(z. B. C-Bogen)
im Rahmen einer Operation oder Intervention bedienen. Die erforderlichen Fertigkeiten werden nach einer
zu dokumentierenden Einweisung am Gerät durch
praktische Tätigkeit unter Aufsicht erworben. Zudem
muss ein von der zuständigen Stelle anerkannter
20-stündiger Kurs «Kenntnisse im Strahlenschutz» zur
Vermittlung von theoretischen Grundlagen besucht
werden.
Der Erwerb der Kenntnisse im Strahlenschutz ist in manchen
Bundesländern von der Ärztekammer gesondert zu beur
kunden.
Einweisung des Personals
Röntgeneinrichtungen dürfen nur durch in der Benutzung
des jeweiligen Gerätes eingewiesenes Personal bedient werden. Die Einweisung muss alle Personen erfassen, die an der
Röntgeneinrichtung beschäftigt sind, und die erfolgte Einweisung ist pro Gerät im Gerätebuch zu dokumentieren.
Die Einweisung hat zum Ziel, dass Untersuchungen in optimaler Qualität und möglichst dosissparend durchgeführt
werden. Daher ist bei der Einweisung insbesondere auf dosiseinsparende Programme und Einstellungen hinzuweisen.
Werden mehrere Röntgeneinrichtungen gleicher Art betrieben, können Einweisungen und deren Aufzeichnungen an
einer dieser Röntgeneinrichtung vorgenommen werden und
gelten dann auch für andere baugleiche Systeme. Bei Erstinbetriebnahme muss die Einweisung durch den Hersteller oder
Lieferanten erfolgen.
Arbeitsanweisungen
Wenn eine Untersuchung oder Behandlung im Jahresdurchschnitt mindestens einmal pro Arbeitswoche in grundsätzlich
gleicher Weise durchgeführt wird, muss eine anwendungs-
und arbeitsplatzspezifische Arbeitsanweisung erstellt werden
(«standard operating procedure», SOP). Bei selten durchgeführten Untersuchungen sollten vor der Untersuchung die
Arbeitsschritte genau festgelegt werden, um eine sach- und
fachgerechte Durchführung sicher zu stellen. Die Indikation,
Patientenvorbereitung, Untersuchungsvoraussetzungen und
der Untersuchungsablauf sind ebenso wie die Aufnahmeparameter des Geräts in den Arbeitsanweisungen aufzuführen,
selbst wenn diese Parameter in dem Gerät abrufbar sind (programmierte Aufnahmetechnik).
Dokumentation
Über die Anwendung von Röntgenstrahlung sind Aufzeichnungen anzufertigen, aus denen insbesondere die Körperdosen ermittelt werden können. Bei den Aufzeichnungen können auch Informationen der Röntgenbilder berücksichtigt
werden, wie etwa das Format der Aufnahme oder die untersuchte Körperregion.
>>Neben den Angaben zum Patienten und zur Art der
Untersuchung an sich sind auch die Angaben zur
Rechtfertigung und die technischen Einstellparameter,
die für die Ermittlung der Strahlenexposition des Pa
tienten bedeutsam sind, zu dokumentieren. Für jede
Aufnahme oder Exposition ist grundsätzlich die Röhrenspannung (kV), das Strom-Zeit-Produkt (mAs) und
das Dosis-Flächen-Produkt (cGy×cm2) festzuhalten
sowie die Anzahl der Bilder.
Bei allen physikalischen Größen müssen zwingend die Maßeinheiten angegeben werden. Dies ist wichtig, da nicht alle
Geräte mit gleichen internen Einstellungen arbeiten. Meist
wird das Dosis-Flächen-Produkt in cGy×cm2 ausgegeben.
Man findet aber auch dGy×cm2 oder µGy×m2 als Größenordnung.
Bei der Durchleuchtung müssen zudem die Durchleuchtungszeit und der Durchleuchtungsmodus (gepulst, Dosisleistungsstufe etc.) dokumentiert werden. Bei Serienaufnahmen ist das aufsummierte Dosis-Flächen-Produkt zu erfassen.
Wird das Dosis-Flächen-Produkt bei kombinierten Durchleuchtungsuntersuchungen und Einzelbildaufnahmen (wie
z. B. in der Angiographie) für die Bilder separat ausgewiesen,
so ist auch dieser Wert aufzuzeichnen.
