Zählkontrolle – 142
Risiken – 143
Durchführung der Zählkontrolle – 143
6.3
Instrumentanz
6.4
Regeln und Maßnahmen des Arbeitsschutzes
Literatur
– 140
– 142
– 144
– 145
© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018
M. Liehn et al. (Hrsg.), OTA-Lehrbuch
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56183-6_6
– 144
– 141
6
140
Kapitel 6 · Instrumentiertätigkeit
Lernziele
6
55 Die Auszubildenden verstehen die rechtlichen Aspekte
ihrer Tätigkeiten als instrumentierende Kraft und können
die damit verbundenen Verantwortungen in ihrem täglichen Handeln erkennen und beachten.
55 Sie können die Planungsaufgaben einer instrumentieren
den Kraft fach- und sachgerecht durchführen.
55 Die Auszubildenden können die Überwachungsaufgaben
einer instrumentierenden Kraft fach- und sachgerecht
durchführen.
55 Sie können die Zählkontrolle der blutstillenden Textilien
und der Instrumente fach- und sachgerecht durchführen
und entwickeln einen Rundumblick im Bezug auf Hygiene
im OP-Saal und der präoperativen Patientenvorbereitung
und beachten die notwendigen Maßnahmen zur Sicherstellung der perioperativen Sicherheit des Patienten.
55 Die Auszubildenden kennen die geplanten Operationsabläufe, halten Blickkontakt zum OP-Gebiet und haben
die Fähigkeit, vorausschauend und situationsgerecht zu
instrumentieren.
55 Sie geben intraoperativ klare und verständliche Anweisungen an ihren Springer.
55 Nach jedem Eingriff schließen sie die Patientendokumen
tation mit ihrer Abschlusskontrolle und Unterschrift ab.
55 Die Auszubildenden können die für sie relevanten Regelungen des Arbeitsschutzes unterscheiden und diese in
ihrem beruflichen Handeln beachten.
Neben den vielfältigen Aufgaben als unsterile Saalassistenz
(7 Kap. 4) besteht eine wesentliche Tätigkeit der OTA in der
Instrumentanz. Um diesen Bereich im Sinne der optimalen
Patientenbetreuung gut durchführen zu können, bedarf es
einiger Informationen und v. a. einiger Übung der manuellen
Geschicklichkeit.
Der Instrumentant kennt anhand des OP-Planes den geplanten Eingriff und weiß um die Erkrankung des Patienten.
Er kann die benötigten Instrumenten-Container und die zusätzlichen Materialien anhand des Standards vorbereiten. Die
Besonderheiten dieses Eingriffes sind bekannt und er weiß
um die möglichen Komplikationen und die dann wichtigen
Instrumente bzw. Materialien.
Wenn ein Mitarbeiter sich bereit erklärt, eine geplante
Operation zu instrumentieren, erklärt er damit, dass er um
die oben genannten Dinge weiß. Eine Ausnahme bilden hier
Auszubildende, da der Mentor/Praxisanleiter bei jeder Operation als Supervisor dabei ist und die nötigen Kenntnisse
mitbringt und vermittelt.
Jeder Mitarbeiter, der an einer Operation teilnimmt, erscheint mit seinem vollen Namen in der Patientendokumentation und gilt damit als Verantwortlicher für sein Tun.
Operationsvorbereitung
6.1
Roksana Ressmann
Die Instrumentation ist eine komplexe Tätigkeit und bedarf
einer guten Vorbereitung seitens des Instrumentierenden.
Zum Prozess der Vorbereitung der Instrumentiertätigkeit
gehören:
44die Zusammenstellung der Instrumentensiebe und der
Einmalmaterialien,
44die Anordnung der Instrumentier- und Beistelltische im
OP-Saal sowie
44die Anordnung der Instrumente auf den steril bezogenen
Tischen.
Die oben aufgezählten Schritte der Operationsvorbereitung müssen unter Berücksichtigung der Hygiene und der
Standardvorgaben der jeweiligen Operationsabteilung erfolgen.
