Fältelung keinen Anteil.
An die Submukosa grenzt eine stark ausgebildete Muskelschicht, die Muskularis. Sie besteht aus glatter Muskulatur
und teilt sich in die innere Ringmuskulatur und in die äußere
Längsmuskulatur auf. Zwischen diesen beiden Schichten verläuft ein starkes Nervengeflecht (Plexus myentericus Auerbach), das beide Schichten steuert. Die Hauptaufgabe liegt in
der Durchmischung und dem Weitertransport des Nahrungsbreis.
Die äußere Schicht der Darmwand ist die Serosa. Sie ist
entweder locker mit der Umgebung oder direkt mit dem Peritoneum verwachsen. Der Bauchfellüberzug erlaubt dem
Darm eine großzügige Beweglichkeit. Die Serosa schützt den
Darm von innen und von außen. Die Darmserosa ist durchlässig, was z. B. bei einer Durchwanderungsperitonitis eine
große Rolle spielt.
j
jDünndarm
Der Dünndarm (Intestinum tenue) ist mit mehr als 3 Metern
der längste Teil des Verdauungstrakts und gliedert sich in drei
Abschnitte, welche fließend ineinander übergehen. Er verbindet Magen und Dickdarm und hat die Hauptaufgabe, den
ankommenden Nahrungsbrei weiter zu verdauen und die Resorption der Nahrungsbestandteile zu ermöglichen. Auch die
Rückresorption von Gallensalzen und die Sekretion von
Amylasen und Proteinasen gehören zu den Funktionen.
171
7.6 · Dünn- und Dickdarm
Die Passage dauert 3–4 Stunden. Täglich resorbiert der
Dünndarm 9 Liter Flüssigkeit.
Der erste Teil, das Duodenum (Zwölffingerdarm), ist ca.
25 cm lang und beginnt am Magenausgang, dem Pylorus. Es
schlingt sich in Form eines «C» um den Pankreaskopf und
beherbergt in diesem absteigenden Teil die Papilla Vateri.
Nach einem weiteren horizontalen Verlauf macht das Duodenum einen scharfen Knick (Flexura duodenojejunalis) und
geht dann ins Jejunum über. Als Aufhängung dient dem
Duodenum hier das sog. Treitz-Band. Das Duodenum liegt
größtenteils retroperitoneal. Es ist der Ort des höchsten Stoffwechsels, denn hier werden Eiweiße und Kohlenhydrate aufgespalten und die Nährstoffe ins Blut geleitet. Im Duodenum
kommt es zusätzlich zur Neutralisierung des sauren Speisebreis aus dem Magen.
Das Jejunum (Leerdarm), der mittlere Teil des Dünndarms, ist ca. 1,2 m lang und liegt intraperitoneal. Das Jeju
num ist über eine Aufhängung, das Mesenterium, an der
Rückseite der Bauchwand befestigt. In diesem laufen Blutund Lymphgefäße sowie Nerven.
Das Ileum (Krummdarm), der unterste Teil des Dünndarms, geht ohne Trennungslinie aus dem Jejunum hervor. Es
ist ca. 1,5–2 m lang und hängt ebenfalls am Mesenterium.
Hier findet u. a. die Resorption von Gallensäure sowie die
Aufnahme von Vitamin B12, mit Hilfe des Intrinsic factors aus
dem Magen statt. Einige wenige Menschen besitzen am terminalen Ileum, ca. 50 cm von der Ileozäkalklappe, ein Meckel-Divertikel, eine Ausstülpung aus dem Darmlumen.
Um die lebenswichtigen Absorptionsprozesse im Dünndarm zu gewährleisten, weist die Schleimhaut eine starke Faltung auf, die eine Oberflächenvergrößerung auf bis zu 200 m²
bewirkt. Gegen Ende des Ileums nimmt diese starke Faltung
immer mehr ab, es finden sich verstärkt Lymphfollikel (PeyerPlaques) in der Schleimhaut, die im Sinne der Immunabwehr
eingedrungene Krankheitserreger abtöten sollen.
j
jDickdarm
Der Dickdarm (Intestinum crassum) als letzter Teil des Verdauungstraktes hat eine Länge von ca. 1,5 m. Der Dickdarm
umgibt den Dünndarm wie ein Rahmen.