Die Unterlagen und die Bilder müssen bei diagnostischen
Untersuchungen mindestens 10 Jahre nach der letzten Untersuchung aufbewahrt werden. Bei Behandlungen mit Röntgenstrahlung in der Nuklearmedizin oder Strahlentherapie
gilt eine Aufbewahrungsdauer von mindestens 30 Jahren
nach der letzten Behandlung.
Schutz beruflich strahlenexponierter
Personen
In der Radiologie werden zwei Strahlenschutzbereiche, der
Überwachungsbereich und der Kontrollbereich unterschieden. In der Strahlentherapie oder der Nuklearmedizin kommt
noch der Sperrbereich hinzu.
Im Sperrbereich gilt mit Ausnahme des Patienten bei seiner Behandlung Aufenthaltsverbot.
2
64
2
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
Sperrbereich und Kontrollbereich sind besonders zu
kennzeichnen und abzugrenzen, sodass ein versehentliches
Betreten verhindert wird. Die Kennzeichnung muss deutlich
sichtbar mindestens die Worte «Kein Zutritt – Röntgen» enthalten; sie muss auch während der Betriebsbereitschaft vorhanden sein. Während der Einschaltzeit der Röntgenröhre
muss eine zusätzliche Kennzeichnung erfolgen, meist durch
eine Warnlampe.
Überwachungsbereiche sind nicht zum Kontrollbereich
gehörende betriebliche Bereiche, in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 1 mSv erhalten
können. Ein Beispiel ist der Flur neben dem Röntgenraum
oder eine Wartezone in der Röntgenabteilung. Für diese Bereiche besteht keine Kennzeichnungspflicht.
Personen, die sich im Kontrollbereich aufhalten oder außerhalb des Kontrollbereiches mit der Anwendung von Röntgenstrahlung befasst sind, müssen über Sicherheits- und
Schutzmaßnahmen sowie über den Inhalt der Röntgenverordnung unterwiesen werden. Bei der Unterweisung von
Frauen muss darauf hingewiesen werden, dass eine Schwangerschaft im Hinblick auf die Risiken einer Strahlenexposi
tion für das ungeborene Kind so früh wie möglich dem Strahlenschutzbeauftragten mitzuteilen ist. Die Unterweisung erfolgt in der Regel durch den zuständigen Strahlenschutz
beauftragten und ist in jährlichen Abständen, ähnlich wie
Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen, zu wiederholen
und zu dokumentieren.
Im Kontrollbereich dürfen sich also nur vorher im Strahlenschutz unterwiesene Personen aufhalten und es gilt eine
generelle Dosimetertragepflicht.
Die 3 «A» des Strahlenschutzes: Abstand, Aufenthaltsdauer, Abschirmung
Durch den wiederholten Aufenthalt im Streustrahlenbereich
besteht ein erhöhtes Risiko für Strahlenschäden. Bei Beachtung aller Strahlenschutzmaßnahmen kommt es aber heute
praktisch zu keiner erhöhten Strahlenbelastung des Personals.
j
jAbstand
Der Abstand von der Strahlenquelle und dem durchstrahlten
Patienten sollte möglichst groß sein. Der Abstand ist von
größter Bedeutung, da die Dosisleistung mit dem Quadrat des
Abstandes von der Strahlenquelle abnimmt (Abstandsqua
dratgesetz). Dies bedeutet, dass bei einem Abstand von 2 m
zur Strahlenquelle die Strahlenexposition nur noch ein Viertel der Dosis beträgt, die den Untersucher oder Assistenten in
einem Abstand von einem Meter zur Strahlenquelle treffen
würde.
>>Die von Patient oder Tisch ausgehende Streustrahlung
ist auf der Eintrittseite, also auf der Seite der Röntgenröhre, am stärksten. Daher sollte Personal auf der röhren
abgewandten Seite, also neben dem Bildempfänger,
positioniert sein. Auch Arbeiten am Patienten unter
Durchleuchtung sollten möglichst von der röhrenabgewandten Seite erfolgen.
j
jAufenthaltsdauer
Die Aufenthaltsdauer im Untersuchungsraum bei Durchleuchtungen ist so kurz wie möglich zu halten. Es muss immer
überlegt werden, welche Personen bei einer Röntgenexposi
tion überhaupt im Raum anwesend sein müssen. Nicht benötigtes Personal sollte den Raum verlassen.
