einer Blutsperre oder einer Blutleere – sog. Tourniquets
– kann für einen begrenzten Zeitraum der venöse und arterielle Blutfluss einer Extremität vorübergehend vermindert
bzw. unterbrochen werden.
Wir unterscheiden zwischen zwei Typen von Blutsperren:
zum einen sind dies nicht belüftbare (nicht pneumatische)
Tourniquets. Solche einfachen, elastischen Tourniquets
(Staubänder) können für die Blutentnahme oder intravenöse
Infusion verwendet werden.
Zum zweiten Typ zählen pneumatische Tourniquets mit
einer aufblasbaren Manschette, deren Einsatz bei einer Vielzahl von Operationen je nach Indikation und Art der Verlet-
44Bessere Übersicht im Operationsgebiet, dadurch wird
z. B. das atraumatische Präparieren möglich.
44Der Blutverlust wird verringert, z. B. bei der Versorgung
schwieriger Knochenbrüche oder komplizierter Weichteileingriffe, wie die Entfernung größerer Tumoren. Eine
adäquate Blutstillung ist hier u. U. nicht immer möglich
oder dauert zu lange, wodurch der zwischenzeitliche
Blutverlust nicht immer zu tolerieren ist.
j
jNachteile des Einsatzes einer Blutsperre oder
Blutleere
44Austrocknung des Wundgebiets, deshalb ist eine regelmäßige Spülung des OP-Gebiets angebracht.
44Eine größere Gefahr von Wundheilungsstörungen, da
sich eine unterbrochene Versorgung mit Sauerstoff nachteilig auf die Heilung auswirken kann.
44Eine verlängerte postoperative Rehabilitationsphase
wurde z. B. bei der Implantation von Knieendoprothesen, Osteosynthesen distaler Fibulafrakturen sowie offenen Meniskektomien nachgewiesen.
j
jRisiken des Einsatzes einer Blutsperre oder Blutleere
44Nervenschäden, wenn der Rand der Manschette nicht
genug gepolstert ist und das Gewebe darunter mit zu
wenig Sauerstoff versorgt werden kann.
44Verbrennungen, wenn z. B. alkoholische Desinfektionslösung das Polstermaterial anfeuchtet und während des
Eingriffs mit monopolarem Strom gearbeitet wird.
44Thrombose bzw. Embolie, wenn die angegebenen Stauungszeiten überschritten werden.
44Kompartmentsyndrom, wenn die Mikrozirkulation nur
beeinträchtigt nach der Öffnung der Blutsperre wieder
ansteigt, weil z. B. der Druck zu hoch war oder zu lange
andauerte.
44Hautnekrosen, wenn die Sperre länger als 2 Stunden anhielt oder der Druck zu hoch eingestellt war.
2
56
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
j
jIndikationen
2
Die Indikationen für den Einsatz von Blutsperren und Blutleeren sind vielfältig. Die folgende Übersicht schließt weitere
Verwendungsmöglichkeiten nicht aus.
44Operationen am Sprunggelenk und Kniegelenk,
44Operationen an der Hand, am Handgelenk, Unterarm
und im Bereich des unteren (distalen) und mittleren
Oberarms,
44Entfernung von gut- und bösartigen Tumoren der Extremitäten mit voraussichtlich hohem Blutverlust,
44Implantation von Endoprothesen, wenn die Resektionsflächen der Gelenkkörper zur Zementierung der Prothesenkomponenten trocken sein sollen.
j
jKontraindikationen
Zu den Kontraindikationen für den Einsatz von Blutsperren
oder Blutleeren zählen:
44Frakturen im Bereich der Manschettenlage,
44arterielle Verschlusskrankheit,
44starke Hypertonie,
44liegender Shunt oder Gefäßprothesen,
44akute Weichteil- und Knocheninfektionen,
44Frische Hautdeckungsimplantate, z. B. Meshgraft.