Wir sprechen von drei Abschnitten:
44Zäkum (Blinddarm) mit Appendix vermiformis (Wurmfortsatz),
44Kolon (Grimmdarm): Colon ascendens, Colon transversum, Colon descendens, Colon sigmoideum,
44Rektum (Mastdarm).
Ein wichtiges Ventil ist die Ileozäkalklappe (Valva ileocae
calis), welche auch Bauhin’sche Klappe genannt wird. Sie
verhindert den Rückfluss von Dickdarminhalt in den
Dünndarm. Gebildet wird sie von der Ringmuskulatur des
Ileums. Schließt sie nicht richtig, kommt es durch die
unterschiedliche Bakterienflora in Dünn- und Dickdarm zu
Entzündungen im Ileum. Eine der Hauptaufgaben des
Dickdarms ist die Rückresorption von Wasser und Elektrolyten, dazu verbleibt der Nahrungsbrei zwischen 10 und
90 Stunden.
Die Schleimhaut des Dickdarms besitzt keine Zotten, sondern halbmondförmige Kontraktionsfalten, die Plicae semilunares coli. Diese wandern mit der Peristaltik, da sie an die
Ringmuskulatur des Dickdarmes gebunden sind.
Zu den Hauptaufgaben des Dickdarms zählen:
44Rückresorption von Wasser und Elektrolyten ins
Blut,
44Speicherung des Stuhls bis zur Entleerung,
44Sekretion von Schleim,
44Abwehr von Bakterien und Krankheitserregern,
44Spaltung der Eiweiße und Kohlenhydrate durch
die physiologische Bakterienflora.
Die arterielle Blutversorgung des oberen Duodenums erfolgt über die A. pancreaticoduodenalis, die aus der A. hepatica communis und schließlich aus dem Truncus coeliacus
stammt. Die untere Duodenalhälfte bis zur linken Flexur wird
von der A. mesenterica superior versorgt. Folgende Äste gehen aus ihr hervor:
44A. ileocolica,
44A. colica dextra,
44A. colica media.
Vom Colon descendens bis zum oberen Rektum versorgt die
A. mesenterica inferior das Gewebe. Aus ihr treten hervor:
44A. colica sinistra,
44Aa. sigmoideae,
44A. rectalis superior.
Alle diese Arterien teilen sich auf dem Weg zum Darm in zwei
oder mehr Äste auf. Sie verbinden sich mit Ästen anderer
Arterien und bilden die sog. Arkade. Die arteriellen Verbindungen zwischen Ästen der Aa. mesenterica superior und
inferior sind als Riolan-Anastomosen bekannt (. Abb. 7.14).
Das mittlere und untere Rektum versorgen die Aa. rectalis
mediae und die Aa. rectalis inferiores, die aus der A. iliaca
interna hervorgehen.
Die venöse Ableitung des O2-armen und nährstoffreichen Blutes erfolgt über die V. mesenterica superior und
V. mesenterica inferior, welche in die Pfortader münden.
Die anatomische Übersicht über die Gefäßversorgung der
einzelnen Kolonabschnitte fasst . Abb. 7.14 zusammen.
7.6.1
Appendizitis
Eine Appendizitis ist die Entzündung des Wurmfortsatzes; im
Volksmund fälschlicherweise als «Blinddarmentzündung»
bezeichnet. Häufig tritt sie akut auf. Kommt es immer wieder
zu leichten Beschwerden, handelt es sich um eine rezidivierende chronische Form. Die Appendizitis kann in jedem Lebensalter auftreten. Ursache für eine Infektion kann u. a. der
Verschluss des Appendixlumens durch Kotsteine oder Narbenstränge sein. Seltener sind Tumoren, Fremdkörper oder
Würmer ursächlich.