Bei Durchleuchtungen muss immer daran gedacht werden, dass die Strahlenexposition für Untersucher und Patient
proportional zur Durchleuchtungszeit ansteigt. Dies bedeutet, dass bei 2 Minuten Durchleuchtungszeit die Strahlen
exposition dem Doppelten von einer Minute Durchleuchtungszeit entspricht. Außerordentlich wichtig ist daher, die
Einschaltzeiten der Röhre so kurz wie möglich zu halten.
Hierzu gehört natürlich auch eine ausreichende Erfahrung
des Untersuchers.
j
jAbschirmung
Eine Abschirmung der Strahlung durch spezielles Baumate
rial, mobile Strahlenschutzwände aus Metall oder Bleiglasscheiben, Bleigummi um den Patienten und den Unter
suchungstisch und Schutzkleidung reduzieren die Strahlenbelastung des Personals und sind bei allen Untersuchungen
vorgeschrieben.
Ausreichende und passende Schutzkleidung muss vom
Arbeitgeber bereitgestellt werden. Während Durchleuchtungsuntersuchungen oder interventionellen Eingriffen, bei
denen sich das Personal in der Nähe des Patienten aufhalten
muss, ist Schutzkleidung (Bleischürze, Schilddrüsenschutz
und ggf. Strahlenschutzbrille) im Untersuchungsraum obligat.
Personendosimetrie
Zur Bestimmung einer eventuell erfolgten Strahlenexposition
müssen beruflich strahlenexponierte Personen ein Dosi
meter tragen. Wird Schutzkleidung verwendet, so ist das
Dosimeter unter der Schutzkleidung angebracht. Die Schutzkleidung schützt wirksam vor weicher und mittelharter Röntgenstrahlung.
Zur Überwachung der Personendosis werden meist Filmdosimeter (sog. Röntgenplakette) verwendet, die in regel
mäßigen Abständen an die zuständige Strahlenmessstelle zu
schicken sind und dort ausgelesen werden. Jede Person, die
im Kontrollbereich arbeitet, muss ein persönlich zugeordnetes Dosimeter tragen. Die Ergebnisse der Personendosimetrie
werden durch den Strahlenschutzbeauftragten regelmäßig
kontrolliert.
Strahlenschutz des Patienten
Die wichtigste Maßnahme im Strahlenschutz für den Patienten ist die strenge Indikationsstellung. Röntgenuntersuchungen und Durchleuchtungen dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn sie auch wirklich erforderlich sind, also für den
Patienten ein medizinischer Nutzen erwartet wird, und keine
anderen Verfahren gleichartige Aussagen ermöglichen. In der
Röntgendiagnostik muss zudem immer eine Abwägung zwischen der Strahlenbelastung des Patienten und der Güte des
Bildes erfolgen.
65
2.9 · Röntgendiagnostik
Eine ausreichende Strahlendichte am Bildempfänger ist
für eine diagnostische Aussagekraft erforderlich. Es macht
keinen Sinn, durch extrem niedrige Dosiseinstellungen den
Patienten einer geringen aber diagnostisch nicht aussagekräftigen Strahlung auszusetzen. Bei einer hohen Strahlenexposition wird das Bild zwar klarer, aber wenn alle nötigen Details
erkennbar sind, wird die diagnostische Aussage durch eine
weitere Erhöhung der Strahlendosis auch nicht besser. Dieses
wichtige Prinzip wird im Englischen mit ALARA abgekürzt
(«as low as reasonably achievable»).
Übersetzt bedeutet dies, das die eingesetzte Strahlendosis
so niedrig wie sinnvollerweise erreichbar sein sollte, aber
eben nicht niedriger.
Wiederholungsaufnahmen und Fehlbelichtungen müssen
vermieden werden. Dies lässt sich durch sorgfältige Positionierung des Patienten, angepasste Einstellung der Blenden
und korrekte Wahl der Belichtungsparameter erreichen, sodass die erste Aufnahme bereits diagnostisch ausreichend ist.