6.1.1
Zusammenstellung der Instrumentensiebe und der Einmalmaterialien
Bevor die Zusammenstellung der Instrumentensiebe und der
Einmalmaterialien beginnen kann, muss der Instrumentierende das OP-Programm betrachten. Das OP-Programm gibt
zum einen Information über die jeweilige Operation, also
Hinweise über den Patienten und Hinweise zur Operationstechnik. Zum anderen verschafft es den Überblick über den
gesamten OP-Tag. Diese Informationen sind für die Vorbereitung der Operation notwendig. So können bei unzureichenden Hinweisen über den Patienten (Allergien, Voroperationen, OP-relevante Erkrankungen, z. B. Thrombose) oder
über die OP-Technik (zementierte/zementfreie Hüft-TEP)
falsche Vorbereitungen getroffen werden. Bei einer fehler
haften Planung des OP-Tages seitens des OP-Managements
können bei Operationen, für die eine begrenzte Anzahl der
Instrumente zur Verfügung steht, logistische Probleme auftreten. In beiden Fällen entstehen Störungen, die mit unnötigen Wartezeiten einhergehen.
Durch die Einführung des Qualitätsmanagements im
OP verfügen die meisten OP-Abteilungen über aktuelle Standards, die es ermöglichen, die Zusammenstellung der Instrumentensiebe und der Einmalmaterialien systematisch und
für jeden Mitarbeiter transparent zu gestalten. Diese Standards sind in elektronischer Form an jedem EDV-Arbeitsplatz und/oder in schriftlicher Form (Standardordner) hinterlegt.
>>Bevor die Instrumentensiebe und die Einmalmaterialien
zusammenstellt werden, informieren wir uns im OP-Plan
über den Patienten und die Operation.
141
6.1 · Operationsvorbereitung
6.1.2
Anordnung der Instrumentierund Beistelltische im OP-Saal
Die Anordnung der Tische im OP-Saal ist für die jeweilige
OP-Abteilung definiert und sollte in den Beschreibungen des
QM-Handbuches dokumentiert werden. Das Beibehalten der
Anordnung der OP-Tische im OP-Saal sowie des gesamten
Inventars eines OP-Saals hilft allen Mitarbeitern, nicht nur im
Tagesprogramm, sondern insbesondere in Notfallsituationen
effizient zu arbeiten.
Für die Durchführung der Instrumentation stehen in der
Regel pro OP-Saal folgende Tische zur Verfügung:
44ein bis zwei Instrumentiertische,
44ein Beistelltisch sowie
44mehrere Container-Tische, auf denen die Instrumen
tensiebe unter sterilen Bedingungen geöffnet werden
können.
Die OP-Tische im OP-Saal stehen gewöhnlich entlang einer
Wand, sodass der Instrumentierende während des Richtens
der Instrumentation eine «sterile Zone» bilden kann. Dabei
sollte der Abstand zwischen den Tischen und der Wand so
gewählt werden, dass der Instrumentierende sicher und kontaminationsfrei arbeiten kann.
>>Beim Vorbereiten der Operation behält die OTA die im
Hausstandard festgelegte Reihenfolge in der Anordnung
von OP-Tischen im OP-Saal bei. Das hilft, effizient zu
arbeiten.
Grundsätzlich hat jeder im OP-Saal stehende Tisch eine klar
definierte Funktion.
44Instrumentiertisch – Auf den Instrumentiertischen werden Instrumente gerichtet, die primär für das Instrumentieren der OP benötigt werden.
44Beistelltisch – Auf dem Beistelltisch werden in der Regel
Instrumente gerichtet, die sekundär für das Instrumentieren der Operation benötigt werden. Zusätzlich werden
hier die OP-Abdeckung, die OP-Mäntel und die sterilen
Handschuhe zum Ankleiden der Operateure, OP-Texti
lien wie Bauchtücher, Streifen, Kompressen usw. sowie
das Nahtmaterial, Drainagen und das Verbandmaterial
abgelegt.
44Container-Tisch – Auf den Container-Tischen werden
alle für die Operation benötigten Instrumentensiebe
bzw. Instrumentencontainer gestellt.
Die Oberfläche des Instrumentiertisches hat die Form eines
Rechtecks. Der Instrumentiertisch hat also zwei längere und
zwei kürzere Seiten. Die Außenränder des Instrumentier
tisches sind leicht angehoben, sodass die Instrumentations
fläche etwas tiefer liegt als die Ränder des Instrumentier
tisches. Die spezielle Bauart der Instrumentiertische soll das
Herunterfallen von Instrumenten verhindern.
Beistelltische sind ebenfalls rechteckig, haben jedoch ggf.
keine Randerhöhung. Die Ablagefläche ist deutlich größer als
die der Instrumentiertische. In vielen OP-Abteilungen ist es
zum Standard geworden, die sterilen Instrumentensiebe auf
dem Beistelltisch zu platzieren. Somit dienen die ContainerTische der kontaminationsfreien Entnahme der sterilen Siebe.