Da die Schleimhaut des Wurmfortsatzes ständig Sekret
produziert, steigt durch das Hindernis der Druck in der Ap-
7
172
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
Als Komplikationen sind die Perforation des entzündeten
Wurmfortsatzes mit nachfolgender Peritonitis und ggf. eine
Abszessbildung oder die Entwicklung eines appendikularen
Infiltrats im rechten Unterbauch zu nennen.
5
1
2
3
j
jKonventionelle Appendektomie
OP-Ablauf: Konventionelle Appendektomie
6
4
7
7
..Abb. 7.14 Anatomische Übersicht über die Gefäßversorgung der
Kolonabschnitte, 1 = Aorta abdominalis (2 = A. mesenterica sup., 3 = A.
Ileocolica, 4 = A. colica dextra, 5 = Riolansche Randarkade, 6 = A. mesenterica inferior, 7 = A. rectalis superior) Aus: Siewert JR, Rothmund M,
Schumpelick V (2010) Praxis der Viszeralchirurgie Onkologische Chirurgie, 3. Auflg. Springer, Berlin Heidelberg New York S. 694
pendix an, weil dieses Sekret nicht über den Dickdarm abfließen kann. Durch die Drucksteigerung kommt es zur Verschlechterung der lokalen Durchblutung und folglich zur
verminderten O2-Versorgung. Somit treten Gewebsschädigungen auf, die einen optimalen Nährboden für Bakterien
bilden. Es kommt innerhalb von 24–36 Stunden zur Ausbildung eines Gangräns und so zu einer akuten Entzündungs
reaktion. Gefahr eines akuten Verlaufs ist immer eine Perforation mit der Möglichkeit einer Bauchfellentzündung, einer
Peritonitis.
Der Patient kann unterschiedliche Symptome zeigen, differenzialdiagnostisch kommen Gastroenteritis, rechtsseitige
Nierenkolik, gynäkologische Krankheiten usw. in Frage. Als
hinweisendes Zeichen gilt ein zunächst ziehender, oft kolikartiger Schmerz im Oberbauch, der zum Nabel «wandert».
Meist folgt eine Schmerzverlagerung in den rechten Unterbauch, jedoch können durch eine individuelle Lokalisation
der Appendix die Schmerzpunkte bei jedem Patienten unterschiedlich sein. Der Dauerschmerz verstärkt sich beim Gehen, Linderung tritt ein beim Beugen des rechten Beins.
Die Diagnostik einer akuten Appendizitis basiert überwiegend auf dem klinischen Bild. Eine Anamneseerhebung
und die Untersuchung des Abdomens (Loslassschmerz, McBurney- und Lanz-Zeichen) liefern in der Regel ausreichend
Hinweise für eine Diagnose. Die Sonographie des Abdomens
(sichtbare Appendix, freie Flüssigkeit rechts) und laborchemische Blutuntersuchung (Leukozytose und CRP-Erhöhung)
komplettieren die diagnostischen Maßnahmen.
55 Beim Wechselschnitt nach McBurney (. Abb. 7.1,
7 Abschn. 7.1.1) werden im rechten Unterbauch die
Haut und die darunter liegenden Faszien und Muskeln durchtrennt, ggf. auseinander gespreizt. Nach
Einsetzen der Wundhaken wird das Zäkum mit der
Appendix aufgesucht, die nach Möglichkeit vor die
Bauchdecke luxiert werden.
55 Das Mesenteriolum wird mit einer Klemme gefasst.
Im Mesenteriolum befindet sich die A. appendicularis. Das Mesenteriolum wird deshalb zwischen zwei
Klemmen durchtrennt und dann mit einer Ligatur,
besser mit einer Durchstechung versorgt.