Eine möglichst exakte Einblendung auf die maximal notwendige Bildgröße und die Ausfilterung der weichen Anteile
des Röntgenspektrums reduzieren die Strahlenexposition.
Zur Vermeidung einer unnötigen Strahlenbelastung empfindlicher Gewebe und Organe können Bleiabdeckungen diese Regionen von der Nutzstrahlung aber auch vor Streustrahlung schützen. Dafür gibt es spezielle Strahlenschutzmittel
wie Schutzfolien für die Augenlinsen oder Hodenkapseln.
2.9.3
Röntgenbild
Die Schwärzung des Röntgenfilms ist ein chemischer Prozess, der durch die auftreffende Strahlung in einer photographischen Beschichtung des Films ausgelöst wird. Im Rahmen
der Filmentwicklung wird dies sichtbar gemacht und die Stellen, die stärker belichtet wurden werden geschwärzt. Der
Röntgenfilm ist also eine Negativdarstellung. Dies erklärt,
warum im ersten Eindruck verwirrende Begriffe existieren.
Helle Gebiete auf dem Röntgenbild werden oft als «Verschattung» und dunkle Stellen als «Aufhellung» bezeichnet. Auf
einem positiven Bild, wie es bei der Durchleuchtung entsteht,
passen diese Bezeichnungen dann wieder zum Bildeindruck
und die Aufhellung ist hell und die Verschattung ist dunkel
(. Abb. 2.20).
Die Empfindlichkeit des Röntgenfilms kann durch Verstärkerfolien erhöht werden, sodass mit geringerer Strahlendosis gearbeitet werden kann. Diese Folien sind mit dem Film
in der Röntgenfilmkassette, die das Ganze lichtdicht abschließt. Zur Entwicklung wird der Film in einer Entwicklungsmaschine aus der Kassette herausgeholt und als Röntgenfilm entwickelt.
Der konventionelle Film ist mittlerweile fast vollständig
durch Speicherfolien (digitale Lumineszenzradiographie)
oder durch Festkörperdetektoren (Direktradiographie) ersetzt. Die Speicherfolie ist, wie der Röntgenfilm, in einer lichtdichten Kassette mit Verstärkerfolien eingeschlossen. Die
Speicherfolie speichert die Energie der einfallenden Röntgenstrahlung bis zur Auslesung in einer speziellen Auslesema-
..Abb. 2.20 Die Röntgenaufnahme des Thorax zeigt multiple rund
liche Verschattungen in der Lunge und eine große flächige Verdichtung
mit Kontakt zum rechten Herzrand. Bei dem großen Befund handelt es
sich um ein zentrales Bronchialkarzinom, die multiplen Rundherde in der
Lunge sind Lungenmetastasen. Durch die gegenüber der Lunge höhere
Gewebedichte des Tumors und der Metastasen sind die Herde als Areale
mit erhöhter Strahlenabsorption (Verschattung) sichtbar. (Mit freundlicher
Genehmigung von Prof. Dr. Roman Fischbach)
schine. Hier wird die gespeicherte Energie in Lichtblitze zurückverwandelt, die dann als digitalisiertes Bild weiterverarbeitet werden. Die Speicherfolie selbst wird wiederverwendet.
Der Festkörperdetektor wandelt die eintreffenden Röntgenstrahlen direkt in einem Fotoleiter in elektrische Ladung
um, deren Stärke proportional zur eintreffenden Strahlung ist.
Festkörperdetektoren können als Bildempfänger für
Röntgenbilder als auch bei Durchleuchtungsgeräten eingesetzt werden. Da der Festkörperdetektor das Röntgenbild unmittelbar nach der Aufnahme liefert und per Kabel oder
WLAN in das Bildnetz des Krankenhauses einspeist, sind die
Bilder ohne Entwicklungsprozess sehr schnell verfügbar.
Die Festkörperdetektoren liefern eine sehr hohe Auflösung bei großer Dosiseffizienz, sind aber vergleichsweise teuer, und die tragbaren Detektoren, wie sie im OP und auf Intensivstation anstelle von Speicherfolienkassetten eingesetzt
werden, sind schwerer und voluminöser als die herkömmlichen Kassette. In der Handhabung bestehen daher gewisse
Nachteile, die aber durch die bessere Bildqualität und geringere Dosis kompensiert werden.
