Das Richten des Instrumentiertischs erfolgt systematisch
und nach Standard. Eine mögliche Vorgehensweise kann da
rin bestehen, dass der Instrumentierende jedes Sieb von links
nach rechts durchgeht und das benötigte Instrumentarium
entnimmt. Ein Hausstandard legt fest, welche Instrumente in
welcher Anzahl für die jeweilige Operation auf dem Instru
mentiertisch vorzubereiten sind. Er ist für jeden Mitarbeiter
verbindlich und garantiert eine stetig gleiche Anzahl an In
strumenten. Außerdem kann ein nach Standard gedeckter
Instrumentiertisch von jedem Mitarbeiter übernommen wer
den für den Fall, dass der Instrumentierende aufgrund einer
akuten Erkrankung abtreten muss oder bei Dienstende abge
löst wird. Die Anzahl der Instrumente wird dokumentiert.
Scharfes Instrumentarium wird so auf dem Instrumen
tiertisch platziert, dass die eigene Verletzungsgefahr mög
lichst gering gehalten und die Abdeckung nicht beschädigt
wird. In Operationsabteilungen, in denen überwiegend mir
sehr scharfem und schwerem Instrumentarium gearbeitet
wird, kann ein zusätzliches kleines Abdeckungstuch, das über
den eigentlichen Tischbezug geklebt wird, die Perforationsge
fahr verringern.
In Absprache mit dem Instrumentierenden reicht der
Springer die sterilen Einmalmaterialien an.
Grundsätzlich ist sinnvoll, schon beim Vorbereiten die
Einmalmaterialien nach der benötigten Reihenfolge bereitzu
legen und z. B. mit einem zusätzlichen Klebeabdecktuch für
den Instrumentiertisch zu beginnen, anstatt mit dem zu
einem späteren Zeitpunkt benötigten Sauger.
>>Die Vorbereitung des Instrumentariums sollte syste
1.2.8
Prinzipien der Anordnung
von Instrumentarium
Die Entnahme des Instrumentariums aus den Siebschalen er
folgt nach einer strukturierten Reihenfolge. So wird in der
Regel mit Grundinstrumentarium begonnen, es folgt speziel
leres Instrumentarium. Vorerst werden alle Siebe vom Instru
mentierenden angenommen und auf dem Beistelltisch ange
ordnet. Der Instrumentierende überprüft die Vollständigkeit
der Siebinhalte. Bei fehlendem Instrumentarium wird eine
entsprechende Notiz für die ZSVA erstellt, defektes Instru
mentarium wird zusätzlich gekennzeichnet und für die anste
hende Operation nicht verwendet. Darunter fällt z. B. Instru
mentarium mit schwergängigen Gelenken sowie Instrumen
tarium, bei denen die Arbeitsflächen beim Verschluss nicht
korrekt aufeinander liegen oder dessen Sperren nicht korrekt
schließen und halten. Bei Instrumentarium mit Gummidich
tungen sind diese in besonderem Maße anfällig und können
durch den Sterilisationsvorgang porös werden. Defekte Dich
tungen müssen ausgetauscht werden. Instrumente mit Hohl
räumen werden auf ihre Durchgängigkeit getestet (z. B. Ver
ress-Nadeln, Metallsauger, Trokare). Des Weiteren prüft der
matisch und nach entsprechendem Hausstandard er
folgen. Gleichzeitig empfiehlt sich die Kontrolle der
Funktionstüchtigkeit der Instrumente, um beschädigtes Instrumentarium direkt austauschen zu können.
Bei der Entgegennahme des vom Springer geöffneten Steril
guts positioniert sich der Instrumentierende möglichst seit
lich zu seinen sterilen Flächen. Das Einmalmaterial wird
ebenfalls auf einem festen Platz auf dem Instrumentier- und
Beistelltisch abgelegt. Da es durch das Knüllen von Umverpa
ckungen zu Luftverwirbelungen und Mikroperforationen in
den sterilen Handschuhen kommt, sollte darauf verzichtet
werden. Alle Umverpackungen werden zunächst gesammelt
und anschließend gemeinsam abgegeben.