Danach können die Container-Tische aus dem OP-Saal
herausgefahren werden. Diese Vorgehensweise spart den
wertvollen Platz im OP-Saal.
Anordnung der Instrumente auf den steril
bezogenen Tischen
Der Tischaufbau bedarf der Beachtung einiger Prinzipien. In
manchen OP-Abteilungen gibt es strikte Arbeitsanweisungen
dazu, wie der Instrumentiertisch und der Beistelltisch gedeckt
werden sollen. Andere OP-Abteilungen geben in der Anordnung der Instrumente eine grobe Richtung vor, sodass die Individualität des einzelnen Mitarbeiters beim Richten der In
strumente beibehalten werden darf. In der Regel erstellt den
Standard für den Tischaufbau der jeweiligen OP-Abteilung die
OP-Leitung gemeinsam mit der Abteilungsverantwortlichen.
j
jAllgemeine Regeln für die Instrumentenanordnung
auf den steril bezogenen Instrumentiertischen
44Instrumente für die intraoperative Präparation des
OP-Situs (Pinzetten, Scheren, Stieltupfer) liegen entlang
der Seite des Instrumentiertisches, die direkt auf den
Patienten gerichtet ist. Während der Operation werden
gerade diese Instrumente häufig benutzt. Solch eine
Anordnung der Instrumente erspart dem Instrumentierenden die Instrumentationsstrecke während der An
gabe und Annahme von Instrumenten.
44Der Tischaufbau sollte übersichtlich sein. Je mehr In
strumente auf dem Instrumentiertisch liegen, die nicht
primär für das Instrumentieren der Operation notwendig sind, umso schwieriger ist es für den Instrumentierenden, den Überblick zu behalten.
44Jedes bereitgelegte Instrument sollte im Vorfeld getestet
und seine Funktionsfähigkeit überprüft, ggf. ausgetauscht werden.
44Die Anzahl der Instrumente auf dem Instrumentierund Beistelltisch sollte paarig sein bzw. sollte das Instrumentarium in einer geraden Anzahl bereitgelegt werden.
Das erleichtert dem Instrumentierenden den Überblick
über die Anzahl der Instrumente. Ausnahmen stellen
fachspezifische Instrumente dar. Die Ausnahmen sollten
in den Standards der jeweiligen Abteilung festgelegt
werden.
44Die Skalpelle dürfen keinesfalls ungeschützt auf der einlagigen Abdeckung des Tisches abgelegt werden. Das erhöht die Perforationsgefahr des Abdeckmaterials. Immer
mehr OP-Abteilungen verwenden Sicherheitsskalpelle
zum einmaligen Gebrauch (Unfallverhütungsvorschriften). Diese Sicherheitsskalpelle haben eine herausfahr
bare Schutzkappe für die scharfe Skalpellklinge.
44Im Allgemeinen werden chirurgische (scharfe) und anatomische bzw. atraumatische Instrumente in der Anordnung der Instrumente auf dem Instrumentiertisch voneinander getrennt abgelegt. Während der Instrumenta
tion darf es nicht zur Verwechslung zwischen den scharfen und den stumpfen Instrumenten kommen.
6
Kapitel 6 · Instrumentiertätigkeit
142
6
44Bei der Vorbereitung gibt es Einiges zu beachten. Wenn
Klemmen aus dem Sieb genommen werden, kann es passieren, dass alle sich öffnen. Das ist gut so, denn in der
ZSVA (7 Kap. 22) dürfen die Instrumente zur Sterilisa
tion nur maximal im ersten Raster geschlossen werden,
damit der gespannte Dampf des Autoklaven überall seine
Wirkung entfalten kann (7 Kap. 22). Der Instrumentant
schließt jede einzelne Klemme und legt sie dann bereit.
44Benötigte Flüssigkeiten werden in dafür vorgesehene
Behältnisse gegossen. Der Instrumentierende muss sich
von der Richtigkeit und Sterilität der Flasche oder der
Medikamentenampulle überzeugen. In jeder OP-Abteilung gibt es einen standardisierten Code für die Mar
kierung der flüssigkeitsgefüllten Behältnisse. Eine Verwechslung der Flüssigkeiten birgt enorme Gefahren
für den Patienten!
