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coinad

4/6/26

 Operationsindikation, sind die Wachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen zu nennen, die trotz

optimaler medikamentöser Therapie auftreten. Nach der

Opera­tion weisen diese Patienten wieder ein normales Wachstum auf («Catch-up-Phänomen»). Weitere absolute OP-Indikationen sind z. B. Karzinome oder hochgradige Dysplasien.

Prinzipiell ist die Colitis ulcerosa heilbar, bei ⅔ aller Pa­

tienten sogar mit Kontinenzerhalt. Hierfür ist jedoch eine

totale Entfernung des Dickdarms und des Rektums (Proktokolektomie) nötig. Im Weiteren kommt es zur Anlage eines

ileoanalen Pouches, einem künstlichen Enddarm mit Reservoirfunktion. Dieser besteht aus Dünndarm. In einigen Fällen

ist die Anlage eines Ileostomas nicht zu vermeiden.


Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronisch vernarbende Entzündung,

die meist alle Darmwandschichten betrifft. Diese tritt häufig

im terminalen Ileum und im Dickdarm auf, kann jedoch, anders als Colitis ulcerosa, den gesamten Magen-Darm-Trakt

befallen. Synonyme sind Ileitis terminalis, Enteritis regionalis

Crohn und Enterocolitis regionalis. Charakteristisch ist die

Entzündung eines Teils oder mehrerer Segmente mit dazwischen liegenden gesunden Abschnitten. Der Morbus Crohn

ist bislang nicht heilbar.

Wie bei Colitis ulcerosa ist die Ursache der Erkrankung

unbekannt. Vermutet werden immunologische, psychische

und genetische Faktoren. Auch Umweltfaktoren wie Rauchen

und bestimmte Ernährungsgewohnheiten können die Ursache darstellen.

Die Patienten leiden unter schleimigen, wässrigen, selten

blutigen Diarrhöen. Es können Fisteln zur Bauchdecke wie

auch zwischen den Darmabschnitten entstehen. Patienten berichten vom «schmetterlingsartigen Kribbeln», das nach dem

Toilettengang verschwindet.

Vernarbungen am Darm führen zu Stenosen, die zum mechanischen Ileus führen können. Aufgrund eines funktionel-


len Kurzdarmsyndroms (eine drastische Verkleinerung der

Verdauungsoberfläche) kommt es zur Verschlechterung des

Allgemein- und Ernährungszustands der Patienten. Es treten

Anämien auf. Der Leukozytenanstieg zeigt bei der Blutuntersuchung das Vorliegen einer Entzündung. Der Patient ist

müde, hat Fieber, ist appetitlos.

Als Komplikationen können intestinale Blutungen und

Stenosen auftreten. Abszesse und Fisteln entstehen, da sich

die Entzündung durch die Wandschichten fortsetzt. Es besteht ein erhöhtes lokales Karzinomrisiko.

Die Diagnostik ähnelt der bei der Colitis ulcerosa beschriebenen. In der Sonographie ist eine segmentale Verdickung der Darmwand sowie im Röntgen das sog. «Gartenschlauchphänomen» (durch Vernarbung verursachte Stenosen) erkennbar. Die Koloskopie zeigt das typische «Plastersteinrelief»: abwechselnder Befall zwischen entzündlichen

Schleimhautarealen und tief ulzerierenden Arealen.

Die Therapie bei Morbus Crohn besteht in einer primär

konservativen. Bei der Ernährung sollten die Patienten auf

Nahrungsmittelunverträglichkeiten achten und bestimmte

Nahrungsmittel meiden. Im akuten Schub ist eine ballaststoffarme Kost zu empfehlen. Möglicherweise wird eine

­parenterale Ernährung notwendig. Der Mangel an bestimmten Nährstoffen sollte durch Nahrungsergänzungsmittel behoben werden. Lindernde Medikamente werden in der Regel

oral oder rektal verabreicht.

Bei Versagen der konservativen Therapie muss chirurgisch interveniert werden. Auch zur Vermeidung und Behandlung von Komplikationen (Stenosen, Fisteln, Abszesse,

Perforation) muss operativ vorgegangen werden. Da der Allgemein- und Ernährungszustand bei vielen M.-Crohn-Patienten eher schlecht ist, ist ein operativer Eingriff die letzte

Option, da mit einem hohen perioperativen Komplikationsrisiko gerechnet werden muss.

Als Prinzip der chirurgischen Therapie bei Morbus Crohn

gilt, soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu resezieren.