>>Mülltrennung beachten! Intraoperativ muss die Tren-
nung von sauberem und kontaminiertem Müll beachtet werden.
1.2.9
Materialentsorgung
Nach Beendigung der Operation mit vorangegangener, ab
schließender Vier-Augen-Zählkontrolle von Instrumenta
1
34
1
Kapitel 1 · Hygiene
rium und Verbrauchsmaterialien, wird zunächst die Patien
tenabdeckung entfernt und in einen dafür vorgesehenen Ent
sorgungsbehälter oder in entsprechenden Kunststoffsäcken
entsorgt. Für textile Wäsche, die wieder aufbereitet wird, wird
in der Regel ein Wäschesack verwendet. Hier ist ggf. eine
Trennung von aseptischer und septischer Kennzeichnung der
Säcke zu berücksichtigen.
Die Entfernung der Patientenabdeckung wird vom Instru
mentierenden, Operateur oder Assistenten durchgeführt, die
durch ihren Kittel vor einer Kontamination mit sich auf der
Abdeckung befindenden Körper- und Spülflüssigkeiten ge
schützt sind. Anschließend unterstützt der «Springer» den
Operateur und Assistenten bei der weiteren Versorgung des
Patienten und entfernt, wenn vorhanden, die Neutralelektro
de. Das dazugehörige Neutralelektrodenkabel wird z. B. auf
einen Beistelltisch gelegt, damit es vom Reinigungspersonal
wischdesinfiziert wird. Bei diesen Tätigkeiten sind unbedingt
Schutzhandschuhe zu tragen. Nach Beendigung der Tätigkei
ten und dem Ablegen der Schutzhandschuhe ist eine hygieni
sche Händedesinfektion durchzuführen.
>>Nach der Beendigung der Operation steht zunächst
der Patient im Vordergrund. Die Intimsphäre des Patien
ten ist zu jeder Zeit zu wahren – dazu gehört auch,
den Patienten von evtl. Verunreinigungen zu reinigen,
feuchte oder beschmutzte Tücher vor dem Umlagern
in der Patientenschleuse zu entfernen, den Patienten zu
zudecken und ihn mit einem Beingurt zu sichern.
Die Entsorgung des Instrumentariums erfolgt durch den In
strumentierenden, gewöhnlich im OP-Saal. Der Instrumen
tierende behält für die Entsorgung zunächst Kittel und Hand
schuhe zum Eigenschutz an. Er entsorgt zu Beginn scharfe
und spitze Gegenstände von seinem Instrumentiertisch. Die
se werden in stich-, bruch-, durchdringfesten und sicher ver
schließbaren Einwegabfallbehältnissen entsorgt. Sich auf dem
Instrumentiertisch befindende Kanüle dürfen vor der Entsor
gung nicht wieder in ihre Plastikhülle zurück gesteckt w
erden.
>>Die Entsorgung der gebrauchten Instrumente vom
Instrumentiertisch ist eine Tätigkeit des Instrumentierenden. Eine Unterstützung durch den «Springer»
birgt ein hohes Kontaminations- und Verletzungs
risiko.
Übriggebliebene Tupfer, Kompressen und Bauchtücher wer
den ebenfalls in Kunststoffsäcken entsorgt. Übriggebliebene
oder nicht verwendete Flüssigkeiten (z. B. Spülflüssigkeit oder
Desinfektionsmittel) dürfen nicht in die Kunststoffsäcke ge
schüttet werden.
Instrumente werden vom Instrumentierenden ca. 90° ge
öffnet und ggfs. zerlegt. Besonders scharfe Instrumente wie
z. B. eine Kugelzange können je nach Hausstandard geschlos
sen bleiben. Dies birgt für das Personal auf der unreinen Seite
der ZSVA ein geringeres Verletzungsrisiko. Je nach hausinter
nem Standard werden auch Trokare und weitere laparoskopi
sche Instrumente vom Instrumentierenden vollständig in ihre
Einzelteile zerlegt. Für kleine und empfindliche Einzelteile
werden extra feinere und verschließbare Siebkörbchen ver
wendet. Das Lumen von Instrumenten mit Hohlräumen wird
direkt nach der OP einmal durchgespült.