Die allgemeinen Vorteile der digitalen Radiographie gegenüber der konventionellen Röntgenfilmtechnik sind die
bessere Bildnachbearbeitung sowie ihr großer Empfindlichkeitsbereich mit deutlich selteneren Über- und Unterbelichtungen. Digitale Röntgenbilder sind letztlich die Grundvoraussetzung der digitalen Speicherung in Bildspeichersystemen (PACS) und der teleradiologischen Übertragung.
2
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
66
2
In der intraoperativen Diagnostik werden Röntgenaufnahmen neben der Durchleuchtung zur Kontrolle und Dokumentation eines Operationsergebnisses eingesetzt. Auf der
Intensivstation ist die Thoraxröntgenaufnahme Basisdia
gnostik zur Beurteilung des kardiozirkulatorischen und pulmonalen Status, der Lungenbelüftung bei beatmeten Patienten und zur Dokumentation der Lage von Tuben, Sonden und
Kathetern.
2.9.4
Durchleuchtung
Im Gegensatz zur Röntgenaufnahme, wo Strahlung nur im
Millisekundenbereich aktiv ist und eine Momentaufnahme
entsteht, wird bei der Durchleuchtung kontinuierlich Strahlung eingesetzt und das Bild auf einem Bildschirm im augenblicklichen Zustand dargestellt. So können physiologische
Abläufe, wie z. B. der Schluckakt oder der Fluss von Kontrastmittel durch ein Blutgefäß «live» dargestellt werden.
>>Als Maßnahme zur Verringerung der Strahlenexposi
tion erfolgt die Durchleuchtung an modernen Systemen
nicht durch eine dauerhafte Strahlung, sondern gepulst. Strahlung tritt dabei in einer bestimmten Frequenz aus. Für die meisten Eingriffe reichen 3–7 Bilder
pro Sekunde aus, was gegenüber einer dauerhaften
Strahlung eine signifikante Verringerung der Strahlenexposition für Patient und Personal bedeutet. Die Pulsfrequenz kann am Gerät eingestellt und den jeweiligen
Erfordernissen angepasst werden.
Die Röntgenröhre ist bei Durchleuchtungsgeräten normalerweise unter dem Patiententisch und das Empfangssystem
über dem Patienten. Gefäßdarstellung nach Kontrastmitteleinspritzung (Angiographie) und Herzuntersuchungen (Koronarangiographie) werden an speziellen und leistungsstarken Durchleuchtungsgeräten (Angiographiesystemen) gemacht.
Eine besondere Form der Durchleuchtung ist der mobile
C-Bogen, der sehr häufig im Operationssaal eingesetzt wird.
Der Name ist von dem C-förmigen Bogen abgeleitet, über den
die Röntgenröhre und das Empfangssystem (Bildverstärker
oder Festkörperdetektor) gegenüberliegend fest miteinander
verbunden sind. Der Bogen ist sehr flexibel dreh- und
schwenkbar, sodass in fast jeder Orientierung und Winkelstellung durchleuchtet werden kann. Neben dem C-Bogen
mit Röntgenröhre und Bildempfänger gehören zum System
noch der Generator, die Steuereinheit mit Einstellmöglichkeit
von Bildfeld, Blenden, Strahlungsintensität und meist eine
Doppelmonitor für die Darstellung von Durchleuchtungsbild
und Referenzbildern (. Abb. 2.21).
Der C-Bogen wird beim Einsatz im OP komplett steril
überzogen und kann so problemlos an das Operationsfeld
herangebracht werden. Für die intraoperative Durchleuchtung ist es besonders wichtig, die Lagerung des Patienten,
Zugang für den Operateur und den Durchleuchter und die
Aufstellung des Geräts gut zu planen, damit eine optimale
Bildqualität, gute Sicht auf den Monitor und ein ausreichen-
..Abb. 2.21 C-Bogensystem zur Durchleuchtung in der Endoskopie.