Deshalb wird, im Gegensatz zur Colitis ulcerosa, nur der betroffene Darmabschnitt entfernt. Die Rezidivrate liegt bei

40%. Eine Anastomose bei Morbus Crohn soll besonders

sorgsam angelegt werden. Es gibt Berichte, dass die Titanklammern die Fistelbildung begünstigen können, daher wird

eine genähte Anastomose bevorzugt. Nach der Resektion ist

die Anlage e­ines temporären künstlichen Darmausgangs

möglich, um die dahinterliegende Anastomose zu schützen.

Dieser kann nach Verbesserung des Ernährungszustands und

kompletter Abheilung der Anastomose wieder zurück verlegt

werden.

Bei einem ausgeprägten entzündlichen Kolonbefall ist die

Entfernung des gesamten Kolons, die Proktokolektomie, mit

der Anlage eines ileoanalen Pouches möglich. Das Risiko eines Pouchversagens ist hier jedoch deutlich höher als bei der

Colitis ulcerosa.

Bei einer optimal eingestellten konservativen Therapie hat

der Patient eine normale Lebenserwartung, allerdings ist die

Häufigkeit der Schübe ungewiss und eine Heilung nicht möglich. Des Weiteren sind die Rezidivrate der Erkrankung und

dessen Komplikationen hoch.


7


Kapitel 7 · Allgemein- und ­Viszeralchirurgie


176


..Tab. 7.1


7


Unterscheidungsmerkmale der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa


Morbus Crohn


Lokalisation


Auf Dickdarm beschränkt

Vom Rektum/Sigma nach oral ausbreitend

Meist Mukosa


Den gesamten Verdauungstrakt betreffend

Abschnittsweiser Befall

Alle Wandschichten betreffend


Symptome


Blutige, schleimig-eitrige Diarrhoen

Vermehrter Stuhlgang (bis zu 40/d)

Gefühl inkompletter Stuhlentleerung

Tenesmen


Schleimig wässrige Diarrhoen (selten blutig) bis zu 6/d

«Schmetterlingsartiges Kribbeln»

(Anal-)Fisteln


Komplikationen


Massive Blutungen

Perianale Abszesse

Toxisches Megakolon

Sepsis


Intestinale Blutungen

Stenosen

Abszesse

Konglomerattumoren


Gefahr


Perforation

Karzinom


Perforation

Karzinom


. Tab. 7.1 fasst die Unterscheidungsmerkmale und Gemeinsamkeiten der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusammen.


7.6.4


Divertikel


Mit dem Begriff Divertikel wird eine umschriebene Aussackung/Ausstülpung der Darmwand beschrieben. Dabei werden zwei Formen unterschieden:

44echte Divertikel, bei dem alle Wandschichten ausgestülpt sind sowie das

44falsche Divertikel, einer Ausstülpung von Schleimhaut­

arealen.

Eine Divertikulose beschreibt das Auftreten mehrerer Divertikel, v. a. im Colon descendens (absteigender Dickdarm) und

im Sigma. Diese entstehen durch eine Darmwandschwäche in

Kombination mit erhöhtem Darminnendruck. Begünstigend

wirken ballaststoffarme Ernährung, Obstipation, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Als Divertikulitis bezeichnen wir die Entzündung der

ausgestülpten Wand, meist mit Umgebungsreaktionen.

Die Erkrankung verläuft in der Regel lange symptomlos,

später kommt es zu krampfartigen Schmerzen. Völlegefühl,

Übelkeit, Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen sind eher

unspezifische Symptome. Da diese ähnlich einer Appendizitis

sind, wird die Divertikulitis auch häufig «Linksappendizitis»

genannt. Wenn der Arzt eine Tastuntersuchung durchführt

(Palpation), fühlt er eine walzenförmige Resistenz im linken

Unterbauch.

Die Diagnose wird durch eine Anamnese, klinische Untersuchung, Blutuntersuchungen, Sonographie und eine CT-Untersuchung des Abdomens mit rektaler Kontrastmittelfüllung

gestellt. Eine Koloskopie sollte in einem entzündungsfreien

Intervall durchgeführt werden. Damit können ggf. weitere pathologische Befunde im Darm verifiziert werden. Die ersten

Schübe und leichteren Verläufe werden konservativ mit Antibiotika und einer Ernährungsumstellung behandelt.


