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coinad

4/6/26

 Kompressionsplatte (. Abb. 8.4).

Werden reponierte Fragmente gehalten und deren Biegeund Rotationskräfte neutralisiert, sprechen wir von einer

Neutralisationsplatte. Meistens ist die Fraktur dann durch

Schrauben stabilisiert, die Platte sorgt dann «nur» noch dafür,

dass die Zugkräfte des Muskels die Fraktur nicht wieder destabilisieren

Eine Abstützplatte verhindert das Abrutschen gelenk­

naher Frakturteile oder bietet einer Spongiosaanlage Halt

(. Abb. 8.5). Wir unterscheiden zwischen T- und L-förmigen

Abstützplatten.

Es gibt Platten in vielen verschiedenen Varianten:

Spann-Gleitloch-Platten («dynamic compression plate»,

DCP): Sie besitzen ovale und einseitig schräge Plattenlöcher,

die eine axiale (in Richtung der Körperachse) Kompression

ermöglichen. Die schräge Unterseite des Schraubenkopfs gleitet beim Einbringen auf dem schrägen Rand des Plattenlochs

nach unten und drückt damit die Platte zur Seite (Kugelgleitprinzip). Zum korrekten Anbringen der DC-Platte sind ­speziel­le

Bohrbüchsen bzw. eine Universalbohrbüchse notwendig.

Die neutrale oder zentrische Büchse platziert die Schraube mit bestmöglichem Halt im Plattenloch (wird am häu­

figsten verwendet). Die exzentrische Bohrbüchse wird nur

mit Spannschrauben verwendet. Sie ermöglicht die Platzierung der Schrauben 1 mm von der Endposition (. Abb. 8.6).

>>Zuerst muss die Spannschraube frakturnah eingesetzt


werden, da sonst die Fragmente auseinanderweichen!


a


1

b


2


..Abb. 8.2a, b Zuggurtung mit Drahtumschlingung. Beispiel Olekranonfraktur. a Vorgehen: Nach exakter Reposition werden zwei ­Bohrdrähte

in ein kleines dorsales Bohrloch durch die Kortikalis eingesetzt (2).

Die etwas hervorstehenden Drahtenden (1) bilden die Haltepunkte für

die unter Spannung eingesetzte Drahtcerclage. b Bei Unterarmbeugung Druckeinwirkung auf den gelenknahen Teil der Frakturfläche.

Aus: Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer, Berlin

Heidelberg New York


Bei Querbrüchen wird die Platte in neutraler Stellung zunächst mit einer Schraube fixiert. Die zweite Schraube wird

durch die entsprechende Bohrbüchse exzentrisch im Gegenfragment angebracht. Alle weiteren Schrauben werden zen­

trisch eingebracht. Soll mehr Kompression erreicht werden,


213

8.1 · Grundlagen


e


d

a


c


b


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g


..Abb. 8.3a–g AxSOS-Verriegelungsplattensystem. a Proximale Hume­

rusplatte. b Proximale laterale Tibiaplatte. c Distale laterale Femurplatte.

d Distale mediale Tibiaplatte. e Distale anterolaterale Tibiaplatte. f VariAx-


Verriegelungsplattensystem: Fersenbein-Mesh-Platte. g VariAx 2 Clavi­

cula-Verriegelungsplattensystem: laterale Hakenplatte (Klavikula). (Mit

freundlicher Genehmigung der Fa. Stryker GmbH & Co. KG)


dann müssen beide Schrauben exzentrisch eingebracht und

wechselseitig angezogen werden. Zusätzlich kann im selben

Fragment eine zweite Spannschraube angebracht werden,

wenn dann die erste Schraube gelöst und die zweite angezogen wird und dann wieder die erste Schraube angezogen wird,

wird eine stärkere Kompression erreicht. Im Gegenfragment

kann genauso verfahren werden.