2.7.1
Anlage
Wird der Einsatz einer Blutsperre oder Blutleere vom Operateur angeordnet, ist es die Aufgabe der unsterilen Saalassistenz, die dafür benötigten Materialen standardisiert vorzubereiten. Dies sind je nach Einsatzgebiet
44entsprechende Manschetten für den Oberarm oder den
Oberschenkel,
44Polsterwatte und
44flüssigkeitsdichtes Pflaster (. Abb. 2.17).
Tourniquet-Manschetten werden in verschiedenen Formen,
Längen und Breiten angeboten. Es gibt gerade sowie konisch
zulaufende Formen. Gerade geformte Standardmanschetten
(parallele Form) passen zu zylindrisch geformten Extremitäten. Konische Manschetten kommen bei adipösen Patienten
..Abb. 2.17
Materialien für eine Blutsperre mit beiden Manschetten
und an muskulösen Extremitäten zum Einsatz. Die geschwungene Bogenform dieser Manschette ermöglicht auch in diesen
Situationen ein korrektes anatomisches Anbringen. Dadurch
kann der ausgeübte Druck immer gleichmäßig verteilt und
ein Verrutschen der Manschette während der Operation verhindert werden.
Die Länge und Breite der Manschette sollte der Extremität
angepasst ausgewählt werden. Eine zu große bzw. zu geringe
Überlappung der Enden kann eine effiziente Blockung verhindern oder zu einer ungleichmäßigen Kompression der
Blutgefäße führen. Als Richtwert sollte die in der Manschette
liegende Blase zwischen einem Viertel und einem Drittel der
Länge überlappen.
>>Die Manschette sollte möglichst breit gewählt werden,
um eine bessere Druckübertragung auf das tieferliegende Gewebe (Tiefenwirkung) auszuüben Breitere
Manschetten benötigen für einen effektiven Rückstau
geringere Druckwerte.
Vor jeder Anwendung muss eine Sicht- und Funktionsprüfung der Manschette nach folgendem Ablauf durchgeführt
werden:
44Alle Angaben auf dem Label der Manschette sollen vollständig lesbar sein.
44Die Manschette darf keine Risse, Löcher und b
eschädigte
Nähte haben.
44Konnektoren (Anschlüsse) werden auf den richtigen Sitz
und Funktion überprüft.
44Der Manschetten- und Klettverschluss muss intakt und
frei von Fremdkörpern (Verbandmaterial, Wattereste) sein.
44Ausreichende Haftwirkung des Manschetten- und Klettverschlusses wird geprüft.
44Funktionsprüfung am Blutsperregerät vornehmen.
44Beschädigte oder defekte Manschetten dürfen nicht verwendet werden.
Zuerst wird die betroffene Extremität zum Schutz der Haut
und der Weichteile ausreichend unterpolstert. Dazu wird
Polsterwatte mehrmals um den Oberschenkel oder Oberarm
gewickelt. Danach wird die entsprechende Manschette angebracht. Dabei ist zu beachten, dass die Manschette für eine
optimale Druckübertragung auf das Gewebe eng anliegt.
Der Manschettenschlauch wird immer vom OP-Gebiet
wegführend angebracht, damit keine Druckschäden auf der
Haut entstehen.
Ist die Manschette angelegt, wird sie – wenn nötig – flüssigkeitsdicht mit einem Pflaster oder einer Schutzhülle (Drape) abgedichtet. Danach wird der Manschettenschlauch mit
der manuellen Handpumpe oder der pneumatischen Tourniquet-Einheit verbunden. Farbkodierte (z. B. grün oder orangefarben) Verbindungsschläuche erleichtern den korrekten
Anschluss.
Vor dem Aufpumpen der Manschette ist es wichtig, die
Extremität für einige Zeit hochzuhalten (über Herzniveau),
um den bestmöglichen venösen Abstrom zu erreichen. Bei
Verwendung einer Blutleere wird die Extremität nun zirkulär
von peripher nach zentral mit der Esmarch-Binde ausgewi-
57
2.8 · Hochfrequenzchirurgie
ckelt, und durch den festen Zug werden die arteriellen und
venösen Gefäße vom Blut entleert.