Grundsätzlich muss der Instrumentierende beim Richten des
Instrumentiertisches immer bedenken, dass bei einem unvorhergesehenen Wechsel des Instrumentierenden der Tausch
schnell und störungsfrei erfolgen muss. Ein festgelegter Standard erleichtert den reibungslosen Ablauf.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 6.1
55 Wie und worüber informieren Sie sich, bevor Sie die
Instrumentensiebe zusammenstellen?
55 Welche allgemeinen Regeln zur Anordnung der
Instrumente auf den OP-Tischen kennen Sie?
Zählkontrollen
6.2
Roksana Ressmann
Ziel der Zählkontrollen ist es, sicherzustellen, dass keine
Fremdkörper unbeabsichtigt im OP-Situs verbleiben. Das
«Vergessen» von Fremdmaterialien im OP-Gebiet kann für
den Patienten eine ernstzunehmende Gefährdung seiner Gesundheit bis hin zu einer vitalen Bedrohung werden. Zu den
möglichen Folgen zählen Infektionen bis hin zu Sepsis, Fis
telbildungen, Perforationen von Hohlorganen sowie Läsionen
von großen Gefäßen und Nerven.
>>Die Patientensicherheit und der Patientenschutz
haben bei unseren beruflichen Handlungen oberste
Priorität.
6.2.1
Juristische Verantwortung
Im OP handeln wir stets so, dass die Patientensicherheit gewährleistet ist. Das gesamte OP-Team ist verpflichtet, alle
möglichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um einen
Schaden von dem Patienten abzuwenden. Eine der Sicherheitsvorkehrungen stellt die Zählkontrolle dar.
Die Verantwortung und die Leitung einer Operation obliegen dem Operateur. Der Operateur sollte auf die Zählkon-
trolle bestehen, denn er ist für das Ergebnis des Zählens mitverantwortlich. Um einen strukturierten und zügigen Operationsablauf sicherzustellen, kann und muss der Operateur
bestimmte Arbeitsschritte an andere Mitglieder des Opera
tionsteams delegieren. So trägt die OTA u. a. eine Mitverantwortung für alle während der Operation zum Einsatz kommenden Materialien. Damit gehen die Durchführungsverantwortung einer Zählkontrolle auf die Instrumentierende und
den Springerdienst über. Zuletzt ist die Krankenhausleitung
für die Sicherstellung der erforderlichen materiellen, finan
ziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen verantwortlich.
>>Die Durchführungsverantwortung für die
Zählkontrolle trägt der/die OTA.
6.2.2
Notwendigkeit der Zählkontrolle
Da es in Deutschland bisher an einer bundeseinheitlichen
Regelung zur Standardisierung und Dokumentation der
Zählkontrolle im OP-Saal fehlt, hat Anfang 2010 die Arbeits
gruppe Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. unter Berücksichtigung der international und für Deutschland verfügbaren Daten und Materialien sowie in Abstimmung mit u. a.
der Bundesarbeitsgemeinschaft Weiterbildung im Opera
tionsdienst, der Deutschen Krankenhausgesellschaft e. V. und
dem Deutschen Pflegerat e. V. eine Handlungsempfehlung
zur Vermeidung unabsichtlich belassener Fremdkörper im
OP-Gebiet herausgegeben. Die Arbeitsgruppe Aktionsbündnis Patientensicherheit empfiehlt eine interdisziplinäre und
berufsgruppenübergreifende Erarbeitung und schriftliche
Festlegung von Standards der Zählkontrollen, deren Dokumentation und die Erarbeitung entsprechender Ablauf
protokolle. Diese Standards sollen einfach und präzise beschreiben:
44wer ist für die Zählung verantwortlich,
44wer führt sie durch,
44was soll gezählt werden,
44wann und wie soll gezählt werden,
44die Vorgehensweise beim Teamwechsel,
44die Vorgehensweise bei Diskrepanzen bei den Zählergebnissen,
44die Vorgehensweise bei beabsichtigt belassenen Materialien,
44die Vorgehensweise bei vital bedrohlichen Notfällen.
Eine solche Vorgehensweise schafft Klarheit in der gelebten
Teamarbeit und erhöht bei konsequenter Umsetzung die Patientensicherheit.
>>Die Wirksamkeit der Zählkontrolle hängt von der Um-
setzungstreue und Genauigkeit der Zählungen ab.