Bei Schrägbrüchen hat eine DCP häufig die Funktion

­einer Neutralisationsplatte. Die Kompression auf den Bruchspalt wird durch eine interfragmentäre Zugschraube (s. u.)

erreicht.

Wird eine starke Kompression benötigt, kann das über

einen Plattenspanner erreicht werden.

Die LC-DC-Platte («limited contact-DCP») ist eine Weiterentwicklung der DCP. Durch eine minimierte Plattenauflagefläche wird eine bessere Durchblutung des Knochens gewährleistet. Die Plattenlöcher sind oval und ermöglichen eine

Kompression auf beiden Seiten. Sie wird wie die DC-Platte

angewendet.

Eine spezielle LC-DCP-Bohrbüchse oder eine Universalbohrbüchse wird benötigt, die Universalbohrbüchse ermög-


licht die Bohrung in Neutral-, Schräg- oder Kompressionsstellung und den Einsatz der Bohrer und Gewindeschneider.

Mit einer LC-Platte («locking compression plate») kann

eine winkelstabile Osteosynthese durchgeführt werden. Hierbei wird die Platte nicht über die Schrauben an den Knochen

gepresst, sondern die LCP wird über ihre speziellen Plattenlöcher mit Gewinde und sog. Kopfverriegelungsschrauben

(s. u.) zu einer festen Einheit verschraubt (. Abb. 8.4b).

­Darüber hinaus ermöglichen die speziellen Plattenlöcher als

sog. Kombilöcher auch eine axiale Kompression mittels

­exzentrisch eingebrachter Standardschrauben oder das Einbringen einer Zugschraube.

Drittelrohrplatten werden so genannt, da sie ein Drittel

des Umfangs eines Rohrs darstellen. Sie sind kostengünstig

und werden häufig am Außenknöchel verwendet.

Rekonstruktionsplatten sind dreidimensional mit

Schränkeisen biegbar. Diese Platten wurden entwickelt, um

besonderen anatomischen Gegebenheiten gerecht zu werden.

Sie werden häufig bei Beckenfrakturen verwendet.

Darüber hinaus bieten viele Implantathersteller Platten

mit Spezialformen an, die anatomisch vorgeformt sind und


8


214


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


a


8


a

b


c

..Abb. 8.4a–c Prinzip der Kompressionsplatte am Beispiel der «low contact dynamic compression plate» (LC-DCP). a Nach dem Einsetzen ­einer

Kompressionsschraube lässt sich nur noch eine weitere Schraube mit Kompressionsfunktion in dasselbe Fragment einsetzen. b Ein Verschieben der

Platte presst die erste Kompressionsschraube gegen die Seite des Schraubenlochs und verhindert weitere Bewegungen. c Beim Anziehen der zweiten Schraube muss die erste Schraube gelöst werden, um ein Gleiten der

Platte auf dem Knochen zu ermöglichen, wonach das erneute Anziehen

der Schraube durchführbar ist. Aus: Grifka J, Kuster M (2011) Orthopädie

und Unfallchirurgie. Springer, Berlin Heidelberg New York


nur an den entsprechenden Knochen der linken oder rechten

Körperseite passen (. Abb. 8.3). Die Bauart der Platten ermöglicht häufig einen minimalen Knochenkontakt (wie bei

der LC-DCP). Die Plattenlöcher sind in der Regel als Kombilöcher gefertigt, wodurch eine dynamische Kompression

(s. DCP) oder eine winkelstabile Verblockung (s. LCP) durchgeführt werden kann.

Des Weiteren gibt es weitere Platten mit Spezialformen

wie z. B. die Winkel- oder Osteotomieplatten. Sie werden zur

Korrektur von Fehlstellungen wie z. B. unphysiologischen

Beinachsen oder Hüftfehlstellungen angewendet.