Um nun die Manschette zu füllen, wird der angeordnete
Druckwert am Gerät voreingestellt. Der angewendete Druck
sollte dem systolischen Blutdruck des Patienten angepasst
sein. Es gibt nachstehende Orientierungshilfen:
44Manschettendruck Oberarm: 75–100 mm Hg über systolischem Blutdruck, maximal jedoch 250 mm Hg.
44Manschettendruck Oberschenkel: systolischer Blutdruck
×2, maximal 350 mm Hg.
Um zu prüfen, ob die Blutsperre aufgebaut ist, kann mit zwei
Fingern unter die Manschette gegriffen werden, um einen
Gegendruck zu spüren.
j
jSicherheitsmaßnahmen
Bei der Verwendung einer Blutsperre bzw. Blutleere gibt es
einige Sicherheitsmaßnahmen zu beachten:
44Die maximal zulässige Dauer der Blutsperre darf 120 Minuten nicht überschreiten.
44Dauert die Operation länger, muss die Blutsperre zwischen
zeitlich entlüftet werden, damit eine Wiederherstellung
des Blutflusses (Reperfusion) erfolgen kann. Die Reperfusionsdauer wird zwischen 5 und 20 Minuten angegeben.
44Der Operateur wird während der Operation regelmäßig
auf die verstrichene Operationszeit hingewiesen.
44Am Blutsperregerät ist eine Zeitschaltautomatik installiert. Nach 60 Minuten gibt es ein akustisches Signal. Die
Zeitschaltuhr muss von der unsterilen Saalassistenz nach
dem Start der Blutsperre eingestellt werden.
44Beginn, Ende und Druck der Blutsperre bzw. Blutleere
wird in der Patientendokumentation vermerkt.
44Der Druck in der Manschette und am Blutsperregerät
wird in regelmäßigen Abständen überprüft.
Ist die Operation beendet, wird die Blutsperre entlüftet. Der
Druck in der Manschette wird entleert.
Dann kann der Verschluss geöffnet und die Manschette
von der Extremität entfernt werden. Die Verbindungsschläuche werden vom Blutsperregerät gelöst.
Mehrwegmanschetten werden zur Aufbereitung gegeben.
Dies kann je nach Standard der Abteilung und nach Angaben
des Herstellers maschinell in der Zentralsterilisation erfolgen
oder im OP selbst mit geeigneten Desinfektionsmitteln
durchgeführt werden. Anschließend werden sie an ihren Lagerort für die erneute Nutzung zurückgebracht.
Einwegmanschetten werden steril verpackt geliefert, sind
bereits mit einer Unterpolsterung versehen und können nach
Gebrauch entsorgt werden.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 2.7.1
55 An welchen anatomischen Stellen können TourniquetManschetten angebracht werden?
55 Beschreiben Sie den Unterschied zwischen einer Blutsperre und einer Blutleere.
55 Wann darf eine Blutsperre bzw. -leere nicht angewendet werden?
2.8
Hochfrequenzchirurgie
Sebastian Hambloch, Nadin Horn
Lernziel
55 Die Auszubildenden kennen die Auswirkungen von
HF-Strömen in den menschlichen Körper und können
HF-Stromquellen (monopolar und bipolar) fach- und
sachgerecht zur Anwendung vorbereiten.
Aus dem operativen Bereich ist das Arbeiten mit den Hochfrequenzchirurgie-Geräten nicht mehr wegzudenken.
Im Allgemeinen wird dort von HF, Diathermie oder Elektrokauterisation gesprochen. Der hochfrequente Strom wird
zur Blutstillung eingesetzt, indem die kleinen, blutenden Gefäße durch Erwärmung verschlossen werden. Diese Technik
kann das Skalpell beim Hautschnitt ersetzen und die Präparation der Gefäße mit Instrumenten reduzieren. Die wesentlichen Vorteile hierbei sind nicht nur die Zeitersparnis während einer Operation, sondern auch die Minimierung des
Blutverlustes und der Keimverschleppung durch die hohe
Arbeitstemperatur.