143
6.2 · Zählkontrollen
6.2.3
Risiken
Grundsätzlich erfordert jeder operative Eingriff die volle
Konzentration des gesamten OP-Teams. Häufig führen Ermüdung, Zeitdruck, Ablenkung und Unterbrechungen, z. B.
durch Personalwechsel zu inkorrekten Zählergebnissen.
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. zählt folgende Situationen auf, in denen ein erhöhtes Risiko für das
unbeabsichtigte Verbleiben von Fremdkörpern im OP-Situs
besteht:
44bei Notfalleingriffen,
44bei unerwarteten Änderungen im OP-Ablauf,
44bei Einsatz mehrerer chirurgischer Teams,
44bei Wechsel des Pflegepersonals,
44bei Patienten mit starkem Übergewicht,
44bei Patienten mit hohem Blutverlust.
6.2.4
Durchführung der Zählkontrolle
Zählkontrolle ist Teamarbeit (Aktionsbündnis Patienten
sicherheit e. V.). Aus diesem Grund sollte die Zählkontrolle
nach dem Vier-Augen-Prinzip (der Instrumentierende mit
dem Springer) durchgeführt werden.
Allgemein wird die Zählkontrolle immer vor dem Beginn
der Operation (präoperativ), während der Operation (intraoperativ) und nach Beendigung der Operation (postoperativ)
durchgeführt.
Präoperative Zählkontrolle
Ziel der präoperativen Zählkontrolle ist: Alle zum Einsatz
kommenden Materialien sind dem OP-Team bekannt, gezählt und dokumentiert.
Je nach Fachdisziplin sind zu zählen:
44Instrumentensiebe,
44Zusatzinstrumente,
44Nadeln und Nadel-Faden-Kombinationen,
44röntgenpositive Verbrauchsmaterialien (z. B. Bauch
tücher, Tupfer, Präpariertupfer, Kompressen),
44nicht röntgenpositive Materialien (z. B. Zügel, Einmalspritzen),
44Implantate.
Der Operateur sollte das Ergebnis der Zählkontrolle vor dem
Beginn der Operation erfragen (Team-Time-Out).
Intraoperative Zählkontrolle
Ziel der intraoperativen Zählkontrolle ist: Alle während der
Operation hinzugefügten Materialien sind dem OP-Team
bekannt, gezählt und dokumentiert.
Der Instrumentierende und der Springer sind dazu angehalten alle zusätzlich angereichten Materialien (z. B. Kompressen, Tupfer, Bauchtücher, Nadel-Faden-Kombinationen
usw.) nach dem Vier-Augen-Prinzip zu zählen.
Des Weiteren ist es die Aufgabe des Instrumentierenden,
alle Materialien, welche durch den Operateur und/oder seinen Assistenten während der Operation zurückgegeben worden sind, auf Vollständigkeit zu überprüfen.
Offizielle Zählkontrollen erfolgen grundsätzlich rechtzeitig vor dem Ende der Operation (je nach Operationsmethode
vor dem Verschluss von Körperhöhlen und Organen, vor dem
Wundverschluss, vor bzw. bei der Hautnaht).
>>Falls intraoperativ das OP-Team gewechselt werden
muss, ist eine Zählkontrolle unabdingbar!
Generell sollen offizielle Zählkontrollen durch den Instrumen
tierenden und den Springer nach dem Vier-Augen-Prinzip
durchgeführt werden. Sofern das Vier-Augen-Prinzip aus
organisatorischen Gründen nicht eingehalten werden kann,
sind die Zählergebnisse durch den Instrumentierenden und
den Springer getrennt voneinander anzusagen. Der Instrumentierende informiert den Operateur über das Zählergebnis, der Springerdienst dokumentiert die Ergebnisse auf dem
Zählprotokoll.
Die Mitarbeit des Operateurs an der intraoperativen Zählkontrolle ist von großer Bedeutung. Der Operateur sollte den
Instrumentierenden über vorübergehend und/oder dauerhaft
beabsichtigt in den OP-Situs eingebrachte Materialien und
über deren Entfernung informieren. Bei beabsichtigt belassenen Materialien im Wundgebiet (z. B. «Bauchtuchpacking»
zur Blutstillung) müssen die Art, die Anzahl und die Lokalisation des Fremdkörpers durch den Operateur dokumentiert
werden. Der Operateur sollte den Wundverschluss zeitgerecht ankündigen und somit dem Instrumentierenden und
dem Springer die erforderliche Zeit für die Durchführung der
Zählkontrolle einräumen.