Schrauben

Schrauben für eine Osteosynthese lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden:

44Implantatwerkstoff (z. B. Stahl oder Titan),

44Schraubenart (z. B. Kortikalis-, Spongiosa-, Kopfverriegelungsschraube) (. Abb. 8.7),

44Gewindedurchmesser (z. B. ∅ 3,5 mm, ∅ 5 mm,

∅ 6,5 mm),


b

..Abb. 8.5a, b Abstützplatte. Beispiel: ­mediale Tibiakopffraktur mit

Impressionen. a Vorgehen: Rekonstruktion der tibialen Gelenkfläche

durch Unterfütterung mit Spongiosa – durch Anbiegen wird die Platte

der Knochenwölbung angepasst – Aufschrauben der Platte, in der Metaphyse mit Spongiosaschrauben, bei gleichzeitiger ­interfragmentärer

­ ompression. b Winkelstabile Verankerung von Schraubenköpfen im

K

Plattensystem. Aus Siewert JR, Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie.

Springer, ­Berlin Heidelberg New York


44Gewindelänge (z. B. Vollgewinde, langes oder kurzes

Teilgewinde),

44Schraubenspitze (z. B. selbstschneidend),

44Schraubenkopfantriebe (z. B. Sechskant, Innensechsrund, Kreuzschlitz),

44Funktion (z. B. Zug- oder Stellschraube).

Weit verbreitet ist die Schraubeneinteilung durch die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO). Ausgehend vom

Gewindedurchmesser der Schraube sprechen wir vom:

44Minifragment-Implantat-System (∅ 2,0 mm, ∅ 2,4 mm,

∅ 2,7 mm),

44Kleinfagment-Implantat-System (∅ 3,5 mm, ∅ 4,0 mm),

44Standard- oder Großfragment-Implantat-System

(∅ 4,5 mm, ∅ 5,0mm, ∅ 6,5 mm).


215

8.1 · Grundlagen


..Abb. 8.6a, b Bohrbüchsen. (Mit freund­

licher Genehmigung der Fa. Stryker GmbH &

Co. KG)


a


b


chenschaft), angewendet und hat ein durchgehendes, flaches

Gewinde. Sie ist mit einem selbstschneidenden Gewinde vorhanden, aber auch mit einem Gewinde, das einen Gewindeschnitt vor dem Eindrehen der Schraube erfordert. Sie besitzt

einen breiten Kerndurchmesser und hat dadurch eine er­höhte

Stabilität im festen Knochen.

Einbringen einer Kortikalisschraube


a


b


c


d


..Abb. 8.7a–d Verschiedene Schrauben: a selbstschneidende

­Kopfverriegelungsschraube 4,0 mm, b Kortikalisschraube 3,5 mm,

c Spongiosaschraube, Vollgewinde 4,0 mm, d Spongiosaschraube,

­Teilgewinde 4,0 mm. (Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Stryker

GmbH & Co. KG)


Viele Hersteller orientieren sich an dieser Schrauben­

einteilung. Es gibt jedoch auch Implantat-Systeme, deren

Schrauben andere Gewinde- bzw. Kerndurchmesser auf­

weisen.

Der Durchmesser des Bohrers richtet sich nach dem

Kerndurchmesser einer Schraube, daher kann bei den unterschiedlichen Implantatherstellern auch die Größe des Bohrers zum Setzen des Schraubenlochs variieren.

>>Es ist wichtig, die Durchmesser des Bohrers und


der Schraube der verwendeten Implantatsysteme zu

kennen!


Im Kleinfragment-Implantat-System werden Schrauben unterteilt in Kortikalis-, Spongiosa- und Kopfverriegelungsschrauben (. Abb. 8.7). Sie werden benötigt, um die bereits

genannten Platten zu fixieren, sie dienen aber auch als Zugund Stellschrauben.