>>Die fachgerechte Entsorgung von Instrumenten setzt
Kenntnisse über das Zusammen- und Auseinanderbauen von speziellem Instrumentarium voraus; ggf. können hierfür Trockenübungen hilfreich sein.
Für Deutschland existieren zwei relevante Formen der In
strumentenentsorgung: die Nass- und die Trockenentsor
gung.
Die Trockenentsorgung ist die bevorzugte Art der Ent
sorgung. Dabei werden die Instrumente in fest verschließba
ren Entsorgungscontainern oder in Siebkörben, die mit einer
Plastiktüte verschließbar sind entsorgt und zur ZSVA trans
portiert (7 Kap. 21).
Bei der Nassentsorgung hingegen werden die Instru
mente auf Siebschalen in Entsorgungscontainern abgelegt
und vollständig mit einer Desinfektionsmittellösung bedeckt.
Der Vorteile der Trockenentsorgung gegenüber der Nass
entsorgung sind:
44Da keine Desinfektionsmittellösung zum Einlegen für
die Instrumente verwendet wird, besteht eine geringere
Kontaminations- und Verletzungsgefahr. Es entstehen
keine Korrosionen, die am Instrumentarium aufgrund
der Lagerungszeit in Desinfektionsmittellösung entste
hen können.
44Der Verbrauch von Desinfektionsmittellösung wird re
duziert.
44Das Gewicht der Entsorger bei der Trockenentsorgung
ist deutlich geringer.
44Eine vermehrte Schaumbildung im RDG (Reinigungsund Desinfektionsgerät) wird vermieden.
Die Entsorgungscontainer oder Siebkörbe werden im Vorfeld
vom «Springer» so vorbereitet, dass eine Entsorgung der In
strumente ohne Kontamination des äußeren Bereiches der
Entsorgungsmöglichkeit möglich ist. Beim Einsortieren in
die Entsorgungssiebe wird mit größeren Instrumenten be
gonnen, danach folgen kleinere Instrumente. Empfindliche
Instrumente können zuletzt obenauf gelegt werden. Die Sieb
körbe von Mikroinstrumentarium enthalten extra Gum
mieinlagen, die das feine, empfindliche und teure Instrumen
tarium schützen. Deshalb wird Mikroinstrumentarium bei
der Entsorgung zum Schutz wieder in seinen ursprünglichen
Siebkorb einsortiert.
Instrumentarium wird bei der Entsorgung in den Sieb
korb abgelegt und nicht geworfen, da dies zur Zerstörung der
Passivschicht führen kann – das Instrumentarium wird un
brauchbar. Kabel, wie z. B. das der Elektrokoagulation werden
in große, lockere Schlaufen ebenfalls oben auf das Instrumen
tarium gelegt.
>>Der Schaden an Instrumenten, der durch die unsach-
gemäße Handhabung entsteht, ist immens. Demnach
trägt bereits eine sachgemäße, ordentliche und verantwortungsbewusste Entsorgung zu einem weniger
drastischen Verschleiß bei.
35
Literatur
Die Entsorgungssiebe dürfen nicht zu voll sein, ggf. muss
ein weiteres Entsorgungssieb hinzugezogen werden. Andern
falls wird das Instrumentarium im RDG nicht vollständig
gereinigt, es kann zu Spülschatten kommen (7 Kap. 21).
Meist enthalten die Siebcontainer, denen präoperativ das
sterile Instrumentarium entnommen wird, Siebnummern in
mindestens zweifacher Ausführung. Eine Siebnummer ver
bleibt in dem Siebcontainer, aus dem präoperativ das sterile
Instrumentarium entnommen wird, mit der anderen Sieb
nummer wird das gebrauchte, aufzubereitende Instrumenta
rium kenntlich gemacht. Dies hat den Vorteil, dass das Perso
nal der ZSVA nach dem Waschvorgang das Instrumentarium
einwandfrei sortieren kann.