>>Jedes OP-Teammitglied ist verpflichtet, Zweifel an der
Zählkontrolle laut und deutlich auszusprechen!
Postoperative Zählkontrollen
Ziel der postoperativen Zählkontrollen ist: Der Patient verlässt den OP-Saal nur ohne oder nur mit beabsichtigt eingebrachten Materialien.
Nach Beendigung der Operation in der sog. Entsorgungsphase überprüft der Instrumentierende zum letzten Mal die
Vollständigkeit der Materialien. Der Instrumentierende kontrolliert das Zählprotokoll und zeichnet es ab. Die endgültige
Entsorgung der im Zählprotokoll aufgeführten Materialien
sollte erst nach Abschluss und Dokumentation der postoperativen Zählkontrolle erfolgen. Diese Vorgehensweise erleichtert die Aufklärung im Fall einer unstimmigen Endzahl der
intraoperativ verwendeten Zählmaterialien.
Grundsätze zur Vorgehensweise bei Diskrepanzen
in einer Zählkontrolle
Die Projektgruppe Aktionsbündnis Patientensicherheit
schlägt Grundsätze zur Vorgehensweise bei Diskrepanzen in einer Zählkontrolle vor:
55 Stopp der Prozedur.
55 Der Operateur entscheidet über das weitere Vor
gehen.
6
144
Kapitel 6 · Instrumentiertätigkeit
55 In der Regel erfolgt eine systematische Revision (evtl.
BV-Durchleuchtung) des Wundgebietes.
55 Eine Dokumentation hat zu erfolgen.
??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 6.2
55 Was ist das Ziel von Zählkontrollen?
55 Nach welchem Prinzip soll die Zählkontrolle statt
finden?
6
6.3
Instrumentanz
Martina Stegers, Margret Liehn
Die Kenntnisse, die die sterile Assistenz zur Instrumentation
eines operativen Eingriffs benötigt, sind vielfältig. Sie kennt
nicht nur die vorzubereitenden Instrumente und Materialien
für jeden Eingriff, sondern auch die chirurgisch relevante
Anatomie und den geplanten Operationsablauf. Damit ist bekannt, welchen Weg der Operateur zum Erfolgsorgan wählt
und welche Instrumente und Nahtmaterialien für jeden Arbeitsschritt benötigt werden.
Um übersichtlich instrumentieren und jederzeit das benötigte Instrument anreichen zu können, muss die sterile Assistenz einen Einblick in den Operationssitus bekommen.
Dazu kann es nötig sein, dass eine Stufe bereitgestellt wird, die
die Größenverhältnisse der Teammitglieder ausgleicht. Dabei
ist der größte Mitarbeiter der Orientierungspunkt, damit alle
rückenschonend arbeiten können.
Des Weiteren funktioniert schnelles übersichtliches In
strumentieren nur, wenn die Instrumente immer standar
disiert an dem gleichen Platz auf dem Instrumentiertisch
liegen und auch nach Gebrauch dort wieder platziert werden.
Das Suchen eines Instrumentes kann zu unnötigen Verzögerungen führen.
Alle Instrumente haben Namen und unterschiedliche
Aufgaben, die aus dem Aufbau und der Form ersichtlich sind.
Die instrumentierenden Mitarbeiter müssen sowohl die verschiedenen Grund- und Zusatzinstrumente einer chirurgischen Fachdisziplin als auch deren Funktion kennen. Sie sollten darauf achten, dass jedes Instrument korrekt entsprechend seiner Funktion eingesetzt und sorgfältig behandelt
wird, um einen vorzeitigen Verschleiß oder sogar Beschädigungen zu vermeiden. Instrumente sind ein erheblicher Teil
des Investitionsvolumens eines Krankenhauses – ihr Wert
muss lange erhalten werden.
Der Umgang mit dem Instrumentarium muss eingeübt
werden, anfangs erscheint es schwierig, die Instrumente so
anzureichen, dass der Operateur sie sofort einsetzen kann.
Die sterile Assistenz verfolgt die gesamte Operation konzentriert, um rechtzeitig Materialien anzureichen oder neue
anzufordern. Dazu muss gleichzeitig immer der Vorrat bekannt sein, der Springer rechtzeitig beauftragt werden, neue
Materialien bereitzustellen. So können Verzögerungen und
sogar Unterbrechungen der Operation vermieden werden.
Auftretende Komplikationen müssen zeitnah beherrscht werden können.
Die optimale Kommunikation mit dem Springer kann in
vielen Situationen
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