Die Kortikalisschraube (3,5 mm Gewindedurchmesser)

wird vorwiegend im kortikalen Knochen (die Kortikalis ist

die harte Außenschicht des Knochens), der Diaphyse (Kno-


55 Bohrer (∅ 2,5 mm) mit der passenden Bohrbüchse

55 Schraubenlänge (Länge der Schraube vom Kopf bis

zur Spitze) mit dem Schraubenmessgerät bestimmen

55 Mit dem Gewindeschneider (∅ 3,5 mm) und der

Schutzbüchse ein Gewinde hineinschneiden (außer

die Kortikalisschraube ist selbstschneidend)

55 Schraube aussuchen und die Länge kontrollieren

55 Schraube mit dem passenden Schraubendreher eindrehen (s. . Abb. 8.8)


Die Kortikalisschraube kann als Zugschraube eingebracht

werden, um eine Kompression auf den Bruchspalt zu bringen,

indem sie den Bruchspalt durchquert und erst im gegenüberliegenden Fragment fasst. Dadurch wird die sog. interfragmentäre Kompression erzeugt (. Abb. 8.9).

Dazu wird mit einem Bohrer (∅ 3,5 mm) und der passenden Bohrbüchse im 1. Fragment das sog. Gleitloch gebohrt,

die Steckbohrbüchse (∅ 2,5 mm) in das entstandene Gleitloch gesteckt und in das 2. Fragment mit einem 2,5-mm-Bohrer gebohrt. Nun wird mit dem Schraubenmessgerät die Länge der Schraube bestimmt, bei Bedarf mit dem Gewindeschneider (∅ 3,5 mm) und der Bohrbüchse ein Gewinde ins

2. Fragment geschnitten. Nun kann die gewählte Schraube

mit dem passenden Schraubendreher eingedreht werden.

Die Spongiosaschrauben (4,0 mm Gewindedurchmesser) werden vorwiegend im spongiösen Knochen eingesetzt.

Die weiche Spongiosa befindet sich im Knocheninneren und

sieht aus wie ein Schwamm. Wir finden sie hauptsächlich in

der Epi- und Metaphyse (Epiphyse bezeichnet das Gelenkende eines Knochens, die Metaphyse den Abschnitt zwischen

Epi- und Diaphyse) des Knochens. Die Spongiosaschraube

besitzt einen dünnen Kern und ein tiefes Gewinde. Es gibt sie

mit unterschiedlichen Gewindelängen.


8


216


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


..Abb. 8.8a–e Instrumente zum Einbringen

­ iner Kortikalisschraube: a skalierter Spiral­bohrer,

e

b verschiedene Bohrbüchsen, c Tiefenmesser,

d Schraubendreher, e Gewindeschneider.

(Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Stryker

GmbH & Co. KG)


a


b


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c


d


e


..Abb. 8.9a, b Zugschraubenprinzip für interfragmentäre Kompression; a mit Schaftschraube

(Spongiosaschraube) im epiphysären Bereich,

b mit Kortikalisschraube im diaphysären Bereich:

Gleitloch und Gewindeloch. Aus: Siewert JR,

Brauer RB (2010) Basiswissen Chirurgie. Springer,

Berlin Heidelberg New York


a


b


217

8.1 · Grundlagen


Es gibt sie als sog. kanülierte (durchbohrte) Schrauben,

diese können über einen vorgelegten Kirschner-Draht gezielt

eingebracht werden und ermöglichen so ein perkutanes

(durch die Haut) Vorgehen. Dafür liegt spezielles Instrumentarium vor.

Einbringen einer Spongiosaschraube

55 Bohrer (∅ 2,5 mm) mit Bohrbüchse

55 Bestimmen der Länge mit dem Messgerät

55 Wird die Spongiosaschraube als Zugschraube ver­

wendet, muss evtl. ein Gewinde (∅ 4,0 mm) in die

Eingangskortikalis geschnitten werden

55 Eindrehen der Schraube mit dem Schrauben­

dreher


Die Kopfverriegelungsschrauben oder auch winkelstabile

Schrauben werden hauptsächlich bei winkelstabilen Platten

angewendet. Sie besitzen ein Gewinde im Schraubenkopf und

verankern sich mit diesem in den vorgegebenen Gewindegängen der Platte.