55 Im Anschluss wird das Mesenteriolum bis zur Appendixbasis mit Overholt und Schere skelettiert. Die Basis wird mit einer Klemme (meist Kocher- oder Overholt-Klemme) abgeklemmt, das Gewebe ligiert und
mit Schere oder Skalpell durchtrennt. Es folgt eine
Stumpfdesinfektion (z. B. PVP-Lösung).
55 Nun kann der Appendixstumpf mit einer Tabakbeutelnaht im Zäkum versenkt und mit einer Z-Naht gesichert werden.
55 Nach erfolgter Zählkontrolle wird die Wunde schichtweise verschlossen.
j
jLaparoskopische Appendektomie
>>Im Aufklärungsgespräch wird dem Patienten u. a. er-
klärt, dass eine Laparotomie als Erweiterung des Eingriffs möglich ist. Diese Tatsache muss auch dem OPPersonal immer präsent sein.
OP-Ablauf: Laparoskopische Appendektomie
55 Der Patient wird auf einem geraden Tisch in Rückenlage mit leichter Neigung nach links gelagert. Möglich ist auch eine Lagerung mit gespreizten Beinen.
Wichtig ist jedoch die Kopftieflage (Trendelenburg).
Hierbei ist auf eine sichere Fixierung des Patienten zu
achten. Beide Arme werden angelagert (7 Abschn.
4.5). Ist die Blutstillung mit monopolarem Strom geplant, wird die Neutralelektrode am rechten Oberschenkel befestigt.
55 Wir bereiten für diesen Eingriff Grund- und Laparo
skopieinstrumentarium vor. Darin enthalten sind die
Veress-Nadel, Kameraoptik (z. B. 30°), Kaltlichtkabel,
Insufflationssystem, MIC-Instrumente wie Tasthaken,
laparoskopische Overholt-Klemme, Fasszangen,
173
7.6 · Dünn- und Dickdarm
Schere und evtl. ein Nadelhalter. Die Trokare (11 mm,
5 mm) können als Mehrweg- wie auch als Einweg-Instrumente vorhanden sein. Ein Bergebeutel und je
nach Bedarf ein linearer Cutter oder eine RoederSchlinge zum endoskopischen Gebrauch werden bereitgelegt. Selten kommt eine Ultraschallschere für
den 5-mm-Trokar zum Einsatz. Die Materialien werden gezählt und auf ihre Funktion getestet, der Endoskopie-Turm wird positioniert und gemäß MPG getestet (7 Abschn. 2.1 und 7 Abschn. 2.2).
55 Unmittelbar vor dem Eingriff wird der Bauch rasiert
und der Bauchnabel gründlich gereinigt.
55 Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird die
Hautdesinfektion zwischen Sternumende und
Schambein durchgeführt und der Patient nach Standard steril abgedeckt. Kabel und Schläuche werden
an den Springer abgegeben und mit den Geräten am
MIC-Turm konnektiert. Wenn nötig wird das Kamerakabel in einer sterilen Folie verpackt und die Optik
konnektiert. Alternativ wird ein steriles Kamerasystem (EndoEye) benutzt.
55 Mit einem spitzen Skalpell wird supraumbilikal
(oberhalb des Bauchnabels) eine Stichinzision für
den 11er-Trokar gesetzt, die Bauchdecke mit 2
spitzen Backhaus-Klemmen angeklemmt und angehoben. Nach dem Einstich der Veress-Nadel wird
immer ein Sicherheitstest durchgeführt: Lässt sich
NaCl-Lösung mittels Spritze leicht einbringen und
wird kein Blut, sondern Luft aspiriert, so sitzt die
stumpfe S pitze der Nadel in der Bauchhöhle. Ein
sofortiger Druckanstieg am CO2-Insufflator weist auf
eine Fehllage hin.
55 Nach der Insufflation von CO2 wird der Trokar für die
Kameraoptik eingebracht und eine Exploration
durchgeführt. Danach folgt das Einbringen der beiden anderen Trokare.