Bei Rezidiven und schweren Verläufen ist über eine Resektion des betroffenen Darmabschnitts im symptomfreien

Intervall nachzudenken. Bei hochakuten Prozessen (Darmperforation in die freie Bauchhöhle, Darmverschluss durch

entzündliche Stenose, Blutung aus dem Divertikel) ist eine

Darmresektion und evtl. die vorübergehende operative Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Anus praeternaturalis)

nötig.

Die Prognose ist eher günstig.

>>Divertikel können schon bei leichter Manipulation per-


forieren. Befinden sich ein oder mehrere Divertikel im

Anastomosenbereich, besteht die erhöhte Gefahr einer

Anastomoseninsuffizienz.


7.6.5


Polyposis


Als Polyp bezeichnen wir einen benignen Tumor, der von

der Darmschleimhaut ausgeht. Ist von einer Polyposis intestinalis die Rede, sind mehr als 100 Polypen zu finden. Die

gestielten, zottigen oder breitbasigen Polypen sind zu

95% gutartig, die Entstehungsursache ist nicht ganz klar.

Die Polypen bleiben sehr lange symptomlos und werden eher

zu­fällig bei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. Bei großen

Polypen kann es bei Stuhlgang Blutauflagerungen in geringen Mengen, Schleimabsonderungen, wechselnde Stuhlge­

wohnheiten und Passagestörungen mit Schmerz und Koliken

geben.

Eine flexible Koloskopie mit Probenentnahme ist bei

Darmpolypen die Untersuchung der Wahl. Die meisten Polypen können und sollen endoskopisch abgetragen werden.

Danach sollten in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Ist der Polyp durch eine Endoskopie nicht abzutragen, ist eine Operation indiziert. Dabei

muss der betroffene Darmabschnitt entfernt werden.

Die Gefahr der Entartung (v. a. bei familiären Polyposen

meist nach 15–20 Jahren) oder die Entwicklung eines Ileus

können mögliche Komplikationen darstellen.


177

7.6 · Dünn- und Dickdarm


–– Weiche Darmklemmen (. Abb. 7.15), welche an


..Abb. 7.15 Weiche Darmklemme nach Kocher. (Mit freundlicher

­Genehmigung der Fa. Aesculap AG)


7.6.6


Tumoren


Dünndarmtumor

Tumoren des Dünndarms sind eher selten. Sie betreffen alle

Wandschichten und machen lange keine oder nur unspezifische Symptome. Deshalb ist die Diagnose schwierig und wird

meist zufällig gestellt. Meist ist der Tumor bei Diagnosestellung weit fortgeschritten; oft hat schon eine Metastasierung

oder ein Befall der Nachbarorgane stattgefunden.

Als Therapie kommt in erster Linie eine Resektion des

tumortragenden Darmanteils in Frage.

j

jDünndarmresektion


Der OP-Verlauf ist in der folgenden Übersicht beschrieben

(s. a. . Abb. 7.15).

OP-Ablauf: Dünndarmresektion

55 Der Patient liegt entweder in Rücken- oder selten

in Steinschnittlage (7 Abschn. 4.5). Als Instrumenta­

rium werden Grund- und Laparotomieinstrumente

vorbereitet.

55 Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird der

Patientenbauch großflächig desinfiziert und steril

­abgedeckt. Meist wird mit der medianen Ober- und/

oder Unterbauchlaparotomie der Bauchraum

­eröffnet.

55 Nach der Exploration und dem Einbringen der

Bauchwandhaken oder des Wundretraktors wird der

betroffene Darmanteil aufgesucht. Die Resektions­

linien werden mittels Gummizügeln oder Haltefäden

markiert. Hierbei ist zu beachten, dass die verbleibenden Darmanteile nach der Resektion noch gut

durchblutet werden sollen. Es wird das Mesenterium,

unter Berücksichtigung der Gefäßversorgung, keilförmig durchtrennt. Dies kann mit Overholt-Klemmen,

Ligaturen und Schere geschehen. Auch der Einsatz

einer Ultraschallschere ist möglich.

55 Bevor der Darm durchtrennt wird, sollten weiche

und harte Darmklemmen gesetzt werden. Diese verhindern den Austritt von Darminhalt und anderen

(evtl. kanzerogenen) Stoffen.


den verbleibenden Darm gesetzt werden, üben

hierbei wenig Druck auf die Darmwand aus. Somit

kommt es zu keiner Durchblutungsstörung und

keiner Gewebeschädigung, dennoch wird das

­Lumen verschlossen. Eine Anastomose im abgeklemmten Bereich ist jedoch möglich.