Eine weitere Möglichkeit der winkelstabilen Verblockung

kann durch unterschiedliche Materialhärten der Kopfverriegelungsschrauben und der Platte erreicht werden, sodass sich

beim Eindrehen der Schraube der Gewindekopf fest im Plattenloch verklemmt.

Einbringen einer Kopfverriegelungsschraube

55 Bohrer (∅ 2,8 mm) mit der speziell für das winkel­

stabile Bohren vorhandenen Bohrbüchse, die direkt

auf die Platte aufgedreht wird

55 Bestimmen der Länge mit dem Messgerät, dazu

muss die Borbüchse entfernt werden

55 Eindrehen der Schraube mit dem Schrauben­

dreher


Marknägel gibt es in verschiedenen Formen:

44Beim aufgebohrten Marknagel wird der Markraum

mit entsprechenden Fräsen aufgebohrt und der Nagel

mit Hilfe eines Geräts eingeschlagen, mit dem er nach

der Ausheilung der Fraktur auch wieder entfernt

werden kann. Der Nagel ist hohl, ggf. hat er einen

­Längsschlitz. Diese Form gewährleistet eine viel grö­

ßere Steifigkeit als ein einfaches Rohr. Es gibt Mark­

nägel in verschiedenen Längen und Stärken. Ihr oberer

Anteil unterscheidet sich je nach dem zu versorgenden Knochen.

44Die unaufgebohrten Marknägel werden in die nicht

vorbereitete Markhöhle eingeschlagen, dadurch entfällt

das Bohrungstrauma.


Marknägel können antegrad, d. h. vom proximalen zum

­distalen Ende des Knochens eingebracht werden. Bei einigen Nagelimplantaten ist es auch möglich, diese in umge­

kehrter Richtung, d. h.. retrograd, in die Markhöhle einzubringen.

Einige Systeme bieten zusätzliche Kompressionsmöglichkeiten der Fraktur. Die Marknägel werden mit selbstschneidenden Schrauben proximal und/oder distal der Fraktur verriegelt.

Die Verriegelung kann statisch erfolgen oder dynamisch:

44Die statische Verriegelung sichert die Wiederherstellung der natürlichen Knochenlänge z. B. bei Trümmerbrüchen, Knochendefekten, Etagenfrakturen. Diese Art

der Verriegelung wird bei jedem unaufgebohrten

Marknagel angewendet.

44Zur dynamischen Verriegelung werden die Schrauben

im ovalen Langloch des Marknagels platziert, dadurch

ist eine Kompression von einfachen Quer- oder Schrägfrakturen im Bereich der Dia- oder Metaphyse durch

axiale Belastung des gebrochenen Knochens möglich.


Externer Fixateur

Intramedulläre Implantate

Intramedulläre Implantate werden in den Markraum einge-


bracht, um den Knochenbruch zu schienen. Sie werden bei

Brüchen des Femurs (Oberschenkel), der Tibia (Wadenbein)

und des Humerus (Oberarm) angewendet. Die halbelastischen Feder- bzw. Gleitnägel werden zur Schienung bei

Schaftfrakturen von dünneren Röhrenknochen (z. B. Ulna,

Elle des Unterarms) bevorzugt.

Durch die Marknagelung ergeben sich viele Vorteile.

Der Bruch muss nicht freigelegt werden, deshalb bleiben

die einzelnen Fragmente in ihrem Weichteilverbund (geschlossene Marknagelung). So ergibt sich ein geringeres

Operationstrauma der Weichteile, geringerer Blutverlust

und eine kürzere OP-Dauer. Die rasche Belastungs- oder

Übungsstabilität ermöglicht eine kurze postoperative Liegedauer.