55 Der Wurmfortsatz wird aufgesucht und an seiner
Spitze mit einer atraumatischen Fasszange gefasst.
Zunächst wird das Mesenteriolum skelettiert und die
A. appendicularis aufgesucht und koaguliert, ggf.
zwischen Clips durchtrennt.
55 Nun wird basisnah eine Röder-Schlinge platziert
und zugezogen. Oberhalb dieser Schlinge erfolgen
eine Koagulation und die Durchtrennung der koagulierten Stelle mit einer Schere. Anstelle einer RoederSchlinge kann zum Absetzen des Wurmfortsatzes
und zum Durchtrennen der A. appendicularis ein
endoskopisches lineares Klammernahtgerät benutzt
werden.
55 Die Entfernung des Wurmfortsatzes erfolgt mittels
Bergebeutel über den 11er-Trokar, um eine Infektion
der Bauchdecke zu vermeiden. Meist muss die Trokar
inzision auf 15 mm oder 20 mm erweitert werden.
55 Nach der abschließenden Blutstillung und ggf. Spülung und Absaugung kann bei Bedarf eine Drainage
(7 Abschn. 4.12.1) eingelegt werden. Nach korrekter
Zählkontrolle erfolgt die Entfernung der Trokare unter
Sicht. Das Ablassen des Gases minimiert die postoperativen Schmerzen. Bei großen Bauchwanddefekten
muss eine Fasziennaht gelegt werden. Die Hautnaht
und Pflasterverbände beenden den Eingriff.
Besondere Vorsicht gilt bei der Entfernung einer pathologisch
stark veränderten Appendix vermiformis. Da das Gewebe des
Wurmfortsatzes und dessen Umgebung sehr geschwollen und
hoch entzündlich ist, zerfällt dieses bei zu starker Manipulation, und die Gefahr einer Perforation steigt.
7.6.2
Ileus
Wird ein Patient mit einem Ileus ins Krankenhaus eingeliefert, leidet er unter einem Darmverschluss. Je nach Ausprägung kann dieses ein lebensbedrohliches Krankheitsbild sein,
weil die Dünndarm- oder Dickdarmpassage unterbrochen ist.
Wir unterscheiden 3 Formen eines Ileus.
j
jFormen des Ileus und deren Ursachen
44Mechanischer Ileus
Er entsteht durch ein Hindernis und wird, je nach
Ursache der Passagestörung, unterteilt:
55Okklusionsileus (durch Verlegung):
–– bei Obturation (Verlegung) durch z. B. Polypen,
Kotballen, Würmer, Fremdkörper, Gallensteine,
–– bei Kompression (Verdichtung) durch z. B. Verwachsungen (Bridenileus), Abknickungen,
Tumoren von Nachbarorganen.
55Strangulationsileus mit Durchblutungsstörungen
der Mesenterialgefäße:
–– bei inkarzerierten Hernien (Einklemmung),
–– bei Volvulus (Stieldrehung),
–– bei Invagination (Einstülpung).
44Paralytischer Ileus
55Er entsteht durch eine Darmlähmung, häufig als F
olge
von:
–– Entzündungen, z. B. Appendizitis, Divertikulitits,
chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED),
Peritonitis.
55Oder er entsteht reflektorisch bei anderen Organ
leiden, z. B. Nierenkolik, Gallenkolik, Blutung.
55Metabolisch, z. B. bei Urämie, Hypokaliämie.
55Vaskulär, z. B. Mesenterialinfarkt.
55Toxisch, z. B. Medikamente, Toxine.
44Sonderformen
55Kombinationsileus (ein unbehandelter länger bestehender mechanischer Ileus führt zum paralytischen
Ileus).
55Spastischer Ileus, z. B. bei Bleivergiftung.
55Neugeborenenileus, z. B. durch Fehlbildung des
Darmes, Mekoniomstau (7 Kap. 18).
7
174
7
Kapitel 7 · Allgemein- und Viszeralchirurgie
Als Subileus bezeichnen wir langsam zunehmende Symptome oder einen unvollständigen Darmverschluss.