–– Die harten Darmklemmen werden proximal und

distal des zu resezierenden Teils gesetzt. Somit ist

das Darmlumen gut verschlossen. Hierbei wird

der Darm stark gequetscht und damit die Blutversorgung unterbrochen. Dies führt zur sofortigen

Schädigung der Darmwand. Eine Anastomose an

einem mit einer harten Klemme abgeklemmten

Darmabschnitt wäre nicht durchblutet und führte

zu einer Insuffizienz.

55 Nun folgt die Durchtrennung des Darms mittels

Schere oder Skalpell jeweils zwischen der weichen

und der harten Klemme. Das Resektat wird zur histologischen Untersuchung gegeben.

55 Im Anastomosenbereich kann eine Desinfektion mit

Jod-Tupfer erfolgen. Für die Anastomosierung der

beiden Enden wird meist ein monofiler Faden verwendet. Dieser kann als fortlaufende Naht oder als

Einzelknopfnaht eingesetzt werden.

55 Alternativ kann die Darmdurchtrennung wie auch

die Anastomosenanlage mit Hilfe eines Klammernahtgeräts durchgeführt werden. Nach der Wiederherstellung der Darmpassage sollte die Anastomose

auf ihre Dichtigkeit und Durchlässigkeit überprüft

werden. Nachdem der Mesenterialschlitz vernäht

wurde, kann nach der Spülung und Zählkontrolle der

Bauch schichtweise verschlossen werden.


>>Der Verschluss des Mesenterialschlitzes ist nach jeder


Darmresektion unbedingt erforderlich, da sich sonst

Darmanteile einklemmen und einen mechanischen

­Ileus verursachen können.


Kolonkarzinom

Kolonkarzinome sind die zweithäufigsten Tumoren in den

westlichen Ländern. Meist sind es Adenokarzinome, die aus

Polypen entstehen. Werden sie im frühen Stadium erkannt,

ist die Prognose eher gut. Eingeteilt werden auch d

­ iese Karzinome nach der TNM-Klassifikation (7 Abschn. 7.5.3):

44T1 bis T4: Ausdehnung des lokalen Tumors,

44N1 bis N3: Lymphknotenbefall,

44M1: Fernmetastasierung.

Als Symptome sind Änderungen der Stuhlgewohnheiten, ein

Wechsel von Obstipation und Diarrhö mit Blutbeimengungen im Stuhl, zu nennen. Unspezifische Bauchschmerzen

mit Leistungsabfall und Müdigkeit müssen abgeklärt werden.

Die Ileussymptomatik ist eine häufig auftretende Kompli­

kation.


7


178


7


Kapitel 7 · Allgemein- und ­Viszeralchirurgie


Zur Diagnostik wird die Anamnese erhoben. Eine Kolo­

skopie mit Biopsie sowie eine Rektoskopie können Aussagen

über das Ausmaß der Tumorerkrankung geben. Weiterführende Untersuchungen [CT, MRT, (Endo-)sonographie etc.]

helfen, das Therapiekonzept zu entwickeln.

Die Therapie beinhaltet eine Operation mit der Resektion

des betroffenen Darmabschnitts, gleichzeitig wird eine

Lymphadenektomie durchgeführt, um die regionalen Lymphknoten zu entfernen und histologisch zu bewerten. Je nach

Lokalisation wird eine Hemikolektomie rechts oder links,

eine Transversumresektion, eine Sigmaresektion oder eine

Rektumresektion oder -exstirpation durchgeführt. Bei ausgedehnten Befunden oder mehreren Tumoren wird die Resektion erweitert.

Als adjuvante (unterstützende) Therapie gilt die Chemotherapie und/oder Bestrahlung nach einem operativen Eingriff. Bei der neoadjuvanten Therapie (unterstützend vor

­einer Operation) werden diese zur Verkleinerung des Tumors

und zur Vermeidung von Fernmetasen eingesetzt.


Operationen

Zur präoperativen Vorbereitung des Patienten kann die Entleerung und Reinigung des Darms gehören, um intraoperatives Austreten von Stuhl zu vermeiden. Somit soll die Bakte­

rienbesiedlung minimiert und postoperative Wundheilungsstörungen vermieden werden.

Eine komplette Darmreinigung kann auf verschiedenen

Wegen erreicht werden. Mittel der Wahl ist das Trinken einer

Spüllösung (orthograde Reinigung). Hierbei muss der Patient

eine bestimmte Menge Lösung zu sich nehmen, wobei 1 Liter

in etwa einer ¾ Stunde getrunken werden soll. Wird die Flüssigkeit zu langsam getrunken, erfolgt kein Spüleffekt, sondern

die Resorption im Darm. Zusätzlich können retrograde

Darmspülungen oder Hebe-Schwenk-Einläufe durchgeführt

werden. Während der gesamten Prozedur sollte immer der

physische und psychische Zustand des Patienten kontrolliert

werden.