2.8.1
Physikalische Wirkung
Wenn elektrischer Strom durch biologisches Gewebe fließt,
entstehen drei Wirkungen:
44die Nervenstimulation,
44die Elektrolyse und
44die Erwärmung.
Den thermischen Effekt macht sich die Hochfrequenzchirurgie zunutze. Die HF-Chirurgie baut auf dem Joule-Gesetz
(Physiker James Prescott Joule, 1818–1889) auf.
Dieses Gesetz besagt, dass in einem elektrischen Widerstand die erzeugte Wärme proportional der dort umgesetzten
elektrischen Leistung und der Dauer ist.
Elektrische Energie wird in thermische Energie umgewandelt.
Prinzip der HF-Chirurgie
Bei der HF-Chirurgie wird Wechselstrom mit einer hohen
Frequenz durch den Körper geleitet, um das Gewebe gezielt
zu koagulieren. Wechselstrom ist Strom, der periodisch seine
Polarität (Richtung) und seinen Wert ändert.
Die Frequenz gibt die Zahl der Perioden an, die in einer
Sekunde durchlaufen werden; sie ist der Kehrwert der Periodendauer. Bei den Frequenzen, die für die HF-Chirurgie verwendet werden, dient das Körpergewebe als elektrischer Leiter (Ohm-Widerstand: elektrischer Widerstand, dessen Widerstandswert unabhängig von der Spannung, der Stromstärke und der Frequenz ist). Der spezifische Widerstand hängt
von der Gewebeart ab. Der Widerstandswert ist die Zeit, der
sich das Körpergewebe dem Angriff des elektrischen Stromes
entgegensetzt.
2
58
2
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
Die Höhe des Stroms muss somit auf die Gewebeart abgestimmt werden. Prinzipiell verwendet man primär die niedrigste Frequenz.
2.8.2
Anwendungstechniken
Gemäß Medizinproduktegesetz (MPG; 7 Abschn. 2.1) sind
vor jedem Gebrauch der Hochfrequenzchirurgie die Zubehörteile auf äußerlich erkennbare Mängel zu überprüfen. Defektes Material muss umgehend außer Betrieb genommen
werden, um eine Gefährdung des Patienten zu vermeiden.
Eine regelmäßige und wiederkehrende technische Prüfung
des HF-Gerätes und dessen Zubehörs ist obligat. Dies wird
meist von der Abteilung für Medizintechnik des Hauses übernommen, die äußerliche Überprüfung von Handstücken (Aktivelektrode) und Kabeln überprüft das OP-Team vor jedem
operativen Eingriff und Inbetriebnahme.
Koagulation
Wird durch Wärmeeinwirkung im Bereich um die aktive
Elektrode herum durch den thermischen Effekt die Eiweißgerinnung hervorgerufen, spricht man von einer Koagulation.
Temperaturen von 60–70°C lassen das menschliche Gewebe
um die aktive Elektrode langsam verkochen. Durch den Verlust der intrazellulären Flüssigkeit schrumpft die Zelle und es
kommt zu einer massiven Denaturierung der Proteine. Durch
diesen Effekt weicht das Blut zurück, die Gefäßwände werden
verschmolzen und es kommt zu einer Blutstillung.
Das Koagulieren von Gefäßen mit Hilfe einer Pinzette ist
die häufigste Anwendungsform in der Elektrochirurgie. Hierbei fasst der Operateur das blutende Gefäß mit einer Pinzette.
Durch den ausgeübten mechanischen Druck kommt die Blutung zum Stehen. Die Aktivelektrode wird nun an das metallische Instrument gehalten und der HF-Strom wird, mittels
Fußschalter oder Handstück, aktiviert. Die Pinzette dient so
als eine Verlängerung der Aktivelektrode.