Zu den allgemeinen Symptomen zählen Übelkeit, Er
brechen (bis kotiges Erbrechen bei fortgeschrittenem Ileus),
Meteorismus, Fieber bis hin zu starken Schmerzen, Volumen
mangel(-schock) durch fehlende Rückresorption und Erbrechen. Die spezifische Symptomatik variiert je nach Form des
Ileus. Bei einem mechanischen Ileus kommt es zur Hyper
peristaltik; bei einem paralytischen Ileus zum Fehlen jeglicher
Darmgeräusche.
Diagnostisch wird neben der Anamnese eine Abdomenübersichtsröntgenaufnahme im Stehen und in Linksseitenlage
durchgeführt; erkennbar sind hier Darmschlingen mit Flüssigkeitsspiegeln. Die Sonographie, Blutuntersuchungen, Kontrastmitteldarstellung des Darms und evtl. CT des Abdomens
und des Beckens dienen der weiterführenden Diagnostik.
Wichtige erste Therapieansätze sind das Legen einer Magensonde und eine Infusion zum Ausgleich des Flüssigkeitsund Elektrolytverlusts. Weitere Maßnahmen richten sich
nach der Art des Ileus.
44Mechanischer Ileus:
55Die erste Wahl ist eine schnellstmögliche Operation
mit dem Ziel, das Hindernis zu beseitigen und die
Darmpassage wiederherzustellen. Hierbei genügen
evtl. die Längsinzision des Darms an der betroffenen
Stelle, die Entfernung des Hindernisses und der
Querverschluss des Darmlumens. Meist muss jedoch
das betroffene Darmsegment reseziert werden und
die Enden neu anastomosiert werden.
44Paralytischer Ileus:
55Erst wird konservativ therapiert unter Berücksichtigung der Grunderkrankung. Nur bei einer Darmperforation ist eine Operation angezeigt.
Als Komplikation tritt eine Minderdurchblutung auf, die zum
Absterben des Darmanteils sowie zur Abnahme der Barrierefunktion führen kann. Bakterien und Giftstoffe durchwandern somit leicht die Darmwand und es kann zu einer Peritonitis, einer Sepsis und zum Schock kommen.
7.6.3
Chronisch entzündliche
Darmerkrankungen (CED)
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind
wiederkehrende oder kontinuierliche entzündliche Krankheiten des Darms. Hierbei sind der Krankheitsverlauf und die
Schwere sehr unterschiedlich. Die Erkrankung tritt in der Regel schubweise auf. Phasen hoher Entzündungsaktivität
wechseln mit langen Abschnitten relativer Gesundheit (Remission). Allerdings gibt es auch Patienten mit ständiger Aktivität (chronisch aktiv). Die häufigsten Formen sind Colitis
ulcerosa und Morbus Crohn. Seltener sind die kollagene und
lymphozytäre Colitis.
Wir unterscheiden drei Verlaufsformen:
44Bei der chronisch-rezidivierenden Form (85% aller Betroffenen) treten immer wieder Symptome auf. Auslöser
sind meist körperliche und psychische Belastungen. Zwischen den aktiven Phasen kommt es immer wieder zur
Remission (Rückgang der Krankheit).
44Die chronisch-kontinuierliche Form (10%) geht einher
mit wechselnden Beschwerden ohne Remission.
44Bei der akut fulminanten Form (5%) kommt es zum
plötzlichen Krankheitsbeginn. Es treten starke Diarrhöen,
Bauchschmerzen und Fieber bis hin zum Schock auf.
Colitis ulcerosa
Die Colitis ulcerosa bleibt auf den Dickdarm beschränkt. In
den meisten Fällen beginnt sie im Bereich des Rektums oder
des Sigmas und breitet sich dann kontinuierlich nach oral aus.
Hierbei ist die Mukosa des Dickdarms, seltener die Submukosa, betroffen. Es kommt zur diffusen Rötung und Geschwürbildung.