Da diese Prozedur oft sehr belastend für den Patienten ist,

wird häufig das vor ca. 15 Jahren entwickelte Fast-Track-Konzept angewendet. Dieses Behandlungskonzept dient v. a.

­einer schnelleren und besseren Rekonvaleszenz (Gesundung)

sowie dem Erhalt der Selbstständigkeit des Patienten nach

einer Operation. Die Verringerung von Komplikationen nach

Darmoperationen und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt

sind große Vorteile.

Präoperativ ist eine gute Aufklärung des Patienten nötig.

Hierbei sollte ausdrücklich auf die Mithilfe durch den Patienten hingewiesen werden. Um den Stress vor der Operation

zu verringern wird keine orthograde Darmspülung durchgeführt, sondern es genügt die Gabe eines Abführmittels oder

eines Klistiers. Auch bei der präoperativen Nüchternheit gilt,

feste Nahrung bis 6 Stunden, Tee und Wasser bis 2 Stunden

vor der Operation. Des Weiteren ist die Anlage eines Periduralkatheters zur optimalen Schmerztherapie indiziert.

Ein minimal-invasives Operationsverfahren wird bevorzugt. Die Durchführung einer intraoperativen Darmspülung

soll das Risiko einer Anastomoseninsuffizienz senken.


Eine Narkoseführung mit minimaler Volumengabe

(<4 Liter) ist genauso wichtig wie der Verzicht auf Sonden,

Drainagen und Katheter.

Postoperativ sind ein rascher Kostaufbau und eine frühzeitige Mobilisation des Patienten wichtig.

Für jede konventionell durchgeführte Darmoperation benötigen wir Grund- und Bauchinstrumentarium, bei Bedarf

mit langen Instrumenten. Mit einem Rahmensystem (nach

Kirschner, OmniTrakt, o. Ä.) kann der Bauchschnitt offengehalten werden. In einer großen Schüssel wird Spüllösung auf

Körpertemperatur angewärmt. Zur Präparation wird häufig die

HF-Chirurgie (monopolar oder bipolar) eingesetzt, aber auch

Präparationsgeräte wie LigaSure (Covidien), Ultracision oder

EndoSeal (Ethicon) kommen zum Einsatz. Zum Absetzen des

Darms benötigen wir entweder weiche und harte Darmklemmen (. Abb. 7.15) oder entsprechende Klammernahtgeräte.

Wir bereiten eine Vier-Tuch-Abdeckung vor. Bei einer

Steinschnittlagerung legen wir zusätzlich Beinlinge bereit.

Die Lagerung zu einer Darmoperation ist meist die Rückenlagerung. Bei linksseitigen Darmresektionen (Sigma- oder

Rektumresektionen) ist die Lagerung in Steinschnittlage

empfehlenswert, da häufig eine maschinelle Anastomosierung über den Anus vorgenommen wird. Auch bei videoassistierten Operationen wird die Steinschnittlagerung oder die

Lagerung mit gespreizten Beinen bevorzugt.

j

jHemikolektomie rechts


Die Hemikolektomie rechts ist eine Entfernung des gesamten

Colon ascendens inkl. rechter Kolonflexur und eines Transversumteils, des Zäkums mit Appendix und ca. 15 cm des

terminalen Ileums mit Ileocaekalklappe (. Abb. 7.16). Die


..Abb. 7.16 Resektionsausmaß bei einem Tumor des Zäkums oder

Colon ascendens mit radikulärer Ligatur der A. ileocolica und A. colica

dextra (Hemikolektomie rechts). Aus: Siewert JR, Rothmund M, Schumpelick V (2010) Praxis der Viszeralchirurgie. Onkologische Chirurgie,

3. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York


179

7.6 · Dünn- und Dickdarm


Indikation für diesen Eingriff besteht meist bei histologisch

gesicherten Karzinomen oder bei großen, endoskopisch nicht

abtragbaren Polypen, wenn eine Malignität nicht ausgeschlossen werden kann.

OP-Ablauf: Hemikolektomie rechts

55 Der Patient liegt in Rückenlage, alternativ in einer

Steinschnittlage (7 Abschn. 4.5).