Die Röntgenröhre ist unter dem Untersuchungstisch erkennbar. Der Bild
empfänger ist ein Festkörperdetektor, der über den C-förmigen Arm mit
der Röntgenröhre fest verbunden ist. Durchleuchtungs- und Referenzmonitor stehen am Kopfende. (Mit freundlicher Genehmigung von Prof.
Dr. R. Fischbach)
der Patientenzugang für den Operateur gewährleistet ist. Zur
eigentlichen Durchleuchtung sollte der Bildempfänger möglichst nah an das Objekt herangebracht werden, um ein möglichst scharfes und kontrastreiches Bild zu erhalten. Hierbei
kann es, je nach durchzuführender Operation, manchmal
sinnvoll sein, die Röhre über den Patienten und den Bild
empfänger unter den Patienten zu positionieren. Eine Einblendung auf das interessierende Areal verbessert die Bild
qualität und reduziert die Streustrahlung für den Untersucher
(. Abb. 2.22).
2.9.5
Angiographie
Die Angiographie ist eine Sonderform der Durchleuchtungsuntersuchung und dient der Gefäßdiagnostik und kathetergestützen Gefäßtherapie. Für die Gefäßdarstellung ist die Einbringung eines Röntgenkontrastmittels in das Gefäßsystem
notwendig. Dies kann durch eine direkte Punktion des zu
untersuchenden Gefäßes nach Kontrastmittelinjektion über
die Punktionsnadel erfolgen. Der Abstrom des Kontrastmittels wird unter Durchleuchtung verfolgt oder in Form von
Serienaufnahmen dokumentiert.
Eine Sonderform der Aufnahme ist die digitale Subtraktionsangiographie (DSA). Bei diesem Verfahren wird zunächst ein Maskenbild vor der Kontrastinjektion aufgenommen (Leerbild), von dem dann im Bildrechner der Anlage die
nachfolgenden Bilder (Füllungsbild) nach Kontrastmittelfüllung abgezogen werden. Hierdurch entsteht ein Subtraktionsbild, das nur die Änderung im Bild durch das Kontrastmittel
darstellt und den anatomischen Hintergrund und überlagernde Strukturen aus dem Bild entfernt. Diese Technik ist heute
67
2.9 · Röntgendiagnostik
a
b
..Abb. 2.22a, b Beispiel für die Verbesserung der Bildqualität durch
Einblendung. Das linke Bild ist ohne Einblendung (a). Der in das Strahlen
feld gehaltene Hammer ist in der Darstellung mit Einblendung (b) deutlich schärfer begrenzt. Dies ist Folge der reduzierten Streustrahlung durch
Einblendung. Durch die kleinere bestrahlte Fläche wird das Dosis-FlächenProdukt und damit die Strahlenexposition für den «Patienten» verringert.
(Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. R. Fischbach)
Standard in der Angiographie der Hirngefäße, der Aorta und
der Becken-Bein-Arterien und lässt sich im OP mit modernen C-Bogensystemen oder an den zunehmend häufiger anzutreffenden Hybrid-OPs mit eingebauter Angiographiean
lage nutzen.
Bei endovaskulären Behandlungen in der Gefäßchirurgie
werden im Gefäßsystem Katheter unter Durchleuchtungskontrolle gesteuert. Zur Erweiterung von Gefäßverengungen
können Ballonkatheter am Ort der Verengung expandiert
werden, oder es werden dehnbare Metallstents in die Gefäßwand gepresst. Mit Prothesenmaterial beschichte Stents finden als Endoprothesen zur Behandlung von Gefäßverletzungen oder Aneurysmen Anwendung.
Röntgenkontrastmittel müssen gut verträglich sein und dürfen den Stoffwechsel nicht beeinträchtigen und sie müssen
vollständig aus dem Körper ausgeschieden werden.
Röntgenkontrastmittel verändern die Röntgendichte und
werden in positive (die Röntgendichte wird erhöht) und in
negative (die Röntgendichte wird herabgesetzt) unterschieden. Bei den positiven Kontrastmitteln können jodhaltige
und bariumhaltige Kontrastmittel unterschieden werden.