Nachdem sämtliches Instrumentarium sortiert wurde,
legt der Instrumentierende Kittel und Handschuhe ab, um
den Deckel eines Entsorgungscontainers oder die Plastiktüte
um eine Entsorgungssiebschale kontaminationsfrei verschlie
ßen zu können.
>>In einigen Kliniken wird aus unterschiedlichen Grün-
den die Narkose vorzugsweise im OP-Saal ausgeleitet.
Für diesen Fall wird die Entsorgung der Instrumente
und Materialien so ruhig wie möglich durchgeführt. Ist
eine Entsorgung unter leisen Umständen nicht möglich, muss gewartet werden, bis die Narkose ausgeleitet ist und der Patient aus dem Saal gefahren wurde.
Nicht zu vergessen ist das Entfernen der Lampengriffe. Ein
weglampengriffe werden entsorgt, Mehrweglampengriffe
werden mit dem Instrumentarium in die ZSVA zur Aufberei
tung gegeben.
Anschließend wird das gebrauchte Instrumentarium un
ter Berücksichtigung der Wegeführung in die Entsorgung
gefahren und die zentrale ZSVA informiert.
Nach der Entsorgung des Instrumentariums wäscht sich
der Instrumentierende die Hände und führt eine hygienische
Händedesinfektion durch.
Der «Springer» oder der Instrumentierende informiert
abschließend den Reinigungsdienst für die Saalreinigung.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 1.2
55 Warum sollen die Hände in der Personalschleuse
nach dem Ablegen der Straßenkleidung mit Seife
gewaschen werden?
55 Nach welchen Prinzipien erfolgen bei der Opera
tionsvorbereitung die Instrumentenentnahme und
Anordnung?
55 Welche Prinzipien gilt es bei der postoperativen
Instrumentenentsorgung zu beachten?
Literatur
Allianz (2007) Allianz Report «Krank im Krankenhaus». http://www.
krankenhaushygiene.de/informationen/nachgefragt/150
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
– BGW (2003) BGR 250/TRBA 250. Biologische Arbeitsstoffe im
Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Fassung Oktober
2003, mit Änderungen und Ergänzungen vom November 2007.
Broermann, Troisdorf-Spich
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
– BGW (2013) Prävalenz der latenten Tuberkulose-Infektion bei
Beschäftigten im Gesundheitsdienst. http://www.bgw-online.de/
DE/Arbeitssicherheit-Gesundheitsschutz/Grundlagen-Forschung/
Arbeitsmedizin-Epidemiologie/Tbc-Studie/Tbc-Studie.html.
Letzter Zugriff : 17.12 2013
DGSV (2012) Zusammenarbeit mit dem OP und anderen Abteilungen.
Verfügbar unter: http://www.dgsv ev.de/conpresso/_data/AKQ_d_
ZT_2_12_75_Zusammenarbeit_mit_dem_OP_und_anderen.pdf.
Letzter Zugruff: 15.09.2013
Groß U (2006) Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektio
logie. Thieme, Stuttgart
Hof H, Dörries R (2005) Medizinische Mikrobiologie, 3. Aufl, Thieme
Verlag, Stuttgart
Jassoy C, Schwarzkopf A (2005) Hygiene, Mikrobiologie und Ernährungs
lehre für Pflegeberufe. Thieme, Stuttgart
Klischies R, Panther U, Singbeil-Grischkat V (1995) Hygiene und med.
Mikrobiologie. Schattauer, Stuttgart
Quarks & Co (2009) Tödliche Keime – Gefahr aus dem Krankenhaus.
Sendung vom 07.04.09. http://www.quarks.de
Robert Koch-Institut – RKI (2000a) Anforderungen der Hygiene bei
Operationen und anderen invasiven Eingriffen. Mitteilung der
Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
am Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 43: 644–648
Robert Koch-Institut – RKI (2000b) Händehygiene. Mitteilung der
Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
am Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 43: 230–233
Robert Koch-Institut – RKI (2007) Prävention postoperativer Infektionen
im Operationsgebiet. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut.
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