In komplizierten Fällen sind offene Repositionen und zusätzliche Fragmentsicherung mit Cerclagen möglich (offene

Marknagelung).


Eine weitere Möglichkeit der Osteosynthese ist ein externer

Fixateur, mit dem eine äußere Stabilisierung von Knochen-


brüchen erreicht wird. Frakturfern werden über kleine Hautschnitte sog. Pins oder Schanz-Schrauben bzw. SteinmannNägel in den Knochen gebohrt. Diese Implantate befestigt

man außerhalb des Körpers mit Klemmbacken und Träger­

elementen (. Abb. 8.10). Eine weitere Variante ist die Anlage

eines externen Fixteurs mit transkutan (durch die Haut) in

den Knochen eingebrachten Drähten, spezielle Ringsystemen

und Längsträgern.

>>Sind diese Osteosynthesesysteme mit den dazuge­


hörenden Knocheninstrumenten und den vorhandenen Bohrsystemen bekannt, kann die Frakturver­

sorgung beginnen. Jeder Mitarbeiter einer trauma­

tologisch-­orthopädischen Operationseinheit kennt die

verwendeten Materialien seiner Abteilung und ist im

Umgang mit den zusätzlich benötigten Bohrsystemen

geschult.


8


Kapitel 8 · Orthopädie und Traumatologie


218


(Schulterblatt). Frakturen des Schlüsselbeins entstehen durch

Sturz auf den ausgestreckten Arm oder durch direkte Gewalteinwirkung, wie einen Schlag oder Zug am Autogurt.

Evtl. entstehen durch spitze Knochenfragmente begleitende Nervenschäden des Arms, Gefäß- oder Pleuraverletzungen (Lungenfell). Liegt eine Gefäß- oder Nervenverletzung

vor, ist die Durchblutung, die Motorik, bzw. die Sensibilität

des Arms gestört.

Die Weichteile im Frakturbereich schwellen an, durch

muskulären Zug des M. sternocleidomastoideus steht das mediale Fragment höher (Stufenbildung) als das Gegenfragment.

Die Diagnose wird durch eine Röntgenaufnahme gesichert.

Wir kennen folgende Einteilungen der Klavikulafrak­

turen:

44sternumnah: medial (selten),

44im mittleren Drittel des Schlüsselbeins,

44akromionnah: lateral.


8


OP-Ablauf: Osteosynthese einer Klavikulafraktur


a


b


..Abb. 8.10a, b Unilaterale Fixateur-externe-Montagen. a Bei proximaler Tibiafraktur, b Dreirohrfixation bei Tibiaschafttrümmerfraktur.

Aus Siewert JR, Stein HJ (2012) Chirurgie mit integriertem Fallquiz, 9. Aufl.

Springer, Berlin Heidelberg New York


??Fragen zur Wiederholung zu 7 Abschn. 8.1


55 Erklären Sie die Begriffe:

–– Fraktur,

–– Reposition,

–– Osteosynthese.

55 Beschreiben Sie eine Cerclage und eine Zuggurtung.

55 Wodurch unterscheidet sich eine DCP von einer LCP?

55 Welche Schrauben zur Osteosynthese kennen Sie

und worin unterscheiden sie sich?

55 Beschreiben Sie das Einbringen einer Zugschraube.


8.2


Schulter


Olga Aßmann

8.2.1


Klavikulafraktur (Schlüsselbeinbruch)


Das Schlüsselbein ist ein S-förmiger, im Verlauf tastbarer

Knochen, der in der Körpermitte (medial) über das Sternoklavikulargelenk (Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk) mit dem

Sternum verbunden ist, sowie seitlich (lateral) über das Akromioklavikulargelenk (Schultereckgelenk) mit der Skapula


55 Für die geplante Osteosynthese einer Klavikulafraktur benötigen wir neben dem Grundinstrumentarium

allgemeines Knocheninstrumentarium, eine Bohr­

maschine und das Kleinfragmentinstrumentarium

mit den Implantaten.