Die typischen jodhaltigen Kontrastmittel sind wasserlöslich
und werden intravenös und intraarteriell injiziert. Bariumsulfat wird aufgrund der hohen Dichte und guten Darstellung
der intestinalen Schleimhaut als positives orales Kontrastmittel für die Diagnostik von Ösophagus-, Magen- und Darmerkrankungen verwendet. Bariumsulfat ist bei Verdacht auf eine
Perforation oder Aspiration als Kontrastmittel kontraindiziert, da die Gefahr einer Fremdkörperreaktion mit Pneumonie und Peritonitis besteht.
In diesen Fällen muss, wenn auch diagnostisch etwas
schlechter, wasserlösliches jodhaltiges Kontrastmittel verwendet werden. Die jodhaltigen Kontrastmittel sind in der
Regel sehr gut verträglich. Nebenwirkungen sind selten möglich, können aber schwerwiegend verlaufen und müssen daher in der Indikationsstellung und Anamneseerhebung vor
der Untersuchung berücksichtigt werden. Durch das im Kontrastmittel enthaltene Jod kann die Schilddrüsenfunktion
beeinträchtigt werden. Bei Patienten mit einer (latenten)
Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) löst das erhöhte Jodangebot eine massive Produktionssteigerung von
Schilddrüsenhormon bis zur Überfunktionskrise aus. Daher
sollte insbesondere bei älteren Patienten, die häufiger unter
2.9.6
Röntgenkontrastmittel
Mit Ausnahme von Knochen und in geringem Maße dem
Fettgewebe besitzen die verschiedenen Körpergewebe nur geringe Unterschiede in ihrer Dichte, sodass auf Röntgenbildern einzelne Organbestandteile nicht erkannt werden.
Durch den Einsatz von Kontrastmittel kann die Aussagekraft
von Röntgenaufnahmen erhöht werden. Auch in der Computertomographie und Magnetresonanztomographie werden
regelhaft Kontrastmittel eingesetzt, um Blutgefäße darzustellen, die Durchblutung von Gewebe zu beurteilen oder unterschiedliche Gewebearten voneinander abzugrenzen. Für die
Gefäßdarstellung in der Angiographie ist die Gabe von injizierbaren Kontrastmitteln unabdingbar. Es gibt nur wenige
geeignete Substanzen, die in der Praxis eingesetzt werden.
2
68
2
Kapitel 2 · Medizinisch-technische Geräte
einer Schilddrüsenfunktionsstörung leiden, die Schilddrüsenfunktion laborchemisch (Bestimmung des TSH-Wertes)
vor einer geplanten Kontrastmittelgabe überprüft werden.
Die wasserlöslichen Kontrastmittel werden über die Niere
ausgeschieden, können aber die Nierenfunktion bei vorgeschädigtem Organ selber schädigen. Die Nierenfunktion
(glomeruläre Filtrationsrate, Kreatinin im Serum) muss vor
einer Kontrastmittelgabe bekannt sein. Dies gilt insbesondere
für Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Nierenschädigung, wie Diabetiker und ältere Patienten. Bei Patienten mit
eingeschränkter Nierenfunktion (GFR <60 ml/min/1,73m2)
muss durch zusätzliche Flüssigkeitsgabe vor und nach der
Kontrastmittelinjektion die Nierenausscheidung angeregt
werden. Zudem sollte die Kontrastmittelmenge möglichst reduziert werden.
Einige Patienten entwickeln nach der Kontrastmittelinjektion Überempfindlichkeitsreaktionen, die von Übelkeit
und Hautauschlag bis zu ausgeprägten allergoiden Reaktionen und bis zum Kreislaufstillstand führen können. Die Häufigkeit tödlicher Zwischenfälle nach intravenöser Kontrastmittelgabe ist schwer zu ermitteln, wird aber bei 1:130.000
angegeben. 90% aller schweren Reaktionen treten in den ersten 15 Minuten nach der Kontrastmittelinjektion auf. Bei
leichter Empfindlichkeitsreaktion ist neben einer ärztlichen
Beobachtung die Gabe eines Antihistaminikums und eines
Kortisonpräparats sinnvoll. Schwere Reaktionen können die
intensivmedizinische Behandlung bis zur Schocktherapie
und Intubation mit Beatmung erfordern.
Typische Beispiele für negative Kontrastmittel sind Luft
und Kohlendioxid. CO2 kann für die arterielle Gefäßdarstellung bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder einer Unverträglichkeit gegen jodhaltige
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