Die Colitis ulcerosa kann in jedem Alter auftreten, der
Häufigkeitsgipfel ist jedoch zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, wobei Männer und Frauen gleichermaßen oft betroffen sind.
Die Ursache der Colitis ulcerosa ist weitestgehend unbekannt. Diskutiert werden eine genetische Disposition, autoimmunologische Prozesse gegen die eigene Darmflora und Genmutationen. Umweltfaktoren, wie z. B. die Ernährung, ein
unzureichender Hygienezustand oder das Rauchen werden,
wie auch psychosomatische Faktoren, diskutiert. Stress und
seelische Belastungen wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus und sind sogar Auslöser aktiver Schübe. Der Patient leidet unter blutigen und schleimig-eitrigen Diarrhöen
sowie unter vermehrtem Stuhlgang (bis zu 40-mal pro Tag).
Trotzdem bleibt ein Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung.
Tenesmen (beständiger schmerzhafter Harn- und Stuhldrang), starke Blähungen, eine Gewichtsabnahme einhergehend mit körperlicher Schwäche ist ebenso vorhanden, wie
eine Dehydratation (Austrocknung).
Mangelerscheinungen (Proteine, Kalium, Natrium, Kalzium, Folsäure) treten ebenso wie eine Anämie durch den ständigen Blutverlust auf. Koliken und Fieber kommen in Schüben. Zusätzliche Begleiterkrankungen sind vielfältig; Arthritis, Erythema nodosum, Uveitis, Cholangitis, Osteoporose
oder Osteopenie sind möglich.
Komplikationen können massive Blutungen oder perianale Abszesse sein. Immer besteht die Gefahr der Darmperforation und eine damit einhergehende Peritonitis. Durch die
Entzündung ist die Darmwand durchlässig für die Durchwanderung von Bakterien. Werden Nerven in der Darmwand
zerstört, führt das zur Unbeweglichkeit des Darms. Das sog.
toxische Megakolon ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der
im schweren, akuten Schub auftreten kann. Es kommt durch
Paralyse des Kolons zur massiven Dilatation (Erweiterung:
total oder segmental). Des Weiteren können u. a. Sepsis oder
auch ein Schockzustand auftreten.
Das Risiko der Entstehung eines kolorektalen Karzinoms
ist 10-mal höher als bei gesunden Menschen, ebenfalls wird
ein erhöhtes Risiko eines Cholangiokarzinoms angegeben.
Zur Diagnostik gehören die Anamnese und eine klinische
Untersuchung. Die Blutuntersuchungen zeigen ein erhöhtes
175
7.6 · Dünn- und Dickdarm
C-reaktives Protein (CRP), eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und eine hohe Leukozytenzahl. Die Sonographie und das Röntgenbild (mit Kontrastmittel) erhärten
die Diagnose.
Eine Koloskopie mit Stufenbiopsien und anschließender
feingeweblicher Untersuchung gibt Aufschluss über das Stadium der Erkrankung (7 Kap. 21). Diese darf jedoch im akuten Schub wegen des erhöhten Perforationsrisikos nicht
durchgeführt werden.
Als Therapie gilt primär eine konservative Behandlung als
sinnvoll. Bei der diätetischen Therapie soll der Patient auf
aggressive, entzündungsfördernde Mittel, wie Alkohol oder
scharfe Nahrungsmittel, verzichten. Ratsam sind entzündungshemmende Nahrungsmittel, wie Omega-3-Fettsäuren
oder Blaubeeren.
In der medikamentösen Therapie wird die orale oder rektale Gabe von Medikamenten bevorzugt. Bei Verschlimmerung der Erkrankung und des Allgemeinzustands des Patienten, bei Auftreten von Komplikationen oder beim Ausbleiben
von Remissionen sowie bei nicht medikamentös heilbarer
Kolitis ist eine chirurgische Therapie indiziert. Als wichtige,
aber seltene
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