55 Nach dem standardisierten Team-Time-Out wird die

Hautdesinfektion und die Patientenabdeckung durchgeführt, alle benötigten Kabel und Schläuche an den

Springer abgegeben und entsprechend k­ onnektiert.

Als Zugang wird eine mediane Unter- und Oberbauch­

laparotomie durchgeführt. Aber auch eine rechtsseitige Querlaparotomie ist möglich. Nach einer ausgie­

bigen Exploration werden die Bauchwandhaken – mit

feuchten Bauchtüchern zum Bauchdeckenschutz –

eingesetzt. Der Dünndarm wird nach links gedrängt

und die Resektionslinien festgelegt. Eine Markierung

durch Haltefäden oder Gummizügel ist hilfreich. Die

Mobilisation des Zäkum mit Appendix und des Colon

ascendens kann mit einer (bipolaren) Schere oder

­einer Ultraschallschere durchgeführt werden. Der

rechte Ureter wird identifiziert und ggf. angeschlungen, um eine Schonung zu sichern.

55 Das Aufhängeband zwischen Dickdarm und ­Leber,

Lig. hepatocolicum, wird zwischen zwei Klemmen

durchtrennt und bei Bedarf proximal umstochen.

Das Lig. gastrocolicum wird magennah zwischen

zwei Klemmen durchtrennt, das Kolon stumpf aus

dem R

­ etroperitonealraum gelöst.

55 Die versorgenden Arterien im Mesenterium, die

A. colica dextra und A. ileocolica, werden identifiziert,

dargestellt und zwischen zwei Overholt-Klemmen

durchtrennt und ligiert. Als Alternative zur Ligatur ist

der Verschluss der Gefäße mit Clips möglich. Die begleitenden Venen werden ebenso ligiert oder geclipt.

Die regionalen Lymphknoten werden en bloc entfernt und zur histologischen Untersuchung gegeben.

55 Nun wird der Bauchraum zum Kontaminationsschutz

mit feuchten Bauchtüchern ausgelegt. Das Ileum und

das Kolon werden abgeklemmt und mit Skalpell oder

Klammernahtgerät abgesetzt. (Beim manuellen Absetzen werden am verbleibenden Darmanteil weiche

Darmklemmen, am zu resezierenden Darmanteil

­harte Darmklemmen gesetzt, Durchtrennung mit

dem Skalpell zwischen harter und weicher Klemme).

55 Bei der Versorgung mittels Stapler kann auf Darmklem­

men verzichtet werden, da das Klammernaht­gerät

­beide Seiten der Darmöffnung verschließt. Das Resektat wird zur histologischen Untersuchung abgegeben.

55 Eine Desinfektion der Darmlumina mit Stieltupfer

und Jod-Lösung ist möglich.

55 Die Wiederherstellung der Darmkontinuität kann

durch eine End-zu-End-Anastomose oder eine Seit-


zu-Seit-Anastomose zwischen Ileum und Colon

­transversum hergestellt werden.

55 Methode ohne Klammernahtinstrument:

–– Die mit weichen Darmklemmen verschlossenen

Darmenden werden einander spannungsfrei

­angenähert und dann aneinander genäht (Einzelknopfnaht oder fortlaufend, zuerst die Hinterwand, dann die Vorderwand).

55 Maschinelle Methode mit einem zirkulären Klammernahtinstrument als Ileotransversostomie:

–– Die Andruckplatte im Ileum wird mit der gelegten

Tabakbeutelnaht fixiert. Am Colon transversum wird

ca. 10 cm von der Resektionslinie entfernt das Lumen eröffnet und der zirkuläre Stapler eingeführt.

–– Die Tabakbeutelnaht wird geknüpft und die An­

teile des Staplers miteinander konnektiert. Durch

das Auslösen des Klammervorgangs entsteht eine

ringförmig geklammerte Anastomose, das inte­

grierte Messer schneidet an beiden Darmanteilen

einen überstehenden Darmwandring ab.

55 Der Stapler wird entfernt und die zwei Darmwand­

ringe im Klammernahtgerät auf ihre Vollständigkeit

überprüft. Der Verschluss der Koloninzision kann mittels Naht oder mit einem linearen Stapler erfolgen.

55 Wird ein linearer Cutter gewählt, wird eine Seit-zuSeit-Anastomose angelegt.

55 Der Verschluss der Mesenteriallücke ist obligat. Nach

der Spülung des Bauchraums und der Blutstillung

folgt bei Bedarf die Einlage einer Drainage.