Der Kontakt zwischen Aktivelektrode und Instrument
muss bestehen bevor der Strom aktiviert wird, um einen
Durchschlageffekt zu vermeiden. Wird eine bereits aktivierte
Diathermie an die Pinzette herangeführt, kommt es vor dem
direkten Kontakt zu einem Funkenüberschlag, der zu einem
Elektroschock beim Operateur führen kann, insbesondere,
wenn der OP-Handschuh Mikroläsionen aufweist. Weiterhin
ist darauf zu achten, dass die unisolierte metallische Pinzette
keinen weiteren Kontakt zum Gewebe hat, um die Koagula
tion nicht an ungewünschten Orten hervorzurufen.
Elektrotomie
In der Hochfrequenzchirurgie wird das Schneiden von Gewebe als Elektrotomie bezeichnet.
Punktförmige Aktivelektroden (Messer-, Nadel- und
Drahtschlingenelektroden; . Abb. 2.18) sowie Temperaturen
von 100°C führen zu einer schnellen Dampfentwicklung der
Zellflüssigkeit innerhalb der Zellmembran. Der Zellinnendruck erhöht sich so massiv, dass es zu einer Ruptur der Zellmembran kommt. Dieses explosionsartige Zerreißen der Zel-
len führt zu der Gewebedurchtrennung. Die Elektrotomie
erzeugt einen glatten, skalpellartigen Schnitt.
Spraykoagulation
Bei der Spraykoagulation wird die Aktivelektrode nicht direkt
auf die Gewebeoberfläche gehalten. Durch eine sehr hohe
Stromstärke kommt es zu einem Funkenschlag. Dieser erzeugt auf dem Gewebe eine stark karbonisierte Koagulationszone. Durch gleichmäßige Bewegungen der Aktivelektrode
kann ein großes Wundgebiet zügig koaguliert werden und so
einen hohen Blutverlust vermeiden.
Monopolare Anwendungstechnik
Bei dieser Technik müssen eine aktive Elektrode (chirurgisches Instrument) und eine Neutralelektrode am HF-Gerät
angeschlossen sein. An der Aktivelektrode werden die phy
sikalischen Effekte (Koagulation) erzeugt. Der elektrische
Strom fließt nun über den geringsten Widerstand von der
Aktivelektrode zur Neutralelektrode. Die Kontaktfläche zwischen der Haut und der Neutralelektrode ist sehr groß, damit
die Stromdichte gering bleibt. Am höchsten ist die Strom
dichte an der Aktivelektrode, da dort nur eine kleine Kontaktfläche besteht, deshalb ist dort der thermische Effekt am
höchsten.
Neutralelektrode
Die Neutralelektrode, auch Dispersionselektrode genannt,
gewährleistet beim monopolaren Arbeiten, dass der Strom
zurück zum HF-Gerät fließen kann. Um Hautverbrennungen
des Patienten zu vermeiden, sind strenge Sicherheitsmaßnahmen zu beachten.
44Die Neutralelektrode sollte möglichst großflächig sein,
damit die Stromdichte im Körper gering gehalten wird
und sich die Haut unter der Elektrode nicht spürbar erwärmt.
44In der Regel wird die Neutralelektrode möglichst nah am
Operationsgebiet platziert, damit der Stromfluss den
kürzestmöglichen Weg durch den Körper nimmt.
44Körperstellen, die gut geeignet sind für die Platzierung
der Neutralelektrode, sind die Oberschenkel, die Oberarme, die Flanken des Patienten.
44Die Neutralelektrode sollte so angebracht sein, dass der
elektrische Strom nicht durch die Herzgegend führt, um
ggf. Rhythmusstörungen zu verhindern.
44Knochenvorsprünge, Narben, Stellen, unter denen ein
Implantat liegt, sowie Körperstellen mit wenig Unterhautfettgewebe sind zu vermeiden.
44Die Haut muss intakt, haar- und fettfrei sein, damit die
Elektrode einen guten Kontakt zur Haut hat.