55 Der Patient wird halbsitzend (Beach-chair-Lagerung,

7 Abschn. 4.5.2) positioniert, die betroffene Schulter

wird leicht angehoben, der Kopf leicht rekliniert

(nach hinten gestreckt) und zur Seite gedreht.

55 Das Röntgengerät wird bereitgestellt. Es ist darauf

zu achten, dass Monitor und C-Bogen auf der gegenüberliegenden Seite stehen. Es muss sichergestellt

sein, die Klavikula in 2 Ebenen in beide Richtungen

röntgen zu können.

55 Das Operationsgebiet inkl. Oberarm bis zum Ellen­

bogen wird desinfiziert und der Patient so abgedeckt,

dass der betroffenen Arm während des Eingriffs bewegt werden kann. Nach dem standardisierten TeamTime-Out beginnt die Operation mit einem leicht

­gebogenen Schnitt parallel zu der Hautspaltlinie oder

rechtwinkelig zur Klavikula (Säbelhiebschnitt) in

Höhe der Fraktur. Nach der subkutanen Aufspaltung

des Unterhautgewebes (Dissektion) mit einer Prä­

parierschere und einer chirurgischen Pinzette werden

die Äste der sensorischen Nerven dargestellt. Die

Hauptfasern müssen geschont werden und sind deshalb während der Operation mit Gefäßschlingen

­angezügelt.

55 Das Platysma (Hautmuskel des Halses) wird vorsichtig mit einem Skalpell gespalten, um das Periost

(Knochenhaut) der Klavikula darzustellen. Hier sollte

das Periost nicht von den Knochenfragmenten abgelöst werden, damit der Knochen auch postoperativ

gut durchblutet wird und heilen kann.

55 Mit der Reposition der Fragmente werden die nor­

male Länge, die Achsenwinklung und die Rotation


219

8.2 · Schulter


wieder hergestellt. Gibt es Trümmerfragmente,

­werden diese ebenfalls reponiert und vorübergehend mit Kirschner-Drähten fixiert, ohne dass dabei

das ­eigentliche Fixationsimplantat gestört wird.

55 Es wird eine 3,5-LCP- («locking compression plate»)

Klavikulaplatte in einer für die Fraktur geeigneten

Länge ausgewählt, evtl. muss die Platte an die Anatomie des Patienten angepasst werden. Durch Schränkeisen, Biegezangen und/oder Biegepresse kann die

Platte geformt werden.

55 Die Klavikulaplatte wird platziert und evtl. mit Kirschner-Drähten am Ende der Platte vorübergehend

­fixiert.

55 Evtl. wird zum Erhalt der Reposition eine Zugschraube

durch die Platte eingebracht. Bei manchen Frakturen

ist eine Zugschraube auch grundsätzlich erforderlich.

55 Über eine Bohrbüchse wird eine 3,5-mm-Kortikalisschraube zur temporären Fixierung eingebracht.

Die Röntgenkontrolle zeigt, ob die Ausrichtung

stimmt, das Bild wird für die Patientenakte ausgedruckt. Bei korrekter Lage der Platte wird diese mit

einer Kombination aus Kortikalis- und Kopfverrie­

gelungsschrauben an die Klavikula herangezogen

und somit fixiert.

55 Die Wunde wird mit physiologischer NaCl-Lösung

­gespült, um ggf. feine Knochensplitter und Koagel

zu entfernen, da diese sonst die Heilung beeinträchtigen.

55 Bei Bedarf kann eine Redon-Drainage gelegt werden, um Wundsekret, Blut und Lymphe abzuleiten.

Danach kann nach der Zählkontrolle und deren

­Dokumentation der schichtweise Verschluss mit zartem resorbierbarem Nahtmaterial vorgenommen

werden.


>>Während einer Osteosyntheseoperation muss der


­Instrumentant folgendes bedenken:

55 Einmal gebogene Platten dürfen nicht wieder zurückgebogen werden, da sie dadurch geschwächt

werden.