55 Nach der Zählkontrolle der Textilien und Instrumente

und der korrekten Dokumentation kann der schichtweise Wundverschluss erfolgen.


Eine weitere Methode der Entfernung eines Dickdarmanteils

wird hier anhand einer Sigmaresektion beschrieben.

j

jVideoassistierte Sigmaresektion mit transanaler

­Anastomose

>>Bei einer minimal-invasiv durchgeführten Sigmaresek-


tion (. Abb. 7.17; s. auch . Abb. 7.18) muss sich das

OP-Personal auch auf einen Umstieg auf das konven­

tionelle OP-Verfahren vorbereiten.


Der Patient ist über diese Möglichkeit aufgeklärt.

Indikationen zu diesem Eingriff sind die Sigmadivertikulitis ebenso wie gut- oder bösartige Tumoren.


7


180


Kapitel 7 · Allgemein- und ­Viszeralchirurgie


7


..Abb. 7.18 Laparoskopisch assistierte Sigmaresektion. Nach Resek­

tion des entzündlichen Herdes vor der Bauchdecke und Einknoten des

EEA-Staplerkopfes erfolgt die Reanastomosierung unter laparoskopischer Kontrolle in Double-Stapling-Technik (1 = Kameratrokar infraum­

bilikal, 2 = Arbeitstrokar im rechten Unterbauch, 3 = Arbeitstrokar im

rechten Mittelbauch). Aus: Siewert JR et al. (Hrsg) (2011) Gastroentero­

logische Chirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York

..Abb. 7.17 Resektionsausmaß bei einem Tumor des linksseitigen

­Kolons (Sigma, Colon descendens) mit radikulärer Ligatur der A. mesenterica inferior (Hemikolektomie links). Aus: Siewert JR, Rothmund M,

Schumpelick V (2010) Praxis der Viszeralchirurgie Onkologische Chirurgie,

3. Auflg. Springer, Berlin Heidelberg New York S. 707 (Abb. 47.7)


OP-Ablauf: Videoassistierte Sigmaresektion

55 Neben den üblichen endoskopischen Instrumenten

(0°- oder 30°-Optik, Clipzange etc) müssen auch

Grund- und Laparotomieinstrumente bereitgehalten

werden. Zusätzlich sind eine Ultraschallschere und

ein Kamerasystem empfehlenswert.

55 Der Patient wird in Steinschnittlage mit abgesenkten

Beinhaltern positioniert. Aufgrund der extremen

­intraoperativen Kopftieflage sollten Schulterstützen

angebracht werden, alternativ eine Vakuummatratze

zum Einsatz kommen.

55 Dem Patienten wurde der komplette Bauch rasiert

und präoperativ ein Blasenkatheter gelegt (7 Abschn.

4.4). Nach Anbringen der Neutralelektrode wird eine

Hautdesinfektion durchgeführt und der Patient steril

abgedeckt. Alle sterilen Kabel und Schläuche werden

mit den entsprechenden Geräten konnektiert.

55 Vor OP-Beginn wird das standardisierte Team-TimeOut durchgeführt.

55 Der erste Hautschnitt wird oberhalb des Bauch­

nabels gesetzt, die Faszie mit scharfen BackhausKlemmen angeklemmt und die Veress-Nadel eingebracht. Die o. g. Sicherheitstests werden durchgeführt und CO2 insuffliert. Nach Einbringen des ersten

Trokars wird der Bauchraum exploriert und weitere

Trokare unter Sicht platziert. Alternativ wird der erste


Trokar unter Sicht über eine Minilaparotomie eingebracht.

55 Nach der Anlage des Pneumoperitoneums beginnt

die Präparation, ggf. müssen Verwachsungen gelöst

werden. Dafür wird das Sigma angespannt und die

Adhäsionen mit einer Ultraschalldissektionsschere

gelöst.

55 Nachdem der Patient in Fußtieflage verbracht und

der Operationstisch zur rechten Seite geneigt wurde,

können das obere Sigma und das Colon descendens

bis zur linken Flexur mobilisiert werden. Die Milz ist

sichtbar, wenn das Lig. splenocolicum durchtrennt

wird, so kann sie sicher geschont werden. Das

Lig. gastrocolicum wird teildurchtrennt. Um das Mesosigma und die A. mesenterica inferior zu präparieren wird der Patient in Kopftieflage gebracht. Nach

der Eröffnung des Retroperitonealraums kann die

Skelettierung neben der Aorta bis zum Abgang der

A. mesenterica inferior durchgeführt werden. Sie

wird mit zwei Clips verschlossen und danach durchtrennt. Nun ist die gleichnamige Vene zu erkennen,

auch diese wird geclipt und durchtrennt.