44Bereits verwendete Klebeelektroden nicht wiederverwenden, da die gebrauchte Klebefläche keine genügende
Haftung mehr bietet und nicht den hygienischen Richt
linien entspricht.
44Ist die Elektrode nach der Hautdesinfektion durchfeuchtet, muss sie gewechselt werden.
44Nach dem Entfernen der Neutralelektrode (das Hydrogel
besitzt eine hohe Klebekraft) ist auf die Haut zu achten,
59
2.8 · Hochfrequenzchirurgie
denn besonders bei älterer oder kortisonbelasteter Haut
kann es zu Hautverletzungen kommen.
44Jegliche Manipulation, z. B. Zurechtschneiden der Elek
trode, ist verboten.
j
jArten der Neutralelektrode
Die Neutralelektrode gibt es als wiederverwendbares und als
Einmalprodukt.
k
kWiederverwendbare Neutralelektrode
Sie besteht aus Silikon und hat eine desinfizierbare Fläche, die
vor dem Patientenkontakt vollständig trocken sein muss, um
Hautschädigungen durch Verbrennung zu vermeiden. Diese
Elektrodenform muss ohne Kontaktgel verwendet werden.
Sie muss ganzflächig angebracht und korrekt befestigt werden, z. B. mit dafür entwickelten Gurten. Klebereste oder grobe Verschmutzungen dürfen nicht mit scharfen Gegenständen entfernt werden, um die Silikonisolierung nicht zu zerstören.
Eine weitere Form ist die Unterkörperelektrode, hierbei
liegt der Patient auf einer Matte, welche die Funktion der Neutralelektrode aufweist.
k
kEinmalneutralelektrode
Die Neutralelektroden bestehen aus Polyester/Aluminium.
Dadurch haben sie eine hohe Stabilität und Elastizität, die sich
den verschiedenen Körperformen des Patienten gut anpasst.
Das Gel auf den Elektroden hat eine hervorragende Klebeeigenschaft und füllt kleinere Hautrisse und Unebenheiten
aus. Es entsteht ein idealer Kontakt zwischen Haut und Elektrode und dieser gewährleistet eine gleichmäßige Stromableitung während der Anwendung. Aufgrund der quadratischen
Form muss die Elektrode nicht mehr in eine bestimmte Richtung positioniert werden.
Es gibt sie als geteilte und nichtgeteilte Elektrodenform,
den zweigeteilten ist der Vorzug zu geben, da sie die Kontaktqualität der Neutralelektrode über das entsprechende HFGerät überprüfen. Dabei wird ein zusätzlicher Messstrom
zwischen Elektrodenpaaren erzeugt und überwacht. Wird
dieser Strom zu gering, hat eine der Elektroden keinen guten
Kontakt schaltet das Gerät ab. So können Hautverbrennungen
weitestgehend verhindert werden.
Haut auf Haut Kontakt zu Schweißbildung führt und die
Verbrennungsgefahr steigt.
44Das verwendete alkoholhaltige Desinfektionsmittel
muss vollständig einwirken und trocken sein, denn beim
Auslösen des monopolaren Stromes kann es zu einem
Funkenflug kommen, der zu einer Verbrennung im OPGebiet führen kann.
44Die Einstellung der Frequenz am HF-Gerät so gering wie
möglich wählen.
44Das Neutralelektrodenkabel nicht über den Patienten legen, da defekte Kabelisolierungen zu Hautschädigungen
führen können.
44Schmuck und Piercings müssen entfernt werden.
44Der Diathermiehandgriff liegt während eines Eingriffs
auf dem Instrumentiertisch, keinesfalls auf dem Patienten.
Aufsätze für den monopolaren Handgriff
Je nach Einsatzgebiet gibt es für den Diathermiehandgriff verschiedene Ansätze (. Abb. 2.18). Bei Bedarf haben sie einen
langen isolierten Ansatz.
44Die Stichelelektrode eignet sich besonders für den
Hautschnitt.
44Die Messerelektrode ist hilfreich bei der Durchtrennung
von Gewebe
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