55 Schrauben, die im Knochen eingedreht waren

und doch nicht verwendet wurden, dürfen nicht

resterilisiert werden, dieses gilt auch für KirschnerDrähte, die ein Gewinde besitzen.

55 Bohrbüchsen müssen nach jeder Benutzung durchgespült werden, dadurch werden Blutkoagelreste

entfernt und ein präziseres Bohren gewährleistet.


8.2.2


Skapulafraktur (Schulterblattbruch)


Das Schulterblatt ist ein dreieckiger, platter Knochen, an dessen dorsaler (hinteren) Seite die Spina scapulae tastbar hervorspringt, diese endet lateral (seitlich) am Akromion (Schulterhöhe). An der lateralen, oberen Ecke des Schulterblatts


befindet sich eine muldenförmige Vertiefung, die sog. Gelenkpfanne (Cavitas glenoidalis). Die Schultergelenkpfanne

wird auch Glenoid genannt. An der ventralen (bauchwärts)

Seite befindet sich ebenfalls ein Fortsatz, der Processus coracoideus (Rabenschnabelfortsatz), an dem die Sehne des

M. biceps brachii anhaftet.

Skapulafrakturen treten in der Regel aufgrund erheblicher

Gewalteinwirkung auf, oft durch einen Verkehrsunfall (Polytrauma), Sturz aus großer Höhe oder durch Sportverletzungen. Der Patient klagt über eine schmerzhaft eingeschränkte

Schulterbeweglichkeit mit lokalem Druckschmerz. Durch

eine Röntgenuntersuchung ist in der Regel eine ausreichende

Abklärung möglich.

Je nach Lokalisation und Instabilität der Fraktur muss

­diese operativ versorgt werden.

Für die Osteosynthese einer Skapulafraktur (zur Versorgung von Korpus-, Skapulahals- und Glenoidfrakturen) benötigen wir Grundinstrumente, allgemeine Knocheninstrumente, Kleinfragmentinstrumente und -implantate sowie

eine Bohrmaschine.

Das Röntgengerät wird bereitgestellt, dabei ist darauf zu

achten, dass der Monitor und der C-Bogen auf der gegenüberliegenden Seite stehen. Es muss in 2 Ebenen geröntgt werden.

Auf den Röntgenschutz des Patienten und der Mitarbeiter ist

zu achten.

Der Patient liegt auf einem geraden Tisch in stabiler Seitenlage auf einer Vakuummatratze, der betroffene Arm muss

frei beweglich bleiben. Nachdem der Patient in Narkose in die

korrekte Lagerung gebracht wurde, wird das Operations­

gebiet bis zur Mitte des Oberarms desinfiziert und der Patient

wird steril so abgedeckt, dass der Arm intraoperativ frei beweglich ist. Nach dem standardisierten Team-Time-Out beginnt die Operation.

Bei Korpusfrakturen wird der Zugang nach Judet gewählt. Der Hautschnitt verläuft von der untersten Ecke der

Skapula bogenförmig entlang des medialen Rands bis hin

zum Akromion. Nachdem die Faszie gespalten und der

M. deltoideus von der Spina scapulae abgelöst wurde, kann

die Fraktur reponiert werden. Die Stabilisierung erfolgt mit

Rekonstruktions- oder Drittelrohrplatten (s. o.).

Bei einer Skapulahals- und Glenoidfraktur wird der Zugang nach Rockwood gewählt. Der Hautschnitt verläuft von

der obersten Ecke des Akromion gerade nach unten bis hin

zur hinteren Achselhälfte. Nach dem Spalten der Faszie werden die Fasern des M. deltoideus gesplittet. Dadurch ist der

Zugang zur Gelenkkapsel frei, die dann entlang des Pfannenrands inzidiert wird. Die Fraktur wird reponiert und mit einer


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