55 Wichtig ist die sichere Identifikation und Schonung

des Ureters sowie der Beckengefäße. Ist das Sigma

im Bereich des zu resezierenden Darmsegments gut

skelettiert, kann es mit einem abwinkelbaren endo­

skopischen Klammernahtgerät über einen 12-mmTrokar am Rektumübergang abgesetzt werden. Um

die verbleibenden Darmanteile (Colon descendens

wird zum Rektumstumpf geführt) später spannungsfrei zusammenfügen zu können, müssen auch die


181

7.6 · Dünn- und Dickdarm


­linke Flexur und ggf. Teile des Transversums mobilisiert werden. Hierzu ist es sinnvoll, die Bursa omen­

talis zu eröffnen und das Omentum majus vom

Colon transversum abzulösen. Nach Abschluss der

Mobilisation wird das CO2 abgelassen und z. B. eine

Minilaparotomie pararektal an der Position der

linken Trokarinzi­sion angelegt. Das geklammerte

­Resektat wird mit e

­ iner Fasszange vor die Bauch­

decke luxiert und mit einer weichen Darmklemme

abgeklemmt. Nach A

­ nlegen einer Tabakbeutel­

klemme wird das tumor- oder divertikeltragende

­Sigma reseziert und abgegeben. Nun wird die Tabakbeutelnaht durch die Klemme gelegt, die Fadenenden werden angeklemmt, und die Klemme wird

dann entfernt.

55 Nun wird die Andruckplatte eines zirkulären Anastomosenstaplers in die vorbereitete Tabakbeutelnaht

eingeknotet. Der Darm wird wieder in den Bauchraum reponiert. Nach vorläufiger Zählkontrolle kann

der Bauchschnitt schichtweise verschlossen werden.

CO2 wird erneut insuffliert.

55 Um die Anastomosierung durchführen zu können,

muss das Klammernahtinstrument transanal eingeführt werden. Nach dem Ausfahren des Geräts und

dem Durchstoßen der aboralen Darmwand mit dem

«Dorn», wird intraabdominell die Andruckplatte mit

dem Gerät konnektiert. Das Klammernahtinstrument

wird zusammengedreht und der Klammernahtmechanismus ausgelöst. So wird die Darmkontinuität

wiederhergestellt (. Abb. 7.18). Das Gerät wird aus

dem Rektum entfernt und die beiden Anastomosenringe auf Vollständigkeit geprüft.

55 Die Kontrolle der Anastomosendichtigkeit erfolgt

durch das Auffüllen des kleinen Beckens mit NaClSpüllösung (0,9%) und das Aufblähen des Rektums

mit Luft über ein transanales Darmrohr. Kurz oberhalb der Anastomose wird das Darmlumen sanft zusammengepresst. Steigen keine Bläschen auf, ist die

Dichtigkeit gewährleistet.

55 Eine weitere Möglichkeit, die Dichtigkeit zu kon­

trollieren, ist die Anastomose mit weißen Streifen

zu umlegen. Über ein Darmrohr wird gefärbte PVPLösung eingebracht. Färben sich die Streifen, ist die

Anastomose undicht. (Diese Methode eignet sich

eher für die konventionelle Resektionstechnik.) Eine

undichte Stelle sollte dann mit einer Naht versorgt

werden, ggf. muss die Anastomose noch einmal

komplett neu angelegt werden.

55 Nach abschließender Spülung kann eine Drainage

eingelegt werden. Die Zählkontrolle wird durchgeführt und die Trokare unter Sicht entfernt. Nach Fas­

zien- und Hautnaht wird der Pflasterverband angelegt.


Alle genannten Operationsschritte entsprechen denen der

konventionellen Resektion.

Zum Schutz der Anastomose kann zusätzlich ein protektives, doppelläufiges Ileostoma angelegt werden.

j

jProktokolektomie mit ileoanaler Pouch-Anlage


Bei der Proktokolektomie wird der gesamte Dickdarm inkl.

Großteile des Rektums entfernt. Um möglichst normale

Stuhlgangverhältnisse zu erhalten, wird ein ileoanaler Pouch

(Pouch = Beutel), bestehend aus einer Dünndarmschlinge,

mit Reservoirfunktion angelegt.

OP-Ablauf: Proktokolektomie mit ileoanaler PouchAnlage

55 Über eine mediane Ober- und 

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